vierteil,
viertel,
n. ,
ahd. fiorteil Graff 5, 405;
mhd. vierteil, viertel
mhd. wb. 3, 22
b; Lexer
mhd. handwb. 3, 342;
zeitschr. f. d. alt. 6, 329; Jellinek
mhd. wb. 869;
mnd. verdel Schiller-Lübben 5, 236
b;
cabus Diefenbach
gloss. 86
a;
maldrum, viertail 344
c;
modius, firteil 364
c;
nimo, vierteyl 380
c;
obulus, firteil eyns hellers 391
b;
pinta, ein vierteil von einer masz, pynta et vyrdel van eynre quarten 436
a;
quadra, viertel, vierdel, vierteil, virdeil 475
a;
quadrans, vierdeil, vierteil, viertel 475
b;
quadraplodie, vierteil des tags 475
c;
quarta, ein viertel 477
c;
quartale, eyn vierteil, -tail, -deil, viertel, virtel, fertel; eyn vierden teil; eyn verdel, verendel 477
c;
quartarium, vierteil 477
c;
quentinus, en vyrdel loits 478
c;
satum, dru viertal 514
a;
modius, virtel,
nov. gloss. 255
a;
quadra, een vierendeel 310
a;
quartale, verndel;
quartarium, viertail 311
a;
tetrarcha, künig über ein vierteil eins reichs 363
b; ein vierteil eines stucks,
quarta; der vierteil einer landvogtey,
tetrarchia; der vierteil eines schuochs lang, das ist, ein handbreit,
quadrans pedis Maaler 448
b; viertel,
quarta pars; ein viertel korn,
quartarius frumenti Stieler 2274; viertheil,
quarta pars Steinbach 2, 805; viertel (das,
vox composita, pro vierte theil ...)
quarta pars 895; vier theil, oder zusammengezogen viertel,
quarta pars; das viertel einer erbschafft Frisch 2, 401
b.
in der heutigen schrift- und umgangssprache ist viertel
durchaus die herrschende form, vgl. den folgenden abschnitt. im nl. entspricht vierendeel,
in dän.-norweg und schwed. fjerdedel. 11)
das wort ist eine zusammenrückung der ordinalzahl mit teil,
wobei der erste bestandtheil verkürzt wurde, der zweite seinen vocal einbüszte. die ausprache in der umgangssprache der gebildeten ist vĭrtl. ain viertl Aventinus
bayer. chron. 1, 590, 21.
die beiden bestandtheile vierte teil
können natürlich auch heute noch getrennt und gleichbedeutend mit viertel
gebraucht werden, soweit dieses im allgemeinen den bestimmten bruchtheil bezeichnet; beachte den gebrauch des artikels: ein viertel meines vermögens,
der vierte teil meines vermögens.
während vierding
eine ganz germanische bildung ist, darf viertel
als eine übersetzung von quarta pars
angesehen werden. viertel
hat neutrales geschlecht, (daz viert[e] teil),
indessen macht sich das schwanken des geschlechts von teil
doch geltend; auf m. deuten die formen vierenteil,
nd. vêrendêl,
nl. vierendeel (
s. unten). wir haben in gegeben einen viertel an unserm slosze
quelle des 15.
jh. bei Lexer
mhd. wb. 3, 342;
quadrans, der vierteil dez tagz, der viertel eines plapparts Diefenbach
gloss. 475
b; der vierteil einer landvogtey, der vierteil eines tagwercks Maaler 448
b (
neben das viertel,
masz). mein herr nembt drey theil in absent, der vierteil bleibt mir in der hendt H. Sachs 9, 4, 25
lit. ver. m. geschlecht von viertel
wird bezeugt für die mundart von Habkern (
Schweiz)
zeitschr. f. deutsche mundarten 1967, 312;
ebenso m. in der mundart von Jaun (Stucki 146).
m. und n. je nach der bedeutung Hunziker
aarg. wb. 86,
s. unten. die gleiche differenzierung scheint schon bei Maaler
vorzuliegen; vierenteil,
m. und n. Fischer schwäb. wb. 2, 1478;
altfries. fiardandel,
m. und n. Richthofen
altfries. wb. 738
b.
in den beiden folgenden stellen nimmt vierteil
scheinbar f. geschlecht an: auf ain halbe fierthail ainer meil
chron. v. Kaisheim 46
lit. ver.; by einer vierteill einer mil by Nürnberg Th. Platter 18
Boos; das geschlecht von vierteil
wird hier durch das folgende meile
bestimmt. etwas anders ist: auf eine halbe viertel weges
quelle des 18.
jh. bei Müller-Fraureuth
wb. d. obersächs.-erzgeb. mundarten 2, 622
a (
hier wohl viertel
einer wegstunde, vgl. unten 3).
adjectivische flexion: (
nach analogie von halb:) mer denn ein vierteiler meil
deutsche städtechron. 11, 618, 17;
vgl.: als der mond, der ist jetzt halb, dann viertel, dann gar nicht Paracelsus
opera (1616) 2, 106 B.
gesteigert: bisz ich das vierthelst hundert voll gemacht habe
ollapatrida 372
neudr.; vgl. unten viertelste.
die durch den verlust des tons eingetretene verkümmerung des zweiten theils ist schon in mhd. zeit bezeugt (
vgl. vierdel
zeitschr. f. d. alt. 6, 329).
dasz sich vierteil
bis in die neueste zeit gehalten hat, beruht auf einem immer wiederholten bewuszten anknüpfen an teil;
neben viertel
und vierteil
begegnet in älterer sprache auch viertal: dasz nicht mer dan ain viertal vich lebendig beliben ist
deutsche städtechron. 5, 174, 2 (
Augsburg)
; vgl. Schmeller
bayer. wb. 1, 845; Fischer
schwäb. wb. 2, 1478. vierteil
hält sich in der neueren sprache am besten in der allgemeinen anwendung, dasz es einen bestimmt gemessenen bruchtheil von irgend etwas bezeichnet. dagegen erscheint es uns jetzt in den prägnanten bedeutungen des wortes ganz fremdartig. Adelung
behauptet, dasz man in der '
edlern'
schreibart häufiger viertheil
als viertel
schreibe und in oberdeutschen mundarten auch so spreche; im '
hochdeutschen'
sei aber die verkürzte aussprache die üblichere. in den oberdeutschen mundarten ist jedenfalls -teil
überall verkürzt. vierteil
in allgemeiner anwendung: rechnet man 5. meylen, daran denn noch mehr als ein gut vierteil fehlet Hennenberger
ercl. d. preusz. landtafel (1595) 9 (
auf derselben seite: schier 5. viertel einer meylen; drey meylen, und ein viertel); kaum das viertheil ihres miethzinses Thümmel
reise in die mitt. prov. v. Fr. 4, 391; man rechne sie weg und ein armes viertheil bleibt noch zurück Schiller
werke 2, 352
krit. ausg.; nach diesen vorschriften nahm ich eine grosze phiole, füllte sie zum vierteile mit sand, zum vierteile mit wasser, dann mit oel und das letzte vierteil liesz ich leer G. Keller
ges. werke 1, 106.
die juristen des bürgerl. gesetzbuchs haben dem pedantisch klingenden vierteil
den vorzug gegeben: eine mehrheit von drei vierteilen der erschienenen mitglieder 33; der überlebende ehegatte des erblassers ist neben verwandten der ersten ordnung zu einem vierteile .. der erbschaft als gesetzlicher erbe berufen 1931.
