unterlassen,
v.; ahd. untarlâʒan;
mhd. underlâʒen;
mnd. underlaten;
mnl. nl. onderlaten;
ält. dän. underlade,
später undlade;
schwed. underlta
aus dem mnd. II.
mit 1unter III A 1 (
sub).
submittere Graff 2, 306.
die verbindung ist in der regel trennbar. I@11)
unter etwas schieben, legen, z. b. eine sperrkette unter den schlitten Staub-Tobler 3, 1405, 1
c; jemanden unter ein dach oder obdach treten lassen Campe (
vgl. 4);
die schlittschuhe u.,
unter den füszen behalten (
nl. wb. 10, 1391); undergelassen, under etwas gelassen, gestelt oder gesetzt
submissus Maaler 456
a; Hulsius-Ravellus (1616) 371
a;
insbesondere admittere agnos ad matres underlassen gon saugen oder zuo der muoter lassen Frisius 64
b;
subrumare Maaler 456
c; Staub-Tobler 1
a; einer kuh das kalb u. Fischer 6, 238, 1: ietlichi lam söllend zwain fuorernan (
nutricibus) undergelaussen werden Österreicher
Columella 2, 76. I@22) sich u.,
sich unter den wasserspiegel hinuntergleiten lassen: als sie zum Mummelsee gekommen, hat es (
d. waldmännlein) sich untergelassen, doch zuvor den bauer zu verweilen gebeten ... bis zu seiner wiederkunft brüder Grimm
d. sagen (1891) 1, 38;
untergehen von gestirnen: Daniel 4084
H.; dan schauete er, wie der wage mb seine achse gieng und sich algemach nach dem kalten norden unterliesz J. Schwiger
Cynthie A 7
a.
unüblich. I@33)
in jemandes gewalt oder oberhoheit übergeben, unterwerfen mnd. wb. 5, 30
b;
übertragen: underlassen, undergeben,
ut ego submisi me arbitrio tuo gemma (1508) B 1
a.
die trennbarkeit bleibt zweifelhaft. veraltet. I@44)
unterschlupf gewähren: er ward ouch hin und wider undergelaszen J. v. Watt 2, 264.
vgl. 1.
veraltet. I@55) sich u.
sich niederlassen Egger
gl. 940; Fischer 6, 238, 2.
dazu unterlassung
niederlassung Egger
a. a. o. veraltet. I@66)
sich herab- oder herbeilassen, demüthigen (
vgl. oben 3): leydt ist myrs, das ich mich tsuo Wormiss für dem keysser so weytt unterliesz, das ich wollt richter leyden uber meyn lere und hören, wo ymand myr eyn yrthum erweyssete Luther 10, 2, 233; 107
W.; ... da Christus ... sich unterlessit williglich, dienet und gibt den tzynsz 7, 36
W.; 10, 2, 107
W. veraltet. I@77)
nach 1unter III A 1
b δ etwa unterschlagen: also ist es ergangen. warumb hast du mir disen bescheid underlassen? J. Fabri
ein warliche underrichtung (1523) D 3
a;
oder zusammenfallend mit bed. III B 2.
trennbarkeit zweifelhaft. I@88)
heimlich senden, anstiften: erste d. bibel 5, 338, 19 (3.
könige 21, 10);
vgl. 1unter III A 1
b δ.
vielleicht nur wortübersetzung (
submittite). I@99)
ob mhd. underlâʒen (
var. underlâʒend) zend (
dentes minutissimos) K. v. Megenberg
b. d. natur 174, 26
nach I
oder III
aufzufassen ist, bleibt unsicher. vgl. unterlassen,
part. praet., unter III B 1. IIII. unter-
vertritt hinter-,
bes. im österreichischen; s. sp. 1454, 10;
österr. weisth. 11, 720
b;
zeitschr. f. d. wortforschung 12, 57: deme ich nachfolgende grabschrifft unterlassen Abele
unordnung 3, 235; in diesen zeiten starbe eine vornehme und sehr begüterte matron, die unterliesze an baaren mitteln in die 6 tausend cronen J. Rebhu
Spiridon (1679) F 8
b; Crasset
japan. kirchengesch. (1738) 1, 63; Blumauer
ged. (1782) 194; Ph. Hafner
lustspiele (1812) 1, 24; ich konnte meinem sohne kein zeichen meines letzten willens u. Raimund 1, 118
Gl.-S. nicht allgemein schriftsprachlich. IIIIII.
