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tuscheln

nhd. bis spez. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 7 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

tuscheln vb.

Bd. 22, Sp. 1919
tuscheln, vb. , diminutiv- bzw. iterativbildung zu 2tuschen (s. dort u. vgl. sinnverwandtes zischeln), die seit dem 18. jh. als träger der besonderen bedeutung 'mit gedämpfter stimme sprechen, flüstern' nachweisbar ist, während die komposition vertuscheln nicht bedeutungsmäszig vom grundwort differenziert erscheint, s. teil 12, 1, 2, sp. 2016 s. v. vertuschen. mundartlich weit verbreitet: t(ü)scheln Mensing schlesw.-holst. 5, 185; tüscheln Mi mecklenb.-vorpomm. 95; dyšəln Hofmann niederhess. 243; tuscheln Sprenger Quedlinburg in: jb. d. ver. f. nd. sprachforschg. 30 (1904) 28; Frischbier pr. 2, 416; Teuchert neumärk. 243; Jecht Mansf. 115; Block Eilsdorf 99; Flemes Kalenberg 371; Jungandreas schl. zeitwortb. 75 f.; Liesenberg Stieger ma. 92; Schmidt Westerwald 273; duscheln Hertel Thür. 87; tuschele Hönig Köln 183; Rovenhagen Aachen 149; tuschelen Leithäuser Barmen 161; tuscheln Elberfelder ma. 166; tušle bad. wb. 1, 616; Meisinger Rappenau 218; tutschele (mit palatalisierung des š zu tš) Coblenzer ma. 55; tûtscheln Kramer Bistritz 136; tuscheln, tusteln Unger-Khull steir. 185; tuscheln Schranka Wien 175; unter einflusz sinnverwandter bildungen auf -er(e)n (vgl. etwa wispern) gelegentlich auch: tusteren Bauer-Collitz waldeck. 106; tustern Woeste westfäl. 276; Frederking Hahlen b. Minden 147; Flemes Kalenberg, nachtr. 108; Fromme Hohenbostel 86 Alpers; Schambach Göttingen 237; Liesenberg Stieger ma. 106; tuistern Deiter Hastenbeck, nachtr. 65; tüstern (2) bad. wb. 1, 618; tuschdere Schön Saarbrücken 214; duschtren Follmann lothr. 115. über die varianten mit st bzw. tsch neben sch s. auch unter vertuschen teil 12, 1, 2, sp. 2016. 11) mit gedämpfter stimme zu jem. sprechen, leise auf ihn einreden, dafür auch zutuscheln, s. dort; in verschiedener anwendung, wobei die vorstellung der verschwiegenen oder geheimnistuerischen mitteilung, aber auch des beschwichtigenden einredens vorherrschen kann. 1@aa) (etwas) flüsternd sagen: diese fragen wurden etliche stunden später in ganz Glaublingen herum erst 'getuschelt' und 'geflismet', dann etwas lauter getan und beantwortet Joh. Scherr novellenbuch 6 (1874) 74 (Gottlieb Rapser); 'ich glaube' tuschelte sie geheimnistuerisch 'es handelte sich um die frage, ob herr Gitzler ihn kommenden sonntag zum kasino mitnehmen möchte' E. Langgässer unauslöschl. siegel (1946) 84; und mit gesenkter stimme tuschelt sie: ... dort findet ihr holz Werfel lied v. Bernadette (1948) 45; (der amtmann) sagte leise zu seinem vater etwas ... als er gehört hatte, was sein sohn tuschelte, sagte er: '... red er doch laut!' C. Viebig d. vor d. toren (1949) 43; auch: ein gerede tuschelte, Kortüm lebe Kluge Kortüm (1938) 729. gelegentlich auch ohne ausdrückliches objekt; dann imperfektiv 'mit gedämpfter stimme reden': die braune ... hOerte ich hinter mir lachen und offenbar boshaft tuscheln Stehr drei nächte (21909) 241; die Jehnisch tuschelte und gestikulierte Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 38. 1@bb) plastischer 'jem. etw. ins ohr flüstern, zuraunen': thu' ich recht, wenn ich ihm in's ohr tuschle: gnädiger herr, ihnen (anrede) gilt's ja nicht Holtei erz. schr. 23 (1861) 242; tuschelt dir die frömmigkeit der commerzienräthin eines tages ins ohr: ... kommen sie (anrede), wir ... beten in den sack hinein! Gutzkow zauberer v. Rom 3 (1858) 249; (Johanns frau) wollte ihrer schwägerin Lene etwas ins ohr tuscheln; doch diese verstand sie nicht C. Viebig d. vor d. toren (1949) 163; in poetischer einzelanwendung auch ohne ausdrückliches objekt: allerliebste geister, die im flüsternden riedgras wohnen ... wenn sie mir ins ohr tuscheln, habe ich die empfindung eines überaus angenehmen kitzels Timm Kröger eine stille welt (1936) 75. gelegentlich in der (bereits zu 2 überleitenden) wendung sich etwas ins (in die) ohr(en) tuscheln 'einander etwas zuraunen': oft sahen ihm die leute nach und tuschelten sich in die ohren: das ist er! qu. v. j. 1926; bildlich: un baben steken s' (die tannen) de köpp tosam un tuscheln sik wat in't ur Fr. u. K. Eggers tremsen (1875) 36. 1@cc) vereinzelt auch 'mit leiser stimme jem. beschwichtigend zureden' (vgl. 2tuschen 1 a): sie (eine junge frau) nahm es (ihr kindchen) fester in ihr tuch, fing an zu tuscheln und zu wiegen Schäfer erz. schr. (1918) 1, 389; (die mutter) bringt die wiege leise tuschelnd in gang, weil das knäbchen schon wieder weinen will ebda 4, 157. 22) mit jem. heimlich reden, leise miteinander sprechen. 