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unterlassen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unterlassen v.;

Bd. 24, Sp. 1651
unterlassen, v.; ahd. untarlâʒan; mhd. underlâʒen; mnd. underlaten; mnl. nl. onderlaten; ält.n. underlade, später undlade; schwed. underlta aus dem mnd. II. mit 1unter III A 1 (sub). submittere Graff 2, 306. die verbindung ist in der regel trennbar. I@11) unter etwas schieben, legen, z. b. eine sperrkette unter den schlitten Staub-Tobler 3, 1405, 1 c; jemanden unter ein dach oder obdach treten lassen Campe (vgl. 4); die schlittschuhe u., unter den füszen behalten (nl. wb. 10, 1391); undergelassen, under etwas gelassen, gestelt oder gesetzt submissus Maaler 456a; Hulsius-Ravellus (1616) 371a; insbesondere admittere agnos ad matres underlassen gon saugen oder zuo der muoter lassen Frisius 64b; subrumare Maaler 456c; Staub-Tobler 1 a; einer kuh das kalb u. Fischer 6, 238, 1: ietlichi lam söllend zwain fuorernan (nutricibus) undergelaussen werden Österreicher Columella 2, 76. I@22) sich u., sich unter den wasserspiegel hinuntergleiten lassen: als sie zum Mummelsee gekommen, hat es (d. waldmännlein) sich untergelassen, doch zuvor den bauer zu verweilen gebeten ... bis zu seiner wiederkunft brüder Grimm d. sagen (1891) 1, 38; untergehen von gestirnen: Daniel 4084 H.; dan schauete er, wie der wage mb seine achse gieng und sich algemach nach dem kalten norden unterliesz J. Schwiger Cynthie A 7a. unüblich. I@33) in jemandes gewalt oder oberhoheit übergeben, unterwerfen mnd. wb. 5, 30b; übertragen: underlassen, undergeben, ut ego submisi me arbitrio tuo gemma (1508) B 1a. die trennbarkeit bleibt zweifelhaft. veraltet. I@44) unterschlupf gewähren: er ward ouch hin und wider undergelaszen J. v. Watt 2, 264. vgl. 1. veraltet. I@55) sich u. sich niederlassen Egger gl. 940; Fischer 6, 238, 2. dazu unterlassung niederlassung Egger a. a. o. veraltet. I@66) sich herab- oder herbeilassen, demüthigen (vgl. oben 3): leydt ist myrs, das ich mich tsuo Wormiss für dem keysser so weytt unterliesz, das ich wollt richter leyden uber meyn lere und hören, wo ymand myr eyn yrthum erweyssete Luther 10, 2, 233; 107 W.; ... da Christus ... sich unterlessit williglich, dienet und gibt den tzynsz 7, 36 W.; 10, 2, 107 W. veraltet. I@77) nach 1unter III A 1 b δ etwa unterschlagen: also ist es ergangen. warumb hast du mir disen bescheid underlassen? J. Fabri ein warliche underrichtung (1523) D 3a; oder zusammenfallend mit bed. III B 2. trennbarkeit zweifelhaft. I@88) heimlich senden, anstiften: erste d. bibel 5, 338, 19 (3. könige 21, 10); vgl. 1unter III A 1 b δ. vielleicht nur wortübersetzung (submittite). I@99) ob mhd. underlâʒen (var. underlâʒend) zend (dentes minutissimos) K. v. Megenberg b. d. natur 174, 26 nach I oder III aufzufassen ist, bleibt unsicher. vgl. unterlassen, part. praet., unter III B 1. IIII. unter-vertritt hinter-, bes. im österreichischen; s. sp. 1454, 10; österr. weisth. 11, 720b; zeitschr. f. d. wortforschung 12, 57: deme ich nachfolgende grabschrifft unterlassen Abele unordnung 3, 235; in diesen zeiten starbe eine vornehme und sehr begüterte matron, die unterliesze an baaren mitteln in die 6 tausend cronen J. Rebhu Spiridon (1679) F 8b; Crasset japan. kirchengesch. (1738) 1, 63; Blumauer ged. (1782) 194; Ph. Hafner lustspiele (1812) 1, 24; ich konnte meinem sohne kein zeichen meines letzten willens u. Raimund 1, 118 Gl.