ton,
m. sonus. herkunft, allgemeine entwicklung, formen. zwei wurzeln lassen sich bloszlegen, aus welchen im mittelalter die gebrauchsweisen des deutschen worts erwachsen sind, und beide können nicht in gleicher weise unmittelbar auf lat. tonus
zurückgeführt werden. mhd. und mnd. dôn, dône (
mhd. wb. 1, 381
b, Lexer 1, 446, Schiller-Lübben 1, 539
b und 6, 102
b)
begegnet einerseits als '
schall'
im allgemeinen und vorzugsweise gerade als unmusikalisches '
geräusch',
dessen dynamische kraftentfaltung gern hervorgehoben wird, andrerseits als die musikalische, kunstmäszige '
melodie',
als '
musikstück'
und '
lied'
überhaupt. in der erstgenannten bedeutung wird man das wort zum guten theil als die fortsetzung eines altgerm. aufzufassen haben: neben an. duna '
dønne, brage' (Fritzner 1, 274)
und dynja '
dønne, skjœlve' (1, 277),
ags. dynian '
to make a noise, fragorem edere, sonare, perstrepere, clangere' (Bosworth-Toller 221)
stehen an. duna '
dønnen, bragen', dynr '
støj, larmende bevœgelse',
ags. dyne
engl. din '
noise, sonus, fragor strepitus'.
vgl. die idg. wz. dhwen
bei Fick 3
4, 208.
das mnl. kennt dȫnen, dōnen
und dȫne,
das nnl. deunen
und deun
in entsprechenden bedeutungen [] (Verwijs-Verdam 2, 283
und Franck
etym. wb. 177).
das verbum begegnet auch auf niederd., mitteld. und oberd. boden: as. dunian '
dröhnen'
im Heliand, mitteld. dünen, dunen '
dröhnen, donnern' (
mhd. wb. 1, 383
b, Lexer 1, 476
b),
oberd. tunen (Lexer 2, 1570);
vgl. auch erdünen '
tönen machen'
und erdinen '
ertönen' (Lexer 1, 623
und 622).
es ist von vornherein wahrscheinlich, dasz vor allem im niederd. und mitteld., wie in den verwandten dialecten ein entsprechendes substantiv vorhanden war; und dasz dieses durch das spätere dôn
fortgesetzt wird, ist schon aus dem durchaus analogen bedeutungsgebrauch zu erschlieszen: im Heliand bezieht sich dunian
auf das '
beben, dröhnen'
der erde, das eine übernatürliche erscheinung begleitet: thuo thar suôgan quam engil thes alouualdon oBona fan radure, faran an feðerhamon, that all thiu folda ansciann, thiu erða dunida 5799
Behaghel; vgl. auch im Annolied: derde diruntini diuniti diu helli ingegine gliumiti 453
Roediger; in entsprechender verwendung begegnet später don
beim bruder Philipp
und in der ersten deutschen bibel; vgl. die belege im folg. 1, b,
α.
das oberd. tunen
in dem heldengedicht Dietrich und Wenezlan wird vom waffenlärm gebraucht: howen si begunden. bêdiu brunne unde schilt daʒ alleʒ wart enzwei gezilt. si sluogen daʒ eʒ tunte, ob in der luft sich enzunte und ouch daʒ diu erde hal
deutsches heldenb. 5, 271;
und ebenso ist dôn
schon bei Wolfram
das '
waffengetöse'
und dann auch später; vgl. die belege im folg. 1, b,
β.
auch noch die buchungen des 16. und 17. jhs. verzeichnen solche synonymen, die der bedeutung des altgerm. wortes durchaus nahe stehn: '
strepitus, crepitus, fragor', krachung, brastlung
usw.; vgl. die belege im folg. 1, a,
α.
die annahme, dasz hier übertragungen aus der musikalischen bedeutung vorliegen, die sich rasch durchgesetzt hätten, liesze sich kaum rechtfertigen, und die unmittelbare herleitung dieses gebrauchs aus dem lat. würde vollends auf schwierigkeiten stoszen, da tonus
in der allgemeinen bedeutung von '
schall'
und '
geräusch'
in den alten romanischen volkssprachen überhaupt nicht begegnet; weder Diez
noch Ducange
verzeichnen das wort in solchem sinn. schon Adelung 4, 675
hat zu ton
engl. din
verglichen, und auch von andern ist dieser zusammenhang angedeutet worden; vgl. ten Doornkaat-Koolman 1, 313
und Kuhns zs. 2, 238.
eine gewisse berechtigung wird man der alten etymologie zugestehn müssen, zumal da sie sich auch unter bestimmten voraussetzungen lautlich wohl rechtfertigen läszt: es ist anzunehmen dasz das wort als allgemeine bezeichnung von geräusch- und schallwirkungen vom mitteld. und niederd. ausgegangen ist, wo die unverschobene dentale lenis geltung hatte, wo dann auch die brechung eines u
zu o
dialektisch verständlich ist (Weinhold
mhd. gr. §§ 63
u. 64, Lübben
mnd. gr. § 13),
wo also der altgerm. i-stamm als dun
pl. düne (dune)
und don
pl. döne (done)
auftrat. dasz aber o
als stammvocal fest wurde, deutet darauf hin, dasz andre beeinflussungen stattgefunden haben, die doch unschwer zu begreifen sind: da seit dem ausgang der ahd. periode auch im mitteld., im niederfränk. und theilweise im niederd. die alte spirans th
und die alte lenis d
zusammenfielen, konnten bildungen wie mhd. mnd. doner, donren
eingewirkt haben. begrifflich muszte das ungemein nahe liegen; so stellt der bruder Philipp dôn
und donerslac
unmittelbar zusammen und eine alte volksetymologische auffassung mag sich unbewuszt oder bewuszt schon in früher zeit durchgesetzt haben, die dann noch im 17.
und 18.
jh. lebendig war: don, vetustissimum vocabulum gothicum ... scribendum est per d non per t, quia dicitur non a latino tonus, sed tonus a don, cujus derivatio a graeco
τονόω, intendo, nimis remota et dura esse videtur. quis enim rusticos, quibus don, dOen, donnern, et similia notissima sunt, docuit, hanc vocem ab extensione graeca dici? Stieler 324; dohn ... dunur, sonitus, fragor, ein grosz geprassel ... daher ist donner, tonitru, dOenen, personare. Danubius und
[] Tanais sind in uhralten zeiten beyde genannt worden Don und DOen, welches auch noch bey den einwohnern der ohrte gebräuchlich, von dem scytho-gothischen worte dona, sonare, tonare, strepere tumultuari: daher auch der Dyna-flusz in Liefland, den nahmen hat Stade
erl. u. erkl. der vornehmsten wörter, deren sich doct. M. Luther gebrauchet 160.
dann ist in diesem sinn doch auch eine einwirkung der lat. wörter tonus
und tonare
wohl denkbar, die ja schon im alterthum in der bedeutung '
donner'
und '
donnern'
erscheinen und auch in den roman. volkssprachen theilweise entsprechend vertreten sind (
vgl. Diez
etym. wb.5 330);
glossare des 15.
jhs. übersetzen tonare
bald mit luten, hellen, inschellen, donen,
bald mit donern (
vgl. Diefenbach
gl. 587).
durch die annahme dasz das deutsche wort in dieser bedeutung vom norden ausgegangen ist, erklärt sich auch theilweise das festhalten an dem unverschobenen dental im anlaut; dasz aber diese annahme berechtigt ist bestätigt die herkunft der älteren belege: der Hesse Herbort v. Fritslar
spricht vom grôʒen dôn
der stimme (
vgl. im folg. 3, d,
α)
und hier ist sicher von der bedeutung '
schall'
auszugehn, dessen kraftwirkung hervorgehoben wird; später verwendet der westmitteldeutsche bruder Philipp
das wort in diesem sinn, und dasz auch das collective gedôn(e)
im mnl., mnd. und mitteldeutschen vorzugsweise den unmusikalischen schallerscheinungen galt, ist schon th. 4, 1, 2
sp. 4390
hervorgehoben worden. freilich hat sich dann dieser gebrauch rasch verbreitet und fortentwickelt. in seiner musikalischen bedeutung steht dôn
als '
melodie'
zunächst vielfach in synonymer verwendung mit mhd., mnd. wîse.
wie wort und wîse
so ist auch dôn und wort
stehende verbindung, vgl. die belege im folg. 2, a;
bei Seifried Helbling
begegnen neben einander: der Wîsær, der Dœnel, die dœnent ûf ein hœnel II 1403
Seemüller. wîse
und dôn
haben auch den ursprung ihres gebrauchs in diesem sinn gemeinsam in der lat. terminologie der mittelalterlichen musiktheorie. tropus, modus, tonus
werden schon auf die antiken octavengattungen bezogen, und auch Boethius,
dessen darstellung die spätere musiktheorie des mittelalters stark beeinfluszt hat, nennt sie zusammen: ex diapason igitur consonantiæ speciebus existunt, qui appellantur modi, quos eosdem tropos vel tonos nominant
inst. mus. IV, 15.
die späteren theoretiker suchten die melodischen formeln des Gregorianischen gesangs, die das abendland aus dem orient übernommen hatte, mit der antiken theorie in übereinstimmung zu bringen, was freilich nicht ohne zwang und vielfache miszverständnisse sich durchführen liesz. vor allem aber wurden die antiken benennungen auf die verhältnisse des kirchengesangs übertragen, auf die 4
hauptgattungen melodischer formation, deren zahl dann durch scheidung in authentische und plagale auf 8
verdoppelt wurde. es erscheinen wieder tropus, modus
und tonus
neben einander, so schon im 9.
jh. bei Aurelianus Reomensis
und Hucbald.
freilich war die verwendung nicht immer ganz gleichbedeutend, und tonus
wurde offenbar erst später im selben sinn gebraucht. Hucbald
spricht von den quatuor modis vel tropis quos nunc tonos dicunt (
Gerbert 1, 119),
und bei dem etwa gleichzeitigen anonymen verfasser einer '
alia musica'
begegnen nur tropus
und modus;
vgl. Riemann
gesch. der musiktheorie im 9.- 19.
jh. s. 14.
ein gewisser gegensatz ist auch sonst gelegentlich erkennbar, indem modus
mehr als ausdruck für die octavengattungen gebraucht wurde und tonus
besonders auf die stehenden formeln der modi
bezogen wurde;
vgl. auch Hucbalds '
commemoratio brevis de tonis et psalmis modulandis'
und s. Haberl
magister choralis 48.
die enge beziehung der von den mittelalterlichen theoretikern aufgestellten octavengattungen zu den formelhaften melismen des Gregorianischen gesangs ist jedenfalls hervorzuheben, da durch sie die verwendung von wîsa
und dôn
im sinne von melodie unmittelbar verständlich wird. wîsa,
das dem lat. modus
bereits im gewöhnlichen sinn von '
art und weise'
entsprach, wurde nunmehr auch zur verdeutschung des lat. terminus in der musik gebraucht, und auch das lat. tonus
wird in diesem sinn zunächst durch wîsa
wiedergegeben, so bei Notker:
quę quidem graues pulsus modis raucioribus [] personabat. tér geróbe lûta. in héisa uuîs ráhta 1, 722
Piper; dulcique modulatu. ióh in déro lústsami déro vuîsun 1, 788;
probare. s. solita. melos. i. tropos. ac tonos. s. musicos et crusmata. i. pulsus chordarum. quuóniu zechîesenne. dîe uuárbâ des sánges. únde dîe uuîsâ. únde dîe rûorâ dero séiton 1, 793.
nicht sehr viel später wird dann tonus
selbst ins deutsche übergetreten sein, denn schon in der Milstäter genesis ist das wort im deutschen dativ nachweisbar, ja es begegnet hier bereits in einer übertragenen verwendung, die wohl eine vorgeschichte zur voraussetzung hat;
vgl. den beleg im folg. zu 8.
die allmähliche eindeutschung des worts läszt dann die überlieferung von Lamprechts
Alexander erkennen, wo es auch in seiner musikalisch technischen bedeutung klar zu tage tritt. die Vorauer hs. bietet noch die lat. form: der ander meister, den er gewan, der lêrtin wol mûsicam unt lêrtin seitin ziehen, daʒ alle thôni dar in giengen, roten unt ouch der lîren chlanc, unt von ime selben heven daʒ gesanc 180
Kinzel 40;
vgl. dazu den text des Alberic de Besançon: li quarʒ lo duyst corda toccar, et rotta et leyra clar sonar, et en toʒ tons corda temprar, per semedips cant ad levar
und die wohl zutreffende interpretation Kinzels: '
damit die richtigen weisen darin waren oder erklangen'.
in der Straszburger hs. steht aber bereits die deutsche pluralendung, noch ohne umlautbezeichnung: und lartin di seiten zîhen, daʒ alle tône dar inne gîhen.
allgemach geht das wort in die technische kunstsprache der höfischen lyrik über, nunmehr in reindeutscher form, mit umlautendem plural und charakteristischer erweichung der anlautenden dentalen fortis. vielleicht darf ein nordalemannisches oder oberdeutsch-fränkisches gebiet als der ausgangspunkt weiterer verbreitung vermutet werden; vgl. hierüber weiter unten. auch in das niederd. hat das wort in dieser bedeutung unter dem vorbildlichen einflusz der oberd. litteratur eingang gefunden, und alsbald ist es hier mit don
als '
schall'
und '
geräusch'
zusammengefallen. dieselbe einwirkung auf das altgerm. wort ist im mnl. anzunehmen, wie dies schon Franck
etym. wb. 177
hervorgehoben hat. es ist zu betonen, dasz die entlehnung aus dem mittellat. ins deutsche originell erfolgte; im altfranz. und altprovenc. gilt son
in ganz entsprechender bedeutung (
vgl. Diez
die poesie der troubadours2 229
und 237),
und erst später und nur vereinzelt weisen franz ton,
ital. tono,
engl. tune
anklänge an die bedeutung '
melodie'
auf, ebenso an. tóni, tónn.
im deutschen aber wird dôn
in diesem sinn mit dem aufblühn höfischer dichtung ganz allgemein. Heinrich v. Veldeke
und Hartmann
meiden es wohl noch; es begegnet aber bereits bei Albrecht v. Johannsdorf, Heinrich v. Morungen,
bei Walther
und Wolfram,
im Nibelungen- und Kudrunlied, dann bei Gottfried
und später besonders bei Konrad v. Würzburg.
von den minnesängern haben dann die meistersinger den technischen ausdruck übernommen, und noch im 17.
und 18.
jh. ist ton
in den bedeutungen '
melodie'
und '
lied'
lebendig, doch sie beginnen nunmehr zu verblassen und zurückzutreten. der mittelalterliche sprachgebrauch hat auch schon eigenartige gebrauchsübertragungen aus der bedeutung '
melodie'
entwickelt, die zum theil neuere verwendungen des wortes vorbereitet haben; vgl. im folg. zu 8
und 12.
früh schon muszten don
als '
schall'
und '
geräusch'
und dôn
als '
melodie'
sich berühren und kreuzen, so besonders wenn vom dôn
eines musikinstruments die rede war, der einerseits als dessen schallwirkung im allgemeinen, andrerseits als die auf diesem vorgetragne weise aufgefaszt werden konnte. zudem war später auch hier das lat. wort vorbildlich. tonus
gehörte schon dem classischen latein an und war hier lehnwort aus dem griech. τόνος,
das sich zur idg. wz. ten '
dehnen, spannen'
stellt (Fick 1
4, 58).
als grundbedeutung ist anzunehmen: '
das womit etwas gespannt, straff angezogen oder was selbst angespannt werden kann'.
das griech. und lat. wort wurde dann [] auf das gespannte seil, auf die spannung einer sehne, einer saite bezogen, schlieszlich auf die klangwirkung eines instruments, die durch diese spannung erzeugt werden konnte, und in diesem sinn begegnet es auch später in allen modernen europäischen sprachen; ebenso wird es überall von der anspannung der stimmbänder, vom ton
der stimme beim singen und sprechen gebraucht, vgl. 3, a
und 7, a
im folg. aus der antiken überlieferung stammt ferner tonus
im sinn von '
intervall'
in der musik, während der einzelne musikalische laut an sich als sonus
bezeichnet wurde. in der lat. - ital. kunstsprache der musiktheorie wurde aber in späterer zeit sonus
in diesem sinn durch tonus
verdrängt, und etwa seit dem frühnhd. wirkt dieser gebrauch auch auf das deutsche ton.
aber erst zu beginn des 18.
jhs. setzt sich diese verwendung des worts als dessen grundbedeutung im deutschen durch, die uns als solche noch heute geläufig ist; vgl. im folg. zu 4.
auch als grammatische termini in der bedeutung von '
accent'
waren schon das griech. und lat. wort üblich, und seit dem 15.
jh. ist deren einflusz auf das deutsche erkennbar; vgl. im folg. zu 6.
eine bedeutsame einwirkung haben dann etwa seit dem späteren 17.
jh. die gebrauchsweisen des franz. ton
ausgeübt. seit früher zeit wurde dieses auf den ausdruck der sprechstimme bezogen, und nunmehr wird auch das deutsche wort in diesem sinn als technischer terminus der redekunst gebraucht; vgl. im folg. zu 7, b.
dann begegnen im franz. die übertragungen dieses gebrauchs auf ausdruck und inhalt der rede in wort und schrift, in verkehr und umgang, das wort bezieht sich weiter auf die art und weise des benehmens, auf denkart und empfindungsweise. im deutschen wird ton
in solchen verwendungen seit etwa dem 18.
jh. lieblings- und modewort, doch ist nicht zu übersehen, dasz bereits mittelalterliche übertragungsweisen aus der bedeutung '
melodie'
diesen gebrauch vorbereitet haben; vgl. im folg. 8, 9, 10, 11.
endlich wurde das franz. ton
wie schon von Plinius das lat. tonus
auf die farbenstimmung in der malerei angewandt, und darnach hat seit der mitte des 18.
jhs. auch das deutsche ton
diese function übernommen; vgl. im folg. 2ton.
diese allgemeine entwicklung spiegelt sich auch theilweise in den überlieferten formen und lautungen. ton
ist seit alter zeit als masc. i - stamm mit langem stammvocal regelmäszig. als eine einwirkung des in der bedeutung melodie synonym gebrauchten wîse
mag es gelten, wenn mnd. dôn, dône
zuweilen als fem. erscheint, zumal da dieses meist in solchen fällen begegnet, die deutlich erkennen lassen, dasz hier dôn
dem schwesterwort auch in der allgemeinen bedeutung '
art und weise'
gefolgt ist; vgl. die beispiele im folg. 12. —
die länge des stammvocals, die für das altgerm. wort in der bedeutung von '
schall, geräusch'
zunächst nicht anzunehmen ist, wird durch die alte entlehnung aus dem mittellat. erklärt. sie ist wie in mhd. trôn
aus lat. thronus
zu beurtheilen und erscheint schon in der überlieferung der beiden ältesten reindeutschen belege für das entlehnte wort, in der Milstäter genesis und im Straszburger Alexander, graphisch bezeichnet (tône);
sie wird dann in späterer zeit des öftern durch den einschub eines dehnungs-h
zum ausdruck gebracht: so bietet die Jenaer liederhs. dhon
und die bei Luther
geltenden wortformen sind dhon
und dohn;
die letztere lautung begegnet auch bei Serranus, Henisch, Stade
und neben don
und thon
bei Dasypodius.
dasz auch das h
nach der fortis als dehnungszeichen aufgefaszt wurde, bezeugt im 17.
jh. Gueintz: demnach schreibet man ... thon, der laut, weil das o lang ist, dan sonsten were es kurtz, wan es hiesse ton, und ist nicht th
die deutsche rechtschreibung 16. —
vom ende des 12.
jhs. ab ist im mhd. der umlaut im plural durchaus vorherrschend, und man wird dies vielleicht damit in zusammenhang bringen dürfen, dasz in der bedeutung '
schall, geräusch'
ein altgerm. i - stamm wirksam war, der auch das wort im sinne von '
melodie'
beeinfluszt hat. der umgelautete plural ist meist regelmäszig erhalten, nur im schlieszenden 17.
und beginnenden 18.
jh. erscheint eine umlautlose form weiter verbreitet. dies beruht klärlich auf dem erneuten einflusz des lat. worts in seiner grammatisch- und vor allem in [] seiner musikalisch-technischen bedeutung, die sich nunmehr als die grundbedeutung von ton
durchsetzt; vgl. besonders im folg. zu 4.
die formen thone
und tone
begegnen auch vorzugsweise bei solchen autoren, die der grammatischen und musikalischen theorie nahe stehn, bei Schottelius,
dann bei Mizler, Mattheson, Kuhnau,
aber auch sonst gelegentlich z. b. bei Steinbach, Stoppe
und regelmäszig auch in Zedlers
universallexicon s. v. ton.
in der zweiten hälfte des 18.
jhs. ist aber die alte umlautform wieder allgemein durchgedrungen. auch der französische einflusz wird auf das zeitweise aufgeben des umlauts mit eingewirkt haben; deutlich zeigt sich dies in Sulzers
theorie der schönen künste, der den plural des worts im musikal. sinn wohl wieder umlautet, aber für die jüngere entlehnung aus dem franz. von ton
in der bedeutung '
farbenstimmung'
noch die umlautlose pluralform verwendet. die sprache der classiker hat den sieg zu gunsten der umlautform dauernd entschieden. —
mannigfachen schwankungen war auch die wiedergabe des anlautenden dentals unterworfen. dasz bei der entlehnung aus dem lat. zunächst die fortis gewahrt wurde, zeigt die form tône
in den beiden frühesten belegen aus dem 12.
jh. wenn nun später in der guten mhd. zeit d
im anlaut regelmäszig wird, so mag das wieder zum theil auf dem einflusz des vom norden eindringenden worts im sinn von '
schall, geräusch'
beruhen. als vollkommen ausreichend wird jedoch diese erklärung kaum gelten dürfen, vor allem da schon im späteren mittelalter die schreibungen mit t
und th
sich mehren. als wahrscheinlich läszt sich wohl die vermuthung aussprechen, dasz ein zusammenhang mit der mundartlichen erweichung der alten fortis besteht, die sich in gewissen gebieten schon sehr früh durchgesetzt hat, so vor allem im schwäbischen und niederalem. und dann im ostfränk.; vgl. bes. Kauffmann
gesch. der schwäb. ma. § 165
und Michels
mhd. elementarbuch2 § 90
anm. 3.
vielleicht ist überhaupt die weitere verbreitung von dôn
als ausdruck in der kunstsprache der höfischen lyrik zum theil von diesen gegenden ausgegangen, deren orthographischen gepflogenheiten in der blütezeit mhd. poesie eine gewisse vorherrschende geltung zuerkannt werden darf (
vgl. Behaghel
gesch. der deutschen sprache3 § 59).
dazu würden auch die formen des worts in der heutigen schwäb. mundart stimmen und der umstand, dasz gerade hier mundartliche gebrauchsweisen erhalten sind, die als eigenthümliche übertragungen aus der bedeutung '
melodie'
auf höheres alter schlieszen lassen; vgl. weiter unten. der gebrauch der lenis hat sich bis ins 17.
jh. fortgesetzt, sie wird theilweise von den glossaren des 15.
jhs. festgehalten (Diefenbach
gl. 7
und 542,
mittellat.-hochd.-böhm. wb. 7,
voc. theut.),
im 16.
und 17.
jh. von Altenstaig, Serranus,
von Luther, Stieler
und noch von Stade,
neben der fortis von Dasypodius, Schönsleder
und noch von Rondeau.
früh begegnet die fortis t
neben der lenis in der überlieferung des meister Ingold
und des Heinr. Seuse,
bei den tonangaben von meisterliedern in der Colmarer, der Donaueschinger, der Heidelberger hs. 392.
auch anlautendes th
erscheint bald, zunächst neben der lenis, so bei Ingold, in der
meisterlieder hs. cod. germ. 351,
in glossaren des 15.
jhs., bei Dasydodius, Schönsleder, Rondeau. im 16.
und 17.
jh. ist das anlautende th
überhaupt vorherrschend und auch noch im anfang des 18.
jh. wird es gebraucht: thon
bieten Pinicianus, Golius, Frischlin, Maaler, Hans Sachs, Hulsius, Duez, Stoer, Opitz, Schottelius, Wilhelmi, Pomai, Kramer, Hübner, Aler, Steinbach, Haym,
das teutsch-engl. lex. seit dem ende des 17.
jhs. gewinnt aber die blosze fortis wieder an verbreitung, thon
und ton
stehn nebeneinander bei Kramer, Hederich, Kirsch, Rondeau,
mit bevorzugung von ton
bei Frisch
und Nieremberger.
der gebrauch von ton
bei Gottsched
und den classikern, bei Adelung, Campe, Heynatz
und andern haben diese form dauernd durchgesetzt. zweifellos ist die verdrängung der lenis und der endliche sieg der bloszen fortis zum groszen teil auf den einflusz des lat. und franz. worts zurückzuführen, deren stetige einwirkung, wie schon gezeigt wurde, deutlich nachweisbar ist. [] in den deutschen mundarten ist ton
wohl im allgemeinen gebrauch, doch wird oft spätere entlehnung aus der schriftsprache anzunehmen sein, zumal wenn das wort als der bestimmte ton
in der musik, als musikalischer '
sonus'
auftritt. auch schon im mittelalter hat dôn
als '
melodie'
jedenfalls mehr dem wortschatz der litteratursprache als dem der volksmundart angehört. in breitere schichten ist ton
in diesem sinn vielleicht auf schwäbischalemannischem boden gedrungen. Fischer 2, 255
verzeichnet die formen d, dãõ, dõã
in der bedeutung '
melodie'
und in übertragenen gebrauchsweisen; vgl. im folg. 2, a
und bes. 8, c,
β, 8, h,
ζ, 8, b,
ζ.
im Elsasz gilt tón
im gewöhnlichen sinn der neueren schriftsprache, der plural tén
auch in der bedeutung '
gedanken, späsze'
; s. Martin-Lienhart 2, 688
und vgl. im folg. 2, d
und auch 8, l,
ζ.
das Lothringische hat die formen tóən, toun
pl. tén téən
s. Follmann 956
und im folg. 8, l,
ζ.
im Algäu ist nach Reiser
sagen gebr. u. sprichw. 2, 491
die form tū
im gebrauch, in Basel und im Aargau nach Seiler 78
und Hunziker 65 ton
als '
schall, laut'
im allgemeinen, vgl. im folg. 1, c,
α.
für das bairisch-österreichische ist eine auf alter grundlage beruhende tradition kaum anzunehmen; vgl. nur aus Wien die kecken tön
bei Mareta, proben 13
und die tiafen tön'
im folg. 4, i,
α.
die fränkischen formen d, dũ
nennt Fischer
a. a. o. in der Eifel und in Köln bedeutet der plural tön '
wunderliche dinge, späsze';
vgl. im folg. 2,
d. die bedeutung '
lied'
ist für das niederd. wort noch im 18.
jh. gut nachweisbar, besonders aber für das deminutiv; vgl. im folg. 2, c.
bedeutung und gebrauch. 11) ton
ist das '
geräusch'
und der '
schall'
im allgemeinen. 1@aa)
in diesem sinn wird das wort seit dem mittelalter verwendet, besonders tritt die bedeutung im frühnhd. hervor, und sie gilt auch noch in neuerer und neuester zeit, wenn eine unmittelbare beziehung zur musik nicht im vordergrund steht. 1@a@aα)
glossare und wörterbücher verzeichnen ton
seit dem 15.
jh. mit entsprechenden synonymen in allgemeinster bedeutung: don, hal, laut
sonus, sonitus voc. theut. f 1 a;
cruma, sonus thon, laut Frischlin
nomenclator 207;
sonus don
vel scal Diefenbach
gl. 542; thon, schall
suono, tuono Hulsius (1605) 139; Maaler 410
c; Golius
onomast. 239; thon
sonus Haym 1226; Aler 2, 1906
a; schall, welcher im teutschen auch thon und im lateinischen sonus genennet wird Zedler 34, 825.
unmusikalische geräuscherscheinungen werden besonders hervorgehoben:
crepitus krachung, brastlung, don, klapff, thon, hal Diefenbach
gl. 157;
crepitus eyn knal, don, furtz Dasypodius F 7 c; thon, knall, wenn etwas bricht
rumore, suono di cosa che si frange Hulsius (1605) 139; don
sonus, clangor, fragor, tinnitus, sonor, fremitus Stieler 324;
son, bruit thon Pomai 2, 299
b.
dann erscheinen auch musikalische schallwirkungen deutlich mit einbezogen: ton, sonus der klang eines lautenden dings auszer oder nach der musik Frisch 2, 376
a; ursprünglich scheinet dieses wort eine art eines klanges bedeutet zu haben, und zwar einer solchen art, welche durch dieses wort und das zeitwort tönen genau nachgeahmet wird. noch jetzt gebraucht man es zuweilen für klang Adelung 4, 624.
hierher gehört es auch, wenn der ton
als '
echo'
bestimmt wird, das jede schallerscheinung wiedergibt: don, widerklanck, widergalm
echo, sonus galm, schalle
voc. theut. (1482) f 1 a
; echo wedderklanck, don, galm, clanc
i. sonus Diefenbach
nov. gl.; don
vocis repercussio Henisch 726;
suonanza der thon, der wiederschall, der wiederklang
son, resonnement Rädlein 3, 409. 1@a@bβ)
noch im 18.
jh. erfolgt die begriffsbestimmung von ton
im sinne von '
schall': überhaupt entsteht der ton, schall, von einer zitternden bewegung der kleinsten theilchen der luft und umstehenden vesten körpern, welches in den gehörwerkzeugen eine gewisse empfindung verursacht. der ton geht langsamer fort, als das licht Jacobsson 4, 412. 1@a@gγ) ton
in diesem sinn wird auch als allgemeiner begriff gebraucht: wenn sie gleich dasselbige erstritten, das dennoch gleichwol sein leib ym abendmal sein kan
[] durch göttliche krafft, weil solchs wol geringern creaturn, als der stym und dohn odder hall ist, nicht allein müglich, sondern auch natürlich und gewonlich, dazu greifflich und empfindlich ist Luther 26, 338
Weim.; donner rauschen schon: meerkristall wird ton und schall Schubart
ged. 1, 14. 1@a@dδ)
es ist in diesem sinn ganz allgemein von tönen
als akustischen phänomenen die rede: luft ist fähig anzunehmen licht und töne Brockes
irdisches vergnügen in gott 2, 253; was auch, in irdischer luft und art, für töne lauten, die wollen alle herauf Göthe 6, 255
Weim. 1@bb)
der ton
wird durch vorgänge in der natur und durch mechanische thätigkeit erzeugt. man spricht vom ton des windes, des donners,
vom ton des falles, stoszes, schusses
u. s. w., ebenso vom ton
des schallerregers und vom ton
der dinge und körper, die träger der schallerscheinung sind, vom ton des meeres, der wälder,
vom ton des fasses, der kugel, der sense, des hufes
u. s. w. 1@b@aα)
der ton
wird durch vorgänge in der natur erzeugt: an sich selbst ist ein jeder ton entweder natürlich oder künstlich. jener ist, den wir an allen lebendigen und natürlichen körpern wahrnehmen, als wenn die winde brausen, der donner donnert Jacobsson 4, 412.
beim wind: daʒ stoup von in als molte von windes dône, ê sie mit den swerten pfat zesamne ervâhten beide
Lohengrin 542; und ein don wart gemacht gechlich vom himel, als eins starcken geists des zuokumenden (
et factus est repente de cęlo sonus)
erste bibel apost. 2, 2
Kurrelmeyer, vgl. dazu: und es geschach schnelle ein brausen vom himmel, als eines gewaltigen windes Luther; weil der wind beim blasen durch die parallelen canäle vermuthlich auch eine reihe töne vernehmen liesz, die unsrer modernen äolsharfe ähnlich, in einer natürlichen harmonie stehen mochten Ritter
erdkunde 1, 747.
beim donner: die tone des donners Zedler 44, 1185; an dem zehenden tage ein dôn geschach sam ein grôʒer donerslac, des al diu liute wunder nam. der heilig geist von himel kam Philipp
marienleben 8314;
vgl. auch 9317.
bei der bewegung des wassers: das meer macht einen thon durch schlagen auff das gestad
mare litora plangit Aler 2, 1892
b; jhre ohren (
der trinker) aber sind mit thönen und rauschen wie das wütende meer erfullet Ambach
vom zusauffen C I
a; wann die nacht was so finster, und der don und platz von dem regen so grosz das man die Römer weder sahe noch hort Carbach
Livius 135
a;
bildlich: doch pfuschte mir der bach in's handwerk schon mit seiner leichenred' im nassen ton W. Müller
ged. 22
neudr. beim rauschen des waldes: die wälder geben ein thon von sich
nemora plangunt. Virgil Aler 2, 1892
b. 1@b@bβ)
der ton
wird durch mechanische thätigkeit bewirkt: wie denn diese sonderbare art und eigenschafft unsere teutsche sprache hat, dasz man den thon etwa eines falles, schusses, schlages, sprunges, stosses, klanges, stimme oder eines jeden anderen thuns mit einem zustimmenden lautworte auszreden kan Schottelius
haubtsprache 828.
beim waffenlärm: ich hôrte ie gerne solhen dôn, dâ von tjoste sprîʒen sprungen unt dâ swert ûf helmen klungen Wolfram
Parzival 814, 28; es gab ein thon und hellen klang vom spiesz der auff die waffen trang Spreng
Aeneis 23
a.
beim schusz: die tone des geschützes Zedler 44, 1185; ich war nun vollkommen in die region gelangt, wo die kugeln herüber spielten; der ton ist wundersam genug, als wär' er zusammengesetzt aus dem brummen des kreisels, dem butteln des wassers und dem pfeifen eines vogels Göthe 33, 73
Weim. [] beim schlagen: wenn man in verjagen wil oder vorhtig machen, sô nimt man ain aufgeplâsen plâtern und sleht dar auf mit coralleinn gärtleinn; den dôn oder daʒ kläppern fürht er und entweicht und wird gehôrsam Konrad v. Megenberg
buch der natur 270.
beim graben: sie ... hielten die ohren hinzuo, ob sie den laut und thon derjhenen die do gruoben vernemen mOechten Carbach
Livius 366
n; bemerkenswerth schien mir ein schwer zu erklärender ton, ganz nahe bei mir; ... bei näherer aufmerksamkeit entdeckte ich, dasz es unter der erde und das arbeiten von kleinem gethier sei Göthe 29, 58
Weim.; und der schaufeln ton verstummet, stille wird's im gotteshause Platen
könig Odo. beim gehn: seiner tritte ton rieselt daher, wie der bach, rauscht, wie der strom Klopstock
oden 1, 195; den führer nur verrieth des hufes ton Droste-Hülshoff 2, 109.
