strebkatze,
strebekatze,
f. 11)
meist in der wendung die strebkatze ziehen;
scherzhafte benennung eines verbreiteten wettspiels, bei dem zwei personen einander mit einem um den nacken geschlungenen oder mit den zähnen gehaltenen seil oder handtuch hin- und herzuziehen versuchen. zur entstehung dieser benennung vgl.: strebkatzen ... ziehen
ein spiel der kinder, da ein teil zog, der andere mit den füszen widerstrebte Frisch (1741) 2, 344
c;
mögliche anknüpfungspunkte sind auch 2streben II B 1 d '
von etwas fortzukommen trachten'
und 2streben II A 2 '
sich abmühen, kämpfen'. ich bede dy trotz, hestu lust, so wil ick itzundes alhie vmmesust de streuekatte mit dy theen ... nu, wollan, ick legge my hyr nedder, vorgit myner nicht, ick hale dy wedder. düsse dwele (
handtuch) wille wy daran wagen, vnd slepen vns wol by vnserm kragen; wy willen vns so redlich theen, dat wy morgen könen now vth den ogen sehn. — o Barthelmeues, lat by lyue nicht snappen, hold yo in dem munde faste den tappen (
zapfen, knebel) Omichius (1578)
bei Schiller-Lübben 4, 432; ein bub sich an den andern hieng, mit dem einen der hies herr Matz, must ich ziehen die strebekatz so stehet einander gegen vber, vnd macht euch die quel (
handtuch) vmb den hals nemet den knotten beyd gleichszfalls vnd fasset mit den zänen fest, ein jeder sein knotten aufs best. darnach kniet nieder auff die erd, vnd zieht, last sehen wer gewinnen werd Henrici (1595)
in: zs. f. dt. wortf. 3, 259;
so auch noch jetzt im volksbrauch: ein rick garn, ein seil wird den 2 gegnern, die kopf gegen kopf auf allen vieren sich nähern, um das genick gelegt. die hände stützen sich am boden auf. der oberkörper ist mithin nach vorne gebeugt. jeder der ringer strafft sich und versucht den andern zu sich herüber zu ziehen ... so sträblet jeder, hand und genick versteifend, den widerstand des andern zu brechen (
Kempten 1933)
bei Fischer
schwäb. 6, 3229;
vgl. die bildl. darstellungen auf den titelblättern von Murner
narrenbeschwörung (1512)
und theologia deutsch (
Knoblouch 1519).
in den mundarten begegnet das wort in mannigfachen lautvarianten bzw. umdeutungen: strewekatt Dähnert
plattdt. 468
a; strabelkatze Weinhold
schles. 42
a; stragkotze Berndt
schles. 135; strauchkatze, strenge katze Anton
Oberlausitz 4, 14; 13, 10; strangkatze Reinwald
Henneberg 1, 158; streckkatze (
Allgäu) Fischer
schwäb. 6, 3229; strebel zücha Tobler
Appenzell 414.
vgl. ferner das luderziehen (
nd.) Wander
sprichw. 4, 898, strêwzargke reiszen Frischbier
pr. 2, 381, katzenstrebel
u. katzenstriegel
teil 5,
sp. 302;
s. auch katze 5 b,
ebda 288.
auch in den älteren literar. belegen weicht gelegentlich die form ab: strawkatze Luther 34, 2, 198
W. (
vgl. dazu straubkatze
sp. 962); kräbkatz
bei Seb. Brant
ist vermutlich druckfehler, vgl.: es züht die kräbkatz mancher man der doch das merteyl noch musz lan Seb. Brant
narrenschiff 64, 31
Zarncke (
s. auch s. 404),
und es zeucht die strebkatz mancher man, der doch den mehrer teyl nach musz lan Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) K 1
b;
bloszes katzen halten Ayrer
dramen 4, 2646
lit. ver. lexikalisch seit dem ende des 16.