mit 1unter III A 2 (
inter, dis). III@AA.
in trennbarer verbindung: mit 1unter III A 2
a γ: die stehre (
schafböcke)
auch eher und langsamer nicht dann ungefehrlich 14 tage vor Michaelis untergelassen, damit die lambzeit Petri stuhlfeier anfahen möge
haushaltung in vorwerken 172;
veraltet, heute darunter lassen.
s. auch B 3. III@BB.
untrennbar; 1unter III A 2
b. III@B@11)
unterbrechen, aussetzen: beim läuten einhalten s. sp. 1485
ende; die wollust ist nit schmeckende, die alle zeit weret und nit zu zeitten undterlassen wirdet A. v. Eyb
d. schr. 1, 88 (
vgl. 5); underlaszne ding wider erholen und zuosamen bringen
interrupta contexere Maaler 456
c; A. vollführet seine unterlassene rede Lohenstein
Arm. 1, 725; den versicul halb u. Abr. a S. Clara
merks Wien (1680) 107.
mit dem begriff der abwechslung (
s. sp. 1486): kommt wehrte blumenfreund! kommt, lasset uns beschauen, wie schön die farben seynd in diesen blumenauen, roth, schwartz, grün, gelb und weisz, blau, braun und unterlassen, das auch des mahlers fleisz solch mischung nicht kann fassen
quelle bei Hohberg
georgica 3 (1715) 478
a.
veraltet. III@B@22)
weg-, aus-, beiseitelassen; vorbeigehen lassen; von etwas abstand nehmen, sich entfernen; übergehen: darnach wart alles, das sie gewunnen, uf den platz für das frauenzimmer gefürt ... und aller freuden und kurzweil, die ain jung mensch erdenken kan, kaine underlaszen
Wilwolt v. Schaumburg 40; da haben sy die negel unterlassen und im mit banden die hend uff den rucken gebunden C. Hedio
chron. germ. (1530) E 4
a; das vorig tranck nicht unterlassen Gäbelkover
arzneib. (1593) 1, 77; er underlaszt nimmer kein tag, das er nit allweg komme Boltz
Terenz (1539) 92
a;
aber nach 5: ich unterlasse nun keine nacht, mich in der grotte einzufinden Wieland
Agathon (1766) 1, 271; darumb, das es (
das unbeschnittene knäblein) meinen bund u. hat
1 Mos. 17, 14; gottes wort u. (
vernachlässigen)
apostelgesch. 6, 2; B. v. Chiemsee 125; einen lange unterlasznen brauch wider holen Frisius 1145
a; sein nutz underlassen und übersähen 1420
a; ...
consilium aedificandi abiecerat ... hat seinen radtschlag ze bauwen underlassen 308
a;
das spiel Hulsius (1618) 2, 2
a;
eine sprache u. J. v. Watt 1, 114; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 245
a.
transire quaedam in legendo etwas im läsen überhypffen oder underlassen Frisius 1324
a; das ich hie durch kürtz ... unterlasse A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) A 5
a; A. Dürer
v. menschl. proportion G 4
b; H. Sachs 16, 201, 14
G.; wo die schryber ... den daruf folgenden rechten punkt underlassend Zwingli
d. schr. 1, 161; S. Franck
chron. Germ. (1538) 163
a; so müeszte man vil äbt underlassen J. v. Watt 1, 149;
eine zahl, silbe, worte u. W. H. Ryff
anatomi (1541) D 1
a; G. Widman
chronica 194
Kolb; Butschky
Pathmos (1677)
einf. 4
b; ich unterlasse hier viele curieuse manieren, selbige (
trauben) zu bewahren Marperger
küchen- u. kellerdict. (1716) 1312
b;
nam, ut mittam, quod dann, dasz ich underlasz, das Boltz
Terenz (1539) 54
b. 'u.
für weglassen ...
ist blosz oberdeutsch' Heynatz
antibarb. 2, 534.
