weltalter,
n. ,
dän. verdensalder,
schwed. världslder;
zu vergleichen ist ferner engl. world-age,
das wohl dem dt. kompositum nachgebildet ist (
s. Murray 10, 2, 304
s. v. world). 11)
zeitalter. 1@aa)
allgemein (
vgl. zeitalter 1
teil 15, 550
sowie welt I A 1): dieses welt-alter hat ohne das eines Jupiters vonnOeten, der ihme, wie der Danae, gold in den schosz regne ... und ist, bey so schuldvollen aber geldleeren zeiten, billich ... dieses die haupt-frage, wie man mOege geld machen J. Balde
die truckene trunckenheit (1658) 126; (
ich habe mich der gewohnheit) underworffen, in hoffnung, dasz was andern in jezigem weltalter billich, mir ebener massen nicht unrecht sein werde J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 4; ich weisz wohl, dasz viele critici ... die gantze Odyssea und Ilias vor allegorien ansehen, aber neben dem sind es fabeln, welche nach den meinungen, die in dem weltalter des poeten insgemein angenommen waren, nach dem buchstaben mOeglich waren Bodmer
abh. v. d. wunderbaren (1740) 142; nicht jedermann ist es gegeben, so zu schreiben, wie es dem menschen in abstracto zu allen zeiten und in allen weltaltern gefallen musz Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 325; jedes untergehende weltalter, jede sinkende epoche der geschichte läszt den gleichen fluch als erbtheil seinem nachfolger in der herrschaft der welt Droysen
Äschylus (1841) 462; die ereignisse am schlusse des jahrhunderts haben für Deutschland, für die ganze menschheit ein neues weltalter eingeleitet (1880) Döllinger
vortr. (1888) 1, 50; wird doch überhaupt das, was wahrhaft 'epoche' macht und ein neues weltalter heraufführt, ebensowenig durch kunst und wissenschaft, als durch die veränderung der wirtschaftlichen und politischen verhältnisse hervorgebracht, sondern allein durch die verwirklichung eines vollendeteren typus des menschen
F. J. Schmidt
renaissance u. reformation (1910) 389.
meist mit charakterisierenden zusätzen, die bestimmte wesenszüge der epoche hervorheben; genitivischen: wie nämlich der individuelle styl seine entwicklungsstufen hat, so ist
auch der styl der weltalter der phantasie von einem bildungs-gesetze beherrscht Vischer
ästhetik (1846) 3, 1, 134; wäre es nicht zumal ganz übereinstimmend mit einer ... beliebten denkweise, den späteren ernsten zeiten unseres geschlechts ein weltalter heiterer poesie vorauszudenken Schelling
w. (1856) II 1, 14; wie wär er (
Strindberg) in einem weltalter starker und deutlicher widerstände froh geworden (24. 2. 1912) Rilke
br. 1 (1950) 368; Shakespeare und das von ihm beherrschte weltalter der 'charaktertragödie' wurden (
Kommerell) zu der episode, die sie im ganzen der weltliteratur sind (1944) Gadamer
in Kommerell
dichter. welterfahrung (1952) 210;
wie beiwörtlichen: ein unternehmen, welches, wenn es gelingt, einen besondern zeitpunct in diesem jahrhunderte ausmachen und verursachen kann, dasz man dasselbe das gelehrte weltalter von Europa dereinst nennen wird
anmuth. gelehrs. (1757) 310
Gottsched; so hat sich auch zwischen den rohen zeiten der barbarei und dem kunstreichen, vielwissenden und begüterten weltalter eine tiefsinnige und romantische zeit niedergelassen Novalis
schr. 4, 66
Minor; ereignisse ..., die alle nach der richtung eines neuen, geistigen antimaterialistischen weltalters zu lenken (
scheinen) Dvořák
kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 276.
