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schnellen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schnellen verb.

Bd. 15, Sp. 1294
schnellen, verb. vibrare, celerare, mhd. snellen, prät. snellete, snalte, part. gesnellet, *gesnalt Lexer mhd. handwb. 2, 1031. durch reime auf vellet (jüngl. 320), gesellen (Karlmeinet 259, 9), gezellen (286, 69) und das a des prät. (Parz. 368, 12 und öfter) ist das wort gesichert als causativbildung mit ja (*snalljan), die in naher beziehung zu dem bedeutungsverwandten schnallen steht (s. dieses 2 oben sp. 1163) und gleich diesem ein starkes *snëllan vorauszusetzen scheint. gramm. 2, 58 neudr. ist ein part. geschnollen aus dem 17. jahrh. belegt, für die ältere zeit kann das starke verbum jedoch nicht erwiesen werden, sodasz hier falsche analogiebildung vorliegen kann. mhd. snellen bildet auch im intransitiven gebrauche das prät. snalte (so Reinfr. v. Braunschweig 4972), das sich noch im früheren nhd. als schnalte fortsetzt (Pauli sch. u. ernst 26 Österley) und reimt hier gleichfalls auf umlauts-e (gevellet troj. 32770). die ahd. glosse er snellet, maget, viget Graff 6, 847, die in der bedeutung zu dem alten sinne von schnell stimmt (s. dieses 1), gehört wol zu einer intransitiven ableitung von snël : snellên. diese mag fortgedauert und sich später mit dem causativen snellen vermischt haben. mnd. snellen, das intransitiv und reflexiv als 'sich schnell bewegen, eilen' begegnet (vergl. unten II, 2 und III, 2), flectiert ebenfalls schwach: snellede Schiller-Lübben 4, 273a. nnd. ist auch hier für den reflexiven gebrauch umlautloses prät. und part. snalte, snald bezeugt Frommanns zeitschr. 4, 271. 80. 5, 168, 152. II. mit beziehung auf anderes, im causativen, transitiven und daran angeschlossenen gebrauch. I@11) mit wuchtigem stosze, schwunge bewegen, schleudern, stoszen. I@1@aa) in allgemeiner anwendung, mit persönlichem oder sächliehem subject. I@1@a@aα) meist mit näherer bestimmung der richtung. I@1@a@a@aaαα) woher: einen aus dem hause schnellen, possessione movere, quatere foras, domô egurgitare aliquem Stieler 1904; als im diu (augen) über wielen und im die treher enphielen, er greif ie mit dem vinger dar und snalte si vil gar von sinen ougen liehtgevar. R. v. Ems g. Gerh. 3764; suln dise blôʒe liute solch ritterschaft entsetzen und mit ir zwecken letzen, die si snellent ûʒ irn bogen. Ottokar reimchron. 25686 Seemüller; wo sahst du, dasz man einen speer statt eines pfeils vom bogen schnellt? Lessing 1, 18; wer läszt den kopf sich gern vom rumpfe schnellen? Göckingk 1, zuschrift A 4b; da bückten sich schnell zu der erde ruderberühmte Phaiaken umher, schiffkundige männer, unter dem schwunge des steins, und er flog weit über die zeichen, fortgeschnellt aus der hand. Voss Od. 8, 193; viel erzblinkende speer' um Kebriones starrten geheftet, auch gefiederte pfeile, geschnellt von der senne des hornes. Il. 16, 772; er (Cupido) zielt auf eine holde Vestal', in westen thronend, scharfen blicks, und schnellte rasch den liebespfeil vom bogen, als sollt' er hunderttausend herzen spalten. Shakesp. sommernachtstr. 2, 1; vom sattel schnellt er ihn (den feind mit dem lasso) wie den ball, der aufspringt von des schlägels prall. Rückert Firdosi 1, 394; wenn im ritt er schnellt den pfeil vom bogen. poet. werke (1882) 12, 140; sieh! ein reh hab' ich dir getödtet, den pfeil schnellend vom starken bogen. Grillparzer (1887) 4, 6. im bilde: der hätte vielleicht gefunden, dasz ihm durch jene unbefangenheit der schauspielerin ein kleiner stein vom herzen geschnellt war. Freytag handschr. 