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gnagen

mnd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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4 in 4 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gnagen vb.

Bd. 8, Sp. 611
gnagen, vb. , nagen; s. auch genagen, knagen, nagen. verbreitung, herkunft und form. bis ins 16. jh. allgemein bezeugt, danach schriftsprachlich von dem seit dem 11./12. jh. daneben hergehenden nagen (s. teil 7, 270) abgelöst. mundartlich noch allgemein im nd., teilweise neben gelegentlichem knagen (s. u.) und nagen (Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 636), mfrk., nl. in der form knagen (s. u.), in der Schweiz neben nur vereinzelten ableitungen ohne anlautendes g Staub-Tobler 4, 695 -697, gelegentlich auch südschwäb. neben gewöhnlichem nagen Fischer 3, 353 und 4, 1932 und bair. neben gnägen, gnangen und nagen Schmeller-Fr. 1, 979; 1731. der jüngste beleg für- md. gnagen findet sich in gnagenranft Brodtkorb teutsche warh. (1700) 410. dazu die auszerdeutschen formen ags. gnagan, engl. gnaw, an., schwed., norw. gnaga, n. gnave 'nagen', avest. aiwiγnixta- 'angenagt, angefressen', lett. gńẽga 'einer, der mit langen zähnen iszt'. zugrunde liegt die gutturalerweiterung ghnēgh- der idg. wurzel ghen- 'zernagen, zerreiben, kratzen', s. Walde-Pokorny 1, 584. seit dem 9. jh. begegnet zwischen g und n häufig anaptyktischer vokal: alem. pikinuac, bair. ginegit, ginaganne, ganaganne, frk. ganagandi Schatz ahd. gramm. § 86; altndfrk. kanagit Wadstein kl. altsächs. sprachdenkm. 107a, 27; mhd., frühnhd. genagen mhd. wb. 2, 1, 296b, Lexer 1, 852 u. nachtr. 193, teil 4, 1, 2, 3344 (fürs 15./16. jh.). die im germ. mit k anlautende form, bei Walde-Pokorny a. a. o. von einer idg. anlautdoublette der obengenannten wurzel hergeleitet, tritt im altndfrk., mnl., nnl., ndrhein., mfrk. ausschlieszlich, mnd., ostfries. und südwestfäl. neben gnagen auf: cnagit erodit (aus dem 10. oder anfang 11. jh., altndfrk.) bei Wadstein kl. altsächs. sprachdenkm. 107a, 12; (corvus) in cadaveribus oculum petit kanagit ebda 27; mnl. cnagen Verwijs-Verdam 3, 1608; nnl. knagen van Dale (1914) 1, 939; knagen (knajen, knaen) rhein. wb. 4, 842; Follmann lothr. 296b; luxemb. wb. 231b; Gangler luxemb. umgangsspr. 243; Kisch vergl. wb. d. siebenbürg. u. fränk. ma. 131b; s. ferner teil 5, 1333; fürs mnd. vgl. teil 5, 1333, Schiller-Lübben 2, 125 und Veghe 177, 23 Jostes; fürs ostfries. s. Doornkaat-Koolman 1, 645a; fürs südwestfäl. (Gelsenkirchen) s. Woeste-Nörrenberg 133a; ferner vereinzelt im norw. als knage neben gnaga A. Torp nynorsk etym. ordb. 170b. engl. knaw, gelegentlich im 15. jh., allgemeiner im 16./17. jh. belegt, gehört nach Murray 4, 2, 246a wohl nicht in den vorliegenden zusammenhang. auszer fürs mnd., ostfries., ndrhein. und mfrk. ist altes knagen fürs deutsche nicht mit sicherheit nachweisbar; bei dem teil 5, 1333 angeführten pichnegit conrodet Graff 2, 1014 (= ahd. gll. 1, 274, 50, neben pignegit) kann ebenso wie bei pikinuac conrodit ahd. gll. 1, 337, 15 ch bzw. k germ. g vertreten, s. Schatz ahd. gramm. § 230 f.; alem., bes. schweizer. knagen ist nur aus dem unten angeführten genagen zu erklären; altes k müszte als ch auftreten, vgl. Jutz alem. ma. 218 f. ein neben gnagen bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1350 angeführtes knagen ist unsicher. angesichts des wiederholt zu beobachtenden wechsels von anlautendem gn-, kn- und n- bei lautmalenden wörtern, z. b. bei gnarren sp. 623 u. a. (s. teil 5, 1333 s. v. knagen und wb. d. nl. taal 5, 172 s. v. gnap) entsteht die frage, ob heutiges nagen, zufrühest in einer altnd. hs. des 11./12 jh. (umbenagu obedo ahd. gll. 4, 206, 40 St.-S.) und in hd. hss. des 12. jh. belegt, sowie an. und modern norw.