schnattern,
verb. tetrinnire, garrire, mhd. snateren Lexer 2, 1026. 3, 367, schnatteren
quelle von 1482
bei Weigand
4 2, 614, schnattern Henisch 897, 18. Hulsius 286
b. Stieler 1886. 1888. Kramer
deutsch - ital. diction. 2 (1702), 616
c. Steinbach 2, 473. Wachter 1498. Frisch 2, 212
a. Adelung. Klein 2, 133. Kehrein 1, 359. Schöpf 638. Tobler 393
b. Jecht 97
b, schnatern Lexer
kärnt. wb. 223,
mnd. snateren Schiller-Lübben 4, 269
b,
nnd. snatern Strodtmann 218.
brem. wb. 4, 884. Dähnert 437
a. Schambach 199
a. Danneil 199
a. ten Doornkaat Koolman 3, 240
b, snattern 241
a. Mi 82
b;
mndl. nndl. snateren,
schwed. snattra,
vielleicht eine lautmalende bezeichnung, vgl. schnatter.
daneben schnadern Stieler 1886. Kramer 2, 616
c.
idiot. austriac. 116. Hügel 141
b. Castelli 247. Schm.
2 2, 584. Birlinger
wb. z. volksth. 82. Stalder 2, 338. Hertel
sprachsch. 213,
so auch bei Lessing
und Schiller
bezeugt (
s. unten 1
und 3), schnaddern Steinbach 2, 472,
nd. snaddern Danneil 199
a. Frommanns
zeitschr. 5, 294,
umgelautet schnäderen Maaler 397
a. Stalder 2, 338. Tobler 394
a. Hunziker 227. Seiler 258
b, schnättere,
schnarren, knarren, heftig zuschlagen 259
b,
nd. snetern, snätern,
schmettern, rasseln, klirren ten Doornkaat Koolman 3, 243
a,
weitergebildet schnätterla Frommanns
zeitschrift 3, 303 (
Vorarlberg), schnäderla, schnätterla Tobler 394
a,
mit anderem suffix schnadelen, schnatteln (
im sinne von 2) Stalder 2, 338,
im sinne von 3: wird man an dir nicht auch was tadeln, das bringst zuwegen mit deim schnadeln? Kirchhof
wendunm. 3, 68
Österley. vielleicht gehört auch das östr. schndseln, ahschndseln,
abküssen Castelli 247
in diesen zusammenhang. eine einfachere bildung schnatten,
schnattern, zu der schnattern
im verhältnis eines frequentativs steht, begegnet nur mundartlich. Schröer 203. 11)
vom geräusch, das enten und gänse mit dem schnabel machen, schnäderen, wie ein endten,
gringrire, glucitare Maaler 359
a, enteren, schnatteren Henisch 897, 18, schnattern,
idem fere quod schnadern (
das nur im sinne von 3
angeführt wird 1886),
sed anatum propr. est, et tetrinnire exponitur. Stieler 1888, schnadern ò schnattern wie eine gans. Kramer
deutsch - ital. dict. 2 (1702), 616
c, schnattern,
crepitare, rostro sonum edere, wie die gänse in einem bach schnattern. Frisch 2, 212
a. Adelung: die ente schnattert. Comenius
sprachenthür (1657) 160; die gänse ... schnatterten ihrem brauche nach. Wiedemann
gefangensch. nov. 71; die gänse schnadern. Kramer 2 (1702), 616
c; dort schnatterte eine gans. Göthe 26, 332; was haben doch die gense getan dasz so vil müszens leben lan? die gens mit irem dadern da da, da da, da da, mit irem geschrei und schnadern. Uhland
volksl.2 439 (
nr. 206); in illo tempore sedebat dominus Martinus, o! ho! bonus ille Martinus inter anseres im stro, und sie waren alle fro, ja fro waren sie alle und schnatterten mit schalle. 440 (
nr. 207); die henne jammert am ufer mit strupfichten federn, und locket die jüngst gebrüteten entchen: sie fliehen der pflegerinn stimme, durchplatschern die flut, und schnattern im schilf. E. v. Kleist 2, 14; schnatternden enten ein raub. Zachariä 1, 293; ja, du trinkst und singst dazu. neider nennen es zwar schnadern; aber, ente, ich und du wollen nicht um worte hadern. Lessing 1, 67; wird nicht der gänse schnattern, nicht das knurren der thüren, das gebell der hunde, dich verrathen? Göckingk
lieder zweier liebenden 51; denn im frühjahr sorget sie schon, im hofe die küchlein bald zu erziehen und bald die schnatternden enten zu füttern. Göthe 1, 342; da begannen mit schnattern sie (
die gänse) auseinander zu flattern. Rückert 12 (1882), 9; hört' ich einen hahn nur krähen — einen dummen entrich schnattern — die erde fühlt' ich wieder! Grabbe 2 (1874), 151.
