schnauben,
verb. den athem heftig durch die nase einziehen und ausstoszen (
veraltet in der bedeutung '
schnarchen'),
ursprünglich mit starker flexion (snûbe, snoup, snuben, gesnoben),
vgl. mhd. wb. 2, 2, 452
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1043, snuben,
stertere Hoffmann
fundgr. 1, 391
b (
schlesische quelle des 14.
jahrh.), snuben,
emungere (
md.) Dief. 201
c,
vgl. 520
c unter screare; nd. snûven Schiller - Lübben 4, 281
b, snuven, snoof, snaven
brem. wb. 4, 905. Dähnrrt 441
a. Schütze 4, 151. Richey 276. Strodtmann 220. Danneil 201
a. Mi 83
b; snûwe, snôf, esnôwen. Schambach 201
a. Woeste 247
b. Frommanns
zeitschr. 3, 260, 29. Stürenburg 231
a; snufen (=
nld. snuffen,
vgl. unser schnüffeln), snûfen, snuven ten Doornkaat Koolman 3, 249
b;
nnld. snoeven Oudemans
bijdrage tot een middel- en oudnederlandsch woordenboek 6, 393; snoeven, snuyven Kilian;
neunld. snuiven.
verwandt mit schnauben
sind schnupfen, schnüffeln, schnuppern
u. s. w. zu vergleichen sind ferner bildungen anderer germanischer sprachen, altnord. snoppa,
schnauze, maul, ags. snofl,
mucus, snoflig,
adj. (Bosworth - Toller),
schwed. snufva,
schnauben, engl. to snuff.
die einführung des verbums schnauben
in die deutsche schriftsprache wird durch Luther
gefördert, der es in seiner bibelübersetzung mehrfach anwendet, der Basler Adam Petri
glossiert seinen landsleuten schnaubet,
das Luther auch im übertragenen sinne anwendet, durch trAewet, anschnawbet (Kluge
von Luther bis Lessing 89). Hulsius
dict. (1616)
verzeichnet schnauben, den athem tieff holen, unnd starck athmen. 286
b;
anhelare, keichen, schnauben, umb und umb von sich hauchen. Corvinus
fons latin. (1660) 310
b.
vgl. Stieler 1895. Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 621
a. Steinbach 2, 481. Frisch 2, 212
a;
den oberd. mundarten ist schnauben
fremd (
dafür schnauen
und schnaufen) Schm. 2, 573;
zum gebrauche md. gegenden vgl. Hertel
thür. sprachsch. 217. Regel
Ruhlaer mundart 266. Albrecht 204
a. Bernd 271. Frischbier 2, 302
b. 309
b.
die flexion des wortes ist ursprünglich die starke, die im nd. gut erhalten ist; doch bildet schon Luther
ein schwaches präteritum: (
die) mit grimmigem rauch schnaubeten.
weish. 11, 19. Stieler 1895
hat neben einander schnob
und schnaubete, geschnoben
und geschnaubet.
zu den starken präteritalformen hatte man ein präs. ich schniebe
gebildet (
s. schnieben); Steinbach 2, 481
führt schniebe, schnob, geschnoben
als die schriftgemäszen formen, schnaube, schnaubete, geschnaubet
als vocem ratione derivationis solum annotatam an. Frisch 2, 212
b erklärt die starken formen für veraltet und gibt als starke präteritalform ich schniebe.
auch Adelung
verwirft die starke flexion. bisweilen findet sich die schreibung schnaupte,
so bei Klinger
unten unter 7,
b. Rollenhagen
bildet das starke prät. schnaub (snoup): schnaub mit der nasn, schickt sich zum tantz (
oder verdruckt für schnaubt?).
froschm. Oo 7
a;
daneben hat er aber das schwache prät.: die naszlöcher schnaubten, und brausten. Cc 5
b;
der ind. präs. des starken verbums flectiert regelrecht ich schnaube, du schnäubst, er schnäubt: Jairus tochter schnäubet. Fleming 5;
nd. snwest (snüwwst), snwet (snüfft),
vgl. Dähnert 441
a. Mi 83
b. Schambach 201
a. Woeste 247
b;
diese formen als schneubst, schneubt
aufgefaszt befördern die bildung des präsenstypus ich schniebe (
s. schnieben).