-S. nicht allgemein schriftsprachlich. IIIIII. mit 1unter III A 2 (inter, dis). III@AA. in trennbarer verbindung: mit 1unter III A 2 a γ: die stehre (schafböcke) auch eher und langsamer nicht dann ungefehrlich 14 tage vor Michaelis untergelassen, damit die lambzeit Petri stuhlfeier anfahen möge haushaltung in vorwerken 172; veraltet, heute darunter lassen. s. auch B 3. III@BB. untrennbar; 1unter III A 2 b. III@B@11) unterbrechen, aussetzen: beim läuten einhalten s. sp. 1485 ende; die wollust ist nit schmeckende, die alle zeit weret und nit zu zeitten undterlassen wirdet A. v. Eyb d. schr. 1, 88 (vgl. 5); underlaszne ding wider erholen und zuosamen bringen interrupta contexere Maaler 456c; A. vollführet seine unterlassene rede Lohenstein Arm. 1, 725; den versicul halb u. Abr. a S. Clara merks Wien (1680) 107. mit dem begriff der abwechslung (s. sp. 1486): kommt wehrte blumenfreund! kommt, lasset uns beschauen, wie schön die farben seynd in diesen blumenauen, roth, schwartz, grün, gelb und weisz, blau, braun und unterlassen, das auch des mahlers fleisz solch mischung nicht kann fassen quelle bei Hohberg georgica 3 (1715) 478a. veraltet. III@B@22) weg-, aus-, beiseitelassen; vorbeigehen lassen; von etwas abstand nehmen, sich entfernen; übergehen: darnach wart alles, das sie gewunnen, uf den platz für das frauenzimmer gefürt ... und aller freuden und kurzweil, die ain jung mensch erdenken kan, kaine underlaszen Wilwolt v. Schaumburg 40; da haben sy die negel unterlassen und im mit banden die hend uff den rucken gebunden C. Hedio chron. germ. (1530) E 4a; das vorig tranck nicht unterlassen Gäbelkover arzneib. (1593) 1, 77; er underlaszt nimmer kein tag, das er nit allweg komme Boltz Terenz (1539) 92a; aber nach 5: ich unterlasse nun keine nacht, mich in der grotte einzufinden Wieland Agathon (1766) 1, 271; darumb, das es (das unbeschnittene knäblein) meinen bund u. hat 1 Mos. 17, 14; gottes wort u. (vernachlässigen) apostelgesch. 6, 2; B. v. Chiemsee 125; einen lange unterlasznen brauch wider holen Frisius 1145a; sein nutz underlassen und übersähen 1420a; ... consilium aedificandi abiecerat ... hat seinen radtschlag ze bauwen underlassen 308a; das spiel Hulsius (1618) 2, 2a; eine sprache u. J. v. Watt 1, 114; Stumpf Schweizerchron. (1606) 245a. transire quaedam in legendo etwas im läsen überhypffen oder underlassen Frisius 1324a; das ich hie durch kürtz ... unterlasse A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) A 5a; A. Dürer v. menschl. proportion G 4b; H. Sachs 16, 201, 14 G.; wo die schryber ... den daruf folgenden rechten punkt underlassend Zwingli d. schr. 1, 161; S. Franck chron. Germ. (1538) 163a; so müeszte man vil äbt underlassen J. v. Watt 1, 149; eine zahl, silbe, worte u. W. H. Ryff anatomi (1541) D 1a; G. Widman chronica 194 Kolb; Butschky Pathmos (1677) einf. 4b; ich unterlasse hier viele curieuse manieren, selbige (trauben) zu bewahren Marperger küchen- u. kellerdict. (1716) 1312b; nam, ut mittam, quod dann, dasz ich underlasz, das Boltz Terenz (1539) 54b. 'u. für weglassen ... ist blosz oberdeutsch' Heynatz antibarb. 2, 534. veraltet oder wie von Adelung elliptisch nach 5 verstanden. III@B@33) erlassen, nachlassen: trennbar: item J. H. myn wirt tenetur 300 m., d habe wir m undergelossen von gelde, das her uns schldig was, alzo das her uns gebin sAel von 12 m. 1 m. handelsrechnungen d. d. ordens 114, 11 Sattler; sonst wohl untrennbar Egger gl. 940a; tirol. weisth. 