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Pflegen

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Pflegen trs, intr, ntr, ntr

Bd. 3, Sp. 633a
Pflegen, v. regelm. u. unregelm. wo es im O. D. in der geg. Z. ich pflege, du pflichst (auch pfliegst), er Pflicht (pfliegt), in der unl. verg. Z. ich pflag oder pflog, in der Mittelf. gepflogen, im N. D. aber größtentheils regelmäßig umgewandelt wird. I) trs. 1) Die Aufsicht über etwas führen oder haben, verwalten; mit dem vierten und häufiger zweiten Falle. »Sit ich von ersten Huses pflag«, seitdem ich zuerst dem Hause vorstand, die Aufsicht darüber führte. Winsbeck. »Des Amts sollen sie nicht pflegen.« 4 Mos. 8, 26. »Die pflegint werelt«, die die Welt regieren. I dem alten Gedicht auf den heiligen Anno. Da ein Aufseher, Vorgesetzter, Verwalter in den seiner Aufsicht und Verwaltung übergebenen Dingen anzuordnen und zu befehlen hat, er auch dieselben, so lange er sie verwaltet oder die Aufsicht darüber führt, inne hat und besitzt, so gebrauchte man pflegen ehemahls auch sowol für befehlen, anordnen (s. Pflicht), als auch für, inne haben, besitzen. »Das Land — des de Christen plagene«, d. h. welches die Kristen ehedem in Besitz hatten. Scriptor. Brunsvic. »Der des Glaubens pfligt«, der des Glaubens pflegt, der Glauben hat. Jeroschin bei Frisch. I weiterer Bedeutung, verwalten, ausüben, handhaben. »Priesteramts pflegen«, das Priesteramt verwalten, ausüben. Luk. 1, 8. »Sie pflegen Gottesdienst, der nicht zu sagen ist.« Weish. 14, 23. Die Zwen, die noch werten, Und phlagens mit den schwerten, Iain, 8, 199; d. h. die noch die Schwerter führten, handhabten. Rath oder Rathes mit jemand pflegen, mit ihm sich berathen, rathschlagen. Nach lange gepflogenem Rathe wurde beschlossen, daß  Unterhandlungen pflegen, unterhandeln. Freundschaft, oder der Freundschaft mit jemand pflegen, mit ihm Freundschaft unterhalten. Umgang mit jemand pflegen, mit ihm Umgang haben und unterhalten. Ehemahls auch bloß, eines Menschen pflegen, Umgang mit ihm haben, mit ihm vertraut leben. Wann daz ich I da phlag; Iain 5, 556. I demselben Gedichte 8, 82 kömmt auch vor eines pflegen, seiner gewohnt sein: Und sein Leo (Löwe) der sein da phlag. Der Güte pflegen, gütlich unterhandeln, in Güte etwas abzumachen, aus einander zu kommen suchen. Ehemahls auch für anwenden, gebrauchen. Der hitzigen ertzney er pflag Und nam dieselbe alle Tag, Theuerdank, K. 70. Nun möget ihr — noch der Treuen pflegen, d. Nibelungen L. V. 4838. In diesem Sinne gebraucht man es auch noch für, dessen was man hat gebrauchen, sich dem Genuß desselben überlassen. Der Ruhe pflegen, sich der Ruhe überlassen, ihrer genießen. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das Herz im Stillen tugendhaft, Gellert. Der Liebe, der Wollust pflegen, ihrer genießen, sich ihnen überlassen. Seiner Bequemlichkeit pflegen. Der Wachter so der were phlag, Iain, 9, 230. 2) Sorge für etwas tragen, als eine Fortsetzung der ersten Bedeutung; gewöhnlich mit dem zweiten Falle. Gott der Herr wolle Ewr pflegen Und auch halten in seiner Hut. Theuerdank, K. 106. Besonders für das Wachsthum, Gedeihen, die Wohlfahrt, das Beste einer Person und Sache Sorge tragen. »Pflege du des Volks vor Gott.