traurig,
adj. ,
ahd. nur bei Notker,
neben synonymem unfro; Otfrid
bevorzugt die familie ser, serlich, serag, Tatian gitruobit,
dazu vgl. as. drôbian,
ags. drēfan
betrübt werden; as. gidrôbian,
ags. gedrēfan
betrüben. 11)
in der ursprünglichen subjectiven bedeutung als '
betrübt, niedergeschlagen',
auch verbunden mit dem gefühl der sehnsucht, sorge oder inneren anteilnahme. 1@aa)
unmittelbar vom persönlichen träger: so ih tih erest sah truregen unde wuofenten
cum vidissem te mestum et lacrimantem Notker 1, 40
Piper; sunderig trost tero truregon
o summum solamen lassorum animorum 1, 126;
vgl. 2, 155; 269; alsô trûric wart ich nie, swenn ich die wolgetânen sach, mîn senedez ungemach zergie Dietmar v. Eist
in minnesangs frühling 36, 20; diu maget begunde denchen, diu ougen nider senchen, si nam ez in ir ahte wie das werden mæhte und wie dem gruzsal wære; trurik stunt diu gewære priester Wernher
Maria d 2436
Wesle; ich wil iuch hœren lâzenwar umbe ich trûric stâ
n. von boten mîner vîndeich daz vernomen hân daz si mich wellent suochenmit herverte hie
Nibelungenlied 157, 1
L.; dô der trûrge vischære saz âne freude und âne trôst Wolfram v. Eschenbach
Parzival 315, 28; des lobet er (
Job) got und fröute sich. dô tet der arme Heinrich leider niender alsô wan er was trûrec und unfrô Hartmann v. Aue
armer Heinrich 148; von dem ersten sollent ir wissen, daz do heisset unbescheiden trurikeit, daz
ein mensche also rehte trurig ist, daz er nut guotes mag getuon und doch nut weis waz ime gebristet Seuse 496
Bihlmeyer; (
es) machet den menschen trurig und enge Tauler
pred. 324, 17
Vetter; ir sullit nu truric sin, daz ist in der zit
paradisus animae intelligentis 65, 22
Strauch; wan do der jungling hett gehort das wort, er gieng trurig hin
erste deutsche bibel 1, 73; der apt was traurig des schadens Pauli
schimpf und ernst 52
Österley; so ist allen melancholischen ... disz gemein, dasz sie forchtsam und traurig sind Wirsung
artzneibuch (1588) 139
b; die pfalzgräfin stellete sich nach ihres herrn tode gantz traurig und kläglich, rang ihre hände, raufte ihre haar aus Binhardus
thüring. chron. (1613) 91; wie traurigsein beim menschen auch ein sondere art hat, dabei traurigkeit erkent wirt, also ist
es auch in dem gestirn Paracelsus
opera (1616) 2, 408
Huser; da die (
drachenhöhle) Maria und Joseph ersahe, da wurden sie traurig und fürchten, sie kämen umb das kind J. Prätorius
saturnalia (1663) 374; nur macht es mich stille und traurig ..., dasz du das schöne nicht sehen sollst Göthe IV 8, 54
W.; traurig und wehmütig, mit kaum verhaltenen thränen in den augen G. Keller 4, 18; er sah ... nicht mehr drohend aus, ... sondern nur müde und traurig H. Grimm
volk ohne raum 1, 67.
angelehnt an trauern
im sinne von '
den kopf hängen lassen, krank einhergehen',
s. sp. 1386: bei dieser krankheit (
der bräune) wird das vieh traurig, friszt im anfange wenig und endlich gar nichts mehr; der atem ist beschwerlich J.
