gestellen,
verb. verstärktes stellen (
s. d.),
ahd. gistellan,
statuere, locare, sistere, mhd. gestellen. II.
transitiv. I@11)
an einen platz schaffen. I@1@aa)
herbeischaffen, liefern: (
bauern) globen mit gesampter hant drei pfert, die Mathis Sdume gewest sein, wedir zu gestellen, wenne man
sie manet.
cod. dipl. Siles. 4, 222 (
von 1401); zeugen gestellen, packknechte gestellen. Heynatz
antib. 2, 48
aus der nd. geschäftssprache. I@1@bb)
einen vor gericht bringen, stellen: her richter, ich werde sin burge, ich wil in gestellen in daʒ dinc.
Freib. stadtr. c. 5, 16; he nennet einen Cunrat .. sinen gezuk (
zeugen) den Cunrat muʒ he gestellen: gestellet he einen andern mit eime andern namen, der gezuk ist verlorn. 12, 1
u. o.; des wart ein tac aldô genomin, daʒ he wedir sulde quomin und sînen hals gestellin.
md. schachbuch d. 14. jahrh. bei Haupt 17, 227, 24; des dorfis herre hegete ein ding mit seinen scholtheisin und mit seinen gebowirn und gestellin den flyer, und iʒ claite nymant ubir in.
Magdeb. blume 55; (
der abt) morndes vor radt mit hefftiger klag den übelthäter gestellen liesz. Wickram
rollw. 18, 21
Kurz; gestellen,
sistere se vel alium in judicio Hayme (1738) 254;
ausliefern: dagegen diese (
rittergutsbesitzer) ihre unterthanen, welche in des raths gerichten (
gerichtsgebieten) in dergleichen fällen verbrochen, dahin ebenfalls gestellen wollen. Klingner
dorf- u. baurenr. (1755) 4, 846. I@22)
anstellen, ins werk setzen: mhd. nu daʒ der wol gemuote gestalte jâmer unde mort. K. v. Würzb.
troj. kr. 39409; ir enkunnet niht gestellen: eʒ sî ubel oder guot. Ebernand
Heinr. u. Kuneg. 4198. I@33)
aufstellen, in stand setzen, ordnen: mhd. er gestalt ze einem chreiʒʒezwei hundirt geiʒʒe. Diemer
genesis 64, 7; daʒ er (
der könig) sîn künecrîch gestellen müge vridelîch.
buch der rügen 1108
bei Haupt 2, 77. I@44)
zum stehen bringen. I@4@aa)
beilegen, endigen: mhd. maht du disen strît gestellen.
minnes. 1, 89
b Bodmer; nhd. etlich ander heren sagtend zuo Karly, er sött den stryt gestellen.
Morgant 114, 10
Bachmann. I@4@bb)
festhalten: mhd. er was riuse und vengec vach: sîn manlîcheʒ ellen kund den prîs wol gestellen.
Parz. 317, 30 (
nach Germ. 7, 295 dem prîse gestellen,
nachstellen, auflauern);
nhd. ain ancker, schiffhacken, darmit man die schiff in groszen winden gestellet. Sturmius
lex. tril. (1590) H 6
a. I@4@cc)
hemmen: den lauff gstellen,
cursum reprimere Maaler 196
d; die flucht gstellen, verschaffen das man nit fliehe,
fugam sistere. ebenda; noch schweiz. gstellen,
zum stillstehen bringen, im laufen oder in anderm thun aufhalten, bannen Frommann 6, 409, 35. Stalder 2, 397. I@4@dd) einem die rede gestellen,
ihn zum schweigen bringen: ich schweren dir, das ich dir die red wol gstellen wil.
