pflicht,
f. ,
ahd. (
erst bei Notker) phliht, fliht,
mhd. phlicht, pflicht
und pflichte;
md. phlicht, plicht
und plichte,
altnd. plichti (die pflichte
noch bei Luther 7, 282
b. Ayrer 110, 26. 1022, 11),
nd. altfries. plicht;
mnl. plicht, plecht (Kil. 407
a),
nnl. pligt;
ags. pliht,
ein von pflëgen
abgeleitetes verbalabstractum, wie (ge-)wicht
von wëgen (wägen, wiegen).
den oberd. mundarten ist pflicht
nicht geläufig, nur Schmid 63
verzeichnet es mit der bedeutung von pflege 2;
die nhd. schriftsprache nimmt das wort mehr im sinne der (
erst nhd. entwickelten)
sittlichen als der rechtlichen verbindlichkeit, andere bedeutungen sind ihr ganz verloren gegangen, s. Grimm
rechtsalt. 600.
im ags. hat sich, der bedeutung des verbs (
spielen, wett-, hazardspielen)
entsprechend, für pliht
nur der begriff der beim spiele eingegangenen verpflichtung, des einsatzes und weiterhin des wagnisses, der gefahr entwickelt. Leo 94, 6
ff. 11)
die verbindung, theilnahme, gemeinsamkeit, gemeinschaft, der verkehr, umgang (
vergl.pflegen 2,
a):
ahd. ze flihte geben,
copulare Notker
Mart. Cap. 63;
mhd. âne phliht,
ohne gemeinsamkeit Walther 111, 23,
gegensatz bî phliht,
in gemeinschaft Sachsensp. 2, 7, 4
Weiske; daʒ was der jüngern unheil, daʒ in der tôt die pflihte brach (
die gemeinschaft entzog), als in ir vater leben verjach (
wie sie ihnen ihres vaters leben zugesagt hatte).
Parz. 5, 3; der wil vil ganze pflihte hân swaʒ (
an allem was) iu ze laster ist getâ
n. 218, 5; sie pflegent beide einer phliht (
gehören zusammen), ein ân die andern ist enwiht. L. v. Regensburg
tochter Syon 1234.
mit genetiv: des lasters nam er pflihte (
machte gemeinschaft mit dem schimpfe, betrachtete denselben als ihm angethan).
Parz. 264, 11; daʒ ich si minne âne valscher liebe pfliht (
ohne dasz falsche liebe dabei ist).
minnes. 2, 129
a;
[] ich gehœre an der vogele pfliht (
zu den vögeln). Teichner 15
Karajan; ich mein des himelrîches pfliht (
das theilhaben am himmel). 151; bî gote dort in vrouden pflicht. Jeroschin 2244.
mit einer präposition (an, mit, ze): wol im, erst ein sælic man, der wol an in (guoten wîben) erwirbet pfliht.
minnes. frühling 233; mir gebe diu liebe an vröuden pfliht.
minnes. 1, 22
b; daʒ sie nicht mit sîner minne hete pflicht. H. v. Freiberg
Tristan 1122; gewalt hât niht gunst, hât got mit ir niht pflihte.
Lohengrin 7591; mit der selben rihte (
an diesem gerichte) wolte ich haben pflihte (
wollte ich theilnehmen).
meier Helmbrecht 866; des sol mîn herze pflihte hân ze flüste odr ze gewinne.
Parzival 431, 30; ist ir muot sô gestellet, daʒ si hânt ze tugenden pfliht.
minnes. 2, 394
b; er hât ze valschem muote pfliht. Konrad
Silv. 2118; sîn geist hete ze gote pfliht (
mit gott verkehr). L. v. Regensburg
Franc. 2842.
nhd. noch vereinzelt im 15.
und 16.
jahrh.: wen ir da suocht, der ist hie nicht, wann er hat mit dem tod chain pflicht.
Erlauer spiele 3, 1012
Kummer; das hat mit diesen vier dingen pflicht.
Renner (1549) 34; lügen und schweren haben pflicht mit dieben und mördern, wie man sicht. 40; rechte weiszheit hat mit gott pflicht. 57; man kam spat in eeliche pflicht bei in. Frank
weltb. 43
b;
rechtlich pflicht thun,
sich gemeinschaftlich, solidarisch verbürgen. Carolina art. 206. 22)
aus dem begriffe der verbindung und theilnahme entwickelt sich der der sorge, fürsorge, obhut, versorgung und pflege (
s.pflege 2
und 3). 2@aa)
ahd. fliht,
cura Notker
Mart. Cap. 48;
mhd. und md. in phliht (phlihte) haben, nemen, lâʒen
u. dergl.: Jacob hete eʒ alleʒ in sîner pflihte. Diemer
ged. des 11. u. 12. jh. 29, 21; er ist vil wol getiuret, den du, vrouwe, wilt haben in pfliht.
minnes. 1, 219
a (den du wilt, frowe, haben liep.
minnes. frühling 11, 8); er lebte och swie si in hieʒen leben,die in hânt in ir pfliht. U. v. Singenberg 213, 9
Wackernagel; des muoʒ ich leben unde lîp ergeben, herre, in iuwer pfliht. Konrad
troj. krieg 22829; daʒ er mich einen fremden gast enphâhen hieʒ in iuwer pfliht. 21383; (ir sult) Pârîsen lân in mîner pfliht. 3450; herre, daʒ dîn got walte und habe dich in sîner pfliht. H. v. Neustadt
Apoll. 959; den si mit sûʒer plichte sâ flîʒeclîche handelte.
Elisabeth 8100;
nhd. die drew chlainet ... hab dein muoter in pflicht (
verwahrung).
gesta Rom. 53
Keller; er hat das kind in seiner pflicht gehabt und geerzent.
copeybuch der stadt Wien 41
Zeibig; got hab uns auch in seiner pflicht.
