nimmer,
adv. verneintes immer (
th. 4
2, 2068),
verkürzt aus ahd. niomêr (
aus ni êo mêr), niamêr, niemer,
mhd. niemêr (niemê, nimmê), niemer
und bereits nimer, nimmer;
md. nimir, nummer, nommer;
altfries. nammer, nemmer, nimmer;
mnl. nemmêr,
nl. niemer, nimmer;
mnd. nummer, number, nummers
und (
selten) nimmer,
nd. nummer, nummers (
brem. wb.)
gramm. 3, 223. 225.
im älteren nhd. noch niemer, nimer,
sodann nimmer. —
die alem.-schwäb. mundart bildet ihre formen aus dem verkürzten niemê, nimmê (
aus nie mêre)
mit beibehaltung des inlautenden i
oder mit überschlagung desselben in ü, u, o (
zusammengeschmolzen aus i êo,
vgl. die md. und nd. formen):
mhd. alem. nimê, nimmê, nümmê, nümme, numme (Lexer 2, 76),
in älteren alem. denkmälern (
bei Brant
und anderen, s. unten 1) nim, nimm, nimb, nime, nüme, nümme;
in heutigen alem.-schwäb. mundarten: nimme, nimm, nume,
[] numme, nümme, noma, nomma,
s. Stalder 2, 237. Tobler 337
a. Seiler 224
b. Schmid 410;
mit unechter anfügung eines n (Weinhold
alem. gr. § 202) nimmen Uhland
volksl. 772.
Zimm. chron. 1, 511, 15. Hebel (1843) 1, 138, nummen Segesser
rechtsgesch. der stadt Luzern 1, 580 (
vom jahre 1381), numen, nümen Keisersberg
bilg. vorr., nümmen Hebel 1, 101. 11)
entsprechend dem mhd. nie mêre, niemêre, niemêr:
nicht mehr in der zeit, nicht länger, nicht wieder; noch durchgehends in den oberdeutschen mundarten erhalten und manchmal auch von oberd. schriftstellern gebraucht (
s. Heynatz 296. Andresen
sprachgebrauch3 281),
aber in der heutigen schriftsprache gemieden und durch nicht mehr
oder nimmermehr
ersetzt: ich wolt nimer gen schuel
gen. B. Zink 124, 27; als ... man niemer herein wurd füren und etlich niemer korn hin wolten geben. 306, 23; hor auf, schlag nimmer!
fastn. sp. 51, 13; ob er sein fürpasz nimer thuon woll. 311, 18; was ich ietz nym mag thuon. S. Brant 5, 17; bis das die sel nym blîben mag. 31, 21; du kumst mirs niemer hin. Keisersberg
sünden d. munds 38
c; die hOerent nit ee uff (
zu essen), dann bisz es inen nümer schmeckt. 5
a; wenn das nime ist, so ist ir frid aus.
seelenp. 72
a; wir lebent nyme als die hailigen alten vor uns hont gelebt.
siben haupts. dd 4
b; unkeuschait nymt ainem menschen ganz sin herz, du hast es nyme. ff 4
b; es ist noch umb ein kleines, so ist der gottlose nimer.
ps. 37, 10; wenn der wind darüber gehet, so ist sie (
blume) nimer da. 103, 16; wenn nimer holz da ist, so verlescht das fewr.
spr. Sal. 26, 20; das ich mich nim erneren mag. Gengenbach
gouchm. 156; das ichs doch nümme mocht vertragen.
fünf juden 297; Danhuser ist iez nimmen hier. Uhland
volksl. 772; die mess die sol nim gelten. 908; itzt fragt man nimb nach zucht und ehr. Murner
schelmenz. 30
b; doch will mans itz nimm stigen lan.
narrenbeschw. 34, 12; (
er soll) daran nimm geben stür. 47, 52; als bald so ist irs bleibens nimm. Scheidt
Grob. 2574; dasz sie das schlosz nimm halten kan. 3931; er möcht dich sonst leicht laden nimm (: im). 4748; dasz der munt nim sprechen kan. Schade
sat. 3, 125, 17; das mocht nim leiden Jesus Christ. 127, 13; da ich nun sach den groszen mort, mocht ich nimm bleiben an meim ort. Fischart
flöhhatz (1573) 578; so sehen sie dich nimmer
an. E. Alberus 31
b; die augen sahen nimmer klar. 33
b; er kan jetzt nimmer schlagen drein. Kehrein
kirchenl. 1, 107, 17; er hat sich verkrochen, er lest sich nimmer sehen. Agricola
sprichw. nr. 511; wo aber gott nimmer helt, da haltet der mensch auch nimmer.
nr. 17; das er irem geschwetz nimme mocht zuohOeren. Wickram
rollw. 50, 22
Kurz; er mag nimmen hinein.
