geuder,
geudner,
m., nomen agentis zu geuden, geudnen (
s. d.).
das substantiv gehört zu den jüngeren ableitungen von diesem stamme; es erscheint erstmals im 14.
jahrhundert in glossen und beim Teichner,
vgl. Lexer
nachtrag 213.
der höhepunkt der entwicklung fällt in das 15.
und 16.
jahrhundert, wo es die ältere substantivbildung geudel (
s. d.)
verdrängt und wo es im sprichworte eingang findet. von da aus ist ihm litterarische erwähnung auch in der späteren zeit zu theil geworden, als es dem lebendigen gebrauche längst abgestorben war. entsprechend den bedeutungsschwankungen des verbums stehen sich auch für das substantiv die bedeutungen prahler
und verschwender
gegenüber. die erstere als die ältere wird wol auch dem familiennamen Geuder
zu grunde liegen, der schon in einer urkunde von 1280
erscheint (Albreht und Berhtold die Güder
zsch. gesch. Oberrheins 12, 52)
und später vielmals zu belegen ist. von diesem namen ausgehend darf man das vorleben des litterarisch erst im 14.
jahrhundert belegten wortes früher ansetzen. 11)
formen, aufzeichnung in den vocabularien und wörterbüchern u. s. w. 1@aa)
die form giuder
ist die seltenere, sie kommt mehr für die ältesten belege in betracht, schon in den vocabularien tritt geuder,
anfangs goüder
hervor. die nebenform geudner
gehört österreichischen quellen, ebenso auch dem schwäbischen Bebel
an. 1@bb) güder,
prodigus. Salmannsweiler glossen des 14.
jahrhunderts. vgl. Mone
anzeiger 4, 235, 86; geuder,
prodigus (
vgl.gufter).
vocabular von 1482 Lexer 1, 1026;
prodigus güder.
vocabular des Nic. Liebinger
v. 1466 Diefenbach
nov. gloss. 304
b; geuder, gufter
vocabular 4
linguarum (
Augsburg 1516); geuder mit schencken
largitor Maaler 178
a, geuder, verprasser,
prodigus, profusus, effusus, nepos, dissolutus Henisch 1589; geltgeuder
ebendort;
vgl. oben sp. 2912; geuder Schottel 333. Stieler 719; geuder,
verprasser, prodigus Frisius (1700) 112. Frisch 1, 346
b; geuder,
prodigue, debauché, goinfre Rondeau-Buxtorff 253;
fehlt bei Schwan. 22)
bedeutungsentwicklung. 2@aα) geuder =
prahler: um das er ein güder ist und wil von frömder rede und lere güden.
handschrift von 1447 Schöpf 188; klopf an mein aller libster knab pistu der für den ich dich hab getrew stet frum still und verswigen und warst kein geuder nie gezigen. Folz (
klopfan)
fastnachtspiele 1243
Keller; diese fabel ist wider die ungestümmen zanner, haderer und unnütze güder von den dingen, die schentlich sind. Steinhöwel
Aesop (41
a)
litterar. ver. 117, 131; under wölchen war ein raumsichtiger (
ruhmsüchtiger) und ein geudner, der da sagt, er wer in einem jahr mehr dann vierhundert nächt, dieselben auch vinster, durch weld und feld geritten. Bebel (1558) L 6
b (
die ausgabe von 1588
setzt dafür ein: ruhmsichtiger und ein lügner [
gloriosus et jactabundus]); damit du mich nicht für einen unwissenden narren und verthonen geuder haltest. Paracelsus
opera (
Straszburg 1606) 1, 922 A; dann wie der geuder wirt erkennt, wenn all sein sach nach wündschen gehnt also on massen trauwrig seyn ist kleinmühtiges hertzen schein. Kirchhof
wendunm. 48
b (1, 61
Österley): wie gabst du schöne wort' und schniedest weidlich auf, dein lügen grösser war, alsz dein geschwindster lauff. was hast du mir alda, du geider, nicht entwendet, bei dem vollbrätigkeit sich keinmal immer endet. Wencel Scherffer
ged. 552 (
Peniae der armutsgöttin hochzeitgesang); dem klamser (
winsler) mues mans nemen, dem gäuder (
prahler) mues mans geben.