2@aa) 'sich flüsternd unterhalten, zischeln, wispern' schlechthin: tuscheln ... heimlich reden, flistern, chuchoter Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1394; häufig in der präpositionalen wendung mit jem. tuscheln: aber Hart, was haben sie (anrede) denn ewig mit Gustav zu zischeln und zu tuscheln? Holtei erz. schr. 5 (1861) 45; da kam der lange blasse kerl, der schon immer auf sie gemustert und dabei mit einem andern getuschelt hatte, und wollte extra mit ihr tanzen Storm s. w. (1919) 2, 205 Köster; er (Verdi) ... sieht zwei bäuerinnen, die miteinander tuscheln; all ihre flüsterworte klingen ähnlich wie: Fischböck Werfel Verdi (1930) 538. aber auch sonst in verschiedener fügung: die jungen damen zischelten, tuschelten unter einander Holtei erz. schr. 28 (1862) 43; die beiden tuschelten zusammen v. d. Steinen naturvölker Zentral-Brasiliens (1894) 77; mit effiziertem bzw. präpositionalem objekt: die frauen tuschelten und lispelten dann gewöhnlich so ihre eigenen gespräche W. Harnisch Kaskorbi (1817) 1, 2; und englein huschen am gartenzaun krausköpfig flügelgesindel, und tuscheln leise im abendgraun von christkinds krippe und windel L. v. Strausz u. Torney erde d. väter (1936) 57; oft auch absolut gebraucht: des pfarrers feinde ... tuschelten und verschworen sich qu. v. j. 1923; hin und wieder zeigte jemand vorsichtig mit dem finger hinauf zu ihm (Kortüms gemälde). das tuscheln (der besucher) wurde noch leiser Kluge Kortüm (1938) 294; wenn sie (die jungen mädchen um die jahrhundertwende) miteinander allein waren, kicherten und tuschelten und lachten sie unablässig wie leicht betrunkene Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 100; prädikativ: dann wurde das gespräch leise, so tuschelnd, dasz er nichts mehr verstand Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 450. 2@bb) häufig mit dem pejorativen beisinn 'über jem. (bzw. etwas) heimlich reden', der sich gelegentlich zu der bedeutung 'verstohlen (hinter dem rücken eines andern) klatschen' verstärkt: wenn ich auch jetzt erröthe, indem ich der fragen gedenke, die mich in Hamburg erwarten, des zischelns und tüschelns und lächelns Hebbel w. 8, 340 Werner; dann würd' dat en flustern un en tuscheln un en anstöten Fritz Reuter olle camellen (1860) 29; die tuschelnden und schwatzenden hatten ein schlechtes gewissen, wie sie diese gerüchte weiter trugen Beyerlein Jena oder Sedan? (1904) 114; den (Brinkmeier) kümmerte es nicht, ob sie hinter ihm tuschelten und gesichter machten L. v. Strausz u. Torney d. hof am Brink (1935) 46; wie wird die gesellschaft sich erst ... moquieren, die hälse recken, tuscheln und äugen? Th. Mann Lotte i. Weimar (1946) 416; die verwandtschaft sah zu (als Kortüm Konstanze Schröter zu tisch führte). man tuschelte Kluge Kortüm (1938) 293. mit dichterischer personifikation auch: mit der pfarrmagd, die aus der hintertür zur krämersfrau in den krug rannte, lief ein neues tuschelndes gerücht das ganze dorf hinunter L. v. Strausz u. Torney auge um auge (1933) 61. nur vereinzelt transitiviert: gegen die sensationspresse, die mit unsauberem behagen allerlei gerüchte über den ehezwist ... zusammentrug und sorgfältig buchte, was bedienstete tuschelten und klatschbasen einander zuraunten, wendet sich offensichtlich folgende auslassung ... tägl. rundschau (1901) 541; jetzt gibt's nun allerlei neues zu sehen ... und zu tuscheln und zu wispern qu. v. j. 1917; dafür tritt z. t. die komposition betuscheln ein: sie (Lauro und Annunziata Pascarella), die sonst immer vielerlei zu betuscheln hatten, schwiegen heute (am grabe der mutter) hartnäckig Werfel geschw. v. Neapel (1931) 199.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    tuschelnvb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    tuscheln , vb. , diminutiv- bzw. iterativbildung zu 2 tuschen ( s. dort u. vgl. sinnverwandtes zischeln), die seit dem 1…

  2. modern
    Dialekt
    tuscheln

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    tuscheln flüstern, zischeln: tüscheln Mi 95 b ; Wat klœtert ji dor all' Un tüschelt hen un tüschelt her Bri. 1, 104; öft…

  3. Spezial
    tuscheln

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    tuscheln шептаться / пошептаться, делиться секретами, поделиться секретом, (по)сплетничать, говорить о своём о девичьем …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit tuscheln

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Zerlegung von tuscheln 2 Komponenten

tusch+eln

tuscheln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Ableitungen von tuscheln (1 von 1)

vertuscheln

PfWB

ver-tuscheln , ver-tutscheln schw. : 1. = vertuschen 1, veʳduschele [verbr., auch Don]. Er hot's veʳduschelt [ LA-Venn ]. — 2. einen Streit …