tuscheln,
vb. ,
diminutiv- bzw. iterativbildung zu 2tuschen (
s. dort u. vgl. sinnverwandtes zischeln),
die seit dem 18.
jh. als träger der besonderen bedeutung '
mit gedämpfter stimme sprechen, flüstern'
nachweisbar ist, während die komposition vertuscheln
nicht bedeutungsmäszig vom grundwort differenziert erscheint, s. teil 12, 1, 2,
sp. 2016
s. v. vertuschen.
mundartlich weit verbreitet: t
(ü
)scheln Mensing
schlesw.-holst. 5, 185; tüscheln Mi
mecklenb.-vorpomm. 95; dyšəln Hofmann
niederhess. 243; tuscheln Sprenger
Quedlinburg in: jb. d. ver. f. nd. sprachforschg. 30 (1904) 28; Frischbier
pr. 2, 416; Teuchert
neumärk. 243; Jecht
Mansf. 115; Block
Eilsdorf 99; Flemes
Kalenberg 371; Jungandreas
schl. zeitwortb. 75
f.; Liesenberg
Stieger ma. 92; Schmidt
Westerwald 273; duscheln Hertel
Thür. 87; tuschele Hönig
Köln 183; Rovenhagen
Aachen 149; tuschelen Leithäuser
Barmen 161; tuscheln
Elberfelder ma. 166; tušle
bad. wb. 1, 616; Meisinger
Rappenau 218; tutschele (
mit palatalisierung des š
zu tš)
Coblenzer ma. 55; tûtscheln Kramer
Bistritz 136; tuscheln, tusteln Unger-Khull
steir. 185; tuscheln Schranka
Wien 175;
unter einflusz sinnverwandter bildungen auf -er(e)n (
vgl. etwa wispern)
gelegentlich auch: tusteren Bauer-Collitz
waldeck. 106; tustern Woeste
westfäl. 276; Frederking
Hahlen b. Minden 147; Flemes
Kalenberg, nachtr. 108; Fromme
Hohenbostel 86
Alpers; Schambach
Göttingen 237; Liesenberg
Stieger ma. 106; tuistern Deiter
Hastenbeck, nachtr. 65; tüstern (2)
bad. wb. 1, 618; tuschdere Schön
Saarbrücken 214; duschtren Follmann
lothr. 115.
über die varianten mit st
bzw. tsch
neben sch
s. auch unter vertuschen
teil 12, 1, 2,
sp. 2016. 11)
mit gedämpfter stimme zu jem. sprechen, leise auf ihn einreden, dafür auch zutuscheln,
s. dort; in verschiedener anwendung, wobei die vorstellung der verschwiegenen oder geheimnistuerischen mitteilung, aber auch des beschwichtigenden einredens vorherrschen kann. 1@aa) (
etwas)
flüsternd sagen: diese fragen wurden etliche stunden später in ganz Glaublingen herum erst 'getuschelt' und 'geflismet', dann etwas lauter getan und beantwortet Joh. Scherr
novellenbuch 6 (1874) 74 (
Gottlieb Rapser); 'ich glaube' tuschelte sie geheimnistuerisch 'es handelte sich um die frage, ob herr Gitzler ihn kommenden sonntag zum kasino mitnehmen möchte' E. Langgässer
unauslöschl. siegel (1946) 84; und mit gesenkter stimme tuschelt sie: ... dort findet ihr holz Werfel
lied v. Bernadette (1948) 45; (
der amtmann) sagte leise zu seinem vater etwas ... als er gehört hatte, was sein sohn tuschelte, sagte er: '... red er doch laut!' C. Viebig
d. vor d. toren (1949) 43;
auch: ein gerede tuschelte, Kortüm lebe Kluge
Kortüm (1938) 729.
gelegentlich auch ohne ausdrückliches objekt; dann imperfektiv '
mit gedämpfter stimme reden': die braune ... hOerte ich hinter mir lachen und offenbar boshaft tuscheln Stehr
drei nächte (
21909) 241; die Jehnisch tuschelte und gestikulierte Kahlenberg
familie Barchwitz (1902) 38. 1@bb)
plastischer '
jem. etw. ins ohr flüstern, zuraunen': thu' ich recht, wenn ich ihm in's ohr tuschle: gnädiger herr, ihnen (
anrede) gilt's ja nicht Holtei
erz. schr. 23 (1861) 242; tuschelt dir die frömmigkeit der commerzienräthin eines tages ins ohr: ... kommen sie (
anrede), wir ... beten in den sack hinein! Gutzkow
zauberer v. Rom 3 (1858) 249; (
Johanns frau) wollte ihrer schwägerin Lene etwas ins ohr tuscheln; doch diese verstand sie nicht C. Viebig
d. vor d. toren (1949) 163;
in poetischer einzelanwendung auch ohne ausdrückliches objekt: allerliebste geister, die im flüsternden riedgras wohnen ... wenn sie mir ins ohr tuscheln, habe ich die empfindung eines überaus angenehmen kitzels Timm Kröger
eine stille welt (1936) 75.
gelegentlich in der (
bereits zu 2
überleitenden)
wendung sich etwas ins (in die) ohr(en) tuscheln '
einander etwas zuraunen': oft sahen ihm die leute nach und tuschelten sich in die ohren: das ist er!
