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tuschen

mhd. bis Dial. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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27 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tuschen vb.

Bd. 22, Sp. 1921
tuschen, vb. , mit tusche überarbeiten, ausgestalten, darstellen, aus frz. toucher '(streichend) berühren, farbe auftragen' entlehnt, das nach Meyer-Lübke 8767 von einem schallwort tok abgeleitet ist und auchvielleicht durch dt. vermittlungins slav. (tschech. tušovati, poln. tuszowac, russ. tuševatь) sowie ins ungar. (tusol) gedrungen ist. im dt. seit dem 16. jh. belegt, anfangs vereinzelt in frz. schreibung (getouscht [16. jh.] s. unter A; touschen Chr. Lehmann hist. schauplatz [1699] 754), gelegentlich auch mit anlautender lenis (geduscht Neumark palmbaum [1668] 202; duschen Sulzer allg. theorie d. schönen künste 1 [1771] 286) oder mit umlaut (getschet Dusch verm. w. [1754] 162). mundartlich nur vereinzelt gebucht: tuschen Mensing schlesw.-holst. 5, 185; vgl.: einem wat antuschen einem etw. auswischen Block Eilsdorf 99. — s. auch unter tuschung (1) sowie 2tuschieren. AA. terminus der zeichentechnik. im gegensatz zu sinnverwandtem malen (kolorieren) bezeichnet tuschen im allg. die einfarbige ausgestaltung (1) bzw. darstellung (2), so schon in den frühesten belegen: tuschen ... monochromatis pingere Schönsleder prompt. (1647) kkk 5a; tuschen oder einfärbig mahlen to dawb; to paint with one only colour Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; insbesondere wird tuschen für das (schattierende) auftragen einer dunklen farbe bzw. tinte (tusche) gebraucht: getuscht, mit schwarz getuscht, getouscht oder tuscht (16. jh.) bei J. Meder d. handzeichnung, ihre technik u. entwicklung (1923) 52 anm. 3; tuschen (wie die mahler, grau in grau) Weismann lex. (1698) 2, 383; tuschen ... mit schwarzer farbe ... schatten geben Frisch teutsch-lat. (1741) s. u. 1 a; gemeiniglich aber tuschet man mit bister (ruszschwarz) oder chinesischer tinte Jablonski allg. lex. d. künste u. wiss. 2 (1767) 1608; tuschen, mit tusche (schwarzer farbe) zeichnen Hübner zeitungslex. 4 (1828) 652; vgl. aus neuerer zeit: tuschen ... mit tusche malen ... to paint in Indian ink Hoyer-Kreuter technol. wb. 1 (1902) 784 u. in Meyers konv.-lex. 19 (1908) 841 s. v. tuschen: gewöhnlich werden tuscharbeiten einfarbig ausgeführt, meist schwarz mit chines. tusche, oft auch braun mit sepia, hin und wieder aber auch bunt (über das letzte vgl. A 1 b; sowie die entsprechenden belege unter B 1). A@11) (eine zeichnung) mit farbe überarbeiten. A@1@aa) 'einfarbig (schattierend) ausgestalten', (vgl.austuschen teil 1, sp. 1006, 2tuschieren, tuschmanier [a] u. zur sachgesch. J. Meder a. a. o. 51, 57 f.): getuschte zeichnung disegno toccato ... di chiar' oscuro Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b; tuschen ... mit schwarzer farbe und einem pensel schatten geben dem papier Frisch teutsch-lat. wb. (1741) 2, 395; zu dergleichen zeichnungen (kopien antiker statuen) möchte es wohl besser sein den contour bedächtlich, mit der feder zu ziehen und leicht zu tuschen Göthe I 47, 250 W. (vgl. ebda 48, 251: die braun getuschten federzeichnungen); eine zeichnung, einen risz tuschen laver un dessin (l'ombrer, le colorier avec de l'encre de la Chine ou qe autre couleur) Mozin wb. (1856) 4, 878 u. 2, 185; ähnlich auch in neuerer fachsprache, vgl. die moderne definition bei Brockhaus 19 (1934) 211. zuweilen absolut gebraucht: (wie sollte man sich den fleisz deuten,) mit welchem er (als geometer) jetzt halbe tage lang über sein reiszbrett gebeugt stand und zeichnete und tuschte? Spielhagen s. w. 1 (1872) 398. A@1@bb) vereinzelt auch 'bunt ausgestalten, farbig überarbeiten' (vgl.tuschkasten): so setzet man in zeichnungen mit der feder oder dem bleystifte die farben, welche den vorgestellten sachen am natrlichsten sind, mit dem pinsel hinein, und tuschet in rissen die ziegel und dachsteine mit einer dnnen rothen farbe, das wasser und den schiefer mit indigo, die bAeume und den rasen mit saftgrne Jablonski