N. Rohlwes
allg. vieharzneibuch (1828) 133.
ungewöhnlich für '
trauernd': ein schwartzes ... tuch, in welches sich das traurige frauenzimmer zu kleiden pfleget Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 425. 1@bb)
in gleich subjectivem sinne vom seelischen träger und sitze des schmerzes: trourich im der muot was
genesis 96, 34
Diemer; sint die sonne er liehten skîn gên der kelde hevet geneiget end die kleine vogelkîn heres sanges sîn gesweiget, drûrech is dat herte mîn Heinrich v. Veldeke
in minnesangs frühling 59, 15; werst du in der welt ..., din blünde jugent müst dick gedruckt werden mit willenbrechen ... und mst dick ein gruntlos trurigs hertz bergen mit frölichen worten durch eren willen Seuse 484, 17
Bihlmeyer; traurig ist mein sel bis in tod Berthold von Chiemsee
teutsche theologey 193
R.; das gemeine sprichwort: es stehet kein frölicher kopf auf eim traurigen hertzen Luther 5, 182
W. ebenso neben psychologischen begriffen: so erbluot sich mîn varweals der rôse an dorne tuot, und gewinnet daz herzevil manigen trûrigen muot der von Kürenberg
in minnesangs frühling 8, 21; traurige und fröhliche bilder ruft aus der vergangenheit seine phantasie hervor Herder 23, 3
S.; eine menge von traurigen vorstellungen stieg in gedrängter verwirrung bei diesem anblick in ihm auf Wieland
Agathon 1, 37; soll ich nun aber nach Berlin denken, so macht mirs eine traurige empfindung, dasz ich des guten, was mir dort zu theil werden sollte, mich nicht erfreuen darf Göthe IV 33, 55
W.; in alle zukunft wird es den Deutschen eine traurige erinnerung bleiben, dasz unser gröszter dichter in dem feinde seines vaterlandes nichts sehen wollte als den groszen mann Treitschke
deutsche gesch. 1, 318. 22)
neben sachlichen begriffen erfolgt verschiedentlich ein übergang zu objectiveren bedeutungen: 2@aa)
der subjective ausgangspunct bleibt deutlich spürbar neben sachlichen vorstellungen, die traurige gefühle, erinnerungen, ahnungen wecken oder solchen empfindungen ausdruck geben: jâne erkande ich nie kein trûric scheiden alsô snel. uns ist diu naht von hinnen alze balde Wolfram v. Eschenbach
lieder 8, 15; brächt ain trurig botschaft Niclas v. Wyle
translationen 44
Keller; trurig sach in geswiffnen worten und geberden furtragen Riederer
rhetoric (1493) a 3
b; die beiwoner des mörs haben ein traurig heulen weit gehört, da sie (
die Nereide) gestorben ist Eppendorff
Plinius (1543) 101; umb meinet willen mustest du ... deine arm in dem garten desz ölbergs auf die erden strecken und dieselbige mit traurigen thränen befeuchten J.
M. Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 1, 17; das traurige spectacul der todtenkörper Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 11; ich will ... meine seele von der idee so vieler trauriger ruinen reinspülen Göthe IV 8, 83
W.; lange zittert der traurige grundton fort in seinem (
Laszbergs) herzen Scherer
kl. schr. 1, 63; ein trauriges lächeln glitt über ihr gesicht Freytag
ges. w. 11, 201;
als unheilkündend: Pithagoras sagt, man soll die bonen nit essen, dann man finde untröstliche und traurige buchstaben an irer blüet
M. Herr
feldbau (1551) 50
b; den himmlischen (
zeichen der pest) werden zugeeignet die ... traurige cometen Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 20.
ursprünglich hierher gehörend: truriche sunda
passionssonntag; druri lidde
totengeläute Follmann
lothr. 109.