2, 212. I@1@a@a@bbββ) wohin: (einen, etwas) zu boden schnellen, ad terram dare, prosternere Stieler 1904; jemanden in das wasser schnellen, mit schnellkraft stoszen Adelung (vergl. unten b, α); einen stein in die luft schnellen. ebenda; das rad schnellt den koth in den wagen. ebenda; wie sie den sarg hinunter lieszen, und die seile schnurrend unter ihm weg und wieder herauf schnellten. Göthe 16, 179; es war die wonnige freude am leben, welche den kleinen leib (der schwalben) durch die luft schnellte. Freytag handschr. 1, 227; eher ja kommt dir daher der erfindungsreiche Odysseus, ehe noch jene gesammt, den glättenden bogen betastend, ihm die senne gespannt und den pfeil durch die eisen geschnellet. Voss Od. 19, 587; nackt ein genius ohne flügel, faunenartig ohne thierheit springt er auf den festen boden, doch der boden gegenwirkend schnellt ihn zu der luftigen höhe, und im zweyten dritten sprunge rührt er an das hochgewölb. Göthe 41, 229; dort meine bogenschützen brennen längst, den pfeil in deiner feinde herz zu schnellen. Uhland (1864) 182. in bildlichen wendungen: laszt sie all ihre ahnen und wappen zumal in die waagschaale schmeiszen, was braucht es mehr, als ein haar aus dem weiszen bart meines onkels, Genuas ganze adelschaft in alle lüfte zu schnellen? Schiller Fiesko 1, 5; jetzt bin ich der gefahr entflogen, womit die list der bösen welt, so wie des wilden meeres wogen, die jugend offt in abgrund schnellt. Günther 232; der alte irrthum sinkt und schnellt bald einen neuen in die welt. Thümmel reise 5 (1794), 96; schnell' ich den pfeil auf dich. nein, du hast gnade gefunden, nimmt sich ja Xenius Zeus selber des hungrigen an. Schiller 11, 154. mit hinzutretendem dativ der person: einem den rotz ins gesicht schnellen, scattare, lanciare, scagliare i mocci nel viso ad uno Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 630c; aus ihrem mienenspiel liesz sich ohne schwierigkeit errathen, dasz sie die einen beizulocken, die andern zu entfernen, und wenn neidische aufpasser darunter wären, ihnen im vorbeigehen einen kirschkern auf die nase zu schnellen, im sinn hatte. Thümmel reise 10 (1805), 379. statt dessen dann auch einen mit etwas schnellen: als ob jhn einer mit eim pfirsichkern geschnelt het. Garg. 232b. I@1@a@bβ) mit angabe der wirkung, etwas entzwei schnellen, zersprengen: du aber schnellst mit wuthbeflammten händen die dichtgeringte eisenlast (kette) entzwei. Schubarth (1787) 2, 351. vgl. oberd. zerschnellen Schm.2 2, 575, derschnellen Lexer kärnt. wb. 223 in gleicher anwendung. I@1@a@gγ) ohne solche zusätze: unweit des heers liesz er (Phöbus) sich hin, und schnellte sein geschosz. Bürger 142b; trift dich ein böser pfeil; den pfeil schnellt freilich der bogen, aber bemerke die hand, welche den bogen regiert. Herder 26, 385 Suphan; doch nichts frommte nunmehr ihm Artemis, froh des geschosses, nichts die gepriesene kunst, ferntreffende pfeile zu schnellen. Voss Il. 5, 54; der hirt im wurfe schnellt sein beil. Lenau 136. mhd. vingerlîn snellen, wol 'ringe schnellen', als spiel. vgl. jedoch unten b, γ: ame hove er sîne tohter vant, unt des burcgrâven tohterlin: diu zwei snalten vingerlîn. Wolfram Parz. 368, 12; swa der marcgrâve vunde strît, daʒ wær diu kurzwîle sîn, als ein kint daʒ snellet vingerlîn. Willeh. 