beim fallen: von der wachskerze fiel eine metallene kugel, deren faden durchgebrannt war, in die grosze tülle; der eherne ton klang scharf durch das zimmer Freytag 9, 87. 1@cc) 1@c@aα) ton
und töne
werden in diesem sinn ganz allgemein als gehörseindrücke empfunden und beurtheilt: i ha no kai don g'hört
noch gar nichts Seiler 78 (
Basel); Hunziker 65 (
Aargau). wir horchten vergebens, weder gestalt noch ton war zu vernehmen Göthe 33, 95
Weim.; von dem thon sind mir die ohren taub worden
hoc sonitu completae aures mihi obsurduerunt Aler 2, 1892
b;
les oreilles jugent des sons, omnium sonorum judicium natura in auribus nostris collocavit die ohren urtheilen von den thönen Pomai 1, 876
a; denn die stimme ist ein thon, den alle lebendige geschöpffe von sich geben; der thon aber, oder schall, alles dasjenige, was durch die ohren empfunden wird Zedler 34, 825; manche töne sind mir verdrusz, doch bleibet am meisten hundegebell mir verhaszt; kläffend zerreiszt es mein ohr Göthe 1, 256
Weim. 1@c@bβ) thon machen (
vom schallerreger)
tinnitum ciere, sonitum -efficere Aler 2, 1892
b,
ebenso auch auf den träger des schalls bezogen. im selben sinn: einen thon hören lassen
sonum edere Steinbach 2, 822; ein thon geben, toesen
strepitum edere Stoer 128 a; thon von sich geben
plangere Aler 2, 1892
b; Adelung; Campe. ohn thon, das keinen thon hat
atonus Aler 2, 1892
b. 1@dd)
der ton
wird nach der stärke und art des schalles im allgemeinen beurtheilt. 1@d@aα)
in alter zeit besonders als groszer ton: hey endete zo hant bereyden eyn groes her wael gestalt ... ind quam zo Beione vur de stat mit groessem done
Karlmeinet 343, 35; leere fässer geben grossen thon Seb. Franck
sprüchwörter 1, 106
a; Schottelius
haubtsprache 1145; Wander 1, 931. 1@d@bβ)
dann als starker, heftiger ton:
sonor, un son fort ein starcker und hefftiger thon oder getösz Pomai 2, 299
b;
sonor ... starcker ton, getös, gesumse, gebrumme, geräusch Kirsch 1
5, 1075
a. 1@d@gγ) der helle, dumpfe, süsze, rauhe ton: ein häller thon
tonus clarus Steinbach 2, 822;
son aigu, sonus acutus, subtilis, clair & perçant, acutus et excitatus ein subtiler thon, oder heller durchdringender thon Pomai 1, 876;
son cassé, sonus fuscus, raucus ein verdumpffener thon
ebenda; süsser, scharffer ton
ton doux, aigu Rondeau 2, 591; ein scharffer oder unangenehmer ton
a shrill, a sharp sound teutsch-engl. lexicon 1968;
ein rauher ton
dem es an sanftheit und anmuth überhaupt fehlt, im gegensatz eines angenehmen, zärtlichen Campe 2, 552; leere fässer geben den hellsten ton Schellhorn
sprichw. 139; und gegen meine seufzer bringt die welle nur dumpfe töne brausend mir herüber Göthe 10, 3
Weim. 1@d@dδ) der schläfrige, seltsame ton: durch die quelle, die mit lullendem ton oft dich gesungen in träume schon Freiligrath 5, 122;
[] mit schläfrigem ton der urwald raunte um den schwülen wigwam 6, 175; und liesz damit einen grossen starcken fortz, das es in der kirche erschal. die bawren erschracken ob dem elenden anblick, und seltzamen thon Bernh. Hertzog
schiltwache H; vor einem jahre erregte ich durch einige ... allzuleichtsinnig ausgesprochene worte, wie durch panische töne, eine gewisse verwirrung in ihrem kreise Göthe IV 38, 118
Weim. 22) dôn, ton
ist die '
melodie',
dann jedes vorgetragene und gesungene '
musikstück',
besonders das '
lied'. 2@aa) dôn
ist die '
melodie',
die auf einem musikinstrument vorgetragen oder zu einem text gesungen wurde; der begriff umfaszt die kunstmäszige gliederung der melodie, ihren rhythmus und überhaupt alles, was etwa im gesungenen lied als dessen musikalisch metrischer theil dem text, dem wort gegenüber steht. lehrreich für die begriffsbestimmung sind daher besonders solche beispiele, in denen dôn
und wort
gerade so wie wort
und wîse
einander gegenüber und zusammengestellt erscheinen (
vgl. bei den troubadours mot et so '
text und melodie'
; s. Bartsch bei Diez, die poesie der troubadours2 71
anm. 1): mit der pfafheit gâbens sʒ gedœne, der engel schar gelîche dôn sunder wort; jâ was ez dannoch schœne
der graltempel 80
Zarncke; vgl. dazu gedœne ane wort
minnes. 3, 99
b und th. 4, 1, 2
sp. 4391; er muoʒ wol berihtet sîn alle zît und alle stunt, des munt rehte slihtet dœn unde wort, diu krumbes bar die werden meis
ter lâʒen Frauenlob 172, 6
Ettmüller; ich tuon iu kunt mit worten unt mit dœnen 165, 9;
vgl. auch 165, 19; ir wort, ir dôn sint ze kranc wider der alten meister sanc Seifried Helbling II 1329
Seemüller; und nennet ... musicam scientiam bene modulandi eine solche kunst, da man dem ton und den worten gepürliche maasz und weyse zugeben wisze Cyr. Spangenberg
von der musica 4
Keller. auch dœne und rede, mære und dœne: wie man den meisterlichen strit mit rehter kunst entstrikken siht, mit dœnen und mit guoter rede, dar wære ein tumber leie gar ein wiht Hinneberger
minnes. 3, 40
b; in mæren und in dœnen hôrt ich nie singen oder sagen Heinr. v. Neustadt
Apollonius 5780
Singer. die bedeutung '
melodie'
begegnet auch in späterer zeit, und sie ist noch im 18.
jh. lebendig, wie die buchungen zeigen: don
modulus Henisch 726; thon
melodia Steinbach 387; thon
melos, melodia Kirsch
5 1731; thon, singthon
toon, zing-toon, zang-wyze Kramer 2, 212;
eene wyze te zingen eine weise (thon, melodie) zu singen, singweise 1, 520.
in verbindung mit melodie
und text: sag's nicht, gevatter Klaus! das liederwesen, ich meine so der ton, die melodei, das thut uns, mein' ich, noth, wie brot und wasser Zach. Werner
Martin Luther 3; (
er) versuchte, ein trinklied mitzusingen, das angestimmt wurde. er kannte aber weder text noch ton Frenssen
Jörn Uhl 167.
doch schon Adelung
und Campe
empfinden diese verwendung als veraltet und nur noch dem gemeinen leben angehörend, vgl. im folg. g.
für die schwäbische mundart wird das wort in der bedeutung '
melodie'
von Fischer
verzeichnet. 2@bb)
in mehr allgemeinem sinn bedeutet ton
dann auch '
musik'
und '
gesang'
überhaupt: swaʒ uʒ sueʒem done erklinget, ... dast gegen wiben ungereit Kanzler
minnes. 2, 391
b; da vil schone in sueʒem done sungen vogel' ir stimme manikvalt Püller
minnes. 2, 69
b; dar so wart vornomen en grot sote roke unde enen soten done der engele
Lübecker passional fol. 277
c bei Schiller-Lübben; do er kam und genachent dem haus er hort den don vnd die stymme (
audivit symphoniam et chorum)
erste bibel Lucas 15, 25
Kurrelmeyer; Luther
übersetzt: höret er das gesenge, und den reigen (
ἤκουσε [] συμφωνίας καὶ χορῶν);
vgl. auch: melodia gesang, thon Garthius 452
b. 2@cc)
der ton
ist ferner jedes '
musikstück',
besonders das gesungene, strophische '
lied'
bei den minne- und meistersingern: wie die dœne schœne lœne schenken ûʒ der armonîen Frauenlob
unser frouwen leich 18, 1
Ettmüller; al ten werden verachte es sey dan das gemachte die zwelff in han Folz 336
Mayer; theilweise wird in der mundart die alte bedeutung '
lied'
noch in neurer zeit festgehalten, so besonders im niederd.: döne,
die, und dönchen,
das. diese schönen wörter hörte ich vor etwa 20
jahren aus dem munde eines alten mannes im sinne von arie
und liedchen Gutzeit 192;
das deminutiv im sinne von '
liedchen'
kennen aus dem niederd. auch Adelung
und Campe;
vgl. ferner ten Doornkaat-Koolman 1, 313
und th. 2, 1220.
vielleicht gehört hierher auch aus Wien: und singen hn i' kinnen, ein' arie hn i' ghbt und ein'n ton! Moser
das Wiener volksl. 3, 45
bei Mareta, proben 13
a. 2@dd)
die musikalische bedeutung erscheint abgestreift, wenn das wort im sinne von '
lustige, spaszhafte geschichte',
dann '
posse, schnurre, schalkhafter streich'
begegnet: Reinhart kunde manegen dôn
Reinhart Fuchs 1979;
bes. mundartlich: ton ...
pl. gedanken, spässe. du has
t wi
eder b
esundere tön im kopf; lŭeg, was sëlle
n narr für tön macht! Martin-Lienhart 688;
vgl.nare
ntön
narrheiten ebenda; tön
seltsame wunderliche dinge, streiche Schmitz 232; tön
späsze, witze, auch schwierigkeiten, umstände Hönig 155;
hierher gehört auch die studentische redensart rede doch keine töne '
mach doch keine geschichten, umschweife' (
nach Edward Schröder).
sonst begegnet im niederdeutschen wieder das deminutiv auch in diesem sinn, vgl. Schambach 44
b; ten Doornkaat-Koolman 1, 133
und th. 2, 1220. 2@ee)
in der prosa und umgangssprache des 18.
jhs. wird ton
in der bedeutung '
lied'
bereits als veraltet empfunden und mehr in historischem sinn von den liedern der meister- und minnesinger gebraucht: ehedem ward es auch häufig für ein gedicht, ein lied gebraucht. die schwäbischen dichter und ihre enkel, die meistersänger, pflegten ihre lieder oder singebaren gedichte häufig döne
oder töne
zu nennen Adelung; Campe; er (
Hadlaub) war jetzt seiner töne sicher, und herr Rüdiger bereits im besitze einer ansehnlichen sammlung seiner lieder G. Keller 6, 75; der meister tön' und weisen, gar viel an nam und zahl, die starken und die leisen, wer die wüszte allzumal Rich. Wagner 7, 161. 2@ff)
in der poetisch gehobenen sprache des 17. und 18. jhs. wird die alte bedeutung '
lied'
wohl noch fortgesetzt, doch hat dabei auch die antike vorstellung vom leierspielenden dichter eingewirkt, der ursprüngliche musikalische sinn ist oft ganz abgestreift, und ton
ist überhaupt das '
poetische gedicht': Celadon sprach: keine seiten keiner süssen lieder kunst mindert, Damon, deine brunst, wann der Orpheus unsrer zeiten dein berümbter meister schon her liesz hören seinen thon
Königsberger dichterkreis 134
neudr.; lächelt, muntre schönen, unsern ernst zu höhnen; singt in süssen tönen, jeder ton entzückt! Hagedorn 3, 130; lasz die töne, lasz die wohlgestimmten seyten Friedrich Augusts lob ausbreiten, seinem feste heilig seyn Gottsched
ged. 2, 267; spräch' die stimme den blick aus: o, so würde sie süszer seyn, als mein leisester laut, als der gefühlteste und gesungenste ton, wenn mich die junge lust von dem zweige des strauches in die wipfel des hains entzückt! aug', ach, auge, dein blick bleibt unvergeszlich mir! und wie nennet das lied, singen die töne dich? Klopstock
oden 1, 53.
[] 2@gg)
der ton eines liedes
und eines musikstückes überhaupt ist seine melodie, singweise: der don eines liedes
modus cantionis alias die weise Stieler 324; thon eines lieds
aria, tuono, melodia Kramer 1043; ein lied in seinem eigenen ton
a song that has a tune of his own, a peculiar tune or a tune by it self teutsch-engl. lexicon 1968;
der ton ...
die melodie
eines musikalischen stückes; eine gröszten theils nur noch im gemeinen leben übliche bedeutung. der ton eines liedes,
dessen melodie Adelung;
vgl. auch Campe; dazu, wo und wenn man will, mag man eyn alleluia daran hencken in seynem thon Paulus Speratus
ein weyse christlich mess zu halten l 1
b; deiner tochter hochzeitkerzen schreckten meine muse nur; weil ich, mit bestürztem herzen beszrer lieder ton erfuhr Gottsched
ged. 1, 175; silbern weht von oben deines liedes ton Geibel 2, 31.
ebenso thon des gesangs
melodia Hulsius 139; underschiedliche thon des gesangs flieszen ein in das gemüth ohn beschwärnus
nihil tam facile in animos teneros atque molles influit, quam varii canendi soni Aler 1892
b; ... obgleich ihrer gesänge ton ein sirenenton ist, ihre beredsamkeit gleich dem bache der Suada flieszt! Ramler
lyr. ged. 104. 2@hh)
der ton
eines instruments ist die weise, die auf diesem vorgetragen wird. vgl. horndôn, gîgendôn: in fremedem horndône ein ander wîse huob er an Gottfried
Tristan 3246; die snuere mueʒen brechen wol, swa der esel klenket gigen dœne
minnes. 3, 452
a; der tag erlischt beim ton der weidenflöten Salis
ged. 92;
danser au son de la flute, saltare ad tibiam, ad tibiae cantum nach dem thon der flöten tantzen Pomai 1, 876 a; ein bär, der in gesellschaft von affen und hunden an der kette herumgeführt und geprügelt wird, um bei dem tone eines dudelsacks vor kindern und pöbel zu tanzen Göthe 21, 79
Weim.; wie glücklich ist der tag, daran wir dich, gepriesner mäcenat! in unsrer Philuris erblicken, die längst nach dir geseufzet hat ... die oft, bey deiner seyten ton, sich selbst, wie Kastalis den eignen lauf, vergessen Gottsched
ged. 2, 286.
die bedeutung '
melodie'
ist freilich in diesem zusammenhang bald verblaszt, und der ton eines instruments
wird meist als dessen schallwirkung im allgem. verstanden. vgl. 3
im folgenden. 2@ii)
der ton
einer person ist der ton,
den diese zum vor trag bringt, den sie gemacht hat: Tristan sîn hornelîn dô nam ... und alle ir horn nâmen und hürneten vil schône mit ime in sîme dône Gottfried
Tristan 3216; wie zucker süsz ist maniges don do er puolt umb ain maid Hätzlerin 93; er gebe den pfaffen ir dœne wider, und singe, swaʒ er welle Gervelin
minnes. 3, 38
b; wan in leib, gut dran stunde, keiner sie nenen kunde nach ire ton, gult es den minsten singer, wer die zwelff meister sint gesin Folz 336
Mayer. die weisen der meistersinger werden oft ausdrücklich nach den autoren benannt: des ernpoten don
meisterlieder 131
Bartsch; carmina magistralia. hie volget gesang der meister geticht zum ersten in meister Heinrich Frauwenlobes tönen die nach einander gent 4.
in neuerer zeit ist der alte sinn meist verblaszt, vgl. f
im vorigen; der ton
eines autors ist sein gedicht, seine poesie im allgemeinen: wol euch, herr (
Opitz), was für ein lohn hat sich hie mit eingedinget? dasz von hie ab ewer thon bisz in jenes leben dringet
Königsberger dichterkreis 66
neudr.; [] die Spree stund still, als Kanitz sang und als sich Bessers reiner klang um ihre stillen ufer regte: die Oder lobte Neukirchs ton; und Meiszen pries nur seinen sohn, der alles durch sein lied bewegte Gottsched
ged. 2, 185. daraus entblühn nun hie trostlose zwitter, wie poetische prosa und prosaische poesie. und der sie rügt, mein ton, bist du nicht auch ein zwitter? aus zweien nicht gemischt, einst du die zwei als dritter Rückert 8, 88.
ebenso ist vom ton
der vögel die rede, deren gesang mit dem des menschen verglichen wird: lieber meie, nu ist din schœne aber leider gar zergan; unt der kleinen vogelin dœne Reinman v. Brennenberg
minnes. 1, 335
a; ach dasz wir menschen nicht wie die waldvögelein, ein jeder seinen thon mit lust zusammen schreyn! Scheffler
cherub. wandersmann 37
neudr. 2@kk) 2@k@aα) töne klingen,
sie wirken auf das gemüth: darzuo ist siu überschœne. ir lieplich wort ist über tœne, die mögent von seiten klingen und man mag von kelen bringen Altswert 4, 18. vergnügte braut, vergieb dem tone, der noch so rauh und traurig klingt Gottsched
ged. 1, 252; wie ist mir denn? und welch ein ton entzückt mich hier von ganzen chören! 44;
bildlich: sîn leiche lûtent übele, sîn züge sint rôt: jâ vellent sîne dœne manegen helt tôt
Nibelungen 1939
Lachmann. vgl. auch dônes grif
und dônes vanc
bei Konr. v. Würzburg
troj. krieg 19 a, 669
Keller; lieder 348, 137
Bartsch. 2@k@bβ) in dem ton singen: die eʒ lesen oder horen.oder in dem done singen
Titurel 5986
Hahn; wan ich ein lied nun sunge, in einem don erclunge den nieman het gehort Folz 338
Mayer; aus dem ton: die fogelîn im walde sin, die singen schon uosz suessem don Muskatblut
nr. 3, 5
Groote; die nechtegal furt yren schal usz suessem don
nr. 5, 20. nach dem ton: dasz solches ... nach gewiszem ton, und bewertter melodia gesungen werde Cyr. Spangenberg
von der musica 4
Keller.; nachdem er nun mit dieser arie fertig, ... nahm er seine laute zur hand und sang sie nach einem bekandten thon, als nach welchem er sie gemacht Melissus
Salinde (1718) 12. in den ton kommen: endlich kömmt er in den ton
in die rechte melodie; ingleichen, figürlich, er kommt auf die spur, er spricht, wie er sprechen sollte Adelung; Campe. aus dem tone kommen
aus der melodie Adelung.
auch in überlegenem sinn '
die fassung verlieren': unde hôw it (
das pferd) sere mit den sporen, das it vil gerne hedde enboren, went it is was vil ungewone. to lest do it quam ût der done, do sprak it: 'holdet, leve here, ... Gerhard v. Minden 61, 78
Seelmann 95. einen aus dem ton bringen
auszer fassung, einem seine maszregeln vereiteln, den platz verrücken Wander 4, 1265.
vgl. auch um den ton bringen
um das ansehen bringen: der mensch fängt ordentlich an schlecht zu werden, nachdem man alle triebe der ehre erstickt, alle freuden um ihren ton gebracht, und sich auf den plan gestützt hat, alles mit befehlen und strafen, lehren und predigen von ihm zu erzwingen J. Möser 2, 72. den ton verlieren
in den folgenden beispielen gleichfalls in übertragener verwendung: den ton verloren haben
auszer fassung sein, sich nicht mehr zu rathen und zu helfen wissen Wander 4, 1265; sein ringen war umsonst. nun hatte das leben ton und haltung für ihn verloren, düstern gram in der seele schlosz er sich der armee des erzherzogs Ferdinand an Matthisson 6, 301.
es ist jedoch hervorzuheben dasz ton
auch in der [] bedeutung '
stimmung'
in ganz entsprechenden wendungen begegnet, die gleichfalls ähnliche übertragungen gestatten; vgl. im folg. 4,
f. 2@k@gγ) dœne klenken, singen, töne (an)stimmen: wie klenk ich nu die dœne, sîd ich verlorn hân die hant?
Nibelungen 1901, 4,
Lachmann; walgende in den seiten. si begunden dœne breiten Gottfried
Tristan 3602; wan si den dôn nâch singent, die nâch gotes hulden ringent Enikel
weltchronik 1547
Strauch; der meie und al sîne dœne die die vogele singent Heinr. v. Morungen
minnes frühl. 141, 13; Leander stimmet süsse töne und singt und seufzet seiner schöne Hagedorn 3, 20. 2@k@dδ) den ton ûfwîsen, lêren, beweren, benamen: sú (
vier jünglinge mit schalmeien) sOeltin alle sament uf dOenen, und wiset (
ein jüngling mit einer harfe) in uf neiswaʒ tones, den der selb wol verstuont Heinr. Seuse 323, 13
Bihlmeyer; da leret ich in schneller eil der bar und thön ein grossen teil H. Sachs 21, 338
Keller-Götze; derselbe meister sol selbst den thon benamen, und ein gesetz darin er in beweret, selbst in ein bchlein so ins polpet gehOerig, zum gedechtnus einschreiben Puschman
gründlicher bericht 28
neudr. 2@k@eε) den ton machen, ein lied auf einen thon stellen: ir spilleut, machet uns ain süeszen don!
fastnachtspiele 413, 18
Keller; ein don in schoner weisse gezirt in meisterlicher art, war umb wolt man ihn schmehen und verhassen? Folz 342
Mayer; wer einen meisterthon machen oder melodiren wil, der mus erstlich mit fleis achtung haben, auff die eigenschafft der sechszerley reimen oder versz des meistergesangs Puschman
gründlicher bericht 26
neudr.; genotierte töne
vgl. Straszburger studien 3, 197; der zwOelfft, der alte Steffan hiesz, war viel jahr ein seiler gewisz, welcher viel thOen componirt, auch sein gesang lustig schOen ziert
minnes. 4, 890. ich bat darauf, er möchte ... mich das betrübte lied, dessen thon ein weitberühmter Orpheus-bruder neulich aufgesetzet, anhören ... lassen Schirmer
poet. rosengepüsche 112; jetz er fur nam mit dichten, kunt er hofflichen richten auf schone art eim jeden lied sein done Folz 346
Mayer; eene wyze op een lied stellen eine weise auf ein lied machen, ein lied auf einen thon stellen Kramer 2, 212.
auch: das lied steht in einem ton
und darnach in übertragenem sinn: he si starck unde kone, so steyt syn ruchte in rechter done Stephan
schachbuch 1776
Schlüter. zu ähnlichen übertragungen konnte dann auch ton
als '
stimmungston'
den anlasz geben; vgl. im folg. 4, f
und der rechte ton 8, h,
δ.
ebenso hat auch die wendung gegolten das lied geht in, aus, nach einem ton,
die gleichfalls oft in übertragenem sinn gebraucht wird; vgl. es geht in diesem, einem andern, einem bessern ton, im alten ton
u. s. w. im folg. 8;
doch wirkt hier auch die bedeutung '
tonart'
mitbestimmend, vgl. 4, e. 2@ll)
der ton
wird im allgemeinen bestimmt als 2@l@aα) dieser ton, dér ton, éin ton, derselbe ton: ich beginne an im in diesem done, der gedrîet stat des namen unt der persone Sigeher
minnes. 2, 362
a; ein anders in dysem tone
meisterl. 51
Bartsch; vor der strophe Walthers ein man verbiutet âne pfliht
steht in der gr. Heidelb. liederhs. mit bezug auf eine strophe Reinmars: in dem done ich wirbe umb alles daʒ ein man 512
Pfaff; im thon: Daffnis gieng vor wenig tagen
venusgärtlein 79
neudr.; (
er) singet unter die baszgeige im thon: resonet in laudibus, folgendes lied
pedantischer irrthum (1673) 60; stent ie zwey lied in eym tone und
[] in eim gemesse und sind der töne XXII der lied XLIII
meisterl. 4
Bartsch; aber III ym selben ton von unser lieben frauowen 15. 2@l@bβ) der andre ton:
bei der 2.
strophe des Wernher von Hohenberg steht in der gr. Heidelb. liederhs.: ander ton,
bei den strophen 5—7
und 10—13 ein ander 113
Pfaff; so ward Budorgis angesteckt, so ward auch Meiszen selbst bethöret, es ward kein andrer ton gehöret, als der Apollons ohr erschreckt Gottsched
ged. 2, 184. 2@l@gγ) maniger dôn,
eine bestimmte anzahl dœne: und ich ir so manigen don habe gesungen in den jaren min Rubin
minnes. 1, 317
b; ich het noch etestlichen dôn ... her mit mir behalten Neidhart 12, 28
Haupt; und nur zun himmelpforten verweisets allen thon Spee
trutz-nachtigal 3; zweir minner sehtzig dœne ich hân gesungen: die stânt gar hier an Ulr. v. Liechtenstein 592, 11
Lachmann. 2@l@dδ) der alte ton: volget Muscatblutz alter ton die wyle der nuwe tone auch hy da vor stet
meisterl. 9
Bartsch; ursprinc bluomen, loup ûʒ dringen, und der luft des meigen urbort vogel ir alten dôn Wolfram
lieder 7, 11
Lachmann; meine ruhe ist nun verloren, meine freude floh davon, und ich höre vor meinen ohren immer nur den alten ton Göthe 1, 21
Weim.; der wächter aber singet schon das neue jahr im alten ton Uhland
ged. 1, 247; wer singt im alten ton, bekommt nur alten lon Wander 4, 1264. der neue ton: Muscat nuwer ton
meisterl. 7; Kaspar Pecz newen thon Hans Sachsen H. Sachs
gemerkbüchlein 1
neudr. swaʒ ich in niuwen dœnen ie dar vor gesanc, daʒ vint man hie alleʒ an dem buoche stân Ulr. v. Liechtenstein 592, 19
Lachmann; wes halben sint die newen don verboten und nit darzu die worte? Folz 345
Mayer; 2@l@eε) der guote dôn, der gekrönte thon, der klare, kunstgeübte ton: her, wâ ist meister Wildunc? nû solt wir haben einen klunc sîner guoten dœne Ottokar
reimchron. 679
Seemüller; wê wer wære unfrô? sît die vogele alsô schône singent in ir besten dône, tuon wir ouch alsô! Walther 51, 27
Lachmann; die lerche soll jhr dir, dir, dir dir herr sey lob, auch für und für erzwingen in dem besten thon, und mit uns loben gottes sohn Scheffler
heilige seelenlust 213
neudr.; nunmehr solt ihr anzeigen schon, womit doch die meister haben erlangt solche grosse ehr und gunst, dasz jeder hat ein krönten thon Wagenseil 550; wsst ihr nicht, dasz ins gemein alle tichter himlisch sein ... dis tuht unser klahrer tohn, dasz wihr stAehn fohr FOebus trohne Ph. v. Zesen
adriat. Rosemund 28
neudr.; hat nicht Weidner schön gesungen? war nicht Rachel Phöbus sohn? dessen kunstgeübter ton ganz Germanien durchdrungen Gottsched
ged. 1, 208;
dagegen der ungevüege dôn: owê, hovelîcheʒ singen, daʒ dich ungefüege dœne solten ie ze hove verdringen! Walther 64, 31
Lachmann. 2@l@zζ)
der süsze ton
begegnet als beliebteste verbindung schon seit alter zeit: er videlte süeʒe dœne und sanc ir sîniu liet
Nibelungen 1643, 3
Lachmann; in dem walde süeze dœne singent cleiniu vogelîn Ulr. v. Liechtenstein 97
Lachmann; [] die musica mit suessem ton die hat mein hercz umfangen schon
Sterzinger spiele 1, 167
neudr.; unde ere sanck ghink boven alle seyden unde harpenspeel, so zoete was ere done
Lübecker passional fol. 145
b bei Schiller-Lübben. als benennung von meistertönen: in des Kanczlers suszem done
meisterl. 55
Bartsch. in der geistlichen und weltlichen poesie neuerer zeit: aber wollen wir singen, singen ein süszen thon, von einem weingarten
kath. kirchenl. 542, 1
Kehrein; wenn unter hohen, jubelvollen zungen ein süszer ton auch mir gerieth: triumph! ich hab ein lied dem göttlichen gesungen, und ihm gefällt mein lied Ramler
lyr. ged. 102.
dazu als gegensatz der ræʒe dôn, der rauhe ton: der Mîssener hât sanges hort in sînes herzen schrîne, sîn dôn ob allen ræʒen dœnen vert in êren schîne Konr. v. Würzburg
lieder und sprüche 398, 287
Bartsch; wo nehmen wir denn rechte lieder? wer stimmt uns denn den rauhen ton? Gottsched
ged. 1, 186. 2@mm)
andre unterscheidungen begegnen in der kunstsprache der meistersinger, bes. bei der benennung ihrer weisen (
vgl. Plate, die kunstausdrücke der meistersinger in den Straszburger studien 3, 185
und s. die beispiele bei Gödeke 1
2, § 91),
so der kurze, lange, zarte, blühende, grüne, schwarze ton, vrou Êren dôn, Düringer herren dôn
usw. 2@nn)
der ton
wird nach seinem empfindungsgehalt unterschieden. 2@n@aα) der hohe (
der erhabne, emphatische) ton: der hohe thon, Friedrich Stollens Wagenseil 536; mit bester stimm laszt klingen den hOechst-, und besten thon Spee
trutz-nachtigal 106; erhebt euch wie die adler von der erden, schwingt euch hinauff fr seinen thron: erscheint fr jhm mit dankbaren geberden; und singet jhm im hOechsten thon Scheffler
heilige seelenlust 220
neudr.; wan ich mit höherm thon einmahl sing von dem potentaten Weckherlin 1, 147;
dagegen niedre töne: ihr niedern töne schweigt! von pracht und glanz entzücket, sey ich zun sternen jetzt mir und der welt entrücket. ein dichtungswürdgrer stof, als liebe, scherz und wein, soll, voll von kühner glut, des liedes innhalt seyn Lessing 1, 271.
ähnlich wird auch der laute, der volle ton
in übertragenem sinn aufgefaszt: der sonst mit starcker kunst dein oberhaupt besungen, so dasz der laute ton in alle welt gedrungen! Gottsched
neueste ged. 5; der alte sprach zum jungen: nun sei bereit mein sohn! denk' unsrer tiefsten lieder, stimm' an den vollsten ton! Uhland
ged. 1, 307. 2@n@bβ)
die gemüthsstimmungen, freude und leid kommen zum ausdruck: ein anders in dem frolichen don Muscatblut
nr. 48
Groote; der geile thon, Heinrich Frauenlobs Wagenseil 536; daʒ der done der freúden done in der hoch (
ut resonaret in excelsis sonitus lœtitiœ)
erste bibel 1 chron. 15, 16
Kurrelmeyer; sîn herze sanc der freuden dôn Ulr. v. Türheim
Willehalm bei Lexer; o tag, den enkel uns beneiden — dein anfang sey gebet, dein schlusz ein ton der freuden Herder 29, 27; die singent des jâmers dôn Ulr. v. Türheim
Willehalm bei Lexer; ich schell mein horn in jammers thon mein freud ist mir verschwunden Forster
frische teutsche liedlein 176
neudr.; glaubst du, dasz ich zu lang' in traurigen tönen dir singe; schaue die zeiten an; sind sie die goldene zeit? Herder 27, 295; wie aber mag ich dich mein herz versöhnen, dasz ich im wicht'gen fall dich nicht befrage? wohlan! komm her! wir äuszern unsre klage in liebevollen traurig heitern tönen Göthe 2, 5
Weim. 2@oo)
der ton
gehört einer bestimmten nation oder einer bestimmten zeit an: vgl. schon den fremeden horndôn
bei Gottfried
im vorigen f;
dann bei Luther: denn
[] das man ... latinischen don odder notten behellt, las ich geschehen, aber es laut nicht ertig noch rechtschaffen
wider die himmlischen propheten L 2
b.
besonders dann in neuerer zeit deutsche töne, heimische töne, töne der alten, des altertums: doch Apoll mit seinen neunen, der nicht gern sich liesz umzäunen vom französischen parnasz, schlieszt den zug mit deutschen tönen Rückert 1, 182; der übergang zu Herders leistungen führt uns auf dessen schöne eigenschaft: die stimmen aller völker zu vernehmen und aus ihren heimischen tönen auf die eigenheiten ihrer neigungen, tugenden und fehler zu schlieszen Göthe 16, 238
Weim.; hold und schön klingen mir hierüber die töne der alten Herder 17, 65; wahrlich, es füllt mit wonne das herz, dem gesange zu lauschen, ahmt ein sänger, wie der, töne des alterthums nach Göthe 5, 223
Weim. 33) ton
bezieht sich auf musikinstrumente und die singstimme. 3@aa)
der ton
ist die musikalische schallwirkung im allgemeinen, und hier berühren sich bereits die gebrauchsweisen 1
und 2;
vgl. im vor. sp. 684. ton
wird vom zusammenklingen verschiedener musikinstrumente gebraucht: die hellen pusînen mit krache vor im gâben dôʒ. ... der dôn iedoch gemischet wart mit floytieren an der vart: ein reisenote sie bliesen Wolfram
Parzival 63, 7; die tambours, trompeter und querpfeiffer sind eigentlich die rechten lockvogel, die mit ihrer afficirenden musique, thon und schall manchen ungerathenen sohn ... herbeylocken Fleming
der vollk. teutsche soldat 143. 3@a@aα)
von der glocke: von irem (
der glocken) dône teilten sich die lüfte
Lohengrin 376
Rückert; nicht das der glocken dohn und weihung der glocken das wetter odder frost vertreibe Luther 26, 234
Weim.; sie läuten so eben mit unseren sonoren glocken das reformationsfest ein. ein schall und ton bey dem wir nicht gleichgültig bleiben dürfen Göthe IV 38, 280
Weim.; ton der groszen glocke der läutenden kühe. schellen der maulthiere III 2, 169; und nicht veracht der glocken thon
kath. kirchenl. 581, 9
Kehrein; von allen thürmen hallt der glocke ton Geibel 1, 63; 3@a@bβ)
vom zimbal, von der pauke: die siben tagezîte zimbâl ûʒ golde in kunten wol mit dône
der graltempel 48
Zarncke; man stimmt sie (
die pauke) zwar ab, aber nicht, um durch ihren ton die accorde zu füllen, sondern nur, damit sie nicht störend in die übrige harmonie einfalle Helmholtz
tonempfindungen 126. 3@a@gγ)
vom horn und der posaune: vnd der done des horns wuochs gemechlich vnd ward gerichtet in merung
erste bibel 2 Mos. 19, 19
Kurrelmeyer; vgl. auch 20, 18;
1 chron. 15, 28;
2 chron. 15, 14; wie lieblich überraschte mich daher aus der ferne der ton von einem paar waldhörnern Göthe 27, 336
Weim.; der ton eines jeden posthorns setzte ihn in bewegung 22, 68; da hub sich ein donnern und blitzen, und ein dicke wolcken auf dem berge, und ein dohn einer seer starcken posaunen Luther
2 Mos. 19, 16;
ebenso Dietenberger
und die Züricher bibel; vgl. auch 19, 19; 20, 18;
1 Cor. 14, 18; ich höre der posaunen thon, und seh' auch den gerichts-tag schon
Königsberger dichterkreis 237
neudr.; laut mischte sich in der posaunen ton das jauchzende rufen der menge Schiller 11, 382. 3@a@dδ)
von andern blasinstrumenten und der orgel: thon ...
bombi, der schalmeyen Schönsleder F f 8; thon der trommeten ...
clangor tubarum Aler 2, 1892
b der ton oder laut einer trompete
the sound of a trumpet teutschengl. lex. 1968; der ton seiner flöte klang wie silber durch die sommernacht Miller
Siegwart2 766; do horden se in deme hemmele vnde in der lucht eyne zoete
[] stemme vnd enen zoeten done der orgelen
Lübecker passional 226
b bei Schiller-Lübben; der ton oder laut einer orgel-pfeiffe
the sound of an organ pipe teutsch-engl. lex. 1968. 3@a@eε)
von seiteninstrumenten: in dem selben spannen so dOent das selb saytenspil gar ain sssen dOen und der selb dOen hat siben sss stim und klang Ingold
das goldene spiel 82
Schröder; holde braut!so schön der ton deiner seyten stets geklungen, so viel dichter haben schon deiner tugend lob besungen Gottsched
ged. 1, 174; ich sehe die rauschende harfe! — durstig trink' ich mit ohr und blick ihren ton Kretschmann 5, 15; ist das klavier erst gebaut, wecken auch kinder den ton Hebbel 6, 348; der ton von Orpheus leyer durchschallt die öden felder Dusch 24; ich ging über die stiege immer dem ton etlicher geigen nach Ph. Hafner
ges. lustspiele 1, 10. 3@a@zζ)
von der singstimme des menschen: und engelstimmen kann fürwahr nichts sterbliches im ton erreichen Gottsched
neueste ged. 15; das meer scheint theil an ihrer klage zu nehmen und Orpheus auf ihren ton zu lauschen Göthe 49, 99
Weim.; hier hört er auf einmal ein helles fröhliches lied singen mit lustiger stimme, er geht dem tone nach B. v. Arnim
frühlingskranz 396.
ebenso von der stimme der singvögel: sie (
die nachtigall) ist dahin! sie, deren ton mir in die seele hallte Hölty
ged. 56; es war der ton der ammer zu hören, oder das zwitschern des zaunkönigs und goldhähnchens Stifter 5, 1, 270. 3@bb) ton
ist die besondere, ausdrucksvolle klangart, die klangfarbe der verschiedenen instrumente und singstimmen. dieser gebrauch ergab sich, wenn die schallwirkung an sich nach der wechselnden klangbeschaffenheit beurtheilt wurde. aber auch lat. tonus
wurde schon in solcher verwendung gebraucht und darnach dann das wort im franz. und in andern romanischen sprachen, deren einflusz in späterer zeit anzunehmen ist. doch vgl. schon im mittelalter klanges dôn: sîn helm was mit zwein hornen gezieret wol in fürsten wîs, die lûhten beide silbergrîs ... und mit ir klanges dône gefröuten maniger muoter kint Konr. v. Würzburg
turnei 496
Bartsch. in neuerer zeit liegt theilweise der fremde einflusz vor (
vgl.: ton, qualité de son, hic tonus die weise des thons Pomai 1, 921
a): thon ... ist die kunstgemäsze sing- und instrumentalische kling-art, die das abgesungene lied oder vorgespieltes music-stück, um so viel kräfftiger macht, durch ihr anhören die gemüther der gestalt zu afficiren, dasz sie so viel aufmercksamer, freudig oder betrübt, hertzhafftig oder verzaget, lustig oder wohl gar rasend werden Hübner
curieuses handlungslexicon 2114; es wäre der mühe wol werth, dasz man versuchte, die verschiedenen arten des tones, nach dem eigenthümlichen charakter jeder art, zu bestimmen Sulzer
theorie 4
1, 446. ton und takt: die finalen in der heutigen opera buffa sind das beste, wo alle die verschiednen charakter zusammenkommen, und in melodie, harmonie, ton, takt und begleitung durch mancherley ein buntes ganze machen Heinse 5, 272; horch' die geigenden zigeuner! wie vom teufel selbst gepackt! die gesichter immer bräuner, immer wilder ton und tact Hebbel 6, 423. ton, ausdruck: es ist die partitur der ausgesprochene wille des componisten, so dasz ton, ausdruck, bewegung, körperstellung beynah nicht verfehlt werden kann Göthe IV 27, 357
Weim. von dieser bedeutung des worts ist wohl auch auszugehen in dem franz. sprichwort: c'est le ton qui fait la musique der ton macht die musik aus (
nouv. dict. fr. allem. 928
a),
das dann bildlich auf ausdruck und inhalt der rede, auf die art und weise des gehabens und handelns überhaupt bezogen wurde; vgl. im folg. 8.
