trude,
trud,
f., m. ,
ein gespenstisches wesen, gewöhnlich ein nachtgespenst von der art des alps; hexe (
hexenmeister),
zauberin, fee; wie hexe auch als schelte verwendet; s. bereits drude
teil 2, 1453
f. herkunft, form und verbreitung. gemeinhin versteht man unter trud(e)
ein weibliches gespenst; daneben begegnet aber auch die vorstellung, dasz es sich wie bei den alp, mahr, schrätlein
genannten nachtdruckgeistern um ein männliches wesen handele: trut
incubus vel incubo est demon, qui assumit corpus humanum ad opprimendum mulieres superponens voc. incip. teut. (
c. 1471) gg 5
a;
voc. incip. teut. (
c. 1495) y
b (
s. teil 2, 1454)
und voc. primo ponens (1515
Hüpfuf) c 4
b;
incubus trutt oder der alp, der die frauen reitt
bei Schmeller-Fr. 1, 649 (
aus älterer quelle);
auch bei der übersetzung von ἐφιάλτης,
m., ist das entsprechende deutsche masculinum in betracht zu ziehen: ephialtes druckende drutt o. der alp (1595)
bei Diefenbach-Wülcker 371; trut Schönsleder
prompt. (1647) Kkk 4
b; drutte, drotte Weismann
lex. bipartit. (1725) 2, 99
b; trut Schmeller-Fr. 1, 649 (
aus älteren quellen); dem trudt oder alp Schwandner (1670)
in mitteil. d. schles. gesellsch. f. volkskde 16, 147; der trud oder alp
dtsche sagen (1891) 1, 67;
mundartlich: trute Hintner
tirol. dialektforsch. 42; trud Unger-Khull
steir. 176
b; drud Sartorius
Würzburg 33;
oberdt. drud
bei Adelung
wb. 1, 1562;
zu drud,
m., im mährischen vgl. teil 2, 1454
unter drude 4.
als ausdruck des volksglaubens begegnet das wort in der verschiedensten mundartlichen lautgestalt als trude, trute, trutte (trotten-
in zusammensetzungen),
entsprechend mit anlautendem d
und apokopiert. am reichsten findet es sich in jüngerer zeit im bair.-österr. bezeugt: trud, drud Schmeller-Fr. 1, 648; trud Höfer 3, 242; drud Castelli
ndösterr. 116; Hügel
Wien 50
b; trud Jacob
Wien 196
a; trūt, trūd Schöpf
tirol. 760; trude Zingerle
Tiroler sitten (
s. teil 2, 1454); trud Unger-Khull
steir. 176
b; trūtə Hauffen
Gottschee 93; Tschinkel 120; trūte Lexer
kärnt. 73; truta Schmeller-Bergmann
cimbr. 179
b; trūt Bacher
Lusern 68; trūt (
älter trute) Gebhardt
Nürnberger ma. 95; trud Neubauer
Egerländer ma. 52
a;
vgl. auch A. John
brauch u. volksglaube im dt. Westböhmen 267;
gängig erscheint trud(e)
auch im schwäb., s. Fischer 2, 419;
im elsäss. ist bezeugt drudefusz, -kraut Martin-Lienhart 1, 151
a; 2, 951
a;
nur älter auch das simplex trutte
bei Fischart
s. u.; im schweiz. nur ganz vereinzelt in trottenkopf,
s. sp. 1081;
weiter nördlich begegnet das wort innerhalb des ostfränk. veraltend als drud Sartorius
Würzburg 33; drude Reinwald
Henneberg. (1793) 2, 53 (
bei Spiesz [1881]
nicht mehr aufgeführt); druth
bei Nordheim in Mittelfranken nach Fr. Panzer
bayer. sagen (1848) 2, 550;
vgl. auch den ortsnamen Drutenbergla
in Mittelfranken ebda 2, 164;
im westmd. tritt es auf in vereinzeltem auf drude
zurückgeführtem drūre (
aus einem kindervers)
rhein. wb. 1, 1515; 3, 245;
vgl. ferner den moselfrk. ortsnamen Truddenseifen Kisch
vergleichendes wb. d. Nösner siebenbürg. u. moselfrk.-luxemb. ma. 226
b sowie drude, trut
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 84
b; trud Kramer
Bistritz 133
f.; älteres vorkommen im thüring. läszt sich durch den flurnamen Drudental
erweisen, s. L. Gerbig
flurnamen d. herzogt. Gotha 218;
aus dem obersächs. belegt trude Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 492; trutte Joh. Prätorius
s. u.; trut Wuttke
sächs. volkskde 323;
vgl. auch Köhler
volksbrauch im Voigtlande 479;
fürs schlesische vergleiche man trudt (
m.)
