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tusch

mhd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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22 in 12 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tusch m.

Bd. 22, Sp. 1913
tusch, m. , fanfarenartiger, musikalischer festgrusz; rückbildung des 18. jhs. aus 3tuschen (2) 'dröhnend stoszen', wohl unter einwirkung des frz. touche 'anschlag auf einem instrument' aufgekommen; tusch ist zunächst ausschlieszlich auf südostdt. sprachgebiet nachweisbar (1759 bei Kagerer, s. u. 1 a, 1770 bei Mozart br. 1, 25 Sch. und wenig später bei Miller, s. u.; 1815 von Höfer als in Österreich übliches wort verzeichnet, österr. ma. 3, 247; Wedekind s lied 'der krambambulist', dessen schluszstrophe [s. u. 1 a] tusch in weite kreise trug, erschien 1745 in Halledie verlagsbezeichnung 'Danzig' ist fingiertnach einem mehrjährigen aufenthalt des verfassers in Altdorf bei Nürnberg und in Regensburg, wo er als Niedersachse das wort wohl kennengelernt hat, s. Deneke Koromandel- Wedekind [1922] 17-20, 28, 43 u. 80; s. auch Loritza Wien [1847] 37 s. v. duschen; Schranka Wien 175; Lexer kärnt. 79; Schöpf tirol. 777 f.; Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 48 u. Schmeller bair. 1, 628) und von dort in die dt. schriftsprache, vereinzelt auch in andere maa. gedrungen (s. Brendicke Berlin 185; Müller-Fraureuth obers. 2, 766; Rovenhagen Aachen 149; Meisinger Rappenau 218; bad. wb. 1, 616 u. Fischer schwäb. 2, 514). aus dem südostdt. wurde tusch ins ungarische (tus, s. Bározi magyar szófejtö szótár [1941] u. Lumtzer-Melich dt. ortsnamen u. lehnwörter d. ungar. sprachschatzes [1900] 258) und slavische entlehnt (obersorb. tuš, tschech. tuš, poln. tusz, russ. [] tuš, s. Bielfeldt d. dt. lehnw. i. obersorb. [1933] 279; die unursprünglichkeit und den lehnwortcharakter der slav. formen bestätigen auch Wick die slav. lehnwörter 60, diss. Marburg 1939, u. Vasmer in: zs. f. slav. phil. 19, 1 [1944] 451), sowie über die schriftsprache insn. u. schwed. (tusch, s. Falk-Torp 1300 u. Hellquist 31247). 11) fanfarenartiger, musikalischer festgrusz bzw. feierliches signal dieser art schlechthin. im allg. das 'hinausschmettern' einer tonika, als akkord oder sich steigernde tonfolge. 1@aa) von schmetternden trompetenstöszen bzw. dem ähnlichen schall anderer blasinstrumente (vgl.trompetentusch teil 11, 1, 2, sp. 844) und anschwellendem trommelod. paukenwirbel, insbesondere als feiernde musik zu einem hoch (vgl. 3tuschieren): hinter den hecken stunden vier bauren mit zwo posaunen und zwo zinken ... wenn eine hohe gesundheit ausgebracht wurde, so musten sie auf den wink der amtmännin dusch machen Miller Siegwart (21777) 340; ich ... vernahm im bette trommel, tusch und vivat (beim polterabend) (1834) Wilh. Grimm an Lachmann in: briefw. 2, 876 Leitzmann; in der ferne hört man einen tusch von kriegerischen instrumenten und das geschrei: 'hoch die Welfen' Immermann w. 17, 253 Hempel; bzw. zur begrüszung: sobald nun der fürst ist in d'kirchen eintreten, da habens glei an tusch g'macht mit pauken und trometen (1759) J. M. Kagerer (Salzburg!) in: hist. volksl. u. zeitged. 