wirtschaftlich,
adj. und adv. wohl einmalig nach wirtschaft I A '
gastmahl, fest',
etwa '
gesellschaftlich': sie (
die jungfrau) ward zum tantze und zu wirtschafftlichen ehren vorgezogen W. Bütner
epit. hist. (1596) 25
b. —
seit der 1.
hälfte des 18.
jhs. nach wirtschaft II A '
art und weise, kunst des wirtschaftens'
und wirtschaft II B '
hauswesen'
allmählich schärfer ausgeprägt. 11)
haushälterisch, sparsam; dem wesen eines guten wirtes und einer guten wirtschaft gemäsz. im wechsel mit wirtlich 2:
qui rei familiari servit Steinbach (1734) 2, 999;
adj. rei familiaris curam habens; adv. oeconomice, curando oeconomiam Frisch 2 (1741) 453
a; 'w.
siehet auf die ordnung, welche man in seinen ausgaben und einnahmen hält' Stosch
gleichbed. w. 1, 357;
ähnlich Weigand
syn. 3, 713.
von eigenschaften und handlungen, nur so bei Adelung 4, 1577.
aus dem ursprünglichen verständnis von wirtschaft II A: es wird nichts übrig gelassen, als was entweder der geiz oder eine wirthschaftliche vorsorge für die künftigen jahre aufhebt (
an fleisch und getreide) J. J. Schwabe
belustigungen (1741) 7, 374; die tugendhaftesten eigenschaften wirthschaftlicher häuslichkeit und sparsamster arbeitsamkeit mit denen äuszerlichen schönheitsgütern verknüpft
d. Leipz. avant. (1756) 2, 101; weil aus wirtschaftlichem fleisze tugend, wie aus faulheit untugend zu erwachsen pflegt J. H. Voss
antisymb. (1824) 169;
von der jüngeren bedeutung '
die wirtschaft, das hauswesen u. s. w. betreffend'
überdeckt: endlich lehrte sie dieselbe auch die wirthschaftlichen weiblichen künste Wieland I 3, 383
akad.; doch trug der wirthschaftliche fleisz ... der einwohner nicht weniger dazu (
zur freude) bei G. Forster
s. schr. (1843) 1, 356; anhänglichkeit und treue waren ... ihre tugenden gewesen und auch fleisz und wirtschaftliches geschick Fontane
ges. w. I 6, 199.
adverbiell gern in bestimmten verbindungen: bei betrachtung der ganzen hauswirthschaft ... sahe ich, dasz alles sehr genau, sparsam und wirthschaftlich eingerichtet war
der Leipziger avanturieur (1756) 2, 129;
noch häufiger: (
es ist) befohlen worden, mit der munition wirthschaftlich umzugehen Lessing 18, 444
M.; ein gut nicht wirtschaftlich verwalten Adelung 4, 1577;
ohne den üblichen sachbezug: warum teilen sie (
anrede) ihren verstand nicht wirthschaftlich ein? H. P. Sturz
schr. (1779) 2, 56.
persönlich, dann gern als frauliche eigenheit: Terette wird gleich anfangs als eine wirtschaftliche frau gemahlt Ramler
einleit. (1758) 1, 295; denn alles was sparet, ist wirtschaftlich und einsichtig v. Petrasch
s. lustsp. (1705) 2, 586;
übertragen: hier sammeln wirthschaftliche bienen J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 74.
erst in neuerm sprachgebrauch auch von gegenständlichem, '
nutzbringend, vorteilhaft': wenn nicht allen teilnehmern an der auseinandersetzung eine wirtschaftliche lage ihrer
[] ländereien verschafft werden kann, so ...
hdb. d. staatswiss. 1, 2; das kalken der kleestoppel vor dem umbruch, ..., ... scheint wenig wirthschaftlich Schwerz
prakt. ackerbau (1882) 95;
vgl.: wirtschäftlich '
tätig, sparsam' Jakob
Wiener dial. 221
a. 22)
von allem, was zu einem hauswesen, besonders einem solchen landwirtschaftlicher art, gehört. 2@aa)
von den gegenständen; heute nicht mehr verständlich: grasekorb, ist ein wirtschafftlich werckzeug, darinne das gras eingetragen wird Zincke
allg. oeconom. lex. (1744) 981; wirtschaftliche gebäude liefen rings um den hof ... J. H. Voss
Odüssee 439
B.; im vordertheile desselben (
landhauses) befindet sich ein zwar wirthschaftlicher, aber doch nicht schmutziger hof Rode
d. Vitruvius baukunst (1796) 2, 47; die wirthschaftliche einrichtung des hauses, das pferd meines nachbarn ... kömmt mir blosz deswegen besser vor, weil es nicht mir gehört J. J. Chr. Bode
Mich. Montaignes ged. u. mein. (1793) 4, 191; an einer stange trägt ein mann zwei wirthschaftliche körbe
F. G. Welcker
alte denkm. (1849) 5, 227;
vielleicht hierhin: auch der reiher, der weyhe, der wirtschaftliche storch, der auf unsrer hütte nistet, kamen zu mir maler Müller
w. (1811) 1, 26;
überdeckt von der bedeutung 3 (
s. u.): (
er) wies ihm unterwegs verschiedene wirthschaftliche einrichtungen Immermann 5, 171
Boxb. 2@bb)
von tätigkeiten, zuständen, haltungen u. ä.; vgl. unter 4
den Bodmer
-beleg (1752): dieses amt hat von dem feldbau ... und andern wirthschafftlichen nutzungen, schöne einkünffte Rohr
Unterhartz (1736) 106; wo bleibt denn das frauenzimmer, zu dessen wirthschaftlichem beistande du mir hoffnung machtest Göthe I 23, 246
W.; auch noch im ganzen 19.