in prägnanter anwendung: die gantze welt gibet bey allen kranken acht auf vollmond, neumond oder vierteil Butschky
Pathmos (1677) 427; wohlbestallten hauptmann des grimmischen viertheils Prätorius
winter flucht d. sommer vögel (1678)
zueignung A 1
b; wenn ... die vorschläge ein gantzes viertheil ausmachen sollten Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen (1759ff.) 1, 59.
der nom. acc. plural von vierteil
wird in der neueren sprache gewöhnlich auf c
gebildet: ein viertel des zehntens erhielt der bischof, ein viertel jedes ortes der pfarrer, und die übrigen beiden viertheile die kirche Möser
werke (1842ff.) 3, 97; drei vierteile desselben (
des tisches), von der jugend und den dienstleuten besetzt G. Keller
ges. werke 1, 313.
prägnante bedeutung: man hat alle viertheile von Paris durchsuchet
d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit i, 430; also eilten alle viertheile (
in Florenz) auf die gewohnten posten J. v. Müller
werke (1810
ff.) 2, 357.
daneben findet sich auch der nom. acc. plur. viertheil: drey viertheyl war er dort und nur ein viertheil hier Hippel
lebensläufe (1778ff.) 1, 22; alles, was einmal war, hatte drei viertheil richtigkeit bei ihm voraus Laube
ges. schriften (1875ff.) 9, 93; verliesz uns die kanone, die wir hatten, mit den kanoniers und mehr denn drei viertheil unserer mannschaft Kerner
bilderbuch (1849) 65;
gen. plur. auf n: das gantz jar wirt getheylt inn vier gleicher viertheylen und quartir Wickram
werke 8, 232, 205
lit. ver. vgl. mundartlich den plur. vierteln Schmeller
bayer. wb. 1, 844,
das besonders als maszbezeichnung auszerordentlich oft gebrauchte wort war der umbildung und entstellung sehr ausgesetzt; dabei zeigt sich die erscheinung, dasz, wo mehrere formen neben einander bestehen, sie in ihrer bedeutung differenziert werden, vgl. z. b. Fischer
schwäb. wb. 2, 1480;
nd. varndeel,
gewicht, kornmasz, vertel,
landmasz, brem. wb. 1, 377 (
letzteres entweder aus dem hochd. eingeführt, oder gleich hochd. vierzel).
beachtenswerth sind vor allem die formen, die ein n
vor teil
oder tel
aufweisen und sowohl hochd. wie nd. sich finden; sie gehen zurück auf eine verbindung (den) vierden teil,
setzen also m. voraus; der acc. erklärt sich wohl aus der häufigen verbindung mit verlangen
oder geben (
vgl. Jellinek
mhd. wb. 868;
quartale, eyn vierden teil Diefenbach
gloss. 477
c; doran haben wir eyn vyrdenteil
handelsrechn. d. d. ordens 64
Sattler); vierenteil (
m. und n.), vierntel, vierndel Fischer
schwäb. wb. 2, 1477;
mnd. vêrndêl Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 240
a; vordendêl 332
a; veerendeel Dähnert
plattd. wb. 516
b; fördendêl ten Doornkaat-Koolman
ostfries. wb. 1, 538
b; varndeel
brem. wb. 1, 377;
fries. fiardandel, fiarden-, fiaren-, fiarndel Richthofen
altfries. wb. 738
b;
nl. vierendeel;
mnl. vierdendeel Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 441; ain vierenthail ainer stunde
Zimm. chron. 22, 151, 5; etwa noch so starck als ein vierten theil des zolls breit Aitinger
jagd- u. weidbüchl (1681) 333.
diminutiva treten zu den einzelnen formen: viertelchen, 1/16
malter (
kornmasz)
Pfister nachtr. 315;
nd. ein
verrendelken bers Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 240
b;
das viertele (
aus viertel-le) Fischer
schwäb. wb. 2, 1477; Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 130
b; viertele, das,
modiolus Maaler 448
b;
pinta, viertailin Diefenbach
nov. gloss. 436
a;
vierenteillein Fischer
a. a. o. 1478; ettliche nemen zu einem viertheilin wassers j. lot gestoszner negelin Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 2. 22) viertel
bezeichnet den einzelnen bruchtheil eines in vier theile zerlegten ganzen; wir können jetzt sagen: ich habe ein viertel,
nicht aber: das viertel meines vermögens verloren;
im zweiten fall musz den vierten teil
eintreten. die ältere sprache bewegt sich freier: das vierteil des tempels viel ouch nyder und ertöttet da der abgötter priester
der heiligen leben. winterteil (1471) 170
b;
selten so in neuerer sprache: der protestantismus, wie er nunmehr war und damit verdammt wurde, umfaszte vielleicht das viertheil der bevölkerung Ranke
werke 7, 190.
dasz der zusammenhang mit vierte teil,
aus dem es zusammengeschoben ist, noch empfunden wird, zeigt sich, wenn vierteil
in der aufzählung für vierte teil
eintritt, was in der sprache der gegenwart auch nicht mehr möglich ist. in der 7.
fabel bei E. Alberus
verlangt der löwe zuerst das erste theil (16),
dann das ander theil (22),
weiter das drittheil (28)
und viertheil: die meinste arbeit hab ich than drumb will ich auch das dritteil han. das vierteil mus mir auch zu stan, wollt ihr andersz mein freundschafft han
so in der ausgabe von 1534 (33
neudruck),
in der von 1550: so müst jr euch ergeben drein, das mir das vierdt theil auch zusteh.
beim gebrauch des plurals ist zu beachten, dasz vierteil
in älterer sprache auch für vier teile
stehen kann: verkundigen durch die virteil der werlt den glauben der hailigen dreivaltikeit
d. erste deutsche bibel 1, 5
lit. ver.; und ein flusz ging aus von der stat der wolust zuo feuchten daz paradeisse. der dar noch wart geteilt in vierteil 3, 49 (
gen. 2, 10:
qui inde dividitur in quatuor capita)
; vgl. dagegen vier vierteil; also haben sie auch die nacht in vier vierteil geteilet Luther
werke 28, 374, 14
Weim. im wb. d. elsäss. mundarten von Martin-Lienhart 1, 130
b ist bemerkt, dasz in der allgemeinen anwendung für den bruchtheil nicht viertel,
sondern der vierte teil
gebraucht wird. aus den idiotiken läszt sich nicht feststellen, ob auch in anderen gegenden das gleiche zu beobachten ist; beachtenswerth ist die von Hunziker (
aarg. wb. 86)
angemerkte differenzierung: viertel,
m., der vierte theil, viertel,
n., hohlmasz. im nl. wird vierendeel
in der allgemeinen anwendung von bruchtheil gemieden. man sagt ein, drei viertel,
gewöhnlich aber ein halb, ein halbes, die hälfte;
nur wo es auf die vorstellung zweier einzelner viertel
ankommt, wird natürlich zwei viertel
angewendet; die declamation, welche allein fast zwei viertheile des ausdrucks, ich will sagen den ton und die gebehrde, in sich faszte Schubart
briefe 1, 85
Strausz; hier würde man an sich die hälfte
erwarten, wenn nicht durch ton
und gebehrde
der ausdruck zwei viertheile
gerechtfertigt würde. — zu dem latz nam man ausz sechtzehen ballen ein virteyl, reichlich gerechenet Fischart
Garg. 174
neudr.; die hälfte (
des vermögens)? nein, das ist es nicht. das drittel? auch wohl nicht. das viertel doch? schwerlich Lessing
werke 2, 129
Muncker; ein vierttheil und noch eins dazu machen freylich ein halbes wenn beyde von einem ganzen sind Kästner
verm. schriften (1783) 405; nichts halb, lieber freund! und ein blat ist kaum ein viertel Hippel
lebensläufe (1778ff.) 2, 37.