3, 134, 23 (1711); mit genitiv (wie bei lassen B I 5 d): du sollst in trinckens underlon Scheit Grobianus 1907 ndr. veraltet. III@B@44) im stich lassen, verlassen: transitiv: der herr wirt seyn volck nicht unterlassen Luther d. bibel (1906) 1, 55 W.; Züricher bib. (1531) 1 könige 12; intransitiv: periodus remittens ein unterlassender umbgang (nicht zu ende gebracht, anakoluth) Orsäus nomenclator methodicus (1623) 225. veraltet. III@B@55) in der nhd. hauptbedeutung, lassen B I 5 entsprechend, factitivum zu unterbleiben (s. d.); 1unter III A 2 b β; 'etwas nicht thun, welches zu thun man einige bestimmung hatte' Adelung; zum heutigen unterschied von lassen und u. Sanders wb. d. syn. (1882) 532 f.; ablassen und u. Eberhard syn. 1, 17; ermangeln und u. 2, 193; Weigand 3, 891. für abstare Diefenbach gl. 5b, subterfugere (ich lasz ab, lasz under wegen, lasz anstehen, underlasz, hOer uff, stehe ab) Alberus (1540) e e 2a, intermittere, omittere, quiescere, cessare Frisius (721b; 915b; 1108a; 205a), praetermittere H. Decimator; bleiben lassen, u., ob etwas beruhen Henisch (1616) 412. für intermittiren, post-, praeter-, omittiren Spanutius (1720) 280; 350; 353; 338. selten in mundarten; volksthümlicher dafür underwegen lan, lan sin Staub-Tobler 3, 1405, 2 a; nicht schwäbisch Fischer 6, 238. III@B@5@aa) absolut, ablassen, abstare: doch darf der mensch umb sölich ding nit davon steen oder gantz underlassen Tauler serm. (1508) 77b. veraltet. III@B@5@bb) mit accusativobject. III@B@5@b@aα) in gegensätzlicher verbindung mit thun: wo sie ... mit ernst gleubten, dasz gott ... sey, würden sie ... viel unterlassen, dasz sie sonsten thun Luther 34, 2, 225 W.; H. Sachs 22, 73, 8 G.; J. Ayrer dramen 91, 28 K.; Chr. Weise der gr. jugend überfl. gedanken 234 ndr.; thue und unterlasz alles, wenn es die wohlfart eines weltbürgers befördert literaturbr. 19 (1764), 178; was soll ich thun? was soll ich u.? Göthe 23, 192 W.; vgl. thun und lassen. III@B@5@b@bβ) das accusativobject schlieszt ein thun ein: euch wer nützer gewest, ir hettent des keysers dienst underlassen und wert nit hieher kommen Aimont n 6a; damit sey die nacheyl underlassen Thomas v. Absberg 36; sulchs gebeth wer besser u. Luther 2, 82 W.; sein lang underlassen studieren Frisius 1157a; sein ampt übersehen und underlassen 365b; eine reise, übung der religion, keinen fleisz, die saat, ein werk, bewegungen u. buch d. liebe (1587) 389c; Stumpf Schweizerchron. 279a; J. Ayrer dramen 302, 21 K.; Lehmann florilegium 1, 409; Kramer (1700) 1, 897c; Chr. Wolff vern. gedanken v. gott (1720) 279; da hast du baare funfzig thaler; nur unterlasse den gesang Fr. Hagedorn 2, 120; unterlaszne pflichten, verehrung G. Stephanie lustsp. (1771) 119; Nicolai literaturbr. 4 (1759) 4, 363; sünde, verbrechen u. Adelung; unterläszt der käufer die anzeige, so gilt die waare als genehmigt handelsgesetzb. 377, 2; so mag es doch nicht u. bleiben Paracelsus 2, 334 H.; es kan aber disz orts nicht umbgangen noch underlassen werden Sattler phraseologey (1631) 375; nichts u. Chemnitz schwed. krieg 1, 16; was einer gewohnet ist, das kan er nicht u. Reinicke fuchs (1650) 134; er wollte fragen, und doch unterliesz er es Immermann 5, 10 Hempel. III@B@5@cc) mit inf. und zu; beliebt in geschäfts- und bücherspr., dann aber auch allgemein und formelhaft: ubel nachredens halben soll kainer underlassen den leuten guots zu thuon G. Mayr sprichw. (1567) E 2a; allhier kan ich nicht u. zu schreiben Sebiz feldbau (1579) 198; Schweinichen denkwürdigkeiten 161 Ö.; darzu wir dann ... zu verschreiben nicht u. sollen acta publ. 2, 273 Palm; Harsdörfer gesprechsp. 