in der neueren sprache hat sich der gebrauch herausgebildet, dasz die starken präteritalformen schnob, geschnoben
nur bei der verwendung des verbums in gewählter, gehobener redeweise angewendet werden, z. b. er schnaubte sich geräuschvoll,
nicht er schnob sich geräuschvoll (
wol aber nd.),
aber er schnob rache,
daneben er schnaubte rache;
dagegen sagt man nicht der sturmwind schnaubte heran,
sondern nur schnob heran.
bedeutung. der neueren schriftsprache sind einige anwendungen fremd, die in der älteren periode vorhanden oder in mundarten noch üblich sind; dagegen hat sich seit dem 18.
jahrh. das verbum durch freiere ausbildung einer eingeschränkten bedeutung ein groszes verbreitungsgebiet erworben. 11)
vom putzen und reinigen der nase, durch ausstoszen der luft. snuben,
emungere Dief. 201
c;
trans. utsnuuen de nasen.
ebenda; die nase ausschnauben,
nasum emungere Steinbach 2, 482,
vgl. brem. wb. 4, 906.
redensart: snuw erst de nese uth,
sei nicht vorwitzig, werde erst erwachsen und verständig. Richey 276;
auch ohne accusativ: schnaube nicht so laut.
mit reflexivem dativ: sich die nase schnauben,
auch hier mit auslassung des selbstverständlichen objects: ok we syk lange tyd snuuen dot, de werpet ok vaken van syck bloet.
dat nye schip van Narragonien 81
Schröder; vgl. Frommanns
zeitschr. 6, 283, 722. Adelung
erklärt diese anwendung des wortes für ungewöhnlich im hochd., doch ist es jetzt besonders auch im gebrauche md. gegenden völlig eingebürgert. das eigentliche hochd. wort ist schneuzen,
s. dieses. die nase schnaubt,
wenn sie auf die angegebene weise gereinigt wird: o aller nasen nas'! (
von einer langen nase) ich wollte schwören, das ohr kann sie nicht schnauben hören. Lessing 1, 8. schnauben
infolge eines reizes: ein bisam-büchschen, das er ein um's andre der nase reichte, und hinweg dann zog, die zornig drüber, wenn sich's wieder nahte, ins schnauben kam.
Shakespeare Heinr. IV 1, 1, 3. 22)
allgemeiner, mit geräusch die luft durch die nase ausstoszen, in die bedeutung von schnaufen
übergehend: schnaub doch nicht so,
athme doch nicht so geräuschvoll durch die nase; nd. snuf so nig
brem. wb. 4, 905; he snuvt assen tunygel Strodtmann 220; schnauben
als folge von erkältung ten Doornkaat Koolman 3, 249
b;
beim sprechen: se snvt, wenn se sprekkt,
sie spricht durch die nase Dähnert 441
a;
auszer athem sein, hart athmen: snûwen,
schnaufen, auszer athem sein Schambach 201
a; schnauben für müdigkeit Kramer 2, 621
a; kamen zu jrem schiff gelauffen, schnaubeten wie die bären.
buch d. liebe 6
a. 33)
daher in älterer sprache im sinne von schnarchen: stertere, snûben
fundgr. 1, 391
b; der da schläfft der schnaubet oder schnarchet. Comenius
sprachenth. übers. v. Docemius (1657) 352; da er nun hörete dasz ihrer zwey im bette lagen und schnaubeten.
maulaffe 40; da derselbe aber sehr stille (
schlafend im bette) lag und nicht das geringste schnauben von sich hören liesz.
Felsenb. 2, 237; du bist der ratzen arth, du schnaubst die gantze nacht. Rachel
sat. ged. 35;
edler, schweres athmen infolge eines bösen traumes: herr! ruft ihm Scherasmin, da er sein banges schnauben vernimmt, erwacht, erwacht! Wieland
Oberon 3, 64. 44)
ebenfalls veraltet ist schnauben
in dem sinne von athmen, schwer athem holen: da schnaubet (
oscitavit Vulg.) der knabe sieben mal, darnach thet der knabe seine augen auff.
2 kön. 4, 35; so lange mein odem in mir ist, und das schnauben von gott in meiner nasen ist.
