sammeln,
verb. colligere, mhd. samelen
erst spät neben dem sonst geltenden samenen (
s. unten sammenen)
auftretend: und siu besammeltent unsere brüeder alle. Nicolaus v. Basel 314; hie zwüschent samelte Philippus ein gros volk.
d. städtechron. 8, 443, 3 (14.
jh.); dasz sich die stett also sambleten. 5, 3, 5 (15.
jh.); sameln, sammeln
aggregare Dief. 18
a; zemensamlunt
aggerunt nov. gloss. 12
a, sammeln
colligere 132
c; und er ward gesamelt czu seinem volk.
bibel von 1483 (
1 Mos. 25, 8);
auch im mnd. erscheint samelen
gegenüber samenen, samnen
nur vereinzelt: de borger samelden sik.
Magdeburger sch.-chron. bei Schiller-Lübben 4, 19
a. Maaler 342
c hat nur noch samlen. samlen,
et sammeln, gesamlet,
colligere Stieler 1677. sammlen oder sammeln. Frisch 2, 147
b.
nld. sameln,
dän. samle,
schwed. samla. 11)
mit unpersönlichem object. zerstreutes auf einen ort zusammenbringen, dann besonders in dem sinne, dasz das zusammengebrachte als copia, vorrath, verbrauchsmasse dienen soll: stein samlen hat seine zeit.
pred. Sal. 3, 5; samlet zuvor das unkraut, und bindet es in bündlin, das man es verbrenne, aber den weitzen samlet mir in meine schewren.
Matth. 13, 30; samlet die ubrigen brocken, das nichts umbkome.
Joh. 6, 12; so wirstu fewrige kolen auff sein heubt samlen (
den, der dir feindlich gesinnt ist, durch wohlthaten umstimmen).
Röm. 12, 20; blumen zu einem kranze, früchte vom baume, regenwasser in cisternen, abfälle, lumpen sammeln; sammelt nun holz, ihr kinder! Voss 1, 35; (
beim mahlen des kaffees) hüpfende bohnen vom schoosz haushälterisch sammelnd. 2, 282; lasz dir den vorrath zeigen, den man dort sammelt für der göttin dienst. Grillparzer 6, 74. geld, schätze, reichthum sammeln: jr solt euch nicht schätze samlen auff erden.
Matth. 6, 19; lege bey sich selbs ein jglicher unter euch, und samle was jn gut dünckt, auff das nicht, wenn ich kome, denn allererst die stewre zusamlen sey. 1
Cor. 16, 2. gesammlet gelt,
pecunia constructa et coacervata Henisch 1527, 59; dasz der könig ... sein gantzes gemüth dahin gewendet habe, wie er grosse schätze samlen könne. Schuppius 16; wie manche privat-person samlet groszen reichthumb durch den einigen weinhandel. 122; das jhr golt, silber, edelgestein euch samlet. Hollonius
somn. vitae humanae 27
neudr. besonders vom zusammenbringen, zusammensuchen zu wissenschaftlichen zwecken oder aus liebhaberei: kupferstiche, mineralien, münzen, schmetterlinge, marken
u. s. w. sammeln.
mit belebtem objecte: der hirt sammelt seine lämmer, seine heerde. solche rosse samelt ein jeder bapst. Luther 6, 490
b.
in freierer anwendung: Genua .. ahndet den sturm nicht, den ich über ihm in pechschwarzen wolken sammle. Schiller
Fiesko 4, 15
bühnenbearbeitung; morgen mittag will ich eure meinungen sammeln. 2, 18
trauersp.; in den weinhäusern, dem gewöhnlichen orte, wo man den charakter eines volks zu sammeln pflegt. J. E. Schlegel 5, 16. kräfte sammeln, wieder kräfte sammeln,
sich wieder erholen: ich lag eben auf dem siechbett, hatte kaum angefangen aus einer schweren krankheit etwas kräfte zu sammeln. Schiller
räub. 4, 5
schauspiel. seine gedanken sammeln,
aus der zerstreutheit sich zusammenfassen; seine sinne, seinen geist sammeln: ich suche zum gebet den irren geist zu sammeln. Gotter 2, 152; o ihr lieben, seyd männer und sammelt euch muth in die herzen. Bürger 227
