schnaufen,
verb. hörbar den athem einziehen und ausstoszen wie bei erschöpfung oder erregung, keuchend athmen; auch gilt das verbum in derberer ausdrucksweise für athmen überhaupt; spätmhd. snûfen
mhd. wb. 2, 2, 453
a: er snûfete als ein bere (bere
mit langer stammsilbe).
minnes. 3, 301
a Hagen; im mhd. wb. wird das wort als starkes verbum angesetzt, ebenso bei Lexer
mhd. handwb. 2, 1044,
bei dem mangel an zeugnissen ohne berechtigung. ein nd. snûpen,
das regelrecht entsprechen würde, gibt es nicht, ebenso fehlt vergleichbares in anderen germanischen dialecten. in volksthümlichem gebrauch ist schnaufen
vor allen in den oberd. mundarten, denen schnauben
fremd ist; vgl. Schmeller 2, 573. Schöpf 638. Lexer 223. 224. Hügel 142
a. Hunziker 229. Seiler 261
b,
vergl. auch Frommanns
zeitschrift 3, 213, 4. 4, 102, 9;
in md. gebieten neben schnauben Hertel
sprachsch. 217,
vgl. Frommanns
zeitschr. 5, 521 II, 1.
die ansicht, dasz schnaufen
aus dem nd. eingedrungen und eine umbildung von nd. snûven
sei, hat unter diesen umständen eine grosze wahrscheinlichkeit. im 16.
jahrh wird das verbum schon viel gebraucht und von den lexicographen verzeichnet: schnaufen,
respirare, animum recipere Dasypod.; schnauffen oder kychen, den athem tieff oder kaum nemmen, als wenn einer geloffen ist. Maaler 359
b. Stieler 1895
betrachtet schnaufen
als nur mundartlich von schnauben
verschieden, bedeutungsunterschiede bezeichnet er nicht, vgl. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 621
a;
bei Frisch 2, 212
a b ist die für die entwickelte nhd. schriftsprache geltende differenzierung von schnauben
und schnaufen
vorhanden: schnauben,
flare, spirare, ab animositate et nimio ardore; schnaufen,
ducere ilia, a lassitude et fatigatione (
vgl. besonders verschnaufen). Adelung
definiert: '
man schnaufft, wenn man nach einer sehr starken bewegung mit heftigkeit athem hohlet, besonders wenn solches durch die nase geschiehet'.
die mundarten sowie die ältere sprache zeigen eine gröszere freiheit. gebrauch. in der eben angeführten bedeutung erscheint das wort gewöhnlich, fast ausschlieszlich so in der ausgebildeten nhd. schriftsprache: auch waren sie von wegen der groszen flucht noch schnauffend und müde.
buch d. liebe 28
c; ich bin, unterbrach ich ihn schnaufend, von den gesundesten gliedmaszen — aber ihre steile treppe — lieber mann. Thümmel
reise 6 (1794), 282; die narren wähnen zu ersaufen, indem sie frei auf festem lande schnaufen. Göthe 41, 282;
mit vergleichendem zusatze: er schnauffte wie ein bär oder als wann er einen hasen erloffen hätte.
Simpl. 2, 142
Kurz; erholt euch, denn ihr schnauft ja wie die bären. Tieck 1, 140; laufen und schnaufen, schwitzen und schnaufen
u. ähnl.: der laufft unnd schnaufft, und bricht vil schu. Fischart
Garg. 50
b; armlaufeten, warmschnaufeten (ich schnauff auch schier). 82
b; schwitzten, und schnaufeten. 149
a; das tor zuo Nürnberg fand sie bald mit laufen und mit schnaufen. Uhland
volksl.2 263 (
nr. 136); maint ir, ich solt erst potschaft lawffen, müede pain machen, schwiczn und schnawffen. H. Sachs
fastn. sp. 6, 124, 102
neudruck; ein bote (
verräth), dasz er müde sey, wann er sehr schwitzt und schnaufft. Logau 1, 223, 24; weiland muste man um ehre wachen, bluten, schwitzen, schnauffen. 3, 114, 77.
frei im sinne von schnaufend laufen, steigen: schnaufen mit mühsal auf den berg. Rosegger
waldheim. 1, 300.
in verbindung mit kommen: er kam die treppe herauf geschnauft.
im todeskampfe, derb: (
die ratte) fiel an den heerd und zuckt' und lag, und thät erbärmlich schnaufen. Göthe 12, 106.
da das schnaufen
ein zeichen der anstrengung ist, erklären sich wendungen wie folgende: ein arbeitsamer und müysäliger handel, der vil schnauffens braucht. Maaler 359
c; es braucht schnaufen, so der zeug (
arzneimittel) gut were: ich geschweig, so er falsch ist und verlegen. Paracelsus (1590) 7, 63; es gilt schnaufen und bartputzen, ohne schnaufen und bartwischen. Wander
sprichwörterlex. 4, 289; aber wieder heraus (
aus der hölle) zu entrinnen wirt viel schnauffens und bartwischens brauchen.