Zimm. chron. 1, 511, 15; wie sie .. nimmer zins gaben. Schuppius 831; Lene, sagt Steffen, du siehst mich nimmer. Wekhrlin
die chronologen 2, 279; hieraus verstund die princessin, dasz ihr gemahl nimmer war. 12, 4; Pedrillo, der sich nimmer halten konnte. Wieland
Sylvio 1.
ausg. 201 (nicht länger
werke 11, 258); und schlügst du mir auch den schädel ein, so könnt ich ja nimmer reden. Göthe 2, 274; als er ihn nimmer unter seinen kindern fand. Schiller 2, 75 (
räuber, schausp. 2, 2); morgen darf der graf nimmer unter den lebendigen wandeln. 137 (4, 2); es ist das erstemal — soll auch gewisz nimmer geschehen. 188 (5, 1); oft geweinet hab ich um die waise (
Rom), dasz sie nimmer einen Cesar hat. 1, 131; du möchtest schnell verreisen diese nacht, und beim erwachen fänden wir dich nimmer. 12, 376 (
Wallenst. tod 5, 3); bei jedem abschied zittert mir das herz, dasz du mir nimmer werdest widerkehren. 14, 338 (
Tell 3, 1); (
wenn du) nimmer weinen und nun nimmer erbarmen flehn, reuen nimmer, und nimmer gnade finden, erobrer, kannst. 1, 44; sie war ein kind vor wenig tagen, sie ist es nimmer, wahrlich nein! Uhland
in Seckendorfs musenalm. 1807 163 (
in den ged. 20
in nicht mehr
geändert); ich bete nichts, ich bitte nichts, wills nimmer halten, ei, so brichts! Lenau
Faust 170;
[] wir sind schon die reichen leute nimmer, und die armen dürfen ja auch nicht drunter leiden, dasz es nimmer so bei uns ist. Auerbach
ges. schriften 1, 339; s'schickt si numme barfis z'laufe. Hebel (1843) 1, 6; und woni lueg, isch's nümme do. 53; und länger hätti's nümme tolt, nei nümme tolt. 110; es ficht di nimmen a im stille grab. 138; schwetzen lehrt er nümmen. 101
u. oft; verstärkt durch gar: auf ein zeit klaget im (
Luther) ein weib, sie köndte gar nimmer glauben. Mathes.
Luther (1583) 131
b;
sprichwörtlich: nimmer thun ist die best busz. Frank
sprichw. 1, 159. Agricola
nr. 66; nimmer glück nimmer knecht. Frank
weltb. 40
a; nimmer gelt nimmer gesell. Albertinus
der welt schaw- und tummelplatz 295. 22)
entsprechend dem mhd. niemer, nimer, nimmer,
in dessen verkürztem und tonlos gewordenem mer
der begriff '
mehr'
sich zu schwächen und allmählich zu schwinden begann: zu keiner zeit mehr, niemals mehr, niemals, nie, nunquam voc. 1482 x 5
b. Dasyp. K 8
d. Maaler 306
d (niemer). 2@aa)
zu keiner zeit, nie mehr, niemals, nie, oft nur ein starkes nicht
vertretend, manchmal an die bedeutung von 1
grenzend; es bezieht sich auf die gegenwart oder zukunft, in erzählenden reden auch auf die gegenwärtig gedachte vergangenheit (
vergl. mhd. wb. 2, 154
a f.): furwar, des end wirt nimmer gut.
fastn. sp. 246, 19; er liesz eʒ halt nimmer genesen.
Erlauer spiele 2, 268
Kummer; der arman mag nümme genesen. Gengenbach
bundtschu 47; einen got den sol wir eren, bei seinem namen nummer sweren. Wackernagel
kirchenl. 2, 1132, 1 (
anfang des 16. jahrh. aus einer Breslauer hs.); nun wölt got, das es nimmer aufhöret des regens.
Bocc. 120
b; die kummen nimmer zuo der volkumenheit. Keisersberg
sünden des munds 8
a; die wolckseule weich nimer von dem volck des tages.
2 Mos. 13, 22; das fewr auff dem altar sol brennen und nimer verleschen.
3 Mos. 6, 12; denn hochmut thut nimer gut.
Sir. 3, 30; deine hand sol nicht auffgethan sein imer zu nemen, und zugeschlossen sein nimer zu geben. 4, 36; gott würt uns warlich nimmer verlon. Uhland
volksl. 906; sam künd es werden nimmer gut. H. Sachs 1, 418, 23; schwäger seind nimmer besser freunde dann weit von einander, oder selten zusammen. Agricola
sprichw. nr. 347; schreiner ... die nimmer nebenausz stemmen. Fischart
groszm. 53; also das viel im frauenzimmer mit bloser hand euch tödten nimmer.
