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geneusen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geneusen

Bd. 5, Sp. 3391
geneusen , spüren, wittern, merken u. ä., nur mundartlich erhalten, aber alt und von wert. 11) 1@aa) bezeugt zwar ist nur geneisen, östr. gnaisn 'verstehen', z. b. i hbs glai gnaist, gleich weggehabt Castelli 143, bair. gneiszen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen Schmeller 2, 707, z. b.: i ha schon lang so eppes (etwas) gneiszt; es wird, so viel i gneisz, schon kalt; kaum hats der kloane Hansl gneist, macht er an sprung dasz's kracht. Marc. Sturm lieder in bair. mundart 98. auch schwäb. gneisen und einfach neisen erfahren, fränk. riechen, merken Schmid 401, im Allgäu der gneisz, das vorgefühl, dergneiszen, endlich ausspüren, in erfahrung bringen Schm. 2, 707, auch tirol. er hat eine feine nase und dergneiszt alles Schöpf 465. Schmeller 'getraute sich noch nicht', geneusen anzusetzen, obschon er schon das ahd. niusan u. s. w. verglich, so lange ihm nicht die aussprache gnoisn, gnuisn vorgekommen wäre. 1@bb) aber eu für ei ist auszerdem bezeugt im 16. jh. und noch jetzt, und musz das ursprüngliche sein: schwäb. neusen merken Birlinger Augsb. wb. 352a, im 16. jh. erneusen (s. d.) ausspüren bei Paracelsus, durchneusen (ebend.) im Karsthans Hutten 4, 637 (var. durchnieschen, vergl. 3, b), durchspüren, durchschnüffeln; bei Keisersberg ebend. ernöisen, aber auch schon erneisen, wie er neisen schreibt (s. unter neusen) und erneisig, wiszbegierig (s. erneusig). das einfache wort ist schweiz. wolerhalten, näusen und nausen, mit dem geruche untersuchen, stänkern, dazu ernäusen und durchnäusen oder nausen Stalder 2, 233, aarg. nöuse und nouse wühlend durchsuchen Hunziker 195, der erstern form entspricht Keisersbergs ernöisen und auch das eu wird nichts andres sein als diesz öi und öu (genauer öü). 1@cc) mhd. ist nöusen oder nousen, genöusen, ernöusen (oder mit öi) zu erwarten, sind aber noch nicht gefunden. aber ahd., doch im vocal abweichend, nicht nousian, sondern arniusian experiri, piniusan invenire, reperire, nancisci, percunctari, explorare, addiscere, cognoscere Graff 2, 1104 fg., Schm. 2, 707, ebenso alts. niusian und niusôn versuchen, versuchend prüfen Hel. 4660. 1075, ags. niósian, neósian explorare, inquirere, visitare Grein 2, 291, geneósian 1, 436, altn. nýsa (auch hnýsa) explorare, speculari, diese alle in form und sinn eins, aber nicht völlig eins mit dem nhd. geneusen; goth. noch etwas anders niuhsjan in biniuhsjan κατασκοπεῖν, niuhseins f. ἐπισκοπή, sachlich jenem explorare, visitare entsprechend. s. weiter 3. 22) hergehörig ist auch ein adj. geneusig in ungeneusig, ungeneuszig, unersättlich. 2@aa) ungeneuszig im 16. jahrh., md. im westen und osten: die herrn und hausmütter sollen ihr gesind uff die feirtage das wort gottes hören und den catechismum lernen lassen und nit uff solche tage zur arbeyt treiben, wie etliche ungeneuszige geitzwänst pflegen. Alberus ehbüchlin G 4b, in seinem dict. 11b ungeneuszig pamphagus; landsmann, du bist ungeneuszig. Hellbach übers. des Grobianus (1567) 48 bei Weinhold schles. wb. 65a. 2@bb) noch jetzt in mundarten, im osten und westen: schlesisch ungeneuszig unersättlich, habsüchtig und neidisch Weinhold, auch in Posen ungeneiszig, ungeniszig, ungenügsam, alles haben wollend, heiszhungerig Bernd 331, aus Schlesien gibt er ungeneuszlich, das erste aber, ungeneiszĭg, auch aus Coblenz, Jülich und Berg, also das wetterauische ungeneuszig im 16. jh., jetzt dort 'ungeneuisch', unmäszig, besonders im essen Weigand wb. 1876 2, 968, eigentlich wol ungeneus'sch; in Nassau ungeneuszig Kehrein 159. aus Aachen ein rest in ongenüsig ausschelten, sehr, über die maszen Müller u. Weitz 171. 2@cc) aber auch ohne das un- nassauisch geneuszig, genäiszig, westerw. gnaszig (a gleich ai) Schmidt 67, begierig beim essen und trinken Kehrein 159, genauer bei Schmidt von leuten, die, wenn sie an einen ort kommen, wo gegessen und getrunken wird, sehr sichtbar zeigen, dasz sie daran theil nehmen möchten. danach ist jenes un- nicht das verneinende, sondern das steigernde, tadelnde. in Schlesien auch genieszlich, geniszlich Weinhold a. a. o., der es danach zu genieszen zieht (wie Weigand gleichfalls), das sprachgefühl mag es wirklich so umgedeutet haben, es meint aber eigentlich das gebaren des gierigen, der nach der duftenden kost 'schnüffelt' (s. 3), wie noch Schmidts beschreibung sehen läszt. 