327, 8. schneller, marmorkügelchen, marmel schnellen Schmid 474. Klein 2, 134. in solchem sinne wie spielen auch mit gen.: der keulgen schnällen, globulos fictiles librare, vibrare, mittere Stieler 1890. bildlich: wenn man ihn (den weg nach Moskau) macht in eile, wie der gewalt'ge, der gleich einem pfeile vom glück geschnellt, auf seinem siegeswagen ihn erst hinein macht', und zurückgeschlagen dann ihn heraus macht' in noch kürzrer weile. Rückert (1882) 1, 21. I@1@a@dδ) mit auslassung des objects: endlich aber gebrach dem pfeile die mitgetheilte kraft der schnellenden senne. Lessing 1, 166; man hôrte sament snellen vil manic hundert schützen. K. v. Würzburg troj. krieg 40102; als wie ein held in seiner hand geschwinde kriegespfeile trägt, sie auff den starcken bogen legt, schnellt losz und helt mit ihnen stand. Opitz ps. 244 (nr. 127); wie der schnellende bogen hinter dem pfeil' ertönt, so ertönet das erstarrte gewässer hinter dem fliegenden. Klopstock 1, 259; nur allein Philoktetes besiegte mich, kundig des bogens, dort im Troergebiet, so oft wir Danaer schnellten. Voss Od. 8, 220; als sie nunmehr sich gesättigt des voll ausweinenden grames, ging sie hinweg in den saal zu den übermüthigen freiern, haltend zugleich in der hand das schnellende horn und den köcher, voll der pfeil. 21, 59. mit etwas schnellen: nie vermöcht' aus dem raume des schiffs ein muthiger jüngling, schnellend mit straffem geschosz, die hohle kluft zu erreichen. 12, 84. in der gaunersprache ist schnellen im allgemeinen sinne von 'schieszen' üblich Avé-Lallemant gaunerth. 4, 602. I@1@bb) in besonderem sinne. I@1@b@aα) wie prellen, so I@1@b@a@aaαα) in eigentlicher anwendung, füchse schnellen, balzare, sbalzare volpi Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 630c. Adelung; einen schnellen, scattare, it. strappare, balzare, sbalzare uno Kramer a. a. o., mit dem schneller, schnellgalgen strafen, ins wasser schnellen. polizeistrafe des 17. und 18. jahrh. Schm.2 2, 575; 1573 den 16. maji wurden drey huren nach damaligem gebrauch mit der schnell in das wasser geschnellt. Lersner Frankf. chron. 1 (1706), 495; (von 1624) des soldaten frau so auf dem feld rüben gestohlen, soll man schnellen. 2 (1735), 705. I@1@b@a@bbββ) übertragen, im sinne von 'übervortheilen, betrügen', vielfach auch als 'durch schnelligkeit überlisten' gefaszt (vgl.überschnellen, verschnellen theil 12, 1135), schnellen, ubervortheilen Hulsius (1616) 287a, schnällen, etiam circumvenire, et fraudare exponitur Stieler 1890, einen schnellen ò überschnellen, scoccare, sbalzare etc. uno, met. strapazzarlo, soparfalo nel prezzo, conto, scotto, contarli troppo Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 631a, durch schnelligkeit hintergehen, decipio, fraudo Steinbach 2, 475, durch geschwinde griffe betrügen, decipere Frisch 2, 214c. Adelung. Schm.2 2, 575. Hügel 143a. Frommanns zeitschr. 6, 276, 14 (schles.). Bernd 271. Frischbier 2, 301b. Dähnert 437b, nd. auch versnellen brem. wb. 4, 887: man darff nicht so ein narr seyn, und alles an einen ort stecken, hie tausend thaler, dort tausend thaler, so müste es S. Velten gar seyn, dasz man allenthalben auf einmahl geschnellt würde. Weise erzn. 52 neudr.; er hat ihn wacker geschnället, lepide, facete, et laute ludificatus est eum, dolis doctis attondit Stieler 1890; der wirt, krämer, etc. hat uns geschnellt ò überschnellt, quest' hoste, mercante ci scattato, strapazzato etc., ci fatto un conto esorbitante, rigoroso, straboccato Kramer deutsch - ital. diction. 