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vierte

mhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vierte

Bd. 26, Sp. 310
vierte , ordinalzahlwort; got. unbelegt, altnord. fjórði, n. norw. fjerde, schwed. fjärde (nicht auf fjórði zurückgehend), ags. feōrþa, feōwerþa, engl. fourth; fries. fiarda Richthofen 738b; altsächs. fiorðo; ahd. fiordo Graff 3, 674; mhd. vierde mhd. wb. 3, 307b; Lexer mhd. handwb. 3; 339; mnd. vêrde Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 237a; mnl. vierde Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 439, vierste 463; vgl. nd. veirste seebuch xiv 22; ferner hochd. an den superlativ angelehnte formen wie sibenste, achteste, zehenste. attavus, der vierdt ene Diefenbach gloss. 58b; quartus, der vierde, fierde, firde 477c; das vierde, quartus Dasypodius 447c; der vierdt, quartus Maaler 447d; im vierten jar seines alters sein; zum vierten mal burgermeister 448b; der vierte teil eines jahrs Stieler 2382; die vierte stelle, das vierte mahl Steinbach 2, 895; zum vierten, quarto Frisch 2, 401a; der vierte mai Campe; Adelung bemerkt, dasz in vierte 'im hochdeutschen' die erste silbe sehr kurz ausgesprochen werde, 'als wenn es virrte geschrieben wäre'. die kürzung ist in der umgangssprache weit verbreitet, wird aber in der gebildeten sprache vermieden. über formen und gebrauch in mundartlicher sprache älterer und neuerer zeit vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1477; schweiz. idiot. 1, 925; Martin-Lienhart wb. d. elsäss. mundarten 1, 130b; Follmann wb. d. deutschlothr. mundarten 159a; Hönig wb. d. kölner mundart 190a; Müller-Fraureuth wb. d. obers.-erzgeb. mundarten 2, 622a; brem. wb. 1, 377; Dähnert plattd. wb. 516b; Schambach wb. von Göttingen-Grubenhagen 267b; Bauer-Collitz waldeck. wb. 32a; ten Doornkaat-Koolman ostfries. wb. 1, 442b; Schmidt-Petersen wb. d. nordfries. sprache 43a. 11) im nhd. wird das lautgesetzliche d durch t ersetzt, in anlehnung an dritte, fünfte, sechste; auch die endung des superl. ist nicht ohne bedeutung, vgl. oben die formen nd. veirste, hochd. zehenste, achteste, siebenste. das alte d hält sich bis ins 17. jh.: die vierden sind yspani Ulrich von Richental constanzer concil 13 lit. ver.; die dritte niedrig, die vierde hoch Opitz poeterei 41 neudr.; war es besser, da die welt nur in drey theil war gelegt? oder ietzt, da unsre zeit auch das vierde zu noch trägt? Logau sinnged. 404 (2, 10, 70) lit. ver. in der älteren nhd. sprache ist die schreibweise mit dt häufig, die sich bis ins 18. jh. hält: die vierdte supplication Weise erznarren 187 neudr.; in sein vierdtes jahr Schnabel insel Felsenburg 85 (dld). 22) im got., altnord., ags. und ahd. ist die flexion des wortes, wie überhaupt der ordinalia von 3 ab durchaus schwach: lag fiardon dag bigrabaner Otfrid 3, 24, 2; ebenso im as., wo allerdings einmal, bei 3 eine starke form bezeugt ist: an thriddiumu dage Hel. 3092 M. im nhd. hat sich die starke flexion neben der schwachen entwickelt, die aber aus syntaktischen gründen vorwiegt: des tags viertem thail, der nächtlichen schiltwacht Weckherlin ged. 1, 357 lit. ver.; nach dem unbestimmten artikel: ein vierter grund ist folgender; uns bleibt noch ein viertes zu tun übrig. [] 33) vierte vor einem subst. mit bestimmtem artikel: in thero fiordun uuahtu thero naht Tatian 81, 2; umb die vierden wach der nacht die erste deutsche bibel 1, 56 (Matth. 