3, 17 Hartmann; mit schmetterndem tusch wurde das paar empfangen Laube ges. schr. (1875) 15, 172; unter einem ... weitschallenden tusch der trompeten und hörner (begrüszten) die ... studenten ... ihre universität W. Raabe s. w. I 4, 371 Klemm; umgeben von trommlern, pfeifern und anderen musikanten, giebt er mit einem ungeheuren tusch dem feinde auf den höhen gegenüber den ersten grusz Herman Grimm Michelangelo (1890) 2, 81; sowie als feierlicher schluszakkord: bei dem schluszworte 'gloria!' fallen pauken und trompeten mit einem tusche ein Brentano ges. schr. (1852) 7, 320; und endlich (tanzen) die läufer ihren besondern ehrentanz, der immer mit einem tusch schlieszt Böhme gesch. d. tanzes (1886) 192. oder auch als achtunggebietendes zeichen schlechthin: das horn erklingt, die zinke schallt; Mark' spricht, nachdem der tusch verhallt Immermann w. 13, 273 Hempel; der graf setzte ihm, nachdem er die waffen über die seite geschleudert, unter einem dreifachen tusch der trompeten, den fusz auf die brust H. v. Kleist w. 3, 411 E. Schmidt; hörst du schmettern schon den tusch? tritt ihn an — den reigen Pichler neue marksteine (1890) 107; mitunter tritt tusch als elliptischeran die kapelle gerichteterimperativ auf: tusch! vivat dem krambambuli! Wedekind der krambambulist (1745) bei Deneke Koromandel-Wedekind 80 (s. o.); da wird gedeckt! ein tusch für den, der das geordnet hat ... ... laszt blasen, dasz die hörner springen! Hebbel w. 4, 147 Werner; pauken und posaunen, allgemeiner tusch! W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 6; als feste wendung findet sich (einen, den) tusch blasen (s. auch unter 2 b u. vgl. die zusammenrückung tuschblasen): alle augenblicke wurde tusch geblasen Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 138; wir blasen tusch und rufen: 'es lebe der könig!' Heine s. w. 2, 437 Elster; die regimentsmusik blies einen schmetternden tusch Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 212. 1@bb) gelegentlich auch von anderen instrumentalklängen ähnlicher art: wozu Michaly einen tusch geigte Brentano ges. schr. (1852) 4, 261 (ebda 5, 209 auch von der orgel); vivat das hohe brautpaar, schrien sie jubelnd ... und der [] dudelsack schnurrte wieder einen tusch dazu Eichendorff s. w. (1864) 3, 421; das klingen der gläser und der zuruf der verschiedenen stimmen wurden noch übertönt durch einen stürmischen tusch, den ein junger virtuos auf dem flügel improvisirte P. Heyse ges. w., neue serie 3 (1892) 273 (im paradiese 1). 22) metaphorisch in verschiedener (an 1 a anschlieszender) einzelanwendung. 2@aa) bildlich: Schlegels triumphbogen hat in vielen gegenden den allervollständigsten erfolg gehabt, der sich denken läszt ... denn es ist doch wahrlich eine ehrenpforte, tusch und trompetenstosz des witzes (23. 1. 1801) Caroline Schlegel in: Caroline 2, 32 Waitz-Schmidt; in halbkonkreter anwendung: die hasen in der kiste trommelten einen tusch Holtei erz. schr. 11 (1862) 347 (s. auch 26 [1862] 224); mein vöglein ... schmettert mit tusch ein lebehoch (11. 7. 1853) Pückler briefw. u. tageb. 6 (1874) 186. 2@bb) übertragen; von feierlicher, schallender rede: tusch jeblasen kriegen vorwürfe bekommen Brendicke Berlin 185, vgl. etwa die redensart: eine standpauke gehalten kriegen. vereinzelt auch im sinne von 'leerer schall, nichts': da is mərə~ schönə' tusch übə' blibm bei Schmeller bair. 1, 628; des is weiter ka' tusch ... das ist ja nur eine kleinigkeit Hügel Wien 168; in Wien auch in der bedeutung 'überraschung' nachweisbar: des wr a tusch Jakob 198.
6455 Zeichen · 173 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    TÛSCH