1, A 4a; du hast mich an dein hertz gedrückt, nicht unterlassen mich zu küssen Königsberger dichterkreis 148 ndr.; er wird ... nicht u. zu kommen Kramer (1700) 1, 897c; denn man ungern unterlasset, nach der occasion zu greifen Leibniz d. schr. (1838) 1, 248; J. konnte endlich nicht u. zu sagen Göthe 23, 187 W.; der könig Georg hat auch nach dem ... abschlusz des vertrages ... nicht u., die feindseligkeiten fortzusetzen ... Bismarck polit. reden 4, 100; wechselordnung 59; warum hast du es u., mir nachricht davon zu geben? Adelung. formelhaft: ich hab nicht u. sollen, dir auff deinen brieff zu antworten facere non debui, quin Orsäus nomenclator (1623) 320; ich kann nicht u., sie zu lieben Gottsched beobacht. (1758) 374; facere non possum, quin; ich werde nicht u., ihnen das ergebnis mitzutheilen; ich kann nicht u., zu bemerken, sie aufmerksam zu machen u. dgl. vgl. ermangeln, ver(ab)säumen, verfehlen Sanders syn. (1882) 368 ff. mit verblassung des verbalbegriffs: die junge Danae, so sehr sie ein neuling war, unterliesz es doch nicht, in dem betragen ihres liebhabers etwas wahr zu nehmen (nahm trotzdem etwas wahr), welches ihr ... nicht die vortheilhafteste meinung gab Wieland (1853) 6, 221. III@B@5@dd) unüblich mit dasz-satz: ich selber unterlasse kaum, dasz ich sein (des weines) lob von neuem singe Hagedorn ged. 35, 326 lit. denkm. III@B@5@ee) mit andern, heute schriftsprachlich veralteten formen logischer abhängigkeit: das ein ieder mög verstan, was wir doch an den juden han, die do gantz nüt underlan und handt zuo unsz ein solchen sinn: was uns liebt, das leidet in Th. Murner entehrung Mariä 62 (Klassert); dan ich mag nit underlassen, sunder muosz inen anzOegen Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) B 2a; ich bitt, wölst unterlassen nicht, den brieff selb lesen H. Sachs 6, 154, 9 K.; so kann ichs unterlassen nicht, die warheit musz ich sagen Opel-Cohn 30 jähr. krieg 153. — unterlassen, n., substantivierter inf.; vgl. unterlasz und unterlassen, v., III B 5: das underlassen brieff ze schreyben und ze schicken intermissio epistolarum Maaler 456a; dise (vögel) aber wissen von keiner ruohe oder u. vom fliegen Heyden Plinius (1565) 467; mir schien mein u. ein handeln zu ihrem verderben Göthe 24, 204 W.; sei es im thun oder u. (gewählter als das übliche thun und lassen) 27, 145 W.; eine leistung kann auch in einem u. bestehen bgb. 24; das u. dieser bemerkung entzieht jedoch dem wechsel nicht die wechselkraft wechselordnung 68, 2. ohne u. statt des üblichern ohne unterlasz: Sleidanus reden 11 B.; ohn unterlan M. Hayneccius Hans Pfriem 14 ndr.; Tschudi chron. (1734) 2, 456; Eyering proverb. copia 3, 86; 1, 4; D. v. d. Werder ras. Roland 7, 38. —
13233 Zeichen · 352 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unterlássen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Unterlássen , verb. irreg. act. S. Adelung Lassen; ich unterlasse, unterlassen, zu unterlassen; etwas nicht thun, welche…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unterlassen

    Goethe-Wörterbuch

    unterlassen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unterlassenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    unter-lassen st. : 'aufhören, nicht tun', unneʳlosse [vereinzelt]. —

  4. Spezial
    unterlassen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|ter|las|sen vb.tr. (bleiben lassen) tralascé (-scia), trascuré (-rëia), fá ademanco ▬ unterlassen e Hilfeleistung aiü…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unterlassen

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Zerlegung von unterlassen 2 Komponenten

unter+lassen

unterlassen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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