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schwulst

mnd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwulst f.

Bd. 15, Sp. 2751
schwulst, f. (und m.) schwellung, geschwollene stelle, in neuerer sprache besonders in übertragener anwendung: callus, swulst Dief. 91a; tumor, swulst 601a; swolst, swoltz, apostema 41c; mhd. swulst, f. mhd. wb. 2, 2, 793a. Lexer mhd. handwb. 2, 1382, nachtr. 374; älter bezeugt ist geschwulst, s. oben theil 4, 1, 2, sp. 4012; als f. gibt schwulst Clajus gramm. 40, 18 Weidling; schwulst, geschwulst, f. enflure, infiatura Hulsius dict. (1616) 294a; oedema, eine wässerige schwulst Corvinus fons latinit. (1660) 696a; schwulst, m. tumor Schottel 1414; schwulst, f. und m., tumore Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 712bc; schwulst, f. tumor Steinbach 2, 548; ebenso bei Frisch 2, 251c; Adelung setzt das wort als m. an und bezeichnet das f. als landschaftlich. Campe gibt beide geschlechter als gleichberechtigt. nd. swuls, swulst, m. Schiller - Lübben 4, 501b, swulst Dähnert 481b, vgl. brem. wb. nachtr. 359. Danneil 219b. Schambach 223b. ten Doornkaat Koolman 3, 385b. in eigentlicher bedeutung ist das wort in neuerer sprache durch geschwulst fast völlig verdrängt, dagegen seit dem vorigen jahrh. sehr gebräuchlich in übertragener anwendung, für diese hat sich das m. festgesetzt (doch s. unter 2, b die stellen aus Lessing und Winckelmann). in älterer hochd. sprache ist das m. selten. 11) krankhafte schwellung, geschwollenheit des körpers oder eines theiles, in älterer sprache als besondere krankheitserscheinung; dann auch geschwollene stelle: die schwulst setzt sich. Adelung; die schwulst verhindern, ihr zuvorkommen. Campe; plur. schwülste am leib, geschwollene stellen; (sie) was dar zu geswollen obir al den lip .. als si daʒ gelobt hatte, do vorswant di swulst reine. Ködiz leben des heil. Ludwig 78, 3; (der saphir) gesetzt swulst. Megenberg 457, 31; kol is ghud to der podagren, dat is dey swuls in den voyten. quelle bei Schiller - Lübben 4, 502a; ich wil euch heimsuchen mit schrecken, schwulst und fieber. 3 Mos. 26, 16; der herr wird dich schlahen mit schwulst, fiber, hitze, brunst, durre, gifftiger lufft, und geelsucht. 5 Mos. 28, 22; gleich wie wunden und schwülste, faulen, eitern, und stincken am leibe. Luther 1, 27a; demnach aber jhre grosze schwulst je länger je gröszer ward. Schweinichen 520 Österley; wann denn die schmerzen, schwulst und krankheit mehr überhand nahm. 521; man sicht manchen für feyst an, da es nur ein schwulst ist. Lehmann 1, 702; gleich als wann ihm der leib mit überflüssigem fressen und sauffen gicht, schwulst und fieber auff den hals bürdet. Wiedemann gefangenschaft mai 6; (sarder) dienet wider die schwulst. decemb. 105; bis sich die schwulst gesetzt haben würde. Lohenstein Armin. 2, 257b; er bekam sieben tage vor seinem tode schwulst in den beinen. diese trat immer weiter. Gellert 4, 264 (1775); friait (freszt) dän schwollst än june mage. Frischbier 2, 334a; wohl! wer gehirn und sinn mit so viel wind beschwehrt, der musz, wie ieder leib, den fraz und soff verzehrt, im stoltzen bauche schwulst, im schädel schwindsucht mercken. Günther 519; das Damon nicht die schwulst des krancken fingers dämpfft, das bringt ihm keinen schimpff. 531; fieber, schwulst und brand. 757. [] schwangerschaft: zuor letz oder zuom valete so fegt des bischofs kämerling der kellerin das hinder kemmicht, dasz ir der bauch geschwilt. darnach muosz der arm unschuldig dorfpfaff schuoch und thuoch versetzen und dem fiscal für die schwulst 4 gulden geben. Schade sat. und pasqu. 