herbei,
adv. in die nähe eines sprechenden. Ein ahd. hera bî,
mhd. her bî
ist nicht belegt. zurückgang der form zu erbei
wird theil 3, 713
nachgewiesen. wie sich zu herab, heran, herauf, heraus
die gegensätze hinab, hinan, hinauf, hinaus
gebildet haben, so hat auch die ältere sprache zu herbei
gegensätzlich ein hinbei (
s. d.)
entwickelt, das in der modernen sprache jedoch verkümmert ist. herbei
ist von hierbei (
s. d.)
dem sinne nach allgemein so unterschieden, dasz das erstere die bewegung in die nähe eines sprechenden, das letztere ruhe in der umgebung desselben zeichnet; doch kommt herbei
für hierbei
vor, wobei das zu her 7
sp. 1003
bemerkte zu berücksichtigen ist: ein pollwerk znechst der burg herbei ist weit und gwaltig aufgepawt. Schmelzl
lobspr. 102.
die bedeutung von herbei
ist eine örtliche, die leicht ins abstracte verläuft, und eine zeitliche. 11)
örtlich mit verben der bewegung, auch mit sein,
das den endpunkt der bewegung zeichnet (
wie bei her sein,
vgl. sp. 1000): thut busze, es wird nahe erbei sein das himelreich. Luther 1, 48
a.
die verben werden in dringlicher rede unterdrückt: der feind ist da! die schlacht beginnt! wohlauf zum sieg herbei! Klopstock 1, 62; herbei, ihr männer, gute leute, helft! gewalt! gewalt! sie führen ihn gefangen! Schiller
Tell 3, 3; kocht des kupfers brei! schnell das zinn herbei!
glocke v. 26.
ausgang und richtung der bewegung bestimmen praepositionen näher: von fernen landen herbei kommen; aus der nähe herbei eilen; kompt er bei fur den herrn.
2 Mos. 16, 9.
Solche verben der bewegung, des strebens und befehls sind: bannen: bei einem neuen lustgebäude .. ist das haupterfordernis schatten, welcher nicht sogleich herbeigebannt werden kann. Göthe 31, 162.
berufen: wen darfst du nicht herbeiberufen? Göthe 12, 257.
beschwören: als herzog Friedland .... herbei auf éinen sammelplatz beschwor den Rheingraf, Bernhard, Banner, Oxenstirn. Schiller
Piccol. 2, 7.
[] beten: können die frommen sich das venerabile von bundert und mehreren schritten herbeibeten. Immermann
Münchh. 1, 98.
blicken: blickt aus eurem sonnenscheine mir den hellen trost herbei. Miller
Siegw. 589.
bringen: beute herbeibringen,
praedam adferre. Hederich 1256; der knabe wurde herbeigebracht. Göthe 18, 300; herrliche gaben bescherend erscheinen sie: Ceres vor allen bringet des pfluges geschenk, Hermes den anker herbei. Schiller
spazierg. v. 82.
drängen: jedermann drängte sich herbei, den vortrefflichen fürsten zu sehen. Göthe 18, 282; glaubten sie nun wirklich, eigentlich um ihretwillen dränge sich die grosze versammlung herbei. 283; ein jeder drängte sich herbei, hier gab es keine faule. 47, 224.
dringen: als jeder herbeidrang, um die lange vermiszten zu sehen. Klinger 8, 124; von norden dringt der scharfe geisterzahn auf dich herbei, mit pfeilgespitzten zungen. Göthe 12, 61.
eilen: herbeieilen,
approperare. Hederich 1257; giebel an giebel steigt, der räumige porticus öffnet seine hallen, o eilt, ihn zu beleben, herbei! Schiller
Pompeji u. Hercul. v. 8.
fahren: auf einem wagen herbeifahren,
curru advehi. Hederich 1257; mit dem schiffe herbei fahren,
nave advehi. Steinbach 1, 400.
für schnell sich herzu bewegen: Luciane kam herbeigefahren und fragte: wovon ist die rede? Göthe 17, 235.
finden, reflexiv: welcher gern newe zeitung hört, und seltzame geschicht erfehrt, derselbig finde sich herbei.
mückenkr. 1, 3.
flehen: dasz der unglückliche den tod als das ende seiner leiden herbeiflehet.