besonders häufig erscheint die verbindung goldenes weltalter
für eine paradiesische menschheitsepoche sagenhafter vorzeit oder hoffnungsumwobener zukunft (
s. zeitalter
teil 15, 551 [1 a]) —
eine anwendung, die bereits zu 2 b
überleitet: diese (
pastoralpoesie) bildet uns die tugendhaften sitten des güldenen weltalters, oder der patriarchalischen zeiten ab
anmuth. gelehrs. (1751) 1, 399
Gottsched; doch wiederfuhr ihm bei dieser gelegenheit vOellig das, was uns allen begegnet, wenn wir eine beschreibung aus dem goldnen weltalter, das gemAehlde einer vollkommnen republik, die schilderung einer glcklichen armen familie lesen Joh. Wetzel
lebensgesch. Tobias Knauts (1773) 2, 130; wenn wir uns mittelst derselben aus unsern sitten weg, in ein goldnes weltalter setzen Gessner
schr. (1777) 1, 3; die sage von den groszen, in der unschuld des goldenen weltalters langlebenden Hyperboreern J. H. Voss
krit. bll. (1828) 2, 364;
in freierer anwendung auch: wieder einer aus dem goldnen weltalter der litteratur weniger, wird uns Wieland sagen (18. 12. 1798) Schiller
br. 5, 473
Jonas. 1@bb)
insonderheit für die menschen eines zeitalters (
vgl.welt I B 1): Alphonsus, kOenig von Arragon, sagte: ... unter den menschen nehme keiner mit seinem bescheidenen teile vorlieb ... kein einiges welt-alter hat iemals so viel ruhe vor der herrsch-gierde genossen, das es ihm hirinnen nicht mste beystimmen Butschky
Pathmos (1677) 694; das erste exercitium des jugendlichen weltalters, dem es noch an erfahrung und hellen einsichten fehlte, die wahren verhältnisse der dinge zu erkennen Nast-Schiller in:
Thalia 11 (1790) 51; (
an Henri Reille) hatte er (
Hellbach) den typus in der vollendung, den neurastheniker, decadencemenschen, den groszen erleber und vom leben getöteten, dessen charakteristik er studierte, für sein groszes werk vom niedergang der nationen und weltalter Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 140. 22)
als bezeichnung bestimmter weltgeschichtlicher zeitabschnitte (
weltperioden)
verschiedener art und ausdehnung. 2@aa) '
das alter der welt, d. i. die zeit ihrer verflossenen dauer' (Adelung 5 [1786] 161): das ist ja, als wenn man das weltalter ausrechnen wollte
dt. schaubühne 5 (1744) 298
Gottsched; weltalter ... das alter der erde überhaupt
neuesrhein. conv.-lex. (1830) 12, 190; das alter des universums. eine philos. studie zum problem des weltalters in
d. astronomie
d. gegenwart J. Meurers (1954)
titel; im christlichen sinne vereinzelt auch für die zeit vom weltanfang bis zum weltgericht: gegen das ewige aber ist ihm (
Jesus Christus) alles klein, auch das weltalter selbst, die wenigen tausende der jahre, binnen welchen von Adam an das geschlechte der menschen ausgewickelt werden musz, bis mit dem letzt lebenden geschlechte der allgemeine gerichtstag vor das ganze erfolget Chr. Aug. Crusius
kurzer begr. d. moraltheologie (1772) 819. 2@bb) '
bestimmte periode der menschheitsgeschichte',
im besonderen '
die von antiken denkern und dichtern angenommenen entwicklungsstufen menschlicher kultur und sittlichkeit' (
d. gr. Brockhaus 20 [1935] 567): die vier weltalter. vier zeiten läszt uns Naso (
Ovid) lesen: die erste, wie man glaubt, ist lauter gold gewesen, auch silber war einmal, nur dasz es bald verschwand, das kupfer haben wir vor kurzem noch gekannt; doch aus der bösen welt ist kupfer selbst entwichen, und eisen herrscht anjetzt, nach Naso's weisen sprüchen (1760) Kästner