[] der plural ist in solcher verwendung naturgemäsz seltener, es sind dann die verschiedenen klangarten verschiedener instrumente oder singstimmen darunter zu verstehen: die natur jedes instruments kannte er aus dem grunde: wie der grosze maler farben auf seiner pallete mischt, so mischt er töne Schubart
ästhetik der tonkunst 81. 3@b@aα)
von den musikinstrumenten und der singstimme: fürchterlich wimmern die glocken zusammen — das ist kein ton, als wenn man zum gottesdienst läutete Schiller 3, 329; wobei der jüngere den stock mit der elfenbeinkrücke quer vor den mund nahm, zugleich den ton einer zum marsch blasenden pickelflöte nachahmend Fontane I 4, 246; klappenhorn (klappentrompete, ophikleïde) ... der ton aller instrumente solcher art ist unedel und etwas blöckend Riemann
katechismus der musikinstrumente 93; der ton einer guten orgel musz dick, schneidend und alldurchdringend seyn Schubart
ästhetik der tonkunst 278; blasinstrumente haben offenbar einen ganz andern charakter des tones, als sayteninstrumente, und von diesen ist der ton derer, die gestrichen werden, wieder von dem, der durch anschlagen oder zupfen der sayten hervorgebracht wird, ganz verschieden Sulzer
theorie 4
1, 446;
ton (
in der singekunst) ton, stimme Rondeau 1, 756 a; der ton der menschlichen stimme wird durchgehends mit recht für den vollkommensten gehalten Sulzer
theorie 4
1, 446; bey auswahl der stimmen musz man hauptsächlich auf den charakter sehen, ob empfindung im ton ist, zärtlichkeit, adel, heroisches wesen Heinse 5, 23.
auch von der stimme der singvögel: auch der ton (
der lorbeerlerche) ist durchaus verschieden von dem der deutschen haubenlerche: aber noch schwermütiger Brehm
thierleben 4, 230. 3@b@bβ)
der ton
eines virtuosen ist die ausdrucksvolle klangart, die seinem spiel eignet: zehn virtuosen können auf einerley instrumente, eines und dasselbe stück spielen: aber ihr vortrag und ton wird sich dennoch merklich von einander unterscheiden Kretschmann 1, 15; sein strich ist gigantisch, und sein ton schneidend und dick Schubart
ästhetik der tonkunst 222; 3@cc) den ton bilden, ändern, tragen, ersterben lassen: die bildung des tones in der flote ist der bildung des tones in der menschlichen luftröhre ähnlich Quantz
flöte traversiere 40; um den ton, ohne viel mühe, bald angeben zu können 45; den ton ändern 42; von disem vogel (
der nachtigall) ist zu verwundern, dasz in im die vollkommen kunst der music ist, dann er einen feinen gerichten und geregierten ton gibt und den zeucht er jetz mit einem langen athem, jetz krümbt er in, jetzt teilt er den und zerbricht in underweilen Gesner-Heüsslin
vogelbuch 170
a ; den ton einer orgelpfeiffe erhöhen
to raise the sound of an organ-pipe teutsch-engl. lex. 1968; den ton sinken lassen, herunterziehen. den ton schwellen, heben
etc. Campe; unterhalte den ton so lange, bis man ... 1—8 gezählet hat Quantz
flöte traversiere 57; in den zärtlichen arien schwächen sie die stimmen ganz unvermerkt, und am ende lassen sie den ton gleichsam ganz ersterben Mattheson
critica musica 1, 153; schöne sirene, wie du so artig kannst heben und tragen den ton, schweben ihn lassen und schwinden Herder 27, 295. 3@dd)
der ton
wird nach seiner klangstärke und klangart beurtheilt. 3@d@aα) der grosze, kleine, dicke, runde, dünne ton: diu glocke muoʒ den klüpfel hân, sol si grôʒen dôn begân Freidank 126, 15; daʒ im sin stimme erklanc von groʒme done Herbort v. Fritslar 4181; die vorzüge seines spieles, warmer groszer ton ... stempeln ihn zu einer musikalischen persönlichkeit
tägl. rundschau 1901
unterhaltungsbeil. 312
a; der geiger schien indisponirt: wir haben das werk fast niemals mit so kleinem ton und in so kleiner auffassung gehört 1898
unterhaltungsbeil. 1004
a; die dort verfertigten trompeten, posaunen, zinken, clarinets und fagots haben dauer und
[] schneidenden ton Schubart
ästhetik der tonkunst 206; orgeln, von dickem metallenen tone
ebenda; dann rief die kleine feuerglocke auf dem ratsturm mit gellendem ton die bürger zusammen Freytag 1, 40; eine proportionirliche oeffnung der zähne und des mundes, und ausdehnung der kehle, verursachen einen dicken, runden, und männlichen ton Quantz
flöte traversiere 51; sie selbst spielte die prächtige orgel, deren unerwarteter mächtiger ton alle bewohner des schlosses ... dahin zog Arnim 8, 328; die claviere mit schweren und starken widerlagen für die saiten haben deshalb einen weniger durchdringenden, aber viel anhaltenderen ton Helmholtz
tonempfindungen 115; der dicke und männliche ton ... der dünne, schwache ton (
der flöte) Quantz
flöte traversiere 41; denn die laute war ein gar schwer zu erlernendes, vornehmes instrument, das durch seinen magern ton zum tanzaufspielen für die menge sich nicht eignete Böhme
gesch. des tanzes 245. 3@d@bβ) der süsze, helle, dumpfe, rauhe ton: aller stimme ein crône ist herpfen seiten ziere, in sʒem hellem dône sô clinget dannoch fürbaʒ arzibiere
der graltempel 94
Zarncke; kaum fühlt sie (
die nachtigall) den gesang, so girrt sie schon in sanftem, süszem, liebevollem ton Ramler
fabellese 1, 25; der dumpfe ton der sterbeglocken Musaeus
volksmärchen 3, 278; feierlichen aber gedämpften tones klangen die weihnachtsmelodien Fontane I 1, 8; um seiner stimme ... einen milden ton zu geben Brentano 5, 39; Apoll ... stimmt seine leyer im sanften ton Gottschedin
briefe 1, 187; blosze holzschlägel geben den härtesten, schwammschlägel den weichsten ton Riemann
katechismus der musikinstrumente 110; so sagt man z. b. ein instrument habe einen starken, sanften oder rauhen ton u.
s. w. Koch
musikal. lex. 1537; der ziegengefüszete pausback zwingt den heiseren ton wild aus dem schmetternden horn Göthe 1, 307
Weim. 3@d@gγ) der gute, schlechte, der schickliche, natürliche ton: diese glocken hat einen guten odder bösen thon odder laut Agricola
musica choralis deudsch D II b; denn man sagt von einem solchen instrument, es habe einen schönen, hellen, vollen, oder einen schlechten, dumpfigen, unangenehmen ton Sulzer
theorie 4
1 446; wo es darum zu thun ist, den menschen durch töne in würkliche leidenschaften zu setzen, kommt es sehr vil auf die gute wahl des instruments an, das den schicklichen ton dazu hat
ebenda; (
der recitierende) ist mit einem fortepiano zu vergleichen, auf welchem ich in seinem natürlichen, durch die bauart erhaltenen ton spiele Göthe 40, 145
Weim. 3@d@dδ) der reine, verstimmte ton: bis ihm ein fehlerfreyer klang, das zarte meisterohr mit reinem ton ergetzet. Gottsched
ged. 2, 251; schwache dichter und poeten, flieht mit eurer kunst davon! weiche du verstimmter ton, der mir vor so süssen flöten Neukirch
ged. 54; 3@ee)
die empfindungen kommen zum ausdruck, der feierliche, innige, schauerliche, wilde ton: sie haben hier eine glocke, die gar keinen feierlichen ton hat Göthe 17, 29
Weim.; siehst du meinen geliebten: so sag' ihm an mit dem innigsten ton: 'es grüszet die deine dich!' Herder 27, 36 (
an die nachtigall); aber nimmer beschreib' ich dieser kehle herzgewinnenden ton Mörike 1, 195; es giebt instrumente, die einen klagenden ton haben, andre haben einen fröhlichen Sulzer
theorie 4, 446; bey dem dumpfen dröhnen von seltsamen hörnern, deren banger, schauerlicher ton marck und gebein durchzitterte Wackenroder
herzenserg. 149; nun rasen aus dem wild'sten ton die geigen und die pfeifen Hebbel 6, 194. 44) ton
der musik im besondern ist ein seiner tonhöhe nach bestimmbarer musikalischer klang. diese verwendung des worts hat theils seine älteren gebrauchsweisen zur voraussetzung, theils die bedeutung des lat. tonus
in der kunstsprache [] der musiktheorie. wenn einerseits ton
auf die klangwirkung eines musikinstruments und der singstimme im allgemeinen bezogen wurde, so lag es nahe, auch die verschiedenen und unterscheidbaren klänge als töne
aufzufassen, und so ist denn auch in der ersten deutschen bibel bereits von der vnderscheidunge der dOene
auf dem horn und der harfe die rede;
ferner war ja jede schallerscheinung an sich im weitesten sinn ein ton
ein '
sonus',
also auch in der musik, und während im franz. z. b. der alte gebrauch von '
sonus'
im musikalischen sinn, der in der antike und bei Boethius
geltung hat, fortgesetzt wird, gelangt im deutschen ton
auch in dieser bedeutung zur herrschaft. deutlich auf den musikalischen zusammenklang als solchen hat der meister Ingold
das wort bezogen in seiner abhandlung vom '
saytenspil': (
Pythagoras) hies zwen hAemer zesamen schlahen, den der da zwelf hat an dem gewicht und den der da hat sechs an dem gewicht; und die habent ain thon dyapason, ain octava
das goldene spiel 79
Schröder. andrerseits hat aber doch auch die lat.-ital. terminologie der musiktheorie diese verwendung von ton
begünstigt; lat. tonus
war nicht nur als '
tonart',
sondern auch als '
intervall'
seit alters her in ununterbrochenem gebrauch (
vgl.d
im folg.),
und schon zu beginn des 16.
jhs. läszt sich der einflusz dieser verwendung nachweisen in der deutsch gereimten instrumentationslehre des Martin Agricola.
auch er spricht noch im allgemeinen von den musikalischen '
sonis'
wie Boethius,
und auch bei ihm ist wie bei diesem tonus
zunächst ein '
intervall'
; doch gebraucht er neben der lat. auch die rein deutsche form, wenn er sagt, die eine seite sei ein ton niddriger gestellt.
dann aber begegnet hier bereits der hoch und niddrige ton,
und da liegt die verwendung von ton
im musikalischen sinn von '
sonus'
klar zu tage; dabei ist der einfluss des lat. worts der kunstsprache auch in der lautgebung erkennbar, in der damals sonst ungewöhnlichen bloszen tenuis. noch deutlicher und nunmehr allgemein maszgebend wurde aber diese einwirkung um die wende des 17.
zum 18.
jh.: die kunstsprache der der akustik und musiktheorie hat das wort wohl nach dem ital. zunächst in lat., dann in deutscher form dauernd in jenem musikalischen sinn durchgesetzt, den wir jetzt noch als seine grundbedeutung empfinden; nunmehr wurde die begriffsbestimmung endgültig festgelegt, und 1745
verzeichnet Zedler: tonus bedeutet in der music manch mahl so viel als sonus oder einen klang 44, 1252.
nachdem das lat. tonus
selbst im sinne von '
sonus'
gebräuchlich geworden war, schlosz sich das deutsche wort an; wieder bestätigen lautliche verhältnisse diesen sachverhalt in ganz unzweideutiger weise: nunmehr wird die blosze tenuis allgemach vorherrschend, und es begegnen jetzt plötzlich die unumgelauteten plurale, die in der ersten hälfte des 18.
jhs. weitere verbreitung gewinnen und sicher dem ital. und lat. nachgebildet sind (
vgl. im vor. sp. 686).
bequem läszt sich diese entwicklung verfolgen in der im jahre 1700
erschienenen musikalischen satire von Joh. Kuhnau
der musikal. quacksalber; er verwendet zunächst die lat. form: da doch solches instrument in dem ambitu dieser stimme gar arm ist, und ... die wenigsten tonos hat 42
neudr.; dann steht neben der lateinischen form die deutsche, unumgelautete, die noch wie die andern fremden kunstausdrücke durch antiquadruck hervorgehoben wird: Pan hat wohl dergleichen pfeiffe gehabt: aber wenn er hinein geblasen, so haben alle tone und secunden zugleich gantzbarbarisch und ohne harmonie geklungen ... und würde er die zusammen klingende tonos ohne die anderen secunden alleine nimmermehr haben treffen, vielweniger in der harmonie continuiren können 205. 4@aa)
der begriff von ton
wird festgelegt und dem von schall, laut, klang
gegenüber abgegrenzt. 4@a@aα)
ton de musique ein laut, schall oder thon in der music
tuono di musica Rädlein 2, 816; wir wissen aber, wie sehr vox articulata cum canora, wie sehr ein wort- oder andrer klang von dem musicalischen ton differire Mattheson
critica musica 101; ein ton entstehet von einer zitternden bewegung der luft von gleicher ausdehnung. der ton also, der in der musik statt findet, ist von dem laut oder klange, so nicht vernehmlich und nicht von gleicher ausdehnung ist ... unterschieden
[] Mizler
gradus ad parnassum 2; in engerer und gewöhnlicherer bedeutung ist der ton ein klang in beziehung auf andere klänge, ein klang, welcher sich deutlich von andern unterscheiden und mit andern vergleichen läszt; in welchem verstande es besonders in der musik üblich ist Adelung; Campe; der blosze schall musz sich also in den eigentilchen ton verwandeln: jener ist ein unentwirrbares gemisch von diesen, töne aber sind etwas reines und gleichartiges A. W. Schlegel
vorlesungen 1, 115
neudr.; zunächst unterscheiden wir zwischen geräuschen (zischen, plätschern, rasseln usw.) und musikalischen klängen oder tönen Joh. Müller
lehrbuch der physik 1
7, 369; ton heiszt ein musikalisch brauchbarer klang; nur klänge von konstanter schwingungsform sind töne Riemann
musiklex.7 1142; zum ton veredelt sich der schall, wenn die schwingungen des körpers regelmäszig erfolgen Vischer
ästhetik 3, 847. 4@a@bβ)
in streng wissenschaftlichem gebrauch hat Helmholtz
den begriff von ton
noch weiter eingeengt und als den von all seinen beitönen gereinigten musikalischen klang
umschrieben: es ist durchaus nöthig, in der akustik zwischen dem klange,
d. h. dem eindruck einer periodischen luftbewegung überhaupt, und dem tone, dem eindruck einer einfachen schwingung zu unterscheiden,
tonempfindungen 39; wirklich auf einen ton reducirt sich der klang einer tonquelle nur in sehr wenigen fällen, z. b. bei den stimmgabeln 97;
vermittelnd zwischen diesem streng akustischen und den allgemeinen sprachgebrauch sagt Riemann: töne werden aufgefasst als vertreter von klängen
handbuch der harmonielehre3 2. 4@bb) ton
in diesem sinn ist allgemeiner begriff; als akustisches phänomen: in den doxoskopien nimmt am ende der physik der ton und also harmonie nur wenige blätter ein Göthe II 7, 120
Weim.; ton ist luftsubstanz, luftseele, die fortpflanzende luftbewegung ist eine affection der luft durch den ton. im ohre entsteht der ton von neuem Novalis 2, 233. ton und schall: wenn ton nicht schall ist: so ist ton- und nicht schalllehre, melodie und nicht harmonie der haupttheil der ästhetischen musik Herder 4, 114; jeder höret gern den schall an, der zum ton sich rundet Göthe 6, 23
Weim. als musikalisches ausdrucksmittel: ton ist die sinnlichste darstellung der seele, und gleichsam das wahrste bild ihres reinen sich in sich selbst regenden wesens Heinse 5, 112; denn nicht die unmusik macht den musiker, sondern die musik und die übersinnlichere musik bringt die musik in sinnlichem ton hervor Göthe IV 19, 56
Weim. ton und farbe: wer die physischen wirkungen, die höchsten, die wir kennen, farbe und ton, hinunter ziehen wollte, würde sich sehr verkürzen Göthe II 11, 173
Weim.; der ton scheint nichts als eine gebrochne bewegung in dem sinn, wie die farbe gebrochenes licht ist, zu sein Novalis 2, 236; wo die natur den ton verleiht, da versagt sie die farbe, wo sie die farbe gewährt, weigert sie immer den ton Hebbel 6, 358. ton
wird dann in dieser verwendung als '
musik'
überhaupt gebraucht: in vielen melodischen gängen wandelt der ton auf und nieder Herder 23, 21; mit Reichardt, der vor kurzem gestorben, ist Teutschland ein groszer meister des tones verstummt Görres
schriften 2, 118. 4@cc)
auf der unterscheidung nach der tonhöhe beruht die normierung und benennung bestimmter töne
im musikalischen system. sie wurden in der technischen sprache der alten theoretiker zunächst als soni
und voces
bezeichnet; seit dem 11.
jh. war dann in diesem sinn besonders clavis
im gebrauch (
vgl. Riemann
musiklex.7 261),
so noch im 16.
jh. und später: volget noch ein ander, besser und gemeine art, wie man die claves nach musicalischer weise, auff diesen pfeiffen blasen und greiffen soll Martin Agricola
mus. instr. deudsch 178
neudr. auch hier ist der technische gebrauch von tonus
jünger und wie in a
aus d
übertragen. vgl.: tonus musicus, sonsten auch clavis genannt, deren 7 sind und durch die 7 ersten buchstaben des alphabets unterschie den werden Sperander (1721) 743
a;
ebenso Zedler,
[] Hübner, Jacobsson.
erst im 18.
jh. begegnet die technische verwendung, als unmittelbare entlehnung aus der ital.-lat. kunstsprache, wie der zunächst umlautlose plural deutlich zeigt: C ist hiebey trumpf; doch könte man vermuthlich auch nach andern tonen die gläser einrichten lassen Mattheson
crit. mus. 2, 96; die acht tone
the eight tones of an octave in music teutsch-engl. lex. 1968; ingleichen, dasz man noch nicht wüste, wie es käme, dasz mancher clavis oder ton eines instruments in einem zimmer stärcker klinge, als in dem andern Kuhnau
der mus. quacksalber 103
neudr.; so sagt man: der ton C oder c Sulzer
theorie 4
1, 446
b; Guido von Arezzo, ein eifriger reformator der musik seiner zeit, führte im anfang des eilften jahrhunderts ein system von zwey und zwanzig diatonischen tönen ... ein 343
b; nur siben töne hat die tonkunst Herder 27, 192; die sieben töne liegen zwar auch in der kehle der vögel; aber was hat der mensch aus diesen sieben tönen gemacht! Schubart
ästhetik der tonkunst 4. 4@dd)
aus dem alterthum stammt die verwendung von ton
zur bezeichnung des '
intervalls'
in der diatonischen scala; als sich dann die nothwendigkeit ergab, ein kleineres intervall zu bestimmen, wurde dieses als halber ton
von dem ton
als dem ganzen ton
unterschieden. schon griech. τόνος ist im sinn von '
intervall'
gebraucht worden, von dessen breite (
πλάτος)
die rede war; darnach auch lat. tonus
im alterthum und im mittelalter: diapason consonantia constat ex quinque tonis et duobus semitoniis, quae tamen unum non impleant tonum Boethius
inst. mus. 1, 17;
in dem deutschen tractat des 10.
jhs. '
de musica'
aus St. Gallen: uuir fíndên ûfstîgendo fóne demo niderôsten ze demo óberôsten díse síben únderskéita. tonum tonum semitonium. tonum tonum semitonium tonum
Pipers Notkerausgabe 1, 855;
so noch im 16.
jh.: sesquoctaff der ander und dritt ein gantzen tonum brachten mit Martin Agricola
musica instr. deudsch 253
neudr. hier aber begegnet auch schon die reindeutsche form: nemlich wenn der underste chor ein ton niddriger gstelt, dann vor 230.
darnach im 18
jh. allgemein: es ist aber der ton ein harmonischer unterscheid, da man die stimme bald um eine stuffe erhöhet, bald erniedriget Sperander 743
a;
ebenso Zedler, Hübner
und Jacobsson; halber thon
semitonio Kramer (1678) 1043; halbe tone
half-tones teutsch-engl. lex. 1968; ein ganzer, ein halber ton Adelung; Campe; der kleinste raum von einem ton zum andern heiszt ein halber ton, uud die verbindung zweyer halben töne heiszt ein ganzer ton Marpurg
handbuch bey dem generalbasse 2; ganze töne werden die gröszeren stufen C-D, D-E; halbe töne die kleinern E-F, F-Fis, u.
s. f. genannt Sulzer
theorie 4
1, 446; im singen einen gantzen oder halben ton herunter fallen
to fall, or lower a tone or half a tone in singing teutsch-engl. lex. 1968; diese instrumente haben vier ventile und zwar vertiefen dieselben auf der tenortuba in B um ½, 1, 1½ und 2 töne, auf der basztuba in F um ½, 1, 2 und 3 töne Riemann
katechism. der musikinstr. 104;
auch der grosze
und kleine ton
wird unterschieden: die harmonische hälfte der octave giebt die reine quinte; ... und die harmonische hälfte der groszen terz den groszen und kleinen ton Heinse 5, 66; die ganzen töne sind wieder zweyerley: der grosze ganze ton, C-D ..., der kleine ganze ton, wie D-E Sulzer
theorie 4
1, 446.
im übertragenen sprachgebrauch; sprüchwörtlich und bildlich: das geht einen ton zu hoch Wander 4, 1265.
in weiter übertragenem sinn: indessen glaube ich doch bemerkt zu haben, dasz der französische schauspieler, durch einen verjährten gebrauch und den verdorbenen geist seiner nation geleitet, selbst für diese nationale art von tragödie noch um einen ton zu hoch beginnt Solger
nachgel. schriften 1, 59; der gemeine mann würde sich einen ton herauf, der vornehmere einen ton herab stimmen, und die welt würde mehr väter, mehr brüder, mehr freunde haben Hippel
über die ehe 52; dieser ausspruch brauchte nur um einen ton verstärkt zu werden
M. Bernays
schriften zur kritik und litteraturgesch. 2, 249; mehr bedeutet, dasz jeder vom nächsten sich immer
[] gerade um das fatalste intervall, den halben ton, unterscheidet P. de Lagarde
deutsche schriften 27.
von der farbe: Hinnerk Schmidts sonnenverbranntes gesicht wurde um einen ton bleicher
tägliche rundschau 1908
unterhaltungsbeil. 569
a. 4@ee)
aus der lat. terminologie der musiktheorie ist auch der gebrauch von ton
im sinn von '
tonart, tonleiter'
herzuleiten. tonus
wurde schon zur bezeichnung der antiken tonarten verwendet, und im mittelalter bezog man dann das wort auf die gregorianischen weisen des kirchengesangs; vgl. im vor. sp. 683.
in lat. form begegnet es in dem deutschen tractat '
de musica'
aus St. Gallen: tíu des êristen toni. únde des ánderen sínt tíu hábent ûʒlâʒ án demo. B
Pipers Notker - ausgabe 1, 853.
später steht dann neben der lat. auch die reindeutsche form: bey seinen zeitten haben die Griechen nur drey tön gehabt, dorium, lydium und phrygium Cyr. Spangenberg
von der musica 69
Keller; da er (
Luther) vor 40 jahren die deutsche messe zu Wittenberg anrichten wollte, hat er ... dazumalen von den choralnoten und art der acht töne unterredung mit uns gehalten und beschlieszlich hat er von ihm selbst die choralnoten octavi toni der epistel zugeeignet & sextum tonum dem evangelium geordnet Johann Walther in der
Weim. Lutherausgabe 19, 49.
in neurer zeit noch in historischer verwendung: er (
der verfasser dieser alia musica) ... definiert das verhältnis der plagalen zu den authentischen tönen als das der tieferen quart Riemann
gesch. der musiktheorie im 9 -19.
jh. 13; in den sieben tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder, in den sieben alten tönen, die umfassen alle lieder G. Keller 9, 53. 4@e@aα)
im 17.
jh. wurden die kirchentöne durch die unterscheidung von dur und moll verdrängt (Riemann
musiklex.7 1423);
nunmehr wird ton
auch mit bezug auf diese gebraucht. zunächst verwendet die kunstsprache den lat. terminus, so noch zu beginn des 18.
jhs.: diejenigen toni, welche, aus ihrer natur, die tertiam minorem mit sich führen Mattheson
crit. mus. 28. weil er (
Caraffa) ein musicus ist, und es vermuthlich mit fa oder der tertia minore, das ist mit denen weichen und mollen tonis hält Kuhnau
der mus. quacksalber 29
neudr. alsbald begegnet auch das deutsche wort: der harte don
cantus durus der weiche don
cantus mollis Stieler 324; nach der sogenannten gleichschwebenden temperatur hätte man in der that nur zwey verschiedene töne, einen nach der groszen oder harten, und einen nach der kleinen oder weichen tonart Sulzer
theorie 4
1, 447
b; harte und weiche töne (dur- und molltöne) Campe.
der moderne sprachgebrauch bevorzugt in diesem sinn tonart. 4@e@bβ) ton
ist die '
tonart'
insofern sie nach der tonstufe bestimmt ist, auf welcher der tonische akkord seinen sitz hat (Riemann
musiklex.7 1423),
nach ihrem grundton. in diesem sinn hat das wort im 18.
und 19.
jh. gröszere verbreitung gefunden, doch empfindet das moderne sprachbewusztsein auch hier tonart
als die correcte bezeichnung. zunächst bedient sich die kunstsprache wieder des lat. worts: weil die toni aus dem re, fa meistentheils dem affectui tristitiae zustatten kommen müssen Kuhnau
der mus. quacksalber 30
neudr. dann begegnet die reindeutsche form: wenn man sagt, ein stück sey aus einem gewissen ton gesetzt, ... so heiszt es so viel, man nehme zur fortschreitung des gesanges nur die töne die in der octave desselben tones nach seiner harten oder weichen tonart liegen Sulzer
theorie 4
1, 447
a; jeder ton ist entweder gefärbt, oder nicht gefärbt. unschuld und einfalt drückt man mit ungefärbten tönen aus. sanfte, melancholische gefühle, mit B tönen; wilde und starke leidenschaften, mit kreuztönen ... Esdur, der ton der liebe, der andacht, des traulichen gesprächs mit gott Schubart
ästhetik der tonkunst 377. in einen andern ton übersetzen, versetzen: transponiren bedeutet in der musik, wenn man ein stück in einen andern ton übersetzet, als woraus es eigentlich componiret ist Scheibe
crit. mus. 415
anm.; die stücke derer, die eine solche sorgfältige wahl getroffen haben, lassen sich deswegen nie ohne schaden
[] in andere töne versetzen Sulzer
theorie 4
1, 448
a. aus einem ton spielen
in einer tonart spielen Scheibe
crit. mus. 415
anm.; man verlanget noch überdies dass ein clavierspieler ... aus allen tönen mit gleicher leichtigkeit spielen ... soll Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen, vorrede. aus einem ton singen:
de quel ton est ce pseaume? aus welchem tone wird dieser psalm gesungen? Rondeau 1, 756; das lied wird in dem ton gesungen
ce cantique (
cet air)
se chante sur un tel ton 2, 591. das stück geht aus einem ton: weil nun eine jede melodie, oder sing- und spiel-weise, jedes stück, jedes lied, einen eintzigen gewissen haupt-klang haben musz, um welchen es sich vornehmlich aufhält, und darin endiget, nach dem sprichwort: am ende des gesanges weiset sich, aus welchem ton es gehet Mattheson
generalbaszschule 115; die wahl des tons, aus welchem das stück gehen soll Engel 4, 309; aus welchem tone geht das stück? Adelung; das stück gehet aus einem andern ton Campe.
an ton
im sinne von '
tonart'
knüpfen vielfach bildliche und übertragene ver wendungen an; bildlich vom lied auf diesen ton hinausgehn, in solchem ton auszhalten: doch gehet fast insgemein das lied auf diesen thon hinaus: gunst und geld erhält die welt J. W. Christstein
weltmann (1675) 38; ich gedachte wohl, das lied würde in solchem ton auszhalten
kunst über alle künste 21.
vgl. auch im vor. 2, k,
und im folg. 8. 4@ff) ton
ist die '
stimmung',
das ist der bestimmte ton,
nach welchem die instrumente gestimmt wurden, der früher vielfach verschieden war, bis im jahr 1858
durch die Pariser akademie die normaltonhöhe des eingestrichenen a auf 870
einfache oder 435
doppelschwingungen festgestellt wurde (
vgl. Riemann
musiklex.7 680).
auch in diesem musikalisch-technischen sinn ist der gebrauch des ital. und franz. worts vorangegangen: der ton, in welchem die orchester zu stimmen pflegen, ist nach beschaffenheit der orte und zeiten immer sehr verschieden gewesen. der unangenehme chorton hat einige jahrhunderte in Deutschland geherrschet ... der venezianische ton ist itziger zeit eigentlich der höchste, und unserm alten chortone fast ähnlich Quantz
flöte traversiere 241; dasz .. in einer jeden provinz und stadt, eine andere stimmung, oder herrschender ton, eingeführet ist 25; die verschiedenheit des tones in welchem man stimmet, ist der musik sehr schädlich 241; zwey instrumente auf einen ton stimmen
accorder deux instruments sur un même ton Rondeau 2, 291. zwei instrumenten gleich, in zwei verschiednen tönen gestimmt, wo eines will das andre niederdröhnen Rückert 8, 115. im tone halten, erhalten (
ital. '
tenere in tono'): eben also ist es einem rechtschaffenen musico und componisten gar nicht genug, wenn er einen choral anzustimmen, und die schüler im ton zu halten weisz Mattheson
generalbaszschule 29; aus dem tone bringen: denn es verwirren dergleichen übersteigende und ungewöhnliche sätze den zuhörer, und bringen die sänger sehr leicht aus dem tone Scheibe
crit. mus. 184;
auch aus dem tone kommen (
ital. '
uscir di tono').
beide wendungen werden dann in übertragenem sinn gebraucht: '
aus der fassung bringen, aus der fassung kommen'
; vgl. im vor. 2, k,
β. der ton steht hoch oder tief: der ton des orchesters mag hoch oder tief stehen, so wird er doch nicht vermögend seyn die verhinderung, so eine ungleiche stimmung an der guten ausnahme machet, zu ersetzen Quantz
flöte traversiere 181. im rechten ton stehn (
vgl. ital. '
stare in tono'): musicus: mein instrument stehet nunmehr im rechten ton, madame (
ist in der richtigen stimmung)
kunst über alle künste 96;
übertragen: dernach wann es bei ihr im rechten ton stehet, will ich auch gelindere seiten aufziehen 146;
vgl. auch im vor. 2, k,
ε und im folg. 8, h,
δ.
in absolutem sinn den (
maszgebenden) ton geben, angeben (
ital. '
dare il tono'
und franz. '
donner le ton'),
nach dem die musikanten sich zu richten, zu stimmen haben. ebenso beim singen: canentibus tonum praeire, toni modum praecinere, praemoderari den singern den thon geben Pomai 1, 921 a
; vgl. auch im folg. 9. 4@gg)
die töne
an sich sind gehörseindrücke. [] 4@g@aα)
als akustische und musikalische phänomene: die töne an und für sich genommen, und nach dem bloszen verhältnisz, sind freylich so allgemein, wie das element der luft, woraus sie bestehen Heinse 5, 233; es wohnet inne ein fesselnder, von dem ganzen alterthum gefeierter zauber in der anschaung mathematischer wahrheiten, der ewigen verhältnisze der zeit und des raumes, wie sie sich in tönen und zahlen und linien offenbaren Humboldt
kosmos 2, 394; da fuhren lichtstrahlen durch die nacht, und die lichtstrahlen waren töne, welche mich umfingen mit lieblicher klarheit E. Th. A. Hoffmann 1, 15; die erde rollte mit ihrer achse wie mit einer spielwelle nahe an der sonne und schlug aus ihr strahlen und töne Jean Paul 15-18, 535; sie ver mischte die sinneseindrücke in ihren reden auf die seltsamste weise, sodasz sie von tönen behauptete, sie sähe rot oder blau, und umgekehrt von den farben, sie klängen munter oder traurig O. Ludwig 2, 581; der einwurf, über töne dürfe man nicht urtheilen ... verliert alle kraft Schubart
ästhetik der tonkunst 2; worte und töne sind wahre bilder und ausdrücke der seele Novalis 3, 216; jeder ton ist die vereinigung einzelner vibrirender theile eines stoffes zu einer gesammtwirkung Vischer
ästhetik 1, 148. 4@g@bβ) töne eines accords, lieds, der musik überhaupt, eines tonmeisters: wer kann den bund zweier herzen lösen oder die töne eines akkords auseinander reissen? Schiller 3, 371; nimm einen ton aus einer harmonie, nimm eine farbe aus dem regenbogen, und alles, was dir bleibt, ist nichts, solang das schöne all der töne fehlt und farben 11, 50; versäume nichts, schreib mir alles, wie wenn es gesungen wär, wo du auch keinen ton auslassen darfst, ohne die harmonie zu zerstückeln B. v. Arnim
die Günderode 1, 210; jeder ton kann wichtig sein in den groszen melodein Oetker
lebenserinnerungen 2, 324; genau so gut könnte ich mich vermessen, den duft einer rose oder die töne einer sonate — erzählen zu wollen
tägl. rundschau 1908
nr. 127, 1.
