pflegen,
verb. stark- und schwachformig. Verbreitung, formen und mutmaszliche herkunft. 11)
das westgermanische wort lautet ahd. phlëkan, flëkan, phlëgan, pflëgan, flëgen,
bei Otfrid
mit unverschobenem anlaute (
wie alts.) plëgan;
mhd. phlëgen, pflëgen, flëgen
und (
schwachformig) phlegen, pflegen;
md. pflëgen
und plëgen;
nhd. pflëgen
und pflegen (flegen Weckherlin 285);
alts. plëgan;
mnd. und nd. plëgen, plegen,
mnl. pleghen,
nnl. pleegen;
ags. plegian,
altengl. plaigen,
engl. play;
altfries. plegja
und pligja,
neufries. plijgjen;
altn. (
seit ende des 13.
jahrh.) plaga,
schwed. dän. pläga. 22)
man sieht, dasz die einem lehnworte zukommende schwache form (
vergl. Grimm 1
2, 397. Leo
ags. gloss. 94, 35
ff.)
nur im ags. altfries., altn. und den davon abhängigen mundarten gewahrt ist, während im ahd. (
vielleicht nach analogie von wëgan)
und alts. (
blosz der infin. plëgan
nachweisbar)
nur die starke form vorkommt, im mhd. seit dem 12.
jahrh. vereinzelt auch die schwache, die erst im 17.
jahrh. ins mnd. gedrungen ist (Schiller-Lübben 3, 343
b).
Im nhd. hat sich die starke neben der schwachen form nur im prät. (pflag
und pflog, pflagen
und pflogen)
und partic. behauptet (gepflogen,
wie schon mhd. statt gepflëgen,
das aber mit und ohne präfix ge-
im 15.
bis 17.
jh. noch öfter sich zeigt, s. unten die beispiele),
frühnhd. auch im präsens sing. (
der plur. ist in beiden formen gleichlautend)
und imperativ: ich pflig Cl. Hätzlerin 2, 2, 121; du pfligst Weller
dicht. des 16.
jh. 44: er
u. s. w. pfligt Ortolf
arzneib. (1477) 13
b.
Erlauer spiele 4, 301. Keisersberg
der seelen parad. 148
b.
Basler chron. 1, 94, 11. Aventin. 4, 518, 27.
Zimmer. chron.2 1, 308, 8. 2, 135, 15;
imperat. pflig Schwarzenberg 135
d. Maaler 318
a. 33)
durch den anlaut pf (p)
ist pflegen
wol als ein altes, schon vor der ahd. zeit aufgenommenes fremdwort gekennzeichnet, das aller wahrscheinlichkeit nach entlehnt ist aus lat. plicare (
falten, zusammenlegen, wickeln, im vulgärlatein auch biegen, neigen, nähern u. s. w.),
worüber ausführlich handelt Schade
2 678
a f. Scherer (
zeitschrift für deutsches alterthum 22, 322
ff.)
sucht die germanische abstammung des wortes zu erweisen mit den bedeutungen '
ein spiel beginnen; einsetzen; sich in gefahr begeben'.
vgl. dazu Fick
in Bezzenbergers beiträgen 7, 94 (
sanskr. glahate
würfeln, glaha
einsatz beim würfelspiel)
und Leo
ags. gloss. 94, 23
ff. Bedeutung und gebrauch. 11)
entlehnung aus lat. plicare (
prov. plegar,
altfranz. pleyer,
franz. plier Diez
4 226)
vorausgesetzt, würde pflegen
ursprünglich bedeuten zusammenfalten, ein-, verwickeln, wozu neigen und sich damit beschäftigen, woraus (
für pflegen
und pflicht)
die begriffe des gemeinsamen, verbindlichen, sorglichen, verantwortlichen, geschäftigen und gewohnten thuns und handelns, der gemeinsamkeit, obliegenheit, theilnahme, verbindung u. s. w. hervorgegangen sein können. ähnlich verhält es sich z. b. mit dem lat. obligare (
von ligare
binden)
und dem entsprechenden deutschen verbinden
im sinne von verpflichten. 22)
der bedeutungsumfang ist im mhd., nhd. und nd. am reichsten entfaltet, während im alts. und ahd. (
sowie in den oberd. mundarten)
nur der begriff des sorglichen oder verantwortlichen handelns, im ags. (Leo 93, 44
ff.)
nur der der muntern bewegung, des spielens (
wett-, hazardspielens, s. oben 3)
sich entwickelt hat. 33)
die älteste construction ist die mit dem genetiv, woran sich jene mit dem accusativ und dativ reiht; der genetivischen und accusativischen construction ist die mit einem infinitiv oder nachsatz vergleichbar. 3@II. pflegen
mit dem genetiv (
im nhd. besonders dichterisch),
und zwar 3@I@11)
zunächst mit dem genetiv der sache. gramm. 4, 659. 3@I@1@aa)
alts. (
Heliand 5478. 82. 85)
und ahd. in etwas verwickelt sein, die verantwortung wofür übernehmen, einstehn (
vgl. II, 3,
a): ni wil ih ... sînes bluates scolo sîn, noh ouh therero dâtoplegan boradrâto. Otfrid 4, 24, 28; giborganero dâtoni pligit man hiar nu drâto. 5, 19, 39. 3@I@1@bb)
etwas zum gegenstand der pflege machen, sich fürsorgend womit befassen damit es wolstehe und gedeihe, etwas in aufsicht, in obhut haben oder nehmen, behüten, hegen: der seines fleisches pfligt. Keisersberg
der seelen parad. 148
b; denn niemand hat jemal sein eigen fleisch gehasset, sondern er neret es und pfleget sein.
Ephes. 5, 29 (wann er derzeucht und furet es.
cod. Tepl., goth. ak fôdreiþ ita jah varmeiþ); des leibes pflegen. Opitz (1646) 1, 319; er pflegt seiner morschen glieder in kissen von eider. Schiller 2, 49 (
räuber, schausp. 1, 3); und weil er da des leibes pflegt. Blumauer (1839) 1, 14; sie untersucht den fusz und pflegt der kleinen wunde. Alxinger
Bliomb. 4, 30. pflegen mit: man trueg es (
getreide) alles in die stat auf kornpöden und pflegt sein wol mit rüeren und andern dingen. B. Zink 159, 12; sie pflegt der blumen so lieb so hold mit frommen kindlichen scherzen. Körner 1, 228. 3@I@1@cc)
besonders als herr oder vorstand fürsorgend verwalten, regieren: ahd. des hûses, dero rîche
u. s. w. phlegan (
praeesse, praesidere, regere) Graff 3, 357;
mhd. wan er des landes .. phlegete (
das land regierte).
Milstäter exodus 119, 25; daʒ sî des landes müeʒe pflegen. Hartmann
Greg. 407; swer mit tugenden hûses pfliget. Winsbeke 50, 1;
nhd. (
der exarch,) der der herrschaft pflog. Platen 2, 244; doch pflegte des reichs die Bojoarin. 240. 3@I@1@dd)
etwas als übertragenen dienst, als amt, geschäft besorgen, verrichten: mhd. (
magd,) diu der chemenâten phlach.