bei Schwandner (1670),
s. oben, und trottenkopf
sp. 1081.
das fehlen und das zurückweichen des wortes in einzelnen mundarten ist zum teil aus dem gebrauch gleichbedeutender ausdrücke zu erklären wie norddtsch. mahr,
wesentlich md. alp,
vorwiegend alem. und schweizer. schrättele,
schweizer. u. elsäss. dockeli
u. a., vgl. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 283
f. das wort ist vorahd. als *trudōn-
mit kurzem stammvokal anzusetzen. altes t
im anlaut wird durch das siebenbürg.-sächs. trut, trud,
den moselfrk. ortsnamen Truddenseifen (
s. oben)
und westfäl. trudemannekes (
sp. 1241)
gesichert; wo anl. d
begegnet, handelt es sich nach dem mundartlichen befund um gebiete, in denen übergang zur lenis vorliegen kann; so hat das bair.-österr. beispielsweise drud
im ndösterr., aber trut
u. ä. im tirol., steir., kärnt., egerländ., nürnberg., oder das alem. in der regel trude
u. ä., aber im ndalem. auch Druttenhuser
s. teil 2, 1455
s. v. drudenhaus; drudefusz, -kraut Martin-Lienhart
elsäss. 1, 151
a; 2, 951
a (
vgl. Behaghel
gesch. d. dt. spr.5 § 396, 4).
die literarischen belege haben vorwiegend bis in heutige zeit die mit t
anlautende form, neben der erst seit dem 16.
jh. die mit d
öfter auftritt: truta
ahd. gll. 4, 27, 1
St.-S.; truten Berthold v. Regensburg (
s. u.);
passional 395, 77
K.; trut
voc. incip. teut. (
c. 1471) gg 5
a; truten H. Sachs 17, 248, 2
K.-G.; trud Joh. Beer
teutsche winternächte (1682) 450; trude Wieland
s. w. (1794) 17, 274; trud Rosegger
schriften II 10, 36; Watzlik
der alp (1923) 148;
der frühest datierbare beleg für anlautende d-
form liegt in Druttenweg (1317)
Buck obd. flurnamenb. 50
vor. im inlaut herrscht t (tt)
allgemein bis ins 17.
jh. und hat sich in nicht lenisierenden mundarten, wie z. b. im kärnt. trute,
cimbr. truta (
mit weniger sicherheit erweisbar in den apokopierten formen trut, trudt, trutt
u. ä.)
noch heute erhalten; vgl. auch Pfalz im
hwb. d. dt. abergl. 8, 1173;
erste sichere belege für inlautendes d
sind: trude (17.
jh.)
und trudenhaus (1628)
bei Leitschuh
hexenwesen 60
bzw. 54; thruden (1657)
im siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
a; truden Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 492;
ungewisz ist, ob der fingierte mittelalterliche ortsname Trudentrül Buck
a. a. o. bereits hierher gehört; seit dem 18.
jh. ist das inlautende d,
vielleicht unter einflusz von Trude (
für Gertrud),
in literarischen denkmälern allgemein gebräuchlich geworden. auf ursprüngliche kürze des stammvokals, wie ihn Fischer
schwäb. 2, 419
für die südlichen schwäbischen mundarten noch als üblich verzeichnet, weist die schreibung des folgenden dentallautes als tt
hin, die bis ins 17.
jh. häufig vorkommt: trutten (15.
jh.)
bei Keller
erzähl. aus altdtsch. handschr. 320, 36; (1451)
bei Diefenbach-Wülcker 371;
voc. theut. (1482) bb 2
a; Seb. Franck
und Christoph Wirsung
bei Fischer
schwäb. 2, 419; drutte Serranus (
s. teil 2, 1453); trutten Fischart (
s. u.); (1619)
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
a; Joh. Prätorius (
s. u.); drutte, trutte Stieler 340;
auch der reim truten: darbuten
passional 395, 77
K. deutet gemäsz dem reimgebrauch des dichters auf kürze des vokals. kurzes u
setzen auch die verdumpften formen voraus: drotte Weismann
lex. bipartit. (1725) 2, 99
b; nachttrotten (1786)
s. u.; trottenfusz
teil 2, 1455; Fischer
schwäb. 2, 420; 6, 1781: trottenkopf
sp. 1081.