veraltet oder wie von Adelung
elliptisch nach 5
verstanden. III@B@33)
erlassen, nachlassen: trennbar: item J. H. myn wirt tenetur 300
m., d habe wir m undergelossen von gelde, das her uns schldig was, alzo das her uns gebin sAel von 12
m. 1
m. handelsrechnungen d. d. ordens 114, 11
Sattler; sonst wohl untrennbar Egger
gl. 940
a;
tirol. weisth. 3, 134, 23 (1711);
mit genitiv (
wie bei lassen B I 5
d): du sollst in trinckens underlon Scheit
Grobianus 1907
ndr. veraltet. III@B@44)
im stich lassen, verlassen: transitiv: der herr wirt seyn volck nicht unterlassen Luther
d. bibel (1906) 1, 55
W.; Züricher bib. (1531)
1 könige 12;
intransitiv: periodus remittens ein unterlassender umbgang (
nicht zu ende gebracht, anakoluth) Orsäus
nomenclator methodicus (1623) 225.
veraltet. III@B@55)
in der nhd. hauptbedeutung, lassen B I 5
entsprechend, factitivum zu unterbleiben (
s. d.);
1unter III A 2
b β; '
etwas nicht thun, welches zu thun man einige bestimmung hatte' Adelung;
zum heutigen unterschied von lassen
und u. Sanders
wb. d. syn. (1882) 532
f.; ablassen
und u. Eberhard
syn. 1, 17;
ermangeln und u. 2, 193; Weigand 3, 891.
für abstare Diefenbach
gl. 5
b,
subterfugere (ich lasz ab, lasz under wegen, lasz anstehen, underlasz, hOer uff, stehe ab) Alberus (1540) e e 2
a,
intermittere, omittere, quiescere, cessare Frisius (721
b; 915
b; 1108
a; 205
a),
praetermittere H. Decimator; bleiben lassen, u., ob etwas beruhen Henisch (1616) 412.
für intermittiren, post-, praeter-, omittiren Spanutius (1720) 280; 350; 353; 338.
selten in mundarten; volksthümlicher dafür underwegen lan, lan sin Staub-Tobler 3, 1405, 2
a;
nicht schwäbisch Fischer 6, 238. III@B@5@aa)
absolut, ablassen, abstare: doch darf der mensch umb sölich ding nit davon steen oder gantz underlassen Tauler
serm. (1508) 77
b.
veraltet. III@B@5@bb)
mit accusativobject. III@B@5@b@aα)
in gegensätzlicher verbindung mit thun: wo sie ... mit ernst gleubten, dasz gott ... sey, würden sie ... viel unterlassen, dasz sie sonsten thun Luther 34, 2, 225
W.; H. Sachs 22, 73, 8
G.; J. Ayrer
dramen 91, 28
K.; Chr. Weise
der gr. jugend überfl. gedanken 234
ndr.; thue und
unterlasz alles, wenn es die wohlfart eines weltbürgers befördert
literaturbr. 19 (1764), 178; was soll ich thun? was soll ich u.? Göthe 23, 192
W.; vgl. thun und lassen. III@B@5@b@bβ)
das accusativobject schlieszt ein thun ein: euch wer nützer gewest, ir hettent des keysers dienst underlassen und wert nit hieher kommen
Aimont n 6
a; damit sey die nacheyl underlassen
Thomas v. Absberg 36; sulchs gebeth wer besser u. Luther 2, 82
W.; sein lang underlassen studieren Frisius 1157
a; sein ampt übersehen und underlassen 365
b; eine reise, übung der religion, keinen fleisz, die saat, ein werk, bewegungen u.
buch d. liebe (1587) 389
c; Stumpf
Schweizerchron. 279
a; J. Ayrer
dramen 302, 21
K.; Lehmann
florilegium 1, 409; Kramer (1700) 1, 897
c; Chr. Wolff
vern. gedanken v. gott (1720) 279; da hast du baare funfzig thaler; nur unterlasse den gesang Fr. Hagedorn 2, 120; unterlaszne pflichten, verehrung G. Stephanie
lustsp. (1771) 119; Nicolai
literaturbr. 4 (1759) 4, 363; sünde, verbrechen u. Adelung; unterläszt der käufer die anzeige, so gilt die waare als genehmigt
handelsgesetzb. 377, 2; so mag es doch nicht u. bleiben Paracelsus 2, 334
H.; es kan aber disz orts nicht umbgangen noch underlassen werden Sattler
phraseologey (1631) 375; nichts u. Chemnitz
schwed. krieg 1, 16; was einer gewohnet ist, das kan er nicht u.