2@dd) merkwürdig dagegen im 15. jh. genüszlich und genusig frugalis Dief. 249a, wie gegensatz zu jenem ungeneusig und wie erst daraus entnommen. 2@ee) auch folgendes geneusze n. im 17. jahrh. musz hierher gehören: hierher gehören auch alle aufschneider, die von schlachten, reisen und frauengeneusze grosze flecke schneiden (viel rühmens machen). weim. jahrb. 1, 323 aus einem complimentierbüchlein vom j. 1654, das herumliebeln im lande als frauenschnüffelei und näscherei gedacht. 33) zur geschichte und verwandtschaft des wortes und begriffes. 3@aa) neusen ist eigentlich schnüffeln und gehört offenbar zusammen mit niesen sternutare, beide ein hörbares thun der nase, der nüstern, dieses ein unwillkürliches, jenes ein willkürliches, gemachtes, und dazu stimmt die bildung, denn nöusen, ahd. anzunehmen nousian, ist eigentlich 'niesen machen' (die nüstern), und das überlieferte niusian nicht anders, dieses mit dem vocal des praesensstammes, jenes mit dem des praet. von niesen, ahd. niosan (niusit sternutat Graff 2, 1104), das starkformig war, praet. nôs oder eigentlich nous. altn. heiszt freilich das niesen hniosa (praet. hnaus), doch auch ahd. zweimal pihniusan Graff 2, 1105 und altn. für nýsa ausspähen auch hnýsa Egilsson 607b, Rietz 468b, das h ist vielleicht doch kein anderes als das in goth. niuhsjan, ich halte eine solche beweglichkeit dieses zarten lautes mit stellenwechsel nicht für unmöglich. unserm nöusen, nousen im vocal gleichstehend ist isl. nausna riechen, mit dem geruch spüren, in der endbildung diesem gleich norw. njosna, altn. njósna, altschw. niusna, auf kundschaft spähen oder lauern, dazu norw. njos m. spur oder wink beim spähen u. ä. Aasen 537a, n. schwed. nys m. (vgl. Rietz 468b), im grunde gleich dem schwäb. gneis vorgefühl unter 1, a, eigentlich witterung auf der fährte. das alles geht denn im grunde in älteste zeit zurück, in die zeit der germ. urgemeinschaft, mensch und thier erscheinen da, wie immer, auf gleichem fusz behandelt, das spüren, spähen noch als ein wittern mit den nüstern, dem feind im kriege, wie dem wild auf der jagd gegenüber (vgl.geneusen vom jagdhund unter c), selbst das erkennen, 'wegkriegen' als von der nase ausgehend gedacht, wie ja in redensarten von feiner nase u. ähnl. noch jetzt geschieht (s. aus Tirol unter 1, a), auch wittern, schnüffeln (vergl.schnauben und schnupfen) noch jetzt auf menschen und auf forschen bezogen wird. 3@bb) der stamm, in einfach ältester form nus, erscheint auch, wie so oft stämme auf -s (s. z. b. unter krosel 3, knüssen 6, gaufe 3, e) verstärkt durch -t und -k, nust und nusk. das erste z. b. in schweiz. nustern, nüstern schnüffeln, mit dem geruch untersuchen Stalder 2, 247. 233, n. dial. nystre spähen u. ähnl., bair. nuesten, nüesten suchend wühlen Schm. 2, 714, daher die nüstern, naslöcher (nicht oberd.), vgl.durchnüstern von spürhunden (nd.). das andere z. b. in schweiz. nuschen herum stöbern in etwas Rütte 62, bair. nueschen suchend wühlen oder herumriechen, wie z. b. das schwein, doch auch von menschen Schm. 2, 712, nd. nüschen mit der nase durchwühlen wie schweine oder hunde Dähnert 332a, norw. nuska nach futter suchen (auch nusla) Aasen 542b. zu durchnieschen im 16. jahrh., durchschnüffeln (s. u. 1, b Hutten), ernieschen rimari Altenstaig stellt sich im vocal und stammauslaut entsprechend schwäb. fürnieschig, auch einfach fürnies (s. d.), neugierig, vorwitzig, sicher alt, denn altnord. entspricht ein subst. fornjósn f., circumspectio, exploratio Egilsson 193a, eig. das spähende wittern nach vorn. 3@cc) für geneusen in form und eigentlicher bed. gibt übrigens die jägersprache zeugnis, auf umweg; wenn es da vom hunde heiszt, er genieszt die fährte, so ist das eigentlich geneuszt, diesz dann zu genieszen gezogen, eigentlich aber offenbar geneust, wittert, sucht mit der nase.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    geneusen

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    geneusen , spüren, wittern, merken u. ä., nur mundartlich erhalten, aber alt und von wert. 1 1) 1@a a) bezeugt zwar ist …

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Cotta, M. (2026). „geneusen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geneusen/dwb
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Cotta, Marcel. „geneusen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geneusen/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „geneusen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geneusen/dwb.
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