geschmeidig,
adj. ,
wie schmeidig (
s. d.),
mhd. gesmîdec,
mnl. ghesmydigh
und ghesmyd,
nnl. gesmijdig, smijdig, smeedig,
nd. smidig, smödig,
schwed. dän. smidig;
verwandt ist auch ags. smêðe,
engl. smooth,
glatt, eben, sanft. eine nebenform ist oberd. geschmeiszig (
s. d.),
wie geschmeisz
neben geschmeid
sp. 3936.
aus der grundbedeutung von geschmeidig '
leicht schmiedbar'
ergeben sich die weiteren bedeutungen '
dehnbar, biegsam, weich'
und '
dünn, gering'. 11)
von metallen, die biegsam, zähe, doch weich, nicht spröde oder brüchig sind, sondern sich leicht biegen und unter dem hammer schmieden oder treiben lassen Jacobsson 2, 68
b:
mhd. einen helm wol geslagen von gesmîdigem stâle.
Biterolf 2149; feur macht eisen geschmeidig. Ludwig 754; so man ein verbrennt oder verlegens metall find, das nimmer geschmeidig sondern spröd, und steubt so mans schlägt, oder brüchig ist, das soll man wol ausglühen, so empfacht es wider sein geschmeidigkeit. Paracelsus (1590) 6, 381; so findestu ein bleikönig im tigel liegen, weich und ganz geschmeidig, als ein ander natürlich blei sein mag. (1616) 1, 901 C; darausz wird ein geschmeidig zihn (
zinn). Mathesius
Sar. 99
a; geschmeidig sein,
sich zu draat ziehen und zu dünnem blech schlagen lassen, geschmeidig kupfer Henisch 1542; wann der draht geschmeidig ist. Comenius
orb. pict. 2, 102;
bergmännisch, geschmeidiges erz,
das sich leicht zerschmelzen läszt, geschmeidiges gestein, geschmeidig gebürge,
das nicht fest ist, sondern leicht zu gewinnen Frisch 2, 208
b. Minerophilus 280,
in Nassau geschmidig gestein Wenckenbach 56; alle silbererz und berckarten, die nit kiesz, blendt, kobelt, wolferam .. oder dergleichen hartflüssig erz in sich haben, die werden alle weichflüssige, milte und geschmeidige erz und berckarten genannt. Erker (1672) 4
a.
darnach im hüttenwesen geschmeidige kohlen,
die das eisen geschmeidig machen sollen Adelung,
vgl. unten 2,
d. 22)
übertragen auf andere stoffe, sowie auf den menschen. 2@aa)
vom thon und wachs, dehnbar, weich, gestaltbar: als ein andrer Prometheus den geschmeidigen thon, aus welchem er seine halbgötter und halbgöttinnen bildet, zu gestalten wie es ihm beliebt. Wieland 1, 252; aus geschmeidigem thon becher zum trunke gehöhlt. Voss
Tibull 1, 40. 2@bb)
vom holz, biegsam: geschmeidige bretchen von lindenholz; geschmeidiges schleiszenscheidlein (
kienspan zum leuchten).
bauernst. lasterpr. 28; eine geschmeidige ruthe. Adelung. 2@cc)
vom leder, biegsam, schmiegsam, weich: ein geschmeidig leder. Duez 191
a; geschmeidige handschuhe. Rädlein 365
b; schuch, die sich fein geschmeidig an den fusz legen. Henisch 1543; von den hohen ufern des Bosporus aus soll ihr zar alle völker des erdballs dem ledernen scepter Ruszlands unterwerfen, das geschmeidiger und stärker als stahl ist, und das man knute nennt. H. Heine (1862) 9, 210. 2@dd)
vom öl, nicht zäh, dünnflüssig; Voss
gebraucht es zugleich in der bedeutung '
geschmeidig machend',
vgl. oben 1
am ende: gab ihr auch geschmeidiges öl in goldener flasche, dasz sie sich nach dem bade mit ihren gehülfinnen salbte.
Odyssee 6, 79. 2@ee)
vom menschenleib und seinen gliedern. 2@e@aα)
biegsam, gelenk, gewandt: einen geschmeidigen leib haben. Adelung; unser hiesiger war gröszer, der fremde dunkler und geschmeidiger. Freytag
werke 13, 210; zuckerkandi, dir die kehle geschmeidig zu machen. Schlegel
Shakesp. Heinrich IV. 1.