sprichwörtliches und redensarten: drei viertel ist kein pfund Wander
sprichw.-lex. 4, 1641; er ist nicht ganz dumm, aber starke drei viertel Fischer
schwäb. wb. 2, 1478;
statt drei
sagt man bisweilen scherzhaft ein viertel dutzed,
als wenn die zahl dadurch grösser erscheinen sollte; fünf viertel für, auf die elle geben
musz ursprünglich bedeuten: seinen eigenen vortheil nicht wahrnehmen, zu nachgiebig sein; hij geeft geen vijf vierendeel voor eene el, maar klieft een zwavelstokje in vieren,
letzteres zur bezeichnung des sehr genauen, auf seinen vortheil bedachten menschen Wander
a. a. o. der
gen. wird als
adv. gebraucht,
s. unten viertels. 33)
das ganze, dessen viertel
bezeichnet wird, steht im genit.; so in ganz allgemeiner anwendung; vor dem genit. stehen der bestimmte oder unbestimmte artikel, pronominale adj. u. ä.: ainem viertail aines tages Konrad von Megenberg
sphaera 30, 4 (DTMa); ich hab ein vierteil eins silbern sekels bey mir
1. Sam. 9, 8; höchstens drei viertheile des preises Herder
werke 15, 194
Suphan; in drei vierteln aller lustspiele wird gehorcht Fontane
ges. werke I, 4, 132; drey viertel der armee vernahmen sie Schiller
schriften 12, 77
krit. ausg.; in dem ersten viertel des sechzehnten jahrhunderts Göthe
werke 44, 303
Weim. viertel
eines jahres, einer stunde, vierteljahr, -stunde. als nun der kauffman auff ein fierteil eines jars bey inen gewesen Wickram
werke 2, 431, 20
lit. ver.; so sy nit meer dann drey psälmlin läsen wöllen, leuten sy ein vierteill einer stund darzu Eberlin von Günzburg
schriften 3, 101
neudr.; viertel
einer elle, meile (viertelelle, -meile): uff einer jeden seiten ein viertel einer ehlen lang Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 161; neher ungefarlich dann in einem fierteil einer mil Schade
sat. u. pasq. 3, 70.
der genit. vorausgestellt: ains jâres wol ein vierteil si wâren vrœlich unde geil Heinrich v. Neustadt
Apoll. 6029.
in der älteren sprache kann der genit. unmittelbar, ohne artikel zu viertel
treten. besonders in häufiger vorkommenden verbindungen (
vor allem bei maszen, s. unten 6
und 7)
; von diesen verbindungen hat sich ein viertel weges
gehalten: jemandem auf ein viertel weges entgegenkommen,
auf ein viertel seines weges; in älterer sprache ist aber viertel
in dieser verbindung eine längenbestimmung, viertel
einer wegstunde oder einer meile; in letzterem sinne verzeichnet noch Campe viertelweges
unter viertelmeile;
vgl. viertelmeile, -stunde weges
unten unter viertelmeile, -stunde;
das mittlere wort ist ausgefallen; vgl. viertelweg,
m.: man machet einen langen hagen, der sich vorn auff ein vierteil weges erstreckt Micrälius
altes Pommerland 2, 393 (
buch 6); do se do quemen up ein verendel weges nha der stadt Schiller-Lübben
mnd. wb. nachtr. 298
a. — viertel jars: binnem eynem verndell jares; alle ferendell jares Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 240
a; uff die vier virtel iares Luther
werke 12, 25, 5
Weim.; das ain yegklicher mitburger soll ain genannt gelt geben alle viertail jares Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges 119
lit. ver. 139;
in gleichem sinne: zum dritten soll ayn yeder burger under dem schusterhandwerk 12 D zu wachgelt geben ain viertail jars 124; kein gantzes viertheil jahrs Rist
friedej. Teutschland (1653) 88; ein vierteil brots oder anderer dingen, ein stuck brot Maaler 448
b; ein varndeel punds
brem. wb. 1, 377;
oft so in älterer sprache, wenn viertel
ein bestimmtes masz ist: eyn verdendel wasses Schiller-Lübben
mnd. wb. nachtr. 298
a; mit eim vierteil wins Fischer
schwäb. wb. 2, 1479. 44)
verbindung mit von
statt des genitivs: ein vierteil von einem käsz, oder ein stucke käsz Maaler 448
b; he ath an ener maltyd en verndel van eneme schape Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 240
a; eyn verendel van eneme daghe
nachtr. 298
a; mit eim vierteil von eim hin gestoszen öles, und ein vierteil vom hin weins
2. Mos. 29, 40; ein viertheil vonn einem kalb Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 549;
mnl.: dat vierendeel van enen manne,
der vierte theil des wehrgeldes Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 450. 55)
das substantiv kann auch unflectiert sich unmittelbar an viertel
anschlieszen, wobei viertel
entweder in allgemeinem sinne oder prägnant gebraucht wird. im ersteren falle bezeichnet viertel
den vierten theil dessen, was folgt. hier ist in neuerer sprache allmählich eine einschränkung dieses gebrauchs eingetreten. verbindungen wie ein viertel jahr, eine viertel stunde, eine viertel meile, ein viertel ton
sind zusammengerückt und werden durchaus als composita empfunden, ebenso bei maszen und gewichten (
wenigstens in den casus obliqui; man kann sagen ein viertel elle tuch,
aber nicht mit einem viertel elle tuch.
dagegen in wendungen wie viertel huhn, gans
findet in den casus obliqui keine zusammenschiebung statt: es ist noch ein viertel huhn übrig geblieben; mit einem viertel gans zufrieden sein).
sobald viertel
ein bestimmtes masz oder gewicht bezeichnet, folgt unbeschränkt das subst. in unflectierter apposition (
vgl. unten 6
und 7).
zu beachten ist die gebrauchsweise bei drei viertel,
das jetzt meist zusammengeschrieben wird. man sagt dreiviertel pfund, zoll,
aber dreiviertel ellen (
was allerdings Adelung
unter viertelelle
verwirft), meilen,
obgleich es doch weniger als eine meile ist; dabei wird dreiviertel
als einheit empfunden (
nicht drei viertelmeilen). jahr
bleibt unflectiert: er ist dreiviertel jahr ausgeblieben, wurde zu dreiviertel jahr gefängnis verurteilt.
bei fünf, sieben viertel
steht ebenso der plur. bei elle, meile;
s. aber unten Göthe 25, 116
bei elle.
bei gehalt: mit dreiviertel gehalt auskommen; ein viertel gehalt einziehen.