jh., doch bleibt der umrisz des hauswesens oft nur undeutlich sichtbar: dieses sechzehnjährige hausmütterchen in ihrem wirtschaftlichen treiben Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 565; ... wenn sie (
anrede) irgend einen wirthschaftlichen wunsch haben; sie ist die gute fee, welche den haushalt in ordnung hält G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 65; zu anderer zeit wurde es (
das studierzimmer) ... zu allerlei wirthschaftlichen zwecken gebraucht W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 2, 4. —
adv.: das überstandene stroh aber sehe man nicht als ein heiligthum an; es läszt sich wirthschaftlich gebrauchen Herder 23, 72
S.; wenn Lene wirtschaftlich zu tun oder in der stadt allerlei besorgungen hatte Fontane
ges. w. I 5, 249. 2@cc)
von der bewirtschaftung des bodens, waldes u. s. w.; vgl. wirtschaft II B 2 b: indem man die wirthschaftliche lebensdauer der fichte in 4 gleiche ... perioden zerlegt Roszmäszler
d. wald (1863) 589; die beachtung ästhetischer gesichtspunkte sichert vor wirtschaftlichen miszgriffen H. v. Salisch
forstästhetik2 7. 33)
nach wirtschaft II C;
von allem, was zum organismus der wirtschaft gehört oder ihn betrifft. vgl. compos.-typ 5.
seit der mitte des 18.
jhs. in ansätzen. noch angelehnt an die bed. 1 '
die art und weise zu wirtschaften betreffend': diesz ist eine wirthschaftliche beobachtung (
d. hl. schrift), welche die haushaltungsregel sehr ins licht setzet Gottsched
das neueste aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 6, 219,
während im folgenden durch abstraction von der vorstellung '
hauswesen, einzelner landwirtschaftl. betrieb'
die moderne bedeutung voll erreicht wird: alsdann versammelte er die vorsteher und die angesehensten bürger des dorfs um sich herum und sprach mit ihnen von wirtschaftlichen angelegenheiten Lenz
ges. schr. 3, 103
Tieck; ähnl.: sobald die apostel alle arbeiten ... allein nicht bestreiten konnten, wählten sie, wie zu wirthschaftlichen geschäften, diakonen Herder
w. 19, 384
S. —
voll entfaltet erst seit der mitte des 19.
jhs. im politischen und geschichtswissenschaftlichen schrifttum. bei verbalen oder abstracten substantiven: sein enkel rief ... die wirthschaftliche einheit ... herbei Dahlmann
gesch. d. franz. revolution (1845) 420; wirthschaftliche verhältnisse (
als überschrift) Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 96; da jede wirthschaftliche frage einen moralischen sinn birgt W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 177; dasz die herbstübungen aus wirthschaftlichen
[] gründen schon im frühjahr abgehalten werden sollten Bismarck
ged. u. erinn. 2, 41
volksausg.; die bedeutung dieser verwickelten wirthschaftlichen thatsache Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 25; um auch die wirthschaftlichen kräfte des weiteren vaterlandes (
zur) ... entfaltung gelangen zu lassen Bennigsen
d. nat.-lib. partei 6; das wirtschaftliche denken der europäischen völker Kolbenheyer
arbeitsnot u. wirtschaftskrise (1935) 3.
adv.: als die welt wirthschaftlich immer gröszer wurde W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 42; die letzten fünfundzwanzig jahre haben uns wirtschaftlich grausam zurückgebracht Cl. Viebig
d. schlafende heer (1904) 1, 166; die folgen dieser gewohnheit sind wirtschaftlich und social in hohem masze schädlich
hwb. d. staatswiss. 1, 12.
in mannigfacher adversion zu bezeichnungen anderer lebens- und culturgebiete: der thätige antheil, den derselbe (
d. jurist) am rechtsleben nahm, ... erstreckte sich auch auf maszregeln rein wirthschaftlicher art Jhering
geist d. röm. rechts (1862) 2, 2, 439; es gibt religiöse, sittliche und wirtschaftliche bewegungen Mommsen
reden u. aufs. (1905) 114; nicht nur die nationalistische welle, auch die welle der wirtschaftlichen autarkie flutet über die weisze menschheit hin Kolbenheyer
a. a. o. 13. 44) '
gastfreundlich, einladend'.
in einigen beispielen aus der 2.
hälfte des 18.
jhs. statt wirtlich (
s. d.)
und von diesem bewirkt, da wirtschaftlich
und wirtlich
auf grund der gemeinsamen bed. '
sparsam' (
vgl. oben 1,
sowie wirtlich 2)
füreinander eintreten konnten; vgl. dazu die bemühung Lessing
s, die worte begrifflich zu trennen: w. 7, 409
M.; als specialisierung zu wirtschaftlich 2 b: itzund gab der alte noch seinen töchtern befehle, ... ausrichtsam mit wirthschaftlichem dienst daheim zu sorgen, was sich vollständig gebürte, den neuen gast zu empfangen Bodmer
Noah (1752) 13;
im übrigen von gegenständen wie wirtlich 2: aber da zeigte sich nirgends keine wirthschaftliche höle, welche ihnen einigen schirm angebotten hätte Wieland
Agathon (1766) 2, 332; unter dem wirtschaftlichen schatten meines baumes
ders. a. a. o. 1, 315,
vgl. unwirtschaftlich
teil 11,
sp. 2236. —
vergleichbar als adv., '
einladend',
zugleich '
den eindruck eines gepflegten hauswesens bekräftigend': dort ... stehen meine bienenkörbe in zween reihen; wirthschaftlich wohnen sie da im kühlen schatten der ölbäume S. Geszner
schr. (1777) 1, 20.