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schnaufen

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
12 in 11 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
25
Verweise raus
66

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schnaufen verb.

Bd. 15, Sp. 1206
schnaufen, verb. hörbar den athem einziehen und ausstoszen wie bei erschöpfung oder erregung, keuchend athmen; auch gilt das verbum in derberer ausdrucksweise für athmen überhaupt; spätmhd. snûfen mhd. wb. 2, 2, 453a: er snûfete als ein bere (bere mit langer stammsilbe). minnes. 3, 301a Hagen; im mhd. wb. wird das wort als starkes verbum angesetzt, ebenso bei Lexer mhd. handwb. 2, 1044, bei dem mangel an zeugnissen ohne berechtigung. ein nd. snûpen, das regelrecht entsprechen würde, gibt es nicht, ebenso fehlt vergleichbares in anderen germanischen dialecten. in volksthümlichem gebrauch ist schnaufen vor allen in den oberd. mundarten, denen schnauben fremd ist; vgl. Schmeller 2, 573. Schöpf 638. Lexer 223. 224. Hügel 142a. Hunziker 229. Seiler 261b, vergl. auch Frommanns zeitschrift 3, 213, 4. 4, 102, 9; in md. gebieten neben schnauben Hertel sprachsch. 217, vgl. Frommanns zeitschr. 5, 521 II, 1. die ansicht, dasz schnaufen aus dem nd. eingedrungen und eine umbildung von nd. snûven sei, hat unter diesen umständen eine grosze wahrscheinlichkeit. im 16. jahrh wird das verbum schon viel gebraucht und von den lexicographen verzeichnet: schnaufen, respirare, animum recipere Dasypod.; schnauffen oder kychen, den athem tieff oder kaum nemmen, als wenn einer geloffen ist. Maaler 359b. Stieler 1895 betrachtet schnaufen als nur mundartlich von schnauben verschieden, bedeutungsunterschiede bezeichnet er nicht, vgl. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 621a; bei Frisch 2, 212a b ist die für die entwickelte nhd. schriftsprache geltende differenzierung von schnauben und schnaufen vorhanden: schnauben, flare, spirare, ab animositate et nimio ardore; schnaufen, ducere ilia, a lassitude et fatigatione (vgl. besonders verschnaufen). Adelung definiert: 'man schnaufft, wenn man nach einer sehr starken bewegung mit heftigkeit athem hohlet, besonders wenn solches durch die nase geschiehet'. die mundarten sowie die ältere sprache zeigen eine gröszere freiheit. gebrauch. in der eben angeführten bedeutung erscheint das wort gewöhnlich, fast ausschlieszlich so in der ausgebildeten nhd. schriftsprache: auch waren sie von wegen der groszen flucht noch schnauffend und müde. buch d. liebe 28c; ich bin, unterbrach ich ihn schnaufend, von den gesundesten gliedmaszen — aber ihre steile treppe — lieber mann. Thümmel reise 6 (1794), 282; die narren wähnen zu ersaufen, indem sie frei auf festem lande schnaufen. Göthe 41, 282; mit vergleichendem zusatze: er schnauffte wie ein bär oder als wann er einen hasen erloffen hätte. Simpl. 2, 142 Kurz; erholt euch, denn ihr schnauft ja wie die bären. Tieck 1, 140; laufen und schnaufen, schwitzen und schnaufen u. ähnl.: der laufft unnd schnaufft, und bricht vil schu. Fischart Garg. 50b; armlaufeten, warmschnaufeten (ich schnauff auch schier). 82b; schwitzten, und schnaufeten. 149a; das tor zuo Nürnberg fand sie bald mit laufen und mit schnaufen. Uhland volksl.2 263 (nr. 136); maint ir, ich solt erst potschaft lawffen, müede pain machen, schwiczn und schnawffen. H. Sachs fastn. sp. 6, 124, 102 neudruck; ein bote (verräth), dasz er müde sey, wann er sehr schwitzt und schnaufft. Logau 1, 223, 24; weiland muste man um ehre wachen, bluten, schwitzen, schnauffen. 3, 114, 77. frei im sinne von schnaufend laufen, steigen: schnaufen mit mühsal auf den berg. Rosegger waldheim. 1, 300. in verbindung mit kommen: er kam die treppe herauf geschnauft. im todeskampfe, derb: (die ratte) fiel an den heerd und zuckt' und lag, und thät erbärmlich schnaufen. Göthe 12, 106. da das schnaufen ein zeichen der anstrengung ist, erklären sich wendungen wie folgende: ein arbeitsamer und müysäliger handel, der vil schnauffens braucht. Maaler 359c; es braucht schnaufen, so der zeug (arzneimittel) gut were: ich geschweig, so er falsch ist und verlegen. Paracelsus (1590) 7, 63; es gilt schnaufen und bartputzen, ohne schnaufen und bartwischen. Wander sprichwörterlex. 4, 289; aber wieder heraus (aus der hölle) zu entrinnen wirt viel schnauffens und bartwischens brauchen. Simpl. th. 1, 2, 8 s. 133. thiere schnaufen bei oder nach schnellem lauf oder bei innerer erregung, brünstigem verlangen, gier, angst u. s. w.: villicht kommt ein wilts thier zu jn und zerreist sie mit grimm und schnauffen. Ayrer 44, 18 Keller; wie er (der hirsch in der brunft) schnaufet, keicht und ächzet. Brockes 6 (1739), 199; mit aufgerecktem hals schnauft der beklommne stier (beim nahen eines gewitters). Hagedorn 2, 124; rannte vom berg mit schnaufen ein waldelephanten-haufen. Rückert (1882) 12, 60; das schnaufen seiner (des löwen) nase macht feige .. ferner donner ist sein geheul, sturm sein schnaufen. Fr. Müller 1, 21. von pferden, wie schnauben: seine rosse schnauften und stampften und wieherten im gefühl ihres muths. Thümmel reise 7 (1800), 228. dann überhaupt hörbar durch die nase ausathmen; eine kuh im stalle: nur die kuh unten im stalle, die der gesang aus dem schlaf geweckt haben muszte, schnaufte einigemal. Ludwig (1891) 2, 320. übergehend in die bedeutung von wittern, schnüffeln: (der hund) schnauft an der stallthüre, scharrt an der hausthüre. Hebel 2, 167, s. oben beschnaufen theil 1, sp. 1587; erschnaufen, aufspüren, wittern Drechsler W. Scherffer 234. geräuschvoll athmen, besonders durch die nase ausathmen bei menschen, in tadelndem sinne: schnaufe nicht wie ein hamster, lecke nicht schüssel und teller ab wie eine katze. Mathesius Syr. 2, 43a; wer (beim essen) schnaufet als ein dachs. Hätzlerin 2, 71, 97. übertragen auf das geräusch des windes: es pustete sein kaltes schnaufen die düne an. Immermann 13, 99 Boxberger (gewöhnlicher schnauben, s. dieses 7, c). als zeichen des zornes (s.schnauben 7, b, vgl. auch anschnaufen th. 1, sp. 447): von zorn blaasen und schnauffen. Maaler 359c; den ich jetzt heimwartz sahe lauffen, erblichen und vor zoren schnauffen. H. Sachs fastn. sp. 2, 65, 191 neudruck. mit dem nebensinne der überhebung, prahlerei: durch dessen schnauffen und grose prallerey bin ich noch nicht erschröckt. Rompler 105. vgl. Schm. 2, 573. Hügel 142a; von einem satten mönch: er ist also vollen als ob er si geswollen, von hünr und von guoten win und lat die andern in gebresten sin; und gat schnufen als ain kuo. teufels netz 5319. der schriftsprache völlig fremd im sinne von schnauben 1: die nase schnauffen, sich schneuzen Kramer deutsch - italien. dict. (1702) 2, 621a; bei Adelung als oberd. bezeichnet. ebenfalls auf oberd. gebrauch beschränkt ist schnaufen im sinne von athmen: athemen, athem holen, schnauffen, leben. Henisch 135; schnufa, athmen Tobler 396b; er lieget dort und kan kaum schnawffn. H. Sachs fastn. sp. 7, 80, 187 neudruck; das ding mag's schnaufen nit leiden. Schmid 622 (hier wird selbst das athmen gefährlich, es ist bedenklich, davon zu sprechen); man darf kaum schnaufen. Eiselein 553. in der schriftsprache mit derbem klange: (der fischer) traut sich kaum zu schnaufen. Wieland 18, 226 (winterm. 1); im schlafe athmen, schnarchen (vgl.schnauben 3): er dacht da sie (im schlafe) so freundlich schnaufft, es wer des müllers weib. Ambr. liederb. 220, 161 (s. 296); mich deucht, der zwerg schlaf, das er schnauff. Ayrer 1033, 9; weil er ungestört zu sein wünscht, wann er schnarcht und wann er schnauft. Platen 283a. schnufe, schlafen Seiler 261b. besondere wendung: auf ein schelmstück schnaufen, anhelare scelus Stieler 1895 (ähnlich ist nach etwas schnauben); schnaufen gehn, ausgehen um einen streich auszuführen, stehlen gehen Schmidt 202; s.schnaufer.
7569 Zeichen · 154 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schnaufen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schnaufen , verb. reg neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches einen etwas stärkern Grad des Schnaubens bezeichnet, wo d…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schnaufen