die schreibung folgt der entwicklung erst nach, viertel
wird vom folgenden worte noch getrennt, wenn es sich mit ihm schon zum compositum verbunden hat. jahr (
vgl. vierteljahr);
deutlich noch getrennt: soll er (
jeder bürger) 15 D ain viertail jar geben (
wie sonst ain viertail jars,
in jedem vierteljahr, alle vierteljahre) Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges 133
lit. ver. 139;
dagegen: viertel jahr,
tempus trimestre Stieler 2274; bringt ein sontag den andern, ein virteil jar das ander Luther 29, 209, 7
Weim.; neben welchem er doch die tage seines lebens über drey viertel jahr nicht zugebracht Grimmelshausen
Simpl. 3, 29
lit. ver.; nun verging ain virtail jar H. Sachs
fabeln u. schwänke 2, 344, 27
neudr.; seit du dich zeigst der sonnen ist hin ein viertheil jahr Dach
ged. 691
lit. ver.; so werd er na dre veerdel jahr ok junge frucht upgahn Laurenberg
scherzged. 151
lit. ver. binnen einem viertel jahre (
die flexion zeigt, dasz das compositum vorliegt), sollen sie noch einen brief von mir haben Göthe
briefe 1, 211
Weim. — stunde (
vgl. viertelstunde): viertheil stund,
quadrans horae Dentzler
clavis linguae lat. (1716) 318
a; nun waren die baidt brüeder nit ein fierentail stund bei ainandern gewesen
Zimm. chron. 24, 111, 5;
merkwürdig in umstellung: ich meines theils möchte mir wünschen, einmahl auf ein stund viertheil (aber keine minute länger) verliebt zu seyn Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 34; ein vierteil uhr
in gleicher bedeutung: stund ain viertail or im pranger
deutsche städtechron. 11, 618, 20 (
Nürnberg): da ich höret ein grosz rumor, stund ich fast auff ein vierteil uhr Hans Sachs
fastn.-sp. 1,
s. 43, 190
neudr. längenmasze; meile (
vgl. viertelmeile): daselbs das mer am engsten ist, nit gar ein viertail meil prait Aventinus
bayer. chron. 1, 408, 8; am ersten tage unserer reise legten wir ... zwei und drei viertel meilen zurück Holtei
vierzig jahre 1, 332; elle (
vgl. vierteielle): viertel ele,
quadrans ulnae Stieler 2274; nur fünf bis fünf ein halbe viertel elle breit Göthe
werke 25, 1, 116
Weim. (
nach dem heutigen sprachgebrauch wäre ellen
zu erwarten).
gewichte: ein, drei viertel pfund, fünf viertel zentner.
hohlmasz: dazu das tranckopffer ein viertel hin weins
3. Mos. 23, 13. — viertel gans, huhn
u. ä.: wenn man die papisten, sonderlich, so itzt mit schreiben fast plerren, alle ynn einen hauffen keltert und darnach schmeltzet, und sieben mal distilliert, so solte nicht ein vierteil zungen draus gebracht werden, die solcher artickel einen kundte recht leren Luther
werke 26, 531, 11
Weim.; zungen
ist nominativ. 66)
weit verbreitet ist viertel
als trockenmasz, besonders für korn, dinkel, hafer u. s. w.; es bezeichnet bald ein gröszeres, bald ein kleineres masz. genauere bestimmungen sind in einzelnen der angeführten wörterbücher gegeben (
vgl. auch die angaben bei Adelung
und Jacobsson
technol. wb. 8, 89
a);
einmal bezeichnet viertel
den vierten theil eines scheffels (
besonders norddeutsch),
andrerseits aber wird viertel
wie ein grundmasz verwendet (
s. z. b. Vilmar
idiot. v. Kurhessen 430)
; vgl. mhd. wb. 3, 22
b; Lexer
mhd. handwb. 3, 342;
für dieses und die im folgenden angeführten masze für anderes, vgl. die oben angeführten glossen bei Diefenbach,
wie cabus 86
a,
maldrum 344
c,
modius 364
c,
nov. gloss. 255
a u. s. w.; vierteil, das, eine gattung kornmaszes, der vierdt teil eines müts Maaler 448
b;
genaue angaben über die verschiedene grösze des viertels
finden sich bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1478;
es sind zwei viertel,
ein groszes und ein kleines zu unterscheiden, für letzteres wird meist das dim. gebraucht. die verschiedenen masze werden nach dem ort ihrer geltung bezeichnet: reutlinger, bibracher, tübinger viertel.
ebenso bei Schmeller münchner, amberger, hartensteiner viertel 1, 845; '
das viertel
als getreidemasz war entweder gegupft
oder gestrichen
und hielt zwischen 1,3
und 1,8
wiener metzen, doch fast jeder markt hatte sein eigenes viertel' Unger-Khull
steir. wortschatz 232
b; viertel,
der vierte theil eines scheffels Lexer
kärnt. wb. 95; viertel
wird nach Vilmar
idiot. v. Kurhessen 430
in dem gebiet Niederhessens gebraucht, wo malter
nicht üblich ist, es soll dem malter
im wesentlichen gleich sein. viertelchen,
ein kleineres masz Pfister
nachträge 313; viertel
eines scheffels Müller-Fraureuth
wb. d. obersächs. u. erzgeb. mundarten 2, 622
a;
ebenso bei Frischbier
preusz. wb. 2, 445
b; een varndeel roggen,
der vierte theil des scheffels, brem. wb. 1, 377; viertel
erscheint ferner auch als masz für anderes (
abgesehen von flüssigkeiten)
; für salz Jacobsson
technol. wb. 8, 89
b;
für heu, früchte Fischer
schwäb. wb. 2, 1478;
es kann prägnant aufgefaszt werden als der vierte theil eines gewichtes, z. b. pfundes: ein halbes viertel (= ⅛ pfund) fleisch Müller-Fraureuth
a. a. o. 2, 622
a.
eines zentners: bomwulle ne mot neman min vorkopen denne eyn verndel, dat sint vif unde twinticht punt Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 240
a;
der vierte theil von 160
stück, ein viertel krebse Schmeller
bayer. wb. 1, 845; viertel eier Fischer
a. a. o. 1479.