flöhhatz (1573) 1714; was schon der todt hinweggebracht, kan nimmer wieder kommen. S. Dach 409
Öst.; wer gott zuforderst sich ergiebt und nimmer von ihm weichet. 410; sie fressen ... und werden doch nimmer satt. Albertinus
narrenhatz 177; so wird deines geschwätzes nimmer ein ende nehmen. Philander (1650) 1, 95; eine andere thate nichts als brieffe schreiben, welche ihre doch nimmer recht gefielen. 124; den werde ich nimmer für meinen freund halten, der meiner fehler freund ist. Butschky
Patm. 870; im kurzen aufenthalt des nimmer ruhigen ... lebens. Haller
ursprung des übels 1, 83; blutig war es, blutig blieb es und das blut ging nimmer ab. Gotter 1, 53; fast nimmer müde läst es sich in diesen locken wühlen. Bürger (1778) 115; das ros fühlt seines schenkels macht, der nimmer wanket, nimmer kracht. 301; 'beruhige dich.' nimmer und in ewigkeit. Lenz 1, 128; der wagen kommt sonst nimmer so früh. Göthe 10, 128; ihr werdet ihn nimmer aus seinem grabe zurückholen. Schiller 2, 73 (
räuber, schausp. 2, 2); nimmer sehen soll mein aug diesen fremdling! 149 (4, 4); Johanna geht und nimmer kehrt sie wieder. 13, 187 (
jungfr. von Orl., prolog 4); nimmer glaubt' ich, nimmer hofft' ich, in diese arme dich zu schlieszen. 6, 132; das ist die kraft, die nimmer stirbt und immer wieder streitet. G. Keller
ges. ged. 21;
[] verstärkt durch gar: das an der erden klebt und seinen geist gar nimmer aufwärts hebt. Opitz 2, 107,
durch wiederholung: nimmer, o nimmer kommt mehr die sonne.
der junge Göthe 1, 286; wars nur ein bild meiner phantasei? es ist verschwunden.nimmer, nimmer! Lenz 3, 203; nein nimmer, nimmer! möge mit erröthen mein schutzgeist auf mich niedersehn. 3, 241; nimmer, das glaubt mir, erscheinen die götter, nimmer allein. Schiller 11, 204; abend wards, und wurde morgen, nimmer, nimmer stand ich still. 380;
in verbindung mit einer anderen negation nimmer kein (
th. 5, 463), nimmer nicht (
sp. 708), nimmer nichts (
sp. 723), nimmer nie (
sp. 739), niemals nimmer: die haben nimmer kein ruo noch friden. Keisersberg
sünden d. munds 17
d; da würstu nümmer zuo keinem rechten menschen. 50
d; und si im nimmer kein zug versagt.
fastn. sp. 308, 4; ein betrübter hat nimmer keinen guten tag.
spr. Sal. 15, 15; dasz dir nimmer kein guts geschehe. Agricola
sprichw. nr. 626; die Engellender essend nimmer keine gäns. Heuslin
Gesners vogelb. 58
b; welche mit elephanten umbgehen, die tragen nimmer kein weiszes kleid, und die mit ochsen nimmer kein rothes. Fischart
ehz. 72; der in allen seinen sachen nimmer kan kein ende machen. Logau 1, 1, 33; das wolt ich nimmer nit verschlafen.
fastn. sp. 268, 2; was nutz werden aber euere söhne von diesem meister haben, dieweil er nimmer nicht bei inen sein wirdt? Bebel
facet. (1589) 9
b; nimmer nicht,
ad calendas graecas Stieler 1357; wer nimmer nichts versucht, der weisz nicht was er kan. Logau 2, 2, 73; wer tugend hat und kunst wird nimmer nie vertrieben.
zugabe 39; dasz er niemals ... ein ding nimmer zweimahl mit einerlei worten ausgesprochen.
pers. rosenth. 4, 6. 2@bb)
niemals, noch nie, in verbindung mit einem partic. präteriti: höre mich tochter, tochter des .. nimmerbezwungenen. Bürger 221
b; den nimmergestorbenen. Stolberg 2, 77; heldentode .. schauest du, und des nimmererduldeten jammers viel! 14, 160; dem nimmergeahneten undank weichend. Pyrker
Tunis. 1, 461. 33)
schwäb. wird es auch (
wie nicht VII, 4)
gebraucht bei einem ausruf der verwunderung: was hör i nimmer!
was höre ich nicht alles! Schmid 407. 44)
fingierter eigenname in Nimmers tag, sanct Nimmers tag,
der tag des heil. Nimmer, der nicht im kalender steht und nie eintritt (
vergl. Nimmerlein),
angelehnt an das alte niemertac (
s. nimmertag, nimmertags): auf Nimmers tag,
nunquam, ad graecas calendas Stoer
dict. 356
b. Schottel 1370. Stieler 2247. Ludwig 1332; die zwentzig kronen will ich dir auff
s. Nimmarstag auch geben. Wickram
rollw. 72, 24
K.; auf sankt Nimmerstag. Langbein (1854) 3, 274; auf Nimmerstag, wenn die böcke lammen. Vilmar
kurh. id. 284.
vergl. Alemannia 1, 151
f. 10, 198
a. Wander
sprichw. 3, 1035;
nd. nummersdag
brem. wb. 251,
engl. at never-mass.