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sittich

nhd. bis sprichw. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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3 in 3 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sittich m.

Bd. 16, Sp. 1258
sittich, m. papagei, entstanden aus griech.-lat. psittacus. der anlaut des zu grunde liegenden worts bleibt bisweilen erhalten, in neuerer zeit durch bewuszte gelehrte anlehnung an dies (s. psittich oben theil 6, 2201), denn anlautendes griech.-lat. ps ist nicht der deutschen zunge gemäsz und wird in der regel vereinfacht zu s. gramm. 12, 149. während bei psalm, psalter die theologische gelehrsamkeit die eigentlich volksmäszige form verdrängt hat (s. diese oben theil 6, 2198. 2199 und salm theil 8, 1698), ist hier sittich die herrschende form geblieben. auch andre formen, in denen die griech.-lat. endung festgehalten wird (s. unten sittkust), sind davor zurückgetreten. in sittich ist der zweite vocal dem ersten angeglichen und das c regelrecht zu (c)h verschoben. Graff 3, 370 bezeugt sitich neben psitich aus dem 12. jahrh. mhd. begegnet sonst sitich, sittich, sitech, setich und ein pluralisches sitige (Lamprecht Alex. 5559, s. unten 2). Lexer mhd. handwb. 2, 943. 944, frühmd. sedech, sedec (Berthold v. Holle). [] ebenda, siedich, sedich. Dief. 470a, sichtig. Diefenbach-Wülcker 855, mnd. sedik, sedek, sedeck. Schiller-Lübben 4, 163a, zetich, zethech, verkürzt czeke. Diefenbach-Wülcker 855. die md. und nd. formen mit d zeigen, dasz das wort von süden gekommen und nach analogie eines wirklich hd. worts behandelt ist. für entlehnung aus dem hd. sprechen auch die nd. formen mit ch. nhd. setzen sich sitich (15. jahrh.), sittich und sittig fort. Dief. 470a. Stieler 2044 bietet sittig, Steinbach 2, 594 verzeichnet sittich als nicht überall gebräuchlich, Adelung sittig als oberdeutsch, Nemnich sittich und sittig. nachdem der historischen erkenntnis unserer sprache gemäsz sittig nachdrücklich als falsch bezeichnet ist, z. b. Weigand4 2, 723, gilt heute allgemein sittich. — das wort flectiert stark, doch begegnen in älterer sprache gelegentlich auch schwache formen, so Geszners vogelbuch übersetzt von Heuszlin 220a (die stelle s. unter 1). 11) dem ursprung des worts gemäsz bezeichnet sittich zunächst den papagei überhaupt. in den oben aus Diefenbachs gl. angeführten belegen glossiert es psittacus, und in diesem allgemeinen sinne bieten es Steinbach 2, 594, Adelung und Nemnich, wird es auch heute noch gebraucht. Megenberg schreibt: psitacus haiʒt ain sitich, daʒ ist ain vogel in Inden lant, sam Jacobus und Solînus sprechent, und ist grüener varb, aber sein halskraiʒ ist rôtvar und vil nâhent goltvar. 221, 28. die merkmale passen nicht einmal auf alle papageienarten der alten welt. gemeint ist wol der in Asien und Afrika heimische halsbandsittich, palaeornis torquatus, der wahrscheinlich zuerst im abendlande bekannt wurde und lange der bekannteste blieb. Megenberg fand die beschreibung in seinen quellen und kannte selber keinen andern. in Geszners vogelb. übers. von Heuszlin (1582) heiszt es: der sickust wirt auch ain sittich und pappengey genennt. 219b. dort wird 219a ein rotgälber sittich erwähnt, 220a ein land .., das voll vilgefarbter und schöner sittichen ist. ebenda steht: die alten habend vast nun (l. nur) das grün gschlächt erkennt. der sittich ist am gantzen leyb gälgrün, on am hals hat er ein guldin halszband. da ist augenscheinlich wieder der halsbandsittich gemeint. in quellen des 16. und 17. jahrh. werden papagei und sittich unterschieden: so der pappagey redt, der sittich, die dolen, die hätz: sag nicht, der vogel ist menschlich, er ist viehisch. Paracelsus 2 (1616), 325 C; beedes sittich und papageyen sind einer fremden specht-art. Hohberg 2, 719b; der sittig grün, der sittig grün, war bey ihn uber dmassen schön. der papagei, het ein grosz gschrei, war frölich bei den dingen. Uhland volksl.2 32 (nr. 10 B), 17 (von 1613). Hohberg beschreibt die sittiche so: die sittich reden nichts, aber lachen und pfeiffen, weinen auch, der gleichheit nach wie die kleinen kinder, wann sie kranck sind oder gestäupt werden, sind nicht viel grösser als eine droschel, aber langschweiffig, gantz grasgrün, und am leib etwas liechter; der schnabel und die füsse sind röthlicht und fleischfarb, sonderlich auswärts, inwendig sind sie etwas dunckeler. das männlein hat um den hals ein ringlein gelbgrünlicht. ebenda. auch dies weist auf den halsbandsittich, der allerdings sprechen lernt. Fleming teutscher jäger (1719) 159b bemerkt: die sittich sind auch eine art von papageyen und wiederholt Hohbergs beschreibung. Jablonski lex. (1721) 523b bietet: eine art (papageien), die besonders sittich heissen, sind wie eine droszel, graszgrün, mit einem langen schwantze, rothem schnabel und füssen. sie reden nicht, sondern lachen nur, und pfeiffen. heute bezeichnet man besonders die langschwänzigen papageien als sittiche. dazu gehören der halsbandsittich, der grassittich, der wellensittich und andere. 22) der sittich als sprechender vogel: ouh sante mir di kuningîn fünf hundrit fugelîn sitige unde spingen, di sprechent unde singen. Lamprecht Alex. 5559; wær ein sitich oder ein star, die mehtin sit gelernet hân daʒ si spræchen Minnen. minnes. frühling 127, 23; ich wolte, daʒ der anger sprechen solte, als der sitich in dem glas. minnes. 1, 112a Hagen; eʒ hêt der künec von Îrlant durch âventiure dar gesant daʒ schœnist pfert daʒ ich ie gesach, und einen sitech, der wol sprach swaʒ er sprechen wolde. Wirnt v. Gravenberg Wigalois 2517; der sitich kriechisch wörter sprichet, ... daʒ macht der hunger. Hugo v. Trimberg renner 3687; [] darausz wird gwiszlich colligirt, das er der schrifft ist ungelert, inn der selben so wol beredt, wie der sittich den glauben bett. Waldis streitged. gegen herzog Heinrich v. Braunschw. 35. 316 neudr. dargestellt auf kleidungsstücken, tischlaken, als verzierung: in eine hûben er eʒ (das haar) vie, diu was von bilden wæhe. ich wæne, ieman gesæhe sô mangen vogel ûf hûben. siteche unde tûben die wâren aldar ûf genât. Wernher Helmbr. 18; dô lêrte Hugdietrîchzwô megde, daʒ ist wâr, alsô wæhe würkenwol ein halbeʒ jâr tischlachen schœne,diu wâren wîʒ unt breit .. siteche unde zîsel,droschel und nahtegal, daʒ was an den endengezieret hin zetal. Wolfdietrich B 61, 1. auch auf priesterlichen gewändern (casula, dalmatica, tunica) werden sittiche dargestellt. s. citacus. Du Cange 2, 344. das steht wol im zusammenhange damit, dasz der sittich als sinnbild der unbefleckten empfängnis gilt. vgl. unten sittkust. vielleicht soll er auch als wappenthier mit beziehung darauf reinheit bezeichnen: die Preising von Wolnzach fuhren im schildt einen sittich. quelle bei Schm.2 2, 338. die Sterner und Sitticher zu Basel (zwei parteien des 13. jahrh., von denen die eine einen stern, die andre einen sittich im wappen führte). Varnhagen 5, 383. vgl. Schm. a. a. o. und sittkust. in den gleichen zusammenhang gehört es augenscheinlich, wenn frau Zucht einen sittich besitzt. s. sittkust.
6823 Zeichen · 145 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    sittichm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    sittich , m. papagei, entstanden aus griech.-lat. psittacus. der anlaut des zu grunde liegenden worts bleibt bisweilen e…