14, 25) lit. ver.; der sagt im vierdten buoch seiner histori S. Franck Germaniae chron. (1538) 1b; dann sie brachte kaum die vierte stund ihres diensts in der küche zu Grimmelshausen Simpl. 3, 340 lit. ver.; gesetzliche erben der vierten ordnung sind die urgroszeltern des erblassers oder deren abkömmlinge bürgerl. ges. buch 1928; den vierten namen nenn ich stracks Rückert poet. werke (1868ff.) 1, 103. das vierte gebot titel eines dramas von Anzengruber; Sannel, weiszt du noch das vierte gebot von der schul? Ludwig ges. schriften (1891) 2, 320; zum vierten mal. aus der bibel stammt die wendung bis ins dritte und vierte glied: der du die missethat der veter heimsuchest auff kinder und kindskinder, bis ins dritte und vierde gelied 2. Mos. 34, 7; von der ursprünglichen, wilden mutter des menschlichen geschlechts eine abart vielleicht im vierten gliede Herder werke 5, 9 Suphan. nicht der vierte teil fast formelhaft für sehr wenig (vgl. nicht der vierte unter 6): mein lieber nachbaur, uns ist von jr alln dreyen nach einander worn so hübsch gezwagen und geschorn das ich das vierdt thail nit künd sagen H. Sachs fastn. sp. 1, 48, 331 neudr. allein stehend vor dem subst. und dann stark flectiert: vierter akt, viertes kapitel als überschrift; in der anrede: zehnte bei der musen schar, vierte Charis dieser jahr' Fleming deutsche ged. 1, 66 lit. ver. 44) einige besondere verbindungen sind zu beachten; formelhaft, um unbestimmte entfernung zu bezeichnen, ist in alter sprache über das vierte land (Benecke zu Iw. 821): swie verre friunt von friunde sî, dâ sol doch triuwe wesen bî. swer mir ze triuwen wirt bekant, den minnich über das vierde lant Freidank 96, 16. er weste wol, daz Hetelein daz vierde lant durch urliuge wære Kudrun 805, 1. der vierte pfennig, als abgabe (vgl. unten 8): swelch gast sein wein hie schenket oder in hie lat schenken, der muoz geben den vierden pfenning, swaz von dem wein gekauft wirt, an die stat Nürnb. polizeiordnungen 203 lit. ver.; vierdte pfennig, ist, welchen die gewercken denen stöllnern zu treibung der stoll-oerter geben Minerophilus bergwerks-lex. (1730) 693; der vierte fusz ausdruck der älteren rechtssprache, s. oben fusz 4 bd. 4, 1 sp. 1002. der vierte stand, der arbeiterstand, ein in neuerer zeit aufgekommenes schlagwort, gebildet nach dem tiersétat der französischen revolution. der ausdruck vierte dimension, die sich dem vorstellbaren raum der körper (dritte dimension) anschlieszt, wie dieser der fläche (zweite dimension), ist besonders durch die speculationen Fr. Zöllners (1834—82) geläufig geworden, findet sich aber schon vor ihm, vgl. Büchmann gefl. worte 25 205; den vierten mann zum tarok suchen, auch den vierten suchen, machen Fischer schwäb. wb. 2, 1477. 55) vierte ohne folgendes subst.: das unter euch einer spricht, ich bin paulisch, der ander, ich bin apollisch, der dritte, ich bin kephisch, der vierde, ich bin christisch 1. Cor. 1, 12; mit deinm gründer markt! eiferte ein vierter Ludwig ges. schriften (1891ff.) 2, 31; drei könige zu Heimsen — so schmollt es — das ist viel! erwischt man noch den vierten, so ist's ein kartenspiel Uhland ged. 1, 284 Schmidt-Hartmann. bei herrschernamen: Constantinus, der vierdt dises namens Herr feldbau (1551) 3b; von könig Heinrichen dem vierdten in Franckreich wird geschrieben Schupp schriften (1663) 19. [] 66) einzelnes: der vierte nicht, formelhaft in älterer sprache, fast im sinne von 'so gut wie keiner' (vgl. oben nicht der vierte teil unter 3): diu werlt hât sich sô von vreuden gescheiden, daz ir der vierde niht rehte nu tuot minnesangs frühl. 