qu. v. j. 1926;
bildlich: un baben steken s' (
die tannen) de köpp tosam un tuscheln sik wat in't ur Fr.
u. K. Eggers
tremsen (1875) 36. 1@cc)
vereinzelt auch '
mit leiser stimme jem. beschwichtigend zureden' (
vgl. 2tuschen 1 a): sie (
eine junge frau) nahm es (
ihr kindchen) fester in ihr tuch, fing an zu tuscheln und zu wiegen Schäfer
erz. schr. (1918) 1, 389; (
die mutter) bringt die wiege leise tuschelnd in gang, weil das knäbchen schon wieder weinen will
ebda 4, 157. 22)
mit jem. heimlich reden, leise miteinander sprechen. 2@aa) '
sich flüsternd unterhalten, zischeln, wispern'
schlechthin: tuscheln ...
heimlich reden, flistern, chuchoter Schrader
dt.-frz. 2 (1784) 1394;
häufig in der präpositionalen wendung mit jem. tuscheln: aber Hart, was haben sie (
anrede) denn ewig mit Gustav zu zischeln und zu tuscheln? Holtei
erz. schr. 5 (1861) 45; da kam der lange blasse kerl, der schon immer auf sie gemustert und dabei mit einem andern getuschelt hatte, und wollte extra mit ihr tanzen Storm
s. w. (1919) 2, 205
Köster; er (
Verdi) ... sieht zwei bäuerinnen, die miteinander tuscheln; all ihre flüsterworte klingen ähnlich wie: Fischböck Werfel
Verdi (1930) 538.
aber auch sonst in verschiedener fügung: die jungen damen zischelten, tuschelten unter einander Holtei
erz. schr. 28 (1862) 43; die beiden tuschelten zusammen v.
d. Steinen
naturvölker Zentral-Brasiliens (1894) 77;
mit effiziertem bzw. präpositionalem objekt: die frauen tuschelten und lispelten dann gewöhnlich so ihre eigenen gespräche W. Harnisch
Kaskorbi (1817) 1, 2; und englein huschen am gartenzaun krausköpfig flügelgesindel, und tuscheln leise im abendgraun von christkinds krippe und windel L. v. Strausz u. Torney
erde d. väter (1936) 57;
oft auch absolut gebraucht: des pfarrers feinde ... tuschelten und verschworen sich
qu. v. j. 1923; hin und wieder zeigte jemand vorsichtig mit dem finger hinauf zu ihm (
Kortüms gemälde). das tuscheln (
der besucher) wurde noch leiser Kluge
Kortüm (1938) 294; wenn sie (
die jungen mädchen um die jahrhundertwende) miteinander allein waren, kicherten und tuschelten und lachten sie unablässig wie leicht betrunkene Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 100;
prädikativ: dann wurde das gespräch leise, so tuschelnd, dasz er nichts mehr verstand Viebig
d. schlafende heer (1904) 2, 450. 2@bb)
häufig mit dem pejorativen beisinn '
über jem. (
bzw. etwas)
heimlich reden',
der sich gelegentlich zu der bedeutung '
verstohlen (
hinter dem rücken eines andern)
klatschen'
verstärkt: wenn ich auch jetzt erröthe, indem ich der fragen gedenke, die mich in Hamburg erwarten, des zischelns und tüschelns und lächelns Hebbel
w. 8, 340
Werner; dann würd' dat en flustern un en tuscheln un en anstöten Fritz Reuter
olle camellen (1860) 29; die tuschelnden und schwatzenden hatten ein schlechtes gewissen, wie sie diese gerüchte weiter trugen Beyerlein
Jena oder Sedan? (1904) 114; den (
Brinkmeier) kümmerte es nicht, ob sie hinter ihm tuschelten und gesichter machten L. v. Strausz u. Torney
d. hof am Brink (1935) 46; wie wird die gesellschaft sich erst ... moquieren, die hälse recken, tuscheln und äugen? Th. Mann
Lotte i. Weimar (1946) 416; die verwandtschaft sah zu (
als Kortüm Konstanze Schröter zu tisch führte). man tuschelte Kluge
Kortüm (1938) 293.
mit dichterischer personifikation auch: mit der pfarrmagd, die aus der hintertür zur krämersfrau in den krug rannte, lief ein neues tuschelndes gerücht das ganze dorf hinunter L. v. Strausz u. Torney
auge um auge (1933) 61.
nur vereinzelt transitiviert: gegen die sensationspresse, die mit unsauberem behagen allerlei gerüchte über den ehezwist ... zusammentrug und sorgfältig buchte, was bedienstete tuschelten und klatschbasen einander zuraunten, wendet sich offensichtlich folgende auslassung ...
tägl. rundschau (1901) 541; jetzt gibt's nun allerlei neues zu sehen ... und zu tuscheln und zu wispern
qu. v. j. 1917;
dafür tritt z. t. die komposition betuscheln
ein: sie (
Lauro und Annunziata Pascarella), die sonst immer vielerlei zu betuscheln hatten, schwiegen heute (
am grabe der mutter) hartnäckig Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 199.