b; sammle dein gemüth, erwarte eine ruhigere stunde. Schiller
M. Stuart 4, 9; fasz dich, mein sohn! o sammle deine sinne.
Turandot 2, 4; es ist der mensch der sein gemüt nit zusammen samlet. Keisersberg
narrensch. 189
b; wenn alle sinne hinein gekeret sein, zu ruhe gebracht und in gott gesamlet sein. Arndt
wahres christenth. 3, 6. 22)
mit persönlichem object. in neuerer sprache ist meist mit sammeln
der nebensinn verbunden, dasz das zusammenbringen allmählich geschieht: der anführer sammelte im zurückgehen seine leute.
in älterer sprache ist die anwendung freier. vom zusammenbringen einer bewaffneten schaar, eines heeres: da namen die kriegsknecht des landpflegers Jhesum zu sich in das richthaus, und samleten uber jn die gantze schar.
Matth. 27, 27; kriegszleut, oder einen zeug samlen. Maaler 342
c; sein sohn Gottschalck samblet ein mächtig volck. Micrälius
alt. Pommern 2, 197; komm mit uns in die böhmischen wälder! wir wollen eine räuberbande sammeln. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel. gesamleter hand, samptlich,
simul, una, pariter Henisch 1527, 58; und mit stark gesammelter handt beschützen unsere fünff landt. H. Sachs 3, 1, 29,
s. oben theil 4, 2
sp. 360
unter hand III, 5.
allgemein im sinne von versammeln, vereinigen: sihe, ich wil sie samlen aus allen landen, .. und wil sie widerumb an diesen ort bringen, das sie sollen sicher wonen.
Jer. 32, 37; und er wird senden seine engel mit hellen posaunen, und sie werden samlen seine ausserweleten von den vier winden, von einem ende des himels zu dem andern.
Matth. 24, 31; nun hört, ir herren, alle gemain, payde grosse und auch klain, alt jung, kegel und kind, alle, die hye gesamlet sind.
fastn. sp. nachl. 216, 14; du wirst ganz Frankreich sammeln unter deinem scepter. Schiller
jungfr. von Orl. 3, 4; die grundstützen der in gesellschaft gesammelten menschen. Klinger 3, 266; als wir nach hause kamen, schwirrten die von mehreren seiten angekommenen gäste schon lustig durch einander, bis Friederike sie sammelte und zu einem spaziergang nach jenem schönen platze lud und führte. Göthe 26, 14; spiele, durch welche ein munterer jugendlicher kreis gesammelt und vereinigt wird. 13. zu den vätern, zu seinem volk gesammelt werden,
in die gemeinschaft der verstorbenen eingehen. in Luthers
bibelübersetzung: und nam ab, und starb .. und ward zu seinem volck gesamlet.
1 Mos. 25, 8; ich beschwöre bey dem dich, der uns richtet, der mich zu unseren vätern itzt sammelt. Klopstock 12, 425; herr, herr! ich weis die stunde nicht, die mich, wenn nun mein auge bricht, zu deinen todten sammelt.
werke 7, 143.
innerlich zusammenfassen (
s. unten sich sammeln): stunden der plage, leider, sie scheiden treue von leiden, liebe von lust; bessere tage sammlen uns wieder. Göthe 1, 119.
besonders in diesem sinne das part. prät. gesammelt: ich bin wieder ganz gesammelt,
nicht mehr aufgeregt, nicht mehr zerstreut. 33)
reflexiv, sich sammeln.
mit belebtem subject: und als es tag ward, samleten sich die eltesten des volcks.