jhs.: ἑλκυστίνδα,
σκαπέρδα,
scaperda, helcystinda das seylziehen, strebkatzen Frischlin (1586) 278
b;
helcystinda strebekatzen
nomencl. lat.-germ. (1634) 345.
literarisch schon im 15.
jh. (
s. u.)
bezeugt; vor allem in kirchenpolit. satiren und volkstümlichen schwänken des 15.
bis 17.
jhs.; oft in redensartlich bildlicher, noch anschaulicher anwendung, '
sich raufen', '
zanken', '
hadern': da kinder und gesinde sich untereinander haddern, beissen, die strebekatzen ziehen Suevus
geistl. wallf. (1573) B 7
b; in solckem kampe, wenn man mit dem düuel sick wyl auerwerpen vnd de streuekatte tehen vnde mit
em sick röpen Gryse
leienbibel (1604)
bei Schiller-Lübben 4, 432; und wer dich vast und pis nit faul! ich wil mit dir der strebkatzen ziehen, oder must zu der stuben hinaus fliehen
fastnachtsspiele 1, 38
Keller; dem entchrist und in allen zwagen, hat die strebkatz mit in gezogen, das haupt dem babst zuor erden gbogen
satiren u. pasquille 2, 203
Schade; das acht ich (
Luther) warlich alles klein und stand gerüstet hie allein, das ungezifer nimmer flieh, die strebkatz weidlich mit euch zieh. hui, zeuh nur dapfer; dann es gilt
ebda 3, 118;
ferner 127; 135; lutherisch strebkatz
buchtitel (
o. j.)
ebda 3, 112.
auch weniger bildhaft: die herrn von steten synt alle merglich allhy, vnd vorsehen vns, das wir morne in der obirantwortung die strebekatzen mitteinander zihen werden (1468)
urkundl. beitr. z. gesch. Böhmens 556
Palacky; nit sein getempft in sulchem acz, ob man sich nit richt auff den placz, do der gern zewet die streb kacz Hans Folz
meisterlieder nr. 2, 73
Mayer; grosc aufrur im volck ... das man der strebkatzen zihen dorumb sich wol frewen mocht (
vor 1521) Scheurl
geschichtb. 113
Knaake; so will es uns eben ansehen, als müstent wir die strebkatz darum mit andren guten brüder ziehen (1525)
polit. corresp. d. st. Straszburg (1882) 1, 108; der ander stundt in groszem leiden, gedacht: 'du kanst jm (
dem bären auf dem baum) nit entfliehen, die strebkatz mustu mit jm ziehen Burkard Waldis
Esopus 1, 142
Kurz; noch mich der eyd und schwur ermahnt meim vatter thon, bey dem altar das ich also ins sechszehend jahr vorn Römern nie ein stündlein floh, und recht mit ihm die strebkatz zoch Kirchhof
wendunmuth 3, 386
Ö.; das geht nit allein über der geringen bursch auss, sonder auch die häupter ziehen die strebkatzen vnderainander Joh. Nas
antipap. eins u. hund. (1567) 2, 221
a; also sAeet der teuffel offt seinen saamen zwischen den nachbarn, dasz sie immer die strebkatze miteinander ziehen Herberger
Jesus Sirach (1698) 404
a;
allegorisch: da mssen sie mit der kranckheit unnd dem tod die strebkatzen ziehen Huberinus
spiegel d. haustzucht (1553) 85
a.