Morgant 88, 4
Bachmann. I@4@ee)
zum stillstand bringen, beruhigen, stillen: der bergmeister gestellt das viech mit etlich wenig worten gleich. Rebmann 408; die wällen gestellen,
fluctus componere Maaler 176
b; das bluot, augenflusz, den durchlauff oder stuolgang, den schmertzen gestellen.
ebenda; noch oberd. das blut gestellen Adelung; blutgestellende mittel Heynatz
antib. 2, 48; das bier gestellen
ebenda. IIII.
intransitiv. II@11) mit einem gestellen,
sich mit ihm gut stellen, vertragen, vgl. unten III, 4: die (
hoffärtige) will ouch allzyt vornen dran, das nieman mit jr gstellen kan. S. Brant
narr. 92, 76; sin zwo frouwen kunden nit mit einander gestellen, und zeppelten und zanckten on underlosz mit einander. Keisersberg
bilg. 76
b; du und din magd und gesinde künden nit mit einander gestellen. 144
a; die (
bauern) lagen einanderen für und für im har und konten nit mit einander gestellen.
rollw. 19, 18
Kurz; ein hofmann, der mit seinem weib nicht gestellen kondt, sie wuszten sich gegeneinander in ihrem hauszhalten nit zu vergleichen. Frey
gartenges. 18
b. II@22) auf etwas gestellen,
nach etwas trachten: mhd. ûf den lôn gestellen. Konr. v. Würzb.
troj. kr. 14716; (
Joseph) was ie gestellende ûf recht als einer gewærer gottes knecht.
W. v. Rheinau 46, 41,
vgl. sie tödteten nur aus noth und leidenschaft, waren vorzüglich aufs plündern gestellt. Göthe 35, 341;
dafür mit abhängigem satz, darauf bedacht sein, pläne machen: (
der neue Pharao) gewan groszen hass uff das geschlechte (
Israel), daʒ er sich tegelich bereite und gestalt, wie er die geschlechte vertribe von dem lande.
historienbib. 699
Merzdorf. IIIIII.
reflexiv. III@11)
sich hinstellen: sich vor ihre augen gestellen. Lohenstein
Arm. 1, 146; gestelle dich für den rathstul. Opitz 1, 295. III@22)
sich einstellen, einfinden: sich gestellen,
sistere sese, praesto esse Stieler 2145; (
zwei bauern) globen, das sie sich, wen man sie zur jagt fodern wirdt, frue gestellen.
cod. dipl. Siles. 4, 277 (
von 1575); wer seine seele speisen wil, zu der mühl sol er sich finden, wol zu der mühl gestellen.
bergreihen d. 16. jh. 15, 8
Meier; gerichtlich: jeder ist schuldig, sich vor seinem richter zu gestellen. Heynatz
antib. 2, 48;
militärisch: alle jungen mannschaften, die ohne gesetzliche befreiung vom militärdienste sind, haben sich auf dem rathhaus zu gestellen (
als rekruten).
Leipz. tagebl. 20.
märz 1891; die beurlaubten haben sich im kriegsfalle so schleunig als möglich zum dienst zu gestellen. III@33)
unpersönlich, sich einstellen, schicken, treffen: mhd. swenn eʒ sich gestelle, daʒ eʒ mit fuogen wesen kan. Ulrich
Willeh. 207
a Pfälzer handschr. III@44)
sich mit einem gut stellen, vertragen, vgl. oben II, 1: sich mit einem gestellen. Frey
gartenges. 27. III@55)
sich anstellen, anlassen, anschicken: sich meisterlich gestellen, meisterhafft sein,
personam magistri sumere Maaler 176
b;
bair. sich gäbisch, denkisch (
linkisch, ungeschickt) gestellen
oder angestellen. Schm.
2 2, 748. III@66)
sich verstellen, sich so stellen: sich gestellen,
simulare, fingere, habitum induere Stieler 2145; sich fromm gestellen Adelung;
bair. er gstellt sich nur so,
es ist ihm nicht ernst, in seinem innern ist das nicht wirklich, sich traurig, lustig, unschuldig gstellen, er gstellt sich wie ein narr, er gstellt sich, als wenn er davon gar nichts wüszte. Delling 1, 217;
subst. inf. mit weglassung des reflexivpron.: wann sie fabeln dichten, lehren sie ehebrechen und kommen vom gestöllen zum wöllen. Conlin
narrenwelt 5, 344,
vgl. Schm.
2 2, 748.