vorfechter,
m. ,
s.fürfechter
th. 4, 1, 1,
sp. 727;
mhd. vorvehtære
mhd. wb. 3, 312
a; Lexer 3, 483;
antagonista vorfechter Diefenbach
gl. 37
a;
campiductor 93
b; vorfächter
praesul, praeludio Maaler 475
a; vorfechter,
subathleta, subgladiator, it. propugnator, qui etiam appellatur ein schutzfechter Stieler 453; vorfechter, schutzfechter,
difenditore Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700) 349
a; fürfechter, der,
propugnator, in arena gladiatoria prolusor Steinbach 1, 475; Adelung. 11)
im eigentlichen sinne von fechten
erscheint v.
in verschiedener bedeutung, je nachdem es sich um ernsten kampf oder um schulung, übung, spiel, schaustellung handelt. beim ernsten kampf sind die v.
die den kampf eröffnenden, die in erster reihe, am tapfersten, entscheidend kämpfenden u. ä.: und hat er sein fuszvolck und v. (
die leichten truppen) zu im genommen Xylander
Plutarch (1580) 180
a; (
die Deutschen) waren auch nichts minder des Pompejus v. als wegweiser Lohenstein
Armin. 1, 949
a; seit die Brukter ihrer herrin bruder als v. an der spitze sahen Fouqué
alts. bildersaal (1818
ff.) 2, 497; der was sîn (
des königs) vorvehtære Gottfried v. Straszburg
Tristan 5945; niemand von ihnen (
wilden) darf sie (
eine bestimmte schnecke) am hals ... tragen als ihr v. Oken
allg. naturgesch. (1839
ff.) 5, 460.
einer, der einem andern im fechten vorbildlich vorangeht: wil einer eer einlegen, so muosz ers nit seim v. nach oder gleich, sonder vorthuon S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 108
a. —
auf thiere bezogen: die ganze heerde (
von seebären) sah ihren v. kaum ins gras gestreckt, als sie nach der see entfloh Forster (1843) 2, 497. 22)
das wort konnte auch den sinn annehmen, dasz jemand der einem andern im kampfe beisteht oder auch ihm die kampfarbeit abnimmt, indem er vor ihm ficht, als v.
bezeichnet wird, daher Stieler (
s. oben) es mit schutzfechter
gleich stellt; so wird es mit secundant
verbunden: ein alter hadrer und kempffer, der seine junge v. hat, die da auff heben und seine streiche führen Petri
d. Teutschen weiszh. (1604
ff.) 2, s 5
b; so wuste er doch so behende hinter seinen vorfechtern herum zu springen, dasz man geschworen hätte, er gäbe einen seiltänzer ab H. A. v. Ziegler
[] d. asiat. Banise (1689) 143; (
übertragen:) sein eingebildeter groszer v. oder secundant läszt ihn im stiche
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751
ff.) 3, 30. —
auf lebloses bezogen: der thürpfosten war wirklich (
durch die bombe) beschädigt, aber er hatte die pflicht eines guten vorfechters getan Göthe 33, 39
W. —
einer, der allein für eine gesamtheit kämpft: mit der bedingung, dasz der theil, dessen v. unterliegen würde, sich dem siegenden theile unterwerfen sollte Becker
weltgesch. 2, 358;
in entsprechendem sinne kann v.
auch in studentischer sprache gebraucht werden ztschr. f. dt. wf. 1, 50. 33)
in eingeschränkter bedeutung ist der v.
der gehülfe des fechtmeisters: v. auf dem boden,
schermidore, creato ò prevosto Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700) 349
a; '
auf dem fechtboden derjenige, welcher unter aufsicht des fechtmeisters im fechten unterricht gibt, eigentlich andern vorficht, in ihrer gegenwart zum muster der nachahmung ficht; daher es von einigen irrig fürfechter
geschrieben und gesprochen wird' Adelung;
vgl. Fischer
schwäb. wb. 2, 1652;
dem meister
gegenübergestellt, in uneigentlicher anwendung: der artzet nicht mehr ist, als ein v., der seinem meister die waffen gibt und legt, darinn er fechten will Paracelsus
chirurg. schr. (1618) 207
B. 44)
schon seit alter zeit wird das wort besonders gern in freierem oder übertragenem sinne gebraucht, je nach dem zusammenhange mit verschiedenen färbungen der bedeutung, die sich natürlich auch verbinden können: es kann der tapferste, vorbildliche streiter, der führer, der für einen andern kämpfende, der schützende gemeint sein: 4@aa) ewere (
der geistlichen herren) gelerte und v. Sleidanus
reden 113
Böhmer; denn er (
Herodes) hoffete Judas solt sein v. sein Mathesius
Sarepta (1571) 154
a; die muthigen kleinen gelehrten waren die v. Schwabe
belust. (1741) 2, 135; (
ein mann,) welcher durch wohlthaten manchen jungen wüstling zu seinem v. zu machen wuszte Lessing 6, 395
M.; Herrmann in Leipzig ist dagegen unser eigenster v. Göthe IV 29, 13
W.; (
Ingolstadt) war der hauptstandort der papistischen v. Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 131; du bezeichenist ouch Christ, der unsir vorvehtere ist
Milst. genesis 112, 5
Diemer; der astronomîe schar was meister Albumasar, Ptolemêus vaner was und vorvehter Atlas Thomasin v. Zirclaria 8958; daz er der dugentrîchen schar werde ein vorvehter ein kempfe und ein schirmer Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 1205
S.; ihr schlüssel, creutz, du kron, so rein, deinen vorfechter nun bewein Fischart 3, 52
Kurz. 4@bb)
besonders in neuerer sprache verbindet sich v.