-isl. naga (n. nage ist nach Torp aus dem nd. entlehnt) ebenso wie knagen nur eine anlautvariation von gnagen darstellen. sie läszt sich nicht mit gewiszheit beantworten. das für die ältere zeit bei Fritzner 2, 782a und Cleasby 445b nur fürs altisl. bezeugte naga kann nach Noreen altisl. gramm. § 290 auf grund des seit 1300 belegbaren schwundes von anlautendem guttural vor n im isl. und in mnorw. mundarten auf gnaga zurückgehen. für das deutsche nagen liesze sich der verlust des anlautenden g aus den als compositum gi-nagen umgedeuteten formen mit anaptyktischem vokal ginagan, ganagan, genagen erklären. auf eine selbständige ältere form mit n-anlaut weist dagegen eine über das norwegischisländische hinausgreifende gruppe, bei der es sich nach A. Torp und Kluge-Götze um intensivbildungen handelt: norw., isl., schwed. mundartl. nagga, älterdänisch nagge 'nagen, beiszen, reizen, ärgern' u. ä., dazu norw. nagg 'das nagen, unwille, hasz', älterdänisch nag(g) 'abnagen, groll' u. ä., norw.-dän. 'groll' Falk-Torp 1, 753 und A. Torp 448, engl. nag (auch nagg, gnag, knag, wohl aus dem nordischen entlehnt, ursprünglich mundartlich) 'nagen, reizen' Murray 6, 3, 4b, mnl. naggen 'reizen' Verwijs-Verdam 4, 2139, dazu verwandtes seit dem 14. jh. bezeugtes hd. necken teil 7, 515, Kluge-Götze 412b. nicht fest steht eine von A. Torp 664, Kluge-Götze 409 behauptete vierte anlautvariante sn- in norw. snaga, da dessen bedeutung 'wie eine spitze (snag) hervorstehen, gegen eine spitze stoszen' zu weit abliegt.wenig wahrscheinlich ist auch Ficks (14, 96, 501) verknüpfung von nagan mit aksl. iz-, pronoziti 'durchbohren' zu einer wurzel neh-, s. auch Walde-Pokorny 2, 327. die starke flexion wurde in allen genannten germ. sprachen im laufe der entwicklung von der schwachen abgelöst, früh im altisl., das nur vereinzelt starke formen verwendet, s. Noreen altisl. gramm. § 501, 4. im hd. weist zuerst (er) genaget (14. jh.) bei Staub-Tobler schweizer. 4, 695 f. (neben [sie] grept im gleichen denkmal) auf schwache flexion. die starke ist bei gnagen zufällig nicht jünger bezeugt, von nagen begegnet sie häufiger noch im 16. jh., vgl. teil 7, 270, gelegentlich auch im 17. jh. das part. praet. genagen, s. Chr. Gretter christl. glaub (1605) 1, 228; S. Bürster schwed. krieg 1630 -47 187 Fr. v. Weech; zernagen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1016; mundartlich im bair. mitunter noch das part. praet. genagen, s. Schmeller-Fr. 1, 1731, und im schwäb. vereinzelt die 2. 3. sg. ind. praes. nägst, nägt, s. Fischer 4, 1932 f.; mnd. gnagen (knagen) flektiert nach Lasch mnd. gramm. § 430, 1 u. 7 stark und schwach, doch fehlen bisher überzeugende belege für schwache flexion. anderseits finden sich für modern mundartliches nd. gnagen keine starken formen mehr verzeichnet. mnl. cnagen hat stets schwaches praeteritum, doch starkes und schwaches part. praet., s. Franck mnl. gramm. (1910) § 168; nnl. knagen ist schwach, s. van Dale 1, 939b; das gleiche gilt für modern mundartliches ostfries., ndrhein. und mfrk. knagen, s. oben. ags. gnagan, mengl. gnagen flektieren stark, neuengl. gnaw besitzt neben dem schwachen part. praet. gnawed noch das starke gnawn, s. Murray 4, 2, 246a. bedeutung und gebrauch. gnagen hat seit seinem frühesten auftreten die eindeutige bedeutung des heute üblichen nagen und stimmt auch in der weiteren verwendung mit ihm überein. im ahd. begegnet es nur in glossen, oft mit dem präfix bi-, pi-, gewöhnlich für lat. rodere, corrodere: conrodet pignegit, pichnegit (9. jh.) ahd. gll. 1, 274, 50 St.-S.; rodo gnagu (hs. 10. jh.) 2, 376, 69; edax ganagandi (hs. 9. jh.) 2, 45, 22; vgl. auch die jüngere lexikographische bezeugung: rodere gnagen, knagen (nd. voc. lat.-germ. 1420) bei Diefenbach gl. 499c; arrodere gnagen Frisius dict. (1556) 121b; gnagen rodere Hulsius dict. teutsch-ital. (1618) 140a; ebenso Aler dict. (1727) 1, 963b. II. der intransitive und absolute gebrauch. I@11) eigentlich: sô lange grûb der (der hund) unde gnûc, unz er im den lîb durchbeiz Nicolaus v. Jeroschin kronike von Pruzinlant 18475 Strehlke; (das eichhornweibchen) loset, wenn er obnen genaget, daz si unden ouch genage (14. jh.) bei Staub-Tobler schweiz. 