theil 3, 3; sondern zuerst anrennend mit eherner lanze durchstach ich wer der feindlichen männer mir wich an geschmeidigen schenkeln. Voss
Odyssee 14, 221;
auch von thieren: das reh hat geschmeidigere glieder, hurtigere bewegungen (
als der hirsch). Heppe
jagdlust (1783) 1, 177; geschmeidig wie ein aal. Gutzkow
ritter 3, 357. 2@e@bβ)
bezüglich der haut, weich und zart: geschmeidige und sachte hände,
manus tenerae, vel molles et lenes Duez 191
a; (
Liane) mit weiszen händen und geschmeidigen armen. J. Paul
Titan 2, 38. 2@ff)
auf das geistige und gemütsleben bezogen. 2@f@aα)
gewandt, sich allem anzupassen wissend: auch dem geschmeidigsten sophisten gelingt nicht immer der zungenkampf. Klinger 5, 397; ein abgeschliffner, versteckter, geschmeidiger höfling wie Marinelli. Engel 1, 158; Hippias besasz einen behenden und geschmeidigen witz. Wieland 1, 66. 2@f@bβ)
nachgiebig, sanft, mild im gegensatz zu hart, rauh, starr:
mhd. gesmîdec und erbære was er ân alle gevære. Walth. v. Rheinau 41, 45; geschmeidig,
comptus, compositus voc. inc. teut. i 3
a, geschmydig Hüpfuff
voc. 1515 J 2
a; geschmeidig im thun und lassen,
verecunde, leniter agere Denzler 131
a; die sultane haben, wie wir andere menschen, ihre schwachen augenblicke, worin sie sich nicht helfen können, und dann scheinen sie so gut, so geschmeidig und zutraulich. Wieland 8, 362; er wurde so geschmeidig, dasz man ihn um einen finger hätte wickeln können. Adelung; besonders rühmt man ihr (
unserer damen) glück, männer von so sanften geschmeidigen sitten zu haben. Klinger 1, 396; ein geschmeidig regiment,
mite ac moderatum imperium Aler 916
a; wuszte den tugenden geschmeidigere gestalten zu geben. Möser
verm. schr. 1, 47; um sie (
die Franzosen) von dem starren sensualism zu einer geschmeidigeren denkart auf dem wege des gemeinen menschenverstandes hinzuleiten. Göthe 46, 240. 2@f@gγ)
fügsam, gehorsam, unterwürfig: geschmeidig antworten,
demisse respondere, er wird ganz geschmeidig,
submittit se in humilitatem Stieler 1880; einen geschmeidig machen,
cogere aliquem obedire Frisch 2, 208
b; geschmeidige reden geben. Ludwig 754; so dürften sie nur die rechte frau kriegen, sie werden so geschmeidig als ein schatt. Chr. Weise
comöd. 121; könnte ein ohrwürmchen geschmeidiger sein? Lessing 1, 322; die weisheit wäre also eine waschhafte mäklerin, die geschmeidig in jede laune plaudert. Schiller II, 351; er ist nun einmal nicht gemacht, nach andern geschmeidig sich zu fügen und zu wenden. XII, 84 (
Picc. 1, 4); geschmeidge sclaven, wenn sie (
männer) um uns werben, sind sie tyrannen, gleich, wo sie besitzen. XIII, 407 (
Turandot 3, 2). 2@f@dδ)
dehnbar: gesetze sind glatt und geschmeidig, wandelbar wie laune und leidenschaft. Schiller III, 514. 33)
vom metall, das zu dünnem draht ausgezogen oder zu schwachen platten geschlagen ist, gehen folgende bedeutungen aus. 3@aa)
dünn, klein, persubtilis Henisch 1542,
tenuis, minutus Duez 191
a: ein kleines geschmeidiges weinkrüglein. Schöpf 629 (
von 1753); (
es ist) der brauch, dasz man das saltz in feinen geschmeidigen saltzfäszlein und nicht in kübelen aufträget.
Simpl. 3, 593; der leib der raupe scheinet zwar von gleicher dicke zu sein, doch wird er gegen den kopf etwas geschmeidiger. Rösel
ins.-bel. 1, 34; er ist hinten ziemlich dicke, vornen aber läuft er immer geschmeidiger zu. 37. 3@bb)
hager, schlank: geschmeidig,
gracilis Aventin. 1, 475, 31
Lexer; ein geschmeidiger oder geschlanker leib. Ludwig 754; eine geschmeidige jungfraw,
tenuis et gracilis virgo Duez 191
a;
noch tirol. und kärnt. Schöpf 629. Vater
proben 42. 3@cc)
eng zusammengepreszt, zusammengedrängt, coactus Denzler 131
a,
eng zusammen, eng in einander, stretto, serré Rädlein 365
b,
compresse Maaler 173
a: ein geschmeidig buch,
malleatus liber Denzler 131
a. Aler 916
a; des herzogthumbs Würtemberg allerhand ordnungen, anjetzo umb besserer bequemlichkeit in disz geschmeidige format gebracht.
Stuttgart 1655
in 12
o statt des herkömmlichen folio oder 4
o; die form und gestalt, derer sich der autor (
des buches Sirach) gebraucht, ist diese, das er seine lehre in kurtze und geschmeidige (
knappe) sprüche fasset. Mathesius
Syrach 1, 1
b; pündlein mit einem schmalen geschmeidigen (
eng gefältelten) kraus.
Nürnb. kleiderordn. v. 1583 C 3
b;
adverbial, aufs engste, vgl. unten d: Friderich sich heimlich in seines gesellen kammer füget, den harnisch nach dem geschmeidigsten zusammen packet, in einen sack stiesz.
Galmy 310; als Philemona den brieff geschrieben und den auff das geschmeidigst zusammengelegt hat.
buch d. liebe 236, 3. 3@dd)
gering: mit geschmeidigsten kosten.
Ansp. verordn. von 1670
bei Schm.
2 2, 545; den unterthanen eine geschmeidige anzahl stämb zu zimmer und holz schlagen.
waldordn. fürs Innthal von 1719
ebenda; ausz gemeiner handwerkskasse einen geschmeidigen trunk anstellen. Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 192
b;
kärglich: die mit händeln beladen seind, erheben mit groszem lob die müszigen, als die sichern, die reichen setzen in für das gschmeidig leben. S.
Frank chron. (1531) 102
b; dann folget das mittagmal, so aber gar geschmeidig schiene. Schöpf 629 (
von 1753); geschmeidigstes morgenmal. Birlinger 447
a (
von 1634); die oberlandsregierung verurtheilte ihn zu achttägiger gefängniszstrafe mit abwechselnder geschmeidiger kost. Campe
aus der '
nationalzeitung'.
adverbial, auf das wenigste, vergl. oben c: so mag er (
der berechtigte) die durchforth (
durch eine ungemähte wiese) doch auf das geschmeidigst gebrauchen.
tirol. weisth. 3, 309, 39 (17.
jahrh.); die commissarien sollen darob sein, die zerungen so vil müglichen zum geschmeidigsten einzuziehen.
tirol. landsordn. von 1603
bei Schöpf 630.