ergänzungsblätter zur Jen. litt.-zeitung 1840
no. 7,
s. 50.
fliegen: herbeifliegen,
advolare. Stieler 512;
bildlich: ich höre Orleans bedroht, ich fliege herbei aus der entlegnen Normandie. Schiller
jungfrau 1, 1.
flieszen: herbeiflieszen,
adfluere. Hederich 1257;
bildlich für herbeiziehen, vergl. unten herbei strömen: es dauerte nicht lange, so kamen von verschiedenen gegenden mehrere schauspieler herbeigeflossen. Göthe 18, 249.
forschen: das auge der liebe forscht euch herbei. Fr. Müller 1, 6.
führen: einen vor die augen herbei führen,
ante oculos aliquem adducere. Steinbach 1, 391; grosze menge korn herbei führen,
magnum numerum frumenti advehere. das.; der unglücksfall ward durch die fahrlässigkeit eines angestellten herbeigeführt; ein mittel um den schlaf herbei zu führen.
gaukeln: dann hatte ich zu Paris von einem teutschen taschenspieler artliche stücklein mit der karten zu üben gelernet, damit ich die leute herbei gaukeln und aufhalten konte.
Simpl. 1, 386
Kurz. gehen: zu etwas herbeigehen,
accedere ad aliquid. Hederich 1257.
häkeln: herbeihäkelen,
attrahere, adhamare. Stieler 731.
herschen: sein antlitz glüht vor ehrbegier, und herrscht den sieg herbei! Klopstock 1, 62.
hexen: dieses memoire ists, das so vortrefflich sein soll, und das er irgendwo musz herbeigehext haben, — denn gemacht hat ers nicht. Schiller
parasit 4, 7.
holen: dasz sie ... ihn gleichsam genöthigt habe, ein glas limonade herbeizuholen. Göthe 18, 95; nachdem der junge mann ... ein schreibzeug herbeigeholt hatte. 24, 269; der arzt wird schnell herbei geholt; liebst du mich und bist du treu, o! so hole sie (
knochen) herbei. Gellert 1, 38.
schiffer holen eine insel herbei,
wenn dieselbe, indem sie darauf zufahren, ihnen entgegenzukommen scheint. Jacobsson 2, 255
a.
kommen: da sie aber noch mit im redeten, kamen er bei des königes kemerer.
Esther 6, 14; das himelreich ist nahe her bei komen.
Matth. 10, 7; wenn ir aber sehen werdet Jerusalem belegert mit einem heer, so merket, das erbei komen ist ire verwüstunge.
Luc. 21, 20; erzählte, dasz der herr doctor zufällig bei ihrem unfall herbeigekommen. Freytag
handschr. 1, 282; kommt herbei, ihr luftgen schwestern! Uhland
ged. 308.
[] übertragen und transitiv: den solten die herrn strafen so dick und vil, dasz er des moede wurde und sei iren schaden erbi quemen.
weisth. 1, 609 (
v. 1507).
von sachen: die rapiere kamen herbei (
wurden gebracht). Göthe 18, 225.
körnen: herbeikörnen,
delinimentis aliquem perpellere. Stieler 122.
lassen: er liesz einen bittenden herbei;
gewöhnlich reflexiv im sinne von bewilligen, eingehen auf etwas: dann werden wir ja sehen, wozu er sich herbeilassen wird. Tieck
j. tischl. 2, 261.
laufen: zu einem herbei laufen,
adcurrere ad aliquem. Steinbach 1, 997; unter dem zahmen federvieh, das mit aller macht herbei gelaufen und geflattert kömmt, wenn man ihm futter hinwirft. Heinse
Ardingh. 1, 282.
locken: zu sich herbeilocken,
adlicere ad se. Hederich 1257; der wirth selbsten, damit er die gäste herbei locke, dinget einen geiger.
baurenst. lasterpr. 188; aber komm musik! durch deine töne lock uns Uzischen gesang herbei! Gökingk 1, 61.
nahen: dasz ich mich werd herbei nahen. 4
Esr. 6, 18.
nehmen: man hat ihn auch herbeigenommen,
participem eum fecerunt hujus rei, comitem sibi fecerunt. Stieler 1362.
raffen: ich fühls, vergebens hab ich alle schätze des menschengeists auf mich herbeigerafft. Göthe 12, 90.