Hiob 27, 3; denn das schnauben in unser nasen ist ein rauch.
weish. 2, 2; nicht schnauben,
animam comprimere, intercludere Stieler 1895.
vgl. die oben aus Fleming
angeführte stelle. ebenso schnieben: so lange man schneubt, so hofft man. Steinbach 2, 481. 55)
im nd. und angrenzenden gebiete für schnupfen, tabak schnupfen: laat uns ins snuven,
laszt uns eine prise tabak nehmen. brem. wb. 4, 906; ko't (
kalt) schnuvve,
mit langer nase abziehen. Müller-Weitz
Aachener mundart 219,
vgl. noch Mi 83
b. Frischbier 2, 302
b. 66)
nd. auch im sinne von spüren, suchen, spähen: wat hest du hier to snuven,
was hast du hier zu suchen? he kumt underwilen an snuven,
er kommt bisweilen her um etwas neues zu erfahren. brem. wb. 4, 906.
vergl. Dähnert 441
a. Schütze 4, 152. ten Doornkaat Koolman 3, 249
b. 77)
die schriftsprache verwendet schnauben
meist in gehobener redeweise. freie wendungen, übertragungen haben sich in mannigfacher weise entwickelt. das schnauben
ist das heftige, laute athmen, besonders das heftige ausstoszen der luft bei erregten zuständen. 7@aa)
für die weitere bedeutungsentwicklung wichtig ist die anwendung von schnauben
bei thieren; das verb. kann hier ohne jeden nebensinn gebraucht werden, meist aber tritt die vorstellung von inneren erregungen hinzu, die sich im schnauben
äuszern. drachen und andere märchenthiere schnauben feuer
oder gift,
besonders wenn sie zornig sind und angegriffen werden: grimmige, unbekandte thier, oder die da fewr speieten, oder mit grimmigem rauch schnaubeten.
weish. 11, 19; ein groszer geflügelter löwe, welcher bey jedem athemzuge so viel feuer aus seinen nasenlöchern schnaubte, dasz es heller als bey tage davon wurde. Wieland 12, 183 (
Sylvio v. Rosalva 2, 6, 1);
Venedigs löwe schnaubt
vor unmut bei einer dogenwahl: es schnaubte, da die glocke kündete die wahl, Sankt Markus leu. Ludwig 4, 284.
frei von einem zum angriff stürmenden löwen: er kam zum Rachs (
pferd) in schnaubendem lauf. Rückert
Firdosi 1, 329.
walfische: weil die wallfische mit groszem schnauben und wasser auszsprützen sich hin und wieder hören und sehen lieszen. Mandelslo
reisebeschr. 107
b; so oft er (
der walfisch) schnaubte, ... so entstand ein kleiner sturmwind. Wieland 12, 251 (
Sylvio v. Rosalva 2, 6, 2).
von einer katze, die etwas widriges schmeckt: denn als sie kaum darein den ersten bisz gethan, so schnaubt und sprudelt sie, als wenn sie glas gefressen. Lessing 1, 129.
in wuth: die katze schnaubet,
fauchet. Kramer
deutsch - ital. dict. (1702) 2, 621
a;
von rehen, die gefahr wittern: aber diesmal schnaubten sie auf einmal, und eh' ich mich's versah, waren sie plötzlich nach allen seiten zerstoben. Eichendorff (1864) 2, 551.
spürende und verfolgende hunde: auch sie (
junge jagdhunde) laufen hin und her, pelfern und schnauben, schnauben und pelfern selbst da, wo gar kein hase über das feld gelaufen ist. Klinger 12, 36; es schnaubt der doggen spürkraft durch die wälder. Schiller 6, 391 (
vgl. oben 6).
eulen: abendlich pickte die uhr, und schnob die eul' in dem kirchthurm. Voss 1, 73; das käuzlein schnaubt im alten ritterbau. Salis
an ein thal. besonders aber wird das wort in beziehung auf rosse gebraucht, wobei je nach dem zusammenhange verschiedene nebenvorstellungen obwalten und prägnante wendungen sich von selbst ergeben. schnauben
als ausdruck der erregung nach heftigem laufe aber auch des kraftgefühls, muthes, der bewegungsfreude, kampfbegier, wollust, angst u. s. w.: die pferde schnauben, die gäule schnauben gewaltig. Kramer
deutsch - ital. diction. (1702) 2, 621
a; schnauben, als wilde pferde. Frisch 2, 212
a; man höret, das jre rosse bereit schnauben zu Dan.
