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grammatiker

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grammatiker

Bd. 8, Sp. 1805
grammatiker, grammatikus , m. ein ahd. gramatichâre bei Notker 1, 459, 26 P. (für lat. grammaticus) setzt sich nicht fort; vielmehr kennt das mhd. in gramaticus, das nhd. in grammatikus anscheinend noch bis über die mitte des 18. jhs. hinaus nur die lateinische form; bei Luther begegnet einmal ein aus grammaticus verdeutschter schw. pl. grammatichen: 49, 562 W. grammatiker erscheint erst nach 1750, setzt sich aber noch in der zweiten hälfte des 18. jhs. durch. Adelung freilich führt in wb. 2 (1808) 773 beide bildungen noch gleichberechtigt auf. in der schreibung gramatiker bei Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 532, grammaticker in: allg. dt. bibl. (1765) 4, 2, 194. 11) im rahmen des mittelalterlichen bildungswesens, der im lesen, schreiben und in der lat. sprache kundige, auch der in diesen fächern lehrende, entspr. grammatik 1, vgl. die glossierungen des 15. jhs. für lat. gram(m)aticus als latinchunner, eyner der do kan latin, latin red konner, ein kunstiger der buchstaben vnd der diction, red lerer vel lerer der red und schreibung bei Diefenbach gl. 268b; nov. gl. 196b: an sîme einleften jâre dône was ze wâre dehein bezzer grâmaticus danne daz kint Grêgôrjus Hartmann von Aue Gregorius 1183 Paul; darzvo alle gramatici gar die schoner worte nement war und ganzir sprache wort vnd sin mit kvnste habent vnder in Hugo v. Langenstein Martina 618 Keller. 22) sprachtheoretiker, sprachgelehrter, philologe, im wesentl. grammatik 2 entsprechend. 2@aa) sachverständiger in fragen der sprachtheorie und der sprachpraxis, zumal auf dem gebiet der sprachregelnden, normativen grammatik. vereinzelt schon mhd.: dâ von wænent manig gramatici, daz sint der rede maister, daz ibis ain storch haiz, wan ain storch izt auch slangen Konrad v. Megenberg buch d. natur 201 Pfeiffer; es (das wort zelus) heissens ein teil aemulationem, obs recht oder nicht recht sey, das wil ich den grammaticis befehlen Luther 46, 742 W. bei Luther auch mit der gleichen einschränkung wie unter grammatik 2 a: es sind arme grammatici, die da wollen aus jrer kunst von diesen hohen sachen (dem evangelium) reden und urteilen 45, 560 W.; vgl. 49, 562; mendacium die grammatici ... generis neutrius setzen Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 2, 235; wenn ein grammatikus durch ein land zog, war es nicht anders, als wenn ein Likurg, Solon oder Numa ankäme, das ganze menschliche geschlecht durch neue gesetze glücklich zu machen Gottschedin br. 1, 324 Runkel; französisch lernte ich mit vieler begierde. mein sprachmeister war ein wackerer mann. er war nicht ein leichtsinniger empiriker, nicht ein trockner grammatiker; er hatte wissenschaften, er hatte die welt gesehen. zugleich mit dem sprachunterrichte sättigte er meine wiszbegierde Göthe I 22, 264 W.; er (Edmund Richer) war ... ein strenger grammatiker, unbeugsamer moralist (an der Sorbonne um 1600) Ranke s. w. (1867) 9, 134; vgl. 16, 91. als grammatiker soviel wie 'in seinem verhältnis zur sprache': wie er auch als grammatiker die historischantiquarische forschung bei seite schob und nichts anerkannte als einerseits den lebendigen sprachgebrauch, andrerseits die regel der gleichmäszigkeit Mommsen m. gesch. 3 (1866) 451. der in einigen der obigen belege schon mitschwingende abwertende nebensinn des pedantischen, schulmeisterlichen, beschränkten ist oft noch deutlicher spürbar: einige von ihren (der Franzosen) genies haben selbst über diese fesseln geklagt, die sich die nation von ihren grammaticis und von ihren petitsmaitres hat anlegen lassen Cramer nord. aufseher (1758) 1, 222; diese schreibart (des hebräischen) ist dem lauf der gesunden vernunft so entgegen, das unwesentliche zu schreiben, und das wesentliche auszulassen, dasz sie den grammatikern unbegreiflich seyn müste, wenn grammatiker zu begreifen gewohnt wären Herder 5, 13 S.; vgl. 112. im folgenden beleg zugleich neben der bedeutung b: ein grammatiker, der von schweren benennungen und wörtern einer sprache red und antwort geben, oder erklärungen und beweise ausfündig machen will, musz auch in den geschichten und alterthümern stark seyn und keine geringe belesenheit haben anmuth. gelehrsamk. 5 (1755) 493 Gottsched. 