vierte ,
ordinalzahlwort; got. unbelegt, altnord. fjórði,
dän. norw. fjerde,
schwed. fjärde (
nicht auf fjórði
zurückgehend),
ags. feōrþa, feōwerþa,
engl. fourth;
fries. fiarda Richthofen 738
b;
altsächs. fiorðo;
ahd. fiordo Graff 3, 674;
mhd. vierde
mhd. wb. 3, 307
b; Lexer
mhd. handwb. 3; 339;
mnd. vêrde Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 237
a;
mnl. vierde Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 439, vierste 463;
vgl. nd. veirste
seebuch xiv 22;
ferner hochd. an den superlativ angelehnte formen wie sibenste, achteste, zehenste.
attavus, der vierdt ene Diefenbach
gloss. 58
b;
quartus, der vierde, fierde, firde 477
c; das vierde,
quartus Dasypodius 447
c; der vierdt,
quartus Maaler 447
d; im vierten jar seines alters sein; zum vierten mal burgermeister 448
b; der vierte teil eines jahrs Stieler 2382; die vierte stelle, das vierte mahl Steinbach 2, 895; zum vierten,
quarto Frisch 2, 401
a; der vierte mai Campe; Adelung
bemerkt, dasz in vierte '
im hochdeutschen'
die erste silbe sehr kurz ausgesprochen werde, '
als wenn es virrte
geschrieben wäre'.
die kürzung ist in der umgangssprache weit verbreitet, wird aber in der gebildeten sprache vermieden. über formen und gebrauch in mundartlicher sprache älterer und neuerer zeit vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1477;
schweiz. idiot. 1, 925; Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 130
b; Follmann
wb. d. deutschlothr. mundarten 159
a; Hönig
wb. d. kölner mundart 190
a; Müller-Fraureuth
wb. d. obers.-erzgeb. mundarten 2, 622
a;
brem. wb. 1, 377; Dähnert
plattd. wb. 516
b; Schambach
wb. von Göttingen-Grubenhagen 267
b; Bauer-Collitz
waldeck. wb. 32
a; ten Doornkaat-Koolman
ostfries. wb. 1, 442
b; Schmidt-Petersen
wb. d. nordfries. sprache 43
a. 11)
im nhd. wird das lautgesetzliche d
durch t
ersetzt, in anlehnung an dritte, fünfte, sechste;
auch die endung des superl. ist nicht ohne bedeutung, vgl. oben die formen nd. veirste,
hochd. zehenste, achteste, siebenste.
das alte d
hält sich bis ins 17.
jh.: die vierden sind yspani Ulrich von Richental
constanzer concil 13
lit. ver.; die dritte niedrig, die vierde hoch Opitz
poeterei 41
neudr.; war es besser, da die welt nur in drey theil war gelegt? oder ietzt, da unsre zeit auch das vierde zu noch trägt? Logau
sinnged. 404 (2, 10, 70)
lit. ver. in der älteren nhd. sprache ist die schreibweise mit dt
häufig, die sich bis ins 18.
jh. hält: die vierdte supplication Weise
erznarren 187
neudr.; in sein vierdtes jahr Schnabel
insel Felsenburg 85 (dld). 22)
im got., altnord., ags. und ahd. ist die flexion des wortes, wie überhaupt der ordinalia von 3
ab durchaus schwach: lag fiardon dag bigrabaner Otfrid 3, 24, 2;
ebenso im as., wo allerdings einmal, bei 3
eine starke form bezeugt ist: an thriddiumu dage
Hel. 3092
M. im nhd. hat sich die starke flexion neben der schwachen entwickelt, die aber aus syntaktischen gründen vorwiegt: des tags viertem thail, der nächtlichen schiltwacht Weckherlin
ged. 1, 357
lit. ver.; nach dem unbestimmten artikel: ein vierter grund ist folgender; uns bleibt noch ein viertes zu tun übrig. 33) vierte
vor einem subst. mit bestimmtem artikel: in thero fiordun uuahtu thero naht
Tatian 81, 2; umb die vierden wach der nacht
die erste deutsche bibel 1, 56 (
Matth. 14, 25)
lit. ver.; der sagt im vierdten buoch seiner histori S. Franck
Germaniae chron. (1538) 1
b; dann sie brachte kaum die vierte stund ihres diensts in der küche zu Grimmelshausen
Simpl. 3, 340
lit. ver.; gesetzliche erben der vierten ordnung sind die urgroszeltern des erblassers oder deren abkömmlinge
bürgerl. ges. buch 1928; den vierten namen nenn ich stracks Rückert
poet. werke (1868
ff.) 1, 103. das vierte gebot
titel eines dramas von Anzengruber; Sannel, weiszt du noch das vierte gebot von der schul? Ludwig
ges. schriften (1891) 2, 320; zum vierten mal.