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    TÛSCH s. ich TÛƷE .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    TuschDer

    Campe (1807–1813) · +6 Parallelbelege

    1. Der Tusch , s. Campe Tusche .

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Tusch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Tusch , das weder an Rhythmus noch Melodie gebundene, aber innerhalb ein und desselben Akkords vor sich gehende Durchein…

  4. modern
    Dialekt
    Tusch

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Tusch II [Tù NBreis. ; Ty Bf. ] m. 1. Farbenauftrag des Malers, Anstrich. I ch ha b in dëm Hus zwei T. ge gë ben . 2. …

  5. Sprichwörter
    Tusch

    Wander (Sprichwörter)

    Tusch 1. Des is ka Tusch. ( Wien. ) Es ist nur eine Kleinigkeit: »Des is weiter ka' tusch, wann' s zehn Guld'n g'wunnen …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tusch

124 Bildungen · 98 Erstglied · 17 Zweitglied · 9 Ableitungen

tusch‑ als Erstglied (30 von 98)

Tusch I

Idiotikon

Tusch I Band 13, Spalte 1952 Tusch I 13,1952

Tusch II

Idiotikon

Tusch II Band 13, Spalte 1952 Tusch II 13,1952

Tusch III

Idiotikon

Tusch III Band 13, Spalte 1961 Tusch III 13,1961

Tusch IV

Idiotikon

Tusch IV Band 13, Spalte 1961 Tusch IV 13,1961

Tuschfeder

SHW

Tusch-feder Band 1, Spalte 1913-1914

Tuschglas

SHW

Tusch-glas Band 1, Spalte 1913-1914

tûschære

BMZ

tusch·aere

tûschære , tiuschære stm. täuscher, betrüger. tiuschære livl. chron. 815. der hellewirt, der arge valsche tiuscher Mart. 108.

tuscharbeit

DWB

tusch·arbeit

tuscharbeit , f. , kompositum zu 1 tuschen. a a) die tätigkeit des ( tusch- ) malens; ( tusch- ) malerei: hierauf kan man zur tusch und pins…

tuschbad

DWB

tusch·bad

tuschbad , n. , vereinzelt in älterer sprache statt des jetzt üblichen dusche ( s. auch die belege bei Schulz dt. fremdwb. 1, 160 u. über di…

tuschbild

DWB

tusch·bild

tuschbild , n. , wie tuscharbeit (b): schwarze kupferstiche und tuschbilder entsprechen einem edleren ... geschmack als kolorirte kupfer Sch…

tuschblasen

DWB

tusch·blasen

tuschblasen , n. , substantivierte zusammenrückung der verbalen wendung tusch blasen ( s. unter 1 tusch): die musik fiel mit schmetterndem t…

tuschblau

DWB

tusch·blau

tuschblau , adj. , vereinzelt gebuchte adjektivkomposition: tuschblau le bleu de lavis Schaffer dt.-frz. 2, 3 (1838) 392; tuschblau ... blue…

tûschbrief

Lexer

tusch·brief

tûsch-brief stm. tauschbrief, -urkunde. tauschbrief Gr.w. 4,164 ( 1454 ). vgl. Weig. 2, 868.

Tuschchächeli

Idiotikon

Tuschchächeli Band 3, Spalte 119 Tuschchächeli 3,119 o.

Tuschdecke

RhWB

tusch·decke

Tusch-decke -dęk Köln-Rondrf f.: Balkendecke, etwa im Stall; zwischen den Balken sind strohlehmumwickelte Spalthölzer gestaucht.

tuschelei

DWB

tusche·lei

tuschelei , f. , nominalbildung zu tuscheln; gelegentlich statt des üblicheren getuschel: wenn es jemanden ... gab, der Hoppenmarieken in ih…

tuscheleⁿ I

Idiotikon

tuscheleⁿ I Band 13, Spalte 1953 tuscheleⁿ I 13,1953

tuscheleⁿ II

Idiotikon

tuscheleⁿ II Band 13, Spalte 1953 tuscheleⁿ II 13,1953

tuschelig

DWB

tuschelig , adj. , gelegenheitsbildung zu tuscheln, ' gedämpft redend, flüsternd ': beim anblick ... des kutschers im zylinder wurde die gan…

Tuschelkram

MeckWB

Wossidia Tuschelkram m. Geflüster Ro Rostock@Klockenhagen Klock .

