lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

trude

nhd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
4 in 4 Wb.
Sprachstufen
2 von 16
Verweise rein
5
Verweise raus
10

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trude f., m.

Bd. 22, Sp. 1233
trude, trud, f., m. , ein gespenstisches wesen, gewöhnlich ein nachtgespenst von der art des alps; hexe (hexenmeister), zauberin, fee; wie hexe auch als schelte verwendet; s. bereits drude teil 2, 1453f. herkunft, form und verbreitung. gemeinhin versteht man unter trud(e) ein weibliches gespenst; daneben begegnet aber auch die vorstellung, dasz es sich wie bei den alp, mahr, schrätlein genannten nachtdruckgeistern um ein männliches wesen handele: trut incubus vel incubo est demon, qui assumit corpus humanum ad opprimendum mulieres superponens voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5a; voc. incip. teut. (c. 1495) yb (s. teil 2, 1454) und voc. primo ponens (1515 Hüpfuf) c 4b; incubus trutt oder der alp, der die frauen reitt bei Schmeller-Fr. 1, 649 (aus älterer quelle); auch bei der übersetzung von ἐφιάλτης, m., ist das entsprechende deutsche masculinum in betracht zu ziehen: ephialtes druckende drutt o. der alp (1595) bei Diefenbach-Wülcker 371; trut Schönsleder prompt. (1647) Kkk 4b; drutte, drotte Weismann lex. bipartit. (1725) 2, 99b; trut Schmeller-Fr. 1, 649 (aus älteren quellen); dem trudt oder alp Schwandner (1670) in mitteil. d. schles. gesellsch. f. volkskde 16, 147; der trud oder alp dtsche sagen (1891) 1, 67; mundartlich: trute Hintner tirol. dialektforsch. 42; trud Unger-Khull steir. 176b; drud Sartorius Würzburg 33; oberdt. drud bei Adelung wb. 1, 1562; zu drud, m., im mährischen vgl. teil 2, 1454 unter drude 4. als ausdruck des volksglaubens begegnet das wort in der verschiedensten mundartlichen lautgestalt als trude, trute, trutte (trotten- in zusammensetzungen), entsprechend mit anlautendem d und apokopiert. am reichsten findet es sich in jüngerer zeit im bair.-österr. bezeugt: trud, drud Schmeller-Fr. 1, 648; trud Höfer 3, 242; drud Castelli ndösterr. 116; Hügel Wien 50b; trud Jacob Wien 196a; trūt, trūd Schöpf tirol. 760; trude Zingerle Tiroler sitten (s. teil 2, 1454); trud Unger-Khull steir. 176b; trūtə Hauffen Gottschee 93; Tschinkel 120; trūte Lexer kärnt. 73; truta Schmeller-Bergmann cimbr. 179b; trūt Bacher Lusern 68; trūt (älter trute) Gebhardt Nürnberger ma. 95; trud Neubauer Egerländer ma. 52a; vgl. auch A. John brauch u. volksglaube im dt. Westböhmen 267; gängig erscheint trud(e) auch im schwäb., s. Fischer 2, 419; im elsäss. ist bezeugt drudefusz, -kraut Martin-Lienhart 1, 151a; 2, 951a; nur älter auch das simplex trutte bei Fischart s. u.; im schweiz. nur ganz vereinzelt in trottenkopf, s. sp. 1081; weiter nördlich begegnet das wort innerhalb des ostfränk. veraltend als drud Sartorius Würzburg 33; drude Reinwald Henneberg. (1793) 2, 53 (bei Spiesz [1881] nicht mehr aufgeführt); druth bei Nordheim in Mittelfranken nach Fr. Panzer bayer. sagen (1848) 2, 550; vgl. auch den ortsnamen Drutenbergla in Mittelfranken ebda 2, 164; im westmd. tritt es auf in vereinzeltem auf drude zurückgeführtem drūre (aus einem kindervers) rhein. wb. 1, 1515; 3, 245; vgl. ferner den moselfrk. ortsnamen Truddenseifen Kisch vergleichendes wb. d. Nösner siebenbürg. u. moselfrk.-luxemb. ma. 226b sowie drude, trut siebenbürg.-sächs. wb. 2, 84b; trud Kramer Bistritz 133 f.; älteres vorkommen im thüring. läszt sich durch den flurnamen Drudental erweisen, s. L. Gerbig flurnamen d. herzogt. Gotha 218; aus dem obersächs. belegt trude Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 492; trutte Joh. Prätorius s. u.; trut Wuttke sächs. volkskde 323; vgl. auch Köhler volksbrauch im Voigtlande 479; fürs schlesische vergleiche man trudt (m.) bei Schwandner (1670), s. oben, und trottenkopf sp. 1081. das fehlen und das zurückweichen des wortes in einzelnen mundarten ist zum teil aus dem gebrauch gleichbedeutender ausdrücke zu erklären wie norddtsch. mahr, wesentlich md. alp, vorwiegend alem. und schweizer. schrättele, schweizer. u. elsäss. dockeli u. a., vgl. