rohr,
n. calamus, arundo. II.
Formales. bei dem seit der ältesten zeit unserer sprache bezeugten wort sind die formalen verhältnisse innerhalb des germanischen klar: goth. raus,
altnord. reyrr,
ahd. mhd. rôr
setzen eine gemeinsame basis voraus. aus den übrigen indogermanischen sprachen fehlen jedoch sichere bezüge (
vgl. gramm. 3, 370. Schade
altd. wb.2 2, 722
b. Kluge
etymol. wb.4 283
a).
zahlreiche mhd. belege beweisen, dasz das wort im hd. wie im goth. a-
stamm, also umlautlos ist. im älteren nhd. begegnen umgelautete formen, am häufigsten für den plur., wo die vermischung mit röhre
leichter ist: cannae .. (wär auf unser sprach 'rör'). Aventinus 1, 453, 13; gegen den heuwmonat bringen diese röhr, weiche, haarechtige und zottechtige æher. Tabernaemont. 704
a neben rohr: darausz wachsen dicke rohr. 708
b; dasz röhre dir den zarten mund zerreiben (
calamo trivisse labellum). Overbeck
Virg. 33.
öfter findet sich der umlaut bei rohr
in übertragenem sinne: (
sie) satzten die gespannten röhre (
flinten) einander auf den buckel. Schweinichen 1, 181; (
es) sind ihrer zweene von unserm pristaffen sehr geschlagen, degen und röhre (
flinten) abgenommen worden. Olearius
pers. reis. 1, 4; die büchsen dieser art werden feuerröhre ... genannt. Eggers
kriegsl. 411; dergleichen röhre finden sich gar öfters. Döbel
jägerpr. (1754) 3, 117
b.
der dat. plur. scheint so noch bis in die classische zeit gebraucht worden zu sein: durch den verhack des lagers, hinter welchem der tod aus tausend röhren lauert. Schiller
Piccol. 2, 7
neben dem nom. plur. rohre: auf Fiescos herz deuten ihre gähnenden rohre.
Fiesco 5, 5,
wonach eine auffassung des dat. als einer form von röhre,
das sich in der bedeutung '
feuerrohr'
überhaupt nicht findet, unwahrscheinlich wird. seltener ist der umlaut in den sing. gedrungen: aus den wurtzeln unnd dem marck dieses röhrs pflegt man den zucker darnach zu sieden. Tabernaemont. 709
a neben häufigerem rohr: das zuckerrohr hat süsze, safftige wurtzel .. gleich der wurtzel des gemeinen rohrs. 708
b; sie (
die liebe) ist des lebens sonn', ein strom, da nectar rinn't durch's augen-röhr in die verliebten hertzen. Lohenstein
rosen 94,
neben rohr: denn groszer fürsten huld ist ein zerbrechlich rohr. 57.
die flexion ist im mhd. die gewöhnliche der starken neutra (
wie wort);
im nhd. ist der plur. auf e
der regelmäszige. den im älteren nhd. versuchten plur. auf er (
so S. Franck
verbütsch. buch 5
a,
die stelle s. unter II, 1,
c)
hat die sprache abgelehnt. das wort hat mhd. nhd. wie im goth. neutr. geschlecht, während das altnord. reyrr
masc. ist. einmal findet sich mhd. das masc. belegt (H.
d. Teichner A 60
d bei Lexer
mhd. wb. 2, 486).
auch das kärntn. roare
ist masc. Lexer
kärntn. wb. 210.
neben rôr
erscheint im ahd. das von rohr
abgeleitete fem. rôrra, rôria,
dem mhd. rôre, rœre,
nhd. röhre
entspricht. einer wurzel mit rohr
und röhre
scheint auch reuse
zu sein, das man als etwas aus rohr
verfertigtes deutet (
vgl. d. w. oben sp. 846). IIII.
Bedeutung. die bekannte sumpfpflanze (
arundo phragmites)
und die ihr verwandten einheimischen und ausländischen arten. II@11)
collectiv. II@1@aa)
eine menge neben einander wachsender rohrpflanzen, das röhricht. vielleicht ist diese bedeutung als die älteste anzusehen. increpa feras calami: irrefse diû tiêr des rôres. Notker
ps. 68, 31; schilt das thier im rohr. Luther
ebenda; er ligt gern im schatten, im rhor und im schlamm verborgen.