als raummasz für holz der vierte theil eines achtels Frischbier
preusz. wb. 1, 14
a ; vgl. Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 451; gent der hêrschaft jêrlich 5½ vierteil kernen, 8½ vierteil habern und ein vierteil roggen
habsburg. urbarb. 49, 17
lit. ver.; er giltet ouch 2 vierteil unde drîe teil eins vierteils salzes 131, 2; ain viertal guoter roter ärbisz ... ain viertal guoter wiszer ärbisz ... ain viertal büllen ... ain viertal rüben Ulrich von Richental
constanzer concil 39
lit. ver.; (
gewicht:) vor 1 grose lyne, dy weget 2 steyne 1 firteyl
marienburg. treszlerbuch 117, 35; darumb nim ein untz oder viertel gunst und gelt, und lasz einem anderen gantz scheffel, sümmeren, wollseck, und so du wilt, schiff und wagen voll kunst, tugent, gerechtigkeyt Franck
sprüchw. 2, 164
b (1541); sitzet auf kein viertheil
die discourse d. mahlern 3, 11 (
als übersetzung von ἐπὶ χοίνικι μὴ καθέζου); das viertel apfel, birn und erdäpfel könnt ich beym haus um 12 kr. haben Bräker
schriften (1789ff.) 1, 177; der könig sagte: ich habe ein viertel mohnsamen säen lassen Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812ff.) 1, 61. 77)
masz für flüssigkeiten, besonders wein oder bier, vgl. mhd. wb. 3, 22
b; Lexer
mhd. handwb. 3, 342; Scherz-Oberlin
gloss. 1806; Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 449;
auch hier ist zwischen einem gröszeren und einem kleinen masz zu unterscheiden; letzteres, oft im dim., ist jetzt allgemein in Süddeutschland = ¼
liter als weinmasz. genauere angaben über die verschiedenen masze s. bei Fischer
schwäb. wb. 2, 1479, Schmeller
bayer. wb. 2, 845; Unger-Khull
steir. wortschatz 232
b; Müller-Fraureuth
wb. d. obersächs. w. erzgeb. mundarten 2, 622
a; Adelung, Jacobsson
technol. wb. 4, 543
a; 8, 89
a; viertel: ist auch ein bier-maas, welches 2 gantze oder 4 halbe tonnen, oder drey dreylinge, oder 180 mesz-kannen hält
allgem. haushalt.-lex. (1749
ff.) 3, 600; 4½ fuder weins und sechs virteil
deutsche städtechron. 2, 294, 14; ez ist auch gesetzet, daz man kain pier hoher sol geben denne daz viertail umbe zwen haller ... durch den sumer daz viertail umbe drei haller und niht hoher; und swer daz bricht, der gibt als ofte lx haller van ieclichem aimer
nürnb. polizeiordnungen 210
lit. ver.; viertel
ist hier also ein kleines masz; darumb sol inen ein paumeister geben zwei firteil weins zu vertrincken Tucher
baumeisterb. 128, 10
lit. ver.; und haben in hernach in groszen ehren gehabt, auch im derhalben etlich vierteil traminner geschenckt Lindener
schwankb. 68
lit. ver.; (
wöchentlich) 1 eimer wein, 3 viertel bier Schweinichen
denkw. 155
Österley; mitten durch netzten sie auch ihre kehlen mit manchem viertel (
hier wieder das kleine gemäsz, viertel einer flasche) Hauff
werke 2, 2, 20 (DNL); dasz gilt ihm oder mir zwo kannen reinschen weins und noch ein viertel bier Rachel
sat. ged. 15
neudr.; andere flüssigkeiten: ein viertail mâgöles
habsb. urbarb. 264, 9
lit. ver., vgl. Schmeller 1, 845; darnach nembst du den trunck erst billich, nemblich ein vierteil putter millich, tempriert mit eym viertl summer pier H. Sachs
fastn.-sp. 1, 134, 76
neudr. 88)
das maszgefäsz selbst wird auch prägnant mit viertel
bezeichnet. einen kopf (grind) haben,
körperlich gemeint, so grosz wie ein viertel (
hier also ein gröszeres masz)
: oder geistig gemeint, zur bezeichnung eines beschränkten menschen; bei einem sehr dummen kann man die dummheit mit vierteln messen;
wetterregel: fastnacht sonnenschein drückt das korn ins viertel 'nein; wenn einer kann in einem imi hausen, nach sollte er kein viertel anschaffen,
von einem der über seine verhältnisse hinaus baut; imi
ist das kleinere masz Fischer
schwäb. wb. 2, 1478; er het e chopf wie nes olts fiertel Seiler
basler mundart 115
b; wirt auch ein liecht anzündt das es under ein vierteyl gesetzt werde
züricher bibel von 1531; 2, 210
b (
Marc. 4, 21 unter einen scheffel Luther); und war ... ir houpt groszer den ein fierteyl
deutsche volksbücher, h. von Bachmann
u. Singer 229, 6
lit. ver.; do das alls nit wolt belfen, do fing er an und warf ain furkugel hinin, die was alls gros alls ain firtel, damit man korn mist Hug
villinger chron. 71
lit. ver.; an nutz-holtze können genommen werden, kannen, tonnen, viertel, fasse Döbel
jägerpractica 3, 38; wer gibt kloben und mahlenschlösser? wer giebt viertel, schätz, mörszner, löffel? Hoffmann
findlinge 260. 99)
als längenmasz der vierte theil einer elle Fischer
schwäb. wb. 2, 1479; das holz war 10 viertel lang,
ohne nähere bezeichnung des maszes Müller-Fraureuth
wb. der obers. u. erzgeb. mundarten 2, 622
a. viertel
als elle: enne dreizentholbvirtlige säge,
säge von '3
ellen 1½
viertel'
länge 622
b. 1010)
als flächenmasz, verschiedener grösze: das viertel ackers;
in einer quelle des 15.
jh. werden theils 4
theils 8 viertel ackers
auf den hof gerechnet Schmeller
bayer. wb. 1, 845.
vgl. Lexer
mhd. handwb. 3, 342;
der vierte theil eines morgens Fischer
schwäb. wb. 2, 1479; (
beim kauf eines gutes ist zu erforschen) ob, und wie viel viertel oder tagwerck weingärten es habe Hohberg
georg. curios. 1, 10;
auf nd. gebiet ein weit gröszeres masz; der vierte theil des lant, en vêrdendêl landes = 27
morgen Schiller-Lübben
mnd. wb. 2, 620
b;
im brem. wb. 1, 377
aber vertel landes = 100
ruthen; das t
weist darauf hin, wie schon oben bemerkt, dasz vertel
entweder aus dem hd. eingeführt ist oder dasz hier fierzel
vorliegt (
s. d.). 1111)
thiere, die zur nahrung bestimmt sind, werden in vier theile zerlegt (ein viertel gans, huhn, schwein, kalb
u. s. w., vgl. oben unter 5).