  2. Sprichwörter
    Sittich

    Wander (Sprichwörter)

    Sittich Dem Sittich wird offt ein güldens Gebeuerlein gebawet. – Herberger, Hertzpostille, II, 166.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sittich

9 Bildungen · 6 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von sittich 2 Komponenten

sitt+ich

sittich setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

sittich‑ als Erstglied (6 von 6)

sittichfarbe

DWB

sittich·farbe

sittichfarbe , f. farbe des sittichs, grüne farbe: ein schneeweiser tawber mit schimretem gefieder sauber in syllberfarbem glantz gezieret, …

sittichfeder

DWB

sittich·feder

sittichfeder , f. feder von einem sittich, im deminutiv: darin ein kleines ledlein stack, da in seyden gewickelt ein lag ein grün sittig fed…

sittichgeschlecht

DWB

sittich·geschlecht

sittichgeschlecht , n. : ein ander sittichgschlächt so auff dem rugken rot, oben auff den flüglen gälgrün, am übrigen teil aber der selbigen…

sittichgrün

DWB

sittich·gruen

sittichgrün , adj. grün wie ein sittich, sittichgrüen. quelle von 1580 bei Schm. 2 2, 338, von 1663 bei Weigand 4 2, 723, sittichgrün, smara…

sittichkarpfen

DWB

sittich·karpfen

sittichkarpfen , m. die halbkarausche, karpfenkarausche als fisch der Donau, sittich-kharpfen. Marsili Danubius pannonicomysicus 4 (1726) , …

sittichkorn

DWB

sittich·korn

sittichkorn , n. granacinctorium. voc. von 1482 bei Lexer 2, 944 . das lat. wort, eigentlich grana tinctorum, bezeichnet die getrockneten we…

sittich als Zweitglied (2 von 2)

wellensittich

DWB

wellen·sittich

wellensittich , m. , papageienart, melopsittacus undulatus, nach den wellenlinien des gefieders ( vgl. Brehm tierl. 5, 355 P.-L. ): frau Nan…

Ableitungen von sittich (1 von 1)

Sittiche

Meyers

Sittiche , s. Papageien , S. 382.