Hiob 40, 16;
mnd. unde weren komen van dem slote Plawe unde legen in dem rore. Schiller-Lübben 3, 505
b; wo die staare, wie bekannt, im rohre in den teichen des abends einfallen und die nacht darinnen sitzen bleiben; daselbst richtet man im rohre diese garne. Döbel
jägerpr. (1754) 2, 235; ich steck mich ins rohr. Göthe 8, 93; ich sprach: ʒist Harre alleine, der kobert ûf dem walde und in dem rôre. Hadamar v. Laber
jagd 415; ein irres leuchten zuckt im rohre. A. v. Droste-Hülshoff 56; plötzlich regt es sich im rohre. Freiligrath
dicht. 1, 151. II@1@bb)
eine menge abgeschnittener rohrstauden: und da sie jn nicht lenger verbergen kund, macht sie ein kestlin von rhor ... und legt das kind drein.
2 Mos. 2, 3; ein haus mit rohr decken; ein aus rohr geflochtener korb; im truoc daʒ wîp dar in ein lützel rôres under in.
Greg. 2870. II@1@cc) rohr
mit ähnlichen collectiven ausdrücken verbunden: und die wasser werden verlauffen, ... beide rhor und schilff verwelcken.
Jes. 19, 6; ich sach swaʒ in der welte was, velt walt loup rôr unde gras. Walther 8, 31; fur das hûs, in sînen glet den er dâ gezûnet het mit rôre und mit rîse.
Wigalois 5486; rohr und gras und wasserblätter deckten seine schultern blosz. Spee
trutzn. 177, 17
Balke. das rohr flüstert, säuselt, lispelt (
belege s. unter 2,
a).
bekannt ist das sprichwort: wer im rohr sitzt, hat gut pfeifen schneiden (Simrock 459)
mit der bedeutung '
wer vollauf gelegenheit zu etwas hat, für den ist es nicht schwer',
das in verschiedenen fassungen erscheint (
gelegentlich mit dem plur. rohre, röhre,
der den collectiven sing. ersetzt, vgl. unten 2,
a): wer im rohr sitzet der soll pfeiffen schneiden. Stieler 1621; wer im rohr sitzet, schneidt sich pfeiffen. Pistorius 7, 73; wer im rohr sitzt musz pfeiffen schneiden. Frisch 2, 124
c; im rohre ist gut pfeiffen schneiden. Adelung; und wellicher in den roren sitzt, im pillich auch ein pfeiffen snitzt. Birlinger 376
a.
häufig wird auf dies sprichwort angespielt: die nun ... im versigleten buoch sitzen, schneyden jnen (als die im liecht, leben, und pfeiffen snitzen) rörer wie sy wöllen. S. Franck
verbütsch. buch 5
a; es gibt zu London mehr als zu viel dergleichen leute, welche bereits im rohr sitzen und in knaden sind.
avant. 2, 54; ich sitze jetzt im rohre und kann vor pfeifenschneiden nicht zum pfeifen kommen. Göthe 29, 118; nach uns sich etwa einer find, der gibt uns nicht ein danck dir gott, .. dasz wir seind solch narren gewesen und sein selbst in den rorn gesessen und haben uns kein pfeiffen gschnitten. Ayrer 1191, 29
Keller. andere redensarten sind aus dieser abgeleitet: aus fremdem rohr ist gut pfeifen schneiden. Simrock
sprichw. 436; wer im rohr sitzt, steckt andre in den sack. 459.
auf ein sprichwort geht jedenfalls auch die folgende wendung zurück: lose gesellschaft hat auff ein zeit einen jungen gesellen, dem auch die arbeit nicht schmecken wolte, in ir companey, rohr zuo schneiden, dasz die stem bluoteten, beredet. Kirchhof
wendunm. 1, 348
Österley, gemeint ist '
straszenraub treiben'. II@22)
vereinzelnd, die einzelne rohrpflanze und der einzelne rohrschöszling, schilfstengel. II@2@aa)
als lebendes gewächs: goth. hva usiddjeduþ ana auþida saíhvan? raus fram vinda vagidata?