« 2 Mos. 18, 19. Am häufigsten gebraucht man es für, Sorge für eines Wohlbefinden, Bequemlichkeit und Behaglichkeit tragen, und das dazu Nöthige veranstalten, thun; mit dem vierten und zweiten Falle. Einen Kranken, Alten pflegen. »Gleichwie eine Amme ihre Kinder pfleget.« 1 Thess. 2, 7. Seinen Leid pflegen, für sein Wohlbefinden, seine Behaglichkeit durch Nahrung, Kleidung  sorgen; in engerer Bedeutung, ihm gütlich thun, besonders durch Speise und Trank. Auch sich pflegen. Seiner Gesundheit pflegen, für die Erhaltung derselben Sorge tragen. »Pflege deines Vaters im Alter.« Sir. 3, 14. In weiterer Bedeu= tung, auch von Thieren und Pflanzen. Einen Schoßhund wie ein Kind pflegen. Der Pflanzen wohl pflegen und warten. Drum pfleg' und weih' es (das Blümchen) deinem Gleim. Köpken. Für Handreichung thun wird es im N. D. gebraucht, wo toplegen heißt: Handlanger sein, zulangen. II) intr. u. ntr. mit haben. 1) * * Ehemahls im N. D. als ntr. verpflichtet, schuldig sein. S. Pflicht. 2) Dieselbe Handlung in allen oder doch den meisten vorkommenden Fällen unter gleichen oder ähnlichen Umständen vornehmen. I dieser Bedeutung ist es von gewohnt sein dadurch verschieden, daß man bei dem, was man gewohnt ist zu thun, eines sinnlichen Reizes wegen oder weil man es für gut hält, handelt, daher gewohnt sein nur von empfindenden und vernünftigen Wesen, pflegen aber auch von leblosen und unkörperlichen Dingen gebraucht wird. Fast immer wird es in dieser Bedeutung mit dem Worte zu und einem andern Aussageworte in der unbestimmten Form gebraucht. Er pflegt in solchen Fällen zu schweigen. Das pflegt er sonst nicht zu thun. »Habe ich auch je gepflegt dir also zu thun?« 4 Mos. 22, 30. Thue wie du pflegest, nämlich, zu thun, oder wie du es gewohnt bist. So pflegt es denen zu gehen, welche gutem Rathe nicht folgen wollen, so geht es denen immer oder gewöhnlich  Wenn es gleich früh morgens schön und Sonnenschein ist, pflegt es später am Tage trübe und schlechtes Wetter zu werden. Ungewöhnlich ist es, das Wort pflegen in der unbestimmten Form pflegen, anstatt des Mittelwortes gepflegt zu gebrauchen. Auf grünen (m) Grase hat man dir zu opfern pflegen, Opiz. Die gewöhnlichste Umwandlung, besonders in der überleitenden Form, ist regelmäßig, wo bloß wenige Fälle, wie: die gepflogenen Unterhandlungen, er pflog mit ihm Rath, der Freundschaft , ausgenommen sind. I O. D. hingegen wird es in allen Bedeutungen unregelmäßig umgewandelt, welche Form auch, doch meist nur in der unlängst vergangenen Zeit, der Kürze und der Brauchbarkeit in Versen wegen, in guten Schriften häufig vorkömmt. »Auf welchem vor Alters Neleus pflag zu sitzen.« Voß. — — wie er zuweilen pflag, Wieland, nämlich zu thun. — D. Pflegen. D. — ung. Die Pflegung eines Kindes , der Pflanzen, Blumen. Die Gläubiger zur Pflegung der Güte einladen. Am üblichsten ist es in dem zusammengesetzten Verpflegung, gewöhnlicher gebraucht man dafür die Pflege.
6020 Zeichen · 126 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    pflegensw. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    pflegen , sw. V. nhd. pflegen Q.: Lei, Kchr (um 1150), LAlex, LBarl, Enik, Ot (FB phlegen), BuchdRügen, Helbl, Helmbr, K…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Pflêgen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Pflêgen , verb. reg. et irreg. welches im letztern Falle im Imperf. ich pflog, (bey einigen ich pflag,) und im Mittelw. …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    pflegen