Neithart fuchs 3941
Bobert.; darumb es (pildnus) hat in pflicht eur genad und sust niemant nicht.
fastn. sp. 189, 41; herr Jesus Christ in himels tron, halt uns in deiner pflicht. J. Graff 8, 1
Schade; und die das liedlein haben dicht, got het sy all in seiner pflicht. Wackernagel
kirchenl. 3, 476, 25;
tod zum sünder, den er geschossen: bemüh nur keinen doctor nicht, denn du bist jetzt in meiner pflicht. Cl. Stephani
geistl. action E 2
b; damit in deiner pflicht .. die heiden möchten leben. Fleming 24; wenn du den leib auch noch so herrlich pflegest, so wird er dennoch sterblich sein; dafür kannst du mit aller deiner pflicht doch wirklich nicht. Kottwitz 21; (
du muszt) sie in der nahrung, wie die bienen den weiszler, mit steter pflicht bedienen. 23.
nun veraltet, mundartlich bei Schmid 63: er hat seine pflicht,
man läszt es ihm an wart und pflege nicht fehlen; kurhessisch pflicht,
hege (falkenpflicht) Pfister
nachträge zu Vilmar 208;
nd. in plicht nemen.
brem. wb. 3, 335.
[] 2@bb)
die verwaltung, das amt (Maaler 317
d f.),
der amtsbezirk: da man sich gegen Wetzlar wendt, da leit ein pflicht, die wirt genendt der Hüttenberg. Waldis
historia von zweien meussen 4.
allgemeiner, gebiet, gegend, landstrich und die beschaffenheit desselben in bezug auf die kultur und den ertrag (
vergl.pflege 5): pflicht,
tractus agri, certique agrorum limites Stieler 1446. Rädlein 701
b; in dieser pflicht trägt es guten wein. Schottel 1375; ein in einer sehr guten pflicht gelegener acker. Heynatz 2, 321 (
oberdeutsch). 33)
aus dem begriffe der gemeinsamkeit, gleichartigkeit entwickelt sich der der art und weise, wie etwas zu sein pflegt, der sitte und gewohnheit (
vergl.pflege 1);
mhd. und md. oft nur umschreibend gebraucht mit einem adj. oder genetiv (
vergl.pflegen IV, 1): (
er war) bewart vor valscher pfliehte (: liehte). Wolfram
Parz. 613, 10; dâ wart des tôdes pflihte in dem strîte wol bekant.
Willehalm 402, 10; gên der tœtlîchen phliht heten vaste die gewant, sô die helde ûʒ Niderlant von dem swerte drungen.
Biterolf 11058; er kêrte muot herz unde sin mit keiserlîcher phlihte an vride und guot gerihte. R. v. Ems
Gerh. 89; doch was die wât sô rîcher pflicht (
beschaffenheit). H. v. Freiberg
Tristan 2544; si leiten in der wâge pfliht swaʒ si rehtes wielten. Konrad
Engelh. 4798; eht einen got den êren wir .. und hân zuozim trôstes phliht.
Silvester 2893; ê er mit sîner ougen pfliht die minneclîche hêt gesehen.
Reinfried von Braunschweig 1150; ir sullit hûte .. ûwern vîenden kegingân in vil hartis strîtis pflicht. Jeroschin 2068;
nhd. auch het sie pflicht (
die gewohnheit), ir angesicht zu pflanzen (
zieren).
Neithart fuchs 2959
Bobert.; vil marter teten sie ir an in mancher handlai pflichten (
in mancherlei manieren).
M. Beheim
buch von den Wienern 272, 26; sterben die visch doch darvon (
wenn das badewasser in einen teich flieszt) nicht, sunder bleiben bei irer pflicht (
lebensweise, gewohnheit).
fastn. sp. 1259, 4; liebe, deine pflicht thut mit ihren dienstgenossen wie das glück dem würfelspiel. S. Dach 775
Öst.; so liesz ich in verliebter pflicht geheime klagen flieszen. Weise
überfl. gedanken (1701) 130;
vereinzelt auch noch später: kurz, alles ist wieder in seiner pflicht (
in seinem gewohnten gange). Wieland 18, 279. 44)
aus dem begriffe der verbindung und gemeinsamkeit entwickelt sich endlich der der gemeinsamen verbundenheit wozu und der daraus hervorgehenden handlung in bezug auf die verhältnisse und gebote der abhängigkeit und des dienstes, des gesetzes und rechtes, der religion und der sitte u. s. w. 4@aa)
das abhängigkeits- und dienstverhältnis, der dienst sowie das gelöbnis der treue, die huldigung, wodurch man in eine dienstverbundenheit tritt oder genommen wird (
ahd. phlihtlant,
das unterworfene land, provincia Notker
ps. Wiener handschrift 49, 8),
vergl. eid, gelübde, huldigung, schwur (
womit pflicht
oft verbunden ist), eides-, landes-, lehens-, vasallenpflicht: pflicht und dienst in einer stat verwalten. Maaler 317
d; desgleichen söllen wir inen daʒ in ir pflicht (
diensteid) binden.
reichstagsabsch. vom j. 1500 B 3
b; ich band ihm ein in sein gelübd und pflicht, in welche herberg er ziehen solt. Götz v. Berl. 41
neudruck; urlaub nemen und die pflicht aufsagen (
dem landesfürsten). Luther 3, 48
a; sich der pflicht entwirken. 8, 4
a; bedenket eurer aid und pflicht. Ayrer 47, 20; bedenk deines eides pflicht. Ringwald
l. warh. 59; (
du wirst) kein überwundnes volk ziehn unter deine pflicht. Opitz
Troj. vers 919; Lesbia, mein leben, hat sich mir ergeben in gewünschter pflicht. S. Dach 437
Öst.; ich werde, geliebter, dir unterthan, und werde dir dienen in treuer pflicht. Chamisso (1872) 1, 48; er steht in pflichten bei dem herrn,
juramento se obstrinxit principi Stieler 1446; wie das euere vor jahren abgelegte pflicht erfordert.