Matth. 11, 7; was seid jr hin aus gegangen in die wüsten zu sehen? woltet jr ein rhor sehen, das der wind hin und her webd? Luther
ebenda; dieser wolriechend röhr wirdt heutigs tags sehr wenig und gar selten zu uns gebracht. Tabernaemont. 707
a; ausz den wurtzeln unnd dem marck dieses röhrs pflegt man den zucker darnach zu sieden. 709
a; wir bemerken bei mehreren pflanzen, dasz ein knoten aus dem andern entspringt ... bei den cerealien, den gräsern, rohren, ist es in die augen fallend. Göthe 58, 32; aber wer den hern veracht, nicht tracht auf seine wort und wege, den tut wie ein ror im teich gar leicht ein kleiner wind bewegen. P. Rebhun
Susanne, schausp. aus d. 16. jh. 1, 65
Tittmann; (
gott) will nicht zu streng verfahren: verbricht ein kliebigs rohr nicht gleich. R. v. Löwenhalt (1647) 170 (
nach Jes. 42, 3).
der plur. kommt natürlich oft der bedeutung des collectiv gebrauchten sing. nahe: thyrsen wachsen um ihn (
den gott) her, wie sonst die rohre an wasserreichen orten. Göthe 44, 138.
zusammensetzungen geben die art des rohres genauer an: bambusrohr, zuckerrohr
u. s. w. vom rohr
im collectiven wie im vereinzelnden gebrauch sagen die dichter es säuselt, flüstert, lispelt: wenn .. der sanfte flusz zwischen den lispelnden rohren dahin gleitete. Göthe 16, 74; das säuseln der rohre ... hatte etwas geisterhaftes in dieser allgemeinen stille. 17, 137; rohre sprieszen hervor, und rauschen und lispeln im winde: Midas! Midas der fürst, trägt ein verlängertes ohr. 1, 291; seufzend flüstert im winde das rohr. Schiller 11, 196. geschwätzig
heiszen die rohre,
die den Midas verriethen: und ihr, wachset und blüht, geliebte lieder, ... und entdeckt den Quiriten, wie jene rohre geschwätzig, eines glücklichen paars schönes geheimnisz zuletzt. Göthe 1, 292. schlankes, schwankes, schwankendes rohr: (
im bilde) hinausschwindelnd ins grab des verderbens auf des lasters schwankendem rohr. Schiller
räuber, schausp. 3, 2; die blaue wassernympfe gewiegt am schlanken rohr. Matthisson 19; dort in der fremden welt stehst du allein, ein schwankes rohr, das jeder sturm zerknickt. Schiller
Tell 2, 1.
das schwanke rohr
dient wie in den aus Schiller
angeführten stellen häufig als sinnbild des gebrechlichen, schwachen: was soll ich auf der welt? vielleicht gemartert seyn, mich wie ein schlanckes rohr vor jedem winde neigen. Günther 617; du kannst dich auf dieses unstet schwanke rohr nicht lehnen. Schiller
M. Stuart 2, 3.
so auch in dem sprichwort: einen fels auf ein rohr gründen. Schottel 1118
b.
auch den wankelmüthigen vergleicht man mit einem rohr, das jeder windhauch bewegt. von zurückweichenden kämpfern heiszt es mhd.: er hâte in vil kurzem zil ir besten schar alsô durslagen, daʒ si begunden verzagen und vor dem ellentrîchen in rôres wîs entwîchen. K. v. Würzburg
troj. 43482.
der traurige, besorgte hängt den kopf wie rohr: freund Adolph hängt den kopf wie rohr und theilet angst und schuld. Stolberg 2, 129. II@2@bb)
der abgeschnittene einzelne rohrschöszling. den verschiedenen arten des rohrs
gemäsz in mannigfacher verwendung: II@2@b@aα)
als stock oder stab: goth. jah suns þragida ains us im jah nam svamm fulljands aketis, jah lagjands ana raus draggkida ina.
Matth. 27, 48; und flochten eine dörnen krone, und satzten sie auff sein heubt, und ein rhor in seine rechte hand.
