superintendent,
m. ,
wörtlich '
oberaufseher'
; zu spätlat. '
superintendens' ein vff seher
vel druber seher Melber (1482) Cc 7
a.
die gewöhnliche amtsbezeichnung für den geistlichen leiter einer gröszeren verwaltungseinheit in der evangelischen kirche. form. die lat. partizipialendung des nominativs erscheint in älterer zeit häufig neben dem von den obliquen kasus her im deutschen festgewordenen auslaut -t: der superintendens (
sächs. kirchenordn. von 1539)
corp. iur. sax. (1672) 257; herr L. Georg Seidel, damahliger superintendens Chr. Lehmann
hist. schaupl. (1699) 441; ein ungarischer superintendens Ph. J. Spener
theol. bedenken 3 (1721) 201;
auch in den deklinierten formen begegnet manchmal noch die lat. flexionsendung: dem superintendenti (1581)
brandbg. kirchenvis.-absch. 1, 148
Herold (
s. u. 2);
Zimmer. chron. 2, 436
Barack (
s. u. 1);
gelegentlich unflektiert: bei dem superintendent (1592)
Schles. kirchen- u. schulordn. 79
Jessen-Schwarz. anderseits erscheint der deutsche plural superintendenten
schon im 16.
jh. fest: (1542)
Schles. kirchen- u. schulordn. 37
Jessen-Schwarz; (1558)
ebda 43; (1559)
dtsche hofordn. d. 16.
u. 17.
jh. 1, 99
Kern; der ansatz zu volkstümlicher pluralbildung blieb ohne folge: wider die newen superintendentens J. Nas
examen (1581) 350;
eine eigenartige zwitterform taucht im 17.
jh. hoch: die landes-eltiste, superintendens vnd seniores (1656)
Schles. kirchen- u. schulordn. 344
Jessen-Schwarz; cantzler und räth oder andere grandes, hofprediger und superintendens Schupp
schr. (1663) 42. —
das unförmige wortgebilde regte den sprachlichen spieltrieb des 16.
und 17.
jh. immer erneut zu spott, klangangleichungen und lautverdrehungen an: so gebt vns nun vnsere glockenformliche wächter vnnd superinten tint tint tint tent (hei, kan ich ausz dem tinnenden, tönenden veitzdäntzlingischen langententlingischen namen nicht kommen) super in tent dentliche vorsprechen Fischart
Garg. 243
ndr.; sihe wol ein dollheit, so jetziger zeyt niemandt mehr drohet, gebeut und schröckt ohn beuelch dann die losen predigcantzen vnd suppeninhendten J. Nas
antipap. 4, 343
b; was diese für trefliche moralisten seyn, betracht vnter allen nur allein einen suppenschlerfendenten oder einen fressdrekanten Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 153;
vgl. O. Weise
zs. f. dt. wortf. 2, 10.
es fordert immer wieder kritik heraus: superintendent ist ein überlanges fremdes wort Fr. L. Jahn
w. 1, 221
E.; von Schottel
haubtspr. (1663) 284
wird es als erträglich verteidigt. die mundarten erleichtern sich die aussprache der monströsen bildung: supperdent, superindent Albrecht
Leipz. ma. 22; Müller-Fraureuth 2, 589
b; super(e)ndent Meyer-Mauermann
Berliner9 175
a; supperdent Mensing
schlesw.-holst. 4, 939; zupperdente Flemes
Kalenberg, nachtr. 111; Deiter
Hastenbeck, nachtr. 67;
mit volksetymologischer anlehnung an präsident: supresendent Leithäuser
Barmer wb. 115
b.
entsprechend in mundartnaher und volkstümlicher dichtung; ich ruf ein mädel zu mir hin: ... 'wer wohnt denn da?' — der supperndent Boie (1868) 336
Weinhold; mit der kirch ist es heut besonders bewendt, es predigt drin der superdent Tieck
schr. (1828) 2, 330 ('
Rotkäppchen'); und wenns gut geht, krieg ich sie zu mir ohne den supperdent O. Ludwig
ges. schr. 2, 54
E. Schm.; der herr superndent
ebda 2, 348.
dasz auch die umgangssprache der gebildeten seit alters solche volkstümliche verkürzung liebt, beweist das häufige auftreten entsprechender formen in der literatur: das lange lied ..., das der superintend gemacht Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 8; es hatte graf Georg ...