2@bb) in weiterem sinne zunächst von den antiken philologen, besonders den alexandrinischen gelehrten der hellenistischen zeit, die das klassische quellenerbe nach sprache und gehalt kritisch und kommentatorisch bearbeiteten, dann auch von den in gleicher tradition stehenden spätantiken, frühchristlichen und neuzeitlichen gelehrten dieser art, s. dazu auch s. v. grammatik 1. durchweg in jüngerem, historisch referierendem schrifttum: aber wer hätte wohl bey einem grammatiker (gemeint ist Donatus mit einer Terenzglosse) so feine kenntnisse gesucht? die alten grammatiker waren nicht das, was wir itzt bey dem namen denken. es waren leute von vieler einsicht; das ganze weite feld der kritik war ihr gebiethe. was von ihren auslegungen klassischer schriften auf uns gekommen, verdient daher nicht blos wegen der sprache studiert zu werden Lessing 10, 91 L.-M.; Tiber(ius) erhielt sich ja seine akademie von grammatikern, denen ers einst einen morgen antrug, eine barbarei seines mundes in ihre schriften aufzunehmen Herder 5, 628 S.; (nach) so vielen zeugnissen für den sprachgebrauch kann es uns wenig anfechten, wenn einer und der andre grammatiker entweder etwas falsches einmischt oder durch wortkargheit unverständlich wird (in scholien und glossen zu Pindar) Welcker alte denkmäler (1849) 1, 6. hier noch deutlicher als unter a und vom gleichen gesichtspunkt her mit verächtlichem beisinn, besonders in der anwendung auf die philologen jüngerer zeit: es (eine anthologie) ist freilich eine rohe sammlung elender grammatiker, aber vortrefliches ist viel darunter Herder 5, 474 S.; nun vergessen sie (die herren) immer, dasz sie uns früher, bis zur langen weile, versicherten: ein poet sey kein grammatiker! Homer, Homeriden, rhapsoden und alle das confuse geschlecht haben so hin gesaalbadert wie gott gewollt, bis sie endlich so glücklich gewesen, dasz man ihr dummes zeug aufgeschrieben, da denn die grammatiker sich ihrer erbarmt und es nach zweytausendjährigem renken und rücken endlich so weit gebracht, dasz auszer den priestern dieser mysterien niemand mehr von der sache wisse noch wissen könne Göthe IV 29, 90 W.; vgl. 46, 99; unter unsere grammatiker mit ehernen eingeweiden, unter unsere gelehrten, die ihr mechanisches wissen nur um seiner selbst willen treiben, kam doch durch unsere dichtung wenigstens eine ahnung, dasz es auch auszer dem dunstkreis der schule ein leben gebe Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 118. archaisierend in der lateinischen wortform: an diesem gewimmel toter buchstaben mag jener eitle grammatikus und magister (Zwingli) seine künste treiben, er kann ebenso nutzreich den sand der wüste umworfeln, es wird kein lebendiger quell entflieszen! ich aber (der schwärmer) nehme sie wieder hervor, und sie ist ein Mosesstab G. Keller ges. w. (1889) 6, 349. 2@cc) als sprachlehrer im eigentlichen sinne, auch von dem lehrer in fremden sprachen: die grammatici bemühen sich, junge leute zu rednern zu bilden Wieland Agathon (1766) 1, 105 (dafür aber ebda [1773] 1, 193: sprachlehrer); die schreibfehler sogar sind allzu häufig. nehmen sie den unterricht eines alten grammatikers Iffland theatr. w. (1827) 9, 205. nicht sicher, ob auf lehrer oder auf schüler zielend oder auf beide zugleich als sprachbeflissene überhaupt: so ist auch mitten in diesem tumultvoll scheinenden leben ... für treuen und gründlichen unterricht (in fremden sprachen) gesorgt. ihr würdet unsere reitenden grammatiker, unter welchen sogar einige pedanten sind, aus diesen bärtigen und unbärtigen centauren wohl schwerlich herausfinden Göthe I 25, 1, 5 W.
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    Neuhochdeutsch
    grammatiker

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    grammatiker , grammatikus , m. ein ahd. gramatichâre bei Notker 1, 459, 26 P. ( für lat. grammaticus ) setzt sich nicht …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grammatiker

    Goethe-Wörterbuch

    Grammatiker a Experte für Grammatik; auch neben u offen zu ‘Kritiker, Philologe’ uä, aber iGz ‘Poet, Dichter’ Ew. Wohlge…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grammátiker

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Grammátiker , bei den Griechen allgemeine Bezeichnung für Gelehrte, die sich mit der Erforschung der Grammata , der Lite…

  4. Spezial
    Grammatikerm

    Dt.-Russ. phil. Termini

    Grammatiker , m грамматист , м

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grammatik + -er

grammatiker leitet sich vom Lemma grammatik ab mit Suffix -er.

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