aus der bibel stammt die wendung bis ins dritte und vierte glied: der du die missethat der veter heimsuchest auff kinder und kindskinder, bis ins dritte und vierde gelied
2. Mos. 34, 7; von der ursprünglichen, wilden mutter des menschlichen geschlechts eine abart vielleicht im vierten gliede Herder
werke 5, 9
Suphan. nicht der vierte teil
fast formelhaft für sehr wenig (
vgl. nicht der vierte
unter 6): mein lieber nachbaur, uns ist von jr alln dreyen nach einander worn so hübsch gezwagen und geschorn das ich das vierdt thail nit künd sagen H. Sachs
fastn. sp. 1, 48, 331
neudr. allein stehend vor dem subst. und dann stark flectiert: vierter akt, viertes kapitel
als überschrift; in der anrede: zehnte bei der musen schar, vierte Charis dieser jahr' Fleming
deutsche ged. 1, 66
lit. ver. 44)
einige besondere verbindungen sind zu beachten; formelhaft, um unbestimmte entfernung zu bezeichnen, ist in alter sprache über das vierte land (Benecke
zu Iw. 821): swie verre friunt von friunde sî, dâ sol doch triuwe wesen bî. swer mir ze triuwen wirt bekant, den minnich über das vierde lant Freidank 96, 16. er weste wol, daz Hetelein daz vierde lant durch urliuge wære
Kudrun 805, 1. der vierte pfennig,
als abgabe (
vgl. unten 8): swelch gast sein wein hie schenket oder in hie lat schenken, der muoz geben den vierden pfenning, swaz von dem wein gekauft wirt, an die stat
Nürnb. polizeiordnungen 203
lit. ver.; vierdte pfennig, ist, welchen die gewercken denen stöllnern zu treibung der stoll-oerter geben Minerophilus
bergwerks-lex. (1730) 693; der vierte fusz
ausdruck der älteren rechtssprache, s. oben fusz 4
bd. 4, 1
sp. 1002. der vierte stand,
der arbeiterstand, ein in neuerer zeit aufgekommenes schlagwort, gebildet nach dem tiersétat
der französischen revolution. der ausdruck vierte dimension,
die sich dem vorstellbaren raum der körper (dritte dimension)
anschlieszt, wie dieser der fläche (zweite dimension),
ist besonders durch die speculationen Fr. Zöllners (1834—82)
geläufig geworden, findet sich aber schon vor ihm, vgl. Büchmann
gefl. worte 25 205; den vierten mann zum tarok suchen,
auch den vierten suchen, machen Fischer
schwäb. wb. 2, 1477. 55) vierte
ohne folgendes subst.: das unter euch einer spricht, ich bin paulisch, der ander, ich bin apollisch, der dritte, ich bin kephisch, der vierde, ich bin christisch
1. Cor. 1, 12; mit deinm gründer markt! eiferte ein vierter Ludwig
ges. schriften (1891ff.) 2, 31; drei könige zu Heimsen — so schmollt es — das ist viel! erwischt man noch den vierten, so ist's ein kartenspiel Uhland
ged. 1, 284
Schmidt-Hartmann. bei herrschernamen: Constantinus, der vierdt dises namens Herr
feldbau (1551) 3
b; von könig Heinrichen dem vierdten in Franckreich wird geschrieben Schupp
schriften (1663) 19. 66)
einzelnes: der vierte nicht,
formelhaft in älterer sprache, fast im sinne von '
so gut wie keiner' (
vgl. oben nicht der vierte teil