beil. 3; wen die töne des hochamts in dieser kirche zum himmel erheben Justi
Winckelmann 2, 1, 27; ein theures bild, wohl wirkt es wunderkräftig, wohl mancher kummer weicht des liedes tönen Uhland
ged. 1, 111; wie durch einen reinen ton der musik uns unzerreiszbar ihre tonleiter in allen tönen und tonarten gegeben ist Herder 22, 60; dieses gemälde, ... welches nur Thomsons und Haydns töne dem ohre malen können
F. Th. v. Schubert
verm. schriften 3, 43; und mit wonne lauscht sie wieder Goethe's liedern, Mozarts tönen Geibel 4, 86. 4@g@gγ) der ton tönt, töne klingen, rauschen, gleiten, glänzen, lachen, schmelzen
u. s. w.: weil ein ton nie allein, sondern immer dreifältig tönt, gleichsam die romantik der zukunft und der vergangenheit mit der gegenwart verschmelzend Jean Paul 52-60, 162; wenn mehr als zwei töne zusammen klingen Helmholtz
tonempfindungen 348; rauscht ihr töne, klopft ihr herzen, dieser festtag macht uns froh Gottsched
ged. 2, 319; schneller brausen jetzt die töne, kühner herzen wilde söhne Lenau
neue ged. 30; ei wie so wundersam durch die nacht die töne schwellen und gleiten! Geibel 2, 156; alle naturgesetze sind durchlöchert ... die farben klingen und die töne leuchten Immermann 2, 155; Tieck läszt nicht nur die farben klingen , .. sondern auch die töne glänzen Jean Paul 49-51, 308; und dennoch wirst du ewig in mir leben, gleich wie ein ton lebt in der stillen luft Hebbel 6, 207; keine farbe ist so romantisch wie ein ton, schon weil man nur bei dem sterben des letzteren, nicht der ersteren gegenwärtig ist Jean Paul 52-60, 162; wie kinderjubel und todesqual lachen und weinen die töne Geibel 3, 154;
[] ein musikliebhaber, der wenn er sich vor sein notenblatt setzt, doch töne hervorbringt, die ihm und andern vergnügen machen Göthe IV 8, 240
Weim.; künstler lernen der natur ihre werke ab, töne schmelzen die wilde Schiller 1, 156; 4@g@dδ) geschwirr von tönen, sturm, wellen, welt der töne, der töne macht, zauber: ein angenehmes und oft rührendes geschwirr von tönen Heinse 5, 78; wie kann der heilige sturm der töne nur ein stäubchen rücken Jean Paul 15 -18 645; die orgel wälzt nicht mehr der töue strom dnrch die gewölbe majestätisch fort Matthisson
ged. (1874) 78; ein ozean der töne A. Grün 4, 66; wie auf den wellen der töne mein ganzes wesen, melodisch durchzittert, in den himmel hineinschwamm Steffens
was ich erlebte 1, 151; in dieser weise kann denn die melodiöse bewegung der töne ausdruck werden für die ... gemüthszustände Helmholtz
tonempfindungen 413; und mir entgegnet, was mich sonst entzückte: der leier klang, der töne süszes licht Göthe 16, 336
Weim.; was er hört, das musz er emsig schreiben; so ersteht der töne dauernd bild Immermann 11, 246; du hast im gebiete der kläng' und töne erforscht das edele, hoh' und schöne Hoffmann v. Fallersleben 6, 78; verloren in die welt der töne, vergasz er hier so mancherlei lasten Fr. Rochlitz
für freunde der tonkunst 1
3, 81; der töne macht, die aus den saiten quillet, du kennst sie wohl, du übst sie mächtig aus Schiller 15, 1, 11; wer seiner töne zauber hörte, beklagt, dasz sein geschick ihn rief Langbein 5, 385. 4@g@eε) keinen ton verstehn, töne setzen, in tönen malen sprechen, denken: hier war ich noch so wenig nutze, als einer, der noch keinen ton verstehet, in einer kapelle
der Leipziger aventurier 1, 49; wer not und ton nicht kennt, der wird erbärmlich singen Günther
nachlese 134; das töne setzen will nicht gelingen Schnitzler
der grüne kakadu 14; diese töne, denen von anfang her eine sympathie zur menschlichen seele verliehen ist, so zusammenzusetzen, dasz sie das herz rühren Wackenroder
herzenserg. 264; da schwebt hervor musik mit engelschwingen, verflicht zu millionen tön' um töne Göthe 3, 27
Weim.; gewisse bewegungen des herzens, die sich in töne bringen lassen Gerstenberg
briefe 338
neudr.; mit tönen zu begleiten Göthe IV 42, 29
Weim.; töne durch töne zu mahlen: zu donnern, zu schmettern, zu plätschern und zu patschen ist detestabel 33, 9; oft musz ichs selbst ihr sagen in tönen B. v. Arnim
frühlingskranz 324; wir werden nun in tönen mit einander sprechen Mendelssohn
briefe 1, 195; so singt er seines stammes melodie'n ihm sacht zur cither, schwermuthvolle weisen, daraus des volkes seel' in tönen klagt Geibel 2, 276; dasz alle pulse zu klängen werden, dasz alle gedanken in tönen irren Tieck 2, 115; süsze liebe denkt in tönen, denn gedanken stehn zu fern, nur in tönen mag sie gern alles, was sie will verschönen Tieck
bei Uhland
ged. 1, 120; eine philosophie in tönen kann man diesen romanzenkranz nennen Bruns
vorträge 472. 4@g@zζ) der meister der töne, der maler mit tönen: heiszet den meister der töne willkommen W. Müller
ged. 1, 372; studire die werke groszer meister: einen Bach .. Mozart .. Beeke, den maler mit tönen Schubart 6, 73. 4@hh) 4@h@aα)
die töne
werden auf den musikinstrumenten hervorgebracht: es sey das horn, oder die herpffe, nuer sy
[] geben vnderscheidunge der dOene, in welcher weys wirt zewissen was do wirt gesungen oder was do wirt geherfft?
erste bibel 1 Cor. 14, 7
Kurrelmeyer; diejenigen, welche davor halten, dasz die blasinstrumente oder röhren selbst eine zitternde bewegung annehmen und also die tone der blasinstrumente zu der ersten gattung der tone rechnen, werden solches schwerlich beweisen können Zedler 44, 1188; wer erinnert sich ... nicht der im posthorn eingefrornen töne, und — und — o! o! o! — — Immermann 1, 7; geister jagen mich, wie donner schallen mir der orgel töne Schiller 13, 299; wer hat aus den saiten die thöne geschaffen Zimmermann
von dem nationalstolze 126; seine violine sprach; jeder ton ward eine silbe Miller
Siegwart2 560. ist auf deinem psalter, vater der liebe, ein ton seinem ohre vernehmlich, so erquicke sein herz! Göthe 2, 62
Weim.; 4@h@bβ)
von der singstimme: aber warum wollen wir denn vergessen, dasz töne unsrer stimme ein viel unmittel bareres bild geben, als töne selbst der sprechendsten geige Gerstenberg
briefe 30, 341
neudr.; wie ihre töne lieblich klangen und heimlich süsz ins herze drangen Heine 1, 51;
auch von der singstimme der vögel: der vogel, der ganz stimme und ganz liebe ist, erkennt die töne seiner art Abbt 1, 126; in der leeren luft, durch die keine gefiederte töne, keine klopfende herzen mehr flogen, zeigte sich nichts lebendiges als die ewige sonne Jean Paul 1, 267; der nachtigallen töne hohlt' er vom wald herzu Blumauer
ged. 58; 4@h@gγ)
die instrumente geben töne: so gibt jede pfeife (
der orgel) nur einen ton, und es sind daher so viele pfeifen wie töne erforderlich Riemann
musiklex.7 1024; das weib gleicht einer flöte, die jedem töne gibt, der sie anzublasen weisz Klinger
theater 2, 50. 4@h@dδ) töne erzeugen, anschlagen, blasen, singen: geregelte töne zu erzeugen und harmonisch zu verbinden Böhme
gesch. des tanzes 1; der frohe Phöbus selbst ergriff bey dieses festes feyer, die allmachtreiche leyer, und liesz bey seiner schwestern singen die göttlichschönen töne klingen Gottsched
ged. 2, 310; er brachte wohl einen ton heraus, aber keine note
Shakespeare, sommernachtstraum 5, 1; mit dieser übung unterhalte man sich so lange, bis man diese töne alle, nacheinander, sicher heraus bringen kann Quantz
flöte traversiere 45; so werden die dreygestrichenen töne, bis an das G, ganz gemächlich zur ansprache gebracht werden können 45; man spiele hierauf, in der ersten oetave, die töne nach einander unterwärts, bis in das eingestrichene D 45; wenn ich zwei klaviere neben einander stelle, und auf einem derselben eine saite rühre, und einen ton angebe Schiller 1, 88; ich ... sang zu den tönen, die die sklavin auf der laute anschlug O. Ludwig 2, 466; die horn-musik, wo jeder sein ganzes leben durch nur einen einzigen ton bläset
F. Th. Schubert 2, 253; sie steht vor dem gemälde still, betrachtet es, und greift auf dem klavier einige töne Tieck 2, 275; indem man auf einem instrument einen ton greift, ist unter allen tönen, die es möglicher weise angeben kann, nur dieser einzige wirklich Schiller 10, 312; die töne brechen, reiszen Campe; wie in der musik das richtige, genaue und reine treffen jedes einzelnen tones der grund alles weiteren künstlerischen vortrages ist Göthe 40, 140
Weim.; der ton, den ich singend aushalte, ruht mit dem anfang bereits in der vergangenheit Pückler
briefw. und tageb. 1, 376; und wie er die töne (
der posaune) aushielt, anschwellen und verklingen liesz, so machte es ihm keiner nach Riehl
culturgesch. novellen 62; welzet die thone die treppe hinunter! ändert den lauf! und stolpert die stufen auch rückwerts herauf! fort schlaget zuweilen ein trillo mit unter! Stoppe
Parnass 70;
[] hört, wie hier die vögel singen! wie so hell, wie rein, wie klar! hört, wie sie die töne kräuseln! Brockes
irdisches vergnügen in gott 5, 36. 4@ii)
die töne
werden nach ihrer klanghöhe, klangstärke, klangdauer und klangart im allgemeinen unterschieden. 4@i@aα)
der vorstellung des musikalischen systems als einer '
tonleiter'
entspricht die unterscheidung der töne
nach höhe und tiefe. in der lat. terminologie der älteren musiktheorie, so vor allem bei Boethius
wird freilich noch der hohe ton
als '
sonus acutus', der tiefe ton
als '
sonus gravis'
aufgefaszt, und darnach können wohl auch im deutschen etwa der helle, dumpfe ton
gelegentlich in diesem sinn gegolten haben: die raumsymbolische bezeichnung findet sich aber bei fast allen völkern (
vgl. Stumpf
tonpsychologie 1, 189
ff.),
und sie wird auch im deutschen alsbald durchgedrungen sein;
dabei mag auch die entsprechende anordnung der saiten auf den musikinstrumenten eine rolle gespielt haben, vgl. in dem St. Galler tractat '
de musica': sô uuîo dien áltên musicis fínfzen bûochstábo. únde fínfzên séitôn gnûoge dûohtî. únde sie uuóltîn dáʒ tiu citarha sô mánige séiten hábetî. únz ter óberosto demo níderosten ínchâde in quadruplo
Pipers Notkerausgabe 1, 853.
darnach ist dann auch vom niedrigen, tiefen, hohen ton
die rede: darumb speculirt er (
Pythagoras) manche stund das er erfüre den rechten grund ... wie es zugienge mit den sonis und er der sach würd gewis, nemlich, was für proportion gibt der hoch und niddrige ton Martin Agricola
musica instr. 251
neudr.; je kürtzer die röhren, je höhere tone, je länger aber solche sind, je tieffere tone entspringen Zedler 44, 1190; wenn die flöte zu sehr verjünget zugeht: so werden die hohen töne gegen die tiefen zu hoch Quantz
flöte traversiere 41; hohe töne weiblicher stimmen Helmholtz
tonempfindungen 179.
vgl. im sprüchwort: je höher der ton, je feiner zittert die saite
gebildete menschen zeigen durch ihr betragen, dasz sie gebildet sind Wander 4, 1264. hohe
und tiefe töne
drücken gemüths- und gefühlsstimmungen aus;
dabei ist zu erinnern, dasz der hohe ton
als die '
erhabene melodie'
als das '
erhabene lied'
schon in früher zeit geltung hatte, vgl. im vor. 2, n,
α,
und in übertragenem gebrauch hoher ton, hohe töne
im folg. 8, l,
ε.
auch an sich sind hohe
und tiefe töne
äuszerungen der seelenstimmung: höhere töne sind sthenischer, tiefere töne asthenischer natur ... höhere töne drücken erhöhtes leben, tiefere töne vermindertes leben, mangel aus Novalis 3, 362;
Wiener gemüthlichkeit bevorzugt die tiafen tön': mein wahlspruch ist und bleibt bei jedem lied und beim couplet: nurr! aussa mit die tiafen tön' und aufikrall'n in d'höh!
Wiener lieder und gesänge von Joh. Schrammet nr. 17,
text von W. Wiesberg. 4@i@bβ) der kräftige, volle, schwache, sterbende ton: die hier beschriebene form der sirene giebt nur einen schwachen ton; ... einen kräftigeren ton giebt die ... sirene nach Cagniard la Tour Helmholtz
tonempfindungen 22; den eindruck der langsamen und gleichförmig unterbrochenen bewegung verstärkt besonders der leise, ebenso der fortschreitende und anschwellende ton Vischer
ästhetik 1, 249; die läufer glückten ihr nie ganz, aber desto mehr die stehenden und schwellenden töne Schubart
ästhetik der tonkunst 156; der sänger drückt die augen ein, und schlug die vollen töne Göthe, 21, 206
Weim.; ein trompeter, hinter den rittern herreitend, blies abgebrochene gewaltig schmetternde töne dazu Fouqué
zauberring 1, 7; (
die grenzen) eines sterbenden tons Jean Paul 52-60, 162. die harfe, die, vom leisen windhauch angeregt, lang ausgezogne töne traurig wechseln läszt Mörike 1, 178; drinnen schlug eine dünne schelle ... etliche mühselige töne an Holtei
erzähl. schriften 3, 18; oder noch märchenhafter war es, wenn ... Clarissens harfe plötzlich ertönte ... und wenn die leichten einzelnen töne,
[] wie ein süszer pulsschlag, durch die schlafende mitternachtluft gingen Stifter 1, 262. 4@i@gγ) ein heller, dumpfer ton, silberne, goldene töne: da klang aus Lianens harfe ein heller, hoher ton lang in die stille Jean Paul 15-18, 448; starke, dumpfe, wilde töne! Klinger
werke 1, 8; die schöne junge frau ... hatte nur einige reine silberne ausgebildete töne, die auch rührten und entzückten, wenn melodien dazu vorkamen Heinse 5, 16; o heiliger meister, ich will sie ihnen schon ans herz legen, deine goldenen töne Storm 10, 34; o horch! nun tanzt es sanft auf goldner töne leiter! Mörike 1, 131. 4@i@dδ) ein reiner, falscher ton, melodische, abgebrochene töne: ein reiner, ein unreiner ton Campe; bei einem falschen ton hält er inne, stimmt die saite und kneipt sie mit dem nagel, um gewisz zu sein, dasz der ton rein ist Göthe 45, 36
Weim.; wie sollten solche süsze lippen falsche töne singen? Brentano 7, 124; ganz gezähmt folgte es (
das volk) seinen melodischen tönen B. v. Arnim
dies buch gehört dem könig 2, 334; aus einer menge von unordentlichen strichen bildet man sich leicht eine gegend, aber aus unordentlichen tönen keine musik Lichtenberg
verm. schriften 1, 39; gebrochene töne, griffe, solche, die von den übrigen durch kurzen und schnellen bogenstrich oder griff angegeben und gleichsam davon abgebrochen werden Campe 1, 7. 4@kk)
die töne
werden ihrem gefühlsinhalt nach unterschieden. 4@k@aα) süsze, sanfte, zarte töne, ein harter ton: doch hört ich durch die unendliche nacht zu meiner qual die süszen töne der allbezaubernden sirene Wieland 4, 71; nach einiger zeit ging er einmal am ufer des meers allein, und klagte in süszen tönen über seine verlorenen kleinode Novalis 4, 77; vergeblich erschallen aus lydischen flöten schmelzende töne, dein herz in süssen schlummer zu wiegen Wieland I 3, 119
akad.; sein ohr trank gierig die sanften töne aus ihrem melodischen munde Musäus
volksmärchen 1, 10; wie das vortrefflichste instrument nicht eher seine wirkung thut, als bis es so meisterhaft berührt wird, dasz seine verborgensten, zartesten töne hervorgehen Forster 9, 166; in der tonkunst ist ein harter ton ein solcher, der keine angenehme zusammensetzung mit andern hat, und bei dem dieser mangel der zusammenstimmung nicht aufgelöset wird Campe 2, 551. 4@k@bβ) angenehme, freudenvolle, ernste, klagende töne: o freunde, nicht diese töne! sondern lasst uns angenehmere anstimmen, und freudenvollere Beethoven
neunte symphonie; zuerst war ihr spiel (
am clavier) aufgeweckt und glänzend; dann ging sie zu ernsten tönen über, zu tönen einer tiefen trauer Göthe 24, 78
Weim.; schon lieszen sich von der entfernten Paulskirche herüber einige klagende töne vernehmen Mörike 3, 44; ach was für töne banger klagen! ach! worte schreckensvoll zu sagen Kästner 2, 182. 4@k@gγ) belebende, lockende, herzliche, ungefühlte töne: Orpheus, der ... durch die belebenden töne seiner leier den geräumigen marktplatz um sich her bildete. die von den kräftig gebietenden, freundlich lockenden tönen schnell ergriffenen, ... felssteine muszten ... sich kunst- und handwerksgemäsz gestalten Göthe 48, 213
Weim.; kennst du nachstehende reimzeilen? sie sind mir an's herz gewachsen, du solltest sie wohl durch schmeichelnde töne wieder ablösen IV 38, 13; und so kann ich von herrn Zelters compositionen meiner lieder sagen: dasz ich der musik kaum solche herzliche töne zugetraut hätte IV 11, 92; wenn er, entzückt in ungefühlte töne, ein welsches ach in zwanzig tacten singt Zachariae 2, 237. 4@k@dδ) anmutige, gute, fromme, unschuldige töne: berg und thal erklang von den anmuthigsten tönen Ulr. Bräker 2, 136; wenn hierbei ihre finger über die tasten gehen, ... und die guten, frommen töne, wie goldene bienen, aus den vier händen fliegen Stifter 1, 109 unschuldige, naive töne Immermann 1, 47; die kirchen
[] glocken tönten wieder friedfertige töne, wenn sie entweder zum gebet riefen, oder zu den heiligen festen der kirche Stifter 5 I 37; knurre nicht pudel! zu den heiligen tönen, die jetzt meine ganze seel' umfassen, will der tierische laut nicht passen! Göthe 14, 62
Weim. 4@ll) wohlbekannte, fremde töne: in wilder lustigkeit drangen die wohlbekannten töne zu Anna hinüber Hebbel 8, 234; diese fremden töne machten den geschwistern grosses vergnügen Langbein 31, 8; und er hört, wie in seltsamen, ahnungsvollen tönen die ewigen, unabänderlichen ratschlüsse des schicksals, das selbst die götter beherrscht, verkündet werden E. Th. A. Hoffmann 6, 88; es schwebet nun in unbestimmten tönen mein lispelnd lied, der äolsharfe gleich Göthe 14, 6
Weim.; in deiner klänge rauschen mischt sich ein ton — ein laut — ein klagelaut — ein längst begrabner ton Hauptmann
glocke 137. 55) ton
bezieht sich auf den sprachlaut. dieser gebrauch, der schon aus der verwendung des worts im allgemeinsten sinn als '
sonus'
erklärbar ist, begegnet seit dem ausgehenden mittelalter und wird dann häufiger mit der fortentwicklung der grammatisch-theoretischen bemühungen im 16.
und 17.
jh. neben ton
war aber laut
seit alter zeit der übliche gramm. terminus, und dieses hat sich als solcher allgemach siegreich durchgesetzt. ton
im sinne von laut
steht fortan nur in mehr zufälliger und gelegentlicher verwendung, besonders als übertragung aus dem musikalischen sprachgebrauch. 5@aa)
die töne
sind die einzelnen sprachlaute: phthongus eyn thon, stimm.
hinc fit diphthongus eyn zwifaltiger thon, zwen stimmbchstaben Dasypodius Z VIII; der doppellaut (diphthongus) ist, wan der thon einsilbigerweise, oder in einer silb, verdoppelt wird Schottelius
haubtsprache 199; in der aussprache hat man zweyerley töne, selbstlautende und mitlautende Gottsched
beyträge zur crit. historie 1, 141; wir haben funfzehn einfache töne, erst die selbstlaute, und dann die mitlaute Klopstock
gelehrtenrepublik 232; die unbequemlichkeit, auf diese art zu schreiben (
mit hieroglyphen), brachte einen erfindsamen kopf auf den einfall, für die einzelnen töne, aus denen alle wörter zusammengesetzt sein müssen ..., eigne allgemeine zeichen zu ersinnen
bibl. älterer schriftwerke der Schweiz II 3, 7; da ein menschlicher geist auf den feinen luftgedanken gerieth, schälle zu bilden und töne zu mahlen, der verfliegenden rede des mundes feszeln anzulegen Herder 6, 67; die sprache, sagte Heinrich, ist wirklich eine kleine welt in zeichen und tönen Novalis 4, 174; buchstaben mögen eine schöne sache sein, und doch sind sie unzulänglich, die töne auszudrücken Göthe 24, 45
Weim.; was du da auf dem papiere vor dir siehest, sind ja nicht töne, sondern nur ihre zeichen! Bürger 342; mit einem worte, das himmel und hölle in vier unselige töne vereinigt, ein weib — ist meines jammers quelle Wieland 4, 67. 5@bb)
die töne
der sprache sind ausdrucksmittel der gedanken und gefühle: die unlehrbare bildung der töne begreift besonders das in sich, was das sanfte oder starke, das weiche oder rauhe, das langsame und langsamere, oder das schnelle und schnellere dazu beitragen, dasz die töne völlig zu solchen gedankenzeichen werden, als sie seyn sollen Klopstock
gelehrtenrepublik 137; noch existirt für mich kein wort: sondern nur töne zum wort einer empfindung Herder 5, 10; du kannst deutsch, das ist: du kannst deine gedanken mit tönen ausdrücken, die einem deutschen verständlich sind Lessing 1, 284; nie wünsch ich meinem feinde solche pein, als mir aus diesen tönen schien zu klagen Droste-Hülshoff 2, 113. 5@cc) der ton eines lauts, die töne eines worts, einer sprache, der natur (
der natürlichen sprache): die alten haben allezeit das c aussgesprochen unter dem thon des k Nigrinus
von zäuberern, hexen 323; weibliche
[] reime sind richtig, wenn vom letzten vocal der vor letzten sylbe an bis zu ende des wortes alle übrigen töne der beiden wörter völlig überein klingen Bürger 342; welche lebendige sprache läszt sich ihren tönen nach aus bücherbuchstaben lernen? Herder 5, 11; und auch selbst bei uns, wo .... die künstliche sprache der gesellschaft die töne der natur aus ihrem amt setzet 5, 16. 5@dd) töne der kehle, der lippen, der stimme, einer person, des volks: wären die töne deiner kehle, die worte deiner lippen lieblich anzuhören Göthe 21, 82
Weim.; ein angelstern ist euer aug; die töne der lippe süsser, als der lerche lied
Shakespeare sommernachtstraum 1, 1; der — ihm ähnlich in den tönen seiner stimme Müllner
dram. werke 1, 58; wie regenschauer gottes flossen leise die töne (
des propheten) Herder 12, 50; sie gehen hand in hand das blutgerüst hinauf ... aus den düstern bewegungen des volks, aus seinen tönen merkt man, was vorgeht Klinger
werke 1, 362. 5@ee)
die laute haben, machen einen ton: die diphthongi ... dürffen nur mit dem selblautenden buchstaben geschrieben werden, dessen thon sie haben Opitz
poeterei 28
neudr.; ein ider selbstlautender kan für sich alleine eine silb und ton machen Butschky
hd. kanzelley 2; es verursachen diese beyde buchstabe ch in teutscher sprache dreyerley tohn Schottelius
haubtsprache 206. 5@ff) töne formen, sprechen: aber es ist eines der höchsten wunderwerke der natur, dasz unser mund so mancherley tohne und aussprüche in sich so kürzlich formen, und ... hervorzugeben vermag Schottelius
haubtsprache 57; es können an ihm (
dem harten gaumen) ... buchstaben gebildet und töne modificirt werden Sömmering
vom baue des menschlichen körpers 5, 27; wird demnach hinter den selblautenden der h deshalber gesetztet, damit der anzusprechende tohn, eine gleichsam etwas hauchende länge an sich nehme Schottelius
haubtsprache 201; wie man auch, wenn man englisch oder französisch lernt, aus falscher scham manche töne nicht nachspricht, ob man es gleich könnte Lichtenberg
verm. schriften 2, 105. 5@gg)
die töne
werden nach ihrer klanghöhe, klangstärke und klangart unterschieden. 5@g@aα) hohe, tiefe töne: indem längere und dickere stimmbänder (bei männern) tiefere töne, kürzere und dünnere stimmbänder (bei frauen und kindern) höhere töne bedingen Vietor
phonetik3 8; Darwin meint, es bleibe ein räthsel, warum beim menschen und bei den thieren in gewissen gemüthsbewegungen hohe und in andern tiefe töne verwendet werden Wundt
völkerpsychologie 1, 1, 257. 5@g@bβ) lauter, leiser ton: item p wirt auff teutsch genomenn fur das b von pessers und lautters thans wegen Hueber
modus legendi (
Landshut 1477)
in Joh. Müllers quellenschriften 10; ich ... war so heiser, dasz ich keinen lauten ton hervorbringen konnte Göthe 22, 344
Weim.; wenn ihn seine frau bey dem wort mädgen zupfte ..., so brach er plötzlich in einen leisen unverständlichen ton Lichtenberg
nachlasz 14; kein lispelnder ton unterbrach die rede des helden Wieland I 3, 97
akad. 5@g@gγ) süsze, helle, dumpfe, weiche, rauhe töne: rede du in deinen süssesten tönen zu ihm, wer kann dir widerstehen Brentano 5, 39; in den hellen tönen dieser lieblichen sprache Solger
nachgel. schriften 1, 6; da tritt er an ihr bett heran und spricht in dumpfen tönen Rückert 1, 62; dem holdbewegten mund entfliehen ungewisse, weiche töne Droste-Hülshoff 2, 206; ihre sanftern und gelindern töne mit den rauhen hauchen der Deutschen zu verwechseln Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 173; eine sprache in ihrer kindheit bricht wie ein kind einsilbige, rauhe und hohe töne hervor Herder 1, 152. 5@g@dδ) unarticulirte, heisre, bellende töne: was ist unschreibbarer,
[] als die unartikulirten töne der natur? Herder 5, 14; ich les' in euren augen, eurer stimme gebrochnen tönen etwas unglückseliges Schiller 17, 104; und worte fallen sonder klang, als wollten sie in heisern tönen hervor die müde seele stöhnen Droste-Hülshoff 2, 123; wir begrüszten ihn mit wenigen höflichen worten, die er mit bellenden stotternden tönen erwiderte Göthe 31, 42
Weim.; ganz dunkel erinnere ich mich gewisser knurrender prustender töne, die um mich her erklangen E. Th. A. Hoffmann 10, 16. 5@hh) töne der freude, der zärtlichkeit, des schmerzes, des schreckens: jetzt lallte meine zunge töne der freude maler Müller
werke 1, 45; sie klagen mit den bängsten tönen die grausamkeit der sarazenen Novalis 4, 102; ich begleitete diese worte mit so jämmerlichen gebärden und tönen, dasz sie gerührt schien Göthe 25, 157
Weim.; 'ihr seid dabei gewesen Bruno', rief sie mit den schmerzlichsten tönen ihrer seele Stifter 1, 317; die furchtbaren töne der erzählenden tanzten wie eulengeschrei und alraunengewimmer in ihr ohr Fouqué
gefühle, bilder 1, 26; ich will ihm sagen was elend ist ... will es ihm vorheulen in mark und bein zermalmenden tönen Schiller 3, 442; ein wilder ton der raserey ... drängte sich aus seiner brust hervor Klinger
werke 3, 135; aber er ... schwebte, ohne nach art der geister ... einen gräszlichen ton von sich zu geben, langsam, langsam über die gräber fort Hebbel 8, 166. 5@ii) eigne, fremde, deutsche töne: am nothwendigsten aber wird eine allgemeine sprachübung, weil bei diesem festmarkte jeder fremde in seinen eignen tönen und ausdrücken genugsame unterhaltung ... gerne finden mag Göthe 25, 5
Weim.; selbst wie Rom vor zeiten sprach, das sind ihr bekannte töne Gottsched
ged. 1, 182; wer lallte nicht der mutter nach bevor er fremde töne sprach
neueste ged. 14; der Preusze, welcher erst die Deutschen deutsch gelehrt, ... er nimmt sich väterlich der deutschen töne an Rost
verm. ged. 7; (
einen Gallier) bat ich: nenn mir doch auf gallisch Hippocrene; 'herr Deutscher, könnt ihr mich im ernst so seltsam fragen? der Gallier behält die griechschen töne.' nun wohl monsieur, wir können Roszbach sagen Kästner 2, 266. 66) ton
bezieht sich auf das wort und auf worte. dabei ist an die schallwirkung des gesprochenen worts im allgemeinen und auch an die melodiöse bewegung der sprache zu erinnern; besonders ist die schon spätmittelalterliche grammatisch-technische verwendung von ton
als '
accent'
hervorzuheben; vgl. im folg. b.
es wird dann auch dem ton
als '
wort'
ein gewisser gefühlvoller und bedeutsamer ausdruck beigemessen oder abgesprochen. wirklich lebendig ist aber diese verwendung nur im besondern sinn von '
accent'
gewesen und geblieben; die allgemeine schallwirkung eines wortes wie die des gesprochenen einzellautes wird vorwiegend und regelmäszig als laut
bezeichnet. 6@aa)
das wort ist ton,
wörter sind töne.
in der älteren sprache geistlicher poesie werden besonders die namen Maria und Jesus als töne
aufgefaszt, denen ein gewisser gefühlsinhalt eigen ist (
vgl. auch im folg. h,
α): Maria, werde muter susz, ich rüff dich an als sonder thon
kleinere mhd. erzählungen 2, 195
Euling; Jesus Christus gottes sohn, der thon ist uber alle thon
kath. kirchenl. 151, 2
Kehrein. aber auch in neurer zeit: jedes wort im griechischen ist ton, der treffend durch das wesen schlägt Heinse 3, 403; aber diese zeitwörter bewahren und bringen uns alte, tiefe, einsilbige töne ... z. b. statt des langweiligen harten doppelten schaffte und schaffte, backte und backte: schuf und schüfe, buk und büke Jean Paul 49-51, 340; sie würden sein letzter gedanke, ihr name der letzte ton seiner sterbenden lippen gewesen seyn
[] Lessing 2, 180; keinen ton reden
im sinne von '
kein wort sprechen'
begegnet im norddeutschen ganz allgemein, besonders auch in der studentensprache (
nach Edward Schröder); ietzt biste stille un red'tst keen ton Hauptmann
biberpelz 12;
ebenso auch einen ton verraten: wir haben niemals (
von deinen streichen) einen ton verraten T. Kröger
die wohnung des glücks 49.
vgl. auch im sprichwort: von ihm ist auch nicht ein ton da Wander 4, 1765. 6@a@aα)
der ton des worts, der worte, der rede, der sprache.
der ton
ist blosze schallwirkung: den thon der teutschen wörter nach ihrer eingebildeten oder angemasseten ausrede zu rechtfertigen oder zu verdammen Schottelius
haubtsprache 862; der buchstaben ambt ist, den ton und den klang der wörter zu bilden
poetischer trichter 1, 37.
der ton
drückt einen gefühls- und gedankeninhalt aus: die minnende sele ... batt in alleine, daʒ er mit einem don siner worten in ir hertz erklankti Heinr. Seuse 425
Bihlmeyer; lieblich und schon ist ja der thon in dein zierlichen worten Jsaac Fröreisen
nubes 1714
Dähnhardt 2, 216; da war's als hüb' er also seiner rede ton Rückert 1, 157; das metrum ist musikalische schönheit, sein ton, wie der ton der sprache, ist sanfte pracht Fr. Schlegel 4, 15; ton und klang jedoch entwindet sich dem worte selbstverständlich Göthe 6, 265
Weim. 6@a@bβ)
der ton
einer person ist ihr wort, ihre rede; in älterer zeit liegt diese auffassung oft klar zu tage; in neurer zeit berührt sich die bedeutung von ton
in diesem zusammenhang meist mit der von stimme (
vgl. im folg. 7, a):
bei Wolfram iurs mundes dôn '
euer wort, eure rede' (
Parz. 370, 8); benennet gral in engelischem done (
in der sprache der engel)
Titurel 6176
Hahn; serpens ... num, wîf, den appel unde love mînem done
der sündenfall 986
Schönemann; und ernstlich ir done gieng aus auf alle die erde: vnd ir wort in die end deʒ umbrings der erd
erste bibel Römer 10, 18
Kurrelmeyer 2, 43. 6@bb) ton
ist die nach dauer, höhe und stärke bestimmt unterschiedene klangart der silbe, des wortes, des satzes, der sprache überhaupt. schon griech. τόνος und lat. tonus
waren im alterthum als '
accent'
gebräuchlich, das deutsche ton
übernahm etwa in der zweiten hälfte des 15.
jhs. diese function. sie ist jedenfalls auf rein gelehrtem weg im zeitalter des humanismus ins deutsche gedrungen, auch lat. accentus
wurde ja damals als fremdwort entlehnt; während aber dieses in den roman. sprachen, vor allem im franz., allein in solcher bedeutung sich behauptete, begegnen im deutschen fortan die beiden wörter nebeneinander. der gelehrte ursprung von ton
als '
accent'
ist noch deutlich erkennbar, wenn die älteren theoretiker, deren werke in deutscher sprache erschienen, zunächst das wort in lat. gewand gebrauchen, so noch Titz.
auch im sinn von accent begegnen anfangs ton
und laut
als synonyme; doch während ton
als schallwirkung eines einzellautes und als die klangart des worts im allgemeinen vor laut
zurückweichen muszte, trägt es in der bedeutung '
accent'
alsbald den sieg davon. noch heute ist ton
in solcher verwendung durchaus üblich, nur scheint sich zuweilen eine gewisse vorliebe für accent
geltend zu machen (
vgl. über ton
als '
accent'
bes. Jellinek, zs. f. d. altert. 48, 228
ff.).
neben ton
begegnet noch laut:
accentus i. sonus proprie don oder laut
voc. ex quo (1480);
mittellat.-hochd. böhm. wtb. 7; Dasypodius Hh VII;
tenor, tonus der thon, der laut im auszreden, do man diese sylben dehnet, die andere fallen lAesset Corvinus
fons latinitatis 87
b; in dem laut oder accent fällt zweyerley vor, das wir hier besehen müssen: nehmlich desselben qualitas und quantitas. derer jene im tono, diese aber in tempore ... bestehet Titz
zwei bücher B VI b;
schon früh steht ton
allein: accentus i. sonus productus don Diefenbach
gl. 7; dohn, der die rede weiset
tenor Dasypodius C IV.
mit rücksicht [] auf die länge des tons,
die quantität: solchen unterscheid der pronomen und artickel haben wir Deudschen auch an dem klang odder dohn, welchs die Latinschen accent nennen, denn es stehet gar viel ein ander 'das', da Christus spricht 'das ist mein leib' und viel ein anders, da er spricht 'das fleisch ist kein ntze', das erste 'das' ist ein pronomen und laütet der buchstab A drynnen starck und lang, ... aber das ander 'das' lautet kurz verhawen Luther 26, 364
Weim.; dann offt ein lautender oder vocalis in einem worte anders ausgesprochen wird, als in dem andern, so wohl dem klange nach, als auch dem thone, darumb solche wörter nicht zusammen gereimet werden sollen ... als zum exempel: glasz und nass Buchner
wegweiser 149.
mit rücksicht auf die höhe und stärke des tons,
den grammatischen accent: das wir aus den accenten unnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch und welche niedrig gesetzt soll werden Opitz
poeterei 40
ndr.; ebenso Titz
zwey bücher B VI b,
der noch die lat. form bietet; die gedichte dieser zeiten waren einfältig und ungehobelt, ... der ton und die silbenlänge wurde auch nicht wahrgenommen A. v. Haller
tagebuch 1, 77. ton
ist der logisch-emphatische accent: wen man in der leidenschaft so schnel spricht, dasz die bchstaben nr äben gehrt wärden, und darüber die lenge beina weniger zeit als sonst die kürze hat, so ist es der tǫn, was als unterscheidend herfǫrschalt Klopstock
über sprache und dichtkunst 49.
die irrthümliche verwechslung von quantität (
tonlänge)
und accent im eigentlichen sinne (
tonhöhe und tonstärke),
die bei den älteren theoretikern besonders seit Schottelius
oft begegnet, wurde allmählich erkannt: der ton ist von dem zeitmasze oder der länge und kürze der sylben sehr weit unterschieden, obgleich beyde, selbst von sprachlehrern, häufig mit einander verwechselt werden Adelung;
ähnlich Campe. 6@b@aα) ton der silben
entsprechend dem gebrauch des lat. accentus: accentus, tonus, voculatio die stimm oder don der sylben Dasypodius A II; Frisch 2, 376; die wortsprechung ist ein theil der sprachlehre von der sylben thon Gueintz
deutscher sprachlehre entwurf 21; ia wenn ich noch dazu der sylben ton verletzte, und bald ein wörtgen hier, das andre dahin setzte Neukirch
ged. 166. 6@b@bβ) ton des worts: der thon eines worts
accento Kramer 1043; Aler 2, 1892; Kirsch 2
5, 291; ton (einzelner wörter), tonus grammaticus, heiset diejenige art ein wort in jedweder sprache gehöriger maszen auszusprechen, so dasz eine sylbe gebührend erhoben, die andre hingegen gebührend niedergedrückt werde Zedler 44, 1193; wenn man der griechischen sprache die accente nimmt, so sollte man billig durch andre regeln die festsetzung des tones ihrer wörter bestimmen
allg. deutsche bibl. 27, 203; 'wortton' kann nur derjenige ton genannt werden, welcher die silben des wortes trifft und dadurch den ton des wortes bestimmt macht Palleske
die kunst des vortrags3 92. 6@b@gγ)
der ton einer sprache, einer mundart: diese sache aus dem grunde zu untersuchen, musz ich bemerken, dasz der ton, oder wie ihn die Franzosen nennen, der accent der gemeinen sprache eines jeden volks, von dem tone anderer völker ganz unterschieden ist ... durch den ton oder accent verstehe ich nicht die aussprache eines jeden wortes; sondern den klang eines jeden satzes
bei Scheibe
crit. mus. 738; (
es) hatte sich in ihr (
der stadt Stralsund) ... ein ganz eigner volksdialekt gebildet, der mit dem umwohnenden lande wenig gemein hat und in seinem ton und accent bis diesen tag sich mit einer gewissen dünnheit und weichlichkeit bricht Arndt 1, 55. Heynatz
aber bemerkt: endlich kömmt accent auch für mundart vor. er hat den schwäbischen accent. hier kann es nicht mit ton verwechselt werden
synonymen 1, 74. 6@b@dδ)
auch mit rücksicht auf eine person kann ton
als '
accent'
gebraucht werden. freilich nähert sich dann die bedeutung des worts der von ton
als ausdruck der stimme, s. im folg. 7, b;
doch vgl.: ihr, das weisz ich, seyd ein Wallon, ihr ein Welscher. man hört's am ton Schiller 12, 46;
[] J. D. Michaelis erzählt, dasz ihm aus dem unterricht dieses ... gelehrten ... ganze stellen des Homer ... selbst mit dem ton im gedächtnisz schwebten Justi
Winckelmann 1, 55. 6@cc)
das wort hat einen ton, der ton steigt, sinkt: (umb den Bodensee) haben bey nahe alle wasser den thon dess namens ach, als die Luterach Stumpf
schwytzerchronik 395
b; dasz eine iedwedere sylbe ihren gewissen ton und quantität hat Titz
zwey bücher C III a; vor eins siehet man zwar (
beim reimen) auff die syllben, die einen gleichen thon von sich geben Weise
curiöse gedancken von deutschen versen 1, 7; im verse macht es wenig, ob 'einen gesang' den ton steigen läszt, oder 'lerchengesang' ihn senkt Voss
zeitmessung 140; bei der aussage sinkt der ton ... um eine quarte, bei der frage steigt er um eine quarte Wundt
völkerpsychologie 1, 2, 401.
