verschnellen,
verb. fortschnellen, übereilen, betrügen, besonders in der älteren sprache üblich, mhd. nnd. versnellen,
mnd. vorsnellen. 11)
durch schnellen, mit einem schneller fortbewegen Campe;
zu transitivem schnellen
gehörig: snêwe sint versnalt.
minnes. 2, 395
a Hagen; nach Campe
auch '
durch schnellen alle machen'. 22)
zu intransitivem schnellen (
schnell sein),
übereilen, etwas durch übergrosze eile verderben oder verfehlen. Schm. 2, 575: nû was genen alzû gâch, daʒ sî daʒ dinc vorsnaltin. Nic. v. Jeroschin 24760;
doch auch, wenn etwas durch die eile des anderen, also durch eigene saumseligkeit, verloren wird: nû was der Prûʒe ein teil zû laʒ .. des wart sîn vrume dô vorsnalt. zû lange er dâ sûmete. 10028. 33) einen verschnellen,
übereilen, überraschen: ik danke dyner gnade, dattu my heszt bewaret, dat ik nicht vorsnellet byn van eynem snellen ghogen (
jähen?) dode.
quelle bei Schiller-Lübben 5, 451
a;
überfallen: da he Coellen zo unrecht overviel ind versnelde ind gewan it zo sinre gewalt.
städtechr. 13, 457, 12;
zuvorkommen: hey .. waende Rolant zo dode erslaen. do versnelde en Rolant ind slog en up syne hant.
Karlmeinet 365, 29; verschnellen,
pro überschnellen,
praecipitare aliquem, mit einem zu schnell verfaren. Haltaus 1886; eyn jtlich ffrigreve hat noch de macht van synes amptes wegen dat he dem vorclageden vorbodeden ungehorsam manne keyser Ckarls dach fristen und geven mach .. up dat me enne also nicht en vorsnelde.
quelle von 1464,
s. ebenda; dardurch man die unszernn ane rechte ladunge ader vermanunge vermeynte schedelich zcu bannen unnd zcu versnellenn.
s. ebenda 1887,
vgl. auch brem. wb. 4, 887. 44)
daraus ergibt sich leicht die besonders im nd. gewöhnliche bedeutung '
überlisten, übervorteilen, betrügen' Campe. Dähnert 527
a: wenne de stede hir vorghaddern, so scal men spreken umme den lantfrede, alse men openbar vornympt, dat de heren unde de guden lude sere de stede dare vorznellen unde vorvolghen.
quelle vom jahre 1383,
s. städtechr. 6, 87,
anm. 4; dar nicht allene unse borgere, men dat gemeine volk ... grotliken ane vorsnellet und beschediget werden.
quelle vom jahre 1411
bei Schiller-Lübben 5, 451
b; dat se dem broder, so sick der vormundtschop der andern angenhamen .. vor
F. G. landtgerichte und stapele müchten ansprecken umb eydeshandt, dat he ehne, edder synem vader in der erff-dehle der bewechliken gueder vorschnellet hedde.
quelle bei Haltaus 1887; wor valsch to valsche sick gesellet we dan den andern dan vorsnellet .. des môt ik lân ane klage. Gerhard v. Minden 55, 136. 55)
reflexiv, sich verschnellen,
sich übereilen: he hedde sik in dem anbeginne vorznellet.
quelle bei Schiller-Lübben 5, 451
b; das man sich nicht verschnelle, unnd mit schaden und schande bestehe. Agricola
sprichw. 90
; in sermone labi, confundi Scherz-Oberlin 1770; also ouch hyelten die schrifftgelerten und abgescheydnen dem herren für ein gehürnte frog, er spräch jo, oder nein, wo hyn er wolt, oder was er spräch, so vermeynten sye er müst sich verschnellen, und in die gabel fallen. Keisersberg
post. 2, 74
b.
von dingen, die durch übereilung verdorben werden oder verunglücken: mit gewalt und mit vâren wolden si in (
Decius u. Valerianus den christen) stellen unde ir leben vellen .. diz muste sich versnellen und zû nichte swînen.
pass. 393, 72
Köpke; ich wil dir râten, junger man, du solt dich niht versnellen
meisterl. 203, 51
Bartsch. 66)
ingurgitare .. versnellen, swellen, swelgen Dief.
gl. 298
c ist wol schreibfehler für verswellen,
vgl. Dief.-Wülcker 566.