das wort gehört wesentlich apokopierenden mundarten an, weshalb auch die einsilbige form schriftsprachlich ebenso geläufig ist wie die volle; früheste belege sind trut
voc. incip. teut. (
c. 1471) gg 5
a;
voc. primo ponens (1515
Hüpfuf) c 4
b und bei Schmeller-Fr. 1, 649.
auszerhalb des deutschen ist das wort nicht sicher nachzuweisen. das teil 2, 1453
verzeichnete dän. drude
ist nach ordbog over det danske sprog 3, 1014
aus dem dt. entlehnt. wie dän. drude
in der verbindung jomfru Drude '
jungfer Naseweis'
beruht wohl auch schonisches druda (
schimpfwort für ein liederliches frauenzimmer) Rietz
svenskt dialectlexikon 99
b auf dt. Trude
aus Gertrud,
s. ordbog a. a. o. der hinweis von teil 2, 1453
auf faröisch trut
bei Finn Magnussen
lex. myth. 668
a beruht auf einem versehen; auch findet es sich nicht bei Jacobsen-Matras
fœrøisk-dansk ordbog. man hat trude
in etymologischen zusammenhang gebracht mit dem altnord. walkürennamen þrûðr,
eigentlich appellativ '
kraft' (
teil 2, 1453; Schade
altdt. wb. 2, 932; Weigand-Hirt 1, 384;
M. Heyne 1, 611),
mit ahd. mhd. trût =
nhd. traut (
teil 2, 1453; Fischer
schwäb. 2, 419
und Kluge-Götze 115
b)
und mit got. trudan (
an. troða) '
treten' (Schmeller-Fr. 1, 649; Schöpf
tirol. 760; E. H. Meyer
mythol. d. Germanen 131; Güntert
Kalypso 70; Ranke im
hwb. d. dt. abergl. 8, 1173).
gegen die beiden ersten deutungen spricht die kürze des vokals, sieh oben (
vgl. auch Ranke
a. a. o. 1174
und Mogk
in: Pauls
grundrisz 3
2, 268).
die herleitung von got. trudan,
an. troða
aber wird gestützt durch anderweitige bezeichnungen nächtlicher druckgeister mittels nomina agentis von verben des drückens, tretens, lastens u. s. f., z. b. süddeutsch, bes. tirol. 1stempe,
s. teil 10, 2, 2321
und wörter u. sachen 1, 21,
frk. trempe
mythol.4 1, 231; 3, 90
und auszerhalb des deutschen frz. cauchemar (
zu lat. calcare),
ital. pesaruole,
span. pesadilla (
von pesar '
lasten, drücken')
bei Güntert
a. a. o.; zum gebrauch des ausdrucks '
treten'
bei alpartigen erscheinungen sieh hwb. d. dt. aberglaubens 1, 292.
in früherer zeit dachte man auch an beziehungen von drude, trude
zu druide,
s. teil 2, 1456,
was zu gegenseitiger verwechslung der beiden bezeichnungen führte; trute, drude
statt druide: Aventinus ... redt, als ob auch die truten (
randbemerkung: druiden), die er ... der Teutschen prediger nennet, zauberer weren gewesen Fischart
Bodin (1591) 131
a; die alten, kühnen degen gehn noch auff unsren wegen, die ihrer druden lieder nicht lieszen kummen nieder Logau
sinnged. 530
Eitner; (Lessing
bemerkt zu der stelle: druden, ... wofür wir itzt druiden sagen 7, 369
Lachmann-Muncker);
vgl. auch Matth. Hammer
rosetum histor. (1654) 203
f.; Chr. v. Stolberg (
teil 2, 1453)
und Klopstocks drüden (
teil 2, 1456
s. v. druide);
vgl. Joh. Prätorius (1668)
unter trudenfusz. drude
wird teil 2, 1454
in Schillers druidenbaum
vermutet; vgl. auch druytenfusz
für drudenfusz
bei v. Querfurth
herald. terminologie 159. trud(e),
f., flektiert gewöhnlich nach der n-
deklination: einer trutten (15.