prägnant werden dann auch die keulen als viertel
bezeichnet, genauer als hinterviertel: so dum as een achter-varndeel vam kalve
brem. wb. 1, 377;
vgl. hinderviertel
im gleichen sinne Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 130
b; es wird aber vom kalbe alles gebrauchet: das fleisch, die brüste, die viertel, der kopff, die füsze
frauenzimmerlex. 963; besprengte die viertel (
des opferthiers) mit meel und saltz und verbrennete alles zu aschen Lohenstein
Armin. 1, 10
b;
wie ein masz: 1 viertel rindfleisch Schweinichen
denkwürd. 155
Österley; es ist eine gröszere menge gemeint, da von einer wochenportion die rede ist; hinterviertel
von fröschen: ohn das hinder loch, darinn der frösch hinder viertheil unverdäuet ligen Fischart
Garg. 58
neudr. diese vorstellungen werden dann auf den menschlichen körper übertragen: ich werde dir's viertel höher heben (
den hintern),
ich werde dich strenger behandeln Castelli
mundart in Österreich u. E. 127; der hat ausgedroschen im hintern viertel,
ist hinten sehr mager Fischer
schwäb. wb. 2, 1479;
hier sind zwei bedeutungen verschmolzen, hinterviertel,
keule und viertel,
theil der scheuer (
s. unten 14). wann sie mich im hindern viertheil küssen wolten Frey
gartengesellschaft 50, 3
lit. ver. durch die strafe des vierteilens (
s. dieses)
wurde der leib des verbrechers in viertel
zerlegt, diese theile werden galgenviertel
genannt (Schmeller
bayer. wb. 1, 844)
und von einander getrennt aufgehängt: des anderen dages na des hiligen cruces dage erhoginge, uppe eynen donnerdach, wart Wolter Holthusen gerichtet unde in veer verndel gedeylt unde up veer rade gelecht
deutsche städtechron. 16, 398, 5 (
Braunschweig)
; von diesen vorstellungen ausgehend: ihre asche ist in den wind gestreut, oder die vier viertel ihres historischen leibes sind an die vier thore der weltgegenden genagelt Brentano
ges. schriften (1852
ff.) 5, 382. 1212)
viel gebraucht wird viertel
um einen bezirk in einer stadt zu bezeichnen (
franz. quartier);
von einer viertheilung, von der der gebrauch ausgegangen sein musz, ist dabei nicht mehr die rede; vgl. über dieses schwinden des zahlbegriffs Nyrop - Vogt
das leben der wörter 151;
früher waren die viertel
begrenzte bezirke, die ihre vorsteher hatten, so dasz viertel
auch die in einem solchen bezirk wohnenden bürger als abtheilung der gesamten einwohnerschaft bezeichnete. in der sprache der gegenwart wird viertel
in beziehung auf gröszere bezirke in unbestimmtem sinne gebraucht, um einen stadttheil zu bezeichnen, der irgendwie von benachbarten sich abscheidet, vgl. z. b. tiergartenviertel, bayerisches viertel
in Berlin. andrerseits kann viertel
in ganz bestimmtem sinne gebraucht werden; es bezeichnet dann eins der häuservierecke, in die der stadtplan sich im allgemeinen zerlegt (wir wollen rasch noch einmal ums viertel gehen). ein viertheil worein eine stadt getheilt Frisch 2, 401
b;
vgl. Fischer
schwäb. wb. 2, 1479; also, das in der vier viertayl, yedem besunder, da yetzo zwen scharwachter geen, vier mann mit in wachen und uffsehen haben sullen
deutsche städtechron. 25, 348, 37 (
Augsburg; hier also wirklich vier stadttheile)
; Nürnberg ist in acht viertel
getheilt Tucher
baumeisterbuch 133
ff. das mistthor aber bawet Malchia der son Rechab der oberst des vierteils der weingertner (
in Jerusalem)
Nehem. 3, 14; herrn Christian Göring, ... wohlbestalten haupt - mann des grimmischen viertheils (
in Leipzig) Prätorius
winterflucht der sommervögel (1678)
widmung; sie führen ihn zum polizeykommissär des viertels
deutsche erzähler d. 18.
jh. 46 (dld). ich hab' bezwungen der knaben acht von jedem viertel der stadt Uhland
ged. 1, 261
Schmidt-Hartmann. die bewohnerschaft des viertels, abgesondert und von vorstehern geleitet; da die einzelnen gewerke meist zusammenwohnten, berührt sich vierteil, viertel
mit andern bezeichnungen wie zunft, gilde
u. ä.: tribus, ein vierteil, eine zunfft B. Faber
thesaurus (1587) 884
b;
curia, eine zunfft, viertheil oder gülten;
comitia curiata, wenn man alle viertheil zusammenfordert, und etwas beratschlaget Corvinus
fons lat. (1646) 246; nachfolgend vorzeichnusz der artigkel, szo sich alle viertel der stadt Erffurdt sampt den hantwercken darin gehorende uff weither vorbesserung unterredt haben Luther
werke 18, 534
Weim.; hierauf folgten die zünffte und viertheil Chemnitz
schwed. krieg 1, 106 (1648); also eilten alle viertheile (
in Florenz) auf die gewohnten posten J. v. Müller
werke (1810
ff.) 2, 357. 1313) viertel
ist in diesem sinne nicht auf die stadt beschränkt. bei der eintheilung eines landgebiets in viertel
schwindet auch hier allmählich der im worte liegende zahlbegriff. die friesische volksgemeinde war in vier viertel
getheilt, die besondere gerichtssprengel bildeten Richthofen
altfries. wb. 739
a;
vgl. mnl. vierendeel,
ersetzt durch quartier Verwijs-Verdam
mnl. wb. 9, 449;
besonders haftet das wort in diesem sinne, wenn es sich mit namen oder einem sonst characterisierenden worte zu einer landschaftsbezeichnung verbindet (Innviertel, Waldviertel
u. ä.); her sammete grosze habe jn der Ouwe und in deme virteil des landes Stolle
thür. chron. 36
lit. ver.; aus den fuer profintzen oder fierteln Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges 183
lit. ver. 129; die landt-lüt von Schwitz ... warend in vierteil underscheiden, wurdend des richs vierteil genämpt Tschudi
chron. helvet. (1734) 1, 172; das ganze rechte pernitzer viertel sammt zehent und gebühren, dann das linke viertel bis in die hatzleser gräben Stifter
werke (
Prag 1901
ff.) 2, 13; das schöne viertel ob dem Wienerwald! o möcht es nie des krieges geiszel fühlen Schiller
schriften 12, 88
krit. ausg. 1414) viertel
bezeichnet in einzelnen gegenden einen platz in der scheuer, wo die eingebrachten garben liegen, bis sie gedroschen werden: viertel, traidviertel Schmeller
bayer. wb. 1, 845; Fischer
schwäb. wb. 2, 1479; '
ein kammerartiger raum, ungefähr der vierte teil der gesamtfläche, welche von einer scheune bedeckt wird, der sich neben der tenne hinzieht und gewöhnlich zur aufnahme des eingeheimsten getreides dient' Martin - Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 130
b;
in Hessen heiszt der raum zur seite der tenne heuviertel,
weil er hauptsächlich zur aufbewahrung des heus dient Crecelius
oberhess. wb. 2, 883;
vgl. Pfister
nachtr. 315; es ist angenehm, wenn der erste schneesturm tobt, sich zu sagen: rase, wie du willst; dem korn im viertel und dem heu auf dem boden wirst du nichts anhaben Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 3, 146. 1515)
der verlauf des zu- und abnehmenden lichts des mondes wird in vier viertel
getheilt; das erste bezeichnet das zunehmende licht bis zur erhellung der halben mondscheibe, das zweite bis zum vollmond u. s. w. bis zum vierten (letzten) viertel. der mond ist im ersten viertel; es ist heute das zweyte viertel Adelung; heund gehd a viertl (
neues mondviertel) ein Hügel
wiener dialekt 182; eyer, welche im letzten viertheyl, oder im abnemmen des mons ... geleyt sein Sebiz
feldbau (1579) 108; wann das liecht sich endert, oder die viertheil des mondscheins eingehen Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 28; müde und abgezehrt (beim letzten viertheil) fährt er (
der mond, nach dem glauben der Grönländer) auf den seehundfang und kommt so fett wieder, wie wir ihn im vollmond sehen Herder
werke 13, 302.
