striezel,
stritzel,
m. ,
länglich geformtes; vor allem gebäck in dieser gestalt. vgl. auch stritz(e)lein,
sp. 1629. striezel
ist die vorwiegend in Ostdeutschland verbreitete entrundete form (
mit sekundärer dehnung)
von 1strützel (
meist obd.),
s. teil 10, 4,
sp. 152;
doch hat sich die form mit kurzem stammvokal (stritzel)
im älteren sprachgebrauch und in den maa. weithin gehalten. als dt. lehnwort auch in das slavische gedrungen: pol. strucla
und strucel '
backwerk von länglicher form'
słownik jzyka polskiego 6, 463,
vgl. die auf 2strutz(en)
beruhenden tschech. (
Ostrau) štruca (
neben štrucla) '
brodstrutzen' Kott 3, 969
und sloven. štruca '
ein länglicher brotlaib' Pleteršnik 2, 648.
umgangssprachlich und in den maa. häufig, schriftsprachlich seltener belegt. lexikalisch: Schönsleder
prompt. (1618) Hh 2
b; Stieler
stammb. (1691) 2214; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1017
b; Frisch
dt.-lat. (1741) 2, 348
b; strietz,
m., strietzel,
m., f. Adelung 4 (1780) 831.
mundartl.: striezel Weinhold
schles. 95
b; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 577
a; Hertel
Thür. 238;
westmd. nur mfrk.-siebenbürg.: schträtzel Kramer
Bistritz 127.
vgl. zum md. auch stiezel,
teil 10, 2, 2,
sp. 2866. —
nd. nur in den östlichen maa.: stritzel Teuchert
neumärk. 222; Frischbier
pr. 2, 382
a; striezel Bernd
Posen 297; schtrötzel Fischer
Samland 88. —
obd. neben strutzen, strüzel Schmeller-Fr. 2, 822 (
s. strützel)
auch striezl Jakob
Wien 186
a; strizzl Hügel
Wien 159
b; stritzel Fischer
schwäb. 5, 1887. 11)
streifen, stück in wulstartiger, länglicher, häufig ovaler form; '
striscia rotonda' Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1017
b; Adelung 4 (1780) 831.
insbesondere als bezeichnung einer bestimmten menge: ə~ strizl teig, butter, rauchtabak, ocker Schmeller-Fr. 2, 822;
ein klumpen (
butter) Jakob
Wien 186
a; striezel
hefenklosz Gerbet
Vogtland 218.
vom 16.
bis 18.
jh. vereinzelt literarisch bezeugt (
s. auch strützel 2): kauff ein stritzel schwefel der eines fingers lang sey Seuter
roszarznei (1599) 36; hernach machet daraus (
aus den zutaten einer speise) stritzeln eines fingers lang Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 1062; man ... machet aus dem schmeidigen wachse einen langen stritzel, nachdem das licht grosz und lang oder klein und kurtz sein soll J. Grüwel
bienenkunst (1719) 501; bald ligt da bald dort ein stritzel toback Neiner
tändlmarckt (1734) 322.
mundartlich: strizl
ein 30
ellen langer leinwandstreif Stelzhamer
obderennsische lieder (1837) 182; strizel
eine art nudeln Fischer
schwäb. 5, 1887.
vgl. (
im gegensatz zu butterstriezel '
besonders gestaltetes butterbackwerk'
teil 2,
sp. 586) butterstritzel
striscia di butiro fresco Kramer
a. a. o.; butterstrietzel
stück butter in länglicher form Adelung
a. a. o. vereinzelt auch '
wulstförmig angeschwollene, mit blut unterlaufene hautstrieme(
n)':
vibex ... stritzel (1516) Diefenbach
gl. 617
b; stritzl
vide straim (
vibex) Schönsleder
prompt. (1618) Hh 2
b; stritzeln (
plur.)
in Bayern Klein
prov. wb. (1792) 2, 176; strützel Schmeller-Fr. 2, 822. 22)
gebäck; (
weizen)
brot oder kuchen in der unter 1
beschriebenen form. lexikalische und mundartliche zeugnisse s. o. im formenteil; vgl. auszerdem strützel, strötzel
placentae genus bei Stieler
stammb. (1691) 2214
mit der anderweitig nicht zu erhärtenden angabe '
pro pane aqvatico et male cocto',
vgl. dazu striezelig 1.
literar. zeugnisse: (
der feldhüter hat zu bekommen) von ainen paurnhausz dasz jahr ain laib brodt, von ainen klainen heisel ain strizl (1626)
österr. weist. 9, 476; doch wollen jungfern von Andräs gantz andre strietzel haben, der händ und füsse hat, und sie mit safft und krafft kan laben Senftleben
breszl. küchenzettel (1732) )( 1
b;
[] (
Euridice:) zu dienen, man nennt mich schlecht weg Ditzel (
Pluto:) so wie man sagt statt mürben struzen — strizel Meisl
theatr. quodlibet (1820) 2, 26; die ernte, ascheweisz versengt auf allen feldern, gab für den hunger nicht, um brod zu backen, viel wen'ger kuchen, für die lust, und stritzeln H. v. Kleist
w. 4, 47
E. Schmidt; (
bedienter zur köchin:) nee, Rosine, ich bin keine mandel für dich. wir beide passen nicht in einen striezel zusammen Holtei
erz. schr. (1861) 21, 113; geh, Annamirl, sagte der bursche nun, wirst deinen stritzel selber schleppen, gieb ihn her Rosegger
schr. (1895) I 3, 273. —
unterschieden nach der herstellung: mohn-, butter- (
s. o.), zuckerstriezel
u. ä.; als gebäck zu den verschiedenen festtagen: christ-, allerheiligen-
usw. -striezel;
s. hierzu 1strützel 1,
teil 10, 4,
sp. 153
und (aller)heiligenstritzel Abele
künstl. unordnung (1669) 1, 135; Rosegger
schr. (1895) II 1, 37. 33)
wohl vom vorigen übertragen auf einen einfältigen, unbeholfenen, steifen menschen: Campe 4 (1810) 716
a.
vgl. striez(e)lig 2
und verstriezeln,
teil 12, 1,
sp. 1806; stiezel
und stiesel,
teil 10, 2, 2,
sp. 2866
klingen nur zufällig an. mundartl.: striezel Weinhold
schles. 95
b; Anton
Oberlausitz 4, 14; 13, 11; Bernd
Posen 297.
literarische zeugnisse s. 2strützel,
teil 10, 4,
sp. 153. 44)
im Zillertal gebräuchlicher pflanzenname für amaranthus caudatus, s. u. strizelar,
sp. 1629.