108, 39; in älterer sprache steht in zusammengesetzten ordinalzahlen auch vierte (jetzt vier): in dem verden und niunzgostem jar Fischer schwäb. wb. 2, 1477; der vierte in der schule sein; schwäb.: ich bin viert geworden Fischer a. a. o. 77) altmod. geworden ist bei aufzählungen zum vierten: zum vierden schribt aber Paulus in der eegenannten epistel Zwingli von freih. d. speisen 26 neudr.; dagegen im sinne von zum vierten mal: zum vierden ward sie schwanger, und gebar einen son 1. Mos. 29, 35; auch: fürs vierde, bey jüngt gehaltenem fürstentage vers. d. schles. fürsten u. stände 1, 18 (1618); zur bezeichnung des silbergehalts: zu dem vierten hinter sich = ¼ silber, zu dem vierten für sich = ¾ silber Fischer schwäb. wb. 2, 1477. zu vierten verwant, zu den vierten kinden sind die, deren urgroszeltern geschwister waren. zu vierten steuern, im vierten grade der verwandtschaft zur unterstützung von waisenkindern herangezogen werden, schweiz. idiot. 1, 925; vgl. viertel 18 c. 88) der vierte prägnant, als abgabe (vgl. oben der vierte pfennig unter 4): Frischbier preusz. wb. 2, 445a (unter vierdener); sehr oft wird vierte im f. prägnant gebraucht, für 4. klasse auf der eisenbahn: fahren sie auch vierte, oder vierter? 99) vierter als maszbezeichnung: mnd. vêrder, der vierte theil eines (gröszeren) korngemäszes Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 237a; brem. wb. 1, 377; mnl. vierder Verwijs-Verdam mnl. wb. 9, 441; vgl. viert; wie sonst vierer gebraucht wird, kann auch vierter die zahl vier bezeichnen oder in anderen bedeutungen von vierer erscheinen: vierter, quart, vier aufeinanderfolgende karten im piquetspiele Martin-Lienhart wb. d. elsäss. mundarten 1, 130b; vierter, die zahl, ziffer oder nummer vier; vierschlag beim dreschen Follmann wb. d. deutsch-lothr. mundarten 159a; e verter, ein vierer Askenasy frankf. mundart 190; fêrder, mitglied eines aus vieren bestehenden kollegiums ten Doornkaat-Koolman ostfries. wb. 1, 442b; hier ist wohl anzunehmen, dasz vierer vorliegt und dasz das d (dann t) zwischen den beiden r (vier[e]r) eingeschoben wurde. 1010) die ordinalzahl verbindet sich mit selb zur bezeichnung, dasz eine hervorgehobene person mit drei andern verbunden ist, vgl. oben selb II b, c bd. 10, 1 sp. 425; so weit die verbindung in neuerer sprache gebraucht wird, erscheint sie unflectiert und apocopiert (selbviert); Adelung freilich schreibt auch hier das 'mildernde' e vor: selb vierte kommen, mit noch dreyen, so dasz man selbst der vierte ist; selb fiert Hunziker aarg. wb. 86. der vierdt, selb vierdt, quartus, quadruplus Maaler 448b; do sach ich herren Hannsen Greyffen, der des lands von Payren was, fürfüren selb vierdt an ainem sayl Schiltberger reisebuch 6, 19 lit. ver.; selbe vierde degenevarn wir an den sê Nib. 338, 11.
9634 Zeichen · 205 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vierte