in andern wendungen ist die bedeutung '
stimmton'
unmittelbar naheliegend; vgl. im folg. 7, d,
β. 6@dd)
der ton
wird im allgemeinen beurtheilt als der natürliche, rechte, unrechte ton: es musz der radix oder das stammwort in diesen gedoppelten, als: muth, fahrt, setz, lang, allezeit lang verbleiben, und kan mit nichten ohn abbruch des natürlichen tohns. .. kurtz ausgesprochen ... werden Schottelius
haubtsprache 837; dasz in einer wolgefasten rede, ein natürlicher der deutung gemässer ton, und wolklingender laut zu finden
poetischer trichter 1, 17; wan nur der rechte schlag und thon, im ablesen der versen beobachtet und getroffen wird Spee
trutz nachtigal, vorred; er redet mit einem unrechten ton
he speaks with a wrong tone or accent, he does not rightly tone, or accentuate the words teutsch-engl. lex. 1968. 6@ee)
der ton
wird nach klangdauer, klanghöhe und klangstärke unterschieden. 6@e@aα) der lange, der kurze ton,
doch werden besonders seit Schottelius
quantität und accent im eigentlichen sinn häufig verwechselt: accentus lang dOene Diefenbach
gl. 7;
vgl. auch accentus ein lanck laut
ebenda; sie haben nur die anzahl der silben ... und nicht die rechte wortzeit, oder den langen und kurzen tohn in acht genomen Schottelius
hauptsprache 796;
vgl. auch 804. 6@e@bβ) der hohe, der tiefe ton,
zunächst auf den grammatischen accent bezogen, ohne dasz aber klanghöhe und klangstärke unterschieden werden: hingegen wird in geduit, verstand, bewust, gewisz, die erste geschwind, und in einem niedrigen ton, die letzte aber lang und hoch auszgeredet Titz
zwey bücher CIV b; unsere spondeen sind also durch den ton theils steigend, entweder vom tiefen zum hohen, oder vom hohen zum überton: frohlockt, singt laut; theils senkend, vom überton zum hohen, oder vom hohen zum tiefen: schnee lag, eisbahn Voss
zeitmessung 127; bei den Grichen km die zeit mr in betrachtung, als r weniger erhǫbner tǫn Klopstock
über sprache und dichtkunst 48; die silben unserer sprache sind ungleich an dauer und erhebung des tons Voss
zeitmessung 9.
ebenso auf den logisch-emphatischen accent bezogen: haben sie nie einen menschen im heftigen affect ausrufen hören: gerechter himmel! so dasz er die höhe des tons gerade auf die unbedeutendste vorschlagsilbe ge setzte Moriz
prosodie 1; die gewönlich tonlose kürze erhält durch gegensatz manchmal den hohen ton Voss
zeitmessung 47.
klanghöhe und klangstärke werden erst in neuester zeit consequent geschieden: 'da sperren auf gedrangem steg zwéi mrder plötzlich seinen weg' ... mörder wird mit einem etwas höhern oder auch tiefern ton gesprochen, um die fast gleichen tonstärken besser zu sondern Palleske
die kunst des vortrags 93; 'sein name ist Poggfréd, hochdeútsch Froschfríeden' ... wie bei der schwebenden betonung überhaupt, so wird man auch hier beim vortrag durch trennung der tonhöhe von der tonstärke auszugleichen suchen, und den accent in der thesis durch den höheren ton zur geltung bringen Minor
nhd. metrik2 128;
in übertragener bedeutung: er (
Lessing) trifft darin mit der gesunkenen kirche des mittelalters überein, die ja auch auf die guten werke einen höheren ton als auf den glauben gelegt .... hat Wackernagel
kleinere schriften 2, 470. 6@e@gγ) der starke, der schwache ton: diejenigen wörter
[] haben den stärksten ton, welche für den sinn des satzes am bedeutungsvollsten sind Westphal
theorie der nhd. metrik2 25. 6@ff)
der ton
ist in absolutem sinn die auszeichnung durch klanghöhe und klangstärke. 6@f@aα)
auf die silbe bezogen: in engerer bedeutung wird in der sprachkunst die erhebung der stimme auf einer sylbe der ton und mit einem lateinischen worte der accent genannt Adelung; Campe. zusagen, wan in der ersten (
silbe) der laut oder tohn ist, ist es ein wort, das ist, verheissen Gueintz
die deutsche rechtschr. 171; hierzu kommt die schöne abwechslung des tons, des sonst allzu oft die hebung des verses träfe Voss
zeitmessung 130; diejenigen sylben sind also bey den Deutschen lang, wo der ton hinfällt Antesberg
die kayserl. deutsche grammatik 338; in majestät hat die letzte und nicht die erste sylbe den ton oder accent Heynatz
synonymen 1, 74; die dialektische endung énzen zieht den ton auf sich: scherwénzen Minor
nhd. metrik2 68; im verse gilt alliteration nur von sylben, die den ton haben Schmeller
alliterationspoesie (
vgl. quellen und forsch. 100, 28); was der herr kammerrat auf Pümpelhagen is — denn hei läd den ton bi den mann sinen titel ümmer up rat, dat sick dat so anhüren det, as wenn hei un de kammerrat tausamen mal kriegsdeinsten dahn ... hadden Fritz Reuter 2, 43.
ebenso auf wörter bezogen: 'mein geliebter' .... die empfindung hingegen giebt diesem mein den ton wieder, den der gedanke ihm geraubt hatte Moriz
prosodie 21; allgemeine regeln, ob das verbum oder das objekt, das substantivum oder die apposition u.
s. w. den ton hat, lassen sich nicht geben Minor
nhd. metrik2 88. 6@f@bβ)
die nicht in solcher weise ausgezeichneten silben und wörter haben keinen ton
oder es wird dem vollen, ganzen, merklichen ton,
der halbe, unmerkliche
gegenüber gestellt: so hat in dem worte vater die erste sylbe den ton, die letzte aber hat keinen Adelung; der ton ist entweder ein merklicher, welchen man auch den ganzen ton nennen könnte, oder ein unmerklicher oder halber. in vaterland hat die erste sylbe den ganzen oder vollen ton, welcher auch der ton schlechthin genannt wird, die letzte aber den halben, weil die erhebung der stimme hier nicht so merklich ist Adelung; Campe; wenn von ihr gesprochen wurde, sagte man blos: es ist eine kluge frau, und legte den vollen ton auf das wort klug J. Möser 3, 25; erz und un haben zwar ihre bestimmte klare bedeutung, und um deswillen auch einen merklichen ton Adelung
umständliches lehrgebäude 2, 78. 6@gg)
der ton
wird nach seiner klangart unterschieden: der scharfe wortklang ist, wan das wort gleichsam mit einem brechenden thone und hAertlichem scharfen schalle uns zu ohren gehet, als: donneren, brummen ... der mittelklang ... kan nach art des verses und durch hlfe der beystehenden wOerter, bald zu dem scharfen, bald zu dem gelinden thone gebracht, und damit vermengt werden Schottelius
haubtsprache 832; brausen, krachen, blitz,
etc. man durchsinne doch den kräftigen tohn dieser wörter 59; einen harten und scharffen thon haben hingegen diese und dergleichen wörter, als: donnern, knallen Tscherning
unvorgreifliches bedenken 66; weil sonst keine consonantes mit eingemischt seyn, die den thon stärcker und heftiger macheten Buchner
anleitung zur deutschen poeterei 80.
einen offnen, gedehnten und abgebrochnen ton
unterscheidet Klopstock: unsre lange silbe hat dreierlei töne, den ofnen den gednten, und den abgebrochnen
über sprache und dichtkunst 194; dasz si di angefürte, äben so ware lenge, als es di mit dem ofnen und dem gednten tone sind, zur kürze machten
ebenda; ähnlich Bürger: man nennt die ausgänge der verse männlich, wenn sie sich mit betonten sylben schlieszen; es mag nun der ton geschärft oder gedehnt seyn. z. b. wall, oder wahl 342. 6@hh)
der ton
wird nach seiner klangart, nach seinem gefühls- und gedankeninhalt beurtheilt. 6@h@aα)
die namen Jesus und Maria werden in der sprache geistlicher dichtung als süszer, lieber ton
angerufen (
vgl. im vor. a):
[] ave junckfraw her von Syon, du aller vogel suesser don
kleinere mhd. erzählungen 2, 195
Euling; gesegnete tochter von Syon, dein nam gibt uns gar sssen thon
kath. kirchenl. 403, 4
Kehrein; mein liebstes Jesulein! du hast dir vorgenommen, mein brüderlein zu sein: ach wie ein süsser thon! Caspar Ziegler
bei Fischer-Tümpel 1, 506; Jesus ist der liebste thon den mir alle welt kan singen Scheffler
heilige seelenlust 51
neudr. aber auch worte der erbauung, des gebets werden als süszer ton
aufgefaszt: lossent uns minnen, schŏwen und loben daʒ ewige guot, daʒ mit so ssseme tone und mit hoher frOeuden alles leit vertriben kan Heinr. Seuse 491, 24
Bihlmeyer. 6@h@bβ)
der klang verräth den ausdruck: aldermann Ekhard pflegt zu sagen, dass er viel lieber eínen troknen ton, ja nur laut von sich geben möge, als eine ganze lange redseligkeit Klopstock
gelehrtenrepublik 162; und noch hallen ihre worte, horch! da dringt verworr'ner ton fernher aus des tempels pforte Schiller 11, 372; o süsze stimme! vielwillkommner ton der muttersprach' in einem fremden lande! Göthe 10, 36
Weim.; mein harter vater bleibt auf dem verhaszten ton 9, 112; wein den verdammten ton, den hasz' ich wie den lebendigen teufel, an einem mann, geschweige an einer frau Bräker 2, 196.
der ausdruck wird unmittelbar bestimmt: ich kann wohl sagen, dasz ich in dem ganzen stück nicht einen einzigen wahren ton gehört habe Göthe IV 19, 166
Weim.; die sprachen aller alten und wilden völker sind daher in diesem innern, lebendigen tone für fremde ewig unaussprechlich Herder 5, 10; das echo eilt durch berg und thal und bringt auch wirklich jedesmal den frohen thon vermehrt zurücke Stoppe
Parnass 4; unser storch ist heimgekommen hört doch, hört den frohen ton! klappre du, klappre du klapp klapp klapp! Hoffmann v. Fallersleben 2, 325; die not, die ist ein ton, davon die augen rinnen; nicht viel sind, wann er klingt, die drüber lachen künnen Logau 52
Eitner; das ist ein wackrer ton ein edles wort, so musz ein kühnes blut die welt betrachten Tieck 1, 60; der entscheidende ton der bischöfe in glaubenssachen, wurde nach und nach auch auf politische gegenstände ausgedehnt Eichhorn
deutsche staats u. rechtsgesch. 1, 298. 6@ii)
dagegen wenn ein solcher gefühls- und gedankeninhalt fehlt ein schallender, eitler, leerer ton, nur ein ton: ita Petrus ist eyn hymmelfurst. das ist wahr, yhm dienets, aber myr nicht. es ist eyn schallender dhon Luther 34, 2, 540
Weim.; ihr wiszt den grund von diesen dingen, unfehlbar an den tag zubringen, wir haben nur gehOert darvon durch lAehr geschrey, und eytlen thon Spreng
Aeneis 146 b VII; Melisande! was ist traum? was ist tod? nur eitel töne. Heine 1, 364; in himmel — frommer wahn! — gott — geister — ewig leben — vielleicht ein leerer ton den dichter kühn zu heben! Lessing 1, 265; die tugenden! vielleicht ein leerer ton! 1, 256; findet sich bey uns nichts dergleichen; so ist es ein leerer thon, ein wenig wind Wolff
gedancken von des menschen thun und lassen 401; das wort glück sey ein leerer ton Kästner 1, 2; seele und geist sind nur lauter leere nichts bedeutende töne Reimarus
wahrheiten der natürl. religion 734; eine stadt, die kahlen tönen nachläuft, kann auch hübschen kleidern nachlaufen Lessing 18, 109; die geblüts-liebe wäre nur ein ein einfacher
[] thon Lohenstein
Arminius 2, 573 b; dasz erwehnte worte in dem munde der allermeisten blosse thone sind
die vernünftigen tadlerinnen 1, 13; der haufe, der die philosophie nicht verstand und blosze töne von ihr ins gedächtnisz gefaszt hatte Justi
Winckelmann 1, 73; ach! namen sind nur töne. sprach meine holde schöne Lessing 1, 62. die freiheit ist ein traum; die seele wird ein ton, und meint man nicht das hirn, versteht man nichts davon 1, 154.
im folgenden beispiel klingt bereits ton
als ausdruck und inhalt der geselligen rede merklich an: was seine liebe anbelangt, da haben sie nun gar nichts zu fürchten, diesz ist nur ton. er denkt, wie viele in seinen jahren denken, dieser ton sey ein nothwendiges verhältnisz der gesellschaft zwischen unserm und ihrem geschlecht Klinger
werke 1, 418. 77) ton
bezieht sich auf die sprechstimme. wie die allgemeine schallwirkung der singstimme so konnte auch die der sprechstimme als ton
aufgefaszt werden, und ebenso wurde die lautgebung der thierwelt beurtheilt. eine weitere fortentwicklung aus dieser verwendung ergab sich dann theilweise unter fremdem einflusz, indem ton
nicht nur auf die stimme an sich bezogen wurde, sondern vor allem auf den gefühlvollen und inhaltreichen ausdruck derselben; vgl. im folg. b. 7@aa)
der ton
ist die sprechstimme an sich, deren schallwirkung im allgemeinen: bey dem wort person ist bedeyt ain ding, das an jm hat aygene stymm oder ton Berth. v. Chiemsee
tewtsche theologey 134; werden nämlich die stimmbänder ... angespannt, so ist der atmungsstrom im stande, dieselben ... in tönende schwingungen zu versetzen. der so erzeugte ton heisst stimme (stimmton, vox) Vietor
phonetik3 7; und so bestand sein declamieren in einem verdrehten auge und einer affectierten herausworgung des tons Bahrdt
leben 3, 142; also sprach sie, und noch bewegte der liebliche mund sich weiter zu reden; allein schwirrend versagte der ton Göthe 1, 286
Weim. 7@a@aα) ton der zunge, des mundes, der stimme: so kom, o herr, die zungen, deren thon gehöret wirt voll pracht, stoltz, schimpf und hohn, nach verdienst auszzuschneiden! G. R. Weckherlin 2, 25; der ton eures mundes ... ist jetzt verstummt oder in ein lächerliches echo verwandelt Raumer
gesch. der Hohenstaufen 4, 118; noch habe ich ja kaum den ton ihrer stimme gehört Hebbel 3, 155; der ton einer kreischenden stimme unterbrach die stille Hauptmann
bahnwärter Thiel 19. 7@a@bβ)
der ton
einer person und eines thiers: vil lûte hiulet Îsengrî
n. dô antwurt im der dôn sî
n. sîn stimme schal in daʒ hol
Reinhart fuchs 880. so sputen sich auf dunkeln wegen die vom gebirge, meinend schon, es rausch' und kling' in wind und regen Girolamos ersehnter ton Lenau 481; gute grille, die mich um meine sehnenden sorgen oft schon täuschte, mir oft brachte den tröstenden schlaf ... auf, erwecke den ton, der mir das sehnen entnimmt Herder 26, 32. 7@bb)
der ton
ist der nach der besonderen stimmführung, stimmlage und stimmfärbung wohl zu unterscheidende ausdruck, der einen bestimmten gefühls- und gedankeninhalt erkennen läszt. diese bedeutung muszte sich schon früh im mittelalter ergeben, wenn der ton
der stimme nach seiner ausdrucksfähigkeit beurtheilt wurde. in mehr allgemeiner und technischer verwendung begegnet aber dieser gebrauch doch erst seit der zweiten hälfte des 17.
und dann besonders im 18.
jh., und hier bereits ist der einflusz des franz. worts anzunehmen, das, wie schon lat. tonus
in diesem sinn, bereits in früher zeit üblich war und in solcher verwendung vor allem seit dem 17.
jh. erscheint; vgl. die beispiele bei Littré.
ganz dieser gebrauchsweise des franz. entspricht die des deutschen worts: man lernt ja nach und nach auff die cantzel treten, man hört was vor ein thon im reden und beten den besten nachdruck hat Weise
curiöse gedanken von deutschen versen2 2, 132; ton ... die art und weise, wie
[] man die stimme im reden erhebet oder sinken lässet Adelung; man erkennt nämlich, wenn man auch in einer unbekannten sprache reden hört, den kläglichen oder muntern, weinerlichen oder freudigen inhalt der rede aus dem ton, womit sie vorgetragen wird Sulzer
theorie 4
1, 449; hei hürte äwer sihr düdlich ut den ton de beleidigung herute Fritz Reuter 2, 186.
den ausdruck offenbaren ton und blick, ton und gebärde, ton und betragen: ton und blick, womit alles dieses gesprochen ward, flöszten herrn Jones einen argwohn ein Bode
Thomas Jones 1, 131; allein da blick und ton ihm schnell ihr herz gewann Wieland
Oberon 2, 8; aber der blick auch! der ton, wenn sie ruft: pipi! pipi! zöge den adler Jupiters vom thron Göthe 2, 88
Weim.; ach meister, mein meister, so sprachst du schon das war das gesicht, der blick, der ton Hebbel 6, 166; welch ein vorzug, welch ein köstliches geschenk des himmels, inneres physisches wohlbehagen ausdrücken zu können durch ton und gebärde E. Th. A. Hoffmann 10, 17; dabei war sein ton und betragen ganz dem pfiffigen und versteckten charakter der rolle gemäsz Göthe 40, 12
Weim. der plural, der naturgemäsz in solcher verwendung seltener begegnet, bezieht sich dann auf die verschiedenen möglichkeiten der stimmlage und stimmführung, die den sprechstimmen des menschen gegeben sind: seine declamation war erbärmlich. er hatte nur wenig töne und war von natur heisch Bahrdt
leben 3, 142; denn wechselt er (
der declamiernde) die töne zu schnell, spricht er entweder zu tief oder zu hoch oder durch zu viele halbtöne, so kommt er in das singen Göthe 40, 147
Weim. 7@b@aα)
vor allem wird in diesem sinn vom ton der stimme
gesprochen, so schon bei Konr. v. Würzburg: dô kam ein jungelinc dort her geriten: den selben gruoʒter in süeʒer stimme dône
Engelhard 395;
dann in der technischen sprache der redekunst: eine genaue beobachtung wird sie (
die redner) überzeugen, dasz in dem bloszen ton der stimme eine sehr grosze kraft liege, ... der ton der stimme ist allein schon vermögend, jede leidenschaft in uns rege zu machen Sulzer
theorie 4
1, 450; dem sprechenden helfen seine geberden und der ton der stimme den verstand bestimmen Herder 1, 222; durch den ton unsrer stimme charakterisiren wir am besten das mitgetheilte, als unsre vorstellungen A. W. Schlegel
vorlesungen 1, 277
neudr.; denn er lauschte mehr auf den ton ihrer stimme, zu dem sein geist die gebehrden dachte, als auf ihren vortrag Klinger
werke 4, 7; es war so viel ... im ton seiner stimme, das ihnen so gleich kommt Schiller 2, 150.
auch bildlich: das ist nun gut für Griechen und Römer: aber warum, dasz wir unsre geschichte nicht eben so verkündigen? und den ton unsrer stimme nicht auch würdig unsres vaterlandes und unsrer zeit machen? Herder 3, 462. 7@b@bβ)
der ton einer person
ist der ausdruck ihrer stimme: schon hatte sich Wilhelm gefaszt gemacht, das schlimmste von ihr zu hören, als er auf einmal mit verwunderung bemerkte, dasz der ton des alten milder wurde Göthe 21, 178
Weim.; unmöglich ist er nur der neffe Ibrahims; in seinem ganzen wesen, in seinem ton und anstand ist die spur von dem, was er umsonst verbergen will, zu lesen Wieland
Oberon 12, 3; sie nahm seine hand; denn sein ton war so bewegt und bewegend Jean Paul 15-18, 503; wat hei mit sine würd' seggen wull, verstunn hei nich, äwer sin ton wir von de ort, dat hei em up en stilles flag dorför woll mal eins äwerstraken müggt Fritz Reuter 2, 186. 7@cc) 7@c@aα) mit einem ton sprechen: der name Marinelli war das letzte wort des sterbenden grafen! ... ich verstand es erst auch nicht: ob schon mit einem tone gesprochen — mit einem tone! Lessing 2, 420; 'vetter' sprach er ... zu mir, mit einem ton, der mich erschreckte
[] E. Th. A. Hoffmann 14, 148; der ton, womit sie von diesem dritten bette sprach, war nicht sehr empfehlend Bode
Yoricks empfindsame reise 2, 159.
auch der genetiv begegnet; vgl. im folg. strömenden tons, lallenden tons, kleinlauten tons
u. s. w. 7@c@bβ) in einem ton sprechen: der name Marinelli war das letzte wort des sterbenden grafen: und in einem tone! in einem tone! Lessing 2, 443; sie ... ermunterte sie zum essen und trinken, doch geschah das in einem tone, wie man bettler zum zulangen auffordert Hebbel 8, 141; eine prüfung? fragte der reisende in einem tone, der vorboten der entrüstung verlautete Jahn 1, 437; ich verzweifelte fast, einen ton zu finden, in welchem ich meine ganze rolle mit allen abweichungen und schattirungen vortragen könnte Göthe 22, 26
Weim. 7@dd) 7@d@aα) den ton ändern, steigern, unterbrechen, fortsetzen: bester freund, sagte frau von Trompetta, plötzlich den ton ändernd und mit groszer bestimmtheit Gutzkow
ritter vom geist 1, 44; den ton in kälte verändert Schiller 3, 126; er liest mit sinn und weisz den ton abzuwechseln, das leidenschaftliche trägt er mit wärme, und die verse mit einsicht vor Schiller
briefe 7, 42; er articulirte gut, sprach gemäszigt aus, steigerte den ton stufenweise Göthe 22, 186
Weim.; zugleich ist zu rathen, im anfange so tief zu sprechen, als man es zu thun im stande ist, und dann abwechselnd immer im ton zu steigen 40, 143; wir sind gewohnt, bei der frage, die der antwort eine wahl läszt, den ton in die höhe gehen zu lassen Palleske
die kunst des vortrags3 100; wenn stellen vorkommen, die durch andere unterbrochen werden ... so musz vor- und nachher ein wenig abgesetzt und der ton, welcher durch die zwischenrede unterbrochen worden, hernach wieder fortgesetzt werden Göthe 40, 148
Weim.; nach obigem würde es daher sehr fehlerhaft sein, wenn ich bei dem vorhergehenden worte söhne auf einmal im tone abbrechen ... wollte 40, 150. 7@d@bβ) einen ton in, auf ein wort legen, setzen, der ton ruht, verweilt auf einem wort: ich muss aber bekennen, dass zwar die worte jedes mal ziemlich dieselben waren, dass aber ton und sinn, der hineingelegt zu werden schien, mir nicht immer gleich zu sein dünkten Oetker
lebenserinnerungen 3, 445; man bereite durch eine weise eintheilung des erhöhten ausdrucks gleichsam den zuhörer vor, indem man schon auf die vorhergehenden wörter einen mehr articulirten ton lege Göthe 40, 149
Weim.; die erste beobachtung ... ist, dasz die declamation auf jede einzelne sylbe niemals mehr, als einen einzelnen ton setzt Gerstenberg
briefe 30, 333
neudr.; wir sind das pathetische in unsern versen nicht dem sylbenmasze, sondern den worten und dem tone, den wir denselben geben, schuldig J. E. Schlegel
ästhetische und dramaturg. schriften 14
neudr.; man nennet eine sylbe lang, wenn der ton in der aussprache, in vergleichung mit den benachbarten sylben etwas länger darauf ruhet Gottsched
deutsche sprachkunst5 590; wenn aber der ton auf einer sylbe verweilt, länger als auf der andern, so ist diese sylbe lang Apel
metrik 1, 301. 7@ee)
der ton
wird im allgemeinen beurtheilt als 7@e@aα) dieser ton, ein solcher ton: da könnt ich ihn nur vor gericht stellen, diesen ton! Lessing 2, 420; es lag etwas bitteres in diesem ton Fontane I 4, 240; lieber hätte ich gewünscht, dich nie lachen zu hören, als in diesem tone Kotzebue
menschenhasz und reue 4, 2; ein solcher ton wird zum vortrage einer abhandlung, einer meldung passen Palleske
die kunst des vortrags 109. 7@e@bβ) einerlei ton, derselbe ton: immer einerley ton in der rede
monotonia ein grober fehler eines öffentlich redenden Frisch 2, 376. in eínem ton reden: und musz ... mit nichten der vers in einem tohne und athem geschwind hingelesen werden Schottelius
hauptsprache 849; ohne monoton zu sein, liesz Herder alles in eínem ton hinter einander folgen Göthe 27, 341
Weim. auch bildlich: beharrt die vox populi wie der frosch auf einem ton, im stehenden sumpf der mittelmäszigkeit, so wird das genie dennoch muth haben dürfen in die tuba zu stoszen B. v. Arnim
dies buch gehört dem könig 2, 437. es geht in einem ton: bey dem lesen müssen
[] sie nicht allein lernen alle sylben klar und deutlich aussprechen, ... sondern auch den accent treffen, dasz es nicht in einem thon fortgehe Fleming
der vollk. teutsche soldat 14. 7@e@gγ) der andre ton, abwechslung des tones: 'unsre gestrenge, die versteht's'. das sagten sie auch, nur in einem andern ton, wenn sie faul oder nachlässig gewesen Alexis
hosen 1, 14; ich vor mein theil (der graf fiel in einen andern ton) habe den tod herzlich lieb Hippel
lebensläufe 3, 1, 151; ich sinne nach über die ungleichheit eures tones. ihr sprecht bald hoch, bald tief Göthe 45, 16
Weim.; eine geringe abwechslung des tons, wenn verschiedene personen sprechen, wodurch ... der handelnde von dem erzählenden abgesondert wird 27, 341. 7@e@dδ) jeder ton, alle töne: ich getraue mir zu behaupten, dasz ein mittelmäsziger redner, der seiner stimme jeden ton geben kann, allemal mehr ausrichten wird, als der beste, dessen stimme troken ... ist Sulzer
theorie 4
1, 451; das kind muszte ich wirklich ein weilchen beobachten; es schrie in allen tönen; alle affekte kamen darin vor Mendelssohn
reisebriefe 1, 220; ein dorfpabst von beredter zunge schalt einst, kraft seiner amtesmacht, aus allen tönen seiner lunge, auf ketzer, die er selbst gemacht Pfeffel
poet. vers. 1, 123. 7@e@eε) der natürliche, der falsche ton: sie erlangte bald ein richtiges spiel und gewann den natürlichen ton der unterhaltung vollkommen Göthe 22, 231
Weim.; man spielte vor 50 jahren vielleicht sehr manieriert, man hat ... (
jetzt) einen natürlichern ton angenommen
Europa 2, 31
Schlegel; nach diesen worten, die er mit festem und unverstelltem tone aussprach Klinger 3, 124; mein guter Mellefont sagt seine höflichkeiten manchmal mit einem ganz falschen tone Lessing 2, 327; sie hat den falschen ton des theaters noch nicht angenommen 9, 248; es ist ... ein ton der falschheit und verstellung, der den kräftigsten beweisgründen alle würkungen benimmt Sulzer
theorie 4
1, 450. hier ist mein haus — sagte der mann in sonderbarem ton Hebbel 8, 211; er hatte dabei so einen eigenen ton, ... dass mir war, als spreche er das nur so sinnbildlich Storm 1, 213. 7@e@zζ) der gehörige, gute ton: wenn ich zunächst den sinn der worte ganz verstehe und vollkommen inne habe, so musz ich suchen, solche mit dem gehörigen ton der stimme zu begleiten Göthe 40, 147
Weim.; bey gott, mein prinz, wohl vorgetragen: mit gutem ton und gutem anstande
Shakespeare Hamlet 2, 2; hierauf sagte sie mit edlem tone Göthe 24, 75
Weim. 7@ff)
der ton
wird nach seiner klanghöhe, klangdauer und klangstärke beurtheilt, die oft auch ausdruck von empfindungen und gedanken sind. 7@f@aα) der hohe, tiefe ton: sie suchen ihrer stimme, wenn sie auch den tiefern ton nicht verändern können, geschmeidigkeit und lieblichkeit zu geben Göthe 47, 271
Weim.; in einem hohen tone reden Adelung; hier ist das wort feuriger ein wort, welches ... mit viel erhöhterem ton declamirt werden musz Göthe 40, 149
Weim.; 'meinen Amalrich erwart' ich', erwiedert mit steigendem tone freudetrunkenen blicks die edele Thecla Kosegarten
Jocunde6 30. 7@f@bβ) der strömende, der gedehnte ton: ich will, o tod, dein barde sein! gieb du mir selbst des liedes inhalt ein, dasz ichs, strömenden tons, tief aus der brust weg spreche Kretschmann 1, 193; der ton seines vortrags war schleppend und eintönig, eine silbe so lang wie die andere Justi
Winckelmann 1, 36; auch seine rede war diesem gemäsz ... sprach aber im langsam dehnenden ton kühnste gedanken ... aus Arndt 1, 112; 'Viktor!' sagte jemand in langsam gedehntem ton Jean Paul 7-10, 262. 7@f@gγ) der starke, leise ton: wenn ... er ihn rasch aufstehen sah und den zitternden in starkem tone rufen hörte Klinger
werke 4, 7;
[] deines halses gewaltiger ton wird manchen frechen bösewicht schrecken Kortum
Jobsiade 1, 31; was soll dieser blick bedeuten und der schneidend laute ton? Müllner
dram. werke 2, 59; Fiesko. (mit schneidendem ton.) Leonore! Schiller 3, 134; sonst war er ein mann, der einen massiven ton für deutsche freimüthigkeit hielt Laukhard 1, 85; wenn er einmal antwortete, so stand das schleppende zeitmasz, sowie der leise kühle ton seiner rede in seltsamstem gegensatz zu dem ... gekeif seiner frau Hauptmann
bahnwärter Thiel 5. 7@f@dδ) der feste, entscheidende, kleinlaute, unsichre ton: ich weisz schon bescheid — erwiederte Anna trocken in festem ton Hebbel 8, 232; wenn ich mich des entscheidenden tones noch erinnere, in welchem er seine erhabnen befehle bekannt machte
F. L. Schröder
irrthum auf allen ecken3 117; kleinlauten tons versetzte hierauf der sammler nach einer pause, dasz irren menschlich wäre Immermann 1, 138; 'ich stimme für die junge!' ... 'und ich für die alte!' sagte Aglaja mit unsicherem ton G. Keller 6, 243. 7@gg)
der ton
wird nach seiner klangart beurtheilt, in der meist auch empfindungen und gedanken zum ausdruck kommen. 7@g@aα) der helle, süsze, sanfte, weiche ton: wie hör ich deine stimm von fern und vernehm sie von hertzen gern, die von sich gibt so hellen ton wie ein ährne posaune schon W. Spangenberg
Ajax 2020,
Dähnhardt 2, 64; (
ich) zischelte ihr mit ausgestreckter schlangenzunge in einem süssen, gefälligen tone zu: bemüht euch nicht, gnädige frau Klinger
werke 3, 160; durch den grimmigen teuflischen hohn, erkannt' ich den süszen, den liebenden ton Göthe 14, 232
Weim.; kein überzärtlicher vater hat jemals den namen seiner einzigen tochter in schmelzenderem tone ausgesprochen Ebner-Eschenbach 3, 5; in einem gelinden tone Lessing 2, 419; so sprach er; doch der edle Hektor schwieg. und Helena in sanftem ton begann Bürger 173; da spricht der könig in mildem ton: steh auf du schwester mein Uhland
ged. 1, 262; sie öffnet ihren mund und lieblich flieszt der weiche ton, der sich um's herz ergieszt. sie spricht: ... Göthe 16, 140
Weim. 7@g@bβ) der rauhe, harte ton: was, rief der fromme mann in einem rauhen tone, ich dich bezahlen, dich du sohn der finsternisz Pfeffel
poet. versuche 1, 108; o dieser ton schneidet mir durch's herz! ... einen rauhen, harten ton für das ohr der verbrecherin Kotzebue
sämmtl. dram. werke 2, 95; und er muszte sich förmlich zusammennehmen, als er in hartem ton zu ihr sagte: 'willst du mir antworten, alte hexe?' Hebbel 8, 51; eins, zwei, drei, hurrah! — alle stimmten ein. — so ging es mit der 2., 3., 4. und 5. kompagnie, aber in immer härterem tone Moltke
ges. schriften 1, 12. 7@g@gγ) der artikulirte, lachende, weinerliche, näselnde ton: wenn ein wort vorkommt, das ... mit stärker articulirtem ton ausgesprochen werden musz Göthe 40, 149
Weim.; alles das sagte sie aber in einem so lachenden tone, dasz wir kaum hoffen durften, es sei ihr ernst Forster 2, 104; 'ich will!' sagte Paul in weinerlichem tone Hebbel 8, 240; ihre stimme hatte den schnupfigen ton, der ein begleiter weinender augen ist O. Ludwig 2, 318; er beneidet nie die gefeierte schar um ein rauschendes zeichen des beifalls, wenn lallenden tons sie zu stammeln begann die gestotterte phrase der unkunst Platen
rom. Ödipus act 5; die stimme Mannas hatte wieder jenen umflorten ton Auerbach
landhaus am Rhein (1871) 4, 154; mit hohlem tone wandte sie sich zuerst an den professor Hegner 2, 214; noch einen athemzug, tochter — den letzen! (mit hohlem gebrochnem ton.) wer? Schiller 3, 33;
[] 'du mein sohn?' erwiederte sie in näselndem ton Hebbel 8, 264; was war's? die weiber abermals. doch nun in scheuszlicher gestalt.sie schnitten mir gesichter und in seltsam-schnalz'gem ton ... höhnten sie mich: wir haben dich betrogen 4, 214. 7@hh)
der ton
wird nach seinem empfindungs- und gedankeninhalt beurtheilt. 7@h@aα) der gesetzte, ruhige, der gleichgültige, der emphatische, feurige, schauerliche ton: in einem gesetzten tone Göthe 9, 30
Weim.; sie nimmt die kränze aus den haaren und von der schulter, wirft sie weg, und fährt in gezwungen ruhigen tone fort 9, 25; dein gleichgültiger, dein ruhiger, dein zufriedener ton hat dich verrathen 23, 100; ei, was denn? fragte Jürgen mit einer hast, die von dem gleichgültigen ton, in dem er bisher das gespräch geführt, gar sonderbar abstach Hebbel 8, 128; während er all' diese äuszerungen im tone gleichgiltigen geschwätzes hinwarf Holtei
erzähl. schriften 5, 85; er sagte diesz in einem nachlässigen tone Adelung; muss man denn solche armselige begebenheiten mit solchem emphatischen ton sagen?