sekretariatkunst 2, 591;
[] nicht gebieten werde ich dem sänger ... er steht in des gröszern herren pflicht. Schiller 11, 383; wir aber stehn in des kaisers pflicht, und wer uns bezahlt, das ist der kaiser. 12, 50 (
Wallensteins lager 11). zu, in pflicht (und eid) nehmen: dasz ich zu pflichte neme an erstlich dasz gemeine hofgesind. Ayrer 1022, 11; einen in pflicht nehmen wird also bei dergleichen leuten so viel heiszen, als einem ein amt geben, worinnen er, unter dem vorwande seiner aufhabenden pflicht, dasjenige ausüben kann, was ein unverpflichteter zu thun nicht wagen darf, ohne seine leidenschaften zu verrathen. Rabener (1755) 2, 151; man wurde gleich beim ritterschlag in eid und pflicht genommen. Wieland
Klelia u. Sinibald 4, 35; der mann wird in geheim in eid und pflicht genommen.
der neue Amadis 12, 45; inzwischen der herr die knechte überwältigte und sie in pflicht nahm.
d. j. Göthe 2, 60; nun ja, du nahmst uns ja für ihn (
Wallenstein) in pflicht. Schiller 12, 363 (
Wallensteins tod 5, 2); er nahm die knechte für den neuen herrn in pflicht. Freytag
ges. werke 5, 17; mit diesem handschlag nehme ich sie (
den förster) in pflicht und dienst im namen des gutsherrn. 38;
auch pluralisch: man ... nahm alle königliche beamte und soldaten in pflichten. Schiller 8, 70; ein anderes heer eilte ... nach Prag, um diese hauptstadt in kaiserliche pflichten zu nehmen. 344. die pflicht schwören, aus der pflicht treten
u. dergl.: trunkenheit macht die zu thoren, die ihr haben pflicht geschwohren. Knittel
poet. sinnenfrüchte 1, 127; und wie er treu und pflicht ihm heilig schwören will. Wieland
Oberon 2, 53; (
unterthanen) die durch den krieg getreten ausz gottes eid und pflicht. Logau 1, 10, 18; (
sie) sind los des eides, ledig ihrer pflicht. Lenau (1880) 3, 211.
huldigung, eid, feierliches versprechen überhaupt: seine pflicht ablegen,
sacramento se obligare Stieler 1446; dem kaiser und reich huldung und pflicht thun.
Zimm. chron.2 1, 41, 11; (
ich will) gehorsam sein, desz habt ir hie die pflichte mein. Ayrer 110, 26; (
dasz er) im mit pflichten sage zu, dasz er im woll gehorsam sein. 85, 31; Herodes weist die weisen, wo sie zu Christus reisen, kummt aber selbsten nicht und bringt ihm seine pflicht. Logau 2, 8, 97; ich halte mich an seine pflicht (
feierliche zusage), die wird mich nicht betrü
gen. D. Schirmer
singende rosen (1654) 41.
lied; kein Petrus ist nicht da mit seiner hohen pflicht, der für ihn sterben will. Fleming 11; sie leisten hohe pflicht, zu geben disz und das, und halten keines nicht. Rachel 9, 409; ihm (
dem löwen) huldigten die schwächern thiere vasallisch mit banger pflicht. Hagedorn 2, 128; die kommen dann, und zollen dir huldigung und pflicht. Bürger (1778) 111; (
ich seh) gebrochen pflicht und schwur. Gotter 1, 392;
könig. füg dich .. dem lehnsgehorsam, den deine pflicht und unsre macht erheischt. Tieck
ende gut, alles gut 2, 3. bei der pflicht: ich musz zuhand wider reiten bei meiner pflicht. H. Sachs 8, 40, 11; sag bei deiner pflicht, die du gethan hast zum gericht, ob er des todtes schuldig sei. 8, 23, 1; zu halten das bei eides pflichten. 12, 120, 29; so thut mir solches zeigen an bei ewrer pflicht, die ihr gethan. Zach. Poleus
trag. von der belägerung der stadt Samaria E 3; wo du nicht kanst den Melander fassen, ich schwöre dir bei meiner pflicht, so werd ich dich verlassen. Phil. v.
d. Linde
gal. ged. 157. 4@bb)
das auferlegte, was man zu halten oder zu leisten verbunden ist. 4@b@aα)
ahd. fliht,
mandatum Notker
ps. 102, 18 (gebot
Wiener handschrift).
[] 4@b@bβ)
die rechtliche verbundenheit, schuldigkeit: dem .. wird der lohn nicht aus gnade zugerechnet, sondern aus pflicht.
Röm. 4, 4 (nach schuld
cod. Tepl., κατὰ ὀφείλημα, secundum debitum); ausz rechten pflichten. Waldis
Es. 2, 91, 22 (
vergl. 5,
c, β).
mnd. und nd. zins, abgabe Schiller - Lübben 3, 347
a.
brem. wb. 3, 334 (
vgl.pflege 6);
nhd. abgabe, zins, verpflichtung zu frohndiensten: dieweil der besitzer .. dem hause Lauenstein jährlichs seine pflicht darvon geben musz.
weisth. 3, 273; ich gebe den pfaffen die pflicht. Schuppius 366; so nim was keisers majestet vom hundert nachgelassen het, und zwing ja niemand uber pflicht (
höhere zinsen zu zahlen). Ringwald
laut. warh. 32; mit newer pflicht beschweret sie (
unterthanen) nicht.