allg. lex. d. künste u. wiss. (1767) 1608; die bunten bilderbücher, so grell ausgemalt, stumpfen den farbensinn des kindes eher ab, als sie ihn heben. welche phantasie weckt ein unausgetuschter bilderbogen! der getuschte übersättigt Gutzkow ges. w. 1 (1879) 62; tuschen ... (kolorieren) to illuminate a drawing, etc. with water-colours Muret-Sanders 2, 2025; im vergleich: der morgen war so klar, dasz man auf der calabrischen küste die häuser zählen konnte und Sicilien vor uns auftauchte, wie eine sauber getuschte deutliche landkarte Franz Ziegler ges. nov. u. br. 3 (1872) 192. A@22) etwas mit (tusch-) farbe darstellen, malen, vgl. vortuschen teil 12, 2, sp. 1802: darum bekümmere ich mich nicht, ob er (der gezeichnete gegenstand) weiszlich ist, oder grau, oder gelb. was getuscht ist, ist alles weiszlich und schwärzlich J. E. Schlegel w. 2 (1773) 56, ebda 53 auch: getuscht ist ... mit tusche gezeichnet; wie morgenduft die flur entfalbe, das tusch' ich hin mit sauberm fleisz Aug. Wilh. Schlegel in: Athenäum (1798) 3, 161; die getuschten zwillinge und thiere Jean Paul I, 7, 275 Berend; eben noch in sonne glimmend (die wände der schwäbischen Alb) ... sieht man schwarz empor sie steigen wie die blaue nacht am tag! blau, wie nur ein traum es zeigen, doch kein maler tuschen mag Mörike w. 1, 206 Maync; gelegentlich auch 'durch farbige schrift ausdrücken, schreiben': handschuhe, worauf ein sehr einfältiges gedicht getuscht war Jean Paul w. 7/10, 298 Hempel; über nacht war (an der mauer des gotteshauses) mit rotem mennig ein spruch in mannsgroszen buchstaben getuscht worden qu. v. j. 1937. vereinzelt mit effiziertem objekt, '(ein bild) mit tusche malen, in schwarz-weisz-technik herstellen': ein getuschtes gemählde Adelung 4 (1780) 1107; sie (die farbenblinden) sehn demnach nur die gradationen des hellen und dunkeln, folglich stellt ihnen die welt sich dar wie ein getuschtes bild Schopenhauer w. 6, 80 Grisebach. BB. metaphorisch in verschiedeneran A 1 bzw. 2 anschlieszendereinzelanwendung: B@11) 'farbe verleihen, färben' schlechthin (zu A 1): die lichte ... haut war mit rOethlichem glanze getschet Dusch verm. w. (1754) 162; dann trat ein herr hervor, welcher ... sich durch einen rothen fez mit blauem quast glänzend und vorteilhaft von der in grau und schwarz getuschten umgebung (der fabrik) abhob W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 14; vom farbverleihenden wirken der schönheit: schOenheit taucht' in das morgenroth ihren lilienfinger, deine wangen tuschte sie mit jener rOethe, die des himmels rosen berstrahlt Schubart s. ged. (1825) 2, 194 (vgl. ebda 311: wenn herzblut seine wange tuschte); ähnlich: wer tuschte so mit kunst und fleisz der holden wange roth und weisz? Bürger s. w. 37b Bohtz B@22) (sich) als schatten abzeichnen, dunkel gestaltet darstellen (zu A 2): (es war) so frühe, dasz er im abspiegelnden betthimmel ... alles nur dunkel und getuscht sehen konnte Jean Paul w. 3, 128 Hempel; die sonne sank: die gruppe tuscht ihr bild auf Tellus rücken Pfeffel poet. vers. (1802) 6, 204; an deren (der zelle) hinterwand die grosze linde des schloszhofes ein schattengeflecht ihrer entlaubten aeste und zweige tuschte Ida Hahn-Hahn zwei schwestern (1863) 1, 116. B@33) 'in worten schildern' (zu A 2): lasz sie (die frühere hofmeisterin) vom pfad des glücks dir eine skizze tuschen Gotter schausp. (1795) 103.
7252 Zeichen · 172 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    tûschenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    tûschen stn. sô wirt iu des tûskens buoʒ. sô ir gesehet vil gereite die unverborgen wârheite Mar. 176.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    tuschenAdv.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    tuschen , Adv. Vw.: s. twischen L.: Lü 420b (tuschen)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Túschen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    1. Túschen , verb. regul. act. mit Tusche zeichnen oder mahlen. Ein getuschtes Gemählde. Ingleichen in weiterer Bedeutun…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    tuschen