gnomisch: wenn eine gans schnattert, so schnattern die andern auch. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 3, 117.
in verbindung mit verwandten ausdrücken: die gebratnen gänse, die enten, hühner, spanferkel, kälber-, schafs- und ochsenbraten, schnatterten, krähten, grunzten, blökten, brüllten. Klinger 3, 79; das wiegern, das bölken, das blöken, das tadern, das qwitschen, das zitschen, das pipen, das schnadern, als es iedweders natura gelehrt, lieber der wirt als den dudelbokk hört. Scherffer 137.
freier: da schnattern sie die lieben psalmen dahin, wie die gense das haberstro. Luther 5, 170
a; enten, die aus dem stall zum lang ersehnten futtern schnattern. Arnim
schaub. 1, 68; ihr (
der Kypris) nur schnattert das gefieder von den teichen dank empor. Bürger 115.
seltener vom storch, schnattern, klappern wie ein storch,
crepitare Frisch 2, 212
a,
von Adelung
als oberdeutsch bezeichnet, schon mhd. so, heute meist hier durch klappern
ersetzt: da begunden snateren die bogn sô die storche im neste. Wolfram
Willeh. 375, 10; er satzte fur in (
der storch vor dem fuchs) ein lauter glas, daʒ was
oben enge und unden wît, darîn er ze der selben zît die guoten spîse gôʒ, die in dem glase alumbe flôʒ, in der begonde er snatern. Hugo v. Trimberg
renner 5455.
vom frosche: di (
spötter) snaterent den abent unde den morgen alse der froske in dem horewe. Diemer
deutsche ged. des 11. u. 12. jh. 38, 17. 22)
als bezeichnung des ähnlichen geräusches, das beim menschen durch das aufeinanderschlagen der kiefer entsteht, schnattern, mit den zähnen klappern,
stridere dentibus. Chytraeus
bei Frisch 2, 212
a,
nach Adelung
nur nd. als snatern, snätern (
so brem. wb. 4, 884),
doch auch in hd. mundarten üblich, schnadeln, schnatteln, schnadern, schnattern Stalder 2, 338, schnattera, schnätterla Frommanns
zeitschrift 3, 303 (
Vorarlberg), schnattern Kehrein 1, 359. Weinhold 86
b und bei hd. schriftstellern bezeugt: wie wird er das klappern und das schnadern an den zehnen bekommen haben? Dornav
amphitheatr. (1619) 1, 590; schnatterte und klapperte mit den zähnen.
Pierot 1, 158; du schnatterst ja, als ob du das fieber hättest. Wieland 11, 163 (
Sylv. 3, 1); warst du nicht eben die memme die anhub zu schnadern als sie riefen: der feind kommt? Schiller
räuber schausp. 4, 5; eh' mich greisen ergreift im moore nebelduft, entzahnte kiefer schnattern und das schlotternde gebein. Göthe 2, 69.
nd. dat snätern der täne,
das zähneklappern brem. wb. 4, 884; snätern vor kulde
ebenda; ik frere, dat mi de täne im koppe snätert.
ebenda. davon snattertannen,
mit den zähnen klappern ten Doornkaat Koolman 3, 241
a. 33)
häufiger mit scherzhafter übertragung für '
unnütz und rasch reden, plappern',
eine seit alter zeit auf hd. und nd. sprachgebiete weit verbreitete anwendung, garrulare, snateren Dief. 258
a, sneteren
nov. gl. 189
b, schnatteren,
inepte et odiose garrire, instar anatis Henisch 897, 18, schnattern, waschen, schwätzen Hulsius 286
b, schnattern,
blaterare, solutissimae linguae esse Stieler 1886,
barbare, et incondite loqui, rusticius sermocinari 1888,
more anseris loquor Steinbach 2, 473, schnattern, vom laut der plauderhafften weiber den sie mit schwätzen machen,
blatterare Frisch 2, 212
a. Adelung,
mundartlich in verschiedenen formen, s. oben das formale. den bedeutungsübergang veranschaulichen stellen gleich der folgenden: wann alte weib und enten, gehörend in ainen see, was sol man dran verquenten, kain vich das snattert mê. Osw. v. Wolkenstein 31, 4, 40.
dann allgemein in obigem sinne: bistu in einem closter, so suochest du die tröst auch die pfeiffhelderlin den gantzen tag, schnaderen und clapperen und würt darnach ein gewonheit darausz. Keisersb.
narrensch. 111
a; garruli oder häher, welche in die zwybelpfeiffen blasen, das ist: nichts denn plaudern und schnattern können. Kirchhof
wendunm. 1, 5
Österley; da sie aufhöret zu schnattern, erzeiget sich ihr der bischof als glaubet er ihr. Bebel
facetiae verdeutscht (1589) 277
b; uns ist mit deim schnattern nicht gedienet. H. Jul. v. Braunschweig 64, 126 (
Sus. 2, 3)
Holland; lasse die leute schnadern bisz sie müde werden.