unter 3): diu werlt hât sich sô von vreuden gescheiden, daz ir der vierde niht rehte nu tuot
minnesangs frühl. 108, 39;
in älterer sprache steht in zusammengesetzten ordinalzahlen auch vierte (
jetzt vier): in dem verden und niunzgostem jar Fischer
schwäb. wb. 2, 1477; der vierte in der schule sein;
schwäb.: ich bin
viert geworden Fischer
a. a. o. 77)
altmod. geworden ist bei aufzählungen zum vierten: zum vierden schribt aber Paulus in der eegenannten epistel Zwingli
von freih. d. speisen 26
neudr.; dagegen im sinne von zum vierten mal: zum vierden ward sie schwanger, und gebar einen son
1. Mos. 29, 35;
auch: fürs vierde, bey jüngt gehaltenem fürstentage
vers. d. schles. fürsten u. stände 1, 18 (1618);
zur bezeichnung des silbergehalts: zu dem vierten hinter sich = ¼
silber, zu dem vierten für sich = ¾
silber Fischer
schwäb. wb. 2, 1477. zu vierten verwant, zu den vierten kinden
sind die, deren urgroszeltern geschwister waren. zu vierten steuern,
im vierten grade der verwandtschaft zur unterstützung von waisenkindern herangezogen werden, schweiz. idiot. 1, 925;
vgl. viertel 18 c. 88) der vierte
prägnant, als abgabe (
vgl. oben der vierte pfennig
unter 4): Frischbier
preusz. wb. 2, 445
a (
unter vierdener);
sehr oft wird vierte
im f. prägnant gebraucht, für 4.
klasse auf der eisenbahn: fahren sie auch vierte,
oder vierter? 99) vierter
als maszbezeichnung: mnd. vêrder,
der vierte theil eines (
gröszeren)
korngemäszes Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 237
a;
brem. wb. 1, 377;
mnl. vierder Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 441;
vgl. viert;
wie sonst vierer
gebraucht wird, kann auch vierter
die zahl vier
bezeichnen oder in anderen bedeutungen von vierer
erscheinen: vierter,
quart, vier aufeinanderfolgende karten im piquetspiele Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 130
b; vierter,
die zahl, ziffer oder nummer vier; vierschlag beim dreschen Follmann
wb. d. deutsch-lothr. mundarten 159
a; e verter,
ein vierer Askenasy
frankf. mundart 190; fêrder,
mitglied eines aus vieren bestehenden kollegiums ten Doornkaat-Koolman
ostfries. wb. 1, 442
b;
hier ist wohl anzunehmen, dasz vierer
vorliegt und dasz das d (
dann t)
zwischen den beiden r (vier[e]r)
eingeschoben wurde. 1010)
die ordinalzahl verbindet sich mit selb
zur bezeichnung, dasz eine hervorgehobene person mit drei andern verbunden ist, vgl. oben selb II b, c
bd. 10, 1
sp. 425;
so weit die verbindung in neuerer sprache gebraucht wird, erscheint sie unflectiert und apocopiert (selbviert); Adelung
freilich schreibt auch hier das '
mildernde' e
vor: selb vierte kommen,
mit noch dreyen, so dasz man selbst der vierte ist; selb fiert Hunziker
aarg. wb. 86. der vierdt, selb vierdt,
quartus, quadruplus Maaler 448
b; do sach ich herren Hannsen Greyffen, der des lands von Payren was, fürfüren selb vierdt an ainem sayl Schiltberger
reisebuch 6, 19
lit. ver.; selbe vierde degenevarn wir an den sê
Nib. 338, 11.