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 283f. das wort ist vorahd. als *trudōn- mit kurzem stammvokal anzusetzen. altes t im anlaut wird durch das siebenbürg.-sächs. trut, trud, den moselfrk. ortsnamen Truddenseifen (s. oben) und westfäl. trudemannekes (sp. 1241) gesichert; wo anl. d begegnet, handelt es sich nach dem mundartlichen befund um gebiete, in denen übergang zur lenis vorliegen kann; so hat das bair.-österr. beispielsweise drud im ndösterr., aber trut u. ä. im tirol., steir., kärnt., egerländ., nürnberg., oder das alem. in der regel trude u. ä., aber im ndalem. auch Druttenhuser s. teil 2, 1455 s. v. drudenhaus; drudefusz, -kraut Martin-Lienhart elsäss. 1, 151a; 2, 951a (vgl. Behaghel gesch. d. dt. spr.5 § 396, 4). die literarischen belege haben vorwiegend bis in heutige zeit die mit t anlautende form, neben der erst seit dem 16. jh. die mit d öfter auftritt: truta ahd. gll. 4, 27, 1 St.-S.; truten Berthold v. Regensburg (s. u.); passional 395, 77 K.; trut voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5a; truten H. Sachs 17, 248, 2 K.-G.; trud Joh. Beer teutsche winternächte (1682) 450; trude Wieland s. w. (1794) 17, 274; trud Rosegger schriften II 10, 36; Watzlik der alp (1923) 148; der frühest datierbare beleg für anlautende d-form liegt in Druttenweg (1317) Buck obd. flurnamenb. 50 vor. im inlaut herrscht t (tt) allgemein bis ins 17. jh. und hat sich in nicht lenisierenden mundarten, wie z. b. im kärnt. trute, cimbr. truta (mit weniger sicherheit erweisbar in den apokopierten formen trut, trudt, trutt u. ä.) noch heute erhalten; vgl. auch Pfalz im hwb. d. dt. abergl. 8, 1173; erste sichere belege für inlautendes d sind: trude (17. jh.) und trudenhaus (1628) bei Leitschuh hexenwesen 60 bzw. 54; thruden (1657) im siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85a; truden Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 492; ungewisz ist, ob der fingierte mittelalterliche ortsname Trudentrül Buck a. a. o. bereits hierher gehört; seit dem 18. jh. ist das inlautende d, vielleicht unter einflusz von Trude (für Gertrud), in literarischen denkmälern allgemein gebräuchlich geworden. auf ursprüngliche kürze des stammvokals, wie ihn Fischer schwäb. 2, 419 für die südlichen schwäbischen mundarten noch als üblich verzeichnet, weist die schreibung des folgenden dentallautes als tt hin, die bis ins 17. jh. häufig vorkommt: trutten (15. jh.) bei Keller erzähl. aus altdtsch. handschr. 320, 36; (1451) bei Diefenbach-Wülcker 371; voc. theut. (1482) bb 2a; Seb. Franck und Christoph Wirsung bei Fischer schwäb. 2, 419; drutte Serranus (s. teil 2, 1453); trutten Fischart (s. u.); (1619) siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85a; Joh. Prätorius (s. u.); drutte, trutte Stieler 340; auch der reim truten: darbuten passional 395, 77 K. deutet gemäsz dem reimgebrauch des dichters auf kürze des vokals. kurzes u setzen auch die verdumpften formen voraus: drotte Weismann lex. bipartit. (1725) 2, 99b; nachttrotten (1786) s. u.; trottenfusz teil 2, 1455; Fischer schwäb. 2, 420; 6, 1781: trottenkopf sp. 1081. das wort gehört wesentlich apokopierenden mundarten an, weshalb auch die einsilbige form schriftsprachlich ebenso geläufig ist wie die volle; früheste belege sind trut voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5a; voc. primo ponens (1515 Hüpfuf) c 4b und bei Schmeller-Fr. 1, 649. auszerhalb des deutschen ist das wort nicht sicher nachzuweisen. das teil 2, 1453 verzeichneten. drude ist nach ordbog over det danske sprog 3, 1014 aus dem dt. entlehnt. wien. drude in der verbindung jomfru Drude 'jungfer Naseweis' beruht wohl auch schonisches druda (schimpfwort für ein liederliches frauenzimmer) Rietz svenskt dialectlexikon 99b auf dt. Trude aus Gertrud, s. ordbog a. a. o. der hinweis von teil 2, 1453 auf faröisch trut bei Finn Magnussen lex. myth. 668a beruht auf einem versehen; auch findet es sich nicht bei Jacobsen-Matras fœrøisk-dansk ordbog. man hat trude in etymologischen zusammenhang gebracht mit dem altnord. walkürennamen þrûðr, eigentlich appellativ 'kraft' (teil 2, 1453; Schade altdt. wb. 2, 932; Weigand-Hirt 1, 384; M. Heyne 1, 611), mit ahd. mhd. trût = nhd. traut (teil 2, 1453; Fischer schwäb. 