3, 182, 12. natürliche schwellung: der aufgeworfene schwülstige mund, welchen die mohren mit den affen in ihrem lande gemein haben, ist ein überflüssiges gewächs und ein schwulst, welchen die hitze ihres climas verursachet. Winckelmann 4, 46; können wir darin unsere lippen mit jenem abscheulichen schwulst (der neger) aufschwellen. Heinse Enkolp (1773) 2, 83; auswuchs am körper eines baumes: (ein baum) welcher schon viel jahr früchte getragen, und nachgehends in dem pfropff einen schwulst bekommen. Hohberg adl. landleben 3, 1, 341b (nachher: durch abthuung des geschwulstes). 22) übertragener gebrauch (vgl. unten schwülstig 2). 2@aa) aufgeblasenheit, unberechtigter stolz, umständliches, prahlerisches, hohles wesen ( Adelung); in diesem sinne wenig gebräuchlich: der spartanische heldenmuth, die attische urbanität, und der schwulst der Asiaten. Wieland 2, 9 (Agathon 7, 1); da ich vorzüglich die mäszigung und die bescheidenheit an dir gerühmt, und dasz dein dermaliger erhabener glücksstand weder übermuth noch schwulst in dir hervorgebracht. Lucian 3, 327; selbst der verläumdung bisz kann weisen heilsam seyn. er dämpft des geistes schwulst, und prägt die demuth ein. Lichtwer 217 (1828). 2@bb) übertragen auf den stil; bei Winckelmann (vergl. unten schwülstig unter 1) mit beziehung auf bildende kunst mit enger anlehnung an die eigentliche bedeutung des wortes: dasz .. der magere und dem ägyptischen ähnliche stil die verbesserung eines übertriebenen schwulstes seyn sollen. Winckelmann 5, 265; derjenige, welcher einen ausgehungerten contour vermeiden wollen, ist in die schwulst verfallen. 1, 25. vor allem von ungesunder fülle der ausdrucksweise und schreibart (affectation des erhabenen. Schiller 10, 123): 'ein fehler der schreibart, da die worte in einem hohen grade mehr sagen, als der gedanke, oder mehr als der sache angemessen ist' Adelung. Frisch hat schwulst in diesem sinne noch nicht, wol aber schwülstige rede, s. unter schwülstig: ob sie (die brittische muse) gleich auch nicht selten um die unfruchtbarn klippen des frostigen schwulstes flattert. Uz 367 Sauer; er (Seneka) treibt die grösze hier und da bis zur schwulst. Lessing 4, 246; es ist wahr, Sophocles hat sich der schwulst des Aeschylus nicht schuldig gemacht. 6, 313; etwas später, wo in anlehnung an eine Aristophanesstelle mit der eigentlichen bedeutung des wortes gespielt wird, braucht Lessing das masc.: Aristophanes läszt ihn ferner sehr lustig vorgeben, dasz er diesen schwulst durch schöne sprüchelchen, durch philosophische disputationen, durch mangold und beete vertrieben habe. 6, 315; Agathon, in dessen erklärung einige vielleicht schwulst und unsinn ... gefunden haben werden. Wieland 1, 275 (Agath. 5, 2); bei allem schweizerischen schwulst hört ein genie wohl die wahre sprache des griechischen kothurns ..? Herder 1, 291 Suphan; eine schlüpfrige sinnliche stelle in platonischen schwulst verschleyert. Schiller 2, 384; — Hofmann von Hofmannswaldau — zum dichter machten dich die lieb und die natur, o wärst du dieser stets, wie Opitz, treu gewesen! du würdest noch mit ruhm gelesen: jetzt kennt man deinen schwulst, und deine fehler nur. Hagedorn 1, 113 (1771). 33) besonderes: 3@aa) die schwulst, mit derbem scherz für ein unförmlich dickes weib: zu Franckfurt war ain hurtigs fräwlein, sonderlich auff der gassen, ungefähr dreitzehen centner schwer ... die schwulst gedacht. Lindener schwankbücher 84 Lichtenstein; vgl. schwülstel. 3@bb) übertragen auf brandende wogen (s. schwulstig 3, a): der (anhalt), der uns hertz und sinn, und händ' und glieder hält, auf dem rach', hasz und grimm mit krafft zurücke prellt; wie die erbooszte schwulst des meerschaums an die felsen. Lohenstein Ibrah. Bassa (1689) 22.
7237 Zeichen · 125 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schwulstM., F., N.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    schwulst , M., F., N. Vw.: s. swulst