M. A. Meyer,
Gödeke elf bücher 1, 223
b (
vom j. 1637); die kleineren leute muszten (
als frohne) handarbeit thun, je nach der pflicht ihrer stelle mit zwei, mit vier oder gar mit mehr händen. Freytag
bilder (1867) 3, 428; die neuen den leibeigenen auferlegten pflichten. 437. 4@cc)
seit dem 16.
jahrh. (
doch noch nicht in Schwarzenbergs
übersetzung von Cic. de officiis vom j. 1530,
nur vereinzelt verpflichtung 10
a,
sonst gebürliche werk)
die verbindlichkeit zu einem gebührenden verhalten und handeln nach den geboten des gesetzes, der religion und moral, des gewissens, des berufes, der sitte und des anstandes, überhaupt die verbindlichkeit (
und das gefühl derselben)
zu einem vernünftigen denken, wollen und handeln (
vgl. 5): pflicht, eines thuon und lassen, das ein ietlicher nach billigkeit zethuon schuldig ist. Frisius 912
a; pflicht! du erhabener groszer name, der du nichts beliebtes, was einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern unterwerfung verlangst, doch auch nichts drohest, was natürliche abneigung im gemüthe erregte und schreckte, um den willen zu bewegen, sondern blos ein gesetz aufstellst, welches von selbst im gemüthe eingang findet, und doch sich selbst wider willen verehrung (wenngleich nicht immer befolgung) erwirbt, vor dem alle neigungen verstummen, wenn sie gleich in geheim ihm entgegen wirken, welches ist der deiner würdige ursprung, und wo findet man die wurzel deiner abkunft? .. (
die wurzel ist) die persönlichkeit
d. i. die freiheit und unabhängigkeit von dem mechanismus der ganzen natur
u. s. w. Kant 4, 200
f.; begriff der pflicht, der den eines guten willens, obzwar unter gewissen einschränkungen und hindernissen enthält, die aber doch, weit gefehlt, dasz sie ihn verstecken und unkenntlich machen sollten, ihn vielmehr durch abstechung heben und desto heller hervor scheinen lassen. 4, 14; pflicht ist nothwendigkeit einer handlung aus achtung fürs gesetz. 4, 18; alle pflichten enthalten den begriff der nöthigung durch das gesetz. 5, 220,
vgl. 210. 228; die unmittelbar durch die vernunft dem menschen auferlegte nothwendigkeit, einem gesetze derselben gemäsz zu handeln, heiszt pflicht. 5, 325; alles was in der offenbarung ein klares und deutliches sittengesetz ist, das ist pflicht. Gellert
moral. vorles. (1774) 1, 92; der inbegriff unserer pflichten als pflichten ist die natürliche; der inbegriff unserer pflichten als göttliches gebot ist die geoffenbarte religion. Hippel 12, 100; der mensch aber thut, was er als pflicht erkennt; und das ist die pflicht, und jede begonnene arbeit schlieszt den höchsten segen der pflicht in sich: denn sie lehrt das fortführen was einmal begonnen ist und nur des vollenders harrt. Auerbach
ges. schriften 17, 143.
Man unterscheidet allgemeine
und besondere (Gellert
a. a. o. 1, 4), weite
und enge (Kant 4, 47. 5, 238
f.), vollkommene
und unvollkommene (Kant 4, 44. 176), bedingte
und unbedingte (Kant 6, 371) pflichten: was nicht allgemeine pflicht ist, ist keine pflicht. Hippel 12, 100; es ist allgemeine pflicht die natürlichen anlagen seines geistes zu untersuchen. Garve
Cic. de officiis 86;
die vollkommenen pflichten
sind vom rechts- und sittengesetze, die unvollkommenen
nur allgemein vom sittengesetze aufgelegte pflichten, s. Kant 5, 250
ff. 280
ff. Garve
Cic. de officiis 8
und Weigand
wb. der deutschen synonymen 2, 321.
die besondern pflichten
werden durch ein adjectiv, durch einen genetiv, durch gegen
oder durch zusammensetzung näher bestimmt: natürliche und wesentliche pflichten. Hagedorn 1, 15; lehre von den menschlichen pflichten. Garve
a. a. o. 7; ethische (sittliche), rechtliche pflichten. Kant 5, 215; eheliche pflichten Luther 1, 170
b. S. Dach 418
Öst.; kindliche pflicht Schiller 2, 17; gesellige, gesellschaftliche pflichten. Gellert
[] moral. vorles. (1774) 1, 18. 293; bürgerliche pflichten. Knigge
umgang3 2, 18; eine schwere königliche pflicht. Freytag
ges. werke 2, 79; amtliche, dienstliche, militärische
u. s. w. pflichten; die pflichten der moral Gellert
a. a. o. 1, 3, der christlichen sittenlehre 92, der vernunft 106, der menschenliebe 2, 103, der verwandtschaft
und freundschaft 175
ff., der erziehung 125, der ehrfurcht Hagedorn 2, 152; der nächstenliebe Kant 5, 286, der wohlthätigkeit 289, der dankbarkeit 292, der demuth Göthe 9, 264, des gehorsams 9, 8, der verhältnisse und des standes Lessing 7, 386, des dienstes Tieck
könig Lear 1, 4, des berufs W. v. Humboldt
sonette 263
u. a.; die pflichten gegen gott Kant 5, 329, gegen sich selbst (gegen den körper und gegen die seele) 247. 250
ff., gegen andere 284
ff. Lessing 6, 239
f. vergl. eltern-, frauen-, freundes-, fürsten-, gatten-, geschwister-, gewissens-, glaubens-, kindes-, menschen-, mutter-, natur-, rechts-, tugend-, unterthanen-, vaterpflicht
und andere. 55)
die unter 4,
c angegebene und im allgemeinen schon mit beispielen belegte bedeutung hat sich in der nhd. schriftsprache unter dem einflusse der theologischen und philosophischen schulsprache (
s. Zedler 27, 1592
ff. Kant 4, 248
ff.)
in allen abstufungen und in einer unübersehbaren reichhaltigkeit der redewendungen entwickelt, während sie den mundarten fremd geblieben ist und durch schuldigkeit, schuldig sein, müssen, sollen
ersetzt wird (es ist meine schuldigkeit
oder ich bin schuldig das zu thun, ich musz
oder soll das thun
u. s. w.).
