tuschen,
vb. ,
mit tusche
überarbeiten, ausgestalten, darstellen, aus frz. toucher '(
streichend)
berühren, farbe auftragen'
entlehnt, das nach Meyer-Lübke 8767
von einem schallwort tok
abgeleitet ist und auch —
vielleicht durch dt. vermittlung —
ins slav. (
tschech. tušovati,
poln. tuszowac,
russ. tuševatь)
sowie ins ungar. (tusol)
gedrungen ist. im dt. seit dem 16.
jh. belegt, anfangs vereinzelt in frz. schreibung (getouscht [16.
jh.]
s. unter A; touschen Chr. Lehmann
hist. schauplatz [1699] 754),
gelegentlich auch mit anlautender lenis (geduscht Neumark
palmbaum [1668] 202; duschen Sulzer
allg. theorie d. schönen künste 1 [1771] 286)
oder mit umlaut (getschet Dusch
verm. w. [1754] 162).
mundartlich nur vereinzelt gebucht: tuschen Mensing
schlesw.-holst. 5, 185;
vgl.: einem wat antuschen
einem etw. auswischen Block
Eilsdorf 99. —
s. auch unter tuschung (1)
sowie 2tuschieren. AA.
terminus der zeichentechnik. im gegensatz zu sinnverwandtem malen (
kolorieren)
bezeichnet tuschen
im allg. die einfarbige ausgestaltung (1)
bzw. darstellung (2),
so schon in den frühesten belegen: tuschen ...
monochromatis pingere Schönsleder
prompt. (1647) kkk 5
a; tuschen oder einfärbig mahlen
to dawb; to paint with one only colour Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2042;
insbesondere wird tuschen
für das (
schattierende)
auftragen einer dunklen farbe bzw. tinte (tusche)
gebraucht: getuscht, mit schwarz getuscht, getouscht oder tuscht (16.
jh.)
bei J. Meder
d. handzeichnung, ihre technik u. entwicklung (1923) 52
anm. 3; tuschen (wie die mahler, grau in grau) Weismann
lex. (1698) 2, 383; tuschen ... mit schwarzer farbe ... schatten geben Frisch
teutsch-lat. (1741)
s. u. 1 a; gemeiniglich aber tuschet man mit bister (
ruszschwarz) oder chinesischer tinte Jablonski
allg. lex. d. künste u. wiss. 2 (1767) 1608; tuschen, mit tusche (
schwarzer farbe) zeichnen Hübner
zeitungslex. 4 (1828) 652;
vgl. aus neuerer zeit: tuschen ... mit tusche malen ...
to paint in Indian ink Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1 (1902) 784
u. in Meyers konv.-lex. 19 (1908) 841
s. v. tuschen: gewöhnlich werden tuscharbeiten einfarbig ausgeführt, meist schwarz mit chines. tusche, oft auch braun mit sepia, hin und wieder aber auch bunt (
über das letzte vgl. A 1 b;
sowie die entsprechenden belege unter B 1). A@11) (
eine zeichnung)
mit farbe überarbeiten. A@1@aa) '
einfarbig (
schattierend)
ausgestalten', (
vgl.austuschen teil 1,
sp. 1006,
2tuschieren, tuschmanier [a]
u. zur sachgesch. J. Meder
a. a. o. 51, 57
f.): getuschte zeichnung
disegno toccato ... di chiar' oscuro Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1164
b; tuschen ...
mit schwarzer farbe und einem pensel schatten geben dem papier Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 2, 395; zu dergleichen zeichnungen (
kopien antiker statuen) möchte es wohl besser sein den contour bedächtlich, mit der feder zu ziehen und leicht zu tuschen Göthe I 47, 250
W. (
vgl. ebda 48, 251: die braun getuschten federzeichnungen); eine zeichnung, einen risz tuschen
laver un dessin (
l'ombrer, le colorier avec de l'encre de la Chine ou qe autre couleur) Mozin
wb. (1856) 4, 878
u. 2, 185;
ähnlich auch in neuerer fachsprache, vgl. die moderne definition bei Brockhaus 19 (1934) 211.