2 (1702), 631a: indem er als ein dieb sich hält, der andre nur berückt und schnellt. Brodtkorb teutsche warheit (1700) 258; du funffzehn-hut, du bärenheuter, verstehst nicht, was das spiel-recht sey, ich hatt' es offenbahr gewonnen, jetzt schnellt mich dein verfluchter stich. Günther 167; dem schlauesten Hebräer in B * * ... kams ein ... was giebt der geitz nicht seinen sklaven ein! von Frankreichs witzigen den witzigsten zu schnellen. Lessing 1, 32. einen um etwas schnellen: um zehen thaler geschnellt werden. Adelung; du machst einen winkelzug über den andern, um den guten patron um sein opfer zu schnellen. Gotter 3, 475; er war der klare kern von jenen alten junggesellen, die in der ersten classe schon die mägdgen um viel weisz - zeug schnellen. Günther 432; wenn selbst der fürst für gnad' es hält, dasz ich ihm seine zeit vertreibe, indesz die langeweil' um meine zeit mich schnellt. Göckingk 2, 23. mnd. mit etwas: mit iweme gelde wyl ek iw nycht wor (= wer, wieder) snellen. quelle des 15. jahrh. Germ. 13, 393. mit auslassung des objects: nämlich Julen, die den herrn betrog, wo sie konnte, übrigens aber das rechtschaffenste, gutherzigste ding von der welt war, nahm ich alle ihre schwenzelpfennige, die sie sich bei den markteinkäufen machte, ab. sie schnellte blos für mich. Immermann 1, 109 Boxberger; wenn doch die reisenden das klagen unterlieszen, dasz unsre wirthin hier, sie schnelle; denn mich dünkt, das manche mehr von ihr genieszen, als sie in rechnung bringt. Göckingk 3, 261. I@1@b@bβ) waidm. den leithund schnellen, ihn mit dem hängeseile einen zucker, d. i. einen mit einem ruck verbundenen schlag auf den rücken geben. Adelung. Jacobsson 4, 25a, schnellen, den leithund am hängeseile, den hühnerhund an der dressirleine durch einen ruck mit der leine strafen Behlen lex. d. forst- u. jagdk. 5, 524. Kehrein wb. der weidmannsspr. 262. I@1@b@gγ) finger schnellen, schnellend, mit einem ruck bewegen, als spiel, bei dem zwei die fäuste mit einer beliebigen anzahl plötzlich ausgestreckter finger vorhalten und dabei die zahl der beim gegner vermuteten anzahl der ausgestreckten finger aussprechen Schm.2 2, 575. 1, 1641: murre- oder morry spiel, nory-morry, finger schnellen, micare digitis. voc. von 1735 ebenda. auch Garg. 165b wird fingerschnellen als spiel erwähnt. etwas anderes ist wol das oben unter a, β erwähnte mhd. vingerlîn snellen. sonst wird schnellen auch bezogen auf einen plötzlichen, kurzen schlag mit den fingern, das schnippen mit den fingern, sowol als bezeichnende geberde, als um einen zu treffen, schnellen, schnelle oder schnallen vor die stirn schlagen, donner des chiquenaudes, dar delle frignocole Hulsius (1616) 287a, schnällen, et schnelleren, talitris nasum, frontem, etc. ferire Stieler 1890: nâch dem trunke er snellet ein hovelîcheʒ snellîn. Seifr. Helbling 13, 103. mit den fingern: schnellen, als mit den fingern, micare digitis, concrepare Maaler 359c, mit den fingern schnellen, far scattare, scoppiare, chioccare, frignoccalare, sbuffettare le dita, it. frignoccar colle dite Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 630c: unterdesz thut der am besten, wer zu trotz der tollen welt bey vergnügt- und klugen gästen lustig mit den fingern schnellt. Günther 195. mit der hand: er schüttelte den kopf und schnellte mit der hand. A. Gryphius (1698) 1, 54. auf etwas schnellen, schnippend schlagen: kindereyen lallt der Franzose nach, und schnellt triumphirend auf seine dose à la Grecque. Göthe 39, 341. einem unter die nase schnellen. Klein 2, 134, einen auf die nase schnällen, nasum alicujus stricto, acutoque articulo percutere Stieler 1890, einen auf die stirn schnellen, stricto acutoque articulo frontem alicujus percutere 1904, einen schnellen vor die stirn, frignoccolare, sbuffettare colle dita. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 631a, jemanden vor die nase schnellen, ihm einen nasenstüber geben Adelung, jemanden auf die finger schnellen ebenda. einen an die nase. K. v. Ammenhausen bei Lexer mhd. handwb. 