überleitend zum folgenden: traurig wetter
düsteres, langweiliges wetter Fischer
schwäb. 2, 336; den rest des langen und traurigen winters Ramler
einl. 1, 395. 2@bb)
dem ausgangspunkt stehen bereits solche verwendungen ferner, in denen traurig
den visuellen eindruck wiedergibt und in die bedeutung '
dunkel, düster'
übergeht: tetricus truriger Diefenbach
nov. gloss. 363
b; heut wirt gemacht hagel, wan der treurig himel rotet (
rutilat enim triste caelum)
codex Teplensis 1, 22
Huttler (der himel ist rot und trübe Luther); in der zit (
der abwesenheit des Euriolus) belaib Lucrecia haimant in irem huse, ... legt an trurige klaider Niclas v. Wyle
translationen 44
Keller; die augbrauen fahen an zu grauen, traurig und melancholisch an der stirn zu sehen Sebiz
feldbau (1579) 151; welcher ein trauriges tunckels angesicht hat, der purgiere sich mit bitterheilig Wirsung
artzneibuch (1588) 63
c; ein trauriges gewülck, gantz fünster, schwartz und dick, recht einem traurrock gleich Weckherlin
ged. 2, 292
Fischer; wann das helle mittagliecht mit einem traurigen klagmantel wird überzogen Abraham a
s. Clara
Judas (1686) 1, 52; (
der wolfsbeere) farbe ist traurig, auszen dunkel grünlichbraun, wie abgestandener purpur ohne glanz und schmuck Ehrhart
pflanzenhistorie (1753) 7, 6; blaues glas zeigt die gegenstände im traurigen licht Göthe II 1, 315
W.; bei der traurigen violettfarbe Schiller
br. 5, 266
Jonas; von düsteren, unfreundlichen behausungen: da sitzen die männer in traurigen stuben, schwelgen und spielen J. Möser
w. 5, 49
Abeken; (
er) lebte in einer weitläufigen, aber traurigen unterstube, in die seit vielen jahren kein pinsel eines tünchers, vielleicht kaum der kehrbesen einer magd gekommen war Göthe 26, 250
W.; das Louvre ist ein altes ..., nichts weniger als groszartiges, vielmehr formloses und trauriges haus Fr. Schlegel
s. w. 11, 9;
oben in seiner stube ... war es erst recht traurig Stifter
s. w. 3, 275.
als '
eintönig, verlassen, tot',
gern in geographischen beschreibungen: so ... siht die gegend zwar schön, aber darbei traurig aus S. v. Birken
verm. Donaustr. (1684) 120; dagegen es (
Rom) andern fremden gar bald traurig und todt vorkommen musz Göthe IV 8, 286
W.; die nebel des traurigen nordens I 1, 253; in unserm traurigen märkischen vaterlande H. v. Kleist 5, 111
E. Schmidt; die gegend um Paris ... hat etwas unfruchtbares und trauriges Fr. Schlegel 6, 175; das finstre traurige Köln haben wir recht gern verlassen G. Forster
s. schr. 3, 33; der traurigen einförmigkeit des asiatischen festlandes gegenüber steht die schöne gliederung des europäischen erdkörpers Droysen
Alexander d. gr. (1833) 3, 33; einsam und traurig wird der weg A. v. Droste-Hülshoff 2, 89;
von einem einzelnen gegenstande, in dem sich dieser gesamteindruck besonders offenbart: eine verwilderte landschaft einzig mit stachlichten büschen bewachsen und traurigem riedgras L. Th. Kosegarten
Jucunde (1843) 174; immer kleiner (
wird) selbst die traurige tanne, die unser begleiter in die schneegefilde sein wird Gutzkow
ges. w. 11, 85. 2@cc)
die bedeutung '
schmerzlich, beklagenswert, bedauernswert'
geht in die objectivere '
hart, bitter, drückend'
über. zunächst noch mit dem gefühle persönlicher anteilnahme: unsere absicht ... ist blosz, das traurige schicksal seines verfassers bekannt zu machen Gottsched
anm. gelehrs. (1751) 1, 62; das ganze römische heer ward von den traurigen überbleibseln dieser groszen niederlage äuszerst gerührt
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 78; da wir uns nun nach zwei jahren in Rom fanden, entdeckte er mir seinen traurigen zustand (
krankheit) Göthe 43, 88
W.; es ist ja traurig um die armen alten menschen bestellt, die zum weihnachtsfest einsam sind H. Fr. Blunck
sprung über die schwelle 88.
