gefieder,
n. collect. zu feder,
mhd. gevidere, gevider,
ahd. wahrscheinlich gifidari
oder gifidiri,
während das kifedare
alites Graff 3, 449
zu gefeder
gehört (
s. d.).
im 16.
jh. noch gefider Maaler 162
a;
im 17.
auch gefüder,
s. 1,
f. 11)
im eigentlichen sinne. 1@aa)
das gefieder
der vögel: ich zôch mir einen valken mêre danne ein jâr .. und ich im sîn gevidere mit golde wol bewant .. Kürenberg,
minn. fr. 9, 1; ich weisz mir ein kleines waldvögelein .. es flog ir in
die schosz. sie schriet im sein gefidere, ir beider freud und die was grosz. Uhland
volksl. 71,
d. h. in der sinnbildlichkeit des alten liebelebens, nahm ihn in dienst (
eigentlich den falken),
das vögelein ist der geliebte; auch geistlich angewandt: si satzt sich zu im nider und schlosz in in ir schosz, beschnaid im sein gefider. 873.
es ist dabei hauptsächlich an die flügel, fittiche gedacht, wie im folgenden auch: erschwang ein adler sein gefider hoch in den lüften hin und wider. Spreng
Il. 258
a (12, 201),
vgl. unter erschwingen; bis sie mit schnellem gefieder die luft durchlispeln. Kleist
frühling (1754) 26; da rauscht der kraniche gefieder. Schiller
kraniche des Ibykus. sprichwörtlich es kommen mehr thier umb ihres balgs und gefiders denn ihres leibs halb. Henisch 1419. 1@bb) gefieder
am pfeil, bolzen, eingesetzte federn, um ihn zu '
beflügeln',
wie in einen vogel zu verwandeln (
er fliegt
ja auch): si erwarb eine strâle (
pfeil) .. daʒ gevidere si abe bant (
var. vederseil), den brief si umb den zein (
schaft) want
u. s. w. Veldeke
En. 287, 5.
daher eine redensart im 16.
jh., als ausdruck des höchsten hasses: sie sehen weder thür noch fenster an (
rennen blind durch die mauer), sie schieszen euch bisz ans gefider inn leib. Fischart
bienk. 193
b, 1588 213
a (5, 1),
bei Marnix sy schietent u tot de veren (
d. i. vederen) toe int lijf 204
b,
vergl. vorher 212
b wann sie keine pfeil mehr im köcher haben,
von predigten gegen Luther und die ketzer. noch bei Adelung das gefieder eines pfeiles,
wie in redensarten auch noch spät bolzen
fiedern u. ä., s. unter fiedern 2,
vergl. gefiedert.
eigen bei Maaler 135
c, Frisius 70
a die
fideren an dem bolz oder pfeil,
alae, wie die botanik von fiedern
z. b. am schierling spricht, der gefiederte blätter
hat. 1@cc)
ähnlich federn am fischangel, vederangel,
um 1500
im Tegernseer fischbüchlein: so magst nemen einen steinkeder auf den vederangel, der gefaszt (
s. d. 1,
b) sei mit gelber seiden ... daʒ gefieder sol sein liecht gesprengt. ist aber daʒ wasser tunkel, so sol daʒ gefider dester liechter sein
u. s. w. Haupt 14, 162; der angel sol gefaszt sein mit roter und liechtplaber seiden und ob der federen mit liechtplaber seiden, und daʒ gefider sol sein swerzlicht. 163
u. ö. 1@dd)
federschmuck, auf helmen, hüten u. ähnl.: uf dem helme daʒ gevider.
Lohengr. 6889; darumb ihr Hansen im gefidr, verachtet nicht die armen brüdr, die neben euch zu allen seitn zu ross und auch zu fusze streitn. Ringwald
laut. warh. 146 (131),
von den hauptleuten, vergl. grosze Hansen IV, 2, 457, hochgefiederter cavalier 1616; so wackelt itzt das strauszgefieder, ein bunter busch auf ihrem haar, bei jedem schritte hin und wieder. Wieland 9, 153 (
an Olympia 4). 1@ee)
aber auch für kleidung überhaupt, in vergleichung des menschen mit einem vogel; so von dem prunkenden putz eines landsknechtes: als dann dein gfider wol beweist, was du für ein schandvogel seist. H. Sachs 1, 371
b (1, 108
Göz),
s. dazu unter gefeder
in der alten rechtsformel. 1@ff) gefieder
die federn im federbette, genauer ingefieder, eingefieder Frisch 1, 265
c,
bair. ingefider Schm. 1, 513;
vgl. fiedern 3,
z. b. tirol. Schöpf 136. gevider
schon spät mhd., s. Lexer 1, 962.
auch gefüder
geschrieben: das bett war mit seidenen umbhängen .. mit dem allergelindesten gefüder ..