Tuschelmutzen

PfWB

 Tuschel-mutzen m. : ' Bettjacke ', Dim. Duschlmitzche [ Don-Tscherwk ]. — Zum ersten Wortteil vgl. SHW Südhess. I 1911 tuscheln 2 b 'ins B…

tuscheln

DWB

tusch·eln

tuscheln , vb. , diminutiv- bzw. iterativbildung zu 2 tuschen ( s. dort u. vgl. sinnverwandtes zischeln), die seit dem 18. jh. als träger de…

Tuschelverein

RhWB

Tuschel-verein dutšəl- Simm-Laub m.: verächtl. ein wirtschaftl. V., in dem es nicht offen u. ehrlich zugeht, in dem die Vorstandsmitglieder …

tuschen

DWB

tus·chen

tuschen , vb. , mit tusche überarbeiten, ausgestalten, darstellen, aus frz. toucher '( streichend ) berühren, farbe auftragen ' entlehnt, da…

tuschen I

SHW

tuschen I Band 1, Spalte 1911-1912

tusch als Zweitglied (17 von 17)

Häwelkantusch

MeckWB

Wossidia Häwelkantusch -kapus' f. alberne Schwätzerin Sta Stargard@Grammertin Gramm ; Voigtsd.

Husorenkantusch

MeckWB

Wossidia Husorenkantusch f. Husarenjacke Derb. 2, 70.

Kartusch

ElsWB

kart·usch

Kartusch [Khàrty Ruf. Co. NBreis. ; Pl. –ə] f. 1. Patrone, Zündhütchen. 2. Pl. Schläge: du bekumm t K-e n ! Ruf. 3. Hundename, bes. für Sc…

Klappertusch

RhWB

klapper·tusch

Klapper-tusch -ū- Köln-Keldenich m.: Hirtentäschelkraut, capsella bursa pastoris. RA.: Kl. git Melch en den Emmer, dat et rusch (rauscht).

Plapperkantusch

MeckWB

Wossidia Plapperkantusch f. geschwätziges Frauenzimmer Ma Malchin@Remplin Rempl .

Rummelkatusch

MeckWB

Wossidia Rummelkatusch f. Schelte für Frauenzimmer; vgl. Kantusch 1 (Bd. 4, 98).

trompetentusch

DWB

trompeten·tusch

trompetentusch , m. , ein festliches signal mit trompeten: bei anbruch der dämmerung ladet ein trompetentusch zur festtafel ein Hoffmann v. …

Ustusch

ElsWB

ust·usch

Ustusch m. Austausch. Dë r U. is t für mi n Vorteil gsi n Wittenh.

Ableitungen von tusch (9 von 9)

Betuschen

Campe

Betuschen , v. trs. mit Tusche bestreichen. Das Betuschen. Die Betuschung.

Getusch

LothWB

Ge-tusch n. Bi. Krautstock. s. Tusch.

tusche

DWB

tusche , f. , tuschfarbe; postverbale bildung des 18. jhs. zu 1 tuschen, s. dort, sowie bei Dora Nichtenhauser rückbild. i. nhd., diss. Frei…

Vertusch

Idiotikon

Vertusch Band 13, Spalte 1952 Vertusch 13,1952

vertusche

BMZ

vertusche swv. verberge. dâ mit treib er in umbe von boume ze buschen, dâ muos er sich vertuschen Trist. 9032. dar inne mac sich iuwer her w…

vertuschen

DWB

vertuschen , v. , zu tuschen, farbe auftragen: mit farben tuschen, abtuschen ò vertuschen Kramer 2, 1164 b ; Campe ; die farben sind ... ine…

vertuschung

DWB

vertuschung , f. , seit dem 16. jahrh. gebucht und belegt: suppression, unterdruckung, vertuschung Roth dict. p 8 a ; vertüschung celement H…

zertuschen

Lexer

zer-tuschen swv. zerschlagen. des wâren im zetuschet vreislîchen alliu sîniu lit Ga. 3. 67, 893.