2, 419 und Kluge-Götze 115b) und mit got. trudan (an. troða) 'treten' (Schmeller-Fr. 1, 649; Schöpf tirol. 760; E. H. Meyer mythol. d. Germanen 131; Güntert Kalypso 70; Ranke im hwb. d. dt. abergl. 8, 1173). gegen die beiden ersten deutungen spricht die kürze des vokals, sieh oben (vgl. auch Ranke a. a. o. 1174 und Mogk in: Pauls grundrisz 32, 268). die herleitung von got. trudan, an. troða aber wird gestützt durch anderweitige bezeichnungen nächtlicher druckgeister mittels nomina agentis von verben des drückens, tretens, lastens u. s. f., z. b. süddeutsch, bes. tirol. 1stempe, s. teil 10, 2, 2321 und wörter u. sachen 1, 21, frk. trempe mythol.4 1, 231; 3, 90 und auszerhalb des deutschen frz. cauchemar (zu lat. calcare), ital. pesaruole, span. pesadilla (von pesar 'lasten, drücken') bei Güntert a. a. o.; zum gebrauch des ausdrucks 'treten' bei alpartigen erscheinungen sieh hwb. d. dt. aberglaubens 1, 292. in früherer zeit dachte man auch an beziehungen von drude, trude zu druide, s. teil 2, 1456, was zu gegenseitiger verwechslung der beiden bezeichnungen führte; trute, drude statt druide: Aventinus ... redt, als ob auch die truten (randbemerkung: druiden), die er ... der Teutschen prediger nennet, zauberer weren gewesen Fischart Bodin (1591) 131a; die alten, kühnen degen gehn noch auff unsren wegen, die ihrer druden lieder nicht lieszen kummen nieder Logau sinnged. 530 Eitner; (Lessing bemerkt zu der stelle: druden, ... wofür wir itzt druiden sagen 7, 369 Lachmann-Muncker); vgl. auch Matth. Hammer rosetum histor. (1654) 203 f.; Chr. v. Stolberg (teil 2, 1453) und Klopstocks drüden (teil 2, 1456 s. v. druide); vgl. Joh. Prätorius (1668) unter trudenfusz. drude wird teil 2, 1454 in Schillers druidenbaum vermutet; vgl. auch druytenfusz für drudenfusz bei v. Querfurth herald. terminologie 159. trud(e), f., flektiert gewöhnlich nach der n-deklination: einer trutten (15. jh.) bei Keller erzähl. aus altdtsch. handschr. 320, 36; truten (acc. pl.) Berthold v. Regensburg (s. u.); der truten (gen. pl.) passional 395, 77 Köpke; trutten (nom. pl.) voc. theut. (1482) bb 2a; Seb. Franck (teil 2, 1453) u. a. im sg. hat sich heute beim fem. wie allgemein die form des nom. sg. durchgesetzt; aber auch in älterer zeit begegnet einmal der dativ der trut bei Schmeller-Fr. 1, 649. schwache flexion des masculinums truden bei Adelung wb. 1, 1562; doch findet sich auch starke flexion: dem trudt Schwandner (1670) s. o. bedeutung und gebrauch. trude bezeichnet ein alpartiges gespenst im bair.-österr., schwäb. (vereinzelt schweizer.), siebenbürg.-sächs., sächs., schles., daneben allgemeiner 'hexe' im bair.-österr., schwäb., siebenbürg.-sächs., westl. md. und ostfrk. die bedeutung 'hexe', die als alleinige nur in mundarten vorkommt, in denen das wort im aussterben ist, ist der etymologischen herleitung gemäsz als sekundär aus dem spezielleren begriff 'alpartiges wesen' entwickelt anzusehen, im unterschied zu der entwicklungslinie von alp (entgegen Mogk a. a. o. 32, 268). zum sachlichen vgl. hwb. d. dt. aberglaubens unter trude 8, 1173f. und alp 1, 281-305; zu der herrschenden vorstellung, dasz es sich bei den truden um lebende menschen handele, die sich in alpartige wesen verwandeln können s. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 288, ferner Schmeller-Fr. 1, 648, siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85b und Bucher, Zingerle, Kulda in teil 2, 1453 f. unter drude 2; über plattfüszler als truden s. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 289, bei Lexer kärnt. 73 und in teil 2, 1455 s. v. drudenfusz 1; vgl. auch bad. wb. 1, 575b. 11) ein weibliches gespenst, das das alpdrücken verursacht. zufrühest bezeugt als umschreibung von ahd. mara, f., in einer von jüngerer hand nachgetragenen glosse einer handschrift des 9. jhs.: scitropodes mara, truta ahd. gll. 4, 27, 1 St.