2, 1031; wil mich lassen an d'nasen snelln, wenn diese red ist war. Ayrer 3028, 11 Keller. bildlich: die feind hab wir gschnelt auf dnasen. H. Sachs 3 (1561), 27a. im weiteren sinne von 'schlagen': mit dem stecken schnellen, fustem impingere, baculo tundere Stieler 1904. I@1@b@dδ) pondera tormentorum machinis movere. Frisch 2, 215a. vgl.schneller 1, b. I@22) die allgemeinere bedeutung 'schneller machen, beschleunigen' liegt vielleicht in der folgenden stelle vor: zuo stuont er sich von mir schiette und seit es andern sinen gesellen und hieʒ mich gann sneggen snellen (wies mich an ein thörichtes geschäft, hiesz mich gehn). Dioclet. 3424. IIII. reflexiv. II@11) sich mit schnellkraft, mit einem ruck, ruckweise bewegen, sich schwingen, springen. II@1@aa) von lebewesen: er (der schulmeister) schnellte sich wie ein käfer weiter und schien ein auf die zwei letzten füsze gestellter vielfusz zu sein, an dem im gehen hundert müszige wagrechte füsze zappelten. J. Paul biogr. belust. 1, 136; die tänzer schnellten sich wie auf sprungfedern durch das zimmer. Freytag soll u. haben 2, 70; Lys schnellte sich herum und sprang auf. Keller 2, 226; sinen lufer (läufer, pferd) hei erkois up den hei sich veil balde snelde unde reit und wichde van dem velde. d. städtechron. 12, 52, 1071 (Hagen köln. chron.). in freierer fügung: auf einmal in einer gewissen weite schnellte sie (die gerechtigkeit) sich in einen reiszenden flug. J. Paul teuf. pap. 1, 52. II@1@bb) von dingen: so rieffn sie (die mäuse) all in grossem zorn, und grunzten wie die wilden morn, als wenn sich im wasser die wellen mit rauschen an das ufer schnellen. Rollenhagen froschm. (1595) Nn 6a. II@22) allgemeiner, sich schnell, eilig bewegen, in älterer sprache. II@2@aa) mit zusätzen der richtung: Rodolfus, de uterkoren was, snellde sik na Miszen. deutsche chron. 2, 594, 8; Abram snellede sik yn sin telt to Sara. quelle bei Schiller - Lübben 4, 273a; hey begunde sich snellen, do der konynck reit. Karlmeinet 264, 62; sus mûsten sich von dannen snellen her Hasenberg und sîne gesellen. quelle im mhd. wb. 2, 2, 447a; hir umme snelle dy van hinnen. sündenfall 514. II@2@bb) ohne solche, wie 'sich eilen, beeilen' im örtlichen und weiteren sinne: ane merren ind ane resten begunde he sih snellen mit allen sinen gesellen, we hey dar queme, dar hey Karlle verneme. Karlmeinet 235, 58; (ich) willen dir zo zoulde dusent bysanten von golde geven ind dynen gesellen, up dat ir uch wylt snellen. 278, 9; we ich mich gesnellen mochte mit der zungen. 286, 69; szo wullet uch darinn ye nicht sumen unde uch da mit uwern sachen snellen. quelle von 1441 bei Dief.-Wülcker 843. IIIIII. absolut. III@11) sich mit schnellkraft, mit einem ruck, ruckweise bewegen, schwingen, springen, fliegen. III@1@aa) so meist von dingen. III@1@a@aα) mit angabe der richtung. III@1@a@a@aaαα) woher: si kâmen snurrend als ein pfîl, der snellet ûʒ der nüʒʒe. Konr. v. Würzburg troj. krieg 3923; gelîch dem wilden pfîle, der ûʒ dem tonre snellet, wart minne ûf in gevellet. 7689. III@1@a@a@bbββ) wohin: da der lew die klawen in den spalt stiesz, da zohe der buer dy axt usz dem spalt, da schnalt der baum wider zuosamen, und was der lew gefangen. Pauli schimpf u. ernst 26 Österley; da wolt Milo sein stercke versuochen und thet beide hend in den spalt (eines baumes), und wolt den baum von einander reissen, da sprungen die speidel herusz, und schnalt der baum zuo, und ergreiff im beide hend, und er bleib also gefangen. 165; es fuhre aus, und schnellet mir auf die finger, egli scattò, scoppiò, sbalzo e mi diede sulle dita. Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 630c; ein gespannter elastischer körper schnellt zurück, schnellt ab, wenn er seiner schnellkraft schnell und ohne hindernisz überlassen wird. Adelung; iuwer êre wære verlorn, hete er sich sîn rehte verstân daʒ sîn vinger wære gesnellet dâ man schimpfen sol. Haupts Neidhart 184; er was ouszerhalp ein horn, von starken schuppen spanbreit, als der pfîl ouf in schreit so snellte er wider hinder sich. Heinr. v. Neustadt Apoll. 4325; durch fensterluken hoch und schmal fällt zitternd ein das licht und schnellet von helm zu helm. Immermann 13, 267 Boxberger. III@1@a@bβ) ohne solche angaben: eine feder schnellen lassen, die gespannt ist. Adelung; etslîche in vorebbele intlôstin si dî nebbele und boume nidderbukten, dî spîldin unde drukten darîn der nable zipfle lâʒende sneln dî wipfle und sî alsô intdermeten. Nicl. v. Jeroschin 26499 Strehlke; wie oder wenn der grund an starken schlössern kracht, ein ieder pfeiler schnellt, die wände zitternd macht, und kalck und stein und bund in allen zimmern springen. Günther 606; wann der maien fällt so reit ich, dasz der boden schnellt. Birlinger volksth. aus Schwaben 2, 142; die wage schnellen lassen, lasciar traboccare la bilancia. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 630c, sie ungehindert schnell auf- und niedersteigen lassen Adelung: er lat die wag bald snellen. teufels netz 10549 Barack. etwas auf der wage schnellen lassen: ein andrer miszt das werk mit ellen; ein dritter läszt's auf der wage schnellen. Göthe 13, 48. schnellen in solcher anwendung bildlich: ûf der stat sô snalten die sinne sam ein îsentrât, under den daʒ herze hât sich hin geleit mit twange. Reinfr. von Braunschweig 4972. auch wie 'zerspringen, bersten, platzen' Lexer kärnt. wb. 223. Schöpf 640. [d]erschnellen, ze(r)schnellen Schm.2 2, 575: und wiewol es nicht fewr ist, nicht reucht, nicht schnellt: so ist es doch ein etherisch büxenpulver, dasz da kompt ausz den cavernis und emunctorijs der cataracten, der vulcanischen windsternen. Paracelsus (1616) 2, 83 C; wenn man damit (mit den ziegeln) sol decken so tuond si schnellen und zerkreken. teufels netz 11160 lesart. III@1@bb) von lebewesen: do begonde hervur snellen der tûvele ein michel teil ûf des menschen unheil, der bî dem bischove gie. pass. 134, 92 Köpke; behend zum grunde fuhr der fisch, und plätschernd der erschreckte frosch kopfüber in den ginster schnellt. Droste - Hülshoff 397; schon schnellt mir's in händen. Mörike 1 (1889), 33. bildlich: ei, sagt die Anne, ihr schnellt in die höhe wie ein haselzweig, wenn man euch berührt. Ludwig (1891) 4, 11. III@22) im allgemeineren sinne, von rascher bewegung, schnelligkeit überhaupt, celerare, kloken, snellen Dief. 110b, eylen, nicht seumen, schnellen, zauwen, abjicere cunctationem. phrases Ulneri (1589) 129, celerare, festinare, properare, movere se ocyus Henisch 832, 18, celeritate uti Stieler 1904, geschwind seyn, festinare Frisch 2, 214c, nd. snellen brem. wb. 4, 887. Dähnert 437b. die belege zeigen zum theil den bedeutungsübergang von 1 in 2: wann man nun die jaghund also an gelegenen orten gestellt und angeordnet, soll man die windspiel nach gelegenheyt des orts, da man den hirtz hat sehen lauffen, schnellen lasen. Sebiz feldbau 585; wenn der habicht daher geschnellt kommt. Claudius 4 (1782), 107; dar nâch dô kam gesnellet der dritte bruoder alzehant. Konr. v. Würzburg troj. krieg 35998; si læʒet si umbe sich draben (die frau die thörichten liebhaber), unz in êr und guot enphellet: wie snelle si von in