Wir ordnen die weiteren belege, die sich leicht verzehnfachen lieszen, nach der construction, da die bedeutungsabstufung aus dem zusammenhange leicht zu erkennen ist. 5@aa) pflicht
im nominativ. 5@a@aα)
als subject: die pflichten sind der weg, den gott zur wohlfahrt giebt. Haller
über den ursprung des übels 3, 83; die liebe kann wol viel, allein die pflicht noch mehr.
der junge Göthe 1, 158; o wie schwer ist diese pflicht (
der selbstbeherrschung)! Cronegk 1, 191; männer, denen solche pflichten aufliegen. Börne 2, 310; die pflicht will, gebietet, befiehlt, fordert, heiszt, bindet, redet
u. s. w.: das will die pflicht .., das will sie nicht. Hagedorn 3, 61
f.; jüngling, trauerst du in jahren, wo die pflicht sich freuen heiszt? Lessing 1, 153; thu, was die pflicht befiehlt. Cronegk 1, 239; so lasz die zärtlichkeit dich binden, wenn dich die pflicht nicht binden soll.
der junge Göthe 1, 95; nicht freie wahl entfernt mich, sondern pflicht. Schiller 6, 403; wenn auch klugheit die leidenschaft schweigen heiszt, so redet die pflicht desto lauter. 3, 405 (
kabale 2, 3); wenn und wo es seine pflicht erfordert. Klinger
betr. 3, 9; wenn mich pflicht oder freiwillige sorge für andere heraus ruft (
aus dem kreise, worin ich lebe). W. v. Humboldt
briefe an eine freundin (1880) 304; indessen gebiete ihm (
dem beamten) freilich in dieser sache allein seine pflicht. Immermann
Münchh. 2, 350. 5@a@bβ)
als prädicat, pflicht sein: der wahren gotteskinder pflicht ist, all straff in demuth leiden. S. Dach 191
Öst.; o liebt ich ihn (
den schäfer); so wär es güte: und liebt er mich; so ist es pflicht. Hagedorn 3, 38; die liebe ist deine pflicht, weil sie eine nachahmung gottes und dein glück ist. Gellert
moral. vorles. (1774) 1, 97; wir sind verbunden, nicht nur das zu thun was rühmlich und pflicht ist, sondern auch darum, weil es pflicht und gut ist. 1, 335; das gewissen ist ein bewusztsein, das für sich selbst pflicht ist. Kant 6, 370; es ist der tempelherren pflicht, dem ersten dem besten beizuspringen, dessen noth sie sehn. Lessing 2, 246 (
Nathan 2, 5); für das gemeine heil ihr eigen glück zu geben, ist aller helden pflicht. Cronegk 1, 235; gelassen sterben, ist der christen höchste pflicht. 303; standhaft leiden ist der menschen gröszte pflicht. 172; sei weise! dieses ist der menschheit erste pflicht. 2, 116; dasz damengunst sorgfältig zu verbergen die erste pflicht der ritter sei. Wieland
Klelia u. Sinibald 4, 45; verzeihen sie im christenthum die erste meiner pflichten. Hippel 7, 222; in allen pflichten sei uns erste pflicht vergessenheit sein selber. Herder
ged. 1, 70;
[] zuweilen ist es pflicht, unsern freunden ihre fehler mit ernst zu verweisen. Garve
Cic. de off. 104; seine grenzen zu kennen, das ist für adeliche personen würde, und für bürgerliche wenigstens pflicht. Hermes
Soph. (1776) 2, 196; so wie die kunst centauren erschafft, so kann sie uns auch jungfräuliche mütter vorlügen, ja es ist ihre pflicht. Göthe 36, 231; zu wandeln und auf seinen weg zu sehen, ist eines menschen erste, nächste pflicht. 9, 75 (
Iphigenie 4, 4); die herzen dem regenten zu erhalten ist jedes wohlgesinnten pflicht. 9, 267 (
nat. tochter 1, 5); gehorsam ist die erste pflicht, die ihn (
den ritter) des schmuckes würdig zeigt. Schiller 11, 274;
Max zu Octav. er (
Wallenstein) that so viel für uns, und so ists pflicht, dasz wir jetzt auch für ihn was thun. 12, 185 (
Piccolomini 5, 1); jene scheingrosze welt, wo alles sitte, nichts pflicht ist. J. Paul
Levana 2, 130; doch, was der frauen mund betheuert, ist mir zu glauben heilge pflicht. Uhland (1879) 1, 80; wer kraft zu vielem hat, dem ist auch vieles pflicht. Freytag
ges. werke 2, 151. pflicht werden, bleiben: so dasz es pflicht wird, das nicht zu thun .., was sonst treue und aufrichtigkeit fodern würden. Garve
Cic. de off. 24; der gute name .. bleibt allezeit pflicht. Gellert
moral. vorles. 1, 329. 5@bb) pflicht
im genetiv. 5@b@aα)
abhängig von einem substantiv: er (
der würdige prediger) ist ein lehrer jeder pflicht. Hagedorn 1, 98; ach freund, betrachte nur die regungen der pflicht und der natur. 2, 175;
Buttler. wo viel freiheit, ist viel irrthum, doch sicher ist der schmale weg der pflicht. Schiller 12, 328 (
Wallensteins tod 4, 2); der weg der pflicht kann nur zum heil sich wenden. Wieland
Klelia u. Sinibald 162; das moralische gesetz ist ... für den willen jedes endlichen vernünftigen wesens ein gesetz der pflicht. Kant 4, 195; übertretung der pflichten. 4, 17; ausübung der pflichten. Stilling
jugend (1780) 72; unter dem zwange der geschäfte und der pflichten. Zimmermann
über die einsamkeit 1, 1; denn wer kann in seiner pflicht beschränkten gränzen wandeln, schützet ihn nicht das gesetz und seines fürsten kraft? Göthe 9, 164 (