reichen: herbeireichen,
impartiri, contribuere, subministrare. Stieler 1509.
reiten: herbeireiten,
adequitare. Hederich 1257.
reizen: wie dumpf, dringend, dreist, ungeschickt war jeder, den sie herbeireizte. Göthe 19, 87.
rennen: es rannten die tollen verwandten herbei. Göthe 1, 215.
rudern: indessen ruderte der kahn herbei. Göthe 17, 159; er hatte kaum einigemale geläutet: so kam ein reich besetzter schwerer hofdiener ohne hut herbeigerudert. J. Paul
flegelj. 4, 29.
rufen: herbeirufen,
advocare, accersere, poscere arcessitu. Stieler 1630; er rief seine frau herbei. Göthe 18, 137; die jüngere ... liesz sich durch den vater herbeirufen, um die ältere abzulösen. 25, 277; alle sind herbei gerufen, vor der göttinn angesicht. Bürger 114
a; nun der halbe (
geist) dich nicht rettet, ruf den ganzen doch herbei, dasz er neu dein schlosz dir baue, deine ketten brech entzwei! Uhland
ged. 284.
saugen: mit unserm innerlichen seelenothem müssen wir jene geisterwelt herbeisaugen. Tieck
Sternb. 2, 379.
schaffen: man musz gelt herbeischaffen,
pecuniae requirendae sunt. Stieler 1711; dem kind eine amme herbeischaffen,
aliquam puero nutricem parare. das.; wenn wir ein künstliches fuhrwerk herbeischaffen. Göthe 11, 293; immer mehr bücher herbeizuschaffen. 18, 276; ich vernahm dasz die ameisen alliirte meines schwiegervaters geworden, und dasz er sie im gegenwärtigen fall aufgerufen und verpflichtet mich herbeizuschaffen. 23, 102.
schiffen: herbeischiffen,
nave advehi, adnavigare. Hederich 1258.
schleichen: ein fliegender befehl citiert aus allen hainen das nymfenvolk persönlich zu erscheinen. sie schleichen allgemach herbei, und keine läuft dasz sie die erste sei. Wieland 10, 143.
schleifen: ich liesz aber eine volle quartausgabe Voltairens herbeischleifen. J. Paul
teuf. pap. 2, 25.
schleppen: den gefangenen herbei schleppen; allerlei ursachen herbeischleppen,
varias causationes arcessere. Stieler 1807.
schmauchen: herbeischmauchen,
adrepere, occulte se immergere. Stieler 1868.
schwimmen: da kömmt, vielleicht von ungefähr, ein spielendes delphinenheer, zu aller trost, herbeigeschwommen. Hagedorn 2, 41; wackelnd kommt herbeigeschwommen manches alte zauberschlosz. H. Heine 18, 136.
sehnen: sie, .. deren erscheinung ich mir so oft herbeisehnte. Göthe 17, 386; ich habe nicht sehnsuchtsvoll, wiewohl vergebens, danach (
nach einem orden) geseufzt, sondern ihn realiter an meinen rock herbeigesehnt. Immermann
Münchh. 1, 99.
[] socken: ganz leise sockte jetzt der fusztritt der haushälterin herbei. L. Tieck
ges. nov. 3, 15.
stoszen: herbeistoszen,
admovere quam proxime, adjungere, annectere, applicare, coagmentare. Stieler 2180.
strömen, bildlich (
vgl. oben herbei flieszen)
von personen: nun erscheint der kaiser selbst wieder in Ispahan, gesandte von allen weltgegenden strömen herbei. Göthe 6, 202; denn bank an bank gedränget sitzen, ... herbeigeströmt von fern und nah, der Griechen völker wartend da. Schiller
kraniche des Ibykus; von sachen: da strömet herbei die unendliche gabe, es füllt sich der speicher mit köstlicher habe.
glocke v. 113.
stürmen: geschrei füllt den pallast; man flieht vom lager, stürmt herbei, umringt den sterbenden. Gotter 2, 456.
stürzen: leute, die das unglückliche ereignis von der ferne warnahmen, stürzten herbei.
treiben: das vieh zum wasser herbei treiben,
animalia ad aquam adpellere. Steinbach 2, 856; steuern herbeitreiben.