snellet. Reinh. fuchs 367, 2058; Hinrich von sînen gesellen gar schîr begunde snellen mit eime knecht ûf einen berg. quelle im mhd. wb. 2, 2, 447b; da sah man stehn sehr vil volcks auff der Reinbruck schön, zusehen dise waghafft gsellen, wie auff dem Rein sie daher schnellen. Fischart 2, 192, 504 Kurz; bis aus den ställen die klebis (pferde) schnellen. Philander im wunderhorn 2, 53 Boxberger. im bilde: vil anders snellet ûff der ban wo ich mîn sin hin lenck. liedersaal 1, 389, 28 Laszberg. aber nicht blosz in örtlicher, sondern auch in weiterer bedeutung, so mit tadelndem nebensinne, wie 'vorschnell sein' (vergl.schnell 2, k): sye (die schriftgelehrten) hettens gern gesehen, das er (Christus) geschnellt hett, und ein unbedocht antwort geben. Keisersberg post. (1522) 74b; dorumb thettent sye eins, und komen den herren an mit senfften worten, ob sye im möchten härusz helffen, das er schnalte und spräch, er wär der gesalbt Christus, ... daʒ sye jn möchten begryffen in seinen worten. 106b. mit dativ der person, der gegenüber die handlung geschieht: sye ... suochtent und grapten noch einer handthab, ob er yenen wolt schnellen mit eim wörtlin, das sye jn möchten begriffen. ebenda. aus der waidmannssprache führen Frisch 2, 214 und Adelung schnellen in solcher verwendung an als technischen ausdruck für das vorschnelle, voreilige anschlagen, bellen des leithundes. schweiz. gebraucht man es vom plötzlichen beiszen der hunde Seiler 260a. landschaftlich heiszt es: das korn, obst hat geschnellt, ist zu schnell reif geworden. III@33) dem unter 2, a, β erwähnten gebrauch im sinne von 'bersten, platzen' nahe steht die bedeutung crepare Wachter 1451, krachen, knallen Schöpf 640, der ein geräusch meint, wie es beim bersten, platzen zu entstehen pflegt. auch mit den fingern schnellen (s. oben I, 1, b, γ) leitet zu ähnlicher anwendung mit persönlichem subject über. es heiszt unpersönlich von klatschendem geräusch: auf einmal klatschte das wasser laut auf, die kette muszte abgerissen sein, so hefftig schnellte es. Mörike 2 (1878), 45. vom klatschen der peitsche: darnach so soll er (der schäfer) auch seine herde zuzeiten entweders mit eynem lieblichen gesang, oder mit schnellender geyszel, oder sackpfeifflin erlustigen und erfräuen. Sebiz feldb. 139. auch persönlich, vom klatschen mit der peitsche Birlinger volksth. a. Schwaben 2, 44. daran schlieszt sich schnellen, heftig anfahren, anschnauben, heftig erwidern, increpare Stalder 2, 343. Hunziker 227. Seiler 260a, repercutere ejus dicta. voc. von 1618 bei Schmeller2 2, 575. vgl.anschnellen oben theil 1, 448. hier mag auch der gebrauch im sinne von 'schnell, vorschnell sein' (s. 2) eingewirkt haben, ebenso bei der anwendung für 'antworten' oder 'sprechen' überhaupt (vgl. die oben a. a. o. gegebenen belege aus Keisersberg): die fraw wolt es im nit sagen, doch schnalt sie einmal wie das sie etwas uff ir het. Pauli schimpf u. ernst 160 Österley; und der fürst fragt zuo dem andern mal, und sprach, wolan wölcher ist schuldig daran, will ewer keiner schnellen. 390. mit accus. der sache: dann als die frau baas sich einbildet, ihr jungfrau bäszlein würde nichts weiters und deutlichers schnellen, als was sie aus ihren bereits genugsam-teutschausgetruckten worten schon vernommen. Simpl. 4, 77, 3 Kurz.
24843 Zeichen · 434 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schnêllen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schnêllen , verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit den Hülfswörtern haben und seyn.…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schnellen