Jer. 8, 16; von zeit zu zeit hörte man die pferde schnauben und die wachen anrufen aus der ferne. Eichendorff (1864) 2, 443; die prächtigen thiere schnaubten leise und reckten die ohren. Gutzkow
ritter vom geist buch 1,
cap. 5; er kam, und schnaubt gleich wie ein gaul (
trotzig). Alberus
fabeln 16, 15; vor nichts entsetzte mehr sie sich, schnob sie so (
die stute). Klopstock 2, 35; sie (
die rosse) schnauben wollust und hitze. E. v. Kleist 2, 27 (1760); zitternd hör' ich ihr (
der aufsteigenden sonnenrosse) schnauben. Herder 27, 321; wohin schnaubst du (
mein hengstchen)? wohin wirst du mich tragen? 25, 187; es (
das ross) ruft: hui! und schnaubt von fern in die schlacht, ins kriegsgeschrei der führer, ins feldgeschrei. 11, 303; laut wiehern, und schnauben und knirschen und strampfen die rosse. Schiller 1, 305; 's ist hier just, wie 's beim einhau'n geht, die pferde schnauben und setzen
an. Wallensteins lager 11; sechs apfelschimmel schnauben am gespann. Platen 177
b.
in dichterischer sprache auf den reiter mit bezogen, von scharf jagendem laufe: dasz rosz und reiter schnoben, und kies und funken stoben. Bürger 14
b.
freier vom reiter allein: hier kommt einer zu pferde und schnaubt und stampft und spritzt vorbei. Ludwig 2, 15; vor kamen und nach ihm reiter geschnaubt. Rückert
Firdosi 2, 437. 7@bb)
vom menschen, besonders als ausdruck der wuth, des verzweifelnden grimmes, des zornes, des trotzes, der überhebung, seltener des heftigen begehrens: die nase schnaubt (
eines riesen), dampf fährt aus seinem mund. Wieland
Oberon 3, 35;
bei heftigem begehren: wie die nas' ihm schnaubt, und die gierigen augen ihm funkeln. Voss 2, 262 (
id. 15, 96); vor wuth, vor zorn schnauben
u. ähnl.: schnauben für zorn, wider jemand schnauben und wüthen; schnaubend für gifft (
vor giftigem zorne). Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 621
a; vor dreuungen schnauben. Steinbach 2, 481; schnaubend vor wuth. Schiller 4, 175; er hörte kam und sah, und schnob vor rach und wuth, so wie ein wilder bär vor hitz und durst nach blut. Günther 707;
andere wendungen mit präpositionen: Saulus aber schnaubete noch mit drewen und morden, wider die jünger des herrn.
ap.-gesch. 9, 1; (
er) schnaubte in rache, angst und verzweiflung. Klinger 4, 240;
durch ein adjectiv bestimmt: mochte für zornigklichem schnauben kaum seines erachtens bald gnug daheim sein. Kirchhof
wendunm. 1, 521
Österley. leicht ergeben sich prägnante wendungen, sodasz schnauben
den sinn annimmt: wüthen, trotzen, pochen, zornig und feindlich sich gebahren: wider einen schnauben,
minas ac caedem adversus aliquem spirare, acerbe in aliquem invehi. Stieler 1895; schnaubend,
fremebundus Frisch 2, 212
b; schnaubende worte,
verba inflata et anhelata gravius. ebenda; herr von deinem schelten, von dem odem und schnauben deiner nasen.
ps. 18, 16; jhr vil auch schnaubeten, und schnarchten, unnd gern ein unlust hetten angericht. Mathesius
Luther 147
a; Faust, der während des verhörs schnaubte und glühte. Klinger 3, 202; kan die deutsche sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen? kan sie doch auch spielen, schertzen, lieben, gütteln, kürmeln, lachen. Logau 3, 89, 67; wider Satans zorn und schnauben. Günther 15; da ihr am ärgsten zaget, wird dieser feind, der trotzt und schnaubt, mit schrecken hingejaget. 49; beschirme mich vor den haufen, — die da rauben und raufen, — die da schnauben und schnaufen. Rückert 11, 294.