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    vierte s. vierde.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vierte

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Vierte , adject. (sprich virrte,) welches die Ordnungszahl von vier ist. Der vierte Tag. Zum vierten Mahle. Der vierte T…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vierte

    Goethe-Wörterbuch

    vierte [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    vierte

    Südhessisches Wörterbuch

    vierte Band 2, Spalte 723-724

  5. Spezial
    vierte

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vier|te num. ord. cuart (-rc, -a).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vierte

326 Bildungen · 318 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

vierte‑ als Erstglied (30 von 318)

viertefasz

DWB

viertefasz , n. , cabus, en verde vat Diefenbach gloss. 86 a ; vêrdevat, vierte theil eines scheffels Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 237 b ; hi…

viertegec

BMZ

vier·tegec

viertegec adj. viertägig. der viertegige rite Tauler, leseb. 859,42.

viertegelich

Lexer

vierte·gelich

vier-tegelich adj. dasselbe Berth. 433,24. Mgb. 30,30. 390,17. 466,2. Hpt. arzb. 95 f.

viertegic

Lexer

vier-tegic adj. BMZ viertägig, quadriduanus Dfg. 476 a . quartana, viertegig ritte ib. 477 c . Taul. Reinfr. B. 18076.

viertehalb

DWB

vierte·halb

viertehalb , vierthalb , adj. , drei und einhalb, das erste, zweite, dritte ganz, das vierte halb; über diese bildungen vgl. oben DWB halb 1…

viertehalf

MeckWB

vierte·half

Wossidia vierhalf , viertehalf , a. Spr. verde- dreieinhalb: 'verdehalf dusent marc sulveres' (1321) UB. 6, 630; 'mit verdehalver hove lande…

vierteig't

MeckWB

Wossidia vierteiht , vierteig't dass. : de vierteigt Wigg. Gr. 41.

vierteihn

MeckWB

vier·teihn

Wossidia vierteihn u. a. Formen vierzehn: 'verteyn dorp' (1328) UB. 7, 600; dei Kluck hett veirteeten Küken utkrägen (1981) Lu Ludwigslust@G…

vierteihndag'stit

MeckWB

vierteihn·dagstit

Wossidia vierteihndag'stit vierzehn Tage lang Schö Schönberg@Schlagsdorf Schlagsd ; hei hett vierteihndag'stit den Nachtwächter spälen künnt…

vierteihnjöhrig

MeckWB

Wossidia vierteihnjöhrig vierzehnjährig Müll. Reut. 158 a .

Vierteihnnacht

MeckWB

vierteihn·nacht

Wossidia Vierteihnnacht a. Spr. Verteynacht f. Frist von vierzehn Tagen: 'zo schole wy id eme verteynacht vor undbeden' (1306) UB. 5, 273; '…

vierteihnst

MeckWB

Wossidia vierteihnst wie das Folg. : dat vierteihnst Kapitel Bri. 5, 82.

vierteihnt

MeckWB

Wossidia vierteihnt der vierzehnte: dat virteihnte Kapittel Reut. 3, 373.

vierteihst

MeckWB

Wossidia vierteihst , vierteig'st dass. : de vierteigst Wigg. Gr. 41.

vierteil

DWB

vier·teil

vierteil , viertel , n. , ahd. fiorteil Graff 5, 405 ; mhd. vierteil, viertel mhd. wb. 3, 22 b ; Lexer mhd. handwb. 3, 342 ; zeitschr. f. d.…

Vierteil I

Idiotikon

Vierteil I Band 12, Spalte 1483 Vierteil I 12,1483

Vierteil II

Idiotikon

Vierteil II Band 12, Spalte 1483 Vierteil II 12,1483

vierteilbühse

Lexer

vierteil·buehse

vierteil-bühse , viertel-bühse swf. viertelbüchse, kartaune Schm. Fr. 1,845. Beh. 95,27. Mh. 2,78.

Vierteilbüchs

Idiotikon

Vierteilbüchs Band 4, Spalte 1007 Vierteilbüchs 4,1007

Vierteilchanteⁿ

Idiotikon

Vierteilchanteⁿ Band 3, Spalte 373 Vierteilchanteⁿ 3,373 u.

vierteile

BMZ

viert·eile

vierteile swv. viertheile, zerreiße in vier stücke. vierteilen oder hâhen, swie ir mich tœten wellet Mai 149,12. vgl. RA. 692.

vierteilec

BMZ

vierte·ilec

vierteilec adj. ein vierteil enthaltend. ein vierteilec gelte ( napf ) Ls. 3,402.

vierte als Zweitglied (7 von 7)

der Absolvierte

GWB

* der Absolvierte Absolvent [ Wagener: ] mein alter .. Vater, ein Universitätsfreund Goethes .. [ G: ] Die Lust zu arbeiten war dem Leipzige…

gevierte

DWB

gevierte , geviert , n. substantiviertes adjektiv vgl. geviert (4, b ). die substantivbildung gehört der neuhochdeutschen periode an und ist…

Schließgevierte

Campe

schliess·gevierte

Das Schließgevierte , — s, Mz . gl. bei den Buchdruckern, der vierte Theil eines Geviertes, die Zeilen damit auszuschließen (Schließ quadrät…

Teilvierte

DRW

teil·vierte

Teilvierte, m.? Viertel einer Ernte als Teilfrucht vgl. Teilbau in der weinlaes und der bemelter windeilonge sall er [schultiss] bi den herr…

Ableitungen von vierte (1 von 1)

gevierte

DWB

gevierte , geviert , n. substantiviertes adjektiv vgl. geviert (4, b ). die substantivbildung gehört der neuhochdeutschen periode an und ist…