jh.)
bei Keller
erzähl. aus altdtsch. handschr. 320, 36; truten (
acc. pl.) Berthold v. Regensburg (
s. u.); der truten (
gen. pl.)
passional 395, 77
Köpke; trutten (
nom. pl.)
voc. theut. (1482) bb 2
a; Seb. Franck (
teil 2, 1453)
u. a. im sg. hat sich heute beim fem. wie allgemein die form des nom. sg. durchgesetzt; aber auch in älterer zeit begegnet einmal der dativ der trut
bei Schmeller-Fr. 1, 649.
schwache flexion des masculinums truden
bei Adelung
wb. 1, 1562;
doch findet sich auch starke flexion: dem trudt Schwandner (1670)
s. o. bedeutung und gebrauch. trude
bezeichnet ein alpartiges gespenst im bair.-österr., schwäb. (
vereinzelt schweizer.),
siebenbürg.-sächs., sächs., schles., daneben allgemeiner '
hexe'
im bair.-österr., schwäb., siebenbürg.-sächs., westl. md. und ostfrk. die bedeutung '
hexe',
die als alleinige nur in mundarten vorkommt, in denen das wort im aussterben ist, ist der etymologischen herleitung gemäsz als sekundär aus dem spezielleren begriff '
alpartiges wesen'
entwickelt anzusehen, im unterschied zu der entwicklungslinie von alp (
entgegen Mogk
a. a. o. 3
2, 268).
zum sachlichen vgl. hwb. d. dt. aberglaubens unter trude 8, 1173
f. und alp 1, 281-305;
zu der herrschenden vorstellung, dasz es sich bei den truden
um lebende menschen handele, die sich in alpartige wesen verwandeln können s. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 288,
ferner Schmeller-Fr. 1, 648,
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
b und Bucher, Zingerle, Kulda
in teil 2, 1453
f. unter drude 2;
über plattfüszler als truden
s. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 289,
bei Lexer
kärnt. 73
und in teil 2, 1455
s. v. drudenfusz 1;
vgl. auch bad. wb. 1, 575
b. 11)
ein weibliches gespenst, das das alpdrücken verursacht. zufrühest bezeugt als umschreibung von ahd. mara,
f., in einer von jüngerer hand nachgetragenen glosse einer handschrift des 9.
jhs.: scitropodes mara, truta
ahd. gll. 4, 27, 1
St.-S. (
die bedeutung des glossierten wortes bleibt fraglich; Schmeller-Fr. 1, 649
denkt an σκυθρωπότης '
finstere, mürrische wesensart'
; daneben ist zu erwägen scytropodes =
χυτρόποδες,
χυτροπόδιον bei Graff 4, 361
s. v. kuchmari
und Diefenbach
gl. 124
c s. v. chytropus; im zweiten falle könnte mara
verderbtes kuch
mara [
nom. pl.]
sein, das der truta
nachtragende schreiber im sinne von trude
deutete); trut
succubi, demones, qui se in specie mulierum incumbunt cum viris voc. inc. teut. (
c. 1471) gg 5
a;
voc. primo ponens (1515
Hüpfuf) c 4
b; (
eine ehebrecherische frau zu ihrem manne, der an ihrer statt einer untergeschobenen stellverireterin des nachts zur strafe für die untreue die haare abgeschnitten hat und sich wundert, sein weib am nächsten tage ungeschoren zu sehen:) ich wen, euch betrig der alp ... (
zu anderen gewandt:) nu seht aldo, das er vil unrecht gicht und mich gelogens zicht (
nämlich des ehebruchs). die (
haare) seint einer trutten gewesen, ja bin ich heint wol genesen (15.
jh.)
bei Keller
erzähl. aus altdt. handschr. 320, 36; zwen ... zäuberer, die stäts inn weibsgestalt alpen oder underliglinsteuffel und trutten oder schretel zu gefärten hatten Fischart
Bodin (1591)
vorr. 2
b;
die tätigkeit der truden
wird wie bei andern nachtdruckgespenstern gewöhnlich als drücken
bezeichnet: si credit se mulierem in nocte premere
i. e. trutam
bei Schmeller-Fr. 1, 649;
incubo infestari, vexari wann ein die drut truckt Schönsleder
prompt. (1647) l 7
b; hat enk eppa die trud druckt?