Milstäter genesis 56, 18; der der burc pflac (
burgwächter war).
Nibel. 456, 1; der kameren pflac Eckewart (
war kämmerer). 1338, 3; dise herren muosen pflegen des hoves (
die dienste bei hofe besorgen). 10, 2; amptliut .., die der mâʒ und des gewihtes phlegent. Maszmann
gesch. d. deutschen schachspiels 117;
nhd. die der hütten pflegen.
Ebr. 13, 16 (die da dienent dem tabernakel
cod. Tepl.); die des altars pflegen.
1 Cor. 9, 13 (die da dienend dem altar
cod. Tepl.); sie pflegten des priesterampts.
4 Mos. 3, 4; des ampts aber sollen sie nicht pflegen. 8, 26; so halten sie gleichwol messe und pflegen aller geistlichen ampt und sacramente. Luther 3, 515
a; diser ersten offentlichen handlung vor gericht hat Cicero, da er drei und zwaintzig jar alt war, gepflegen. Schwarzenberg
leben Ciceronis 3
a; uff das wir mögen pflegen seins rechten diensts. Vehe 12, 4; zwanzig andre pflegten des diensts dabei (
beim schenktische). Wieland 18, 26; sie pflegt des heerdes. Voss
ged. 6, 156; (
sie) pflegten sorglich ihrer ämter.
F. W. Weber
Dreizehnlinden 338. 3@I@1@ee)
womit umgehn, sich hingeben, nach willen und gefallen thun und treiben, sich bedienen, gebrauchen, besonders mit dem genetiv eines abstractums, oft nur den verbalen begriff mit kaum merkbarer abstufung umschreibend: mhd. angest, armüete, der êren, genâden, jâmers, minne, slâfes, sorgen, strîtes, vehtens, weinens
u. s. w. pflegen,
s. die zahlreichen belege im mhd. wb. 2
1, 500
a ff. Lexer 2, 253;
auch nhd. in einer menge, nun theilweise veralteter verbindungen z. b. (
in alphabetischer reihe): die königklichen weiber pflagen der heidnischen
abgötterei. Reiszner
Jerus. 1, 59
b; und pflag der
arbeit tag und nacht.
der heiligen leben (1472) 100
b; do ich allzyt der
buolschaft pflag. Gengenbach
die x
alter 643; ein freund .. der soll der
demut pflegen. Logau 1, 10, 31; wie dein weib des
ehebruchs zu zeiten pflegte.
buch der liebe 183
a; drinn (
im kloster) man ihn christlich auferzogen, dasz er keiner
eitelkeit gepflogen. Corner,
Kehrein kirchenl. 1, 493, 10; ee will ich mich land, leut verwegn, und will des
ellends pflegn (
ins elend, in die fremde gehn). Raber
Sterzinger spiele 3, 116; wo ich dann sogleich einer genugsamen
erholung pflegte. Göthe 30, 8; die semlicher
feinheit pflegen, das sind weltliche .. herzen. Keisersberg
der seelen parad., vorrede 3
a; (
sie) gantz falscher
freuntschaft pflag da gehn (
gegen) irem stiefsun. H. Sachs 8, 738, 19; da pflegt Symeon seins
gebets. Vehe 26, 1; als ich oft vil
gedanken pflag. Schwarzenberg 150
b; er sasz in einer mondhellen eke am fenster und pflegte seiner gedanken. Hölderlin
Hyper. 2, 25; (
da) ward ritterlichen hoflichen
gespräches viel gepflogen. Wieland 18, 26; der in der winternacht gespräche pflag. Platen 1, 108; si pfligt in unserm dienst groszer
hochfart. Erlauer spiele 4, 301
Kummer; welcher hie wil
kampfes pflegen. H. Sachs 16, 71, 3; allda ihr seiner
lehr .. gepflogen (
auf seine lehre hörtet). Fleming 5; las uns gnug bulen ... und las uns der
liebe pflegen.
spr. Sal. 7, 18; andere wolten sich verheirathen, damit sie der liebe desto freier pflegen möchten. Philander (1650) 1, 125; wenn wir der süszen liebe pflegen und in vergnügten banden ruhn. Phil. v.
d. Linde
gal. ged. 159; doch pflag er der
list. Schöfferlin
Livius 34; der ihm des
lügens nur zu nutz, zu schaden keinem, hat gepflogen. Logau 3,
zugabe 83; und ich will der
minne nit pflegen.
der heiligen leben (1472) 76
b; seiner
nothdurft pflegen (
verrichten). Lessing 10, 227; wunderbar ist es, dasz den bienen die sitte gefällt, nicht der
paarung zu pflegen. Stilling
georg. 4, 198, dasz sie keiner begattung sich freun. Voss;
rates pflegen (
s.rat 4,
b. 5,
a),
raten, ratgeber sein. Rolandslied 406
Bartsch (
vgl. ratsfreund); eines (bei einem, mit einem) rates pflegen,
einen um rat fragen, mit ihm worüber beraten: zu solchem juden hat diese grefin geschickt und seines raths gepflegen.
Zimm. chron.2 2, 343, 32; sie sollen bei den rechtverständigen radts pflegen.
Carolina art. 28; wenn einer rahts bei einem verständigen nicht pfleget, derselbige wird von den wenigsten geliebet. Butschky
Patm. 971 (669); mit ihnen beiden pfleg ich raths, wie man der landesfeinde muthig sich erwehrt. Schiller 14, 287 (
Tell 1, 2).
auf jemands rat hören, ihn befolgen: so ihr meines rahts pflegen wöllet, so wöllen wir morgen die sach nach unserm willen zu end bringen.
buch der liebe 239
b; wollet ihr aber meines raths pflegen.
Aimon bog. a; ich wil des rahtes pflegen, den du mir geben kanst. Fleming 52; das er früntlichs
reden pflag. Schwarzenberg 142
a; pflegt um gottes willen nicht solcher reden mehr. Wieland 18, 56; sie müssen nur der
ruhe pflegen, die augen schlieszen. Hagedorn 2, 107; zu paaren unter zweigen süszer ruhe pflegen. Bürger (1778) 10; jetzt pflegt sie (
Maria) einen augenblick der ruh. Schiller 12, 550 (
M. Stuart 5, 1); (
wie) sich die gestirne tag und nacht bewegen und nie der erdenschwäche ruhe pflegen. W. v. Humboldt
sonette 28; in diesem lande wird niemand der ruhe pflegen. Rückert
Bostan 6, 3; musz man bei dem tage
sorgen pflegen. Logau 3, 9, 78; die pflogen mit ihm
spielens. Rückert 3, 495; und keines
streits von ihnen ward gepflogen.
ges. ged. 1, 185; doch muszt du meinetwegen nun auch der
thränen pflegen.