sammlung von schauspielen (
Wien 1764—69) 1, 56; dieses sprach er in dem leisen feurigen tone der begeisterung Pfeffel
pros. versuche 5, 184; (
der recitierende) legt auf das schauerliche den schauerlichen, auf das zärtliche den zärtlichen, auf das feierliche den feierlichen ton Göthe 40, 145
Weim. 7@h@bβ) der muntre freudige, ernste, klagende ton, der ton des trauerns, des leidens, der verzweiflung: sie brachten im gegentheil die einladung zu dem schmause bey dem bürgermeister mit einem so muntern tone vor, als wenn gar nichts geschehen wäre Klinger
werke 3, 71; der muntre ton in dem sie Ludwig gebeten hatte, platz zu nehmen, verwandelte sich ... in einen sehr gedrückten Ebner-Eschenbach 4, 73; dann rief er mit dem tone des entzückens Klinger
werke 4, 48; und das alles erzählst du mir in einem tone der entzückung? Lessing 2, 398; in freudigerem tone ... in ernsterm, resigniertem ton Palleske
die kunst des vortrags 107; dann sprang er auf und sagte mit ernstem und bedächtigem ton Göthe 45, 28
Weim.; (
er) richtete im ernsthaften tone die frage an mich Bismarck
ged. u. erinnerungen 2, 114; den mürrischen ton seiner stimme möglichst treu copirend Hebbel 8, 145; im gegenteil schien es der ungemischte ton des verdrusses, in dem sie nun sagte: meinetwegen redet, was ihr wollt O. Ludwig 2, 20; gelinder, bis zum tone der schwermuth Lessing 2, 427; (
Gellerts) ermahnungen, warnungen und bitten, in einem etwas hohlen und traurigen tone vorgebracht, machten wohl einen augenblicklichen eindruck Göthe 27, 128
Weim.; erschrocken sprang der Pelid' auf, schlug die hände zusammen und rief im tone des trauerns Bürger 243; es möge nie von deiner lippe, die so gutes sprach, der ton des leidens und der klage tönen Göthe 9, 70,
Weim.; im ton des tiefsten inwendigen leidens Schiller 3, 437; als sie hörten, dasz er todt sei, schienen sie ganz betrübt darüber und sagten einige wörter in einem klagenden tone her Forster 1, 179; etwas in einem kläglichen tone sagen Adelung; indem er auf sie eindrang, stiessen sie ein geschrei aus, in dem sich das anrufen der gottheit mit dem tone der verzweiflung vermischte Ranke 3, 307. 7@h@gγ) der verwundrungsvolle ton, der ton der unschuld, der überzeugung, ruhiger entschlossenheit: ich? und das mit einem so verwundrungsvollen ton Lenz 1, 13; die deutlichsten beweise von der beleidigung, die uns eine geliebte person angethan, könnten durch zwey worte, in dem wahren ton der unschuld vorgebracht, gänzlich zernichtet werden Sulzer
theorie 4
1, 450; es ist ein ton der überzeugung, der keinen zweifel statt läszt
ebenda; der freiherr sah auf seine uhr und sagte mit dem tone geistiger überlegenheit Immermann 1, 11; um so wirksamer wird die stimme zu dem ton ruhiger entschlossenheit in der antwort zurückkehren Palleske
die kunst [] des vortrags 159; im tone des entschlusses O. Ludwig 3, 43. 7@h@dδ) der herzliche, vertrauliche, aufgebrachte, wilde ton: dann strich er das schlichte haar aus seiner stirn und sagte mit dem herzlichen ton seiner mir einst so vertrauten stimme Storm 1, 44; ha, dieser vertrauliche ton sagt mir, dasz sie wieder zu sich kommen, mein fräulein; dasz sie mich noch lieben, Minna Lessing 2, 250; kennst du mich nicht? sprach sie mit einem munde, dem aller lieb und treue ton entflosz Göthe 1, 4
Weim.; wo ist der zweite jäger? so ruft der graf in zorn'gem ton Hebbel 6, 388; er spricht's im barschen tone und fügt kein wort hinzu 6, 161; wer seid ihr? frägt der richter mit ziemlich brutalem ton Schiller 4, 84; Fiesko. (nimmt einen aufgebrachten ton
an.) kalt? kalt? 3, 126; Jerusalem, voll mordlust, ruft mit wildem ton: 'sein blut komm' über uns und unsre söhn' und töchter!' Ramler
lyr. ged. 346. 7@h@eε) der aus dem innern dringende, lieblich einwirkende, bittende, befehlende ton: eine volle tiefe stimme und ein gefühlter aus dem innern dringender ton unterstützen ihn Schiller
briefe 6, 4; nur vermiszte ich dabey deinen unmittelbar lieblich einwirkenden ton Göthe IV 38, 278
Weim.; mit beweglichem ton Schiller 3, 125; 'sei still', sagte ein verständiger im tone der beschwichtigung Kröger
schuld? 149. wenn ich mir aber den magen verdorben hatte und rhabarber einnehmen muszte, so hiesz es im einschärfendsten tone: 'das ist der bittre trank der lüge' Immermann 1, 43; 'der Angerbauer' bemerkte der alte mit nachdrücklicherm ton Meyr
erz. aus dem Ries 1, 10; sein offenes gesicht, sein sanftes auge, sein überredender ton ... rissen mich im ersten augenblicke hin Gotter 3, 36; bedienen sie sich ihres zärtlichen auges, ihres schmeichelhaften tons J. Möser 1, 364; etwas mit, in einem bittenden tone sagen Adelung; Campe; diese im ton herzlichster bitte vorgebrachten worte rührten Leonhard tief Hebbel 8, 38; mit beschwörendem ton Schiller 2, 40; etwas mit, in einem befehlenden tone sagen Adelung; Campe; in einem so gebieterischen ton Hebbel 8, 71. 7@h@zζ) der strenge, tadelnde, verächtliche, spottende ton: 'nun sehen wir, wo der teufel sitzt!' sagte der landvogt in strengem ton G. Keller 6, 229; so sagte er nur in tadelndem tone Ebner-Eschenbach 4, 50; im tone des verweises Hauptmann
die weber 74; spazieren! da legen sie so einen verächtlichen ton hinein Schnitzler
Anatol 48; es ist bekannt, dasz ... tröstungen durch den spottenden ton zu vorwürfen werden können Sulzer
theorie 4
1, 451; doch du — erwiedert sie leise, fast in vorwurfs ton — du könntest es lange schon besser haben, wenn du nur wolltest! Hebbel 8, 279. 7@ii)
der ton
entspricht einer bestimmten poetischen kunstgattung der epische ton, dramatische töne: so kommt man beim vorlesen nicht eher in einen einheitlichen epischen ton, als bis die tragischen motive auftreten Palleske
die kunst des vortrags 169; er sollte jedem styl gerecht werden, alle dramatischen töne in seiner gewalt haben Freytag
verm. aufsätze 1 (1849), 14. 7@kk)
der ton
wird als der bestimmte ton
einer person überhaupt und als der bestimmte ton
einer typischen standesperson unterschieden: gut so! gut! — (und nun sein ton! wie der wohl seyn wird! — Assads ton schläft auch wohl wo in meiner seele noch!) Lessing 3, 121; es war der ton meines vaters 2, 275; in dem ton der protestantischen prediger zu recitiren Göthe 26, 142
Weim.; Böck hatte den ton des feinen weltmanns durchaus in seiner gewalt Iffland
meine theatral. laufbahn 31
neudr. ebenso wird der ton
auch als der bestimmte ton
eines thiers unterschieden: ich locke wiehernd mit der stute ton den hengst, den haber kitzelt in der nase
Shakespeare, sommernachtstraum 2, 1; so sprich mir nach, was ich dir vorsage, aber grimmig,
[] im ton eines bären Hebbel 8, 171; jeder sprach, schnat terte, krähte, blökte, wieherte oder brummte in dem tone der maske, die ihm zu theil geworden Klinger
werke 3, 80. 88) ton
bezieht sich auf ausdruck und inhalt der rede in wort und schrift, in verkehr und umgang, in empfindungsweise und denkart. schon aus der mittelalterlichen verwendung von ton
als '
melodie'
haben sich übertragene gebrauchsweisen von ton
ergeben, ja schon der älteste beleg aus der Milstäter genesis berichtet, von den brüdern Josephs: sie sprachen in einem tône
um ihre unschuld zu versichern (95, 24
Diemer);
klärlich bezieht sich hier ton
auf ausdruck, inhalt und sinn der rede. ähnlich spricht Wolfram
von des mæres dôn (
Parzival 475, 18),
er meint den gemüth- und bedeutungsvollen inhalt der erzählung. Frauenlob
läszt dann den geist ûʒ beider dône '
im sinne des vaters und des sohns'
sprechen (
kreuzleich 5, 9
Ettmüller).
da der melodie selbst schon im mittelalter ein gewisser gefühlsausdruck zugesprochen wird (
vgl. im vor. 2, n),
sind solche übertragungen wohl verständlich. die reiche und weit verzweigte entfaltung solcher verwendungsarten von ton
im 18.
jh. steht aber im zusammenhang mit der bedeutungsentwicklung des franz. wortes, die unmittelbar an jenen gebrauch anknüpft, der sich auf den gefühlsausdruck der sprechstimme bezog. unver merkt erweitert sich der kreis dieser beziehung, und ton
ist nicht nur der hörbare ausdruck der sprechstimme, sondern auch der geistig wahrnehmbare inhalt und ausdruck der rede, der sich in der art und weise der wortfügung, des stils und im thatsächlichen gegenstand der rede offenbart. diese geistige wahrnehmung, die nicht mehr durch das sinnliche hörorgan vermittelt wird, kann dann ebenso auf das geschriebene wort bezogen werden; ton
ist die schreibart, im weitesten sinn der stil einer jeden prosaischen und poetischen mittheilung, der litteratur und der poesie überhaupt. ton
wird ferner die ausdrucksweise der rede im täglichen gespräch der menschen untereinander in der unterhaltung, besonders beim geselligen verkehr. allgemach tritt dann mitunter die beziehung auf sprache und rede selbst zurück, und ton
ist auch der bedeutsame ausdruck, der sich im gehaben und handeln spiegelt. meist schimmert doch die ursprünglichere anwendung des worts auf die ausdrucksweise in der geselligen unterhaltung durch; sie tritt nur dann gern ganz in den hintergrund, wenn der gute ton
der ton
in absolutem sinn, die conventionelle lebensart einer bestimmten gesellschaftsclasse ist, oder wenn in der wendung den ton angeben
gleichfalls der absolute gebrauch vorliegt (
vgl. im folg. 9
und 10). ton
wird schlieszlich auf empfindungsweise und denkart bezogen, die zunächst ebenso im ausdruck gesprochener oder geschriebener worte sich offenbaren; doch ist auch hier später oft die beziehung auf die unmittelbar gesprochene oder geschriebene äuszerung ganz verblaszt, und dem empfinden und denken selbst wird eine besondere ausdrucksstimmung, ein ton
zuerkannt (
vgl. im folg. 11). — ton
als ausdruck und inhalt der rede in ihren verschiedensten anwendungen auf verhältnisse des täglichen und geistigen lebens wird im 18.
jh. beliebtes modewort, zweifellos unter dem wirksamen einflusz des franz. wortes, das dieselbe entwicklung durchgemacht hat, mitbestimmt auch durch die musikalischen bedeutungen von ton
als '
tonart'
und '
stimmung',
die naturgemäsz zu solchen übertragungen von vornherein neigen muszten (
vgl. im vor. 4, e
und f).
auf deutschem boden begegnet der ausgebildete gebrauch dieser übertragungen in der sprache der vorclassiker, bei Klopstock,
besonders bei Lessing
und Wieland;
von den stürmern und drängern wird er mit merklichem behagen aufgenommen, in oft kühnen und freien wendungen hat sich vor allem Herder
des wortes bedient, und in der poesie und prosa Göthes
tritt jene ausgebildete und abgerundete verwendung zu tage, die für die folgezeit maszgebend geblieben ist. dabei steht der poetische gebrauch in gewisser beziehung erst in zweiter linie; ton
in diesem sinn ist vor allem gangbares wort in der gebildeten prosa. es ist ein lieblingsausdruck des freiherrn von Knigge,
wenn er '
über den umgang mit menschen'
berichtet, und die entsprechende verwendung von ton
als terminus technicus in der litterarischen kunstsprache wird ausführlich von [] Sulzer
erörtert: darum ist der ton eine der wichtigsten eigenschaften eines werks der redenden künste. wir haben ... beyspiele von solchen oden angeführt, die es gewisz nicht durch ihren inhalt sondern blos durch den ton sind; der also würklich oft wichtiger ist, als der inhalt selbst
theorie 4
1, 452; man wird finden, dass der ton hauptsächlich durch die wortfügung, durch den gebrauch der verbindungs- und ausdruckswörter, durch die wahl der figuren, bilder und des ausdruks, und durch den numerus bestimmt wird
ebenda. neben dem unmittelbaren einflusz der bedeutungsentwicklung von ton
im anschlusz an den franz. gebrauch ist aber auch das fortwirken der aus dem mittelalter stammenden übertragungsweise anzunehmen und zuweilen wohl zu unterscheiden; so vor allem in solchen verbindungen, wo schon im mittelalter ton
als '
melodie'
erscheint, vgl. im folg. besonders dieser ton, dér ton, eín ton, der andre ton, der alte ton, der hohe ton.
die alte tradition hat sich hier erhalten und fortgesetzt, doch wurde sie, mitbeeinfluszt von ton
als '
tonart'
und '
stimmung',
durch den impuls aus der fremde zu neuem leben geweckt. dies zeigt sich wohl auch darin, dasz gerade in solchen fällen, wo der alteinheimische gebrauch mehr in den vordergrund tritt, die verwendung in der poesie häufiger anzutreffen ist; ja auch die alte verbindung ton und wort
klingt wieder an: was schiltst du mich? und wenn auch noch so leise, und wenn auch noch so schön in ton und wort Grillparzer 1, 196; ein edler mann, begierig zu ergründen wie überall des menschen sinn ersprieszt, horcht in die welt, so ton als wort zu finden, das tausendquellig durch die länder flieszt Göthe 16, 270
Weim. 8@aa) ton
bezieht sich auf äuszerungen des menschen in wort und schrift, in gespräch und umgang, in denkart und empfindungsweise. neben dem häufigen singular begegnet seltner auch der plural: als ich in die nähe von Versailles kam, konnt' ich nichts thun, als worte und redensarten zusammen setzen und auf stellungen und töne sinnen, um mich in die gunst des duc de C
*** hinein zu winden Bode
Yoricks empfindsame reise 2, 34; die abhandlung nimmt bisweilen, weil sie ihre bedürfnisse kennt, einige töne von der darstellung Klopstock
gelehrtenrepublik 1, 13; in Goethens prose bildet — wenn in der vorigen die töne poetische gestalten legen — umgekehrt die feste form den memnons-ton Jean Paul 49-51, 288; Sokrates läszt sich gehen und entwickelt dabei eine auszerordentliche variationsfähigkeit der sprachlichen töne vom leichten tändeln bis zum dithyrambischen schwung Bruns
vorträge 210.
dabei macht sich leicht eine mehr bildliche auffassung geltend, indem ein vielfach tönender gesammteindruck vorgestellt wird, vgl. bes. im folg. c,
α. 8@a@aα) der ton der rede, der erzählung: ton ... figürlich, wo es oft von der art und weise des ausdrucks, ingleichen von dem inhalte der rede gebraucht wird Adelung; Campe; und über dem war etwas in dem ton dieser anrede, welches ihm miszfiel Wieland
Agathon 2, 48; alles steht auch dem ton der erzählung nach in wunderbarem poetischen lichte Herder 12, 169; ich erinnere mich noch aus diesen mitteilungen an manches, besonders an eben dieses, dasz ich bald aus dem tone der erzählung lernte, das wirklich erlebte von dem erdichteten zu unterscheiden Steffens
was ich erlebte 1, 71. 8@a@bβ) der ton des ausdrucks, des vortrags, der ankündigung, des prologs: du hast dieszmal den ton von Homers ausdruck verändert. er sagte nämlich bey dir nicht, wie er gewöhnlich thut, in einem ganzen verse, dasz einer redete Klopstock
gramm. gespräche 241
f.; aus dem tone des vortrags im texte bemerkt man, dasz er sein urtheil in suspenso halten will Göthe II 4, 179
Weim.; es (
Laidion von Heinse) ist mit der blühendsten schwärmerei der geilen grazien geschrieben, und läszt Wieland und Jacobi weit hinter sich, obgleich der ton und die art des vortrags, auch die ideenwelt in denen sich's herumdreht mit der ihrigen coinzidirt IV 2, 176; der ton der ankündigung ist völlig Fichtisch IV 15, 110; was sie mir von der ausgabe Taulers durch Cassander
[] schreiben, habe ich nach dem tone der ankündigung ohngefähr so gedacht Görres
ges. briefe 3, 10; und mit diesem übergange, — sinnreicher musz er nicht seyn, — mag denn der ton des ernsthaftern prologs in den ton des nachspiels verschmelzen, wozu ich diese letztern blätter bestimmte Lessing 10, 216. 8@a@gγ) der ton einer beschreibung, einer fabel, eines romans, der bellestristische ton (
der bellestristik): meistens musz der ton der beschreibung (
von bildern) das beste thun, um den leser über das wie zu verständigen W. Schlegel
Athenäum 1, 46; der ton einer solchen fabel sey ... vertraut und interessant Eschenburg
entwurf 59; wisse .. dass jene blätter flüchtige skizzen aus dem umfange jener chronika sind, welche ich noch nicht in die harmonische haltung mit dem tone derselben gebracht hatte Brentano
ges. schriften 5, 17; der von Friedrich Schlegel herausgegebene roman Florentin ist höchst wahrscheinlich nicht von ihm. der ganze ton spricht dagegen Solger
nachgel. schriften 1, 15; und wie nun die echos der alten classischen zeit allmälig verklangen und der belletristische ton immer dünner ... und schwindsüchtiger wurde Gutzkow
werke 12, 7. 8@a@dδ) der ton eines stücks, der kritiken: dieser unerwartet hervorbrechende scherz (
Prometheus und seine recensenten) fiel mir sehr auf, weil er dem stil und ton nach von jemand aus unserer gesellschaft sein muszte Göthe 28, 330
Weim.; indem Wilhelm und Serlo jeder in seiner art wirkte, jener bei jedem stücke auf den sinn und ton des ganzen drang, dieser die einzelnen theile gewissenhaft durcharbeitete 22, 232; den ton der kritiken überlasse ich ... der eigenen laune eines jeglichen Bürger 184; ich meine damit nicht den ton gegen ihre recensenten, der hätte wohl noch eine beiszendere lauge verdient Lichtenberg
verm. schriften 9, 375. 8@a@eε) der ton der gedichte, der poesie: gefühl ist der ton der lieder, und nicht eine charakteristik allegorischer wesen Herder 3, 267; ebenso verschieden sind ton und haltung der einzelnen lieder (
Neidharts) Freytag
verm. aufsätze 1, 399; wenn meine empfindungen itzt nicht so selten mit dem tone solcher gedichte gleich gestimmet wären Lessing 17, 388; das buch des unmuths enthält gedichte, deren art und ton dem osten nicht fremd ist Göthe 41, 1, 87
Weim.; die poesie näherte sich in ton und inhalt dem charakter der modernen Lange
gesch. des materialismus 21.
auch im plural poetische töne (töne der poesie): ihnen, ... dem das mittelalter und dessen poetische töne nicht fremd sind, gefällt auch, wie ich weisz, diese bunte dichtung des Octavian Tieck 1, iv. 8@a@zζ) der ton eines briefes, eines buches, eines blattes, eines journals: und der ton ihres letzten briefs war auch noch nicht der, welcher ihre freunde beruhigen durfte Caroline 1, 72; seine nachmahligen briefe, welche im tone immer matter wurden, hätten mich freilich eine vorgegangene veränderung sollen ahnden lassen Bahrdt
leben 2, 280; wiewohl es sich für den ton und die absicht dieses buches keineswegs geschickt hätte, mit dem eifer gegen ihn auszubrechen, welcher einen jungen kandidaten treibt, wenn er ... gegen die Tindal und Boling broke zu felde zieht Wieland
Agathon, vorbericht von 1766; zweifeln sie jedoch nicht an ... meiner wahren freude, dasz sinn und ton ihres blattes sich so tüchtig und rein erhält Göthe IV 19, 88
Weim.; gar zu genaue übereinstimmung in der denkart könnte den ton dieses journals zu einseitig werden lassen Forster 7, 126; die abschnitte desselben (
buches) sind zuerst als journalartikel geschrieben, sie verleugnen in ton und farbe diesen ursprung nicht Freytag
verm. aufsätze 1, 324. 8@a@hη) der ton der unterhaltung, des umgangs: ich gestehe es, der ton seiner unterhaltung gefiel mir gar nicht Knigge
umgang 3
3, 87; das mittagsmahl war indessen so wenig prunkhaft und weitläufig und der ton so frei und unbefangen, dasz ich mich bald dem ruhigsten behagen hingab G. Keller 3, 165; der ton an der hoftafel war leicht und gut Jean Paul
briefwechsel 148
Nerrlich; dasz die an der Tiber und Neva, an dem Tajo und an der Elbe gebornen vornehmen und gebildeten durch eine gewisse gemeinsamkeit der sitte
[] und des tons sich so abgeschliffen haben, dasz man das ursprüngliche naturgepräge oft kaum im dünnen durchschein noch erkennt Arndt
sämmtl. werke 1, 208; immer waren Griechen und Römer in ihrem geschmacke noch wie grob! hatten am wenigsten den ton des umgangs mit dem schönen geschlechte Herder 5, 552. 8@a@thθ) der ton
einer empfindungsweise und denkart, der ton des geschmacks, der andacht: daher belehren sie nur von dem damaligen ton des geschmacks in Rom Joh. v. Müller
sämtl. werke 1, 177; und doch zugleich ist es mir wieder neu, dieses einsame bergthälchen — das eigene völkchen — der eigene ton seiner stillen andacht Ulr. Bräker
sämmtl. schriften 2, 141. 8@bb) ton
bezieht sich auf eine person, dann auch auf den inbegriff von menschen, die einer gesellschaftsclasse, einer stadt, einem volk, einer zeit angehören. 8@b@aα) der ton einer person: Siegbert Wildungen fühlte sich vom ton des sprechers ... nicht eben angenehm berührt Gutzkow
ritter vom geist 1, 19; 'dein ton', erwidert er, 'beweist, wie wenig dieser schein von güte meinen klagen mitleidiges gefühl verheiszt ..' Wieland 4, 34; schon hat sich ihr ton sanfter gestimmt Klinger
werke 1, 177; sich nach sitten, ton und stimmung andrer zu fügen Knigge
umgang 1
3, 25;
vgl. aus Köln die redensart mit ton
im plural: dat wäre dinger tön
das wäre dir genehm, lieb, willkommen Hönig 155.
der ton
eines autors: Uhlands ton ist nicht eigentümlich genug und gehört eigentlich den alten gedichten Heine
briefe 1, 272.
der ton
einer bestimmten standesperson: vornehm nennst du den ton der neuen propheten? ganz richtig, vornehm philosophirt heiszt wie Rotüre gedacht Göthe 5, 214
Weim. 8@b@bβ) der ton einer familie, der gesellschaft: wir sollen ... den ton der familie annehmen, als wenn wir glieder derselben wären Knigge
umgang 2
3, 179; ich mochte mich nach der beschaffenheit des landes, ... nach dem tone der gesellschaften ... erkundigen Bahrdt
leben 2, 270; wenn wir in eine gesellschaft gerathen, deren ton uns gänzlich fremd ist Knigge
umgang 1
3, 18; bald richtete ich mich nach den sitten der leute, nach dem ton aller unbedeutenden gesellschaften 1
3, 31; der gesellige ton hier ist leichtigkeit, anstand und freude Jean Paul
briefwechsel 245
Nerrlich. 8@b@gγ) der ton einer stadt, einer nation: alles was bey uns auf die bühne kommt, ist noch zur zeit provinciel; und so wenig Wien als Berlin noch Leipzig haben ihren ton zum nationalton erheben können Lichtenberg
aphorismen 2, 15
neudr.; schreibe nun auch bald von München etwas, damit man erfahre, wie dort der ton ist Göthe IV 7, 125
Weim.; wenn durch sie (
die kaufleute) ... der ton ganzer nationen umgestimmt, und menschen mit geistigen und cörperlichen bedürfnissen ... bekannt werden Knigge
umgang 3
3, 134; aber die Taciti unter den Römern? sie haben mit ihren einzelnen sylben und stückwerken von den Deutschen uns mehr ton gegeben, als ganze liedersammlungen der barden Herder 3, 464. 8@b@dδ) der ton einer zeit: das hängt ab vom ton der zeiten Sturz 1, 83; sobald von lobes-erhebung alter zeiten und heruntersetzung der gegenwärtigen, deren ton sie nie kennen lernen, die rede ist Knigge
umgang 2
3, 6; warum sollt' ich nicht an jungen seelen, ... die noch nicht der ton des tags verstimmte, mein gemüth erfrischen? Kosegarten
rhapsodien 1
2, 172; jeder periode (
meines dichterlebens) werde ich sorgfältig dasjenige lassen, wodurch sie vor einer andern sich auszeichnet, ihren ton, ihre manier J. G. Jacobi 1, v. 8@cc) 8@c@aα)
in mehr bildlicher ausdrucksweise wird der ton
in diesem sinn als tönend und klingend vorgestellt: im gang, im schwunge ihrer (
der ältesten morgenländischen sprachen) gedichte und der gesänge andrer alten völker tönet der ton, der noch die kriegs- und religionstänze, die trauer- und freudengesänge aller wilden belebet Herder 5, 10; hier wehte ein anderer wind, hier klang ein anderer ton als zu hause Göthe 26, 72
Weim. im plural tritt das bild noch mehr in den vordergrund: einige töne
[] dieser elegie, sagte Theodor, klingen doch wohl in den worten des klosterbruders Tieck 1, 14; dagegen schienen ihm aus dem vierten evangelium töne entgegen zu klingen, die zu seiner christusconstruction aufs beste stimmten D.
F. Strausz 6, 29. 8@c@bβ) einen ton haben: wo — ja wo ist Theocrit? die ganze stelle hat keinen ton
Frankf. gel. anz. (1772) 33
neudr. in kühner wendung sagt Herder: nun musz ich bekennen dasz bei den meisten fällen ich weder wahl, noch veranlassung eben zu solchen römischen und griechischen sylbenmaassen, ja wenn ich von den gesängen der wilden überhaupt ton habe, nirgends veranlassung zu einem solchen römischen und griechischen sylbenmaasse sehe 5, 174. ton haben
erscheint dann in weiter übertragener bedeutung in Schwaben: es hat wieder eher den ton bei ihm
geht wieder besser Fischer 2, 255; es hat keinen ton
es hat keinen zweck, ist unnötig ebenda. auf bestimmte verhältnisse bezogen: eine solche kirchweih hatte aber 'keinen rechten ton', jeder ächten bauernnatur muszte etwas dabei fehlen Melch. Meyr
erz. aus dem Ries (1861) 371.
vom vieh: das vych hat mir übel bey euch thon, oder nit wol tryt, ich hab nit ein gten kauff bei euch funden
male vertit res pecuaria mihi apud vos Maaler 400
d. auch vom essen: das essen hat wieder einen ton bei ihr
schmeckt ihr wieder aus Ulm bei Fischer 2, 255; ein wein 'hatt dhain thon noch geschmack'
ebenda aus der lebenden mundart und aus Christoph v. Württembergs briefen (1566); dös süpple hat en bittra thue
ebenda aus wäckerle bis aufs würzele 149. 8@dd) 8@d@aα)
in bildlicher ausdrucksweise einen ton singen,
vgl. im folg.: einen andern ton singen, süszen ton singen. 8@d@bβ)
ebenso aus einem ton singen, musicieren, pfeifen,
vgl. im folg.: aus diesem, aus einem andern, aus einem hohen ton singen, aus einem andern ton musicieren, aus einem hohen ton pfeifen. 8@d@gγ) aus einem ton sprechen: diesz ist der ton, aus dem die männer schmähn Gellert 1, 211;
vgl. ferner im folg.: aus diesem, aus einem andern, aus einem hohen ton reden, sprechen. 8@d@dδ) in einem ton sprechen, schreiben, auftreten: ich sagte es ihm grad heraus ... und sprach ohne allen rückhalt, im tone meiner empfindungen Klinger
werke 4, 66; diese erfahrung lehrt den abentheurer und groszsprecher ... in einem tone zu reden, der ihm, wo nichts mehr, doch wenigstens manche freye mahlzeit ... erwirbt Knigge
umgang 1
3, 34; zur probe seiner insolenz und des tons, in dem die charlatans des 15 ten jahrhunderts ihr publicum anredeten Hufeland
kunst das menschl. leben zu verlängern 15; Lehnert ... bat in einem tone, darin sich ernst und gute laune die wage hielten, um entschuldigung Fontane I 6, 12; ihre ketzerischen naivetäten in einem tone vorzutragen, als ob ein appell unmöglich sei I 4, 16; unterdessen ist sie (
die vorrede) doch in einem tone abgefaszt, welcher einen Deutschen belustigen kann Lessing 7, 2; das Wittenberger responsum ... war in einem tone geschrieben, wie es die schafsköpfigsten orthodoxen nur schreiben konnten Bahrdt
leben 2, 46; so hätte ich wohl nicht in dem ton schreiben können, wie ich zu anfang dieser seite gethan habe Lichtenberg
briefe 1, 17; wenn auch die inschrift von Römern herrühret: so ist sie doch gewiss in einem ton gesetzt worden, der dem Ataulf und seinem volk gefiel Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 192; herr Bercht ist nicht gut berathen, dasz er in diesem ton auftritt Göthe IV 21, 168
Weim. 8@d@eε) in einem ton sein: ich will abbrechen, meine herren, und morgen weiter schreiben, denn ich bin in einem ton, der ihnen vielleicht nicht so erbaulich ist als er mir von herzen geht Göthe 37, 132
Weim.; ich soll befehlen, in was für einem ton ihre briefe künftig sein sollen IV 5, 50;
vgl. ferner im folg.: in bestem, groszem, ringem ton sein. 8@d@zζ) aus einem ton gehn,
vgl. im folg.: es geht aus dém, aus diesem, aus einem andern ton, aus einem bessern ton, im alten ton.
[] 8@ee) 8@e@aα) einen ton, aus einem ton anstimmen, auf, in einen ton stimmen, einstimmen, den ton herabstimmen, verstimmen: diese liedersammlung ist eben so mannigfaltig als charakteristisch, sowohl in bezug auf den gegenstand, ... als in absicht des tons, den sie anstimmt Göthe IV 41, 207
Weim.; wo er mir aus dem ton anstimmet
s'il le prend avec moi sur ce ton la Rondeau 2, 591; diejenigen unter den männern zu unterscheiden, welche mit ihnen (
den weibern) sympathisiren, sie verstehn, sich in ihren ton stimmen können Knigge
umgang 2
3, 91; ich behalte es mir auf eine andere gelegenheit vor, mich über den ton, auf welchen sich Posa gleich zu anfang mit dem könige stimmt, ... näher gegen sie zu erklären Schiller 6, 54; Montalto ... findet die ritter sehr aufgebracht über den groszmeister, stimmt in ihren ton ein 15, 1, 127; das hab ich schon gemerkt dasz wir unsern ton nie genug herabstimmen können (
beim predigen) Miller
briefw. dreier akad. freunde 1, 77; der ton deines letzten briefes, meine freundin, stimmt den meinigen herunter Pfeffel
pros. versuche 1, 64; wir sollen ... nicht durch unsre launen den ton verstimmen Knigge
umgang 2
3, 179. 8@e@bβ) in einen ton, aus dem ton fallen: in was für einen ton bin ich mit ihnen gefallen! Lessing 2, 204; mit diesem gleichnisz fallen wir freilich aus dem ton, da es staatsrechtliche mit künstlerischen verhältnissen zusammenwirft G. Keller
nachgel. schriften 9; wie aber kommt es, dasz Shakespeare in solchen symbolischen szenen nicht aus dem tone fällt O. Ludwig 5, 272; bleib immer nur dabei, und ist's verstellung, sieh zu, dasz aus dem ton du nimmer fällst Grillparzer 8, 241. 8@e@gγ) den ton halten: einige kleine undulationen ausgenommen, wo die gedanken nicht straff genug markirt bleiben, ist der ton recht gut gehalten Görres
ges. briefe 3, 171; es ist schwer, sagte Anton, zu bestimmen, worin denn ein mährchen eigentlich bestehen und welchen ton es halten soll Tieck 4, 119; der dichter (
Tieck) bestrebt sich vielmehr überall den ton des gegenstandes zu halten A. W. Schlegel
Athenäum 1, 170. 8@e@dδ) den ton treffen: es ist demnach eines der nothwendigsten talente des dichters, oder redners, dasz er den ton, der in jedem besondern falle nöthig ist, zu treffen wisse Sulzer
theorie 4
1, 452; auch in dem gedicht des Chrysostomus ist der ton des ganzen sehr gut getroffen Fr. Schlegel
Athenäum 2, 325. 8@e@eε) den ton verfehlen: wer von geringen sachen spricht, der verfehlt den ton, wenn er vornehme, hohe worte, feine bilder, lebhafte figuren, dazu braucht Sulzer
theorie 4
1, 451; (
ich musz) den alten auch darinne folgen worin sie getadelt werden, ... dann nur werde ich einigermaszen sicher seyn, sinn und ton nicht ganz zu verfehlen Göthe IV 13, 141
Weim. 8@e@zζ) einen ton anschlagen: wir hörten's wohl, dasz er mit ihm einen ton anschlug, als sei er sein eigener herr Höfer
aus der weiten welt 1, 113; diese lateinische poesie, oder vielmehr was ihren ton zuerst anschlug J. Grimm
kl. schriften 3, 35. auch der ton schlägt an: dasz bei einer widrigen stimmung des gemüths oder bei klang- und tonlosen seelen ihr (
der lyr. dichtkunst) gesang nicht wiederhalle, oder wie man sagt, der ton des dichters nicht anschlage Herder 27, 194. 8@e@hη) einen ton nehmen, annehmen: hat der gute treuherzige alte einen ton genommen der ihnen misfällt? Hermes
Sophiens reise (1775) 6, 14; noch erwartet man vielleicht, dasz er sich über den ton erkläre, den er in diesen briefen genommen Lessing 10, 231; auch kann man nicht leugnen, dasz die einkleidung, welche Diderot den beygefügten unterredungen gab, dasz der ton, den er darinn annahm, ein wenig eitel und pompös war 10, 147; der ton, den die jugend annimmt, ... pflegt nicht der sittlichste zu seyn Knigge
umgang 2
3, 5; so lernt man zugleich nach und nach den ton und die stimmung annehmen, die nach zeit und umständen erfordert werden 1
3, 93. 8@e@thθ) einen ton geben, angeben
begegnet seltener in allgemeinerem sinn, meist steht hier ton
absolut als der '
maszgebende [] ton' (
vgl. 9);
wo eine allgemeinere bedeutung doch vorliegt, ist diese oft aus der absoluten abgeleitet: die überwiegenden Hellenen bringen endlich einheit ins ganze und geben der griechischen sprache und denkart ton Herder 14, 134; und so gut diese überstarken eindrücke ihrem ersten stosze nach waren, um aufzuwecken, um ewigen ton zu geben 4, 87; der student, wenn etwas liberales aus ihm werden soll, musz einen gewissen ton angeben Laukhard 1, 228; man sieht da die menschen mehr ihrem instincte folgen, statt dasz in einer residenz sich alles nach dem ton stimmt, den der fürst angiebt Knigge
roman meines lebens 3, 11. 8@ff) 8@f@aα) den ton ändern: da Lothar solchen ernst sah, fieng er endlich an, nachdem er lange genug den hochmüthigen gespielt, den ton zu ändern Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 462; nein, Flora, den ton ändere ich nicht, nicht jetzt, nie! Deinhardstein 1, 28. 8@f@bβ) den ton erheben, der ton sinkt: und will er es einmal wagen, den ton zu erheben und etwas ernsthaftes zu sagen, so lacht man ihm gerade in das gesicht Knigge
umgang 1
3, 50; soll er seinen ton herabstimmen, so erhebt den eurigen, zeigt ihm euren stock Göthe 45, 65
Weim.; damals füllte er mit solchen schilderungen seine ersten römischen briefe! aber wie sinkt dieser ton von dem punkt an, wo die welsche wirtschaft beginnt Justi
Winckelmann 2, 1, 8. 8@gg)
der ton
wird im allgemeinen unterschieden als 8@g@aα) welcher, solch ein ton: seid ihr so jung, um nicht zu wissen in welchem ton ihr und Weislingen von mir zu reden habt? Göthe 8, 56
Weim.; das ist doch unleidlich, was die kerle in Halle sudeln! und in was für einem tone! Lessing 17, 3; da haben wirs, werden sie sagen, man siehet wohl, was diese herren für einen ton einführen wollen Abbt 3, 36; geheimniszvolle hymnen ... feiern die heiligthümer der liebe in solch einem tone, dass man begreift, wie ... wollust und andacht schwesterkinder genannt werden konnten Gervinus
gesch. der deutschen dichtung 5, 6. 8@g@bβ) dér ton. in dém ton sprechen: in dem ton sprach Realis de Vienna weiter Herder 17, 205; und aus dem tone sprachen sie alle J. G. Müller
kom. romane 1
2, 233. aus dém ton gehn: es geht aus dem und dem ton Fischer 2, 255; in dem ton kann's ned furtgeh'n (
d. h. es musz ein anderer angeschlagen werden) Hügel
Wiener dialect 165; ah! geht's aus dem ton? i nu, wart', da musz ich helfen Bauernfeld 1, 168. 8@g@gγ) dieser ton: was scherz und immer scherz! du beleidigst mich mit diesem tone. es ist kein scherz Deinhardstein 1, 14; wie alles, so ist dieser ton des stücks seiner hohen wahrheit und göttlichkeit siegel Herder 7, 132; in diesem tone sprechen: in diesem tone sprach er weiter und gefiel sich darin, sich bittere dinge zu sagen Fontane I 5, 223; in diesem tone fuhr er fort und flickte den bisherigen redensarten noch einige andre an Gaudy 2, 74; ein so verbindliches compliment verdiente wohl eine antwort in eben diesem ton Wieland
Agathon 1, 153. aus diesem ton,
bildlich es geht aus diesem ton, aus diesem ton singen: aus diesem ton war's unterwegs gegangen Wieland
Oberon 6, 67; auch du aus diesem ton? das dacht ich nicht Immermann 17, 225; gerade das ungebildete volk wird trotz aller deutschen einigung noch lange aus diesem tone singen Riehl
die deutsche arbeit 304. aus diesem ton reden, nehmen: dass eine apologie aus diesem ton nicht geschickt war, mir ein günstiges urtheil auszuwirken Wieland
Agathon 1, 370; wer aus diesem ton über die zeiten klagt, der hat recht zur klage Fouqué
gefühle, bilder 1, 77; wenn ihr's aus diesem ton nehmt, sag' ich nichts H. v. Kleist 1, 229. diesen ton annehmen, in diesen ton einstimmen: wie wagen sie es, diesen ton gegen mich anzunehmen? Raupach
dram. werke kom. gattung 1, 100; seine unterthanen selbst wollten freylich nicht immer in diesen ton mit einstimmen Klinger
werke 3, 126;
[] sie spricht so weinerlich, dasz mir's unmöglich scheint, in diesen ton jemals gestimmt zu werden Wieland 4, 35. 8@g@dδ) ein ton, einerlei ton. aus eínem, einerlei ton sprechen, gehn, auf eínen ton stimmen, einen ton haben, durchführen: allein dasz so genannte sprachgelehrte und sprachphilosophen mit ihnen aus einem tone sprechen, musz billig einen jeden befremden Adelung
magazin 2, 1, 30; um dabei zu erinnern, dasz unsre vorfahren sich mit uns aus einerlei ton beklagt J. Möser 1, 184; da geht's immer auf einen (aus einem) ton Fischer 2, 255; so verschiedenes hanges wir auch waren, so herzlich stimmten wir doch auf einen ton Mylius
märlein 52; der kunstrichter, der gegen alle nur einen ton hat, hätte besser gar keinen Lessing 10, 437; er musz nicht nur einen ton durchführen, sondern jede seite des gefühls zu berühren und anzuregen verstehen Fr. Schlegel 2, 70. 8@g@eε) eben der ton, der gleiche ton: ist dieses ihre gefälligkeit? meine frau singt in ihren häuslichen duetten bey nahe aus eben dem tone Straube
die spielerin, in Gottscheds schaubühne 1, 84; die äbtissin empfing sie mit allen den frömmelnden klosterbegrüssungen, die der teufel in dem gleichen tone beantwortete Klinger
werke 3, 100. 8@g@zζ) der andre ton.