bei Schlossar
dtsche volksschauspiele 1, 291;
vgl. Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 157
und Castelli, Panzer, Zingerle
in teil 2, 1453
f.; Joh. Prätorius
kennt als bezeichnung alpartiger wesen: trutte
oder frau trutte
anthropodemus plutonicus (1666) 4; wo sie nicht ... nach der warheit verfahren würde, wollte er heute nacht eine trud über sie schicken Joh. Beer
teutsche winternächte (1682) 450; wenn aber die trud über sie kommt und erwürgt sie Ph. Hafner
ges. lustspiele (1812) 2, 248; in der nacht träumte mir, er laste wie eine trud auf meiner brust Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 64.
an alpartige gespenster ist auch bei den als truden
bezeichneten wesen zu denken, die blut saugen, vgl. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 293; Mareta
österr. (1865) 14
b; Lexer
kärnt. 73;
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
a: so spricht maniger tummer leib, die trutte sei ain altes weib und chumme die leute saugen. und etleich die gelauben, der alpe minne die leute Vintler
pluemen d. tugent 7797
Zingerle; lamia drut, alb
voc. tril. (
Prag 1723)
bei Diefenbach
nov. gl. 227
b; (
der eiferer,) der wie eine trud blutvöllerisch an dem dorf gezecht Watzlik
der alp (1923) 148.
vgl. auch das compositum nachttrutten
incubus Wirsung
bei Fischer
schwäb. 2, 419
und Thurneisser
in teil 7, 171; nachttrotten (1786
im württembergischen)
bei Haltrich
z. volkskde d. Siebenbürger Sachsen (1885) 320. 22)
ein weibliches gespenst, eine hexe, eine zauberin oder fee: saga ein zauberin oder drutte,
venefica ein drutt Serranus (
neben der bedeutung incubus)
s. teil 2, 1453;
saga et venefica Stieler 340; Frisch (1741) 1, 209
c; (
der bauer,) der zumal aberglaubig was, den alten unhulden zumasz, was unglücks ihm zustund auff erd. wurd etwan ihm ein hinckent pferd oder thet ihm ein ku verseyhen (
die milch ausgehen so thet ers als die druthen zeyhen
lassen), Hans Sachs 9, 271, 9
Keller; 9, 274, 30
K.; 17, 248, 2
K.-G.; (
Jupiter) hat der böszen welt geschworn, dasz er mit plitz, hagl und dunder woll zu ir lassn schlagn hinunder. ein trutt soll helfen zu den sachn und ein heftiges wetter machn J. Ayrer 2497
lit. ver.; vgl.trude und regentrude Storm
s. w. (1904) 2, 243, 220; wir haben das eisenkraut ins korn gezettelt, nicht dasz es die thruden hinweg sollten führen (1657)
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
a; in diesem jahr (1627) hat man zu Zeil auf ein neues angefangen truden zu brennen, denn sie haben bekennt, dasz sie das vorige jahr alles erfrört haben (17.
jh.)
bei Leitschuh
hexenwesen (1883) 60.
als kinderschreckgestalt: man schrecket noch bei den Teutschen die kinder mit der trutten Fischart
Bodin (1591) 131
a; schweig, die drude kommt Matth. Hammer
rosetum histor. (1654) 203;
in der gleichen wendung bei Flögel,
s. teil 2, 1453.
als bezeichnung einer zauberin oder fee nur in literarischen denkmälern: der trude, welche ihr (
dem neugeborenen mädchen) den untergang geschworen, war nicht im horoskop gedacht Wieland
s. w. (1794) 17, 274; ... eine zauberin ... ... muszte pathin seyn. was bind ich, sprach mit holdem munde die gute fey, dem herrchen ein? weyht ihn, sprach der papa, zum siege durch löwenkraft schon in der wiege. nein, rief die wackre trude, nein! ... ein kind mit riesenstärke wäre das ärgste raubthier der natur Pfeffel
poet. versuche (1812) 4, 137; Göthe IV 10, 355, 18
W. zur vorstellung der truden
auch als wohlwollender geister wie oben bei Storm, Pfeffel
und Göthe
vgl. siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
a und Zingerle
Tiroler sitten 37 (
vgl. teil 2, 1453
unter drude 1).