oft vom ehezwist, bes. bei Hans Sachs: alsdann ziehen wir die strebkatzen hin und herwider in der stubn, gleichwie auff dem feld die roszbubn. so thut sie grummen, krellen, beissen 4, 381
lit. ver.; mich ritt die eyfersucht. mit rauffen, schlagen und kratzen zogen wir (
mein weib und ich) die strebkatzen sie stellt mir nach dem leben 7, 226
lit. ver.; hertzlieber mann, durch all mein leben hab ich vorhin verstanden nicht, was vor so offt hat zugericht so vil zancks zwischen mir und dir, dasz die strebkatzen zogen wir ich meynt allmal, die schuld wer dein, erst merck ich, dasz die schuld ist mein 17, 139
lit. ver.; ein bösz unartig weib, die mit ihrem hauszwirt ohn vnderlasz die strebkatzen zohn Kirchhof
wendunmuth 1, 409
Ö.; es sind gar viel mehr vngleiche ehen, darinnen man der strebkatzen zeucht, vnd zwietracht mehr stad hat denn die sich freundlich gegen einander verhalten Mathesius
Jesus Syrach (1586) 161
b; ich habe mich mit niemand gezankt, nur mit meinem manne ziehe ich manchmal die strebekatze; aber solch ein ding gehört zum haushalten Chr. Weise in:
zs. f. dt. wortf. 2, 34.
auch '
den beischlaf ausüben' Götze
frühnhd. gl. (1920) 210.
in verbindung mit haben (
im reim): wolan, wOeln wirs dann heben an du must mit mir die strebkatz han Gengenbach 299
Gödeke. in dieser bedeutung auch vereinzelte verbalbildungen: vnder den godlosen ehelüden erheuet sick oft grot twyst vnde strydt, in deme se also katten vndt hunde vnder einander leuen dar de ene sprickt 'valle', de ander secht 'sta nummehrmehr vp', kratzebalgen vnd streuekatten sick to hope Gryse (1604)
bei Schiller-Lübben 4, 432
b;
vgl.: strangkatzen,
vb. Reinwald
Henneberg 158
und bloszes katzen: ... ick sull flux mit ir katzen; sie tut mich aber pei meinem eid kratzen, das idermann ie tat erbarmen. nu erwischt sie mich mit beden armen, und warf mich an ein sterz
fastnachtsspiele 1, 48
Keller. 22)
in den nd. mundarten gelegentlich auf die streitende person selbst übertragen: strevekatten
widersetzliche leute Richey
Hamburg (1755) 294; strevekatt
widersetzliches frauenzimmer Schütze
Holstein 4, 210; '
eine person, die sich sträubet und widersetzlich gebärdet'
brem.-nds. wb. 4, 1063.
vgl. dazu: strewkater '
steter opponent' Mi
Mecklenb. 88. 33)
bezeichnung für eine belagerungsmaschine im 15.
bis 17.
jh. (
wohl auch im anschlusz an 1): das der furste sölcher ubeln geturste den andern auch nit ursach geb gweltlich, starck, vest an widerstreb mit wagenburgen, buhssen grosz, strebkatzen, igeln, schirm, geschoss (15.
jh.) Beheim
reimchron. 40
Hofmann; schantzgräben, bastien, bolwerck, böck, sträbkatzen Ringmann
Cäsar (1507) 3
a bei Schmidt
elsäss. 343
a; hürt, leitern und sträbkatzen
ebda 63
a; der Zeusch berennete hierauff die stad mit grawsamem wten, und liesze darneben die wider, schleudern, böcke, strebkatzen ... zurichten Megiser
annales Carinthiae (1612) 987.
häufiger ist das simplex katze,
vgl. Brinckmeier
gl. dipl. 1 (1856) 1085
a u. katze 6
teil 5,
sp. 290. 44)
mecklenburgische u. pommersche münze mit dem wendischen greifen in sträubender stellung (
vgl. 2streben II A 3 b
α); Jacobsson
technol. wb. (1781) 4, 312
a;
brem.-nds. wb. 4, 1063: kam van sinen muntemeister
M. P. her, dat de strevekatten, wo de stede de dubbelschilling nömeden, geschlagen Neocorus
Dithmarschen, bei: Schiller-Lübben 4, 432.
auch für den kurhessischen groschen mit dem aufgerichteten löwen: da zum letzten ging der recke, einen löwen aufzuspüren; und der löwen fand er viele, prangend über wirtshausthüren, züngelnd auf accise-posten, auf papier mit stempeltatzen, ausgeprägt auf Hessen-groschen, die da heiszen strebekatzen Dingelstedt
s. w. (1877) 7, 121.