Matth. 27, 29; sie äfften ihn mit einem rohr und schlugen ihn nicht wenig. P. Gerhardt 35
Gödeke; des wegs kam auch mit rohr und degen .. ein herrchen krauskopf her spaziert. Bürger 32
b.
besonders beliebt als stab zum stützen, spazierstock u. s. w. ist das spanische rohr: er kam mit einem spanischen rohr. Weise
erzn. 90
neudruck; Miller ergreift sein spanisches rohr. Schiller 3, 418; der offizier hieb ihm (
dem juden) mit einem hispanischen rohr mitten auf das hintertheil. Hebel 3, 6. rôr
als speerschaft (
vgl. Böheim
waffenk. 316): in stach der künec von Zazamanc hinderʒ ors, wol spers lanc, daʒ in ein rôr geschiftet was.
Parz. 79, 29.
dann auch für den ganzen speer, dessen schaft aus rohr
besteht: den künec von Arragûn er stach hinderʒ ors mit eime rôr.
Parz. 79, 1. rohr
für angel: mit dem ror oder angel fischen,
arundine pisces captare. Maaler 335
b.
hohle stäbe aus rohr
dienen zur aufnahme von briefen, die man sicher befördern will: welche schreiben in langen röhren (
wol zu rohr,
vgl. oben I) haben aus Liegnitz getragen werden mussen. Schweinichen 1, 263; sie schrieb ein brief und tet den in ein rore. H. Sachs
meisterl. 19, 43
Gödeke. II@2@b@bβ)
die aus rohr
verfertigte pfeife oder flöte: ûʒ seiten noch ûʒ rôre wart nie sô senfteʒ dœnen. Reinfr. v. Braunschweig 1348 (Lexer
mhd. wb. 2, 486); (
der mond) nam ein lind gestimmtes rohr, that es blasend zärtlich nagen, spielet seinen sternen vor. Spee
trutzn. 166, 10
Balke; drauf dann Halton auch nit feiret, blies auf einen hohlen rohr. 202, 8; bebend schweigt des hirten rohr. Gotter 1, 102.
im dichterischen gebrauch freier: gott, du hauptzweck meines liedes, dir zu lob erschallt mein rohr. Lichtwer 272; zur schalmei und zum libyschen rohr, sang der Kamönen versammelter chor. Schiller
Iphig. in Aulis 1293.
übertragen auf andere musikinstrumente in form eines rohrs oder einer röhre: die trommel gieng, die glocke klang, der wächter stiesz ins rohr. Göckingk
lieder zweier liebenden 83; ein drommeter stiesz in das schmetternde rohr. Pyrker
Rud. von Habsburg 259. II@2@b@gγ) rohr
als schreibwerkzeug: bei tag und nacht hatten ihn die buchstaben der bücher umgeben und gelehrte schrift, die aus dem rohr auf das weisze blatt gefloszen war. Freytag
handschr. 3, 256; und durch die schwartze farb so ausz deim rohr thut fliessen. Weckherlin (1648) 650. II@2@b@dδ) rohr
einer tabakspfeife: schaun sie, das rohr (
der pfeife) ist rosenholz, und der kopf aus siegelerde von Lemnos. Voss
Luise 2, 184.
übertragen auf pfeifenrohre von holz, thon u. s. w. Adelung.
freier von der ganzen pfeife: stellte den knotigen stab in den winkel, samt dem türkischen rohr, das er mitgebracht für den vater. Voss
Luise 2, 119; er saugt begierig am geliebten rohr, es steigt der dampf an seiner stirn empor. Göthe 2, 147. II@2@b@eε)
in der weberei: so averst .. de rohre ledig sin wurden, schale van iederm ledigen ruhre .. strafe entrichtet werden. Schiller-Lübben 3, 506
a; so macht man auch von rohre webergeschirr und spulen.
öcon. lex. (1731) 2048. II@33)
von rohrähnlichen, d. h. von walzenförmigen, hohlen körpern. II@3@aa)
natürliche rohre am animalischen körper, vgl. röhre 2,
a. für penis oder after: nimb gestossnen pfeffer, thue den auff ein teller, und wann das pferdt ausreckt, so dupf jhm das ror in den pfeffer, von stund an stallet es. Seuter
rossarzn. 100; wem do sin ror nit auf tet stan, ich sprich, er wer kein rechter man.
fastn. sp. 151, 20.
dialektisch wird mit rohr
auch ein röhrenknochen, namentlich das schienbein (
tibia)
bezeichnet. Tobler 369
a. II@3@bb)
künstliche rohre mannigfachster art und anwendung, vgl. röhre 2,
c. II@3@b@aα)
das rohr,
der lauf einer schieszwaffe: unerwogen, da mancher .. was an die finger geschmiert hat, und das gewehr, besonders das rohr, schädlich damit bestreicht. Döbel
jägerpr. 3, 117
a.
von dem hauptbestandtheile wird dann der name auf die waffe selbst übertragen: sobald das geschahe, .. satzten (
sie) die gespannten röhre einander auf den buckel. Schweinichen 1, 56; mein rohr muste ich zum vorrath geladen behalten.