    Goethe-Wörterbuch

    pflegen in Pkt 3 auch stark flekt; vereinzelt ‘geflogen’ 1 jdn betreuen, versorgen a sich um jds Aufwachsen, auch Erzieh…

  4. modern
    Dialekt
    pflegen

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    pflegen Band 2, Spalte 2,626

  5. Sprichwörter
    Pflegen

    Wander (Sprichwörter)

    Pflegen 1. Dass ich selbst pflege, das zeihe ich einem andern allwege. – Petri, II, 118. 2. Die sich pflegen am besten, …

  6. Spezial
    pflegen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    pfle|gen (pflegt, pflegte, pflog, gepflogen) I vb.tr. 1 (sich kümmern, versorgen) fá le guern, socodí (-dësc), ciaré do …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit pflegen

16 Bildungen · 4 Erstglied · 8 Zweitglied · 4 Ableitungen

pflegen‑ als Erstglied (4 von 4)

Pflegenei

DRW

pflege·nei

Pflegenei, f. wie Pflege (II) das wir siu und das lant befriden und beschirmen, alse verre unser pflegenie gat 1308 StraßbUB. IV 1 S. 184

Pflegenschulden

DRW

pflegen·schulden

Pflegenschulden, pl. als Darlehen vergebenes Pfleggeld (I)? die pfrunden und pflegenschulden ob sie schon nicht verbriefet, aber in das urba…

pflegenīe

KöblerMhd

pflegenīe , st. F. nhd. Pflegeschaft Q.: RqvI (FB phlegenīe) E.: s. pflegen (1) W.: nhd. DW-

pflegen als Zweitglied (8 von 8)

empflegen

KöblerMhd

empflegen , st. V. Vw.: s. enpflegen

enpflegen

KöblerMhd

enpflegen , st. V. nhd. verwalten, sorgen für, sich kümmern, pflegen, behandeln, haben, genießen Q.: RWchr, SHort, JMeissn (FB enphlegen), B…

gepflegen

KöblerMhd

gepflegen , st. V. nhd. ausüben, üben, betreiben, erreichen, tun, genießen, erleiden, sich kümmern um, sorgen für Hw.: vgl. mnl. geplegen, m…

nachpflegen

DRW

nach·pflegen

nachpflegen, v. gehorchen, nachkommen (I) wie dan die kayserlich recht vermögen, dass man denselben soll nachpflegen um 1500 EndingerJudensp…

ungepflegen

KöblerMhd

ung·e·pflegen

ungepflegen , (Part. Prät.=)Adj. nhd. nicht gepflegt? Q.: Loheng (1283) E.: s. un, ge, pflegen W.: nhd. DW- L.: LexerHW 2, 1857 (ungephlegen…

verpflegen

DWB

verp·flegen

verpflegen , verb. versorgen, mit dem nöthigen zum leben versehen. mhd. verphlegen, mnd. vorplegen. in alter zeit ( mhd. ) starkes zeitwort,…

widerpflegen

KöblerMhd

wider·pflegen

widerpflegen , st. V. nhd. entgegenwirken, Widerstand leisten Q.: Trist (um 1210) E.: s. wider, pflegen W.: nhd. DW- L.: Lexer 318b (widerph…

Ableitungen von pflegen (4 von 4)

bepflëgen

ElsWB

b e pflëge n [pflǽjə, Part. pflǽjt Wh. ] = pflëge n . So hat mich känn Mänsch be pflëjt wi e du. (pf weist auf Einschleppung ). †

erpflegen

DWB

erpflegen , curare: wo lieb und freundschaft unsers herzens segen mit götterhand erschaffen und erpflegen. Göthe 12, 10 .

gepflegen

KöblerMhd

gepflegen , st. V. nhd. ausüben, üben, betreiben, erreichen, tun, genießen, erleiden, sich kümmern um, sorgen für Hw.: vgl. mnl. geplegen, m…

verpflegen

DWB

verpflegen , verb. versorgen, mit dem nöthigen zum leben versehen. mhd. verphlegen, mnd. vorplegen. in alter zeit ( mhd. ) starkes zeitwort,…