bildlich einen andern ton singen: allein schon am dritten (
tag) begann Römer einen ganz anderen ton zu singen, indem er urplötzlich höchst kritisch und streng wurde G. Keller 2, 26.
ebenso aus einem andern ton musicieren, pfeifen: will bald auch musiziren, aber aus einem andern ton maler Müller 3, 107; alle herren, wenn sie ihrer diener sehr benöthigt sind, geben dergleichen gute worte, aber wenn sie sie weiter nicht brauchen, so pfeiffen sie aus einem andern thon
ollapatrida 12
neudr.; ja wüstest du, wie mir zu muthe dabey wäre, du würdest aus einem andern ton pfeiffen
der Bremische avanturier 103;
sprichw.: aus einem andern tone singen (sprechen)
vortheilhaftere, mildere bedingungen, günstigere anerbietungen machen Wander 4, 1264. aus einem andern ton reden
parler d'un autre ton, le prendre sur un autre ton, parler ou agir d'une autre maniere Rondeau 2, 591
c; itzt genandte beyde obristen redeten gar aus einem andern thon, wie es bisher gelautet Chemnitz
schwed. krieg 4, 1, 92
b; was gilts? rieff er aus, wir wollen in 14 tagen aus einem andern thone mit einander schwatzen Schnabel
Felsenburg 4
neudr.; bald werde ich mit dem herrn aus einem andern tone sprechen Lessing 2, 162; ehe ein jahr vorüber geht, wird die moral aus einem andern tone sprechen J. Möser 3, 7.
seltener in einem andern ton sprechen: die zeit ist vorbey, da mich solche reden bezaubert hätten. sie müssen jetzt in einem andern tone mit mir sprechen Lessing 2, 284; nun verzweifle ich fast, dasz sie (
in ihrem blatte) in einem andern tone reden werden Cramer
der nord. aufseher 1, 53. aus einem andern ton gehn: die schluszrede des Demea bey dem Terenz, geht aus einem ganz andern tone Lessing 10, 93;
sprichw.: das geht ja jetzt aus einem ganz andern tone Lessing 1, 340; nu gît't ût'n annern tôn, sädde köster, un floit't das evangelium
bei Wander 4, 1264;
ebenso: dies klingt ja wiederumb aus einem andern ton
aus Schlesien ebenda. einen andern ton anstimmen: eingeschüchtert stimmte Drewniak einen andern ton an Ebner-Eschenbach 2, 153;
auf musikalische verhältnisse anspielend: und es wird jetzt wirklich eine zu grosze menge claviermusik ähnlicher art componirt; man sollte wieder ein mal einen andern ton anstimmen Mendelssohn
briefe 2, 187.
die bedeutung '
accent'
klingt an: wie er (
der dichter) diesen vers hier brauchte, kann er ihn anderswo vielleicht nicht brauchen; empfindung und inhalt geben ihm dort einen andern tritt und ton Herder 27, 279. einen andern ton ausbitten: i bittet mir an andern ton aus (
d. h. einen freundlicheren) Hügel
Wiener dialekt 165.
sprichw.: ander weter, ander ton; ander glück, ander tück Butschky
Pathmos 139. 8@hh)
der ton
wird ferner im allgemeinen beurtheilt als 8@h@aα) der alte ton: (
sie) fängt wieder an im alten ton den leuten ihren text zu sagen Ramler
fabellese 3, 97;
[] abscheulich! fallen sie schon wieder in den alten ton? Bauernfeld 2, 182; auch nach der hand muszten Wildmann und Louise ihr ganzes ansehen bey ihm anwenden, um ihn nur einigermaszen wieder auf den alten ton zu stimmen J. G. Müller
komische romane 2, 463; von liebe ist nicht mehr die rede, obgleich ich ihre eitelkeit zu vergnügen den alten ton beibehalte Pückler
briefw. u. tageb. 6, 317; ... wir fanden den alten ton nicht mehr Geibel 4, 66. es geht im alten ton:
Richard: wie gehet es, bäschen?
Emerenzia: so, wie der herr vetter weisz, im alten thon
pedantischer irrthum 47. 8@h@bβ) der neue ton: mit jedem kopfe, der neuen ton in die gesellschaft bringt Herder 5, 121; ist das jetzt neuer ton? macht man zu London und zu Paris solche morgenvisiten? Engel 12, 229.
auch der plural: 'die nordsee' gehört zu meinen letzten gedichten, und sie erkennen daraus, welche neue töne ich anschlage und in welchen neuen weisen ich mich ergehe Heine
briefe 1
3, 271. 8@h@gγ) ein gewisser ton, der allgemeine ton: es giebt einen gewissen ton, der das leere des verstandes verräth Gellert
bei Lavater, physiognomische fragmente 1, 31; ein gewisser ton und schlendrian pflanzt sich leicht fort Göthe IV 12, 292
Weim.; ob es nicht zwang und fessel für unsre barden seyn würde, wenn man ihnen einen bestimmten ton vorschreiben wollte Kretschmann 1, 15; so fahre ich hier blos im allgemeinen tone fort Herder 2, 17. 8@h@dδ) jeder ton, alle töne: da es nicht möglich ist regeln zu geben, durch deren befolgung jeder ton zu erreichen wäre, so kann hier nur durch beyspiele gelehrt werden Sulzer
theorie 4
1, 452; sie (
die männer) sezen uns (
mädchen) in den fall, etwas belehrendes von ihnen erwarten zu müssen und gehen dann aus dem lehrton in jeden ihnen gefälligen ton so leicht über Hermes
manch Hermäon 1, 158.
auch der plural, bildlich: ich habe dich so häufig Theodors lob aus allen tönen singen hören Holtei
erzähl. schriften 7, 111; wenn wird es doch geschehen, dasz ich ihnen mündlich durch alle töne einstimmig versichern kann, wie sehr ich ihnen ergeben bin? L. A. Gottschedin
briefe 1, 28. 8@h@eε) der gleichförmige ton, mannigfaltigkeit des tons: sein werk besteht streng genommen nur aus novellen, ... dasjenige, was alle verbindet, ist ein gleichförmiger ton lieblichen wohllauts Tieck 4, 121; und es tritt eine kunstvolle gliederung, ... eine mannigfaltigkeit des doch einheitlichen tones ein Scherer
gesch. d. d. litteratur 84; weit entfernt dasz ich die aufnahme gewisser arbeiten in den almanach tadle. denn man sucht dort gesellige mannigfaltigkeit, abwechslung des tons und der vorstellungsart Göthe IV 11, 163
Weim.; so grosz ist die verschiedenheit des tons unter zweyerley classen von menschen! Knigge
umgang 1
3, 22. 8@ii)
der ton
wird nach allgemeinen ästhetischen und ethischen werthungen bestimmt. 8@i@aα) der eigne, der natürliche ton, der fremde ton: die beschreibung jeder statue hat ihre eigene methode und ihren eigenen ton Justi
Winckelmann 2, 1, 46; ohne hauptstadt sollen wir ein eigenes national theater, ... und ohne ein allgemeines oberhaupt unsern eignen ton in der kunst erlangen J. Möser 1, 385; es gibt einen ton der wahren natur zugleich mit anstand und feinheit, des wizes und der herzlichen lustigkeit zugleich mit vernunft
briefe von und an Bürger 2, 134; die versicherung dasz ihr mich liebt ... würde mir mehr zufriedenheit erweckt haben; wenn sie nicht in einem so fremden tone geschrieben wäre Göthe IV 1, 16
Weim.; bringen sie (
die bekenntnisse einer schönen seele) einen fremden ton in die stimmung, so wird man doch wieder versöhnt, weil durch diese unregelmäszigkeit immer etwas gewonnen ward 29, 231. 8@i@bβ) der herrschende, weit verbreitete ton: der herrschende ton darinn ist satyre und humor Lessing 8, 33; wer aber endlich viel und immer in der groszen welt lebt, der thut doch wohl, den herrschenden ton zu studiren Knigge
umgang 3
3, 56; man sah dasz der ton, der hier herrschte, mir neu war Bahrdt
leben 2, 9; wo
[] findet sich ehrfurcht für hohe unerreichbare forderungen? ... ob hierin der lebhafte Franzose oder der trockne Deutsche mehr gefehlt, und in wiefern beide wechselseitig zu diesem weit verbreiteten tone beigetragen, ist hier der ort nicht, zu untersuchen Göthe II 3, 240
Weim. 8@i@gγ) der schickliche, gehörige ton: weil ich so ziemlich gut an jedem ort augenblicklich den für dasselbe schicklichsten ton zu treffen wuszte Bräker 1, 240; dasz gar manche verfängliche mährchen, ... die eigentliche farbe, den wahren angemessenen ton bei der umbildung meistentheils verloren Göthe 7, 224
Weim.; die begeisterung des krieges, die leidenschaft des liebenden, die vision und das wunder sollte jedes in einem ihm geziemenden tone vorgetragen ... werden Tieck 1, xxix; eine sammlung auserlesener stücke, darin der gehörige ton vollkommen getroffen ist Sulzer
theorie 4
1, 452; hier schicke ich das manuscript und wünsche, dasz ich das rechte maas und den gehörigen ton möge getroffen haben Göthe IV 10, 207
Weim. 8@i@dδ) der rechte ton: swer als der kever wirbet, ob des gewerft verdirbet, die clage hat vil rechten don
kleinere mhd. erzählungen 3, 108
Rosenhagen; das ist so just der rechte ton! er will noch dank, dasz er mich ennuyiert Göthe 14, 165
Weim.; der feine griff und der rechte ton das lernt sich nur um des feldherrn person Schiller 12, 23. im rechten ton sprechen: der und der ist mein mann ... spricht mir gerade im rechten ton Bräker 2, 180. den rechten ton treffen: für alle die verschiedenen sachen, wie für die verschiedenen personen trifft er (
Luther) den rechten ton und die rechte art Steinhausen
geschichte des deutschen briefes 1, 115; jeder betrüger, der nur den rechten ton zu treffen weisz Knigge
umgang 3
3, 105.
vgl. auch im sprichwort: das ist der rechte ton nicht, das war der rechte ton
bei Wander
und s. im vor. 2, c,
β und 4,
f. 8@i@eε) der anständige, der feine ton: an keinem hofe kann ein so ungezwungener, froher und doch anständiger ton herrschen als hier Jean Paul
briefwechsel 298
Nerrlich; und der edelste ton, in dem man schrieb, war wie Ludwig sprach, anständig, höflich mäszig Herder 23, 69; dasz er darüber für jenen galanten ton, den er neulich mir aufdringen wolte, keine zeit mehr übrig hat Hermes
manch Hermäon 1, 127; der bezaubernd angegenehme witz, der feine gefällige ton, den ihr der hof gegeben, verbergen viele moralische fehler La Roche
Sternheim 1, 72; bemerktest du den edlen anstand des mannes nicht, und das geistreiche auge, den feinen ton der frau? Pfeffel
pros. versuche 7, 17; in unsern glänzenden städten hingegen, wo nach und nach der ton der feinen lebensart allen biedersinn zu verdrängen anfängt Knigge
umgang 2
3, 173. 8@i@zζ) der schöne, klare ton: man sah die bücher immer mehr für schriftliche gespräche, für unterredungen im schönen ton an Herder 1, 236; man empfindet so etwas im prinzen von Homburg, wo das dem anfang entsprechende traumwandeln am schlusse .... mit dem schönen klaren ton und der breiten ausführung des vierten und fünften aktes durchaus nicht stimmt Freytag 17, 121. 8@i@hη) der gute ton
wird als solcher zunächst nach allgemein gültigen ästhetischen und ethischen werthungen beurtheilt; vielfach spielt aber schon der gute ton
als 'der gute ton
der convention'
mit herein (
vgl. 10): die Asseburg hat im nahmen der vögel, als papagey eine recht artige gratulation gemacht, die einen guten ton hat und überhaupt wohl geraten ist Göthe IV 8, 9
Weim.; ei! da ist der schöne, belesene, gute ton des hrn. Klotz Herder 3, 392; übrigens herrscht in dieser kleinen schrift an vielen orten ein guter ton, aber an noch mehrern beleidigt die affectirte laune
Frankf. gel. anz. 12
neudr.; er (
der vortrag) erhält dadurch (
durch unbefangenheit) ... den besten ton Lichtenberg
erklärung der Hogarthischen kupferstiche 1, vii; es herrscht übrigens ein guter ton unter den hiesigen einwohnern, höhern und geringern Hegner 2, 63; wenn eine gewisse feinheit und guter ton bey hof herrscht, lässt
[] sich zwar noch nicht schliessen, dass die nation eben so beschaffen sey Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 286; denn freunde gehn auf ihrer reise von orten nur vergnügt davon, tractiert man sie nach ihrer weise, und loben dann den guten ton Göthe 4, 220
Weim.; dergleichen aufenthalte in der mitte vollzählig blühender familien mit gutgestimmtem tone G. Keller 7, 320;
wie ton
als 'der gute ton
der convention'
absolut gebraucht wird, so auch im folg. in mehr allg. bed.: ich wollte diesem sogenannten manne des jahrhunderts (
Napoleon) gern alle kränkungen, unbilden und sünden verzeihen, wenn er nur ton hätte Immermann 16, 521.
mehr von den bedeutungen '
melodie', '
tonart'
ist auszugehn, wenn es heiszt es geht aus einem bessern ton, in dem besten ton sein: freund, itzt gehets mit dir aus einem bessern thon, als es ehedessen gieng Cober
aufrichtiger cabinet prediger 2, 60; denn er 1077 schon floriert, in seinem besten thun gewesen
bei Fischer 2, 256;
vgl. auch groszer
und ringer ton
im folg. der gewöhnliche, platte, üble, schlechte ton: wir fallen nun bald, fürcht ich, in den gewöhnlichen ton, in dem man die männer reden hört, besonders wenn sie die pfeifen im munde haben Göthe 18, 308
Weim.; weil alle gesellschaftlichen lieder, die nicht einen poetischen stoff behandeln, in den platten ton der freimäurerlieder verfallen Schiller
briefe 7, 44; nur hatte mich der ungeschliffene ton etwas beleidigt G. Müller
aus dem Herderschen hause 13; ein pöbelhafter ton ist nicht blos eine schlechte pöbelhafte aussprache, sondern alles in der rede, was uns anschauend die vorstellung des niedrigen und pöbelhaften erweckt Sulzer
theorie 4
1, 449; gar zu leicht aber gewöhnt man sich in der sogenannten groszen welt diesen elenden ton an Knigge
umgang 1
3, 53; es herrscht in manchen städten, besonders in reichsstädten, ein äuszerst steifer und übler ton 2
3, 29;
legationsrath: was hat euch miszgestimmt?
kanzler: der schlechte ton, der jene säle jetzt entweiht Immermann 16, 52. 8@kk)
der ton
wird nach seinem empfindungs- und gefühlsgehalt unterschieden. 8@k@aα) der empfindsame, leidenschaftliche ton, der ton der gleichgültigkeit, der gelassenheit: wenn ich nicht fürchten müste, in den beliebten und belobten empfindsamen ton zu fallen
briefe von und an Bürger 2, 59; jede (
poetische landschaftsmalerei) musz ihren eignen einzigen ton der empfindung haben, Jean Paul 49-51, 300; das ist nicht der kalte lehrton, das ist der ton der begeisterung Adelung; dieser kurze, feurige und affektvolle ton, der in dieser vergleichung herrscht
allg. deutsche bibliothek 1, 1, 107; seine schreibart auf den ton der begeisterung zu stimmen Wieland
Agathon 1, 197; in einen so freundschaftlichen und schwärmerischen ton stimmt der gefällige sophist seine sprache um 1, 228; ihre jugendliche haltung, ihren oft leidenschaftlichen ton wollte und konnte ich diesen bänden nicht nehmen Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 1; wer den ton einer rührenden leidenschaft zu treffen weisz Sulzer
theorie 4
1, 457; Agathon beharrte in dem ton der gleichgültigkeit Wieland
Agathon 1, 174; er sah ganz braunroth aus von verhalt'nem zorne, doch zwang er seine rede in den ton der gelassenheit Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 186. 8@k@bβ) der süsze, milde, grobe ton.
bildlich, an ton
im sinn von melodie anspielend: Tyrrel. gebt mir zu ihnen offnen zutritt nur, so seyd ihr bald die furcht vor ihnen los
Richard. du singst mir süssen ton
Shakespeare. Richard III 4, 2; der allersüszte ton, den auch ein schäfer hat, es ist doch nur ein ton, und ton den wird man satt Göthe 9, 48
Weim.; mein ton, mein ton! ist freilich keiner von den zuckersüszen, mit butter geschmierten, in dem unsre glattzüngichte herren ihre komplimenten herkrähen H. L. Wagner
kindermörderin 48
neudr.; dieser süsse ton, den er bey ihnen annimmt — entweder er braucht sie, oder er will sie zu grunde richten Schiller 14, 234; ich wünschte du, sprächest in einem mildern ton Klinger
neues theater 2, 82; der herzog fährt hierauf fort, ihm
[] sein unrecht, in einem etwas gelindern tone vorzuhalten Lessing 10, 43; mir soll jeder ton, der sanfte und der grobe, gleichviel gelten Laukhard
leben und schicksale 1, xvi.
auch der plural: die herren von Westerhagen und Pöllniz sind noch im tode glüklich zu schäzen, dasz sie von einem Haug in so sanften und rührenden tönen besungen worden sind Strausz
Schubarts leben 1, 15; in sanften tönen reden (schreiben)
auch in der heutigen studentensprache (
nach Edward Schröder). 8@k@gγ) der warme, kalte, der trockne ton: wenn ich ihr gegenüber einmal einen warmen, vertrauensvollen ton anschlage Ebner-Eschenbach 4, 89; sein brief ist kurz, er wünscht in deutschem sande den gatten sanfte ruh mit frost'gem ton Geibel 2, 262; glaub mir, dasz mein herz viel litt, als ich den trocknen und kalten ton annehmen muste Miller
Siegwart 1, 259; nun aber genug des trocknen tons; ich bin wahrhaftig wieder fast brummig geworden Mendelssohn
briefe 1, 200; ich bin des trocknen tons nun satt, muss wieder recht den teufel spielen Göthe 14, 94
Weim. 8@k@dδ) der freudige, traurige, scherzhafte, drollige, ernste, jämmerliche ton: wessen gemüth würklich von freude, oder traurigkeit erfüllt ist, der wird auch den freudigen oder traurigen ton treffen Sulzer
theorie 4
1, 452; ich stimmte also einen heiteren ton an Holtei
erzähl. schriften 1, 34; die recensionen sind zugleich in einem behaglichen und heitern ton geschrieben Schiller
briefe 7, 216; doch verbreitete letztere ... sogleich einen heiteren, vergnügten ton G. Keller 6, 227; besonders übertragen sie den muntern ton ihres geselligen lebens in nachspiel und operetten
Europa 2, 24
Schlegel; dieser (
brief) geht schon wieder aus einem noch munterern tone Göthe IV 1, 223
Weim.; beynahe möcht' ich sie um den leichten, scherzenden ton der guten gesellschaft, der wie in allen ihren gedichten, also auch in dieser epistel herrschet, beneiden Bürger
an Göckingk 1, 225
Strodtmann; Barbara hörte aus ihres bruders erzwungen scherzhaftem tone den gerechten groll ... heraus Holtei
erzähl. schriften 7, 16; von herrn Gotter ist eine epistel an madame Hensel eingerückt, ... die wir in dem drolligen ton, womit sie anfängt, fortgeführt wünschten Göthe 37, 236
Weim.; beim nachtessen ... fand ich, dasz der ernste ton in dieser ältlichen mamsell nur angenommen Arnim 7, 206; denn dieser hat bereits, und in einem weit ernstern tone, als man von ihm gewohnt ist, den groszen tag besungen Lessing 8, 34; da bin ich denn in einen ganz griesgrämlichen ton verfallen, der zum geburtstagston nicht paszt Mendelssohn
briefe 2, 62; könnte man nicht erfahren ... was das für ein jämmerlicher ton ist, in dem du mit Augusten stehst? Göthe IV 1, 156
Weim.; ich könnte in diesem lamentirenden tone ganze bücher schreiben Gentz 1, 132. 8@k@eε) der leichte, schwere, freie, steife ton: er besann sich jetzt erst, dasz frau von Trompetta, trotz ihres leichten tones und ceriserothen shawls, zu jener gesellschaftlichen fraction gehörte, die man in frivolen kreisen schwanenjungfrauen ... nannte Gutzkow
ritter vom geiste 1, 42; leichten ton haben sie (
die reisen Thümmels) Schiller
briefe 3, 136; vorzüglich wohl gefallen mir die darinn enthaltnen erzählungen sowohl durch die angenehme leichtigkeit ihres tons als durch ihren interessanten und lehrreichen inhalt 4, 61; dass der leichtsinnige und scherzhafte ton von jeher den höfen vorzüglich eigen gewesen ist Wieland
Agathon 2, 286; das wunderbare des märchens erhält nie den schweren, ahnungsvollen, ernsten ton des mythus O. Ludwig 5, 103; unterredungen über tausend gegenstände im freiesten tone Schubart
leben 1, 171; eine solche lage und blutmischung hätte dann gewisz ... meinen gedichten einen freiern, frischern, kühnern ton geben müssen
ged. 2, 9; ein unbefangener und fröhlicher ton herrschte bey der mittagstafel Matthisson
schriften 2, 234; viele meinten, man sollte ... einen kühneren ton annehmen Schiller 7, 218; Warbeck ... nimmt gegen die herzogin einen mutigen ton an 15, 1, 223; ihr vertrauter offner ton war
[] blöder und zurückhaltender geworden Kosegarten
Ewalds rosenmonde 63; sein ton ist ernsthaft, aber nicht steif Forster 8, 9; Levins frau steht mir viel zu nahe, als dasz ichs auch nur einen brief lang in halbweg ceremoniösem tone mit ihr aushalten könnte Droste-Hülshoff
briefe an Louise Schücking 288. 8@ll)
der ton
als ausdruck der empfindungen und gefühle kommt besonders im verhalten und gehaben der menschen untereinander zur geltung. 8@l@aα) der verbindliche, freundschaftliche, herzliche, vertraute ton, der ton des vorwurfs: er macht in dem verbindlichsten tone die bittersten vorwürfe Lessing 10, 86; wenn
s. majestät ... allen in einem gnädigen tone schrieben Schiller 7, 226; die von dem könige ... in dem freundschaftlichsten tone an den kurfürsten gerichtete aufforderung Bismarck
ged. u. er. 2, 42; auf einen cordialen ton glaube ich nicht mit ihm kommen zu können Schiller
briefe 3, 204; ich fühlte bald, dasz mir der herzliche ton unmöglich war Pückler
briefw. u. tageb. 1, 436; discussion, wo sie gern einen scherzhaften, zuweilen einen familiären ton anschlägt Ranke 14, 250; einer der groszen, der zuweilen den vertrauten ton mit dem monarchen annehmen durfte H. v. Kleist 4, 195: den niedrigen vertraulichen ton, in dem sie sich mit ihren frauen unterhält, würde man in Paris kaum einer guten adlichen landfrau angemessen finden Lessing 10, 31; hei redt en por würd französch mit em in en tröstlichen ton Fr. Reuter 3, 398; umsonst fleht er, als mann, in schmeichelhaftem ton: verachtung war der liebe lohn Lessing 1, 5; ich hab' ne spur von eurer art, frau mutter, die nicht den ton des vorwurfs dulden kann
Shakespeare Richard III. 4, 4. 8@l@bβ) der bescheidene, gefällige ton: durch dessen bescheidenen und sehr gefälligen ton gegen ihn in seinen briefen, fest überzeugt Wackenroder
herzenserg. 35; sein brief war ... in einem biedern tone geschrieben Bahrdt
leben 3, 84; (
Shakespeares Jago), der oft in einen groben, biederherzigen ton verfällt, welcher treuherzig klingt Holtei 40
jahre 3, 286; recht treuherziger ton, zuweilen auch kürze und grobheit versüszen dem volke die lectüre dieser trockenen sachen Freytag 15, 26; erst bei der bekanntschaft mit Adelheid im schlosse des grafen von Forcalquier gewinnt die geschichte durch den naiven ton wieder einigen reiz Solger
nachgel. schriften 1, 5. 8@l@gγ) der geschwätzige, renommistische ton: nahm die weisze gestalt der anakreontischen taube, ihren geschwätzigen ton, ihre geselligkeit an Klopstock
oden 1, 37; dieser durch das ganze stück herrschende wortreiche ton würde dir nicht blosz in einem trauerspiel ... nicht gestattet werden Schiller
briefe 3, 102; ich brauche nicht zu sagen, dasz ein anpreisender ton nicht schicklich wäre 6, 31; szenen, in denen der renommistische ton des regiments Gensdarmes nachklang Fontane I 2, 18; der ganze aufsatz geht in einem galimathisirenden und sich in der bereitung von unsinnigkeit gefallendem tone fort Hegel 1, 84. 8@l@dδ) der dreiste, befehlende, stolze, erhabne ton: und das alles, vor der armee, verläumdend und lügenhaft, im dreustesten tone Herder 3, 167; soll? sklav, welch frecher ton? Grabbe 2, 47; zwar ist der entscheidende ton und die manier, womit man sich das ansehn eines umfassenden geistes zu geben denkt, in dem kreise unserer kritik nichts weniger als neu Göthe 40, 196
Weim.; der entscheidende, zuversichtliche ton gehört nur für sophisten J. G. Hamann 1, 322; als das gerede doch nicht aufhören wollte, nahm ich den befehlenden ton des gebieters an, gebot allen ... mir schweigend zu folgen Steffens 1, 180; dasz Schlegel ihnen in anmaszendem ton schreibt, ist höchst tadelnswürdig W. v. Humboldt
bei Lefmann, Franz Bopp, nachtrag 66; diejenigen unter ihnen, die bloss durch ihren leichtsinn verführt wurden, Wallensteins partei zu ergreifen, werden durch einen ton des ansehens überrascht Göthe 40, 61
Weim.; ich muss lachen ..., wenn ich an den ton der unfehlbarkeit denke, womit
[] er sprach Wieland
Agathon 1, 70; der fall, dasz jemand ... aus einem solchen tone von superiorität mit ihm sprach, war ihm völlig neu J. G. Müller
kom. romane 1
2, 322; eine absichtliche arroganz des tones in der unterhaltung Polenz
Grabenhäger 1, 23; der französischen unterstützung sicher, stimmte man sich in Spanien wieder zu dem stolzen tone hinauf Forster 4, 80; es bleibt nichts übrig, als den günstigen leser zu bitten, dasz er dem schriftstellerischen kater den etwas stolzen ton dieses vorworts nicht zu hoch anrechnen ... möge E. Th. A. Hoffmann 10, 14; da ihn der herrische ton der chanoinesse gleich anfangs verdrosz Hegner 2, 81; welcher in erhabenem tone seine grossthaten erzählte Bode
Montaigne 1, 5; aber hier klingt es in einem erhabeneren ton: gnade euch —! Jung Stilling 3, 23; zwar wenn vom stammbaum die rede wäre, fing der graf in einem hochgebohrnen ton an, möcht ich sehen, wer einen entferntern ersten hätte, als unser haus? Hippel
lebensläufe 3, 1, 32; der hochfahrende ton seines briefes gefällt mir nicht Göthe IV 17, 98
Weim. auch der plural: wer hier zum volke spricht in stolzen tönen, der sei auch würdig, vor dem volk zu sprechen Platen
gabel act 3; dasz sie (
die seele) von den erhabnen tönen (
in Klopstocks Messias), die unaufhörlich in ihr ohr klingen, nicht gerührt und erschüttert wird Moritz
Anton Reiser 418
neudr. 8@l@eε) der hohe ton, der tiefe ton: es ziemt der hohe ton, die rasche gluth nicht dir zu mir, noch dir an diesem orte Göthe 10, 158
Weim. bildlich in, aus einem hohen ton singen, pfeifen: aus all der weisheit, all dem hohen ton in dem du singst, hör' ich nur einen miszlaut, den schlechtesten, 'gesinnungslosigkeit'. Freytag 2, 100; je kürzer die bahn oder auch das gesicht eines menschen ist, aus einem desto höhern tone pfeift er Jean Paul 5, 90. in einem hohen tone reden
gebieterisch reden, ingleichen fordern, hoch hinaus wollen Adelung. wenn man von einem menschen sagt, er habe in einem hohen ton gesprochen, so versteht man dieses nicht nur von einer lauten festen stimme, sondern auch von dem dreisten oder kühnen, das in gedanken und in der wahl der worte liegt Sulzer
theorie 4
1, 449; lachst du etwann närrgen, dasz ich in einem so hohen tone spreche Göthe IV 1, 19
Weim.; das parlament beschwerte sich darüber nicht nur in sehr hohem tone, sondern liesz auch ... sechs royalistischen verbrechern ... sogleich den todesprocesz machen Bürger 423; und prediget fast inn dem höchsten ton, wie Muntzer zu Alstad und hernach zu Mulhausen Alberus
widder Jörg Witzeln G 3
a; weil ich mich nicht entschlieszen kann, ihnen amtlich und durch die bureaus in derselben höhe des tones zu schreiben Bismarck
ged. u. er. 2, 7; man empfing sie daselbst in sehr hohem tone und mit ausschweifenden anforderungen Bürger 415;
vgl. in hohem ton leben
bei Göthe im
folg. 12. aus einem hohen, bösen ton reden Fischer 2, 255; er redet aus einem gewaltig hohen ton '
he talks big, hi speaks boldly or confidently, he boasts or cracks'
teutsch-engl. lex. 1968; aus einem hohen tone sprechen
sehr anmaszend, gebieterisch, hoch hinauswollen Campe.
bildlich: er singt aus einem höhern ton Wander 4, 1265;
op eenen hoogen toon spreeken, schryven ... auf einen hohen thon reden, schreiben Kramer 1, 398. das gespräch, der umgang ist auf einen hohen ton gestimmt: lasst uns, sagte die bescheidne nymphe ein gespräch enden, das die allzugrosse dankbarkeit deines herzens auf einen zu hohen ton gestimmt hat Wieland
Agathon 1, 178; in Naumburg ist der umgang auf keinen so hohen ton gestimmt Lenz 1, 105. einen hohen ton annehmen, führen: aus dem hohen tone, den sie so sehr zur unzeit gegen die herzogin annahmen, möchte man beinahe schlieszen, dasz es ihnen mit ihrer forderung wenig ernst gewesen sey Schiller 7, 293; was führt ihr überhaupt so einen hohen ton und schämt euch schier. nur noch zu lachen Mörike 1, 245.