4, 696; in einer hölzinen wand gnagend etwan die holzwürm Ludw. Lavater (1569) ebda; im vergleiche: ehedem war ... der kanton Bern gerade wie ein lebkuchen, um den apartige leute saszen und daran gnagten und sich erlabten Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 1, 285; vgl.nagen I 1. I@22) der redensartlichen wendung am hungertuche nagen (unter nagen I 2 a) entspricht: wenn den affen verdreuszt des lausens ... und das der hundt ist treg zum jagen, so müssens offt am hunger gnagen B. Waldis Esopus 2, 107 v. 74 Kurz. I@33) uneigentlich. I@3@aa) von zerstörenden, ätzenden wirkungen irgendeiner substanz: dieweil er (der brunnen) aber eine gnagende und beiszende krafft bei sich hat, mag es doch zum theil dem gederme im leibe nicht viel nutz bringen bericht von den brunnen in der graffschafft Spiegelberg (1556) a 2b; vgl.nagen I 2 c. I@3@bb) von körperlichen schmerzen beiszender, juckender und ähnlicher art: dieweyl es (das ei) nit beiszt, milteret es senfftigklich und heilet ... alle reuche desz magens, ... der eyngeweiden und blasen ... also law genützt ist guot dem gnagen der blasen Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 97b; am stuolgang des gnagens befinden (1563) bei Staub-Tobler 4, 696; vgl. unter nagen I 2 d. I@3@cc) von beunruhigenden oder erregenden empfindungen, insbes. vom gewissen: gnagen desz gewissens il mordere, il rosicar della conscienza Hulsius dict. teutsch-ital. (1618) 140a; vgl. conscientia sceleris das gnagen Frisius dict. (1556) 303a; daz ist mîn gewizzenheit, die mir an daz herze gneit Eberhardt v. Erfurt Heinr. u. Kunigunde 3108 Bechstein; vgl. auch nagen des gewissens, nagender wurm des gewissens teil 7, 271 unter nagen I 2 f β und 2 b; genagen ... des gewissens teil 4, 1, 2, 3344; iras in pectore volvere in im selbs träffenlich gnagen oder entrüst und erzürnt seyn Frisius dict. (1556) 1405a; dat heimliche gnagen un bohren von den grull, den en swack minsch up einen annern smitt Fr. Reuter w. 2, 268 Seelmann; vgl. nagen I 2 f β. IIII. der transitive gebrauch. II@11) eigentlich. II@1@aa) von tieren, wie nagen II 1 a: zwên hunde striten umbe ein bein, dô stuont der bœser unde grein ... der ander der truog ez von dem tische hin zer tür: er stuont ze sîner angesiht und gnuogez minnesangs frühling 28, 12; (von den babylonischen götterbildern) sagin sy (ihre priester), daz di slangen leckin uz ire herze ..., und wen si se gnagin und ihre cleider (dum comedunt eos et vestimentum eorum Baruch 6, 19), das vulin sy nicht Claus Cranc prophetenübers. 177 Ziesemer; ... den wurmen mus behagen der arme lichnam, den se gnagen Königsberger handschriftenfragm. d. 14. jh. in: zs. f. dtsches altert. 13, 547; (es) musz der leichnam füllen ein ander hausz, das schwartze grab, da gnagen ihn die schlangen ab ihr hungersnoht zu stillen Joh. Rist neuer himl. lieder sonderb. buch (1651) 220. II@1@bb) von menschen, wie nagen II 1 b: de brade was vorsneden all up de knaken (knochen) blot, desulve musten se gnagen (Lüneburg, anfang 16. jh.) städtechron. 36, 461, 25; nǖt z' bīssen und z' genagen han Staub-Tobler 4, 695, vgl. Wander sprichw. 3, 865 und teil 7, 271 unter nagen I 1. II@22) uneigentlich. s. auch oben benagen und genagen: also gnagt mich der böse wurm (die blindheit), als läg ich in eim vinstern turm Berner flieg. blatt v. j. 1564 bei Uhland volksl. (1844) 2, 900; den gnage die gwüssne, welcher die oberkait veracht (1561) bei Staub-Tobler 4, 696. mit persönlichem subjekt und persönlichem objekt wie nagen II 2 a: sus wolde got uf si zurnen, die mit valschen listen den heiligen baptisten (Johannes den täufer) uf der erden wolden gnagen passional 363, 15 Hahn; swer mit worten minnet, ... die lute hinderwart begnagen, deme sal man hie sin stat versagen passional 430, 27 Köpke; er wölle sinen hinderredern antwurten, so in mit hundszenden gnagend Salat (1537) bei Staub-Tobler 4, 696. IIIIII. reflexiv wie nagen III 1: angere sese animi sich selbs bekümmern, gnagen und frässen Frisius dict. (1556) 91a.
11784 Zeichen · 392 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gnāgenstv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    gnāgen , stv. ( Prät. Pl. gnö̑gen), swv. , nagen, benagen, den knōken g. —