m. Christoph Fischern zum decano und superintend nach Schmalkalden gesetzt J. C. Geisthirt
hist. Smalc. 1, 62; ihr tip ... mag sie nehren und bald als suprintenten sehn Günther
ged. (1735) 638; der suprintend fieng an die bauern zu erbaun Gellert
s. schr. (1784) 1, 208; Herder wird generalsuperndendt Göthe in:
d. jg. Goethe 3, 137
Bernays. gebrauch. im 19.
und 20.
jh. dienstbezeichnung für den geistlichen leiter eines bestimmten kirchensprengels in den evangelischen landeskirchen Nord- und Mitteldeutschlands mit ausnahme Schleswig-Holsteins, Mecklenburgs und Braunschweigs, die dafür probst
kennen; Süddeutschland einschlieszlich Hessens und Nassaus sagt dekan,
Österreich dagegen seit dem toleranzpatent von 1781
ebenfalls superintendent.
im umgangsdeutsch des hessischen ist dafür metropolitan
volksläufig: Hamann
schr. 5, 160
Roth (
s. superintendentur 1); Hans Grimm
volk ohne raum 39
volksausg. im 3.
jahrzehnt des 20.
jh. in Thüringen zu oberpfarrer,
in Kurhessen und Waldeck zu kreispfarrer,
in Anhalt zu kreisoberpfarrer
amtlich verdeutscht. das wort hat sich seit 1800
in Nord- und Mitteldeutschland gegenüber anderen daneben üblichen bezeichnungen durchgesetzt: da die directores in einer (
lutherischen landeskirche) bischöffe, in der andern äbte, in der dritten superintendenten, in der vierten pröbste, in der fünften inspectores, in der sechsten pastores primarii oder secundarii heiszen Zinzendorf
περὶ ἑαυτοῦ (1747) 267;
seit diesem zeitpunkt ist es ihnen in Süddeutschland erlegen: superintendent, in Ober-Teutschland unter den evangelischen einer von den inspectorn über die geistlichen einer dioeces ... die auch in Niederteutschland inspectores heiszen Frisch
teutschlat. wb. (1741) 2, 357
b;
vgl. Fischer schwäb. 5, 1962;
auch im übrigen Deutschland hatte es früher einen weiteren geltungsbereich: er liesz sich von dem superintendenten Lütkemann in Wolfenbüttel noch eine vorrede zu seinem weinstock Christi (1652) schreiben Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. (1853) 3, 255; in Güstrow hatte 1662 der superintendent ein geldsalar von 400 thlr. Tholuck
vorgesch. d. ration. 1, 85.
während des 16.
jh. stand das wort in beliebigem wechsel mit superattendent (
s. d.). 11)
im 16.
und 17.
jh. als blosze begriffsbezeichnung, nicht als feststehender titel für ein bestimmtes amt verwendet. in der allgemeinen bedeutung '
oberaufseher': das sie ... eltisten vnd diacon in ein jede stat verordnen ... vnnd ein fleissigs aug als jre oculi vnd superintendenten auff sie haben sollen Mathesius
Sarepta (1571) 151
a.
bestimmter für einen höheren aufsichtsbeamten in den verschiedensten zweigen weltlicher verwaltung: derhalben denn die fürstenbergischen amptleut ... schreiben eilends graf Christoffen von Werdenberg als irem superintendenti, mit beger, inen etliche pferd zu schicken, auch sein landschaft im fal der not ufzumanen
Zimmer. chron. 2, 436
Barack; so verordene vnnd will ich, das Lobkund vber alle vitzthom, pfleger, verwalter, schösser vnd amptleut ein einseher, superintendent, episcopos, landshauptman vnd oberhaupt ... seie Fischart
Garg. 432
ndr.; das collegium sanitatis ... haben verwaltet: ... der wol-edel ... herr Paulus de Sorbait, phil. & medic. doctor, ihro majest. der verwittibten kaiserin Eleonorae leibmedicus, wie auch superintendent desz lazareth Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 180;
von den landesherrlichen aufsichtsbeamten der universitäten: der herr president sampt den andern herren superintendenten (
oberburggraf und kanzler) des Konigspergischen collegii haben vom herrn rector etzliche beschwerliche hendel (1548)
urk.-buch z. reformationsgesch. 3, 197
Tschackert; die inspectores der universität Prage werden auch superintendenten genennet Nehring
hist.-pol.-jur. lex. (1717) 917; Sperander (1728) 706;
vgl. u. 3 schulsuperintendent.