Simpl. 4, 119, 7
Kz. 1@gg)
dichterisch für schreibfeder, die ja wieder selbst ein gefiederter kiel ist: nun aber nimm ein frisch gefieder, das niederschreiben
u. s. w. Göthe 4, 109 (2, 431
Hemp.). 22)
bildlich. 2@aa) gefieder,
das der seele zu gebote steht (
vgl. herz und seele gefidert
unter fiedern 7,
a, auch gedanke
sp. 1960): nu sind verschrôten mir gedankes gevider. Laber 378 (
die federn gedacht); wann meiner freuden gefider beschroten ist dawider.
fastn. sp. 1385; schwinget die flügel zur ewigen fülle .. lob und gefieder sinke nicht nieder, bis ihr gelanget zur ewigen ruh.
wunderh. 1, 180
aus Knorr v. Rosenroths
Helicon (
s. die ausg. des wund. von Birl.
u. Crecel. 1, 563); schon regt in euch begeistrung ihr gefieder. A. W. Schlegel
ged. 1811 1, 91.
aber auch in schlimmer weise, in einer klage über entartung der kirchenmusik: die andacht acht man nicht, der geilen brunst gefieder erwächst und steigt empor durch unsre freche lieder. Logau 2, 5, 39. 2@bb)
der geist oder geister, dämonen u. ä. mit flügeln vorgestellt (
vgl.flügel 2): des grams umschattendes gefieder. Wieland 9, 4; die trübe schwermuth schwingt ihr trauriges gefieder. Uz (1768) 1, 146; der scherz mit glänzendem gefieder. 1, 97; doch Amor .. rauscht mit glänzendem gefieder vor meiner leyer hin und fordert meine lieder. 2, 291. 275; mit ihm (
Haller) schwingt am entfernten Belt ein angenehmer geist (
Hagedorn) sein glänzendes gefieder. 2, 311. noch senkt mit bleiernem gefieder der schlaf sich auf dein haupt. Kotzebue
Fanchon das leyermädchen Lpz. 1805
s. 12. 2@cc) gefieder
des windes, des winters, der nacht (
vgl.flügel 2): mit rauschendem gefieder scherzt überall der sanfte west. Uz 2, 255; hoch herauf bis zu mir trägt keines windes gefieder den verlorenen schall menschlicher mühen und lust. Schiller
spazierg.; bringt, auf bestöbertem gefieder, der winter ball, konzert und schlittenfahrten wieder. Gotter 1, 83; welche unbekannte nacht breitet ihr schwarzes gefieder aus? Lessing 4, 239. 33)
auch von vögeln selber, wie geflügel;
schwerlich schon mhd. Iwein 2127,
auch das oben als adj. angesetzte gefieder
aus dem 15.
jahrh. wird trotz dem gefugel
dabei eben adj. sein; aber seit dem 18.
jahrh., doch eigentlich nur dichterisch: doch kam das schelmische gefieder (
die sperlinge), wo heute nicht, gleich morgen wieder. Gellert (1784) 1, 335; andres gefieder wendet sich nun zur schirmenden wohnung in dem dichten gebüsch und in den dornichten hecken. Zachariä 2, 83; deines hornes klang verscheuche dieses hains gefieder nicht. Bürger
ged. (1778) 9; alles singende gefieder. Fr. Müller 1, 26; buntes gefieder rauschet im hain. Göthe 1, 90; seevögel begrüszen das land, das noch wenig eignes gefieder nähret. Herder
id. 2, 5 (6, 1); dasz daselbst die schönsten fasanen zu haben seien. auch handelte ich sogleich mit den einwohnern um solches gefieder, welches sie auch sogleich häufig, getödtet, herbeibrachten. Göthe 27, 171; dem herrn gehört das wild und das gefieder. Schiller
Tell 3, 3.
scherzhaft von einem menschen, wie vogel (
vgl. unter gefeder): im walde nah bei einer stadt .. liesz einst ein seltenes gefieder, ein junger eremit, sich nieder. Lessing 1, 112. 44)
auch zu feder 7, kunstfeder,
für federwerk: gefieder eines uhrwerks,
rotae versatiles. Stieler 450,
also schon auch aufs räderwerk übertragen; das innwendige gefieder an einem schlosse,
serae, tendiculi. das.; gefieder eines schlosses, einer büchse,
federwerk, treibwerk, les ressorts. Rädlein 332
a.
in einer beschreibung des (
sog. deutschen)
schlosses im öcon. lex. 2200 die riegel mit ihrem gefieder, so durch das gefieder gesperret werden.
vom gefieder einer büchse in dem liede ich bin der fürst von Thoren: ihr jäger, spannts gefieder, schiesst mir die füchslein nieder.
wunderh. h. v. Birl.
u. Crec. 2, 351 (1846 3, 278).