Tasso 2, 4); das herz, das sie (
die kunst) an sanften banden lenket, verschmäht der pflichten knechtisches geleit. Schiller 6, 267. 5@b@bβ)
abhängig vom adjectiv ledig: ledig aller pflicht hört der pursch die vesper schlagen. Schiller 11, 314; aller pflichten bist du ledig für dein unwürdig vaterland. 13, 324 (
jungfrau von Orleans 5, 9). 5@b@gγ)
abhängig von einem verb: darin er die pommerischen lande ihrer pflichten erinnerte. Micrälius 5, 356; betracht, herr, .. nicht meiner schuld gewicht und vergisz meiner pflichten. Weckherlin 18; dasz ich meiner pflicht vergasz. Göthe 9, 24 (
Iphig. 1, 3); gelöst wär alles, meiner strengen pflicht wär ich entledigt. 9, 331 (
nat. tochter 4, 1). 5@cc) pflicht
im dativ. 5@c@aα)
abhängig von einem verb oder adjectiv, der pflicht gehorchen, folgen, genügen, genüge leisten, getreu sein, weichen, widerstreben, widerstreiten, sich entziehen
u. s. w.: seiner pflicht zuwider leben,
ab officio deflectere Stieler 1446; seiner pflicht genüge leisten. Rabener (1755) 1, 72. Lessing 7, 431; seinen (ehelichen) pflichten treu sein. Knigge
umgang3 2, 43; er ist auch seiner pflicht so getreu. Klinger
betr. 2, 444; (
maximen,) die der engeren oder weiteren pflicht widerstreiten. Kant 4, 47; (
die liebe) herrsche, wo sie will, doch weiche sie der pflicht. Cronegk 1, 193; gehorche deiner pflicht. 175; ich folgte meiner pflicht. Göthe 9, 64 (
Iphig. 4, 2);
Cordelia. ich lieb eur' hoheit wie's meiner pflicht geziemt, nicht mehr nicht minder. Tieck
könig Lear 1, 1; erwache deinen pflichten! Lenau (1880) 2, 227; Vreneli hatte sich unterthan gemacht der pflicht, wo pflicht erschien, gehorchte es ihr mitten in jeder bewegung. Gotthelf
Uli der pächter (1859) 285.
[] 5@c@bβ)
abhängig von einer präposition. an: an meinem fleisz und pflichten ichs liesz erwinden je. Spee
trutzn. 46
B.; wer sich an seiner pflicht versäumt. Lichtwer 82 (2, 23).
auf: ich sitze auf schweren pflichten,
fungor munere gravissimo. Stieler 1446; etwas, das auf einer pflicht gegründet ist. Kant 4, 267.
aus: aus pflicht (
der pflicht, dem pflichtgebote und pflichtgefühle gemäsz) handeln, etwas thun
u. s. w. Kant 4, 15
ff. 194; er lebt nur noch aus pflicht, nicht weil er am leben den mindesten geschmack findet. 203; befolgung seiner (
gottes) gebote aus schuldiger (unterthans-)pflicht. 6, 367; was sie aus pflicht nur thut. Wieland 18, 99; Eduard bemerkte bald, ... dasz sie nur aus geselliger pflicht abends länger drauszen verweilte. Göthe 17, 90; ich reichte nur aus pflicht dem könige die hand. Alxinger
Bliomb. 7, 27.
in: sie ist verwirrt in blinden pflichten. Spee
trutzn. 41
B.; die gütige, die deine jugend in hohen pflichten spielend unterwiesz. Schiller 6, 265;
Mortimer. in strengen pflichten war ich aufgewachsen. 12, 418 (
M. Stuart 1, 6); (
sie) ist stets vor dir in treuer pflicht gewandelt. W. v. Humboldt
sonette 201; eifrig und stark, und wenn es noth thut, auch kühn in dienst und pflicht. Klinger
betr. 3, 247.
mit: die ihr mit treuer pflicht (
pflichterfüllung) des landes kinder seid. Opitz 2, 97; unsre begierden stehen oft mit unsern pflichten im streite. Gellert
moral. vorles. (1774) 1, 182.
nach (
vergl. d): fürchte gott ... nach zimender pflicht. Melissus
ps. N 4
b; küsset den son nach allen pflichten (
ganz pflichtmäszig). Ulenberg,
Kehrein kirchenl. 2, 128, 9; er kannte sein amt nach allen seinen pflichten und seiten. Klinger
betr. 1, 88; du bist noch gut, weil du nach deiner pflicht zu handeln suchst. Gellert
moral. vorles. 2, 76. Fichte
sittenl. 200; was sie nach pflicht und gewissen thun müszten. Lessing 7, 386; ich darf behaupten, dasz Stilling die schule .. nach pflicht und ordnung bediente. Stilling
jüngl. (1780) 72; drum laszt uns jetzt nach unsrer pflicht den jahrtag celebriren! Blumauer (1839) 1, 99.
über: wie über dem höchsten gebirge noch der adler schwebt, so über der schwer ersteigbaren pflicht die rechte liebe. J. Paul
Levana 1, 59.
von: die sittenlehre, welche man auch die lehre von den pflichten nannte (
s. pflichtenlehre). Kant 5, 202;
gräfin zu Wallenst. gestehe nur, dasz zwischen dir und ihm (
dem kaiser) die rede nicht kann sein von pflicht und recht. Schiller 12, 235 (
Wallensteins tod 1, 7). von einer pflicht befreien, lossprechen: losgesprochen sind von allen pflichten, die in dieses heiligthum sich flüchten. 11, 56; er fühlte sich von allen pflichten losgesprochen. Göthe 17, 146.
zu: heute nur laszt mich in freiheit, dasz mein geist sich finde! ich kehre bald zu meiner pflicht zurück. Göthe 9, 214 (
Tasso 4, 4); er war willig zur pflicht. Kortum
Jobs. 2, 10, 7; den könig .. treibt er zu seiner pflicht mit scharfem ruf. Lenau (1880) 2, 165. zur pflicht werden: zum zittern wird nun ihre klage, denn deine kühnheit wird zur pflicht.
