vorbauen,
verb. (
s.fürbauen th. 4, 1, 1,
sp. 661); vorbauen
sive fürbauen,
praestruere Stieler 103;
Steinbach 1, 73; Frisch 2, 407
a; Adelung; Campe;
erhaltenes starkes part. prät.: (
der) mit ausdrucklichen special- oder general-pfandschafften vorgebauen hat Hohberg
georg. cur. 3 (1715), 16
a. 11)
im eigentlichen sinne, etwas so bauen, dasz es hervortritt: das obere stockwerk v. Campe; (
im bilde:) indem sie ihren prächtigsten lyrischen tempeln säulen und ein portal vorbaun Herder
w. 27, 189
S.; einer luftigen an der schlechten herberge vorgebauten halle Göthe
w. 31, 150
W.; ein kleines vorgebautes dächlein von goldbelegten ziegeln (
das goldne dacherl in Innsbruck) Laube
schr. (1875
ff.) 8, 212; an der weit vorgebauten landungsbrücke Fontane
w. I 4, 101. — nur einige gassen und winkel zeugen noch von dem früheren wesen, wo jeder nachbar dem andern vorzubauen (
die hausfront vorzuschieben) strebte C. Vogt
aus meinem leben 24. —
am körper: (
frauen) haben eine gute bildung, vorgebaute gesichter Göthe III 1, 217
W.; hindernd, abwehrend: (
liesz) basteien und zäune darumb füren und v. Eschenloer
gesch. d. stadt Breslau 2, 129;
frei: dem strahl, der widerprallt im schnee, will schützend die besennte hand sich vorbaun, an der braue höh A. v. Droste-Hülshoff
w. (1879) 2, 30.
übertragen: dasz dieser trieb ... sich mir vorbaute und die aussicht des übrigen lebens verdeckte Tieck
schr, (1828
ff.) 16, 37. — vor-
zeitlich: ich hab auf dem platz bauen wollen, aber ein anderer hat mir vorgebauet (
mà un altro mi è prevenuto Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700), 63
a; hetten uns unsere eltern nicht vorgebawt, wo wolten wir bleiben? Eyering
prov. copia (1601
ff.) 3, 15;
vgl.: hätten unsere vorvätter nicht fürgebawet und gepflantzt, wo solten wir dann wohnen? wesz solten wir dann leben? Lehman
floril. polit. (1662) 3, 148; wer koufft ein vorgebuwens husz, der gibt sin gelt recht nützlich usz Brant
narrensch. s. 75
Z. 22)
die im entwickelten nhd. häufigste anwendung beruht auf der vorstellung des hindernden, abwehrenden bauens (
s. oben unter 1,
vgl. auch verbauen 2 b
th. 12,
sp. 97). vorbeugen (
s. dieses)
kommt von einer anderen vorstellung her zu einer ähnlichen anwendung. s. Fischer schwäb. wb. 2, 1643;
schweiz. idiot. 4, 1960; Martin-Lienhart 2, 2;
vgl. auch den entsprechenden gebrauch des dem deutschen nachgebildeten dän. forebygge. 2@aa)
im dativ steht, wogegen sich das hindern, abwehren richtet: einer gefahr v.,
praevenire periculo Stieler 103;
vgl. Steinbach 1, 73; einem dinge v.,
veranstaltungen treffen, dasz es nicht geschehe Adelung. — wie im (
dem podagra) ... fürzukommen, forzubawen oder abzuprechen seie Fischart 3, 12
Hauffen; der wohl verdienten straffe (
durch guten wandel) zeitig v. Rist
n. t. parnasz (1638) 604; ob durch gütliche mittel dem vorstehenden übel nochmahln vorzubawen seyn möchte Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648), 14; nachdem ich dieser sache, wenigstens durch meinen heilsamen rath, vorgebauet habe Schwabe
belust. (1741
ff.) 5, 219; ich that alles, was ich thun konnte, diesem miszverständnisse vorzubauen Lessing
w. 10, 248
M.; dieser unanständigkeit habe ich vorgebaut Tieck
schr. (1828
ff.) 9, 35; bedenken voraussehen und ihnen v. O. Ludwig
schr. (1891
ff.) 5, 160; weil August, eh Maro sie (
die noth) gefühlt, ihr vor zu baun gewuszt Neukirch
ged. (1744) 146; so hätt ich vorgebaut der harten rüge (
I had forestall'd this dear and deep rebuke)
Shakespeare Heinrich IV. th. II 4, 4.
