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strohwittib

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strohwittib f.

Bd. 19, Sp. 1683
-wittib, -wittbe, f., frau, die nur vorübergehend (meist wegen einer reise des ehemannes) 'witwe' ist. die anwendung des grundwortes witwe auf eine frau, deren mann nicht verstorben ist, weist auf eine ursprünglich scherzhafte benennung mit anspielung auf geschlechtliche beziehungen (vgl. witwe 7 a, teil 14, 2, sp. 844); strohwitwe hat diesen sinn bis heute jedoch kaum noch bewahrt. der zusammenhang mit dem ersten kompositionsgliede stroh ist umstritten und oft erörtert (Behaghel zs. f. dt. wortf. 1, 79; Hohlfeldt ebda 2, 347; Grienberger ebda 4, 298; Storfer dickicht d. spr. [1937] 148; Schoppe germ.-rom. mon.-schr. 26, 71; Holthausen Anglia beibl. 43, 283; Kretschmer anz. d. akad. Wien, phil.-hist. kl. [1942] 79, 26). die deutung dieser erst seit dem 18. jh. belegten zusammensetzung hat davon auszugehen, dasz in den germanischen sprachen eine reihe z. t. älterer bildungen ähnlicher art begegnen: mnd. grasswedewe (1598) 'mädchen, das seine jungfrauschaft verloren hat' (itt sin ock underwilen solchen grasswedewen thor ewigen schande leder ... nagedichtet ... worden Neocorus dithm. chron. 1, 97 D.); engl. grasswidow (1528) 'an unmarried woman, who has cohabited with one or more men', (1859) 'a married woman whose husband is absent from her' Murray 4, 2, 367; nl. grasweduwe (ohne bel.) 'gehuwde vrouw wier echtgenoot tijdelijk afwezig is' woordenb. d. nederl. taal 5, 597; n. graesenke (um 1700) 'kvinde, hvis mand er (midlertidig) bortrejst' ordbok over d. danske sprog 7, 240; daneben auch (vielleicht schon unter einflusz des hd. wortes) straaenke 'kone, som ligger ene mens hindes mand er borte' (um 1700) ebda 22, 231; schwed. gräsänka (1738) 'gift kvinna vars make for tillfället är bortrest', dial. auch 'liderlig flicka' ordbok över svenska sprket G 1182; hierher auch nl. haeckweduwe (urspr. wohl zu haeck 'heuschober') 'veufue attendante son mari estant en long voyage' Plantijn thes. (1573) V 1b. nhd. strohwitwe steht damit in einem groszräumigen kreis entsprechender bezeichnungen wie gras- (heuschober-) witwe u. dgl., seine begriffliche herausbildung vollzieht sich ebenfalls groszräumig und ist seit dem 16. jh. (Plantijn) zu verfolgen; weiterhin steht der begriffsinhalt 'frau, deren mann verreist ist' in verbindung mit einem offensichtlich älteren begriffsinhalt '(unzüchtiges) mädchen, das keine jungfrau mehr ist' (zur letzteren bedeutung vgl. auch strohbraut [1399] und strohjungfer). der ursprüngliche sinn des kompositionsgliedes stroh- wird daher auch in dem älteren, besonders bei graswitwe auftretenden begriffsinhalt zu suchen sein. gemeinsamer ausgangspunkt dieser zusammensetzungen ist die lagerstätte (gras, heuschober, stroh), auf der das mädchen als 'witwe' verlassen wurde (Grienberger); die scherzhafte anwendung dieser benennungen auf eine frau, die nur vorübergehend als 'witwe' verlassen wurde, lag nahe (vgl. hierzu den beleg aus Faust I s. v. stroh 3 f unten). erklärungsversuche, die allein vom bedeutungsbereich der stroh-zusammensetzungen ausgehen, z. b. die herleitung von strohmann ('kein wirklicher mann', danach strohwitwe 'keine wirkliche witwe' Behaghel, ähnl. Kretschmer) sind daher verfehlt; auch der begriffliche zusammenhang mit der seit dem 16. jh. nachweisbaren sitte des strohkranzes (Adelung, Schoppe) ist kaum ursprünglich, doch ist besonders in diesem falle sekundäre einwirkung auf die verbreitung des wortes strohwitwe möglich.die seit 1702 belegte ableitung strohwitwer (s. d.) und auchn. straaenke (um 1700) lassen auf ein früheres vorkommen des erst im anfang des 18. jhs. bezeugten wortes strohwitwe schlieszen: strohwittben heisset man aus schertz an etlichen orten diejenigen weiber, deren männer verreiset oder abwesend seynd Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1916; (ich) verbleibe deine armsellige strowittib Maria Anna Mozartin (1777) in: br. W. A. Mozarts 4, 318 Sch.: einige fremde hatten mich, als strohwittwe, besucht und waren herzlich vergnügt Hermes f. eltern u. ehelust. (1789) 5, 160; warum wollen sie mich also der unannehmlichkeit aussetzen, mich auf der stelle zur strohwittwe gemacht zu sehen Stephanie d. j. s. singsp. (1792) 277; die ... strohwitwen der seefahrer Lichtenberg Hogarth. kupferstiche (1794) 5, 170; denn in dieser zeit der flora wie das Griechenvolck sie nennet, die strohwitwe, die Aurora, ist in Hesperus entbrennet Göthe I 6, 221 W.; am zweiten tage nach empfang des briefes war ich zum erstenmal zu einer jungen betrübten strohwitwe geworden W. Raabe s. w. I 6, 80; die paar tage noch bist du strohwittwe, dann Franzi, dann verlassen wir uns nicht mehr Storm s. w. (1900) 4, 155; sie sei wiedermal strohwitwe Polenz Grabenhäger (1898) 2, 214. in weiterem sinne: eine von ihrem manne getrennt lebende frau Loritza Wien 128.
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    Neuhochdeutsch
    strohwittibf.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    -wittib , -wittbe , f. , frau, die nur vorübergehend ( meist wegen einer reise des ehemannes ) ' witwe ' ist. die anwend…

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Cotta, M. (2026). „strohwittib". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/strohwittib/dwb
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Cotta, Marcel. „strohwittib". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/strohwittib/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „strohwittib". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/strohwittib/dwb.
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