-S. (die bedeutung des glossierten wortes bleibt fraglich; Schmeller-Fr. 1, 649 denkt an σκυθρωπότης 'finstere, mürrische wesensart'; daneben ist zu erwägen scytropodes = χυτρόποδες, χυτροπόδιον bei Graff 4, 361 s. v. kuchmari und Diefenbach gl. 124c s. v. chytropus; im zweiten falle könnte mara verderbtes kuch mara [nom. pl.] sein, das der truta nachtragende schreiber im sinne von trude deutete); trut succubi, demones, qui se in specie mulierum incumbunt cum viris voc. inc. teut. (c. 1471) gg 5a; voc. primo ponens (1515 Hüpfuf) c 4b; (eine ehebrecherische frau zu ihrem manne, der an ihrer statt einer untergeschobenen stellverireterin des nachts zur strafe für die untreue die haare abgeschnitten hat und sich wundert, sein weib am nächsten tage ungeschoren zu sehen:) ich wen, euch betrig der alp ... (zu anderen gewandt:) nu seht aldo, das er vil unrecht gicht und mich gelogens zicht (nämlich des ehebruchs). die (haare) seint einer trutten gewesen, ja bin ich heint wol genesen (15. jh.) bei Keller erzähl. aus altdt. handschr. 320, 36; zwen ... zäuberer, die stäts inn weibsgestalt alpen oder underliglinsteuffel und trutten oder schretel zu gefärten hatten Fischart Bodin (1591) vorr. 2b; die tätigkeit der truden wird wie bei andern nachtdruckgespenstern gewöhnlich als drücken bezeichnet: si credit se mulierem in nocte premere i. e. trutam bei Schmeller-Fr. 1, 649; incubo infestari, vexari wann ein die drut truckt Schönsleder prompt. (1647) l 7b; hat enk eppa die trud druckt? bei Schlossar dtsche volksschauspiele 1, 291; vgl. Anzengruber ges. w. (1890) 3, 157 und Castelli, Panzer, Zingerle in teil 2, 1453 f.; Joh. Prätorius kennt als bezeichnung alpartiger wesen: trutte oder frau trutte anthropodemus plutonicus (1666) 4; wo sie nicht ... nach der warheit verfahren würde, wollte er heute nacht eine trud über sie schicken Joh. Beer teutsche winternächte (1682) 450; wenn aber die trud über sie kommt und erwürgt sie Ph. Hafner ges. lustspiele (1812) 2, 248; in der nacht träumte mir, er laste wie eine trud auf meiner brust Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 64. an alpartige gespenster ist auch bei den als truden bezeichneten wesen zu denken, die blut saugen, vgl. hwb. d. dt. aberglaubens 1, 293; Mareta österr. (1865) 14b; Lexer kärnt. 73; siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85a: so spricht maniger tummer leib, die trutte sei ain altes weib und chumme die leute saugen. und etleich die gelauben, der alpe minne die leute Vintler pluemen d. tugent 7797 Zingerle; lamia drut, alb voc. tril. (Prag 1723) bei Diefenbach nov. gl. 227b; (der eiferer,) der wie eine trud blutvöllerisch an dem dorf gezecht Watzlik der alp (1923) 148. vgl. auch das compositum nachttrutten incubus Wirsung bei Fischer schwäb. 2, 419 und Thurneisser in teil 7, 171; nachttrotten (1786 im württembergischen) bei Haltrich z. volkskde d. Siebenbürger Sachsen (1885) 320. 22) ein weibliches gespenst, eine hexe, eine zauberin oder fee: saga ein zauberin oder drutte, venefica ein drutt Serranus (neben der bedeutung incubus) s. teil 2, 1453; saga et venefica Stieler 340; Frisch (1741) 1, 209c; (der bauer,) der zumal aberglaubig was, den alten unhulden zumasz, was unglücks ihm zustund auff erd. wurd etwan ihm ein hinckent pferd oder thet ihm ein ku verseyhen (die milch ausgehen so thet ers als die druthen zeyhen lassen), Hans Sachs 9, 271, 9 Keller; 9, 274, 30 K.; 17, 248, 2 K.-G.; (Jupiter) hat der böszen welt geschworn, dasz er mit plitz, hagl und dunder woll zu ir lassn schlagn hinunder. ein trutt soll helfen zu den sachn und ein heftiges wetter machn J. Ayrer 2497 lit. ver.; vgl.trude und regentrude Storm s. w. (1904) 2, 243, 220; wir haben das eisenkraut ins korn gezettelt, nicht dasz es die thruden hinweg sollten führen (1657) siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85a; in diesem jahr (1627) hat man zu Zeil auf ein neues angefangen truden zu brennen, denn sie haben bekennt, dasz sie das vorige jahr alles erfrört haben (17. jh.) bei Leitschuh hexenwesen (1883) 60. als kinderschreckgestalt: man schrecket noch bei den Teutschen die kinder mit der trutten Fischart Bodin (1591) 131a; schweig, die drude kommt Matth. Hammer rosetum histor. (1654) 203; in der gleichen wendung bei Flögel, s. teil 2, 1453. als bezeichnung einer zauberin oder fee nur in literarischen