treten: herbeitreten,
accedere ad aliquid. Hederich 1258; aber da trat herbei der apotheker behende, zupfte den geistlichen herrn. Göthe 40, 295.
wälzen: wenn unerträgliches, mit felsenlast herbei sich wälzend, ihn bedrohend schlich. Göthe 9, 322.
wanken: ein greis wankte herbei.
watscheln: wie? was? was giebts da? schrie der kurze dicke rathsherr, der auch herbei gewatschelt kam. Wieland 19, 317.
winken, mit accus.: Schach-Gebal winkte ihn (
den kämmerling) herbei. Wieland 8, 411; wenn nicht Wilhelm den im augenblick hereintretenden mann begrüszt und ihn herbeigewinkt hätte. Göthe 18, 203; er winkte die andern herbei. 21, 40; du schworst, o herr, bei deinem leben, mein kästchen unversehrt mir einst zurück zu geben: jetzt ist es zeit, wink es herbei! Wieland 10, 294; der ritter bleibt wie angefroren stehn, winkt Scherasmin herbei, und fragt ihn, was er sehe? 22, 126.
zaubern: wenn sich Baylens schattengestalt durch beschwörungen herbeizaubern liesze. Abbt
bei Campe
unter schattengestalt.
zerren: er zerret herbei, was er kan,
omnia aucupatur, exquirit. Stieler 2316.
ziehen, intransitiv: schaaren ziehen herbei.
reflexiv: nach kurzen ebben überfluthete die menge von zeit zu zeit das haus. officiere von entfernteren garnisonen ... zogen sich herbei. Göthe 17, 249.
transitiv: einen zu etwas herbeiziehen,
attrahere aliquem ad aliquid. Hederich 1258; dasz nicht allein das (
ordens-)kreuz von meinem wunsche herbeigezogen war. Immermann
Münchh. 1, 100; der vergleich ist bei den haaren herbeigezogen; als herzog Friedland die zerstreuten feindesheere herbei von allen strömen Deutschlands zog. Schiller
Piccol. 2, 7.
zupfen: herbei zupfen,
attrahere, in se trahere, ad se rapere. Stieler 2633.
zwingen: einen krummen baum herbeizwingen,
arbusculam incurvam palo alligare. Stieler 2670; von den wilden erzählt man, dasz sie durch blosze willenskraft sich den tod herbeizwingen können. H. Marggraff
gebrüder Pech (1840) 1, 118. 22) herbei
in bezug auf zeit, mit verben des kommens und nahens, auch des bewirkens der näherung; so kommen: da nu die zeit erbei kam, das Israel sterben solt.
1 Mos. 47, 29; deine zeit ist erbei komen, das du sterbest. 5
Mos. 31, 14; der lenz ist erbei komen.
hohel. 2, 12; die nacht ist vergangen, der tag aber her bei komen.
Röm. 13, 12; als nun die zeit herbei kam.
pers. rosenth. 7, 20; der geburtstag war herbeigekommen. Göthe 17, 95; jetzund kömpt die nacht herbei, vieh und menschen werden frei. Opitz 2, 192.
nahen: seine ankunft nahet herbei,
adventus ejus appropinquat. Steinbach 2, 105; die festtage nahen herbei,
feriae non longe absunt. Stieler 1318.
nähern: bis die zeit schlafen zu gehen herzu kame, und sich herbei nähert.
Amadis 247; die ernde nähert herbei,
messis prope adest. Stieler 1319.
[] rücken: die zeit rücke nun herbei, da sie von ihren auf mich gewandten bemühungen und kosten die früchte zu sehen hoffe. Wieland 12, 89; es rühme, wer da will, im lenzen die neue luft, den grünen mai, je schöner seine blumen glänzen, je näher rückt ihr ziel herbei. Günther 214.
schwatzen: an dem knisternden kamine schwatzt der freundschaft tändelei froher uns die nacht herbei. Gökingk 1, 54.
streichen: die weil sich dann die zeit zu reisen wol anliesz und die fasznacht herbeistriche. Phil.
lugd. 5, 265; dasz ir und eur gsellschaft sollen ... kurzweil machen und stockerei, weil die pfingstfeurtag streichn herbei. J. Ayrer
fastn. sp. 102
b (2851, 33
Keller).