F. Dahn
ged., zweite samml. 1, 285; ain jedes (
mann und weib) sölcher
treuhait pflag. Schwarzenberg 99
a; und wer hie ..
übels pflegt. 155
c; ich bin ja nicht so bös, dasz ich des
undanks pfleg. Rompler 222;
unmuotes ich selten pflig. Cl. Hätzlerin 2, 2, 125; allda ihr seines ...
unterrichts gepflogen (
auf seinen unterricht hörtet). Fleming 5; die pflagen der
vernunft, das sie alweg etlich aus den zunftmeistern inen freund und anhenger machten. Schöfferlin
Livius 40; der pfligt gar klueger
witzen. Raber
Sterzinger spiele 6, 38; er pflag allain des
wollusts. Aventin. 4, 118, 19. mit einem eines dinges pflegen: das sy mit in nit
eepruchs pflag. Schwarzenberg 110, 1; alsweil sie nicht der
lieb zuvor mit ihnen haben gepflegt. Albertinus
hauspolizei 95
b; wie dasz der Jupiter viel liebe mit dem frauenzimmer gepflogen. Schuppius 549; dasz es unerlaubt sei, mit einer Danae der liebe zu pflegen. Wieland 2, 235; die sind bei deiner tochter gelegn und habn mit ir der
unkeusch pflegn. Raber
Sterzinger spiele 8, 245; bei einem, mit einem rates pflegen,
s. oben an alphabetischer stelle. 3@I@1@ff)
aus dem begriffe sich bedienen, gebrauchen, entwickelt sich im mhd. der prägnante, worüber gebieten, etwas besitzen, haben, auch mit sächlichem subjecte: der hêrre pflac ... (
auf der kovertiure) anker lieht hermî
n. Wolfram
Parz. 14, 15; der mantl muos offener snüere pflegn.
Willehalm 249, 2; rîcheit bî jugent phlac daʒ wîp.
Parz. 102, 28; dîn zucker ie des smeckens pflac (
hatte solchen geschmack). H. v. Freiberg
Trist. 6636; der phlac rîches und guotes gewandes. Schönbach
altd. pred. 1, 102, 17. 3@I@1@gg) einem eines dinges pflegen,
ihm womit dienen, etwas geben, gewähren, bereiten, leisten: mhd. si lac des sunes inne dô, der ir sunlîcher triuwe pflac.
Tristan 1933;
md. sô saltû in des trankes gebin (
var. plegin). Eilhart v. Oberge 2274
Lichtenst.; der richter sal ouch phlegen eines schildes und eines swertes deme, den man schuldiget.
Sachsensp. 1, 63, 3
Weiske (
mnd. belege bei Schiller-Lübben 3, 343
a f.);
nhd. im 16.
jahrh.: das sie ihm seines willens pflege. Waldis
Es. 3, 39, 29; derhalb man im viel frewden pflac. 4, 20, 44; er pflegte jderman mit groszem fleisze rechts. Brotuff
chron. f 1
b. 3@I@22)
mit dem genetiv der person. gramm. 4, 659. 3@I@2@aa)
umgang haben, zusammenleben mit, so im mhd. z. b.: ir phlâgen (
lebten mit ihr gemeinschaftlich) drî künege.
Nibel. 4, 1; wan daʒ ich ir (vrowen) doch pflac ... unmanegen tac.
Iwein 3529.
geschlechtlichen umgang haben, beiliegen: der wîbe pflegen Diemer
arzneib. vii; ich sage iu niht mêrewie er der vrowen pflac.
Nibel. 583, 1; er pflac ir minneclîchen. 628, 5; welcher man seins weibs nit mag pflegn. Raber
Sterzinger spiele 6, 189;
genauer einer mit minne pflegen.
Nibel. 1864, 4. 3@I@2@bb)
in schutz und obhut nehmen, sich mit freundlicher sorge annehmen, sorgen für das (
körperliche oder geistige)
gedeihen und wolbefinden. 3@I@2@b@aα)
in bezug auf die pflege von personen: ahd. du scolt unser phlegan
u. a. bei Graff 3, 357;
mhd. got müeʒe des gastes pflegn.
Iwein 6719; do begunde die magt des rîters pflegen. 2188; der künec sîner gestevil schône pflegen bat.
Nibel. 247, 2; sîn (
kindes) pflâgen ouch die wîsen (
als lehrer und erzieher). 26, 3;
nhd. got pfleg seiner seel. B. Zink 56, 3; got het ir wol gepflegen. Liliencron
volksl. 275, 3 (
vom j. 1513); gott unser seelen ewig pfleg. Schwarzenberg 159
d; einer pflag des andern wol, als ein guoter fründ dem andern sol. Gengenbach
Jacobsbrüder 350; also hat man mein auch pflegen (
mit trank und speise). Weller
dichtungen des 16. jahrh. 98; pflege du des volkes fur gott.
2 Mos. 18, 19; sie war ein seer schöne dirne, und pflegt des königs und dienet im.
1 kön. 1, 43; gleich wie eine amme irer kinder pfleget.
1 Thess. 2, 7 (als die amme furt ir sü
n. cod. Tepl.); und Julius erleubet im (
Paulus) zu seinen guten freunden zu gehen und seiner zu pflegen.
ap. gesch. 27, 3 (und sein ze tun sorge.
cod. Tepl.); seiner ward wol gepflegen.
Fierabr. E 3; er pflag ihrer auch nit anders, dann weren sie sein leiblich kind gewesen. Schöfferlin
Livius 17; wolan, so geen wir hin den weg, der liebe gott nun unser pfleg. Edlpöck
weihnachtskom. vers 1851; du bist der schönen stadt entzogen, die deiner allzeit hat als ihres sohns gepflogen. Fleming 69; das glücke hat .. meiner wohl gepflogen. Hofmannswaldau
getr. schäfer 128; sie pflegte meiner (
nach dem bade) ..., trug die speisen auf
u. s. w. Simpl. 1, 554, 12; sie pflegte seiner so gut es nur immer möglich war. Wieland 3, 206; pflegt eurer groszen priesterin! 9, 142; (
sie sagten,) erdgeister pflegten ihrer immer zumeist auch. 18, 30; pflegte sie sein vor den mägden, und nähret ihn als er ein kind war. Voss
Od. (1793) 1, 436 (1781 und pflegt' ihn als er ein kind war).
namentlich von der pflege im alter, in einer krankheit: liebes kind, pflege deines vaters im alter.
Sir. 3, 14; pflege seiner (
des greises) und verlasse ihn nicht! Knigge
umg.3 2, 13; und des greises (
sie) pflegte mit sorgsamer treue. Voss
Od. (1793) 24, 390 (1781 die sorgfältig des greises in seinem alter sich annahm); die wärter, so der kranken pflegen. Ryff
kochbuch für den kranken 58
a; und gab sie (
zwei groschen) dem wirte und sprach zu im, pflege sein (
des verwundeten).