denkmälern: der trude, welche ihr (dem neugeborenen mädchen) den untergang geschworen, war nicht im horoskop gedacht Wieland s. w. (1794) 17, 274; ... eine zauberin ... ... muszte pathin seyn. was bind ich, sprach mit holdem munde die gute fey, dem herrchen ein? weyht ihn, sprach der papa, zum siege durch löwenkraft schon in der wiege. nein, rief die wackre trude, nein! ... ein kind mit riesenstärke wäre das ärgste raubthier der natur Pfeffel poet. versuche (1812) 4, 137; Göthe IV 10, 355, 18 W. zur vorstellung der truden auch als wohlwollender geister wie oben bei Storm, Pfeffel und Göthe vgl. siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85a und Zingerle Tiroler sitten 37 (vgl. teil 2, 1453 unter drude 1). in einer reihe von fällen läszt sich nicht ausmachen, ob eine hexe schlechthin oder das den alpdruck erzeugende wesen gemeint ist: secundum, quod de nocte vadunt et hujusmodi (nach Schönbach am unten angegebenen orte s. 22: der nächtliche geisterritt), non debes aliquo modo credere nec ... pilwiz, nahtvaren, nahtvrowen, maren, truten. ... totum sunt demones Berthold v. Regensburg in einer missionspredigt 'de fide' in: Wiener sitzungsber. phil.-histor. classe 142, 7, 18; do noch Bernhardus was ein kint, do wart daz houbt im we tun ... nu quam ein alde vrowe, ein volgerinne der truten, daz kint si ir darbuten, wand si im buzen (das kopfweh besprechen) wolde passional 395, 77 Köpke; mit trutten faren in einem excommunicationsgesetz von 1451 bei Diefenbach-Wülcker 371; des teufels anhang als den hexen, unholden, drutten (1583) bei Fischer schwäb. 2, 419; Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 492; die tänze der hexen, truden und unholdinnen F. M. Böhme gesch. d. tanzes (1886) 22. 33) wie hexe als schelte und abfällige bezeichnung gebraucht für ein häszliches weib Jacob Wien 196a; eine träge, schmutzige weibsperson Mareta österr. (1865) 14b; Neubauer Egerländer ma. 52a; widerliche weibsperson, falsches weib, altes verschlagenes weib, hure Fischer schwäb. 2, 419; gänsfüszige trute eine schelte für plattfüszige alte weiber bad. wb. 1, 575a (für Konstanz); als schelte für eine betrunkene bäuerin bereits bei Ayrer, s. teil 2, 1454 unter drude 3; vgl. auch 3trudel und trudweib. die herleitung von Trude (aus Gertrud), wie sie für die sp. 1235 genannten skandinavischen entlehnungen mit ähnlich abfälliger bedeutung angesetzt wird, ist für die hier aufgeführten nicht wahrscheinlich. denn sie treten nur in einem gebiet auf, das auch die bedeutungen von trude 1 und 2 kennt, und begegnen in der gleichen lautform wie die jeweiligen mundartlichen bezeichnungen für trude 1 und 2. sekundäre anlehnung an Trude ist immerhin vorstellbar. 44) als bezeichnung eines männlichen alpartigen gespenstes läszt sich das wort seit dem 15. jh. nachweisen, s. o. sp. 1233ff. und drude 4; mit ausdrücken des drückens vgl. oben voc. incip. teut. (c. 1471) gg 5a u. a., ferner: druckend drut incubus, daemon Serranus synon. (1552) 53a; der trute hat mi gidruckt Hintner tirol. dialektforsch. 42. ungewisz bleibt es, ob das wort auch soviel wie 'hexenmeister' bedeuten kann Adelung wb. 1, 1562; Sartorius Würzburg 33. 55) das wort findet sich häufig in zusammensetzungen, s. teil 2, 1454-56 und unten sp. 1240ff., gewöhnlich in der form truden- (druden-), mundartlich auch trude-, s. Fischer schwäb. 2, 420; 6, 1781; Martin-Lienhart elsäss. 1, 151a; 2, 951a; siebenb.-sächs. wb. 1, 85bf.; westfäl. trudemannekes zs. d. ver. f. volksk. 8, 114; gelegentlich begegnet auch trud- u. ä. in trottfusz Fischer schwäb. 6, 1781; trudmann ebda; trudweib Watzlik Phönix (1916) 136. häufig tritt das wort in orts- und flurnamen auf, vor allem in zusammensetzung mit bach, baum, berg, platz, stein, tal, weg, vgl. Buck obd. flurnamenbuch 50; Unger-Khull steir. 177a; Fischer schwäb. 2, 420; siebenbürg.-sächs. wb. 2, 85b; Kramer Bistritz 135; fürs moselfrk. Kisch vergleichendes wb. d. Nösner u. moselfrk.-luxemb. ma. 226b; fürs thüring. L. Gerbig flurnamen d. herzogt. Gotha u. forstnamen d. Thüringer waldes 218.
20260 Zeichen · 610 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    TrudeDie