    Goethe-Wörterbuch

    schnaufen einmal -ff- angestrengt tief u geräuschvoll atmen [ Brander, mBez auf die vergiftete Ratte: ] Sie kam vor Angs…

  3. modern
    Dialekt
    schnaufenschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    schnaufen schw. : 1. a. 'atmen, Luft holen', von Menschen und Vieh, schnaufe (šnaufə) [verbr. außer lothr. SWPf, Bertram…

  4. Sprichwörter
    Schnaufen

    Wander (Sprichwörter)

    Schnaufen 1. Das geht, dass es schnauft, sagte der Bauer, und ritt auf der Sau. 2. Wer schnauffet als ein dachs vnd trin…

  5. Spezial
    schnaufen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    schnau|fen vb.intr. 1 (atmen) trá le fle 2 (angestrengt atmen) fladé (-da).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schnaufen

4 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schnaufen 2 Komponenten

schna+ufen

schnaufen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schnaufen als Zweitglied (1 von 1)

verschnaufen

DWB

versch·n·aufen

verschnaufen , verb. die jetzt gewöhnliche nebenform zu verschnauben in gleicher bedeutung, ( s. das. ) mhd. noch nicht belegt, doch begegne…

Ableitungen von schnaufen (3 von 3)

beschnaufen

DWB

beschnaufen , dasselbe: welchen der bär beschnaufte. Zinkgref apophth. 76, 16 .

ERSCHNAUFEN

DWB2

ERSCHNAUFEN vb. präfixbildung zu schnaufen vb. vgl. erschnauben. 1 sich verschnaufen, sich ausruhen: 1537 recipe animum, fass den athem, ruͦ…

verschnaufen

DWB

verschnaufen , verb. die jetzt gewöhnliche nebenform zu verschnauben in gleicher bedeutung, ( s. das. ) mhd. noch nicht belegt, doch begegne…