schlaraffe ,
m. faulenzer, wollebender müsziggänger, auch narr. mhd. sluraff,
in einem zinsbuche des klosters Allerheiligen als familienname. Mone
anz. 8, 615.
wahrscheinlich zusammensetzung von slûr,
m., das faulenzen und der faulenzer. Lexer
mhd. handwb. 2, 992
und affe
im sinne von thor. vgl. Weigand4 2, 582. sluraffe
bietet auch die mnd. übersetzung von Brants
narrenschiff, wo es wol als etymologisch nicht verstandenes lehnwort aus dem hd. aufzufassen ist: de sluraffen sint noch mannigerhande. Zarncke
Brants narrensch. 459
b.
im aleman. des 15.
und 16.
jahrh.: schluraff (der) vast schläfferig mensch,
veternosus. Maaler 357
a; das schluraffen schiff. Brant
narrensch., s. unten schlaraffenschiff.
im heutigen ruhlaischen schluiraff,
schlaraffe, nichtsnutz. Regel 262.
sonst zeigt das frühere nhd. die regelrechte diphthongierung des mhd. û,
so bei H. Sachs
und noch bei Stieler. H. Sachs
schreibt auch schlaweraffenland,
belege s. unter schlaraffenland.
allmählich wurde der ursprung des wortes vergessen und der accent auf die zweite silbe verlegt. so entstand die heute übliche form schlaraffe (
vgl.malaffe als nebenform zu maulaffe,
oben theil 6, 1797),
die um 1600
aufgekommen oder allgemeiner üblich geworden ist. die ältesten belege dafür s. ebenfalls unter schlaraffenland.
in Brants
narrenschiff erscheint neben schluraffe (
s. oben)
in der bedeutung müsziggänger schluderaffe,
eine form, in der wol eine beziehung zu schludern,
schlendern, nachlässig arbeiten, mhd. slûdern,
schleudern, schlenkern Lexer
mhd. handwb. 2, 990
vorliegt, mag sie nun, wie Zarncke
Brants narrensch. 455
annimmt, die ursprüngliche gestalt des wortes darstellen, oder, was mehr für sich hat, durch spätere anlehnung entstanden sein. vergl. oben schlaweraffe: die gelerten müssen sich schier schamen ir ler, und kleyt, und jres namen .. man spricht schow, umb den schluderaffen der tüfel beschiszt uns wol mit pfaffen. 163, 118
Zarncke. eine entsprechende bildung mit diphthongiertem vocal bietet Stieler: schlauraffen-
sive schlaraffenland, ..
quasi der schlauderaffen land,
otiosorum ingeniorum quaelibet somniantium regio beata et voluptuosa. 1063. schlauderaff
war nach Vilmar 353
lange zeit ein Marburger familienname, der erst vor kurzem ausgestorben ist. mundartliche entstellungen des worts zeigen das östr.-schles. schndffland
und das schwäb. araffenland. Pöschel
in Paul
und Braunes
beitr. 5, 417. 11)
für das alter der verbindung des märchens von der Utopia mit diesem ausdrucke liefert der von Mone
a. a. o. beigebrachte beleg vom jahre 1347
keinen beweis. die ältesten deutlichen zeugnisse dafür sind aus dem 15.
jahrh., vgl. schlaraffenland.
es kann wol als sicher gelten, dasz das wort zunächst ohne beziehung auf die Utopia gebraucht worden ist. die fastnachtspiele bieten es mehrfach in verbindung mit anderen, meist komischen namen, woraus für die bedeutung jedoch nicht viel zu erschlieszen ist: her Schlauraff und her Rudiger, her Ocker und Lullzapf, tret her. 259, 12; darum, Lapp, Götz, Löffel und Droll, Maulfrank, Haunolt, Schlauraff und Knoll, Molkenpauch und wer ir seit, seit mit eur pulschaft vor ungheit und pit euch voln zuo wünschen hail, das jar zuo ziechen am narrensäil. 287, 4; Lullap, Seutut und Studvol, Weidenstuck, Schlauraff und Fleuchdenzol, Fiselman, Lantschalk und her Feltrud tret her und laszt eur henderl verstan! 372, 11; Lullars, Schlauraff und Flauchdensol, Schlotmok, Lantschalk und der Foltrud .. dret her und last eur hendel ferstan! 790, 13.