weniger mit dieser persönlichen note, mehr den sachlich beklagenswerten zustand wiedergebend: die traurige exempel (
des straszenraubes) gebens klar Pape
bettel- und garteteufel (1586) n 3
b; unförmliche also oder schief ausgebildete menschen zeigen mit ihrer traurigen exsistenz nichts weiter, als dasz sie in einer unglücklichen gesellschaft von kintheit auf lebten Herder 17, 116
S.; der bürgerkrieg, (
der Frankreich) ein halbes jahrhundert lang zu einem schauplatz der traurigsten zerrüttung machte Schiller 8, 3
G.; bei dem traurigen mangel von allem, was das herz bedarf Zimmermann
einsamkeit 1, 4; es ist ein trauriges schauspiel, solche anlagen in stumpfheit ausarten zu sehn Caroline
br. 1, 68
Waitz; zu einer zeit, wo das deutsche theater ... aus trauriger beschränkung und verkümmerung wieder zu freiheit und leben hervorwächst Göthe 40, 86
W.; der traurige mangel an dramatischer tüchtigkeit G. Freytag
ges. w. 15, 21.
gern in prädicativer verwendung, heute auch umgangssprachlich durchaus üblich: ist es ... nicht traurig, dasz eine wörtliche übersetzung die bibel zwar liefert wie sie ist, aber auch vielen heutigen christen schwer zu verstehen macht Gerstenberg
schlesw. literaturbr. forts. 301
lit. denkm.; traurig ist die bemerkung, aber wahr, dasz ... Herder 5, 630
S.; was nicht ist, wird werden ... und wenns nicht wird, traurig für sie Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 173; Afrika muszte europäischen tand ... drei jahrhunderte lang, traurig genug, mit seinen eigenen kindern bezahlen Peschel
völkerk. 224.
neben gewissen abstracten zeigt sich die objective bedeutung als '
hart, bitter, drückend'
besonders deutlich: die vortrefflichsten gesetzgeber haben dieses eingesehen, und Rom hat die traurige erfahrung davon gemacht Th. Abbt 2, 19
anm.; aber euch gehorchen ist meine erste traurige pflicht Schiller 2, 15
G.; bis die gluth (
der liebe) durch die traurige gewiszheit ... plötzlich gelöscht ... wird Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 150; sie werden dadurch in die traurige nothwendigkeit versetzt, an ihren unsterblichen werken ... unaufhörlich zu korrigieren Bremser
parömien (1806) 123; es ist eine traurige, aber unläugbare wahrheit, dasz, sobald ein staat politische bedeutung erhält, ... die wohlhabenheit der bürger ... abnimmt Niebuhr
röm. gesch. 1, 395; der ausdruck colonie erinnert ... an die traurige tatsache, dasz er ... C. Justi
Winckelmann 1, 250. 33)
jüngerer sprachgebrauch verbindet mit traurig
gern ein negatives werturteil, so im sinne von '
unzulänglich, minderwertig, armselig'
; heute umgangssprachlich bereits die vorwiegende verwendung, in älterer sprache noch ungewöhnlich: die zwei thier ..., die keinen verstandt haben, es wer dann ein trawriger verstand Eppendorff
Plinius (1543) 119; als der verleger seinem verfasser einen traurigen ducaten für den bogen bezahlte
bei Lessing 11, 181
L.; in einer trockenen, ja traurigen nachahmung des unbedeutenden wie des bedeutenden Göthe 47, 27
W.; stille für sich lesen (
ist) ein trauriges surrogat der rede 27, 373; ich wollte, wir könnten unsern nachruhm wie einen pfauenschweif hinter uns ausbreiten und beäugeln; aber da würde freilich mancher einen traurigen gänseschwanz zu sehn bekommen oder gar nichts A. v. Droste-Hülshoff
br. 189