in einer reihe von fällen läszt sich nicht ausmachen, ob eine hexe schlechthin oder das den alpdruck erzeugende wesen gemeint ist: secundum, quod de nocte vadunt et hujusmodi (
nach Schönbach
am unten angegebenen orte s. 22:
der nächtliche geisterritt), non debes aliquo modo credere nec ... pilwiz, nahtvaren, nahtvrowen, maren, truten. ... totum sunt demones Berthold v. Regensburg
in einer missionspredigt '
de fide'
in: Wiener sitzungsber. phil.-histor. classe 142, 7, 18; do noch Bernhardus was ein kint, do wart daz houbt im we tun ... nu quam ein alde vrowe, ein volgerinne der truten, daz kint si ir darbuten, wand si im buzen (
das kopfweh besprechen) wolde
passional 395, 77
Köpke; mit trutten faren
in einem excommunicationsgesetz von 1451
bei Diefenbach-Wülcker 371; des teufels anhang als den hexen, unholden, drutten (1583)
bei Fischer
schwäb. 2, 419; Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 492; die tänze der hexen, truden und unholdinnen
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 22. 33)
wie hexe
als schelte und abfällige bezeichnung gebraucht für ein häszliches weib Jacob
Wien 196
a;
eine träge, schmutzige weibsperson Mareta
österr. (1865) 14
b; Neubauer
Egerländer ma. 52
a;
widerliche weibsperson, falsches weib, altes verschlagenes weib, hure Fischer
schwäb. 2, 419; gänsfüszige trute
eine schelte für plattfüszige alte weiber bad. wb. 1, 575
a (
für Konstanz);
als schelte für eine betrunkene bäuerin bereits bei Ayrer,
s. teil 2, 1454
unter drude 3;
vgl. auch 3trudel
und trudweib.
die herleitung von Trude (
aus Gertrud),
wie sie für die sp. 1235
genannten skandinavischen entlehnungen mit ähnlich abfälliger bedeutung angesetzt wird, ist für die hier aufgeführten nicht wahrscheinlich. denn sie treten nur in einem gebiet auf, das auch die bedeutungen von trude 1
und 2
kennt, und begegnen in der gleichen lautform wie die jeweiligen mundartlichen bezeichnungen für trude 1
und 2.
sekundäre anlehnung an Trude
ist immerhin vorstellbar. 44)
als bezeichnung eines männlichen alpartigen gespenstes läszt sich das wort seit dem 15.
jh. nachweisen, s. o. sp. 1233
ff. und drude 4;
mit ausdrücken des drückens vgl. oben voc. incip. teut. (
c. 1471) gg 5
a u. a., ferner: druckend drut
incubus, daemon Serranus
synon. (1552) 53
a; der trute hat mi gidruckt Hintner
tirol. dialektforsch. 42.
ungewisz bleibt es, ob das wort auch soviel wie '
hexenmeister'
bedeuten kann Adelung
wb. 1, 1562; Sartorius
Würzburg 33. 55)
das wort findet sich häufig in zusammensetzungen, s. teil 2, 1454-56
und unten sp. 1240
ff., gewöhnlich in der form truden- (druden-),
mundartlich auch trude-,
s. Fischer
schwäb. 2, 420; 6, 1781; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 151
a; 2, 951
a;
siebenb.-sächs. wb. 1, 85
bf.; westfäl. trudemannekes
zs. d. ver. f. volksk. 8, 114;
gelegentlich begegnet auch trud-
u. ä. in trottfusz Fischer
schwäb. 6, 1781; trudmann
ebda; trudweib Watzlik
Phönix (1916) 136.
häufig tritt das wort in orts- und flurnamen auf, vor allem in zusammensetzung mit bach, baum, berg, platz, stein, tal, weg,
vgl. Buck
obd. flurnamenbuch 50; Unger-Khull
steir. 177
a; Fischer
schwäb. 2, 420;
siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85
b; Kramer
Bistritz 135;
fürs moselfrk. Kisch
vergleichendes wb. d. Nösner u. moselfrk.-luxemb. ma. 226
b;
fürs thüring. L. Gerbig
flurnamen d. herzogt. Gotha u. forstnamen d. Thüringer waldes 218.