im früheren nhd. erscheint es sonst deutlich im sinne von faulenzer, träger, arbeitsscheuer mensch: die neunten seind schluraffen, das seind die fulen und tregen, sie ligen allwegen darnider, die gefallen alle dem tüfel wol. Keisersberg
brösaml. 1, 59
b; und du schlauraff (
im original spensolato) mir zu haus kummest, wann du arbeiten soltest.
Bocc. (1535) 140
b.
so wird es auch heute noch landschaftlich gebraucht. 22)
durch die besondere beziehung auf geistige trägheit, denkfaulheit entwickelt sich dann wol die bedeutung '
einfältiger mensch, thor',
die die folgenden stellen zeigen: (
schöffe:) seit ain mal ich das köden schol, so gefallt es mir von in peden (
den processierenden) nit wol, und halt sie für recht schlauraffen, das sie so vil red ausz eim solchen machen.
fastnachtsp. 610, 13; do ich (
ein unmuthiger, nicht erhörter liebhaber) sasz also gedenken, die sprach: schluraff, wie wilt henken din kopf so ganz uf die erden?
Zimm. chron.2 1, 589, 6.
an den mit absicht thörichten, närrischen, den fastnachtsnarren erinnert es, wenn sich die mitglieder einer weitverbreiteten verbindung, die wol aus den rheinischen carnevalsgesellschaften entstanden, unter närrischen formen heitere, durch die kunst verschönte geselligkeit und treue freundschaft pflegen will, Schlaraffen und ihre gesellschaft schlaraffia
nennen. in zusammenhang damit steht der landschaftlich, so im Unter-Elsasz übliche gebrauch von schlaraff
im sinne von larve, maske. damit darf man dann vielleicht das bair. schlaraffel,
f. als verächtliche bezeichnung eines alten weibes Schm.
2 2, 532
in verbindung bringen, so dasz es eigentlich '
häszliche larve, scheusal'
bedeuten würde. 33)
indem das fabelhafte land des müszigganges (Cucania,
franz. Coquaigne, Cocagne,
vgl. Pöschel
a. a. o. 404),
in dem jeder genusz ohne arbeit jedem zu theil wird, mit dem namen schlaraffenland
bezeichnet wurde, bildete sich die heutige bedeutung '
wollebender müsziggänger'
heraus. der schlaraffe
wurde gewissermaszen der bewohner dieses landes, der in mühelosem genusse sein leben verbringt: die welt ist nicht aus brei und mus geschaffen, deswegen haltet euch nicht wie schlaraffen; harte bissen giebt es zu kauen: wir müssen erwürgen oder sie verdauen. Göthe 2, 266; Faustin, ein müsziger schlaraffe, sasz tag und nacht bey wein und spiel. Langbein
ged. (1800) 2, 114; das land der schlaraffen: euch (
mauern, die mit gedichten beschrieben sind) wird entzückt die künft'ge welt begaffen, denn jeder ort, wo meine Musen winseln, liegt ohnediesz im lande der schlaraffen. Platen 212
a.
vergl.Schlaraffen,
n. und Schlaraffenland.
der zusammenhang des wortes mit affe
tritt deutlich hervor in der wendung schlaraffen feil haben,
wie sonst maulaffen feil haben: dasz sie keinem menschen nütz seind, all dieweil sie da umb zoten gehen und schlauraffen feil haben. Westphal
faul-teuffel F 3
a; hae stt d unn ht schluiraffen feil. Regel 262;
oberd., subst.: es braucht's nit dein albers, dein albers rumschwanzen und schloraffenfeilhalten, schlankelter bu! v. Ditfurth
balladen des 16.—18.
jh. bei Pöschel
in Paul
u. Braunes
beitr. 5, 417.