gelegentlich und noch früher auch in der katholischen kirche üblich Seiler
kultur im spiegel d. lehnw. 3, 23; '
in der römischen kirche waren es schon vor alters gewisse aufseher über die geistlichen einer diöces, welche unter dem bischof standen' Adelung 4 (1780) 885: die kirchengüter werden den prelaten und superintendenten vertraut
narrenschiff 260
b bei Frisch
teutsch-lat. wb. (1741) 2, 357
b;
vgl.superattendent 1.
später von rein aufs kirchlich-religiöse beschränkten geistlichen aufsichtsbeamten in der katholischen kirche nur in geschichtlicher anlehnung an diesen ehemaligen sprachgebrauch: auch die nicht-protestirenden hätten es gern gesehen, wenn die geistliche gewalt den bischöfen, die zu eigentlichen fürsten geworden waren, in ganz Deutschland abgenommen und an superintendenten übertragen ... worden wäre Ranke
s. w. 37, 104. 22)
seit der entstehung der evangelischen landeskirchen im 2.
viertel des 16.
jh. wird das wort feste amtsbezeichnung, von deren träger es einen genau umgrenzten pflichtenkreis und eine bestimmte beamtenrechtliche stellung in bezug auf kirchliche und schulaufsicht innerhalb der kirchlichen verwaltung angibt: '
ein geistlicher unter den lutheranern, der das amt eines bischoffs führet' Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1927: '
superintendent oder ober-pfarrer, ein oberaufseher über die pfarrer, geistlichen und kirchensachen' Nehring
hist.-pol.-jur. lex. (1717) 917; '
womit insgemein in den protestantischen und absonderlich der augspurgischen confession zugethanen kirchen der ober-pfarrer einer stadt oder eines gewissen sprengels anstatt des in der römisch-catholischen, griechischen und englischen kirche eingeführten bischöfflichen titels beehret wird'
Chomel 8 (1757) 1805.
der älteste beleg steht in der chursächs. instruktion für die visitatoren von 1527: so achtenn wir noth sein, das in etzlichen vnnd denn furnembsten stettenn die pfarrner zu superintendenthen vnd auffseher vorordennth, vnnd denselbigen befholen werde, inn die vmbliegende kraisse der stett, dar innen sie seint, auffsehen vnd aufmercken zu haben
bei Ä
m. L. Richter
evang. kirchenordnungen des 16.
jh. 1, 81; so offt ein pfarr, diaconat oder andere kirchendienst ... erledigt, dasz ... alsbald durch den superintendenten, dahin solche pfarr oder kirchendienst gehörig, in das consistorium, dem er unterworffen, geschrieben werde (1539)
corp. iur. sax. (1672) 257, nach dem die kirchen-diener in allem ... der christlichen gemein ein gut exempel vorzutragen schuldig, sollen zuförderst die superintendenten sich befleiszigen, dasz nicht allein die prediger und ihre diaconi, so offt die offentlichen predigten gehalten, allewege sich bey denselben finden, sondern auch die superintendenten und pfarrer selbst darinnen seyn (1580)
ebda 69; weme sie dieselbigen (
stipendien zum studium) vorleihen werden, die sollen die also vorliehen behalten, alleine, dasz man uns oder unserm superintendenten dieselbigen, denen die vorleihung gescheen, auch anzeigen soll (1550)
ständeakten Joachims II. 1, 732
Fried.; das e. e. r. alhier zu Pritzwalck vmb einen andern gelerten vnnd friedsamen mahn sich bewerben vnnd ..., do derselbe
s. churf. g. gefellig vnnd leidlich, ... von dem superintendenti der marck zu Brandeburgk examiniret, auch in examine ihn der lehr vnnd leben richtigk befunden unnd instituiret, ihn das pfarampt ordentlichen gesazt werde (1581)
brandbg. kirchenvis.-absch. 1, 148
Herold. in der festen verbindung mit dem eigenschaftswort gemein
wird es im 16.