ges. poet. u. pros. w. 1 (1841) 28; aufzug der vier weltalter: das goldne alter (begleitet von der freude und der unschuld) ... das silberne alter (begleitet von der fruchtbarkeit, den gaben des geistes und der geselligen fröhlichkeit) ... das eherne alter (begleitet von der sorge, dem stolz und dem geize) ... das eiserne alter (begleitet von der gewaltthätigkeit) Göthe I 16, 195
W.; die vier weltalter des Hesiodos (
das goldene, silberne, eherne und heroische weltalter), nebst dem fünften eisernen sind wenigstens von einer seite ganz historisch zu nehmen und bilden in groszen zügen die wesentliche grundlage der ältesten hellenischen geschichte Fr. Schlegel
s. w. (1846) 3, 158; Dittersdorf war auf den einfall gerathen, einige von Ovids metamorphosen zu charakterisirten symphonien zu bearbeiten und führte im jahr 1786 zwölf derselben in Wien auf ... eine stellt die vier weltalter vor O. Jahn
Mozart (1856) 4, 141
anm. 42; mein sohn, alt ist der wahn und allgemein verbreitet, dasz diese welt durch vier weltalter abwärts schreitet; dasz in verschlechterung sie immer tiefer sinkt und rettungslos zuletzt den kelch des todes trinkt Rückert
ges. poet. w. (1867) 8, 133.
sie finden ihre parallele in den weltgeschichtlichen vorstellungen der Inder: er war tief in die chronologie der Inder eingeweiht und berichtet ... wie drei weltalter abgelaufen und zu seiner zeit das vierte begonnen war A. v. Humboldt
kosmos (1845) 2, 424; wenn Buckle in den zahlenschwelgereien der Hindu mit ihren endlosen weltaltern ... eine knechtische demuth für das hohe alterthum erkennen will ... Peschel
völkerk. (1874) 331;
vor allem aber in der patristischen lehre von den sechs weltaltern; für diese perioden findet sich bereits im frühmittelalterlichen deutsch vereinzelt die bezeichnung weltalter (woroltaltar Otfrid II 9, 21
K., vgl. auch genitiv. umschreibungen wie an demo sehstin altire dero uuerlte
in sexta ętate mundi Notker 2, 392, 8
P.),
sie wird jedoch erst in neuerer zeit dafür üblich, das simplex welt
in dieser bedeutung (I A 2)
ablösend: weltalter nannten die alten theologen eine zeit von 1000 jahren, weil sie glaubten, dass die welt, so wie sie in 6 tagen erschaffen, nach 6 jahrtausenden wieder untergehen werde Voigt
hdwb. f. d. geschäftsf. (1807) 2, 561;
ähnlich Krünitz
encycl. 238 (1856) 349; genau so unhistorisch empfunden war die schon bei Irenäus begegnende, dann von Isidor v. Sevilla, Beda
u. a. aufgenommene periodisierung nach den sechs weltaltern = schöpfungstagen; das letzte weltalter war das christliche
d. religion i. gesch. u. gegenw. 3 (1912) 1262
Schiele-Zscharnack s. v. kirchengeschichtsschreibung. vereinzelt auch für die drei groszen abschnitte der weltgeschichte, altertum, mittelalter, neuzeit: man nimmt ... gewöhnlich drei weltalter zum theilungsgrund der weltgeschichte und theilt dieselbe in alte, mittlere und neue geschichte Krünitz
encycl. 238 (1856) 349. 2@cc)
zuweilen erscheint weltalter
als sinnverwandt mit jahrhundert (
vgl.welt I A 3): so erzehlet hr. Ernst ..., dasz um das ende vorigen welt-alters zum Gibichenstein im ertzstifft Magdeburg ein pfarrer ... gewesen
d. wohlgeplagte priester (1695) 106;
vgl. hierzu Schrader
dt.-frz. 2 (1784) 1614: weltalter ...
gewisser zeitraum von hundert oder mehr jahren, siècle.