Luc. 10, 35 (hab sein sorg
cod. Tepl.); wie ihr meiner (
des verwundeten) pflegtet.
d. j. Göthe 2, 66 (wie du mein pflegtest
werke 8, 29); Maria hett kein pflegerin (
kindbettwärterin), Joseph der alte ir pflag. Corner,
Kehrein kirchenl. 1, 439, 5;
appenz. enner pflega,
einer wöchnerin warten. Tobler 47
a.
präpositionale fügungen, eines pflegen in, mit: wie man der kranken warten und pflegen soll in speisz und trank. Ryff
kochbuch für die kranken 13
a. 50
a; wie der kranken in allen dingen gepflegen werden soll. 55
a; der wirt hieʒ ir phlegen mit der besten spîse.
Nibel. 308, 1; als ich dein in der kindheit morgen mit muttertreue pflog. Gotter 2, 92; die königin verspricht ..., sie werde seiner frau mit tochterliebe pflegen. Alxinger
Bliomb. 7, 94. 3@I@2@b@bβ)
in bezug auf die hut und pflege der thiere: mhd. der dâ pfligt der tiere (
sie unter aufsicht hat, hütet).
Iwein 935; der ritter, der des lewen pflac. 4741; wir suln der orse pflegn.
Parzival 275, 9; (
ochsen,) der ich dô wîlent pflegte (
hütete).
meier Helmbrecht 817; wol gepfleit der pferte wart. H. v.
d. Türlin
krone 22123;
nhd. er straffet und züchtiget, er leret und pfleget wie ein hirte seiner herde.
Sir. 18, 13; ich wil selbs meine schafe weiden .. und wil ir pflegen, wie ir recht ist.
Hesek. 34, 16; noch andere sorg' ist, wolletragender schaf' und zottiger geisze zu pflegen. Voss
Verg. georg. 3, 287. 3@I@2@cc)
vorstehen, regieren über (
vergl. I, 1,
c): nach disem pflag der judischait siben jar Abesson. Aventin. 4, 183, 7. 3@IIII. pflegen
mit dem accusativ (
der gewöhnliche fall im nhd.)
und zwar 3@II@11)
mit dem accusativ der sache, erst im mhd. vereinzelt nachweisbar, nachdem schon manche artikellose genetive den anschein eines accusativs gewonnen hatten (angest pflegen Wolfr.
Willeh. 227, 27; aventiure pflegen H. v. Freiberg
Tristan 1460; ruowe pflegen
Nibel. 66, 3; vröuden pflegen Walther 92, 2; sorgen pflegen Teichner 65
Karaj. u. s. w.). 3@II@1@aa)
wie I, 1,
b: mhd. daʒ ich hort der Niblungeniene gepflac (
unter aufsicht hatte).
Nib. 1680, 2 C; dar zuo der zinnen ieslîch (
accusativ) mit armbruste ein schütze pflac.
Parzival 351, 29;
nhd. die erde, das feld, den garten, die bäume, pflanzen, blumen
u. s. w. pflegen: die felder werden nicht auf einerlei weise gepflogen (
bebaut). Hohberg 2, 20
a;
sonst nur schwachformig: sie pflegten die erde, und sie gab ihnen reichliche nahrung im garten. Stilling
jug. (1780) 37; (
ich komme) aus den gärten, da lebt die natur, geduldig und häuslich pflegend und wieder gepflegt, mit den fleiszigen menschen zusammen. Hölderlin 1, 101; (
mutter,) die liebend pflegte seiner kindheit garten. Chamisso (1872) 2, 88; sah ich doch mühsam gepflegten saamen entarten. Stilling
georg. 1, 197; die üppige pflanzenwelt, ausgesät von natur, durch kunst gepflegt und gefördert. Göthe 22, 127; wie will ich deine bäume pflegen! 9, 235 (
Tasso 5, 4); er pflegte diese schatten (
schattengebenden bäume). 3, 78; mög stets so der gescheute nutzend blumenzierde pflegen. 5, 16; (
da) dein edler vater klug und liebevoll die halberstarrte junge blüthe (
bildlich) pflegte. 9, 30 (
Iphigenie 2, 1); (
rose,) die mein kosendes weib sanft pflegete. Voss
ged. 3, 185; die beiden knöspchen pfleg ich mir. Herder
ged. 1, 34; wir pflanzen und pflegen mit fleisz ... ein zweites reis. Tiedge 6, 101; tugend! deine kränze pflegend, feiert dich das stille herz so gern.
Urania 1, 380. das leben, den leib
oder theile desselben pflegen: der trieb, das leben zu hegen und zu pflegen ist einem jeden unverwüstlich eingeboren. Göthe 19, 222
H.; den leib pflägen und wol halten. Maaler 317
c; wenn du den leib auch noch so herrlich pflegest, .. so wird er dennoch sterblich sein. Kottwitz 21; wenn sie sich zur ruh begab, versank die schöne last der wohl gepflegten lenden in schwanenflaum. Wieland 9, 108; du pflegtest, domherrn gleich .. vor allen dingen deinen bauch. Gotter 1, 245; die armee liegt hier in Böhmen, pflegt den bauch. Schiller 12, 34 (
Wallenst. lager 8); das haar, den bart, die nägel
u. s. w. pflegen.
mit dem accusativ eines abstractums, vgl. c: gepflegte untrew (
solennis perfidia). Fronsperger 3, 229
b; diese empfindung, wenn wir sie warten und pflegen. Gellert
moral. vorles. (1774) 1, 16; lehrt kinder wolthun, .. pflegt jede junge freundschaft. Sturz 2, 349; so ward auch mir ein wundergut beschert, das ich mit sorgfalt pflege. Göthe 9, 252 (
Tasso 1, 1); (
dunkle künste,) die keinen, der sie pflegte, noch beglückt. Schiller 12, 273 (
Wallenst. tod 3, 3); wenn er bei nacht auf öder heide die sehnsucht seiner seele pflegt. Mörike
ged. 159. 3@II@1@bb)
wie I, 1,
d: zu Rom hielt man gar fur ehrlich, wer das feld bauet oder ritterschaft pflag. Schöfferlin
Livius 42; da er priesterampt pfleget fur gott.
Luc. 1, 8 (
goth. miþþanei gudjinôda is); und ein jglicher priester ist eingesetzt, das er alle tage gottesdienst pflege.
Ebr. 10, 11 (ist bereit teglichs ze ambechten.
cod. Tepl.); in Teutschland, Frankreich und im frischen Niderland, hie hat er haubtmanschaft mit sonderm ruhm gepflogen. Rist
Parnasz 237. 3@II@1@cc)
wie I, 1,
e: mhd. si enpflegen sanc noch seitenspil.