jh. im sinne des späteren generalsuperintendent (
s. u. 3)
für den geistlichen leiter einer ganzen kirchenprovinz angewandt, dem zahlreiche superintendenten unterstellt sind: thun wir sie itziger zeit ... an den wirdigen hochgelarten, unsern gemeinen superintendenten, rath und lieben getreuen ern Johan Agricola weisen (1549)
ständeakten Joachims II. 1, 509
Fried.; wan ein pfarrer alhie vorsterbett, sol keinn ander pfarrer zu dem pfar ampt gestadtet werdenn, ... er habe den zuuor von hochgemeltten vnserm gnedigsten hernn die presentation vnd
s. churf. g. gmeinen superintendenten die institution wie gewonlich erhaltenn (1558)
brandbg. kirchenvis.-absch. 1, 311
Herold; vgl. 318.
vom ausgang des 17.
jh. wird das wort ausschlieszlich auf den leitenden protestantischen geistlichen eines kirchensprengels eingeschränkt gebraucht: ein staatsmann, der die bevölkerung befördert, kann also für den himmel ein gröszeres verdienst als ein superintendent haben, welcher letztere nur die sorge über die seelen hat, die schon vorhanden sind Hippel
über die ehe (1774) 28; und dazu warten eilf abiturienten nur noch auf unsern superintendenten! Gaudy
s. w. (1844) 8, 189; ich wollte den brief einschicken an seine vorgesetzten: den superintendenten ... W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 240.
im zusammenhang und vergleich mit anderen geistlichen würdenträgern: solle der pfarrer dem h. seniori undt dieser dem h. superintendenten den nachricht davon geben (1662)
Schles. kirchen- u. schulordn. 356
Jessen-Schwarz; alle schlüsse, die man von den personen der päbste, bischöffe, superintendenten und pfarrherrn ... auf ihre gemeinen macht Zinzendorf
gegenwärtige gestalt (1745) 16; päbsten und consistorialräthen, cardinälen und superintendenten, bischöfen und hauptpastoren, bettelmönchen und predikanten Zimmermann
einsamkeit 2, 499; o könnt ich wie zu einem feierschmaus die ganze klerisei der christenheit einladen! von dem eisgestade her den dummen popen ... den superintendenten und den probst Stolberg
ges. w. (1820
ff.) 3, 32; da müszten die herren archidiakonen und superintendenten um ihr ehrbares kostüm ersucht haben Hauff
s. w. (1890) 3, 23.
als blosze berufsangabe: neben Ringwaldt ist Ludwig Helmbold (1532-98) der gesegnetste liederpoet dieser zeit. er stand zuletzt als superintendent in Mühlhausen Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 3, 34; demnach i.
f. g. inmittelst ... herrn Lenhardt Kreuzheim, superintendenten in Liegnitz, wegen vermeinten verdachts des Calvinismi geurlaubet hatte Schweinichen
denkw. 409
Österley; (
er fällt) ein vernünftigeres urtheil ... als sein nachbar, der superintendent Nicolai
Nothanker (1773) 1, 21; erst gegen mittag kamen sie, der superintendent Hoppenstedt nebst seiner frau Caroline 1, 269
Waitz; der superintendent Homuth (
hat) einen ruf als oberpfarrer erhalten Pückler
briefw. u. tagebb. 6, 192; prof. Köthe, nachmaliger superintendent zu Allstedt W. v. Kügelgen
jugenderinn. (1870) 229.
da es sich um eine gehobene stellung handelt, legt man auf verwandtschaftliche beziehung wert: einer so angesehenen familie, welche sogar mit einem superintendenten verwandt war Göthe 21, 83
W.; die Tautenbergs präsentierten sich sehr vorteilhaft, lauter geheimräte, professoren, ein onkel superintendent, der traute H. v. Kahlenberg
fam. Barchwitz (1902) 194.
die erwähnung seiner amtlichen autorität wie seiner geistigen überlegenheit wird gern mit einem kritischen unterton verbunden, der auf menschlich oft unangenehme einseitigkeit und starre rechthaberei hinweist: wer manchen rath, superintendenten, bürgermeister ... anatomiren solte, es würde nichts anders herausz kommen, als gott habe die gemeine nicht ärger straffen können als mit so einem geschnitzten palm-esel, dem man fast göttliche ehre anthun müsse Chr. Weise
d. drei ärgst. erzn. 148
ndr.; wenn es aber einmal ausgesprochen wäre, dasz der schmutz in städten, straszen, häusern und küchen leicht dazu beitragen könnte, die häretiker, irrlehrer, skeptiker, die gefährlichen pastoren und superintendenten fern zu halten, so möchte er fast eine religiöse bedeutung gewinnen Steub
sommer in Tirol (1895) 2, 143; sagt Goethe ... und der wuszte es besser wie sämtliche pastoren und superintendenten der welt G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 20.