zuweilen absolut gebraucht: (
wie sollte man sich den fleisz deuten,) mit welchem er (
als geometer) jetzt halbe tage lang über sein reiszbrett gebeugt stand und zeichnete und tuschte? Spielhagen
s. w. 1 (1872) 398. A@1@bb)
vereinzelt auch '
bunt ausgestalten, farbig überarbeiten' (
vgl.tuschkasten): so setzet man in zeichnungen mit der feder oder dem bleystifte die farben, welche den vorgestellten sachen am natrlichsten sind, mit dem pinsel hinein, und tuschet in rissen die ziegel und dachsteine mit einer dnnen rothen farbe, das wasser und den schiefer mit indigo, die bAeume und den rasen mit saftgrne Jablonski
allg. lex. d. künste u. wiss. (1767) 1608; die bunten bilderbücher, so grell ausgemalt, stumpfen den farbensinn des kindes eher ab, als sie ihn heben. welche phantasie weckt ein unausgetuschter bilderbogen! der getuschte übersättigt Gutzkow
ges. w. 1 (1879) 62; tuschen ... (
kolorieren)
to illuminate a drawing, etc. with water-colours Muret-Sanders 2, 2025;
im vergleich: der morgen war so klar, dasz man auf der calabrischen küste die häuser zählen konnte und Sicilien vor uns auftauchte, wie eine sauber getuschte deutliche landkarte Franz Ziegler
ges. nov. u. br. 3 (1872) 192. A@22)
etwas mit (
tusch-)
farbe darstellen, malen, vgl. vortuschen teil 12, 2,
sp. 1802: darum bekümmere ich mich nicht, ob er (
der gezeichnete gegenstand) weiszlich ist, oder grau, oder gelb. was getuscht ist, ist alles weiszlich und schwärzlich J. E. Schlegel
w. 2 (1773) 56,
ebda 53
auch: getuscht ist ... mit tusche gezeichnet; wie morgenduft die flur entfalbe, das tusch' ich hin mit sauberm fleisz Aug. Wilh. Schlegel
in: Athenäum (1798) 3, 161; die getuschten zwillinge und thiere Jean Paul I, 7, 275
Berend; eben noch in sonne glimmend (
die wände der schwäbischen Alb) ... sieht man schwarz empor sie steigen wie die blaue nacht am tag! blau, wie nur ein traum es zeigen, doch kein maler tuschen mag Mörike
w. 1, 206
Maync; gelegentlich auch '
durch farbige schrift ausdrücken, schreiben': handschuhe, worauf ein sehr einfältiges gedicht getuscht war Jean Paul
w. 7/10, 298
Hempel; über nacht war (
an der mauer des gotteshauses) mit rotem mennig ein spruch in mannsgroszen buchstaben getuscht worden
qu. v. j. 1937.
vereinzelt mit effiziertem objekt, '(
ein bild)
mit tusche
malen, in schwarz-weisz-technik herstellen': ein getuschtes gemählde Adelung 4 (1780) 1107; sie (
die farbenblinden) sehn demnach nur die gradationen des hellen und dunkeln, folglich stellt ihnen die welt sich dar wie ein getuschtes bild Schopenhauer
w. 6, 80
Grisebach. BB.
metaphorisch in verschiedener —
an A 1
bzw. 2
anschlieszender —
einzelanwendung: B@11) '
farbe verleihen, färben'
schlechthin (
zu A 1): die lichte ... haut war mit rOethlichem glanze getschet Dusch
verm. w. (1754) 162; dann trat ein herr hervor, welcher ... sich durch einen rothen fez mit blauem quast glänzend und vorteilhaft von der in grau und schwarz getuschten umgebung (
der fabrik) abhob W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 14;
vom farbverleihenden wirken der schönheit: schOenheit taucht' in das morgenroth ihren lilienfinger, deine wangen tuschte sie mit jener rOethe, die des himmels rosen berstrahlt Schubart
s. ged. (1825) 2, 194 (
vgl. ebda 311: wenn herzblut seine wange tuschte);
ähnlich: wer tuschte so mit kunst und fleisz der holden wange roth und weisz? Bürger
s. w. 37
b Bohtz B@22) (
sich)
als schatten abzeichnen, dunkel gestaltet darstellen (
zu A 2): (
es war) so frühe, dasz er im abspiegelnden betthimmel ... alles nur dunkel und getuscht sehen konnte Jean Paul
w. 3, 128
Hempel; die sonne sank: die gruppe tuscht ihr bild auf Tellus rücken Pfeffel
poet. vers. (1802) 6, 204; an deren (
der zelle) hinterwand die grosze linde des schloszhofes ein schattengeflecht ihrer entlaubten aeste und zweige tuschte Ida Hahn-Hahn
zwei schwestern (1863) 1, 116. B@33) '
in worten schildern' (
zu A 2): lasz sie (
die frühere hofmeisterin) vom pfad des glücks dir eine skizze tuschen Gotter
schausp. (1795) 103.