diese vorstellungen geben veranlaszung zu mannigfachem übertragenen und freien gebrauch: meine scharmanten kinder! sie belieben, ihre holden gesichter ins erste viertel zu stellen (
er kann sie nur im profil sehen), und ich liebe nur den vollmond — also bitt' ich sie, mir gerade ins antlitz zu schauen Fr. L. Schröder
d. porträt d. mutter 3, 5; meine lustigkeit hat abgenommen und steht itzt sogar im letzten viertel Tieck
schriften (1828) 6, 72;
sprichwörtlich: der vollmond fraget ninz (
nichts) nachm letzten viertel Fischer
schwäb. wb. 2, 1479. 1616)
die stunde wird in viertel
eingetheilt; die viertel zählen,
z. b. in ungeduldiger erwartung; eine uhr schlägt die viertel (
vgl. viertelglocke, -hammer;
manche geben nur die vollen und halben stunden an); er ist die gute stunde selber, nur dasz er keine viertel schlägt Fischer
a. a. o. 1480. viertel
im singular wird prägnant im sinne von viertelstunde, abgesehen von bestimmten zeitangaben, nur selten gebraucht: am 3. tag nach zweyen stunden und eynem viertheyl der nacht, bis zwo stund und eynem viertheyl des nächsten tags Herr
feldbau (1551) 17
a;
in der wendung: die uhr, es schlägt viertel
bedeutet viertel
das erste viertel der stunde (
sonst ein viertel). (
die uhr) alle stunden mit sambt den vierteln gar eigentlich schluge Spee
güld. tugendb. (1649) 583; die glocken schlugen viertel und stunden in sein hochlebendiges gefühl Heinse
werke 5, 366
Schüddekopf; es hat noch kein viertel geschlagen, da ist er kommen Ludwig
ges. schriften (1891) 2, 325; in diesem augenblicke schlug die turmuhr ein viertel Fontane
ges. werke I, 6, 7: welche nacht des wartens ist vergangen! wacht' ich doch und zählte jedes viertel Göthe
werke 2, 98
Weim. bei angabe der tageszeit wird viertel
in verschiedener weise verwendet: es ist ein viertel drei,
lässiger viertel drei,
oder ein viertel, viertel auf drei,
wenn das ersie viertel der dritten stunde grade abgelaufen ist; dann folgt halb drei
und dreiviertel drei
oder auf drei;
ferner sagt man: ein viertel nach zwei, ein viertel vor drei.
nach Adelung
bedeutet ein viertel auf drey
eine viertelstunde nach zwei; es kommt aber vor, dasz man es im sinne von ein viertel vor drei
gebraucht; gleiche bedeutung hat ein viertel bis drei;
versteht sich die tagesstunde von selbst, so wird sie weggelassen: es ist bereits ein viertel vorbei Campe; ain vierteil vor 9 ur in der nacht
deutsche städtechron. 23, 183, 16; aber umb ein viertel nach glock eins ist plötzlich ein groszer blitz ... gesehen ... worden Prätorius
saturnalia (1663) 21;
auf die frage nach der uhr wird durch scherzhafte wendungen bescheid gegeben oder vielmehr verweigert: dreifiertel uff bonestäke Seiler
basler mundart 115
b;
ebenso bei Martin-Lienhart
wb. d. elsäss. mundarten 1, 130
b mit dem zusatz: und wenn's nit glaubst kannst mich am a. lecken; e vierdel uf kaldi wacke, wann's schla't, schla'ts der an de backe Follmann
wb. d. deutschlothr. mundarten 159
a; drei vertel uf kuh; heb er de schwonz uf un lu 518
b; drei värtel uff kôle ärwesen Jecht
wb. d. mansfelder mundart 119
a; dreiviertel auf gackei, wennstes nich glooben willst, guck selber nei Müller-Fraureuth
wb. d. obers. u. erzgeb. mundarten 1, 373
a; dreiviertel über die schnalle, wenns schlägt, ist's alle 2, 455
a;
vgl. noch Wander
sprichw. lex. 4, 1641;
anders: 's war so e dreivärtel uf rausschmeiszen,
nahe daran Müller-Fraureuth
a. a. o. 622
a. 1717)
in der musik wird die ganze note in vier viertel
getheilt; viertel
wird in diesem sinne ohne zusatz verwendet (
doch braucht man daneben auch viertelnote,
besonders wenn es sich um das zeichen handelt). die melodie bewegt sich in vierteln; die viertel angeben (
beim dirigieren)
; man spricht von zwei-, drei-, vier-, fünf-, sechs-, siebenvierteltakt,
je nach der anzahl der die taktart bestimmenden, einen takt bildenden viertel; ein gefüllter etwas kleinerer kopf, mit einem striche, heiszt ein viertel Hiller
anweisung z. gesang (1774) 80; mit dem ersten vierteile des dritten taktes thut er den zweiten schritt R. Wagner
ges. schriften 5, 161. 1818)
vereinzeltes: 18@aa) viertel
wie quarto
vom papierformat: einen bogen papier in viertel brechen Campe (viertelbogen,
quartbogen). 18@bb) viertel
wird auch sonst in verschiedenen wendungen zur bezeichnung des vierten theils eines ganzen gebraucht, das nicht näher bezeichnet zu werden braucht: wir spielen ein viertel zusammen,
nämlich den vierten theil eines einsatzes in der lotterie. er spielt e vertelche beim Antoni,
er ist nicht recht gescheit; Antoni war der leiter des frankfurter irrenhauses; oder: e vertelche dollhaus Askenasy
frankf. mundart 141; um die viertel spielen,
beim skat, den point zu ¼
pfennig; im bergbau versteht man unter viertel
die schicht zu sechs stunden Veith
bergwb. 543. 18@cc)
stämme der verwandtschaft nach den vier urgroszelternpaaren: bei den Franken und Friesen findet sich nachmals eine gliederung der verwandtschaft in vier teile, indem sie nach den vier urgroszelternpaaren in vier stämme zerfällt, die bei den Niederfranken verendeele, bei den Friesen klüfte heiszen Brunner
rechtsgesch. 1, 83;
vgl. Verwijs-Verdam
mnld. wb. 9, 449;
s. auch oben vierte 7. 18@dd) vierteln,
zerschnittene und getrocknete äpfel und birnen; die birnen, äpfel werden geviertelt,
wenn es auch nicht vier theile zu sein brauchen Schmeller
bayer. wb. 1, 844. 18@ee)
in folgender stelle bezeichnen, wie der zusammenhang ergiebt, vier vierteil
die vier humores: wie können jhr dann sagen, das man soll ausz den viertheilen den grundt der artzney schöpffen Paracelsus
chirurgische schriften (1618) 254 B. 18@ff) viertel,
wie quartier,
feld im wappen. 18@gg) viertel,
m., bezeichnet in schweizer. mundarten eine viehseuche Stucki
mundart von Jaun § 86;
zeitschrift f. d. mundarten 1907, 312 (
Habkern). 1919) viertel
ist auszerordentlich häufig als erster bestandtheil von compositen, meist substantiven, wenigen adjectiven; beispiele, die leicht zu vermehren wären, sind im folgenden zusammengestellt, ohne dasz auf auftretendes fugen-s
rücksicht genommen wäre; die zusammensetzungen mit vierteil
stehen unter denen mit viertel.
ein theil dieser wörter sind composita der gewöhnlichen art, dasz der begriff des zweiten bestandtheils durch viertel
eingeengt wird; hierher gehören diejenigen, bei denen viertel
die bedeutung von stadttheil oder bezirk hat (viertel 12
und 13):
z. b. viertelabteilung, -arzt, -hauptmann, -herr, -meister, -buch, -lade;
ferner solche, in denen viertel
die viertelstunden oder vierteljahre bezeichnet: viertelglocke, -schlagwerk, -hammer
oder viertelfasten, -geld;
composita, in denen viertel
im musikalischen sinne verwendet wird wie viertelbewegung.