auch die aus dieser stellung erflieszende würde bekommt durch unnatürliche übertreibung einen beigeschmack: der superintendent, wenn er auf kirchen- und schulvisitationen zugegen wäre, könnte nicht feierlicher neben ihr herschreiten Holtei
erz. schr. 7, 89.
aber auch die gegensätzliche haltung weltmännischer gewandtheit und grundsatzloser bequemlichkeit fordern spott- und kritiklust heraus: und die kanzel mit dem glatten superintendent garnieret G. Keller (1889
ff.) 10, 98; es war der superintendent aus der kreisstadt, ein behaglicher, runder mann, und als er zu sprechen begann, tönte seine stimme viel zu laut durch den schweigenden raum E. Wiechert
einf. leben (1939) 307;
vgl. superintendentchen
und die klangspielereien sp. 1201
unter form. 33)
als grundwort festgeworden in der zusammensetzung generalsuperintendent, m., der die aufsicht und leitung über mehrere superintendenten hat, vgl. teil 4, 1, 2, 3380.
im 16.
jh. in allgemeiner bedeutung (
vgl. Geiler v. Keisersberg
unter superattendent 1),
daneben und dann ausschlieszlich nur noch als feste dienstbezeichnung des höchsten evangelischen geistlichen jeder kirchenprovinz mit ausgedehnten aufsichtsbefugnissen innerhalb der kirchlichen und schulverwaltung, an stelle des ursprünglich dafür verwendeten gemeiner superintendent (
s. oben sp. 1203): wie denn auch eben daher bey denen erstern (
protestanten) diejenigen, welche die stelle derer bey denen letzteren (
katholiken) so genannten ertz-bischöffe vertreten und also zugleich die aufsicht über mehrere in einem gewissen districte oder kreise befindlichen und sonst auch so genannten special-superintendenten haben, mit dem besondern ehren-titel der general-superintendenten beleget werden
Chomel 8 (1757) 1805;
verzeichnet bei Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1927; Adelung 4 (1780) 885: erstlichen weil die kirchen- und schuldiener ethwan unfleiszig, das man einen generalsuperintendenten wolte bestellen und vorordenen, das derselbe im ganzen churfurstentum der marcke zu Brandemburgk die pfarrern, capellene, kirchen- und schuldiener besuchen und aufsehen haben muge, damit es in den kirchen und schulen ordenthlich zugehen, gottis ehre gefurdert, gute zucht und disziplina gehalten werde (1549)
ständeakt. Joachims II. 1, 432
Fried.; zum ersten haben sie gebetten, einen generalsuperintendenten zu ordenen, der ire kirchen, pfarren, caplan und schulen mochte visitirn, dieselbigen in der lehr und sonst bestendig halten
ebda 1, 509; in denselben alle gebrechen, fehl und mängel ... durch unsere hierzuverordnete politische räthe und general superintendenten, auch andere theologen, nach nothdurft berathschlagen lassen (1580)
corp. iur. sax. (1672) 63; dasz die sämtliche prediger in Stettin den vice-generalsuperintendenten und hofprediger Hornejum auf allerlei weise zu kränken (1727)
acta Borussica, behördenorg. 4, 2, 250; die vorstellungen des lieben alten general-superintendenten Conradi Zinzendorf
περὶ ἑαυτοῦ (1747) 154; eine gesellschaft, worunter sich auch der herr general-superintendente nebst seiner gemahlin befand (1810) Christiane
bei Gräf
Goethes ehe in br. 501; als er sein amt als generalsuperintendent und pastor in Berlin niederlegte Traugott Hahn
aus m. jugendz. (1919) 90.
dafür seit alters in Württemberg und Baden prälat,
in Hessen und Nassau probst
üblich. neuerdings haben Preuszen bischof,
Bayern kreisdekan,
Mecklenburg und die beiden Lippe landessuperintendent
eingeführt. gelegenheitsbildungen: missionssuperintendent, m.: als nun die Hermannsburger mission in Südafrika sich stark ausbreitete ..., gewann er Hardeland für den posten eines missionssuperintendenten Tr. Hahn
aus m. jugendz. (1919) 191. —