Virginal 295, 11;
nhd. erznei pflegen (
gebrauchen).
arzneibuch (1477) 13
b. Fronsperger
kriegsb. 1, 115
a; eheliche werk pflegen und kinder erzeugen. Albertinus
hauspolizei 1, 92
b. 107
b; und was ich als ritter gepflegt und gethan, nicht will ichs als kaiser entbehren. Schiller 11, 383.
besonders mit dem accusativ eines abstractums, auf das sich die thätigkeit des pflegens
bezieht, oft nur den verbalen begriff umschreibend, z. b. (
in alphabetischer reihe): du hattest hie guot tag, dagegen Lazarus
armuot pflag.
N. Manuel
Barbali 689; pflege
barmherzigkeit (
sei barmherzig).
pers. baumg. 1, 14; ein solcher ehrenmann wird auch in keinen wegen so groben
baurenschertz im schein der freundschaft pflegen. Rachel 7, 218; nach gepflogener
berathschlagung. Rückert
mak.4 181; er pflegte
gerechtigkeit (
war gerecht), um einen guten nahmen nach sich zu lassen.
pers. baumg. 1, 18; gewissenhaft gerechtigkeit er pfleget. W. v. Humboldt
sonette 37; wir pflogen abgerisznes
gespräch, wie es den wanderer freut. Göthe 1, 348; wisset ihr, wie die könige in Persien gegen ihre unterthanen
grausamkeit gepflogen (
später geübt) haben?
pers. baumg. 1, 17; begab mich wieder zu den herrn kommissarien und pflag
handlung (
unterhandlung). Schweinichen 2, 118;
hoffahrt, die sie gepflogen haben. Butschky
Patm. 160 (121); mit solcher liebligkeit ward unser
lust gepflogen. Hofmannswaldau
heldenbr. 160; den liebenden drin, nach gepflogner lust ward enger .. die brust. Bürger 34
b.
rat pflegen,
beraten, mit genetiv oder über: der gesundheit des leibs oder der seel rath pflegen. Schuppius 765; rath zu pflegen über das gemeinsame wohl. Klopstock 12, 107; eines rat pflegen,
einen um rat fragen: des heiligen geistes rath er (
gott vater) pflag, wie thet wir diesen dingen? Leisentrit,
Kehrein kirchenl. 1, 49, 2; der einsmals zu den weisen und rähten dieser statt geschickt worden ist, ihren rath zu pflegen.
buch der liebe 190
a; mit einem rat pflegen,
mit ihm worüber beraten, etwas erwägen (
s. rat 5,
a): deswegen ist es so schwer rath zu pflegen, besonders mit der menge. Göthe 17, 72; er pflog rath mit ihnen über des hauses wachsende gefahr. Schiller 8, 32; der herzog pflog mit seinem bösen sinne rath. Dahlmann
dän. gesch. 1, 404; ich möchte nach und nach
richtigkeit pflegen (
die schuld ganz entrichten). Göthe
Merck briefs. 1, 98; Hannibal zuo Capua lag, sein kriegs
ruo und
wollust pflag. Schwarzenberg 153
c; so möcht ich wohl ein wenig ruhe pflegen an dem brunnen dort. Wieland 18, 57;
sanftmuth gegen jemanden pflegen.
pers. baumg. 4, 25; das sie in einem siechen luft zu Rom wonen und nit anderst dann
streit pflegen müsten. Schöfferlin
Livius 73; (
da) wurden grosze
überlegungen gepflogen. Göthe 24, 287; nu ich alt bin, sol ich noch
wollust pflegen.
1 Mos. 18, 12; sie pflagen allain wollust des leibs. Aventin. 4, 49, 27; das ist ein wollust pflägender meister. Gengenbach
pfaffenspiegel 343. mit einem etwas pflegen: wann ich bei meim weib gern wer gelegn und het ie
freud mit ir wellen pflegn. Raber
Sterzinger spiele 23, 67; in meinen jungen jahren pflog ich mit einem jüngling ... aufrichtige beständige
freundschaft. Göthe 6, 152; denn schon vormals pflog ich mit stärkeren männern
gemeinschaft. Voss
Il. (1793) 1, 260; denn oft so pflogen wir einst mit einander gemeinschaft.
Od. 1, 210 (1781 denn oft haben wir uns zu einander gesellet); der
handel, .. den die welt mit uns bisz hiehero gepflogen. Philander (1650) 1, 29; gtliche
handlung mit ihm zu pflegen, ist vergeblich. Sleidanus
zwei reden 74
Böhmer; mit einer alten (
frau) mag ich nicht ...
liebe pflegen.
pers. rosenth. 6, 8; welche sogar während der sitzung ..
mittheilung mit einzelnen pflogen. Dahlmann
gesch. d. franz. revol. 403; mit einem
rat pflegen,
s. oben an alphabetischer stelle; auch pflegte er mit niemanden über die abzufassende formel die geringste
rücksprache. Lessing 8, 410; wo er auch mit einigen (
kloster-)brüdern öfters
umgang gepflegt. Schiller 14, 223; geistliche, mit denen man erbauliche
unterhaltung sittlich zu pflegen gewohnt war. Göthe 22, 101; seeleute, mit denen er
unterhandlung gepflogen hatte. Schiller 4, 132; er (
Mortimer) wars, durch den Maria unterhandlung mit mir (
Leicester) pflog. 12, 530 (
M. Stuart 4, 6); die schnecke und der haase haben einmahl
unterredung mit einander gepflogen.
Lokmans fab. 21; indem wir mit ihm unterredung pflegten.
pers. reisebeschr. 2, 26; die unterredungen, welche Aspasia mit mir pflog. Wieland 3, 295. 415. 3@II@1@dd)
gemeinsam unterhalten und besitzen (
vergl. I, 1,
f): Hieronymus pflog zu Cäsarea mit seinem freunde Pamphilus eine bibliothek. Denis
bücherkunde 1, 62 (Heynatz 2, 321). 3@II@1@ee) einem etwas pflegen,
ihm geben, zu geben verpflichtet sein, gewähren, widmen (
vgl. I, 1, 9
und pflicht 4,
b): welcher fische .. in der stadt wasser stettich leget, .. der soll dem rath ein nöszle kleiner fische davon pflegen
oder reichen und pflegen,
oft in den Schleiz. statut. von 1492, 1590
und 1625; da sprach der herr, so gehn wir dar, ihm seine bitt zu pflegen (
zu gewähren). Ringwald
ev. H 4
b; habe dank für müh und sorgen, die bisz abends an vom morgen deine weisse redligheit pfloge mir zur nutzbarkeit. Logau 1, 8, 69
v. 28. 3@II@22)
mit dem accusativ der person, erst nhd. 3@II@2@aa)
wie I, 2,
a: so thut einer des mülners tochter pflegen, so ist ainer pei der alten mairin gelegen.