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Die Trude , Mz. — n , ein Wesen, welchem höhere Kräfte zu Gebote stehen etwas zu bewirken; zum Unterschiede von Hexe , w…

  2. modern
    Dialekt
    Trud(e)

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Trud(e) II [Trýtə Hi. ; Trýt M. ] f. Kindertrompete M. ; Blasinstrument Hi. Demin. ‘Drühtel Zwiebelrohr ’ Str. Ulrich.

Verweisungsnetz

14 Knoten, 11 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 10 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trude

72 Bildungen · 69 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

trude‑ als Erstglied (30 von 69)

Trudel1

MeckWB

Trudel 1 , -t- f. Schelte für eine Frau Wo. Sa.; Dim. Liebchen: Trutelken voer, un Trutelken achter J. H. Voss Geldh. 69; Kosewort für ein K…

Trudel2

MeckWB

Trudel 2 f. Gertrud, im Neckreim: Trudel Mit 'n Pudel Wo. V. 4, 429.

Trudelarsch

PfWB

trudel·arsch

Trudel-arsch m. : 'das bei einer dicken weiblichen Person beim Gehen sich hin und her drehende Gesäß', auch die in solcher Weise gehende Per…

Trudelbaud'

MeckWB

Trudelbaud' f. Würfelbude: Trüdelbod' Sta AStrel .