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gnagenvb.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gnagen , vb. , nagen; s. auch genagen , knagen , nagen . verbreitung, herkunft und form. bis ins 16. jh. allgemein bezeu…

  3. modern
    Dialekt
    gnagenPart., refl.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    gnagen Präs. gnaagt, gnöggt; Part. gegnagen (a. Spr.), gnaagt, -ää- nagen: 'Ik weed ok dat yd gans oevel stadt De an ene…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gnagen

8 Bildungen · 2 Erstglied · 5 Zweitglied · 1 Ableitungen

gnagen‑ als Erstglied (2 von 2)

gnagenranft

DWB

gnagen·ranft

gnagenranft , m. , dasselbe wie nagenranft 2 ' geizhals, knicker, knauser ', teil 7, 274: ein karger filtz ... ... ist ein rechter gnagenran…

gnagen als Zweitglied (5 von 5)

begnagen

Lexer

beg·nagen

be-gnagen stv. I, 4. = begenagen benagen, verleumden Pass. K. 430,27.

tõgnāgen

MNWB

tog·nagen

tõgnāgen , stv. ( Part. Prät. -gnāgen ) : (von Würmern, von Tieren mit Zähnen:) zernagen, zerfressen, „ Vnde dat herte was er vt-ge-togen , …

ümmegnāgen

MNWB

uemme·gnagen

ümmegnāgen , swv. : rundum abnagen, „ ummegnaghen ambedere, abrodere” (Dief. 22), „Abrodere vmme gnagen ” (Nd. Mitt. 2, 47).

Ableitungen von gnagen (1 von 1)

begnagen

Lexer

be-gnagen stv. I, 4. = begenagen benagen, verleumden Pass. K. 430,27.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gnagen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gnagen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gnagen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gnagen/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gnagen". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gnagen/dwb.
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