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwulst

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der und die Schwulst , im ersten Falle im Genitiv des -es, plur. inus. von dem Zeitworte schwellen. 1. Eigentlich, im we…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schwulst

    Goethe-Wörterbuch

    Schwulst übermäßige Verzierung, Überladenheit, pathetische Überschwenglichkeit; aufgeblasene, hochtrabende Redeweise; be…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schwulst

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Schwulst , s. Herder Bombast .

  5. modern
    Dialekt
    Schwulst

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Schwulst in PfWB Geschwulst ;

  6. Sprichwörter
    Schwulst

    Wander (Sprichwörter)

    Schwulst Schwulst ist keine Kraft.

  7. Spezial
    Schwulstm

    Dt.-Russ. phil. Termini

    Schwulst , m вычурность , ж → FiloSlov Schwülstigkeit, f → FiloSlov Geziertheit, f → FiloSlov Geschraubtheit, f

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwulst

75 Bildungen · 9 Erstglied · 64 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schwulst 2 Komponenten

sch+wulst

schwulst setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schwulst‑ als Erstglied (9 von 9)

schwulsterig

DWB

sch·wulsterig

schwulsterig , schwülsterig , adj. wie schwülstig, geschwollen, aber nicht in der schriftsprache üblich; nd. swülsterig: hei wôrd in'n gesic…

schwulstfresser

DWB

schwulst·fresser

schwulstfresser , m. einer, der sich die schwulst ( siehe schwulst 1) an den leib friszt, vielfresser. Frischbier 2, 334 a .

schwulstig

DWB

schwul·stig

schwulstig , schwülstig , adj. geschwollen, vergleiche DWB schwulst ; schwülstig, geschwollen, enflé Hulsius dict. (1616) 294 a ; schwulstig…

schwulstigkeit

DWB

schwulstig·keit

schwulstigkeit , schwülstigkeit , f. , zum vorigen gebildet, dessen bedeutung folgend: schwülstigkeit, f. tumiditas Steinbach 2, 549 . Frisc…

schwulstkopf

DWB

schwulst·kopf

schwulstkopf , m. dicker, aufgedunsener mensch, dickkopf Kleemann 21 a ; das oben angeführte schwulskopf ( name einer antilopenart ) gehört …

schwulstkraut

DWB

schwulst·kraut

schwulstkraut , n. wieselwedel, geiswedel ( spiraea ulmaria ) Nemnich ( gegen schwulst angewendet? s. DWB schwulst 1).

schwulstling

DWB

schwulst·ling

schwulstling , schwülstling , m. , von schwulst abgeleitet, aufgeblasener mensch, hochmütiger, pomphafter narr: es seyn grosze schwulstlinge…

schwulstlos

DWB

schwulst·los

schwulstlos , adj. ( vgl. DWB schwulst 2, b ): wahre sitten und rührende scenen mit ordnung, mit anstand, mit schwulstloser sprache verbinde…

schwulst als Zweitglied (30 von 64)

Augengeschwulst

Campe

augen·geschwulst

Die Augengeschwulst , Mz. die — schwülste, eine Geschwulst der Augen, da die Augen weit hervorstehen (Exophthalmia).

backengeschwulst

DWB

backen·geschwulst

backengeschwulst , f. tumor malae. auch männlich: ein recidiv des backengeschwulstes überfiel mich. Göthe an Schiller 72 .

Breygeschwulst

Adelung

brey·geschwulst

Die Breygeschwulst , plur. die -schwülste, eine Geschwulst, in welcher sich ein dicker, dem Breye ähnlicher Eiter erzeuget.

fuszgeschwulst

DWB

fuszgeschwulst , f. eine geschwulst am fusze, flemen. Hederich (1753) 1000 .

G(e)schwulst

Idiotikon

G(e)schwulst Band 9, Spalte 1848 G(e)schwulst 9,1848

geschwulst

DWB

geschwulst , f. , ahd. giswulst, livor, mhd. geswulst, nebenform geswolst Petr. de Crescentiis (1493) f 6 b , geswolst, geschwolst, tumor Di…

Gesichtgeschwulst

GWB

gesicht·geschwulst

Gesichtgeschwulst die G. der rechten Seite [ ist ] noch nicht ganz zurückgetreten GWB B29,277,7 August u Ottilie 4.9.18 K [ vgl Tgb 1.9.18 ]…

gichtgeschwulst

DWB

gicht·geschwulst

gichtgeschwulst , f. : eine gichtgeschwulst, die man einem geistlichen mit dem messer glücklich wegnahm Sömmerring v. baue des menschl. körp…

halsgeschwulst

DWB

hals·geschwulst

halsgeschwulst , f. geschwulst des halses, sowol des äuszern, als des innern; halszgeschwulst angina Diefenb. 35 a .

Handgeschwulst

GWB

hand·geschwulst

Handgeschwulst mask ein hartnäckig zu- und abnehmender H. GWB B34,86,18 Schlosser 10.1.21 Michael Schilar M.S.

Ableitungen von schwulst (2 von 2)

geschwulst

DWB

geschwulst , f. , ahd. giswulst, livor, mhd. geswulst, nebenform geswolst Petr. de Crescentiis (1493) f 6 b , geswolst, geschwolst, tumor Di…

verschwulst

DWB

verschwulst , f. , zu verschwellen gebildet: synanche, verswulst der kelen. Diefenbach gloss. 535 c ; verschwulst der kelen. nov. gloss. 339…