Trudelbohrer

PfWB

trudel·bohrer

Trudel-bohrer m. : 'Bohrkurbel', Trurelbohreʳ (drūrəlbōrəʳ) [ KU-Kaulb ]. — Zu trudeln .

Trudeldisch

MeckWB

trudel·disch

Trudeldisch m. Tisch, auf dem der Zunftgeselle mit dem Trudel bestraft wurde Wi Brüel .

Trudeldraht

PfWB

trudel·draht

Trudel-draht m. : ' der im Abstand von etwa 20 cm beidseitig zum Länderichdraht verlaufende Draht ', Trudeldroht [ LA-Rhodt ]. — Der erste W…

Trudeldus

MeckWB

trudel·dus

Trudeldus n. in Anlehnung an trudeln 1 entstelltes Trojedus: De Voß spelt Schapskopp mit den Ganten Un Oß un Esel Trudeldus Reut. 7, 124.

trūdelen

WWB

trud·elen

trūdelen V. [verstr.] 1.1. (von einer Kugel) langsam (über den Erdboden) rollen ( Isl Is ). De Kuegel trūdelt ( Dor Wl ). — 1.2.1. sich lang…

trudeleⁿ

Idiotikon

trudeleⁿ Band 14, Spalte 344 trudeleⁿ 14,344

Trudelfiken

MeckWB

trudel·fiken

Trudelfiken n. wie Trudel 1 f.: oll Trudelfiken, di hett de Äsel pedd't Gü Göll .

trudelig

PfWB

trudelig Adj. : 1. 'trüb', von Flüssigkeiten, deren Bodensatz aufgerührt wurde, Gegensatz von klar, truddelich [Pirmas NW-Haßl Spey PfId. 36…

Trudeligmacher

PfWB

trudelig·macher

Trudelig-macher m. : ' wer gern Verwirrung stiftet '. E Trurlichmacher is e Mann, wo alles dorchenanner macht, wo net sehe kann, daß ebbes g…

trudelkätzchen

DWB

trudel·kaetzchen

trudelkätzchen , n. , vereinzelte bezeichnung für ein studentenliebchen: je, die armen jungfern! ihr müst die armen trudelkätzgen auch noch …

Trudelkutt

MeckWB

trudel·kutt

Trudelkutt f. herabsetzend Mädchen, im Tanzreim: Trudelkutt, wo wist du hen? Ro Bast .

Trūdelmütse

WWB

Trūdel-mütse f. Mütze mit→ ²Trūdel ( Dor Wl).

Trudelmusch

MeckWB

trudel·musch

Trudelmusch f. dass. , im Reim: Trudelmusch, wis' mi dinen Knei Wi NKlost .

trudeln

DWB

trud·eln

trudeln , vb. , rollen, sich wälzen, sich drehend bewegen; aus der mundart ( bes. nd. und md. ) in die schriftsprache aufgenommen. nach Mens…

trudeln1

MeckWB

trudeln 1 , -ü- 1 a. rollen: trudeln Mi Nachtr.; Sta Helpt ; bargdal trudeln: Firm. 3, 73 a ; trüdeln Sta Zirt ; wi willn supen, dat uns de …

trudeln2

MeckWB

trudeln 2 , -t-, -ü- 1. liebkosen: se ... lacht so leef un trutelt mi J. H. Voss Wint. 122; Väl bäter äm de Sturt vergaiht Dörch Trudeln un …

Trudelnest

PfWB

trudel·nest

Trudel-nest n. : 'zur Schnecke gewundenes Frauenhaar', Druelnescht [ KU-Bedb ]. —

Trudelreif

MeckWB

trudel·reif

Trudelreif -reifen m. wie Heißel: -reif Ha Gothm ; -reifen Gresse.

Trūdelsak

WWB

trudel·sak

Trūdel-sak m. a) Akkordeon; Ziehharmonika. — b) Dudelsack ( Bri Nf).

trude als Zweitglied (3 von 3)

veltrûde

MNWB

velt·rude

veltrûde „fumus terre”, Fumaria officinalis , Feldraute, Feldrauch, Erdrauch.

witrude

KöblerMnd

wit·rude

witrude , F.? nhd. „Weißraute“?, eine Pflanze? ÜG.: lat. eriniola? E.: Herkunft ungeklärt? L.: Lü 589b (witmilte/witrude)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „trude". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/trude/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „trude". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/trude/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „trude". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/trude/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_trude_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„trude"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/trude/dwb},
  urldate      = {2026-05-13},
}