schludern,
verb. (
vgl. schlaudern
sp. 511,
mhd. slûdern Lexer
mhd. handwb. 2, 990);
das verhältnis von slûdern
zu mhd. slûr,
träger zustand, träge person ist nicht klar, gewöhnlich denkt man slûr
als kontrahiert aus slûder;
doch vgl. auch schlaudern II
a. a. o. in der schriftsprache ist schludern
selten; von überhasteter, unsicherer bewegung: (
der wanderer soll) luogen daʒ er an dem anfang sines wegs .. nit eins mols uber einanter schluder, aber daʒ er gemechlich und sittlich gang. Keisersberg
christl. bilg. 154
b; Maaler 429
c hat das sein verschluderen .. uneerlich verthuon.
schlendern: lange leben heiszt viele überleben: so klingt das leidige ritornell unseres vaudevilleartig hinschludernden lebensganges. Göthe
an Zelter 530 (4, 278);
dagegen ist das wort in der sprache des gewöhnlichen lebens und in der volkssprache viel gebräuchlich, besonders in dem sinne von '
nachlässig sich bewegen, nachlässig und flüchtig arbeiten, nachlässig sein'
u. ä. (das ist geschludert,
nachlässig gearbeitet).
vgl. Schmid 465. Schm. 2, 507. Stalder 2, 331. Schöpf 618. Frischbier 2, 290
a;
eine waare unter dem preise verkaufen Albrecht 202
b. Dähnert 432
a. Danneil 196
b. Frischbier 2, 290
a.
von gang, bewegung, haltung: schlûdern,
nachlässig einhergehen Regel
Ruhlaer mundart 33;
umhergucken, spionieren Mi 81
a.
vielfach berührt sich das wort mit schluddern,
der md. und nd. nebenform zu schlottern,
sodasz bedeutungsübergang stattfindet, vgl. Frischbier 2, 290
a; sluddern,
nachlässig arbeiten Schütze 4, 114; sluedern,
schlottern, schlotterig gehen, schlendern Woeste 242
a; schluddern,
nachlässig gekleidet und müszig gehen Sallmann
mundart in Esthland 27
a;
dem nd. eigenthümlich ist sludern
im sinne von '
plaudern, schwatzen, klatschen' Richey 264.
brem. wb. 4, 843. Schütze 4, 122. Dähnert 432
a. Frommanns
zeitschrift 3, 552, 15 (
Lippstadt).
in gleicher bedeutung erscheint aber im hd. schlottern
in älterer sprache, s. oben schlottern 3,
b. ten Doornkaat Koolman
unterscheidet sluddern,
schleppend, träge, schlaff, nachlässig, unordentlich gehen, schlendern, schlottern; träge, nachlässig sein, etwas lässig betreiben, unordentlich wirtschaften (
also in gleichem sinne wie sonst schludern),
und sluderen, slûderen,
schlaff, matt hinsinken, in halbschlaf fallen 3, 210
a. 211
b (
zur letzten bedeutung vgl. schluder).
beim abwinden von garn, zwirn, bezeichnet nd. slûdern
verwirrung der fäden Danneil 196
b;
in ähnlicher beziehung, aber anders gewendet: Elisabeth. ihr habt aber auch gar zu loses garn auf eurer spule.
S. sollte man nicht schludern (
garn in verwirrung bringen)? Göthe 42, 292;
einige oberdeutsche besonderheiten können hier noch angeschlossen werden (
vgl. schlaudern
sp. 512): schludern, schlodern
neben schluttern, schlottern;
in Österreich besonders von unfestem, verfettetem fleische: dem schludert das fleisch vor lauter fett. Klein
prov.-wb. 2, 123,
vergl. Höfer 3, 97. Hügel 139
b,
ferner Schm. 2, 538;
daher schluderbauch,
wackelbauch, fettwanst. schweiz. unpersönlich, es schluderet,
schneit und regnet durch einander Hunziker 224 (
vgl. nd. dat wër fangd an to sluddern,
regnerisch, schmutzig zu werden. ten Doornkaat Koolman 3, 210
b);
diese bedeutung stellt sich der von schluder (
schlamm, morast)
zur seite, ebenso die folgenden bei Hunziker
a. a. o. bezeugten: in einer halbdicken flüssigkeit umrühren; übertragen: so sprechen als ob man brei im munde hätte. Stalder 2, 331
verzeichnet schludern, schlüdern,
unreinlich essen und trinken; verschlüdern,
verschütten, den tisch überschludern, überschlüdern,
überschütten, beschmutzen. wienerisch schludern,
viel, aber langsam und oft trinken. Hügel 139
b.