Lazarillo de Tormes 123; fangen wieder mit einander an zu schnattern. Weise
comöd. 228; er kan braf schnattern,
lingua celebri et exercitata est. Stieler 1886; die weiber thun nichts dann schnadern, wann sie beysammen seynd,
le femine non fanno che cicalare etc. quando sono frà di loro. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 616
c; das maull geth ihnen nit anderst als wie ein gensz-arsch, und da schnaderns hindereinander weck, dasz dem geyer dafür grausen thuet. Schwabe
tintenf. 51; ein schnatterndes gewühl und lachen erfüllte auf einmal wieder den saal. Eichendorff (1864) 2, 148; aber das plappert und schnattert und fragt und unterbricht. Grillparzer (1887) 9, 249; so ein gevater gen irn gevatern beginnet snatern über den gatern. Hugo v. Trimberg
renner 18228; eyn frow ist worden bald ein hätz wann jnn sunst wol ist mit geschwätz und lyplep, schnädern, tag und nacht. Brant
narrensch. 64, 21; de (vorspraken,
advokaten) konen snateren seer behende und hefft doch vaken eynen beschetten ende.
dat nye schip von Narragonien 1726
Schröder; als sie (
die gesellen) sich nun lang haderten und mit einander schnaderten. Waldis
Esop 2, 24, 10
Kurz; nu laszt uns gehn, hort auf zu schnattern, wir wollen heut werden sein gevattern und ihm bringen gut patengeld. Pape
Christiani hominis sors (1617) E 7
a; von etwas schnattern,
davon, darüber schwatzen: aber unsere weiber schweigen entzwischen, doch höre ich sie schon wiederum schnadern, zwar nicht von sich selbsten, auszer, wann ihr eignes lob, nutz und ehr, darbey unterlauffet, sondern nur von andern ihres gleichen. Abele
künstl. unordnung (1670) 89; (
er) holte bei den mädchen nur noch dieses nach: 'ihr seid ein paar gänse und werdet in der kirche nur von eurem lumpenkrame schnattern'. J. Paul
Tit. 2, 47.
mit pronominalem factitiven object: was schnaderstu?
quidnam friguttis? Stieler 1886.
häufiger mit solchem objectsaccusativ neben richtungsadverbien wie daher, heraus, hinein, zusammen: darmit meinte er seine schendtliche sodomitische bossen, welche ehr auffs eusserste und frey herausser schnadert. Kirchhof
wendunm. 1, 273
Österley; dasz
m. Bernhard Schmid etwas daher schnattert, .. dasz musz ich geschehen lassen. Schuppius 800; hier empfangen sie einander und schnattern vielerley zusammen. Weise
comöd. 225; er schnattert so was daher,
verba multa, inornata, et strepentium sine modo graculorum similia blaterat. Stieler 1888; schnattert nicht so ungewaschenes zeug hinein. Eichendorff (1864) 2, 551.
mit äuszerem object neben derartigem zusatz: statt pulverblitz und knattern aus jedem wüsten haus gevattern sehn und schnattern alle lust zum land hinaus. 1, 256.
ähnlich: ich glaube, sie hat das ganze dorf zusammen getrieben, damit sie Jobsen zu tode schnattern sollen. Weisze
kom. opern 2 (1768), 169.
vereinzelt erscheint das wort in der verwandten bedeutung '
durch die nase sprechen': er schnadert, hat eine schnadernde rede,
egli parla del naso. Kramer
deutschital. dict. 2 (1702), 617
a. 44)
seltener in allgemeiner anwendung von lauten, die dem schnattern der gänse, enten ähnlich sind, schnattera, schnätterla,
knacken, knappen, knistern Tobler 394
a, schnättere,
schnarren, knarren, 'tür schnättere,
die thür zuwerfen, auch intransitiv vom zufallen der thür Seiler 259
b,
niederd. snetern, snätern,
rasseln, klirren, schmettern ten Doornkaat Koolman 3, 243
a: in der nacht hörten wir etwas schnättern; da war neben uns ein weyer, den hat man den tag abgelassen, und sprungen die fisch auf der mauer. Th. Platter 54.
in Appenzell sagt man: wenns i-der wand schnatteret, so sterbt neber. Tobler 394
a.