verächtlich: und so verschmerz' ich euer pfäffisch schnauben. Herwegh
ged. eines leb. (1841) 162;
niederd. wat hest du to snuven,
was hast du trotzig zu reden. Schütze 4, 152.
einen schnaubend anfahren: und fuhr ihn (denn dafür war er ein reicher mann), bey jeder post gebietrisch schnaubend
an. Gellert 1, 162;
vgl.anschnauben theil 1,
sp. 447. schnauben
allein im sinne von wüthend hervorstoszen: wirft er vor ihr sich nieder, und schnaubt: der knabe hier .. ... ist, wie er geht und steht, ein schurke. Wieland 5, 98 (
d. neue Amadis 15, 21); schnauben
mit abhängigem accusativ, wuth, rache, verderben schnauben
u. ähnl.: drum schnaubt er rach und mord. A. Gryphius 1, 12; schnaubt eisen, büchs und mord. 299; die rosse schnauben flammen, die ritter tod. Wieland 5, 106 (
d. neue Amadis 15, 35); da stürzet die raubende rotte hervor aus des waldes nächtlichem ort, den pfad ihm sperrend, und schnaubet mord. Schiller 11, 287; schnaubtest erst grimm, und nun so zagend. Grillparzer 4, 216; der ruf des Schahs, der kriegswut schnaubt. Rückert
Firdosi 1, 364;
freier: indem er erhabene verse schnaubt, und sich in den wolken verirrt. Ramler
dichtkunst d. Horaz 139; schnob einen seufzer und erhob den gesang. Rückert (1882) 11, 372.
mit anderer wendung, zorn, rache schnaubt
u. ä.: so höret ihn (
den zorn) der morgenländer! höret ihn schnauben; höret ihn brennenden rauch, und stürmende funken sprühen. Herder 5, 70; es schnob in der nas ihm schnell der erbitterte muth. Voss
Od. 24, 318; ein mächt'ger geist schnaubt aus der nasen. Göthe 2, 92; nicht dieses schnauben verhaltner wuth! Schiller 6, 140; das schnauben ihrer rache. Hölderlin 1, 13
Köstlin; nach etwas schnauben: ich schnaube nach seiner spur. Göthe 10, 115; einen jungen helden, der nach rache schnaubt. 19, 75; ich schnaupte nach blut. Klinger
theater 3, 367; geht hin, die ihr nach golde schnaubet. Uz 51
Sauer; siehe, da steht Vulkan nach kriege schnaubend. Herder 26, 216;
überhebung: desz nase nur nach äther schnaubt. Bürger 133
b.
mit abhängigem infinitiv: er schnaubte, den mord Astarte's an dem kayser zu rächen. Klinger 5, 126; die liebe wird mit feurigem betriebe sich in sich selber zu verzehren schnauben. Platen 103
a. 7@cc)
auf unbelebtes übertragen. zur bezeichnung sausenden geräusches, brausenden einherfahrens, herankommens u. ähnl. der blasebalg, die maschine, das dampfrosz schnaubt.
von wind und sturm: der thauwind kam vom mittagsmeer, und schnob durch Welschland, trüb' und feucht. Bürger 36
a;
im bilde: doch es schnob der sturm des leides. Rückert
poet. werke (1882) 11, 236; fürchtete sie, wie der glücksturm schnaubte, dasz er die letzten zweige raubte dem wankenden königsstamme. 12, 32; in dieser zeit gewog, da die stürme rastlos schnaubten. Geibel 2, 93;
ungewöhnlicher: ihrer flammen wallend licht schnaubet, zischet, rauschet, sauset. Brockes 7 (1746), 555; wenn der blitz in deinen händen von entbranntem zorne schnaubt. Uz 1, 174;
das nd. verwendet snûven
in ähnlichem sinne, so vom rauschenden laufe eines schiffes: (
sie) hebben gesen den groten engel dorch de se snuven met negentein schepen. Liliencron
hist. volksl. 3,
nr. 263, 26; idt geit'r herdör, dat idt snuft.
brem. wb. 4, 905. Schütze 4, 152;
vom sausen einer pfeffermühle Frommanns
zeitschr. 3, 557;
wie im hochd.: de wind snüwet recht ümt hû
s. Woeste 247
b.
ungewöhnlich frei: das alte schlosz soll schnauben unter der last jubelnder gäste. Ludwig 3, 767.