d. j. Göthe 1, 101. etwas zur pflicht machen: die blosze menschenliebe .. macht es uns beiden zur pflicht .. Bode
Thomas Jones 5, 43; sie (
die tugend) macht uns vergnügen und freude zur pflicht. Wieland 10, 249; so hat er mirs zur pflicht gemacht (
dasz ..) 18, 108; indem man ihm die übung derselben (
franz. sprache) zur pflicht gemacht hatte. Göthe 17, 66; neuer eid, der ihm zur pflicht mache, gegen jeden ohne unterschied zu dienen. Schiller 7, 284; vieles was sie (
die protestanten) thaten, machte ihnen die selbsterhaltung zur pflicht. 8, 22. 5@dd)
der dativ kann (
im 16.
jahrh.)
auch ohne die präpos. nach
adverbial stehn, meiner, deiner, billiger, ziemender, schuldiger
u. s. w. pflicht:
[] denn ich will meiner pflicht dich herr im leiden ruoffen
an. Ulenberg,
Kehrein kirchenl. 2, 131, 2; der guots thuo seiner pflicht. 139, 2; die Tyrer kommen werden geschenk zu bringen ihrer pflicht. 170, 11; sie willen (
wollen) nicht schuldiger pflicht an seiner hende werken. 153, 5; sondern tuot ere gots - furchtigen zimender pflicht. Melissus
ps. E 7
a (
nachher N 4
b nach zimender pflicht); so bin ich billiger pflicht dir gehorsam.
buch der liebe 213, 3. 5@ee) pflicht
im accusativ. 5@e@aα)
als object: die pflicht, so ein jeder seinem vatterland schuldig. Zinkgref 1, 290; er sei euch keine pflicht schuldig.
d. j. Göthe 2, 105; pflichten auferlegen. Kant 4, 253, vorschreiben 285; pflichten, die uns die natur, die moral lehrt. Gellert
moral. vorles. (1774) 1, 12
f.; Regan zu Cordelia. lehr uns nicht unsre pflichten. Tieck
könig Lear 1, 1; die furcht erdachte recht und pflicht und schuf den himmel und die hölle. Gleim 1, 176; ich hätte pflicht genannt was noth war. Göthe 9, 81 (
Iphigenie 5, 2); wir tauschten sonderbar die pflichten um: ich soll dich leiten und du leitest mich. 273 (
nat. tochter 1, 6); man musz zuweilen die pflichten der heiligsten art den pflichten der andern aufopfern. Garve
Cic. de off. 117; eine pflicht
oder pflichten haben, auf sich haben: da hat man amt und pflicht genug. G. Arnold
lob- u. liebessprüche 61; auch gegen beleidiger haben wir gewisse pflichten. Garve
Cic. de off. 27; jeder hat seine pflicht. Göthe 36, 142; du hast noch grosze pflichten auf dir, mein sohn. Schiller 2, 20 (
räuber, schausp. 1, 1); ich habe keine pflicht, als kindlich euern weisen willen .. in allem zu erfüllen. Alxinger
Bliomb. 1, 16. die pflicht
oder die pflichten kennen (
wissen was sie vorschreibt, aber auch ihr treulich nachleben th. 5, 541), erkennen, verstehen: der keine pflichten kennet und lebt allein zum schlemmen. Haller
gedanken über vernunft u. s. w. 263; sie werden .. wenigstens glauben, dasz ich meine pflicht kenne. Lessing 1, 440; die zarte, die süszere pflicht, mit liebe liebe zu lohnen, die kannte der flüchtige nicht. Herder
ged. 1, 25; erkenne deine pflichten! such dein geschwächtes herz von neuem aufzurichten. Cronegk 1, 236; zu achten ist jeglicher stand, der seine pflicht erkennet. Rückert 4, 239; ausübung .. der anerkannten pflichten. Klinger
betrachtungen 1, 41; ältern, welche die pflichten der ältern nicht verstehen. Rabener (1750) 3, 13. eine pflicht
oder die pflichten halten, leisten, erweisen, thun, üben, ausüben, verrichten, vollbringen, erfüllen,
die aus verbindlichkeit hervorgehende handlung thun u. s. w.: ich hab mein pflichten nicht gehalten. Hayneccius
H. Pfriem 1629; einem freund alle schuldige pflicht leisten. Maaler 318
a; einem mann, der seine pflicht .. verkennt, .. pflicht zu leisten! Göthe 8, 65; ihr fahret fort, Östreich die pflicht zu leisten. Schiller 14, 332 (
Tell 2, 2); wenn mann und weib eintrechtig lebn .. und ihre pflicht von hertzen übn. Ringwald
laut. warh. 343; sie haben dennoch (
ohne den glauben an die unsterblichkeit) als menschen ihre pflichten geübt. Herder
christl. schriften 1, 131; die pflicht der demuth ausüben. Göthe 9, 264; (
wenn ihr) dient an des kranken bett .. und die ruhmlose pflicht christlicher milde vollbringt. Schiller 11, 44; lasz mich hier dein lob bestellen und erweisen meine pflicht. Rist 235
Gödeke; ich vollbringe meine pflichten, wie sie mier die sterne richten. Knittel
poet. sinnenfrüchte 1, 22; der andacht schwere pflichten muszt ein gedingter chor an ihrer (
der domherrn) statt verrichten. Drollinger 313;
[] in letzten lebenstagen thut man gerne seine pflicht. Lessing 1, 80; dem, wer einzig seine pflicht thut, dem ist keinen dank man schuldig. Herder
Cid 11; thu deine pflicht, ich werde meine thun. Göthe 9, 25 (
Iphigenie 1, 3); ich werde heute gleich .. als diener meine pflicht erfüllen. 12, 87; erfülle deine pflichten gegen mich, dasz ich die meinen kenne, sei gewisz. 9, 383 (