fastn. sp. 652, 33. 3@II@2@bb)
wie I, 2,
b. 3@II@2@b@aα)
in bezug auf die pflege von personen, ein kind, einen gast, einen alten, kranken
u. s. w. pflegen: so wisse, dasz du auch ein stief-kind pflegen muszt. Günther 646; ihr sohn, den ich gepflogen. 510; ich hab ihn gezogen und gepflogen. Rückert
mak.4 216;
sonst nur schwachformig: eine christinn, die in meiner kindheit mich gepflegt. Lessing 2, 348 (
Nathan 5, 6); und pflegt ihn als er ein kind war. Voss
Od. (1781) 1, 436; will er genieszen den vatersegen, kinder und enkelein um sich pflegen. Schiller 12, 53 (
Wallenst. lager 11); nichts zu erzeugen und nichts zu pflegen in sorgender liebe, alternd im kinde sich nicht wiederzusehn, ist der tod. Hölderlin 1, 99; dort durchruheten jene die nacht und er pflegte sie gastfrei. Voss
Od. (1793) 3, 490 (1781 und wurden freundlich bewirtet); der bürger, er nimmt uns ins quartier, und pflegt uns und kocht uns warme suppen. Schiller 12, 44 (
Wallenst. lager 11); dem frommen mönch, der für sein kloster sammelt, gieb reichlich und entlasz ihn wohl gepflegt. 14, 287 (
Tell 1, 2);
Cordelia. mein theurer herr, ihr zeugtet, pflegtet, liebtet mich. Tieck
könig Lear 1, 1; auf einer insel ... ward dann das schwache kindlein abgesetzt, von frommen händen sorgsamlich gepflegt. Uhland (1879) 1, 206; wenn du die guten pflegst, wirst du nichts böses sehn; wenn du die bösen hegst, wird übel dir geschehn. Rückert
Bostan 7, 13; die liebe pflegt den kranken. Alxinger
Bliomb. 10, 130; sie hat den kranken mann gepflegt. Chamisso (1872) 1, 56. pflegen mit: die das neugeborne kind seines (
des dichters) genius mit liebevoller sorgsamkeit warten und pflegen. Schiller 5, 1, 1; mit specereien haben wir ihn gepflegt. Göthe 12, 45.
mit angabe der wirkung, einen gesund pflegen
u. dergl.: ich will nicht fragen, wer das unglück über meinen (
verwundeten) mann gebracht hat, — aber ihn gesund pflegen, das besorge ich allein.
deutsche revue 1887
aprilheft s. 40. 3@II@2@b@bβ)
in bezug auf die hut und pflege der thiere: die affen, sagt man, bringen zwei junge zur welt, wovon sie das eine sehr heftig lieben und mit aller möglichen sorgfalt pflegen, das andere hingegen hassen und versäumen. Lessing 5, 383; wenn ein muntrer hirt die lämmer .. wie ein Jacob wartet, nehrt und pfleget. G. Arnold
lob- u. liebessprüche 42; wollichte heerden fleiszig zu pflegen und zottichte ziegen. Stilling
georg. 3, 287.
mit angabe der wirkung: Romeo. wär ich ein vögelchen!
Julia. ach wärst du's, lieber! doch hegt und pflegt ich dich gewisz zu tod. Schlegel
Romeo 2, 2. 3@II@33)
mit reflexivem accusativ. 3@II@3@aa)
ahd. seit dem 10.
jahrh. und frühmhd. sih plegan, sich phlegen
mit gen. der sache, in der betheuerungsformel des phlige ich mich,
ich verbürge mich dafür, ich betheuere es, wahrlich, verum est Graff 3, 357. Müllenhoff
zu denkm. xl, 12.
mhd. wb. 2
1, 498
a f. (
vergl. I, 1,
a): zwâre des phlige ich mih,dizze ergêt ubir dich nû ze dem næhistem tage.
Mitstäter exodus 141, 21; zwâre phlige ichs mich, si (
heuschrecken) nuogen und vraʒʒenswaʒ hete verlaʒʒen der hagil unde der schour. 148, 31
u. öfter. 3@II@3@bb)
frühnhd. sich ereignen, begeben, geschehen: so hiet sich söleich jamer nie mer phlegen.
Erlauer spiele 2, 356
Kummer. 3@II@3@cc)
mit genetiv der sache etwas annehmen, sich bedienen, gebrauchen: heidnischer und christlicher brauch, welchs ihr euch gepfleget. Paracelsus 1, 23
c; solcher waidsprüch pfleg dich nicht.
chirurg. schriften 1. 3@II@3@dd)
für sich sorgen in bezug auf das körperliche wolbefinden (
vergl. I, 2,
b. II, 2,
b): so wart und pflege dich. Opitz (1646) 1, 325; im alter sich zu pflegen oder pflegen zu lassen. Kant 1, 304; die ... gotteshäuser der triumphierenden kirche, wo ihre übermütigen brüder in bequemer und üppiger andacht sich pflegen. Schiller 7, 229; und reit mit mir nach haus, dasz wir uns gütlich pflegen nach diesem harten strausz. Uhland (1879) 2, 202; sie solle sich ... so gut pflegen und versorgen, als nur immer möglich. Holtei
Lammfell2 1, 39. 3@II@3@ee)
mnd. mit infinitiv, die gewohnheit haben (
s. IV, 1,
b): ein beddeboek (
gebetbuch), daraus er sich plach zu betten.
Münst. chron. 3, 48
bei Schiller-Lübben 3, 343
b. 3@IIIIII.
statt des genetivs oder accusativs wird im 16.
und 17.
jahrh. auch der dativ gebraucht bei pflegen
in der bedeutung von pflege angedeihen lassen, warten, verpflegen; vergl. bezüglich der construction mit dem dativ der person auch I, 1,
g und II, 1,
e. 3@III@11)
mit dem dativ der sache: wenn dem bauch wol gepflegen wirt. Keisersberg
der seelen parad. 148
a; seinem leib wol pflä
gen. Maaler 317
c; ein jungfer, so dem feuer pflegete (
das feuer unterhielt).
Simpl. 1, 553, 21. 3@III@22)
mit dem dativ eines lebenden wesens. 3@III@2@aa)
von personen: hastu im bad lon (
lassen) pflegen dir. Murner
Badenfahrt 2, 70
Martin; und keinen fleisz liesz underwegen, das sie eim solchen gast möcht pflegen. Waldis
Es. 1, 9, 16; den kranken pflägen und inen dienen. Maaler 317
c; ach hätt dich, liebes härtz, die krankheit gleichwol hie berührt, an welcher du bei frömden bist gelegen, so hätt ich .. dir selber können pflegen. Rompler 133; er hat ihm lange zeit gepfleget,
sustentavit et educavit illum Stieler 1445; sie pflegte meiner, wie einem fürsten oder kleinen kinde.