Simpl. th. 1, 2, 8
s. 133.
thiere schnaufen
bei oder nach schnellem lauf oder bei innerer erregung, brünstigem verlangen, gier, angst u. s. w.: villicht kommt ein wilts thier zu jn und zerreist sie mit grimm und schnauffen. Ayrer 44, 18
Keller; wie er (
der hirsch in der brunft) schnaufet, keicht und ächzet. Brockes 6 (1739), 199; mit aufgerecktem hals schnauft der beklommne stier (
beim nahen eines gewitters). Hagedorn 2, 124; rannte vom berg mit schnaufen ein waldelephanten-haufen. Rückert (1882) 12, 60; das schnaufen seiner (
des löwen) nase macht feige .. ferner donner ist sein geheul, sturm sein schnaufen. Fr. Müller 1, 21.
von pferden, wie schnauben: seine rosse schnauften und stampften und wieherten im gefühl ihres muths. Thümmel
reise 7 (1800), 228.
dann überhaupt hörbar durch die nase ausathmen; eine kuh im stalle: nur die kuh unten im stalle, die der gesang aus dem schlaf geweckt haben muszte, schnaufte einigemal. Ludwig (1891) 2, 320.
übergehend in die bedeutung von wittern, schnüffeln: (
der hund) schnauft an der stallthüre, scharrt an der hausthüre. Hebel 2, 167,
s. oben beschnaufen
theil 1,
sp. 1587; erschnaufen,
aufspüren, wittern Drechsler
W. Scherffer 234.
geräuschvoll athmen, besonders durch die nase ausathmen bei menschen, in tadelndem sinne: schnaufe nicht wie ein hamster, lecke nicht schüssel und teller ab wie eine katze. Mathesius
Syr. 2, 43
a; wer (
beim essen) schnaufet als ein dachs. Hätzlerin 2, 71, 97.
übertragen auf das geräusch des windes: es pustete sein kaltes schnaufen die düne
an. Immermann 13, 99
Boxberger (
gewöhnlicher schnauben,
s. dieses 7,
c).
als zeichen des zornes (
s.schnauben 7,
b, vgl. auch anschnaufen th. 1,
sp. 447): von zorn blaasen und schnauffen. Maaler 359
c; den ich jetzt heimwartz sahe lauffen, erblichen und vor zoren schnauffen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 65, 191
neudruck. mit dem nebensinne der überhebung, prahlerei: durch dessen schnauffen und grose prallerey bin ich noch nicht erschröckt. Rompler 105.
vgl. Schm. 2, 573. Hügel 142
a;
von einem satten mönch: er ist also vollen als ob er si geswollen, von hünr und von guoten win und lat die andern in gebresten sin; und gat schnufen als ain kuo.
teufels netz 5319.
der schriftsprache völlig fremd im sinne von schnauben 1: die nase schnauffen,
sich schneuzen Kramer
deutsch - italien. dict. (1702) 2, 621
a;
bei Adelung
als oberd. bezeichnet. ebenfalls auf oberd. gebrauch beschränkt ist schnaufen
im sinne von athmen: athemen, athem holen, schnauffen, leben. Henisch 135; schnufa,
athmen Tobler 396
b; er lieget dort und kan kaum schnawffn. H. Sachs
fastn. sp. 7, 80, 187
neudruck; das ding mag's schnaufen nit leiden. Schmid 622 (
hier wird selbst das athmen gefährlich, es ist bedenklich, davon zu sprechen); man darf kaum schnaufen. Eiselein 553.
in der schriftsprache mit derbem klange: (
der fischer) traut sich kaum zu schnaufen. Wieland 18, 226 (
winterm. 1);
im schlafe athmen, schnarchen (
vgl.schnauben 3): er dacht da sie (
im schlafe) so freundlich schnaufft, es wer des müllers weib.
Ambr. liederb. 220, 161 (
s. 296); mich deucht, der zwerg schlaf, das er schnauff. Ayrer 1033, 9; weil er ungestört zu sein wünscht, wann er schnarcht und wann er schnauft. Platen 283
a. schnufe,
schlafen Seiler 261
b.
besondere wendung: auf ein schelmstück schnaufen,
anhelare scelus Stieler 1895 (
ähnlich ist nach etwas schnauben); schnaufen gehn,
ausgehen um einen streich auszuführen, stehlen gehen Schmidt 202;
s.schnaufer.