Luc. 22, 66; die starcken samlen sich wider mich.
ps. 59, 4; wo aber ein asz ist, da samlen sich die adler.
Matth. 24, 28; seht mir doch, was aus diesen ebenbildern des höchsten geworden ist, seitdem sie sich in gesellschaften gesammelt. Klinger 3, 294; so fieng schon etwas volk an, sich zu sammeln. Schiller 4, 322; ihr ruf erging; und jene sammelten sich schnell herbei. Bürger 150
a.
in militärischen wendungen ohne sich: es wird zum sammeln geblasen; blast sammeln.
im kommando: im zurückgehen sammeln.
mit unbelebtem subject: und gott sprach, es samle sich das wasser unter dem himel.
1 Mos. 1, 9; het auch sunst rinnen, darein das wasser sich samblet und sam (
zusammen) ran. Aventin. 1, 95, 20; wie geschwind sich die summe, die wir bereits haben, bey uns gesammelt hat. Wagner
d. wohlthätige unbekannte 8.
besonders mit betonung des allmählichen zusammenkommens: von vielen andern sachen sammelt's sich auch um mich. Göthe 27, 273.
in freierer anwendung: da der fürst in sich den staat denkt, da sich in ihm dessen ganze kraft und macht sammeln. Klinger 11, 276; auf diesen kampfplatz .., wo sich die kraft beyder streitenden mächte, wie in ihrem brennpunkt, fürchterlich sammelte. Schiller 8, 272. die kräfte, die lebensgeister sammeln sich: seine kräfte hatten sich gesammelt. Klinger 4, 187.
von innerem zusammenfassen, collectio animi: er hatte zeit, sich zu sammeln, und sein gesicht zeigte heiterkeit. Schiller 8, 142; geschäfte und zerstreuungen, aus denen ich mich oft, durch einen jetzt regelmäszig eingeleiteten briefwechsel mit meiner geliebten, zu ihr sammelte. Göthe 26, 25; früh lernte, vom eiteln weltgeräusche nicht zerstreut, dein geist sich sammeln. Schiller
M. Stuart 2, 3.
mit besonderem zusatz: Giafar sammelte sich wieder zur ruhe. Klinger 5, 113. 44) sammeln
ohne object: wer nicht mit mir samlet, der zurstrewet.
Luc. 11, 23; die mit gott seynd und sammelenn, aber gar nicht mit denen die wider gott seind und zerstrewen.
kriegb. des frides 232. sammeln
in Luthers
bibelübersetzung für ernten: wustestu das ich schneitte, da ich nicht geseet habe, und samle, da ich nicht gestrawet habe.
Matth. 25, 26. sammeln,
prägnant, durch geldbeiträge eine summe zusammenbringen, besonders zu öffentlichen zwecken, zu gunsten anderer oder einer gemeinschaft; dann aber übergehend in den sinn von betteln, gaben sammeln: es wird für die verunglückten gesammelt werden; der kirchenvorstand läszt morgen sammeln; dem frommen mönch, der für sein kloster sammelt, gieb reichlich, und entlasz ihn wohl gepflegt. Schiller
W. Tell 1, 2.
verschämt für betteln (
so jetzt landschaftlich in Oberdeutschland. Schm. 2, 276. Hunziker 216): nun gieng ein arme fraw in der stadt herumb, und bettelte, welcher der bettelvogt das betteln verbieten wolte, da neigte sie sich für ihm, und sagte: ach gnädiger herr bettelvogt, last mich doch nur eine stund herumbgehen und samblen. Schuppius 793 (
die geschichte erzählt er aus Ober-Teutschland). sammeln
für sich selbst, geld zusammenscharren: fing' ich im ernst recht an zu sammeln! — ey, mit nichten! Göckingk 2, 99. sammeln
in prägnantem sinne, objecte zusammensuchen, die wissenschaftliches, künstlerisches interesse haben oder der liebhaberei dienen: er sammelt fleiszig für sein herbarium.