seltener wird im dativ etwas persönliches bezeichnet: es hatte aber Agrippina ihr (
der Antonia) schon vorgebauet A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 422; so sehr er ... denen gar zu flüchtigen federn vorgebauet Gottsched
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 1, 765. —
statt des dat. präpos.: ich habe gegen dieszer falschen bursch gar zu woll vorgebawet E. Ch. v. Orléans
br. 6, 289
lit. ver. —
in abweichendem sinne mit dem dat.: ein guter hausvater wird auch seinem vieh mit den mitteln, welche ihm seine kluge erfahrung wird an die hand geben, bester maszen wissen vorzubauen Prätorius
saturnalia (1663) 32. 2@bb)
absolut gebraucht: man musz bei zeiten v. Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700), 63
a; alldieweil ich krafft meiner in allen gesichten hinden und vornen eingewandten entschuldigung (
vgl. unter e) dergestallt vorgebawet und vorbedinget, dasz
u. s. w. Moscherosch
ges. 2 (1650), 519; halt! dachte er, hier musz vorgebauet werden Knigge
roman meines lebens (1781) 1, 205; schon so weit, dann ist es pflicht vorzubauen Anzengruber
w. (1890) 7, 226; du hattest allbereyt bei dir selbs überlegt, wan widerwertigkeit in deinem vaterland sich wollt einmal begeben, wie vorzubauen wär Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch s. reimgedichte (1647) 127; der kluge mann baut vor Schiller
W. Tell 1, 2 (
zum '
geflügelten worte'
geworden); eh tat noch der gedanke, hat längst man vorgebaut Grillparzer
w. 2, 98
Cotta; vorbauende maszregel
u. ä. 2@cc)
was abgewehrt oder abgeschwächt werden soll, kann durch einen satz ausgedrückt werden: so werde ich vorzubauen suchen, dasz die schönen personen ... nicht in die hände fremder leute fallen J. E. Schlegel
w. 2, 288; er konnte v., dasz öffentlich nichts geschähe, was seine macht schmälerte Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 2, 215. —
gewöhnlich steht in solchen fällen ein dem
beim verbum. 2@dd)
vereinzelt und gegen die grundbedeutung des verbums in älterer sprache mit dem acc. des abzuwehrenden: dasz man gottes straffe durch menschlichen rath und hülffe ... nicht könne oder müge vorbawen Bökel
pestordn. d. stadt Hamburg (1597) 4
b; wer ferner seine zung und lippen kan regieren, hat schon viel ungemach und elend vorgebaut A. Olearius
pers. baumgarten (1696)
vorrede. 2@ee)
in prägnanter bedeutung, entschuldigungen vorbringen: ich will v.,
praemittam excusationes Steinbach 2, 74; Fischer 2, 1643: du därfst nit lang v.,
vgl. Moscherosch
oben unter b. 33)
hierzu vorbauung, f., älter fürbauung:
prophylactica, die vorbawung der abnemmenden gesundheit Orsäus
nomenclator (1623) 212; zur vorbauung der viehseuchen
allg. d. bibl. anhang zu bd. 37-52, 1655; v. gegen zahnschmerzen Rosegger
schr. (1895
ff.) II 11, 236. —
dagegen nach vorbauen 1,
vorbereitung, vorbereitende grundlage u. ä.: der nachgenden ding ein fürbuwung
Terenz (1499) 124
b (
glosse); nach dieser kurtzen vorbauung und grundlage Francisci
d. eröffnete lusthaus (1676) 904. —
zu v.
im sinne von abwehr, verhütung gehören zusammensetzungen wie