[] er hets hoch im ton, der herr füehrt e hoche
n ton
er spielt den groszen herrn Martin-Lienhart 2, 688; in Frankreich ist marquis von hohem ton in Welschland graf und anderswo baron Hagedorn 3, 325.
auch der plural: in hohen tönen reden
und schreiben
besonders auch in der heutigen studentensprache in der bedeutung '
mit dem ausdruck sittlicher emphase' (
nach Edward Schröder); da klagt ich Zittemann mein elend in den allerhöchsten tönen Bräker 1, 121.
auch bildlich und in andrem sinn: die höchsten töne singen
sehr vergnügt, in heiterer stimmung sein (
weil man dabei oft singt) Spiesz 255; wer kann lachen, wo er weinen möchte; ... aufjauchzen in hochgefärbten tönen, wo die stimm' im klagenden weichen F erstirbt!! — Schubart
ged. 2, x.
neben dem ton von höhe
drückt auch der ton von tiefe
erhabene stimmung aus: die einheit des urhebers spiegelt sich bis in dem dialecte seiner werke; — in allen ein ton von unermeszlicher höhe und tiefe! Hamann 2, 276. 8@l@zζ) der grosze ton, der geringe ton: (
sie) stehen mit ihnen in der vertraulichsten bekanntschaft, nicht nach einem groszen tone, nicht etwa durch hülfe groszer glänzender gesellschaften oder gastereien Kestner
in den blättern aus dem Werther-kreis 24. groszen ton führen, vom groszen ton: man verdoppelt den putz, man nimmt eine magd, führt groszen ton Zschokke 40, 262; grade in der natur kann ich eigentlich niemanden gebrauchen, am wenigsten leute vom groszen ton Immermann 10, 125. sich einen groszen ton geben
und ebenso sich einen ton geben: wahrhaftig! dies vorurtheil kleidet sie, da sie sich sonst so einen groszen ton zu geben wissen, sehr schlecht H. L. Wagner
theaterstücke 19; sich also einen ton auf kosten eines ganz unschuldigen fremdlings geben, der unter eine andere obrigkeit gehöret, ist widerrechtlich Herder 1, 388; der ka
nn sich e ton gêb
en Martin-Lienhart 2, 688; der kann sich e ton gen! Follmann 95
b.
mehr an die bedeutung '
melodie'
scheint anzuknüpfen in groszem, ringem ton sein: welcher L. domals in groszem thon gewest Fischer 2, 256; soll zu Leipzig gesessen und in groszem thon gewesen sein 1, 286
ebenda; als St. noch in gar ringem thon gewesen
ebenda; vgl. auch in gutem ton sein
im vor. sp. 736. 8@mm)
der ton
entspricht einer bestimmten kunstgattung und geistesrichtung. 8@m@aα) der epische, lyrische ton, der ton des volkslieds, der psalmen: die feyerlichkeit des epischen tones wird oft blos durch den gebrauch gewisser verbindungswörter erreicht Sulzer
theorie der schönen künste 4
1, 452; so werden sie den ton eines komischen heldengedichts treffen Dusch
verm. krit. u. satir. schriften 16; vielmehr verfiel er selber in einen elegischen ton G. Keller 1, 146; sentenzen und blasen und ellenlange worte: das macht ihnen den wahren ton der tragödie Lessing 10, 30; im ton der ode Karschin
Göttinger musenalm. (1771) 11; Gleim, der alte kriegessänger, wo er würklich den edlen starken einfältigen ton der ballade hat Herder 5, 337; im tone des herzigen volkslieds ist Deutschland noch von keinem volke übertroffen worden Schubart 5, 243; der ton des bloszen märchens ist abwechselnd — er kann aber auch einfach sein Novalis 3, 20; der ton der psalmen, welchen die empfindungen des herrn Wielands oft annehmen Lessing 8, 17; zuletzt aber tritt der doctor auf, der die reine lehre im tone der predigt verkündigt Ranke 2, 58. 8@m@bβ) der dichterische, lehrende ton: dasz dieser treffliche mann (
Luther) ein in dem verschiedensten stile verfasztes werk und dessen dichterischen, geschichtlichen, gebietenden, lehrenden ton uns in der muttersprache, wie aus einem gusse überlieferte Göthe 28, 74
Weim.; ich weisz nicht, ... woher meine kleine frau die geduld nahm, diesen lehrenden ton zu ertragen J. Möser 1, 91; er fuhr in dem magistralen tone fort Ebner-Eschenbach 4, 20; wenn du den unterrichtenden ton gegen sie annimmst! Knigge
umgang 3
3, 24; die moralischen züge, welche sie mit unterstreuen, sind gut; ich hätte aber gewünscht, dasz sie ... in einem minder schulmäszigen tone dahertönten Lessing 5, 42; vielleicht hat eben diese abneigung gegen den akademischen ton es auch gemacht
[] dasz seine schreibart etwas zu unakademisch ist Herder 2, 288. 8@m@gγ) der erbauliche, religiöse ton: durch den erbaulichen ton einer strengen sittenlehre Wieland
Agathon 1, 197; mich selbst ... ermahnte er unaufhörlich, und mit einem so ernsten und religiösen tone, der unwiderstehlich war Bahrdt
leben 1, 223; beide beobachteten den ton geistlicher demuth Schiller 3, 548. 8@m@dδ) der philosophische, dogmatische, satirische, polemische ton: der allgemeine philosophische, menschenfreundliche ton unsres jahrhunderts Herder 5, 511; der ton der philosophie war nun einmal mode Wieland
Agathon 2, 111; wenn ich den dogmatischen ton annehme, geschiehts nicht aus anmaassung Herder 15, 58; in einem dogmatisirenden, affirmativen tone Lessing 18, 271; ein gewiszer laconismus — in so fern er nicht in den ton, nur in sentenzen und aphorismen zu sprechen, oder jedes wort abzuwägen, ausartet — ... ist die wahre kunst der gesellschaftlichen beredsamkeit Knigge
umgang 1
3, 56; also der spitzfindige ton der aufgabe, und der ingrimm, der darin sichtbar ist, miszfällt ihnen Schleiermacher I 5, 13; der ton der wizeley hat zugenommen Lavater
verm. schriften 2, 13; aber er that es in einem buche, in welchem der persifflirende ton so herrschet Lessing 10, 140; es ist schwer, in lustiger stimmung, und wenn man dem witze den zügel schieszen läszt, nicht in einen satirischen ton zu fallen Knigge
umgang 1
3, 184; so dürfte es nicht die blosze politesse seyn, die den polemischen ton nicht dulden will Lessing 11, 3; soll ich demohngeachtet mich noch über den polemischen ton und inhalt dieses werks rechtfertigen! Haller
restaur. der staatswissenschaften 1, lv; durchaus herrschte in der litteratur dieser jahre der oppositionelle ton Mommsen
röm. gesch. 3
4, 317. 8@nn)
der bestimmte ton
einer person: aber was ich auch that, im tone des mannes zu bleiben, so wurde ich doch immer von R.s witze ... unterbrochen Bahrdt
leben 2, 8; wie ein spitzbübischer lakey weisz der heuchler mit der livree auch jedesmal den ton seines herrn anzunehmen Schiller 14, 212; alles muszte gewissermaszen sich in seinen ton stimmen Heinse 4, 158.
eines autors: diese erklärung dünkt mich nach dem tone Homers die beste Herder 3, 122; um aber nicht ganz in den ton des Hafis zu verfallen will ich, in treulichem deutsch, mich ew. excellenz wohlgewogenheit angelegentlichst empfehlen Göthe IV 25, 142
Weim.; Wolfram, als der ton einmal angegeben war, wurde dann nachgeahmt J. Grimm
kleine schriften 1, 88;
auch der plural wir haben gar nichts dagegen, dasz auch die töne Jean Pauls und Hoffmanns einmal wieder angeschlagen werden Hebbel 12, 213.
einer person, die einen stand vertritt: das ist der ton eines manns! Schiller 2, 60; kennst du mich in diesem tone Behrisch? es ist der ton eines siegenden jungen herrn Göthe IV 1, 133
Weim.; ihr väterlicher ton giebt mir vertrauen Iffland
theatralische werke 1, 130; Dionys sprach im ton eines asiatischen despoten Wieland
Agathon 2, 143; das übel hebt sich indesz leicht, wenn man den ton des amtmanns in Gellerts fabeln zu treffen weisz Thibaut
nothwendigkeit eines allgem. bürgerl. rechts 460; Gibbon hat ganz den ton und die manieren eines abgeschliffenen weltmannes Matthisson
schriften 5, 283; man kann streiten, ob die philosophie den ton des witzigen gentleman lernen solle Justi
Winckelmann 1, 235; in prälaturen und klöstern musz man den ton der herrn patrum anzunehmen verstehen Knigge
umgang 3
3, 79; in den ton eines predigers verfallen Campe. 8@oo)
der ton
einer gesellschaftsclasse, einer nation, einer zeit: 8@o@aα) der bürgerliche, adliche ton, der soldatische, kaufmännische ton, der guten gesellschaft, der feinen, groszen welt: heut zu tage, wo sich der bürgerliche ton immer mehr in den adlichen, auch wohl hie und da in den fürstlichen hinaufzieht Engel 12, 225; aus einer anzahl andrer familien vertrieb mich bald der gar zu spieszbürgerliche ton Mohl
lebenserinnerungen 1, 104; kann man ... sagen, dasz er (
der verfasser) einen ... handwerksburschenartigen ton hat Humboldt
briefe an Welcker 37; sein etwas rauher soldatischer ton J. G. Müller
[] komische romane 2
2, 303; der kaufmännische ton war groszthun durch schmausereien Bahrdt
leben 1, 362; von dort aus wurde der studentische ton immer wieder angegeben Kluge
studentensprache 3; was auf mich besonders erfreulich wirkt, das ist der gesellige ton, in dem alles geschrieben ist Göthe IV 41, 30
Weim.; der ton der guten gesellschaft stellte sich wieder her Herder 17, 239; die andern dichtarten, die schon zu sehr nach dem tone der feinen welt umgestimmt sind Kretschmann 1, 11; nur werde dieser ton der welt allgemeiner: er miszrathe nicht auch bessern schriftstellern oft Herder 2, 57; (
sie) hatte sich mit vieler leichtigkeit den ton der groszen welt angeeignet Steffens 3, 48. 8@o@bβ) der deutsche, der ausländische ton: endlich würde er (
der barde) auch der treuste verwahrer und aufbehalter des ächten männlichen ernstes, des wahren teutschen tones seyn Kretschmann 1, 12; sie stimmten auch jetzt ihr betragen gegen sie mehr nach römischem ton, als nach altdeutschen sitten Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 318; ich glaubte, dasz der orientalische ton, den ich doch hier und da angeben müsse, in der prose zu sehr auffallen dürfte Lessing 18, 296; und dann wehte durch's ganze gedicht ein unverkennbar heimatlicher ton Holtei
erzähl. schriften 24, 256; über den ausländischen ton in Deutschland Knigge
roman meines lebens 1, 14. 8@o@gγ) der ton der heutigen welt, des jahrhunderts, der vorzeit, der alte ton: sie sind nicht im ton der heutigen welt abgefaszt Wackenroder
herzenserg. 6; ist es aber nicht die pflicht eines dichters, den ton seines jahrhunderts anzunehmen? Lessing 4, 17; ist es vielleicht der ton des lustrums, worinn du schreibst Lichtenberg
aphorismen 1, 170; er hatte die bildung und den ton jener tage in sich aufgenommen G. Keller 1, 19; die letzte erzählung dieses theils ... ward einem befreundeten herausgeber verschiedener geschichten im ton der vorzeit auf dessen begehren eingesendet Tieck 6, ix; das hauptverdienst dieses stücks ist der alte ton, der gar nicht besser getroffen werden kann Solger
nachgel. schriften 1, 8; eine solche (
feierliche ankündigung) soll auch hier folgen, und wie abermals der älteste ton will, als geheimnisz, in hohen räthselfragen Herder 10, 127. 99) den ton geben, angeben.
in absolutem sinn wie auch ital. '
dare il tono'
und franz. '
donner le ton'
erklärt sich aus dem musikalischen gebrauch '
den stimmungston angeben, nach dem sich die musikanten zu richten haben'
; vgl. im vor. 4,
f. seltener begegnet die mehr allgemeine bedeutung '
eine art und weise des ausdrucks, des gehabens, empfindens und denkens überhaupt angeben' (
vgl. im vor. 8, e,
θ;
meist handelt es sich vielmehr um den bestimmten und maszgebenden ton,
der als richtung gebend anerkannt wird. die wendung steht allgemein im sinn von '
maszgebend sein, die richtung bestimmen'
im leben überhaupt: allgemein glaubt man doch eine hochtrabende pretieuse zu finden, die ... in einem kreise von schmarozern, durch flache wizeleien den ton giebt Sturz 1, 63; in einer gesellschaft den ton angeben wollen
wollen dasz sich andere in der art und weise sich zu benehmen nach ihm richten sollen Campe; er will überall den ton angeben Wander 4, 1265; ich gebe den ton an, die andern werden schon einstimmen Klinger
werke 3, 237; kein gutes vorurtheil kann es für die damaligen herren und damen von Erfurt sein, wenn ich sagen muss, dass herr R. zu meiner zeit den ton angab Bahrdt
leben 2, 6; (
Jarno und Aurelia) sind hauptfiguren, die jede in ihrer masse gleichsam den ton angeben Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 166; der kern und glanz des volkes besteht aus den jungen leuten von etwa zwanzig bis fünf-, sechsunddreiszig jahren, und diese sind es, welche den ton angeben G. Keller 4, 8; alteinheimische geschlechter ... gaben den ton an, dem die meisten in der stadt und der grafschaft folgten Ranke 16, 136;
in bildlicher anspielung auf die musik: man sagte öffentlich, der hof sey ein horn, welches laute, wie fräulein Lukrezia den ton angebe Musaeus
volksmärchen 4, 209. 9@aa)
in der sprache, im vortrag: auch mögen jene jetzt immer noch, im ganzen, den ton in der sprache des geselligen
[] lebens angeben Adelung
magazin 2, 2, 7; auch in gesprächen der gesellschaft gebt ihr bei denen, die euch verstehen und lieben, den ton an Herder 16, 26; indem ... in den griechischen republiken die öffentliche beredsamkeit jeder art des vortrages, selbst der philosophie den ton angab Herder 18, 87. 9@bb)
in der schreibart, in der litteratur, in poesie und kunst: Tasso und Guarini mit ihren schäferpoesien hatten dazu näher den ton gegeben Herder 18, 51; ein dreifach classisches buch, wenn es in bildung und nachahmung des styls den ton gäbe 2, 330; Bayle's nouvelles de la republique des lettres ... hatten dazu den ton angegeben, dem dann chöre von nachsängern folgten 23, 77; zwei neue fabeldichter, ... die in Frankreich und Deutschland vorwiegend ton angaben J. Grimm
Reinhart Fuchs, vorrede xvii; die satire ... giebt darin (
in der römischen litteratur) gleichsam den ton an Fr. Schlegel
Athenäum 1, 2, 38; da diese provinz die besten schriftsteller hervorbrachte, ... so gaben sie bey allen ihren nachbarn den ton an Archenholz
England und Italien 2, 92; kurz, die deutsche bühne kann nie einen eigenthümlichen charakter bekommen, wenn eine von den hauptstädten den ton angäbe, oder gar die einzige wäre Herder 2, 214.
im selben übertragenen sinn auch in der musik: auch in diesem zeitpunkte zählen die Welschen noch grosze und auszerordentliche meister. Fraetta, Galuppi, und Jomelli gaben den ton an Schubart
ästhetik der tonkunst 44. 9@cc)
in der wissenschaft: auch schildert der verfasser hauptsächlich seine umgebung und erziehung in der groszen stadt des nördlichen Deutschlands, die so lange den ton in philosophie, theologie und kritik angab Tieck 6, 5: wenn grade die dogmatik bei dieser fortschreitung vorzüglich den ton angäbe Schleiermacher I 3, 119; Leibnitz hatte für die lehre von der unsterblichkeit der tierseelen den ton angegeben Lange
gesch. des materialismus 223. 9@dd)
in dingen des äuszern lebens, besonders der gesellschaftlichen mode: sich von dem vergnügen, in allen gesellschaften zu glänzen, ... und den ton in allen moden zu geben, plötzlich beraubt zu sehen J. Möser 3, 27; der hof von Thüringen ... gab in geselligen und litterarischen moden den ton an Böhme
geschichte des tanzes 30; man hat jedoch das leben der englischen stutzer zu oft geschildert, ... in Deutschland geben Wien und Berlin den ton an Gutzkow 8, 25; haben wir eine hauptstadt, die ... den ton angiebt, deren moden gesetze für die ganze nation sind? Sturz 2, 161.
auch zu, für
ein ganz bestimmtes gehaben und handeln: weil sie vom adel war und mit dem benachbarten adel viel umgang hielt, welchem sie den ton gegeben hatte, den aufenthalt auf dem lande ... nach städtischer etikette mit besuchen, gastmahlen, assembleen, spielpartien und bällen zuzubringen Nicolai
Sebaldus Nothanker 1, 186; wodurch fürs ganze leben der ton zum langsam und also lange leben angegeben werden kann Hufeland
kunst das menschl. leben zu verlängern 479; der papst war ... so zufrieden, dasz er sich der ausschweifendsten laune überliesz und den ton zu einem bacchanal angab Klinger
werke 3, 236; sie giebt für alles den ton
an. sie arrangirt die parthieen, sie vermittelt die bekanntschaften Gutzkow 2, 275. 9@ee)
in dingen des öffentlichen lebens: kein wunder also, dasz die französische nation die eitelste von Europa worden ist; fast von entstehung ihrer monarchie an hat sie ... in den wichtigsten veränderungen den ton gegeben Herder 14, 465; Deutschland im verfolg seiner jahrhunderte ist weder Athen noch Rom, weder eine monarchie, noch eine republik, die der ganzen welt ... ton gäbe 3, 466; mit einem solchen erzbischof von Maynz, der von rechtswegen den ton in ansehung der übrigen bischöfe angeben sollte Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 239; sie geben in allem den ton an: in kleidern — wie in friedenschlüssen Bauernfeld 5, 164; so gaben jetzt Frankreich und England den ton an
Europa 2, 78
Schlegel. 9@ff)
in empfindung, denkart, urtheil, meinung, gesinnung, geschmack: [] den ton gebe freundschaft, und liebe den takt Gotter 1, 339; desto besser für unser vaterland, wenn grosze oder kleine schulweisen nicht mehr andern leuten den ton zu denken geben Gerstenberg
recensionen 172
neudr.; wie sich diejenigen betragen, die durch ihr öffentlich urtheil, wonicht den ton, wenigstens den laut geben, bin ich ... gewahr worden Göthe IV 10, 308
Weim.; bei dergleichen urtheilen wird immer von oben der ton angegeben Justi
Winckelmann 2, 1, 152; das bürgerthum, welches heutzutage den ton der öffentlichen meinung angibt Riehl
freie vorträge 1, 338; der pöbel wurzelt, (unter uns gesagt) weit um, und gibt zum unglück — den ton an Schiller 2, 12; Nicolai und Engel, die so ziemlich den ton angeben Brester
an Bürger 2, 134
Strodtmann; auch zu einer bestimmten auffassung, ansicht. sein (
Manesses) name lebt, obgleich ein schulfuchs neulich den ton angab, ihm sein verdienst streitig zu machen G. Keller 6, 24. 1010) der gute ton
wird als solcher ganz wie der franz. '
bon ton'
nicht mehr wie im vorigen 8, h,
ζ nach allgemein gültigen ästhetischen und ethischen werthungen beurtheilt, er ist vielmehr der bestimmte ton,
der unter bestimmten verhältnissen als gut
zu gelten hat, der gute ton
der convention einer gesellschaftsclasse, auch der ton
schlechthin in absolutem sinn, dem dann der schlechte ton
gegenübergestellt wird: deine wissenschaft sey guter ton! handle dreist, gebärde dich bescheiden, lerne leben, werde kein pedant, tanze zierlich, wisse dich zu kleiden und vergesse niemals deinen stand Sturz 2, 291; hier werden manche leser stutzen und fragen: wie es möglich sey, dasz in einer stadt, wo so viel guter ton, so viel galanterie herrscht, die studenten doch so ein schmutziges leben führen Laukhard 2, 37; man vergiszt (
auf dem lande) den guten ton ganz und erfährt die neuen moden immer vierzehn tage später Miller
Siegwart2 333; sie hatten ohne zweifel, als sie ihm mangel der gröszern welt, und des guten tons vorwarfen, vergessen, dasz sie gegen mich, sogar die realität des guten tons geläugnet hatten Sonnenfels
briefe 335
neudr; damit er ohne verletzung des guten tones alle der reihe nach ansehen konnte G. Keller 6, 236; dasz Nettchen ihrerseits alle formen des bürgerlichen guten tones wahre 5, 60;
bildlich mit anspielung auf den stimmton
beim singen und sprechen: die gimpel freilich pfeifen blosz, es fehlt ihnen an gutem ton Geibel 7, 142. den guten ton annehmen, treffen: denn ich bin ja wol erfaren genug, um dann und wann den guten ton anzunehmen Hermes
Sophiens reise 6, 525; ihr trefft den guten ton nicht recht: und doch ist euer ton vielleicht nur darum schlecht, weil ihr nicht — durch die nase sprecht J. A. Ebert 5. der ton
schlechthin: das bringt der ton so mit sich Campe; accurat solche figuren hat man in der schönen welt um takt und ton zu lernen Gotthelf 7, 211.
dagegen schlechter ton: so war es diesmal entschieden schlechter ton zu Seldwyla, von den wahlen nur zu sprechen G. Keller 4, 201. 10@aa)
ein bestimmtes gehaben heiszt guter ton, ist guter ton: und das alles heiszt urbanität, guter ton, patriotismus Herder 3, 477; das heiszt denn guter ton! darin besteht das feine wesen Laukhard 2, 148; die gesellschaft hat ... eine falsche, conventionelle auf willkürlichen satzungen beruhende ... überlegenheit beliebig angenommen. diese ist es, was der gute ton, bon ton, fashionableness genannt wird Schopenhauer
parerga 1, 447
f; bist du so neu in der welt, dasz du nicht weiszt, dasz das freye jetzt der gute ton ist Adelung; die gleichgültigkeit ... ist manchmal ein zeichen von erschöpfung ... immer — guter ton Ebner-Eschenbach 1, 53; in Hannover ist diese kunstrichterliche sprache der gute ton Gleim
briefwechsel 1, 163; eine maitresse halten, ist hier wie in Paris, London, Berlin, guter ton Schubart
leben 1, 225; in Weimar habe ich durch die Bürgersche recension viel redens von mir gemacht, in
[] allen cirkeln las man sie vor, und es war guter ton, sie vortrefflich zu finden Schiller
briefe 3, 136; dämonen und dämonenaustreibungen waren in der zeit ... nicht guter ton Strausz
ges. werke 4, 171. es ist gegen den guten ton, der gute ton ist dagegen: es war noch kein verbrechen gegen den guten ton, einzugestehen, dasz man um zehn, elf uhr einigen appetit verspüre Holtei
erzähl. schriften 7, 232; man liesz ... die rothe mütze aufkommen, ... und versuche kamen vor, sie ... in die nationalversammlung einzuführen, nur dasz ein gewisser guter ton noch dagegen war Dahlmann
gesch. der franz. revolution 404. es ist ton: die mesze war äuszerst mittelmäszig — und unser theater hat wegen der gar zu vielen schnurpfeiereyen auch gelitten — besonders hat der Hanszwurst vielen schaden verursacht — es war thon hinzugehen Elisabeth Göthe
briefe (1889) 200; zu Leipzig, wo gelehrsamkeit und gründlichkeit im studiren ton war Göthe 46, 89
Weim.; besser wärs, schweigen. bis das ton wird, was unendlichen vortheil bringen mag, da kann noch viel wasser den Main hinunter flieszen B. v. Arnim
Günderode 1, 413; es ist ton vieler sogenannten gebildeten in unseren tagen, leicht zu denken von der sache des vaterlandes Ad. Müller 1, 7; jener gräuelhaften üppigkeit ..., die zu Rom unter den kaisern ton ward Niebuhr
röm. gesch. 1, 96; det ist ja keen ton. det paszt sich janich! Hauptmann
biberpelz 81. 10@bb)
ein bestimmtes gehaben gehört zum guten ton: es gehöre zum guten tone, nicht einmal zu wissen, wer mit uns in demselben hause wohnt Knigge
umgang 2
3, 168; es gehörte mit zum guten tone, sich von der jungen künstlerin mahlen zu lassen Pfeffel
pros. versuche 9, 85; es gehörte nämlich unerläszlich zum guten ton, wenigstens die ersten fünf bis zehn minuten der eröffnung und versammlung einer gesellschaft hochdeutsch zu radbrechen Arndt 1, 19; übrigens scheint es zum guten ton zu gehören, die oper und überhaupt das theater nach kräften zu tadeln
F. Mendelssohn im
Göthe-jahrbuch 12, 85. es gehört zum ton: ich schweige von der groszen schaar derer, die das spiel nur mitspielten, weil es einmal zum ton gehörte Biernatzki 5, 70; die übersendung von briefen war nicht nur in fällen, wo man ihrer bedurfte, im gebrauch: sie gehörte vielmehr zum ton Steinhausen
gesch. des deutschen briefes 1, 8. 10@cc) von gutem ton: ein junger mensch der durch den umgang mit personen vom guten ton noch nicht gebildet ist Adelung; sie werden ... den elegant vom guten ton ... klar vor augen sehn Fr. Schlegel
Athenäum 3, 127; auch keine dame vom guten tone kann auf gefühle, die nicht bloss sinnlich sind, ... so viele zeit verwenden als auf ihre toilette Zimmermann
einsamkeit 3, 108; wo niemand vom guten tone ist, als wer alles gute für dummes zeug hält 1, 77; sie sind von besserm ton, als wir Gellert 1, 203. von ton: so war doch keine lady von ton im ganzen königreiche, die sich ein bedenken gemacht hätte, ihn an ihre toilette zu lassen Mylius
Peregrine Pickle 3, 284; (
er) machte unter den leuten von ton eine sehr ansehnliche figur 3, 201; es gab einen förmlichen wettstreit unter den männern von ton, jungen wie alten, wer zuerst und zumeist erproben solle, wie weit meine frechheit reiche Holtei
erzähl. schriften 12, 124; das ansehn eines mannes von ton und welt Fr. L. Schröder 3, 222; persönlich musz man erscheinen ... sich als mann von welt und ton präsentiren Holtei
erzähl. schriften 19, 81; was hat solch volk bei gott dem herrn zu thun, wenn unser eins, leute von ton und welt, sich ihm zu präsentiren suchen? marsch! Tieck 3, 336. 10@dd) der gute ton
der convention ist der sogenannte gute ton,
der von Schiller
als ästhetisches gesetz aufgefaszt wird, dem aber sonst entgegengestellt wird der wahre gute ton: der weg zur einförmigkeit und armuth in der kunst, welchen uns der conventionswohlstand, der verfeinerte geschmack und der sogenannte gute ton zeigen J. Möser
über die deutsche sprache und litteratur 14
neudr.; gesellschaften
[] von sogenanntem guten ton Lenz
vertheidigung des herrn W. 6
neudr.; da ich auf diesem wege natürlicherweise darauf geführt werde, den sogenannten guten ton, wie ihn zeiten und verhältnisse eingeführt haben, nach objectiven principien des geschmacks zu beurtheilen Schiller
briefe 4, 28; es ist auffallend, wie sich der gute ton (schönheit des umgangs) aus meinem begriff der schönheit entwickeln läszt. das erste gesetz des guten tones ist: schone fremde freiheit 3, 285; der wahre gute ton für alt und jung, für reiche und arme und für alle fünf welttheile wäre doch der milde ton, der freundliche ton Gotthelf 4, 39; wenn man in der gesellschaft nur erst den aberglauben des ritterlichen ehrenprincips los wäre, und an stelle der nach diesem geltenden überlegenheit die geistige überlegenheit das ihr gebührende primat erlangte; so würde dies den wahren guten ton herbeiführen Schopenhauer
parerga 1, 407. 1111) ton
und töne
als '
empfindungston', '
gefühlstöne', '
stimmungen des gemüts'.
auch dieser gebrauch des worts ist unmittelbar aus der anwendung von ton
auf den ausdruck, den inhalt der rede hervorgegangen, die ja oft nach dem gefühls- und empfindungsgehalt bestimmt werden; vgl. im vor. 8, k
und l.
dann wurde dem gefühl selbst ein ton,
den empfindungen wurden als solchen töne
zuerkannt. als die träger der gefühls- und empfindungstöne gelten das wesen, der charakter, seele, gemüt, herz und geist. in romantisch bildlicher vorstellung wurde ferner eine tonbeseelung des gesammten innern und äuszern lebens gedacht, des menschen, der natur, der ganzen welt. 11@aa) ton der empfindung, des gefühls: kein bedacht, keine überlegung, das blosze naturgesetz lag zum grunde: 'ton der empfindung soll das sympathetische geschöpf in denselben ton versetzen' Herder 5, 17;
vgl.ton der empfindung, gefühlston, empfindungston
als kunstausdrücke der psychologie bei Eisler
wb. der philos. begriffe 1
2, 300. 11@bb) ton des wesens, der seele, des gemüts, geistige töne (
geistig wahrnehmbare töne): der ton seines ganzen wesens (
ist) voll wahrheit und natur Matthisson 3, 90; wenn bei jenem (
Sophokles) éin ton der charaktere herrschet, so bei diesem (
Shakespeare) alle charaktere, stände und lebensarten Herder 5, 219; ein solches leben, ein solcher ton der seele ... sind sie nicht traurig? 18, 159; was trauen sie mir für empfindung, für ton und harmonie der seele zu, wenn ich z. e. den kleistischen, den klopstockischen hexameter nicht fühlen sollte? 5, 160; sie wollten es nicht für gut finden, ... dasz unsre psychologisten alle töne und kräfte der seele unterscheiden, und den maszstab an's unendliche legen ...? J. Möser 3, 251; meine jahre sagten den ihrigen zu, ich war der einzige in dem ganzen kreise, an dem sie noch einen wiederklang jener geistigen töne vernahm, an die sie von jugend auf gewöhnt war Göthe 28, 223
Weim.; in Hamlet macht das geistig überlegne des charakters hauptsächlich sein und des stückes glück; die wirklichkeit des vorgangs, durch welche jeder ton, den die menschenbrust hat, hervorgerufen wird O. Ludwig 5, 201. 11@cc) 11@c@aα) ein ton klingt, die töne brausen: ja horchend auf des innern leise zungen, erschaudert mein gemüt, wenn es ihm deucht, es kling' ein ton, den tönen nachgeklungen, mit denen das gemeine mich verscheucht Grillparzer 1, 322; doch wenn die töne von dem nahen brausen, da dränget oft sich in die harmonie der selbstheit misslaut — stört des hörers wonne Collin
Regulus 12. 11@c@bβ) den ton der seele stimmen, der seele einen ton geben: aber das weisz ich, dasz manche einzelne stellen aus Klopstock so tiefe eindrücke in mich gemacht, dasz sie tagelang den ton meiner seele haben stimmen können Herder 1, 523; unsere seele wird auf eben den ton gestimmt
allg. deutsche bibliothek 2, 2, 10; an jedem morgen werden die nerven der seele auf den ton gestimmet, welchen sie den tag über mehrentheils zu behalten pflegen Martin Crugot
der christ in der einsamkeit (1771) 101; durch die sinnliche handlung der taufe, oder
[] des händeauflegens gerührt, gab vielleicht ihr körper der seele eben denjenigen ton, der nöthig ist, um mit dem wehen des heiligen geistes zu sympathisiren Göthe 37, 167
Weim. 11@dd) ton der empfindung und gefühlstöne
werden im allgemeinen beurteilt als guter ton, laute, reine, feindliche töne: mit jeder solcher geschichten wird die seele des knaben in einen guten ton gewiegt Herder 4, 376; wahrscheinlich ... ist das späte essen der alten auch nur vom winter und den angrenzenden jahrszeiten zu verstehen, wo die gütliche mittagswärme körper und geist den besten ton gab zu handeln Heinse 5, 43; die verbündung der ausgewählten, von welcher der anwald der weltweisen sprach, hat ... etwas, das mit lauten tönen zu meinem herzen stimt Klopstock
gelehrtenrepublik 447; die heiligen höhn und thale von Morea stimmen oft recht freundlich in die reineren töne meiner seele Hölderlin
Hyperion (1822) 2, 27; was musz ein herz nicht ausstehen, in welchem so feindliche töne zusammenkommen Fr. H. Jacobi
werke 1, 57; die stirn ist streng, man sieht's in ihr entstehn, wo es noch ringen musz mit herben tönen Hebbel 6, 325. 11@ee)
die töne
werden nach den verschiedenartigen empfindungen und gefühlen bestimmt: fern verhallen die töne des freudigen lebens Hegner 5, 136; im busen eines freundes wiederhallend verliert sich nach und nach des schmerzens ton Göthe 11, 292
Weim.; heimlich klangen die töne der lüsternheit in ihre seele, 22, 91; die sentiments zu treffen, die aus den verschiedenen tönen der leidenschaften entspringen Gerstenberg
briefe 121
neudr.; wo in den neigungen der liebe das zarte geschlecht mit uns einerlei gewicht in die schaale legt, um den ton der liebe zu bestimmen Herder 3, 293; oft darf ihr (
der wahrheit) ton an einem weltende geregt werden, und er erklingt in entlegenen ländern 17, 233. 11@ff)
die anwendung von ton
und tönen
auf die gemütsstimmungen gab den anlasz zu weiteren bildlichen und poetischen gebrauchsweisen; die empfindungen, erinnerungen, das menschliche leben, der mensch selbst, die welt und die gestirne werden als unmittelbar klingende töne
vorgestellt: dasz liebe, lust und andacht töne aus einer vollkommenen harmonie sind Schleiermacher
weihnachtsfeier 43
Reclam; o könnt' ich doch von liebe klingen, wie liebe süsz von tönen klingt Arndt 5, 55; aus deiner wonne nur einen ton! — 5, 82. diese erinnerung ist ein entfernter ton, der aus dunkeln, tiefliegenden thälern heraufzieht Jean Paul 49—51, 290; man kann sich kaum überreden, dasz im fernen unser andenken noch fortwährt, und dasz gewisse töne voriger zeit nachklingen Göthe IV 5, 143
Weim.; die schwedischen helden waren in meinem herzen nun auch nur andre töne der vergangenheit Arndt 1, 82; fatales tauwetter und so der ganze ton des tags verstimmt, wollen sehn wie wir ihn wieder aufbringen Göthe IV 3, 8
Weim.; erinnrung auch des dichters, deszen leben jetzt ein versungner ton ist Herder 29, 677; wer fühlt' es nie, dasz bruchstück nur sein leben, ein ton, nur angeschlagen, zum akkord Geibel 3, 128; ihre helle reine seele einem hellen reinen tone gleich, der seinen reiz durch nasse wolkige luft ungetrübt und ungebrochen trägt Jean Paul 15—18, 608; der aufgeklärte mensch der spätern zeit, allhörer nicht blos will er sein, sondern selbst der letzte summenton aller töne! Herder 5, 560; wohl bin ich nur ein ton im schönen liede gottes Lenau 1, 175, ... sieh um dich: deine welt ist sie nicht ton nur in der melodie der sonnen-sterne? welch ein kleiner ton! Herder 29, 559; ...... mich aber treibt's zum thurm hinauf, denn über mir erklingt's, und jeder stern hat seinen eig'nen ton Hebbel 4, 58.
[] 1212) ton
ist im sprachgebrauch des späteren mittelalters oft ganz allgemein '
die art und weise überhaupt',
doch hat sich diese verwendung in späterer zeit nur ganz vereinzelt und kaum merklich fortgesetzt. wohl ist auch hier an die bedeutung '
melodie'
anzuknüpfen, und diese klingt auch gelegentlich mit an, doch erscheint sie meist ganz verblaszt. offenbar ist hier dôn
ganz dem schwesterwort wîse
gefolgt, so dasz es auch dessen allgemeinere function übernommen hat. dies zeigt sich bes. im niederd., wo dôn
in solcher verwendung des öfteren als fem. begegnet, wo also der synonyme gebrauch von wîse
wohl auch diesen genuswechsel veranlaszt hat. 12@aa) ton
bezieht sich auf die art und weise eines zustands; ok scholen de hœdere wesen kone, dat mene ik al in rechter done Stephan
schachbuch 4619
Schlüter; bewiset or dat it was or gelîk an aller dône (
das kind der mutter) Gerh. v. Minden 124
Seelmann; he sprak ein ape was dîn vader, du bist ein ape an allem done 162; he (
de vilthot) is ok van menyger done gel, wit, rot, ofte grone
aus dem nd. jahrbuch bei Schiller-Lübben; der geseligten lon ist uber aller maʒen don Heinr. v. Neustadt
gottes zukunft 7771
Singer; all stunden ärger werden und gehn nach ihrem thon Ringwald
bei Moscherosch gesichte 2, 923; sach de roden schone stan in deme selven done alsz he de twîe hadde seen
hartebok bei Schiller-Lübben; die kreuterlein und blumen schon verbleiben auch bey einem dhon Ringwald
christliche warnung E 1 a; sant Dominicus brachte bruoder Heinrich zegegene ein lúhtende crone, die spilete in ir blikunge also schone als die sunne in iren liehtostem done Mechtild v. Magdeburg
offenbarungen 4, 22
Gall Morel; meister Kricks - über - und - über ist der mond, er scheint und leucht im höheren thon Gryphius
lustspiele 31
Palm. 12@bb) ton
bezieht sich auf die art und weise einer thätigkeit: in welker wise unde welken done ik dat sulve lant achterwegen let Ludolf v. Suchen
reisebuch in das heilige land 17
Kosegarten; recht als man zwêne ritter sol zieren harte schône in einem slehten dône, daz hæte an si der wunsch geleit Konrad v. Würzburg
Engelhard 4702; troumgesichte und wârsagunge loufent in einem dône unde sint vil dicke gelogen David v. Augsburg
in Pfeiffers myst. 1, 337. 12@cc) ton
bezieht sich auf die art und weise der lebensführung überhaupt: er (
der zecher) heisset ime dar tragen zwene wurfel wol beschaben drie wurfel schone er lebt in eime suoʒen tone
diutiska 1, 316
Graff; leben jetzt im hohen ton redliche gesellen! Göthe 1, 122
Weim. 12@dd) des tôdes dôn
scheint eine in der poetischen sprache des mittelalters weiter verbreitete wendung zu sein. dôn
hat hier offenbar nur mehr rein phraseologische geltung: dar nâch abir nicht lang gewan die vrauwe den gedang daʒ sie mit des tôdes dône Brangênen wolde lônen Eilhart
Tristan 2865 (
D); des geit si dir vur gotes lon des immer wernden todes don
kleinere mhd. erz. 3, 180
Rosenhagen; des hât billich ir beider lôn des immer werndes tôdes tôn Stricker
die männler, ebenda 204;
im selben sinn und nicht etwa mit Lexer als '
Christi ruf am kreuz'
ist dann dôn
auch an der folgenden stelle aufzufassen: daʒ uns züge an heiles port dînes grimmen endes dôn Konrad v. Würzburg
lieder und sprüche 348, 124
Bartsch.