gern mit einem abhängigen genitiv, dem eigentlichen sinne nahe stehend, wenn das im gen. stehende wort persönlichen inhalt hat oder ein begriff ist, der personen einschlieszt (
z. b. reich, kirche): als einem fürnemmen vorfächter der römischen kirchen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 275
a; dennoch darf hr. Klotz mich zum geschwornen v. des hrn. Nicolai machen Lessing 10, 430
M.; dasz dieser gelehrte mann kein v. der blinden eiferer seyn will
allg. dt. bibl. 1, 2, 114; dieser v. der katholiken Jean Paul 11/14, 293
H.; ich habe gleichsam als v. der synode gegen ihn auftreten wollen Schleiermacher (1834
ff.) I 5, 419; der turnfeinde v. Fr. L. Jahn 2, 296
E.; disz geuch sind all düfels vorfächter Gengenbach 119
G. im spiel mit der bedeutung von fechten =
betteln: und bleibst mein stammhalter und nachfolger auf dem throne der landstreicher, — der fechtenden Sassansbrüder v. Rückert (1867
ff.) 11, 546. 4@cc)
verbunden mit unpersönlichem, das die sache bezeichnet für die jemand in führender weise eintritt; es kann abgeschwächt sich dem sinne von verfechter
nähern und in [] älterer sprache auch mit diesem wechseln: der ein fürnemmer v. was diser leer Hedio
chron. Germ. (1530) 188
a; der herr selbs hat ... gericht über diese gotteslästerung und deroselben v. ergehen lassen Dannhawer
catech.-milch (1657
ff.) 4, 138; vom Bodino als wunderlichen v. dieser meinunge Prätorius
winterflucht d. sommervögel (1678) 96; wenn ein gottseliger geistreicher lehrer der rechtgläubigen kirchen mit einem v. der falschheit zu thun hat Scriver
seelenschatz (1737) 1, 453
b; überall, wo es etwas gegen die v. des fortschritts an ein blättchen zu berichten gab Gutzkow (1872
ff.) 9, 425; einen überzeugten v. der reformation D. Fr. Strausz (1876
ff.) 7, 89; die v. des alten systems in England Ranke 31/32, 172; es würde das auf einen sehr lebhaften widerstand der v. der preuszischen verfassung stoszen Bismarck
polit. reden 4, 95
K. —
in besonderer wendung: wir stehen auf dem boden des rechtes, auf dem muth, den uns haucht das vaterland ein, vorfechter seines gefechtes Rückert (1867
ff.) 1, 275.
verbindung durch präpositionen: doch du, wackerer v. für deutsche erlösung (
Fichte) Jean Paul 36, 12
H.; vorfechter von dem fuchsschwanzrecht Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 617. 4@dd)
im sinne von vorgänger: ob ich schon in diser meiner arbeit (
über die verfassung von Nürnberg) kainen v., dem ich darinn hett nachvolgen mogen, gehabt Scheurl
in dt. städtechron. 11, 785 (16.
jh.). —
obscön: welcher (
apotheker) sie ... dermaszen ins feld ausmondirte, dasz der gute tropff keinen v. schmäcken konte Grimmelshausen 4, 568
Keller. 55)
hierzu vorfechterin, f., im eigentlichen sinne: also wären gegentheils durch diese ungewöhnliche vorfechterinn (
die jungfrau Maria) die Indianer mit vielen wunden in die flucht getrieben Er. Francisci
trauersaal (1672) 3, 299;
übertragen: (
die spanische nation) fühlte sich als v. des papstthums Ranke 35/36, 367.