Sch.; es fand sich, dasz ein groszer teil des ehemals übervollständigen werkzeugs gänzlich fehlte, ein andrer in den traurigsten umständen war O. Ludwig 2, 117; seit zwei tagen habe ich nichts gefressen als traurig brot und stunkenden käs graf Pocci
komödienbüchlein 3 (1869) 196; welch unbedeutender trauriger ersatz aber ist dies wenige gegen so viel versunkenes und fortgespültes Allmers
marschenb. 1/2, 13;
im sinne von '
unerfreulich': gott helfe ihnen (
Göthe) durch dieses traurige geschäft (
bearbeitung eines dramas) Schiller
br. 6, 366
Jonas; zur charakterisierung von moralisch verwerflichem: mit fauler und trauriger hoffart J. B. Schupp
schr. (1663) 722; ungeachtet des traurigen hasses, welcher in diesem briefe wider die geringsten kleinen thorheiten hervorblicket J. E. Schlegel
w. 5, 435; ein jahr hatte er das traurige handwerk (
eines verbrechers) getrieben Schiller 4, 80
G. gern in der verbindung: von diesem fürsten, der sich in der geschichte der musik eine traurige berühmtheit ... gesichert hat O. Jahn
Mozart 1, 227; ein Augsburger polizeidirektor erwarb sich diesen traurigen ruhm (
den buchhändler Palm an Frankreich zu denunzieren) Adolf Hitler
mein kampf (1933) 2.
in prädicativer stellung, häufig in heutiger umgangssprache: dann besuchte ich das grammatikale hebräum des herrn Link, welches aber so traurig war, dasz ich es schon mit der sechsten stunde aufgab Laukhard 1 (1792) 125; das ergebnis war ein mehr als trauriges in vielfacher hinsicht Adolf Hitler
mein kampf (1933) 101;
gern auch: es wäre traurig, wenn ich bei diesem öfters eingetretenen wechsel nicht zu mehr bleibendem besseren vorgeschritten wäre fürst Pückler
briefw. 1, 149; mit meinen hemden sieht es sehr traurig aus, und neue würden mir sehr wünschenswerth sein Moltke
ges. schr. 4, 39;
neben substantiven in gewissen verbalen verbindungen: sie machen diesem herrn gegenüber eine traurige figur Wieland
in Göthejahrb. 1, 329; wir haben einen förmlichen krieg der facultäten vor uns, in dem jedenfalls die philosophen die traurigste rolle spielen Lange
gesch. des materialismus (1866) 327.
dieser noch stärker wegwerfende sinn '
kläglich, erbärmlich'
ist umgangssprachlich und mundartlich allgemein, vgl. ein trauriger kerle, Peter, schwanz, wedel; ein trauriges mannsbild Fischer
schwäb. 2, 335;
bereits: diese neue art der weltweisheit ... hat die traurige art leute hervorgebracht, die man mystiker nennt J. A. Chr. v. Einem
Mosheims kirchengesch. 1 (1769) 359;
im sinne von '
kläglich'
versteht heutige sprache auch traurig
in der verbindung ritter von der traurigen gestalt,
eine übersetzung von spanischem el caballero de la triste figura
in Cervantes
don Quichote, vgl. es sagte auch Santscho zu ihm: zum fall ja dieselben herren zu wissen begehren möchten, wer doch der ... held gewesen, so sag ihnen der herr ..., dasz es der weitberühmbte don Kichote ... sey, welcher sonsten mit seinem andern nahmen ritter der traurigen gestalt heisset (1648) Pahsch Bastel v.
d. Sohle
don Kichote 290
Tiemann: dies heiszt ... gleich dem ritter von der traurigen gestalt auf melancholische abentheuer ausgehen J. J. C. Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 2, 135; der ritter von der traurigen gestalt (
ein hagerer mensch) dagegen schaute von seinem schimmel ... so unheimlich und komisch darein Eichendorff
s. w. 2, 77.