Simpl. 1, 441, 25
Kurz; (
ein stück wild) auff welches der jäger zielet, und so bald er das rohr losz trücket, ligt das wild. Schuppius 322; rohr
catapulta, harquebuse, büchse Schottel 1387; rohr, zum schieszen, feuer-rohr, schieszrohr,
bombarda Frisch 2, 124
c; büchse, rohr
arquebuse, ein schieszgewehr, so aus einem eisernen rohr oder lauf, der in einer holzeinfassung ligt, den man schaft nennt, und einem feuerschlosse besteht. Eggers
kriegslex. 410; hab ich doch den tod aus mehr denn tausend röhren auf mich zupfeiffen gehört. Schiller
räuber, schausp. 5, 2 (
vgl. oben I,
sp. 1122); (
sie drücken .. ein faustrohr los) hört da, das ist ein starckes rohr. Ringwaldt
spec. mundi K
a; spiesz und pfeil und blosze degen, rohr, pistol und büchsenspeis' macht soldaten mehr verwegen. Spee
trutzn. 76, 22
Balke; bald kommen die heran, so röhr und lantzen führen, sie dringen kühnlich durch, wie helden wil gebühren. Rist
poet. lustg. 75
b; pfahl, mörsel, spiesz, bley, beil und stangen, rohr, säge, flamm, zuschlitzte wangen ... das war was Abas aug' erquickt. A. Gryphius (1698) 1, 33 (
Cathar.); sein (
des jägers) rohr, mit grobem schroot geladen, lag' ihm zum füszen aufgespannt. Lichtwer 122; (
Tiroler, die) ihr rohr in eil ans auge drücken. Stamford
bei Göckingk 1, 232. gezogen ror,
bombarda striata, caniculata Stieler 1621. Frisch 2, 124
c; handror, faustror, birschror, feuerror, seitenror, stutzror. Stieler
a. a. o. als composita, uns ist davon nur feuerrohr
noch geläufig. etwas auf dem rohre haben
wie etwas auf dem korne haben: er hat gewisz wieder etwas auf dem rohre.
F. Weisze
lustsp. 3, 201. II@3@b@bβ) rohr
im sinne von sehrohr: sphären rollt sie (
die freude) in den räumen, die des sehers rohr nicht kennt. Schiller 4, 2; so deutlich alles zeigt das rohr, dasz wenn ein schläfer rückt das haupt, ein rosz, die mähne schüttelnd, schnaubt, am glase steigt es dicht empor. A. v. Droste-Hülshoff 399. II@3@b@gγ)
in allgemeiner verwendung. wasserrohr: mnd. im suluen yare wart ok de waterkunst gemacket, de dat water in de stadt dorch de rore drycht. Schiller-Lübben 3, 506
a.
so auch hd.: rohr
an einer feuerspritze Adelung; rohr
zum glasblasen. ebenda; rohr
an einer dampfmaschine; rohr
am schlüssel, an der uhr, an verschiedenen gerätschaften der handwerker. Jacobsson 3, 431
b. 7, 90
b; rohr
am ofen, durch welches der rauch abzieht, aber auch ein raum im ofen, der zum kochen oder zum warmhalten von speisen dient. Tobler 369
a. Schöpf 563.
zahlreiche zusammensetzungen dienen zur verdeutlichung dessen, was rohr
im einzelnen falle bezeichnet: blasrohr, saugrohr, dampfrohr, wasserrohr, maschinenrohr, ofenrohr, hörrohr, sehrohr, sprachrohr
u. s. w. andere bezeichnen den stoff, woraus das rohr
verfertigt ist: metallrohr, bleirohr, holzrohr, glasrohr, thonrohr
u. s. w.