Reinicke fuchs (1650) 134; er wollte fragen, und doch unterliesz er es Immermann 5, 10
Hempel. III@B@5@cc)
mit inf. und zu;
beliebt in geschäfts- und bücherspr., dann aber auch allgemein und formelhaft: ubel nachredens halben soll kainer underlassen den leuten guots zu thuon G. Mayr
sprichw. (1567) E 2
a; allhier kan ich nicht u. zu schreiben Sebiz
feldbau (1579) 198; Schweinichen
denkwürdigkeiten 161
Ö.; darzu wir dann ... zu verschreiben nicht u. sollen
acta publ. 2, 273
Palm; Harsdörfer
gesprechsp. 1, A 4
a; du hast mich an dein hertz gedrückt, nicht unterlassen mich zu küssen
Königsberger dichterkreis 148
ndr.; er wird ... nicht u. zu kommen Kramer (1700) 1, 897
c; denn man ungern unterlasset, nach der occasion zu greifen Leibniz
d. schr. (1838) 1, 248; J. konnte endlich nicht u. zu sagen Göthe 23, 187
W.; der könig Georg hat auch nach dem ... abschlusz des vertrages ... nicht u., die feindseligkeiten fortzusetzen ... Bismarck
polit. reden 4, 100;
wechselordnung 59; warum hast du es u., mir nachricht davon zu geben? Adelung.
formelhaft: ich hab nicht u. sollen, dir auff deinen brieff zu antworten
facere non debui, quin Orsäus
nomenclator (1623) 320; ich kann nicht u., sie zu lieben Gottsched
beobacht. (1758) 374;
facere non possum, quin; ich werde nicht u., ihnen das ergebnis mitzutheilen; ich kann nicht u., zu bemerken, sie aufmerksam zu machen
u. dgl. vgl. ermangeln, ver(ab)säumen, verfehlen Sanders
syn. (1882) 368
ff. mit verblassung des verbalbegriffs: die junge Danae, so sehr sie ein neuling war, unterliesz es doch nicht, in dem betragen ihres liebhabers etwas wahr zu nehmen (
nahm trotzdem etwas wahr), welches ihr ... nicht die vortheilhafteste meinung gab Wieland (1853) 6, 221. III@B@5@dd)
unüblich mit dasz-
satz: ich selber unterlasse kaum, dasz ich sein (
des weines) lob von neuem singe Hagedorn
ged. 35, 326
lit. denkm. III@B@5@ee)
mit andern, heute schriftsprachlich veralteten formen logischer abhängigkeit: das ein ieder mög verstan, was wir doch an den juden han, die do gantz nüt underlan und handt zuo unsz ein solchen sinn: was uns liebt, das leidet in Th. Murner
entehrung Mariä 62 (
Klassert); dan ich mag nit underlassen, sunder muosz inen anzOegen Gebweiler
beschirmung des lobs Marie (1523) B 2
a; ich bitt, wölst unterlassen nicht, den brieff selb lesen H. Sachs 6, 154, 9
K.; so kann ichs unterlassen nicht, die warheit musz ich sagen
Opel-Cohn 30 jähr. krieg 153. —
unterlassen, n., substantivierter inf.; vgl. unterlasz
und unterlassen,
v., III B 5: das underlassen brieff ze schreyben und ze schicken
intermissio epistolarum Maaler 456
a; dise (
vögel) aber wissen von keiner ruohe oder u. vom fliegen Heyden
Plinius (1565) 467; mir schien mein u. ein handeln zu ihrem verderben Göthe 24, 204
W.; sei es im thun oder u. (
gewählter als das übliche thun und lassen) 27, 145
W.; eine leistung kann auch in einem u. bestehen
bgb. 24; das u. dieser bemerkung entzieht jedoch dem wechsel nicht die wechselkraft
wechselordnung 68, 2. ohne u.
statt des üblichern ohne unterlasz: Sleidanus
reden 11
B.; ohn unterlan
M. Hayneccius
Hans Pfriem 14
ndr.; Tschudi
chron. (1734) 2, 456; Eyering
proverb. copia 3, 86; 1, 4; D. v.
d. Werder
ras. Roland 7, 38. —