gelegentlich auch abgewandelt: die dichter von der traurigen gestalt J. G. Jacobi 1 (1825) 278; (
sie werden) zu den gästen von der traurigen gestalt gehören, die man mit widerwillen anlangen und mit wohlbehagen wieder abwandern sieht Matthisson
schr. (1825) 3, 39. 44) traurig
in zusammenrückungen, seit Herder
sehr üblich. am häufigsten ist die verbindung mit begrifflich entgegengesetzten adjectiven: musz mich verwundern traurig-froh der groszen gnad und gütigkeit, die ohn verdienst mir wird bereit G. Weber
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 2, 517; traurigsüsz ist die geschichte Herder 29, 169
S.; 12, 335; 24, 301; ein traurig fröhliches präsagium 20, 207,
vgl. 20, 405
anm.; ich will aufhören, sie mit diesen traurig-angenehmen ideen zu beschäftigen Lessing 6, 396
L.-M.; mit traurig-schönen geistern in verkehr Mörike 1, 132
Göschen; verwandte begriffe ergänzen und steigern sich: so alles, alles verläugnen ... sei doch ein traurig elendes ding U. Bräker
s. schr. 1, 39; mit einer traurig-schrecklichen erzählung Lessing 4, 440
Lachmann-M.; in diesen traurigdüstern stunden Spielhagen 3, 78; von seiner gewöhnlichen traurig-bitteren stimmung befallen H. Hesse
Hermann Lauscher (1908) 9;
mit ähnlicher wirkung: mit traurig-sanftem gesicht Zachariä
poet. schr. (1763) 9, 142; einen traurig-gutmüthigen blick Naumann
vögel 1, 158; mit traurig ergebener miene P. Rosegger
schr. II 10, 147.
der begriff traurig
ist dem zweiten gliede entnommen (
s. o. 2 b)
und steigert ihn: traurig-leere äcker Herder 5, 515
S.; die traurig-nackten kalkwände des Salvadorberges Matthisson
schr. 4, 30; und der reiher her aus traurigödem moorland sandte schrill angstvollen wehruf
F. Freiligrath
ges. dicht. 6, 51.
gleicher entstehung, jedoch in mehr objectivem sinne, vgl. oben 3: er tadelte, dasz er das schön flectirte verbum: dum fierent in ein traurig abstractes substantivum verändert Göthe 24, 307
W.; unsere im puncte der bekleidung traurig verarmte zeit Seidel
vorstadtgesch. 85; wie traurig wenigen darum zu tun ist, sich auch nur über die ersten grundfragen unseres daseins klar zu werden C. Flaischlen
Martin Lehnhardt (1921) 12. 55)
sprichwörtliches: es ist mit den christen wie das aprillenwetter: frölich, traurig und wider frölich Petri
der Teutschen weiszheit (1604) 1, c 2
b; auf einen frölichen abend folgt ein trauriger morgen 2, j 5
b; ein alter hund gehet traurig an seine ruhe 2, s 5
b; es ist ein trauriger sieg, den einer mit blutvergieszen vieler guter leute erkeuffet Friedrich Wilhelm
sprichwortreg. (1577) n 2
a; ist die sonn vorhanden, so sihet er (
der mond) dunckel und traurig Lehman
floril. pol. (1662) 2, 889; das ist wohl die traurigste und bitterste armuth, die feines zeug aus besseren tagen bis zu lumpen auftragen musz Körte
sprichw. (1837) 25; eine traurige braut, eine freudige frau Kirchhofer
schweiz. sprichw. 198; traurig ist das haus, wo die hennen krähen und der hahn schweigt Dühringsfeld
sprichw. 1, 371
b; traurig für die maus, welche ein einziges loch hat 1, 193
a. —