nat. tochter 5, 9); erfüllte pflicht empfindet sich immer noch als schuld, weil man sich nie ganz genug gethan. 22, 237; der pflichten schwerste zu erfüllen, zu bändigen den eignen willen. Schiller 11, 282; ich geh. erfüllt hab ich der mahnung pflicht. Uhland (1879) 3, 72. die pflicht
oder die pflichten verkennen, abschlagen, abschwören, aufkündigen, verweigern, vergessen, versäumen, verletzen, brechen
u. s. w.: die eheliche pflicht dem weib abschlagen. Albertinus
hauspolizei 1, 142
b; wenn ein herr die pflicht vergiszt, so legt der knecht sich auf die faule haut. Kottwitz 26; wenn er in wilder brust natur und pflicht ersticket. Lessing 2, 421; verletze nur mit vorsatz eine pflicht: so hast du schon das schreckliche vermögen, wodurch dein herz die andern bricht. Gleim 1, 170; ich schwöre die pflicht der mutter ab. Gotter 2, 64; ein mann, der seine pflicht gegen den kaiser und das reich verkennt. Göthe 8, 65; wenn der lehrer .. seine pflichten versäumt. 36, 55; doch verweigr' ich jene pflicht. 9, 43 (
Iphigenie 3, 1); dasz er (
der priester) labe den kranken, der sein begehrt, und die heilige pflicht nicht versäume. Schiller 11, 385; desz rühme der blutge tyrann sich nicht, dasz der freund dem freunde gebrochen die pflicht. 11, 288; was hat der dauphin schweres gegen euch verschuldet? welche pflichten brach er euch? 13, 233 (
jungfrau von Orleans 2, 2); ein kaiserlicher brief kam uns zu handen, der uns befiehlt, die pflicht dir aufzukünden. 12, 298 (
Wallensteins tod 3, 15); wenn staaten .. einem eidbrüchigen beherrscher ihre pflicht aufkündigen. 8, 105,
vergl. 337. 5@e@bβ)
als apposition des objects: ob nicht überhaupt das, was man pflicht nennt, ein leerer begriff sei. Kant 4, 43; etwas als pflicht erkennen, betrachten, fordern
u. s. w.: wenn der mensch etwas als pflicht erkennt. Kant 6, 209; den groszen anspruch und der liebe vorrecht erkennt er gern als pflicht, die euch gebührt. Tieck
ende gut, alles gut 2, 4; das setzen ins gleichgewicht wird oft nur dadurch erreicht, das man viel schmerz, physischen und moralischen, in sein dasein mit aufnimmt, aber es besteht darin die wahre demüthigung unter die fügung des geschickes, die ich in mir immer als die erste und höchste pflicht des menschen betrachte. W. v. Humboldt
briefe an eine freundin (1880) 236; wer achtung und zuneigung als pflicht fordert, der musz auch achtung und zuneigung zu verdienen wissen. Knigge
umg.3 2, 39;
ebenso etwas für pflicht halten, anerkennen, erklären
u. s. w.: sie um das, was sie für pflicht halten, zn befragen. Garve
Cic. de off. 113; mit dem zu wetteifern, hält sie für pflicht. Göthe 36, 176; er (
der eudämonist) kann doch nur etwas für seine pflicht anerkennen, wenn er auf glückseligkeit rechnen kann, die ihm dadurch erwachsen wird. Kant 5, 200; welcher blos die natürliche religion für moralisch nothwendig
d. h. für pflicht erklärt. 6, 334. 5@e@gγ)
abhängig von einer präposition: an: der rauh sein herz gemahnt an strenge pflicht. Lenau (1880) 2, 211.
auf: ein staatsbeamter, .. der streng auf pflicht und gewissen hält. Klinger
betr. 2, 435; begriffe, die auf pflicht gehen. Kant 5, 211.
durch: wie wiltu denn durch eigne pflicht zu gott im himmel rennen. Ringwald
ev. Dd 7
b.
für: achtung für die pflicht. Kant 6, 213.
s. auch bei β.
gegen die pflicht handeln, fehlen
u. s. w., vergl. wider.
ohne: meines feindes wunde zu verbinden, .. das wäre süsz, auch ohne pflicht. Gökingk 1, 58.
über: wenn er sich nur hätte über die pflicht wegsetzen können. Kant 4, 202; das urtheil über seine pflicht. 6, 361.
[] um: er hat sich um die gewöhnlichen, uns in der gesellschaft lebende verbindenden pflichten nicht bekümmert. Klinger
betr. 1, 216.
wider (
vgl. gegen): ich habe dein (
gottes) verboth verletzt, .. und wider meine pflicht gehandelt. Günther 77; wider unsre pflicht wollen wir nicht handeln. Gellert
moral. vorles. (1774) 1, 152; es läuft wider meine pflicht. Rabener (1755) 2, 151. 66)
übertragen auf sächliche subjecte: wer kann die kräfte der natur erwecken? .. das ist der erde pflicht. Chamisso (1872) 2, 65; küche und wein thaten geschmackvoll ihre pflicht. Freytag
handschrift 2, 157. 77)
nautisch nach mnd. plicht,
mnl. plecht,
nnl. plegt,
md. holl. pligt
auf gröszeren schiffen ein halbverdeck, auf fluszfahrzeugen ein kleiner, gewöhnlich fensterloser raum vorne oder hinten (vor-
und hinterpflicht),
in den man durch eine luke steigt. Bobrik 526
b. 527
a.
s. Schiller-Lübben 3, 348
a.
brem. wb. 3, 335. Stürenburg 178
b. Pfister
nachtr. zu Vilmar 208;
bair. (
Aschaffenburg) die pflicht,
vordertheil eines ruderschiffes auf dem die schiffer stehn. Schm.
2 1, 447,
ahd. phlihta, flihta,
prora (Graff 3, 360.
gramm. 3, 483),
mhd. phlihte
Moriz v. Craon 968,
ags. plicit (pliht)
prora Leo 94, 21,
eigentlich wol der zum aufenthalte und schutze bestimmte raum (
vergl. Richey 45),
ungefähr gleichbedeutend mit deck, verdeck.