Simpl. 1, 554, 12; ich wuste .. ihm in allem so wohl zu pflegen. 2, 179, 15. 3@III@2@bb)
von thieren, einem pflegen mit: zu dem kauft er ein andern gorren (
schlechtes pferd) .. und pflag im basz mit habern, hew, mit strigeln und mit guter strew. Waldis
Es. 2, 70, 5. 3@IVIV.
statt des genetivs oder accusativs der sache steht seit dem 16.
jahrh. auch der infinitiv, d. h. statt des genetivischen infinitivs (weinens, slâfens
u. s. w.)
gebrauchte man auch den accusativischen (
wie neben dem genetiv der sache auch allmählich den accusativ),
wozu dann weiterhin die präposition ze (zu)
getreten ist, d. h. der dativ des infinitivs mit zu.
die bedeutung 1
geht hervor aus I, 1,
e und II, 1,
c und hat in sich gewöhnlich den nebenbegriff der wiederholung, der schon manchmal in der genetivischen und accusativischen construction enthalten ist. 3@IV@11)
etwas in übung haben, thun wie es üblich ist, gewohnt sein (
oft nur den verbalen begriff des infinitivs umschreibend),
mit persönlichem oder sachlichem subject. 3@IV@1@aa)
ohne zu,
gramm. 4, 102:
mhd. diu nie gruoʒte recken,diu sol in grüeʒen pflegen.
Nibel. 288, 3; wie güetlîche vrâgendiu marcgrâvinne pflac. 1108, 2; der nâch dem alten site pflac die rîter alle enpfâhen wol.
Wigalois 10, 22.
nhd. noch im gebrauch bis ins 17.
jahrh.: und sie pflegten die herden alle daselbs versamlen. Luther 4, 160
a; dem sie ein lebendigen menschen opfern pflegten. Frank
germ. chron. 5
a; also pflegt disen dar zuo handen kommen.
mor. encom. 142, 10
Götzinger; also pfleget der teufel ... die männer betriegen.
buch der liebe 289
c; dasz die ersten gottseligen christen haben pflegen morgens vor tags ... zusammen kommen. Kehrein
kirchenl. 1
s. 96; (
das meer) pflegt bald sich niederlassen, nimmt ruh begierlich
an. Spee
trutzn. 19
B.; das wild im wald, wanns pflegt von hitz ermatten. 27; allda pflegt er auch brechen die rote röselein. 37
und öfter; dasz Paris nicht recht klug im urtheln sei gewesen meint jeder, der von ihm pflegt hören oder lesen. Logau 3, 2, 80; so pflegt es den jungen bei solcherlei dingen bei jungfern und witwen für alten gelingen. 3, 5, 30; so pflegt man mich herausz für säu und hunde treiben. 3, 9, 71; wie es pfleget geschehen. Micrälius
a. Pr. 1, 13; welche zeichen nicht pflegen ohne wirkung abgehen. 5, 302; pflegen sie unzahlbare reichthum zusamen hAeffen (
häufen). Schuppius 735; vögelein der lerchen .., welches in die höhe fleugt und mit gesang sich belustigen pfleget. 757; also pflegen die jenigen, so in den irrsamsten meinungen stecken, anderer kluger ... leute urteil eher verlachen, verhönen und verachten, als beantworten. Butschky
Patm. 204 (151). 3@IV@1@bb)
mit zu,
mhd. und besonders md. (
vergl. VI, 3): die fürsten er ze süenen pflac mit sprâche unz an den dritten tac. Lichtenstein 96, 13; dâ ich lac unde got ze vlêhen pflac. Stricker
pfaffe Amis 1415; (
sie gieng) in di kirchen allen dac, dâ der prîster inne plac zu singene unde zu lesene.
Elisabeth 686; wande die frouwe ime alles plac gût zu fûgende. 2081; (
sie) pflegin manchirhant abgote anzubetin. Jeroschin 1547.
nhd. stark- und schwachformig: als man morndes die houpter und ratzhern ze kiesen pfligt.
Basler chron. 1, 94, 11 (
vom j. 1529); die gepflegen hat ainen kolben zetragen. Wyle
transl. 19
b; wenn die weiber pflegten eraus zu gehen und wasser schepfen.
1 Mos. 24, 11; hab ich auch je gepflegt dir also zu thun?
4 Mos. 22, 30; wie dan der predigerorden pfligt zu tuen. Aventin. 4, 518, 27; er pflegt also .. zu leben. 609, 20; und stelt den armen alten man da sonst der bischof pflag zu stan. Murner
En. (1559) F 4
b; der auch pflegte zu kommen. Kirchhof
wendunm. 4, 318 (7, 106)
Öst.; wie es pfligt zu geschehen.
Zimm. chron.2 1, 305, 8; er pflag zu sagen. 4, 185, 28; er hat ... vil gepflegen zu jagen. 141, 19; da man der heiden für- und hindersichtigen Janum mit zweien antlitzen pflag zu bilden. Fischart
bienenk. (1580) 144
a; dasz sie (
Eva) mit der schlangen pflage zu reden.
buch der liebe 291
c; die er für allem pflag zu lieben. Opitz (1645) 2, 213; ach wo ist die zeit, in der man pflag zu gleichen der rosen zier mein edele gestalt? 222; da dann deine gnad und macht ... (
ich) pflag mit deiner lehr zu lehren. Weckherlin 157; Simplex ist ein grober mann; (
aber) was er sagt, das pflegt zu sein. Logau 2,
zugabe 66; dasz leichtlich zu nieszen und leichtlich erringen, was pfleget zu ertönen, was pfleget zu klingen. 3, 5, 30; (
sie ist) rosen-lüstern mehr, als sie zu sein hat pflegen. S.
Dach 852
Öst.; mein herz im leibe pflag zu springen, sah ich ein ritterliches pferd. 889; ist nicht disz der liebe tag, den ich so zu wünschen pflag? Fleming 42; ich pflag zu lieben. 99; wenn sie (
eifersucht) zu herrschen pflegt. Gryphius
trauersp. 241
P.; ich küst ihn auf den mund, und ins gesicht, und lag in armen ihm, als ich zu thun auch sonsten pflag. D. v.
d. Werder
Ariost 5, 51, 4; die Teutschen pflegen mit eisen und nicht mit gold zu kriegen. Zinkgref 1, 18; er pflegte auch oft zu sagen. 24; er hat oft pflegen .. zu sagen. 16; wiewol er leis ... einhero pflag zu schleichen. Rist 141
Gödeke; und ich schwere, dasz ich solches niemals mehr zu loben pflag als heute diesen tag. Hofmannswaldau
getr. schäfer 176; denn wer hat iemahls pflegen in schaalen aus smaragd geringen koth zu legen? Lohenstein
auserles. ged. 1, 259; mein vater pflag die huren zu schelten. Schuppius 471; Lutherus hat den catechismum pflegen mit in die kirchen zu nemen. 192; denn er pflog sich zu rhmen. Praetorius
storchs winterquart. 46; da wir unser gebet zu verrichten pflegten.
Simplic. 1, 83, 8; daher habe ich ... zu rühmen gepfleget, wir Teutschen hätten einen sonderbaren probierstein der gedanken, der den andern unbekant. Leibnitz 1, 453.