    Goethe-Wörterbuch

    tuschen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Tuschen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Tuschen , ein karthwelischer Stamm, lebt am Süd- und Nordabhang des zentralen Kaukasus in schwer zugänglichen Schluchten…

  6. modern
    Dialekt
    tuschen

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    tusche n [tyə fast allg. ] tauschen. Rda. Ich möcht nit mit i h m t. nicht an seiner Stelle, in seiner Lage sein Obbron…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tuschen

18 Bildungen · 5 Erstglied · 10 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von tuschen

tus + -chen

tuschen leitet sich vom Lemma tus ab mit Suffix -chen.

tuschen‑ als Erstglied (5 von 5)

tuschen I

SHW

tuschen I Band 1, Spalte 1911-1912

tuschen II

SHW

tuschen II Band 1, Spalte 1911-1912

tuschen II

RhWB

tuschen II -ū- = rauschen, sausen s. dauschen;

tuschen III

RhWB

tuschen III -u-, –y- = tuscheln (s. d.).

tuschen IV

RhWB

tuschen IV tuš- zu frz. toucher Eup-Stdt schw.: einen, etwas t., leise berühren, antippen.

tuschen als Zweitglied (10 von 10)

Ábtúschen

Adelung

Ábtúschen , verb. reg. act. 1. Mit Tusche nachbilden. Eine Zeichnung abtuschen. 2. † Wacker abprügeln, in der niedrigen Sprechart, von tusch…

aftûschen

MNWB

* aftûschen , -tü̑schen , swv. , betrügerisch abnehmen.

austuschen

DWB

aus·tuschen

austuschen , pingere atramento sinensi: radierte umrisse, sauber und kräftig ausgetuscht.

untertuschen

DWB

unter·tuschen

untertuschen , untrennbares v. ; zu tuschen, vertuschen ( s. diese ) ; nach 1 unter III A 1 b δ : lasset uns gute brüder seyn und einander u…

vertuschen

DWB

ver·tuschen

vertuschen , v. , zu tuschen, farbe auftragen: mit farben tuschen, abtuschen ò vertuschen Kramer 2, 1164 b ; Campe ; die farben sind ... ine…

vortuschen

DWB

vor·tuschen

vortuschen , verb. : einem eine landschaft vortuschen, farbig vormalen Campe.

zertuschen

Lexer

zer·tuschen

zer-tuschen swv. zerschlagen. des wâren im zetuschet vreislîchen alliu sîniu lit Ga. 3. 67, 893.

Ableitungen von tuschen (3 von 3)

Betuschen

Campe

Betuschen , v. trs. mit Tusche bestreichen. Das Betuschen. Die Betuschung.

vertuschen

DWB

vertuschen , v. , zu tuschen, farbe auftragen: mit farben tuschen, abtuschen ò vertuschen Kramer 2, 1164 b ; Campe ; die farben sind ... ine…

zertuschen

Lexer

zer-tuschen swv. zerschlagen. des wâren im zetuschet vreislîchen alliu sîniu lit Ga. 3. 67, 893.