Allgäuer sprichw. Schmeller 1
2, 873. 2@bβ)
für eine substantivbildung zu geuden,
fröhlich sein, spricht Simon Rot (1571),
der im deutschen dictionarius geuder
von gaudere
ableitet. 2@gγ) geuder =
prodigus: 2@g@11)) vier menschen komen von got in armuot: der vraz, der unkausch, der gauder und der krieger. Mone
anz. 7, 500; so leit die mässichait enmitten. hie ist der gouder, dort der karg; der gouder ist ein sölich man, der nichtz nit im behalten kan. der karg verpirgt es alles sampt und mag nicht geben aus der hand. Heinr. v. Wittenweiler
ring 30
c, 41; brutlof und gastung kostlich gehept, bringent costen und schaden an grosz eere; cost und zerung umb ritterschaft ist eerlich, umb hilff der fründen vernünftig, aber umb hilff der güdern und vertügern gantz verloren. Niclas v. Wyle
translationen 152, 28
Keller; welche für lustbarliche köstliche geneschige speisz, auch zu den spilen oder mummereien, dem weidwerck und andern dingen, die ein kurtze oder gantz kein gedechtnus hinter in verlassen, jr gelt und guot ubermäszig auszgiessen und verschwenden, dieselben heissen geüder. J. v. Schwartzenberg
Cicero (
de off. 2, 16 § 55) 1531
bl. 54
a; aber sie thun es nit, das kumpt etwan her, das der selb also ein guder ist und milt, gibt reilich usz, so er gern wolt widerkeren, so hat er es nit und hat es verthan. Pauli
schimpf und ernst 133
Oesterley; denen, so über sechzehen jar und unter fünfundzwainzig jarn, aber ire güeter zu verwalten nit geschickt, auch prechhaften sinnlosen leuten, verthuern und geudnern, stumenden und ungehörenden alten leuten und weibspersonen, die nit mann haben, denen allen sollen anweiser gegeben werden, die verpflicht sein zu handlen, wie von den gerhaben hie vor geschriben steet.
österreich. weisth. 5, 669 (
Thurn); geuder der verschwender
in der Tiroler landesordnung von 1603 Schmeller 1
2, 873; zum fall nun der also zu dem andernmal erinnerte verschwender sich noch nicht bessern noch des zugeordneten übersehers raths gebrauchen würde, soll derselbige und ein jeder mitnachbar, bei seinen pflichten schuldig sein, ein solches unsern verordneten obrigkeiten .. vorzubringen, die auf solchen fall .. pflichtig sein sollen, aller verloffenen handlung, zum ersten oder andernmal gethaner warnung und straff, und dasz noch, und darüber desselbigen geuders verthunischens wesens und böser hauszhaltung kein end sein wolle, beständiglich und unterschiedlich unsern landrichter zu verständigen, auch denselbigen geuder auf das nechst kommende landgericht .. schicken.
landgerichtsordnung des herzogthums Franken III 27 § 5 (1618); damit folgends, dasz solcher geuder in prodigum erkennet seie, männiglichen offenbar und kund gemacht werde.
ebendort § 6. 2@g@22))
nachhaltige wirkung erzielte ein sprichwort, das erstmals bei Hans Sachs
belegt erscheint: ein sparer musz ein zehrer haben. also geschach gleich disem kargen der spart sein gut eim andern argen, losen prasser, füller und schlemmer, ein spieler, buler und verdemmer, unornling geuder und verschwender, bisz er des geldes war ein ender. H. Sachs (
der karg und mild) 17, 405
Keller-Götze; es ist ein gemeines sprichwort, es musz allwegen ein sparer ein geuder haben. Pauli
schimpff und ernst c. 154.
aus Pauli
führt denselben spruch auch Lessing
in seinen beiträgen zu einem deutschen glossarium an, vgl. werke 11, 624.
auch aus Luzern wird noch von Wander 1, 1641
belegt: der güder musz e sparer het.
vgl. auch bei Seiler
Basler mundart 153: e huser mues e güder ha.
anders gewendet erscheint der spruch bei Simrock 522: der vater ein sparer, der sohn ein geuder. 2@g@33))
für die volkstümliche übertragung, die oben bei geudel
zu beobachten war, erscheinen ansätze auch bei unserer form: er (
der chirurgus) soll auch nicht sain ain geuder oder ain weinschlauch. Hieron. Braunschweig
chirurgia (
Augsburg 1539)
f.