diese wörter folgen auch der gewöhnlichen betonung, der hochton liegt auf der ersten silbe von viertel.
die grosze masse der composita aber ist anders gebildet. bestimmend ist ein typus, bei dem viertel
im allgemeinen oder besondern sinne als maszbezeichnung genommen wird, zu dem der zweite bestandtheil ohne flexion hinzutritt; es wird damit angegeben, dasz der vierte theil des zweiten bestandtheils gemeint ist (viertel pfund, viertel jahr,
vgl. viertel 4).
die beiden bestandtheile werden in der vorstellung, dann auch in der schrift zusammengeschoben; die vereinigung ist eingetreten, wenn bestimmungen vor viertel
sich nach dem zweiten bestandtheil richten (eine kleine viertelstunde). dasz der vortreffliche und nur allzufrühzeitig verstorbene verfasser der lettres germaniques wenigstens um eine viertheil elle witziger gewesen ist Schwabe
belustigungen 3, 58; da giengen sie ein kleine weil, nicht wol ein halbe viertheil meil E. Alberus
fabeln 48, 120
neudr. auch dann werden noch lange die beiden bestandtheile in der schrift getrennt: der ist eine viertel million wert Schnitzler
Anatol (1901) 110; Adelung
characterisiert diese composita als falsche bildungen: daher sind die im gemeinen leben so gangbaren viertelehle, drittelmeile, viertelpfund ... fehlerhaft, weil das grundwort wider die analogie voran stehet Adelung
umständl. lehrgeb. 2, 260;
der ursprüngliche typus ist da vorhanden, wo der zweite theil eine wirkliche zerlegung in vier theile zuläszt und auch eine solche gemeint ist, z. b. bei zahlen: vierteldutzend, -hundert, -million,
bei maszen und gewichten: viertelelle, -fusz, -linie, -lot, -morgen, -zoll,
hohlmasze: viertelanker, -eimer, -kanne;
hier aber sind solche auszunehmen, bei denen viertel
prägnant ein bestimmtes hohlmasz bedeutet und durch die zusammensetzung bezeichnet wird, dasz der zweite bestandtheil gerade ein viertel
enthält, vgl. viertelhafen, -schaff.
wieder anders viertelmetze
in dem sinne, dasz vier dieser metzen auf das nächst höhere masz gehen. dagegen wieder ein viertel des zweiten bestandtheils bei münzen: vierteldukaten, -gulden, -thaler;
bestimmte zeitmasze: viertelminute, -sekunde, -stunde, -tag;
thiere, die zum verzehren bestimmt sind: viertelhuhn, -kalb, -rind.
alte geschütze, nach dem gewicht des geschosses: viertelbüchse, -kartaune, -schlange;
vgl. noch viertelseite (
eines blattes papier).
bei wörtern wie viertelgut, -hof, -hufe
liegt ebenfalls die vorstellung der zerlegung in vier theile vor; hier findet dann die übertragung auf die personen statt, denen ein solches stück gehört: viertelbauer, -höfler, -hufner;
vgl. auch viertelmeier, vierteleigenthümer
und ähnliche bildungen. viertel
kann dann mit substantiven sich verbinden, bei denen eine wirkliche theilung in vier stücke an sich denkbar, aber nicht gemeint ist: viertelengel, -jungfer, -landsmann.
ebenso dann bei unpersönlichen substantiven; eine viertelapotheke
ist nicht der vierte theil einer apotheke, sondern so wird spöttisch ein kramladen genannt, in dem auch heilmittel verkauft werden, der also in einem sehr geringen grade eine apotheke ist. in diesem sinne ist ein viertel
einer ganz allgemeinen anwendung fähig und verbindet sich besonders auch mit abstracten: viertelerfahrung, -begriff, -ähnlichkeit, -gedanken, -gerechtigkeit, -adel, -trauer, -intelligenz, -irrthum.
zusammensetzungen mit viertel-
entstehen dann besonders leicht und können ins unendliche vermehrt werden, wenn die substantiva gleichzeitig mit halb-, ganz
oder auch achtel-
in beziehung gesetzt werden: halbe
und viertelintelligenzen
u. ä. bei solchen gegenüberstellungen erscheint viertel
wie ein unflectiertes adj.: es giebt keine vierthel räusch, keine halbe räusch, keine gantze räusch
ollapatrida 80
neudr.: nicht nur viertel und halbe, sondern fast immer ganze tonnen werden aufgeladen Storm
werke 4, 305.
oben unter 1
ist gezeigt, dasz viertel
die adj. flexion annehmen kann. viertel
verbindet sich auch mit adjectiven. der ersten substantivischen gruppe entsprechen adjective wie viertelarseniksauer, -kieselsauer,
der zweiten mit freierem sinne adjective wie: viertelbekehrt, -gelehrt, -gut, -laut.
je deutlicher der ursprüngliche typus (
vierter theil des zweiten bestandtheils)
vorliegt, desto fester haftet der hochton am zweiten bestandtheil, z. b. bei zahlen (viertelmillión, viertelhúndert),
wägbarem (viertelzéntner, viertellóth, viertellást, viertelládung)
und meszbarem aller art (vierteleímer, viertelmórgen land, vierteljáhr, viertelkreís, viertelwánd, vierteltón).
dagegen viértelschaff,
ein schaff, das ein viertel
faszt. bei den bildungen, in denen ein freieres verhältnis von viertel
zum zweiten bestandtheil vorliegt, wird die betonung des zweiten bestandtheils dadurch beeinträchtigt, dasz diese bildungen, wie bemerkt, meist neben solchen mit halb, ganz
stehen oder diese doch hinzugedacht werden. bei ausgesprochenem gegensatz verrücken auch die wörter der ersten gruppe den accent (viertelstúnde,
aber ganze, halbe
und viértelstunden).
die wörter der zweiten gruppe betonen aber auch, wenn sie allein stehen, meist den ersten bestandtheil: er ist doch nur ein viértelmensch.
der gleiche gegensatz ist bei den adj. vierteltitánsauer
und viértelgelehrt.
man sollte erwarten, dasz das fugen-s
vor allem bei den zuerst angeführten bildungen zu finden sei, den eigentlichen zusammensetzungen wie viertelmeister.
das ist aber durchaus nicht der fall. in der heutigen sprache ist das s
bei den zusammensetzungen mit viertel
überhaupt fast ganz geschwunden, vor allem bei allen bildungen, in denen viertel
deutlich theilend auftritt, bei zahlen, wäg- und meszbarem aller art. viertelhundert, -kanne, -zentner, -ton
u. s. w.; eher noch findet sich s
auch jetzt noch bei wörtern, in denen ein freieres verhältnis zwischen erstem und zweitem bestandtheil vorliegt (viertelsbegriff, -blick, -erfahrung, -intelligenz).
die belege zeigen, dasz früher das fugen-s
bei allen gruppen ohne unterschied auftritt (
die aus Jean Paul
stammenden beispiele sind in der ausgabe von 1826
geändert, das s
überall gestrichen).
der erste bestandtheil erscheint jetzt immer in der verkürzten form, im älteren nhd. dagegen ist vierteil
häufig, das sich auch im 18.
jh. noch hält. viertelabend, m., vierter theil des abends: keinen viertelsabend über büchern von makulatur sitzen Jean Paul
werke 32, 26
Hempel. —