Einige neuere beispiele (
das perfect ist jetzt ungewöhnlich, vgl. Becker gramm. 2, 36
f.): der thor pflag sich zu preisen. Hagedorn 2, 133; sein hocherleuchteter papa pflag ihn oft zu wiegen. 3, 112; sie pflanzten lauben hin wo er zu weiden pflag. Wieland 10, 129; muthvolle kämpfer, die den besten nicht zu weichen pflegten. 18, 21; (
er) schritt nach dem bett, wo er zu ruhen pflag. Bürger 149
b; (
stein,) auf welchem vor alters Neleus pflag zu sitzen. Voss
Od. (1793) 3, 409 (1781 auf diesem pflegte vor alters Neleus sich hinzusetzen); dann pflag der alte Satanas den süszen herrn zu spielen. Hölty 21
Halm; denn schön begleitet, gleich einem fürsten, pflegt das glück zu nahn. Göthe 9, 70 (
Iphigenie 4, 4); ihm (
Wallenstein) schlägt das kriegsglück nimmer um, wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen. Schiller 12, 28 (
Wallensteins lager 6); bei dem er alle seine geheimnisse niederzulegen pflegte. 4, 274; er spuckte in seine hände, wie er zu thun pflegte, wenn er schwieriges vorhatte. Immermann
Münchh. 2, 304; gekommen ist die zeit, wo du zu kommen pflagest. Rückert 1, 125; zwei schwerter pflagen manches jahr die ganze welt zu richten. W. Wackernagel
zeitged. 22. 3@IV@22)
bemüht, bestrebt sein, als pflicht auffassen: mergk Christus und der heilgen sig, den selben weg zuo suochen pflig. Schwarzenberg 153
c. 3@VV.
statt des infinitivs steht mhd., md. und frühnhd. bei pflegen (
gewohnheit haben)
auch ein nachsatz mit dasz: in dirre burc phliget man, ... daʒ neheine gestesulen wâfen tragen.
Nib. 391, 1; dâ manc edel fürste pflac, daʒ si dienten Terramêres hant. Wolfram
Willeh. 34, 13; er plag intrûwen ommer sît, daʒ er sie warnet alle zît.
Elisabeth 1761; si pflagen auch zu den selben stunden, dasz ir her (
ihre haare) nach windischen sitten ob den oren abgeschnitten.
fastn. sp. 440, 18. 3@VIVI. pflegen
absolut und elliptisch. 3@VI@11)
mhd. (
nach gewohnheit)
verfahren, handeln: der künec nâch râte sande (vil wîslich er pflac).
Nib. 1142, 2. durch vrouwen und durch mære er dô willeclîchen pflac.
Virginal 311, 7. pflegen
kündigt das verbum eines parallelsatzes an: Siglint diu rîchenâch alten siten pflac, durch ir sunes liebesi teilte rôteʒ golt.
Nib. 41, 2; dar nâch diu künegîn dô pflac, si dâhte an sîne arbeit. Wolfram
Willeh. 100, 20. 3@VI@22)
zu ergänzen ist nach I
und II
ein genetiv oder accusativ der sache: mhd. hilf pflegen,
hilf aufsicht über das haus führen. liedersaal 1, 402;
kärnt. tirol. pflegen,
sonntags während des gottesdienstes das haus hüten. Lexer 25. Schöpf 499; Lachmann pflegte und besserte (
die texte der handschriften) mit redlicher einsicht so genau er nur vermochte. J. Grimm
kl. schriften 1, 173. 3@VI@33)
zu ergänzen ist nach IV, 1
der nur durch eine relativpartikel angedeutete infinitiv (zu thun, zu sein):
mhd. sô man ze hôchzîtenlange hât gepflegen, vrowen unde meidehieʒ man schône legen.
Nib. 748, 1; dô im daʒ ros tôt lac, done mohter, als er pflac, niht vürebaʒ gejagen.
Iwein 1120; wirbe ab ich, sô man ê pflac, daʒ schadet mir lîhte. Walther 117, 24;
nhd. denn also pflegt der tolle pöfel, das er .. Luther 5, 456
a; und das volk gieng hinauf und bat, das er thet, wie er pfleget.
Marc. 15, 8 (als er in zu allen zeiten tet.
cod. Tepl., goth. svasvê sinteinô tavida im); so wil ich meinen gott anbeten drei mal alle tag, wie ich dann biszher al zeit pflag. H. Sachs 11, 58, 32; zu loben .., wie man dann pflegt. Fischart
Garg. 144
b; ihr, wie verlohrne pfleegen, vergast der gantzen welt. Fleming 81; gott thut wie gärtner pflegen, pfropft, reutet aus, versetzt. 128; er auch jetzt sonderlich sehr groszen fleisz anlegte zu lieben mich, und zwar mehr als er sonsten pflegte. D. v.
d. Werder
Ariost 5, 51, 6; er ist nicht als er pflag; ihm liegt was auf der brust. Gryphius
trauersp. 79
P.; die mutter schauten wir aus ihrem grabe dringen, nicht fröhlich, als sie pflag. 110; doch blieb er unbeweget und schnaubte mehr denn vor, als ein bestürzter pfleget. 81; er thut nicht mehr wie er gepflogen hat. Stieler 1445; (
sie) handeln, wie die thoren pflegen. Günther 207; der muthige soldat geht anders als er pflegt, wenn ihn sein kühner fusz der schlacht entgegen trägt. Pietsch
gebundene schriften 213; ja stürmt und schnaubt der nord, wie er jetzt öfters pflag. Brockes 4, 407; scharf, und wie die schiffer pflegen, sieht er nach sturm und wind. Hagedorn 1, 121; nicht Laura ... mir lächelt, wie sie pfleget. Gleim 2, 8; als unsern blinden alten die sonne lockt, wie er zuweilen pflag, das mittagsmal im myrtenrund zu halten. Wieland
Oberon 6, 64; nur widerstehe nicht wie du es pflegst! Göthe 9, 141 (
Tasso 2, 1); so laszt uns tagen nach den alten bräuchen des lands, wie wir's in ruhigen zeiten pflegen. Schiller 14, 322 (
Tell 2, 2); und gütig, wie er nie gepflegt, nimmt er des dieners hand. 11, 255; nach meiner ansicht begegnet man eurer hoheit nicht mehr mit der ehrerbietigen aufmerksamkeit, wie man pflegte. Tieck
könig Lear 1, 4; wie weise alte gerne pflegen, dasz sie nicht lassen ihren schritt sich stören auf gedankenwegen. Lenau (1880) 2, 100; die mädchen hatten ihr, wie vorwitz pflegt, das weisze brautkleid angelegt. Kinkel
ged. (1857) 478; sie grüszte mich, so gütig, wie sie pflegt. Freytag
ges. werke 2, 102; herr Burkhart liebte das heitere und ergötzliche, wie das hohe alter pflegt. C.
F. Meyer
der heilige 222. —
statt der relativpartikel kann auch ein relatives pronomen stehn: so machstu (
der wein) noch manchen starken so zam, sam wern im alle seine glider lam, das pfligst du noch an mannen und an weiben. Weller
dichtungen des 16. jh. 44.