    Goethe-Wörterbuch

    schnellen a etw kräftig beschleunigen, aus der Ruhe sofort in eine schnelle Vor- u Aufwärtsbewegung versetzen; überwiege…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schnellen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schnellen , hohe, zylindrische, sich nach oben etwas verjüngende Henkelkrüge von eleganter Form und mit reichen Reliefve…

  4. modern
    Dialekt
    schnellen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schnelle n [nêlə Roppenzw. Ensish. ; nèlə Liebsd. Hi. Steinb. Pfast. Co. Obhergh. M. Dü. Katzent. Hf. ; nælə Su. ] 1.…

  5. Sprichwörter
    Schnellen

    Wander (Sprichwörter)

    Schnellen Ich wolt jn nit schnellen. – Franck, II, 53 b . Um Verachtung auszudrücken. Franck fügt als verwandt bei: Er i…

  6. Spezial
    schnellen

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    schnellen (Lakune) стремительно подняться; вскочить; вскочить, как ужаленный идиом. , разг. ; взлететь перен. ; взмыть; …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schnellen

21 Bildungen · 4 Erstglied · 12 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von schnellen 2 Komponenten

sch+nellen

schnellen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schnellen‑ als Erstglied (4 von 4)

Schnellenbicker

ElsWB

schnellen·bicker

Schnelle n bicker m. Arbeiter, der kleine Steinwürfel behaut, aus denen nachher auf der Schnellenmühle die runden Steinkügelchen (Spielkugel…

schnellen als Zweitglied (12 von 12)

abschnellen

DWB

abschnellen , excutere, gewaltsam abfahren: der pfeil schnellt vom bogen ab; dasz mein lebensfaden achtfach genommen am ersten zehentheil ( …

anschnellen

DWB

anschnellen , vibrare, nnl. aansnellen: den ring anschnellen; der sturm schnellt die bäume an ( s. anschnallen ), schnellt, prallt an die bä…

aufschnellen

DWB

auf·schnellen

aufschnellen , sursum librare, vibrare: einen ring, ball aufschnellen. intransitiv, aufschnellen, impetu sursum librari: der ball schnellt a…

ausschnellen

DWB

aus·schnellen

ausschnellen , vibrari, exsilire: denn der ( arm ) schnellt aus wie federstahl, sein schwerthieb ist ein wetterstrahl. Bürger 51 b .

beschnellen

DWB

beschnellen , fraudare, decipere, eigentlich vibrare, das praet. früher noch rückumlautend beschnallte, part. beschnallt: der hat im selbst …

erschnellen

DWB

ersch·nellen

erschnellen , percellere, ferire, beschnellen, mhd. ersnellen: die vogel ime lufte ersnellen. w. gast 8551 ; den ich tanzent an ir hant ersn…

überschnellen

DWB

ueber·schnellen

überschnellen , v. I I. untrennb. verbindung. I@A A. trans. I@A@1 1) zu trans. schnellen, werfen: jem. rücklings niederwerfen, beleg des 15.…

zerschnellen

DWB

zer·schnellen

zerschnellen , verb. , 1) intrans., zu schnellen ( th. 9, 1294), urspr. stark ; zerspringen, zerplatzen, bersten: von groszem streich der lu…

Ableitungen von schnellen (5 von 5)

beschnellen

DWB

beschnellen , fraudare, decipere, eigentlich vibrare, das praet. früher noch rückumlautend beschnallte, part. beschnallt: der hat im selbst …

entschnellen

DWB

entschnellen , losschnellen, 1 1) intransitiv, repente revelli: der pfeil entschnellt dem bogen. 2 2) transitiv, repente remittere, den pfei…

erschnellen

DWB

erschnellen , percellere, ferire, beschnellen, mhd. ersnellen: die vogel ime lufte ersnellen. w. gast 8551 ; den ich tanzent an ir hant ersn…

verschnellen

DWB

verschnellen , verb. fortschnellen, übereilen, betrügen, besonders in der älteren sprache üblich, mhd. nnd. versnellen, mnd. vorsnellen. 1 1…

zerschnellen

DWB

zerschnellen , verb. , 1) intrans., zu schnellen ( th. 9, 1294), urspr. stark ; zerspringen, zerplatzen, bersten: von groszem streich der lu…