schmeidig,
adj. biegsam, schmiegsam, ableitung zu der wurzel smîd-,
die in schmieden, geschmeide
u. s. w. zu grunde liegt, also eigentlich von metall, das sich leicht schmieden läszt. mnd. smidich
mit den nebenformen smodich, smudich: smydich, morwe,
malleabilis, ductibilis, s. Schiller-Lübben 4, 263
b,
niederl. smijdig: smijdigh,
vel ghesmijdigh,
mollis Kilian,
doch auch smedigh
vel smijdigh
ebenda. auch dän. smidig.
mhd. nur in der zusammensetzung gesmîdec,
auch im älteren nhd. herrscht geschmeidig,
s. daselbst (
theil 4, 1, 3939
ff.).
die ältesten wörterbücher führen schmeidig
überhaupt nicht auf, obgleich belege bereits aus dem 15.
jahrh. vorhanden sind. es ist zuerst verzeichnet bei Stieler 1879: schmeidig,
et geschmeidig,
adj. tener, subtilis, mollis, quasi dicas: affabre, et polite, in lamellas, seu bracteas ductus, it. tenuis, gracilis, et demissus, submissus, humilis. Steinbach 2, 461
führt auf: schmeidig, geschmeidig
est pro geschmeigig; Wachter 1441: schmeidig,
fabrilis, tractabilis, mollis, composite geschmeidig; Frisch 2, 208
b dagegen kennt nur geschmeidig,
und noch Adelung
weist nur dies der anständigern sprechart zu, während im gemeinen leben schmeidig
sehr gangbar sei. mundartlich nur auf nd. gebiete: smidig
brem. wb. 4, 864. Dähnert 434
a. Mi 81
b. Danneil 197
b. Woeste 243
b. smîdig, smîig, smîg, smêdig, smêig Schambach 198
a.
mit abweichendem vocal: ostfries. smüdig, schmüdig, schmöi Stürenburg 227
a. ten Doornkaat Koolman 3, 233
b.
in Hamburg und Holstein smödig Richey 268. Schütze 4, 130 (
daneben smiedig).
preusz. schmeidig, schmîdig, schmeiszig Frischbier 2, 296
a. 11)
zunächst von metallen, die sich leicht bearbeiten lassen: gleich wie ein hartes eisen viel feuer und hitze bedarf, ehe es glühende und schmeidig wird. Jac. Horscht
von d. wunderb. geheimn. d. natur (1572) 2, S 2
a; wie man ein ungeschmeidig silber, ... schmeidig treiben soll. Laz. Erker
beschreib. aller fürnemsten miner. erzt u. bergwerksarten (
Frankf. a. M. 1580) 35
a; so du gold hast das ungeschmeidig ist, es sein ungerisch kronen oder rheinisch goldt, und wilt das schmeidig machen, so thu ihm also. 86
a; das eysen so lang es noch wegen des fewers schmeidig ist. Linemann
deliciae calendariographicae (
Königsberg 1654) Oo 3
a bei Frischbier
a. a. o. auch freier als bergmännischer term. techn.: schmeidige erze,
die leicht zum flusz gebracht werden können Jacobsson 7, 246
a; schmeidig gestein,
das nicht fest und daher leicht zu gewinnen ist; doch dafür gewöhnlicher schneidig,
s. Veith 424.
im bilde: so ist des menschen treiben auch und sinnen, die, wie aus unvermischtem erz gegossen, nicht sind von schmeidigerem stoff durchflossen, zu starr und spröde sind für irdisch streben. W. v. Humboldt
ges. werke 4, 378. 22)
übertragen auf andere stoffe, weich, biegsam, knetbar, dehnbar u. s. w., von thon: oder aus einem schmeidigen thon die hand des werkmeisters allerlei formen machen kan. Horscht (
s. unter 1) 1, E 4
a.
von wachs: das wachsz erseufftzet einst und sprach: .. 'ich bin meins lebens uberdrüssig, das ich so weich, schmeidig und flüssig. B. Waldis
Esop 2, 81, 4; die butter ist schmeidig,
läszt sich leicht schmieren Frischbier
a. a. o.; smüdig fet ten Doornkaat Koolman
a. a. o.; vom leder,
s. ebenda; von handschuhen: so leihe mir auf ein jährlein das schmucke schmeidige pärlein! Uhland
ged. (1864) 322.
von pflanzen, biegsam, schlank, schwank: eine schmeidige wêde (
rute), eine schmeiszige tanne Frischbier
a. a. o.; ene smidige rode Dähnert
a. a. o. 33)
von lebenden wesen, biegsam, leicht beweglich; so von fischen: wer gleichet uns freudigen fischern im kahn, wir wissen die schmeidigen fische zu fahn. Overbeck
verm. ged. 23;
vgl.: die alten Deutschen waren nicht schmeidig, wie der aal. A.
F. E. Langbein
schriften (1841) 1, 109.
vom menschlichen leibe und seinen theilen: ein schmeidiges
bez. schmeisziges kerlchen,
ein gelenker, beweglicher junger mann Frischbier
a. a. o.; voll ist die schmeidige zunge des menschen von mancherlei reden. Bürger 233
a (
στρεπτὴ δὲ γλῶσσ' ἐστὶ βροτῶν.
Il. 20, 248). 44)
übertragen auf geistiges mit verschiedenen nuancen. von menschen, sanftmütig, nachgiebig, lenksam, von seinem starrsinn ablassend; so oft volksthümlich in sprichwörtlichen redensarten: er ist so schmîdig geworden, dasz man ihn um den finger wickeln kann. Frischbier
a. a. o.,
vgl. brem. wb. a. a o.;
nd. hei is sau smîig as en ôrworm (
wie ein ohrwurm). Schambach
a. a. o.; wie sie nachfolgender zeit christen, seynd sie hierinn auch schmeydiger und sittsamer worden. Kirchhof
milit. disc. 201;
anders gewendet schmeidig wie ein aal,
von einem heuchler und liebediener, der sich gut zu verstellen und den leuten nach dem munde zu reden weisz (
vgl. 3).
von der schreibart, glatt, geläufig, leicht verständlich: die zweyte handschrift ... lieset manche zeile viel schmeidiger, und dem verstande gemäszer. Lessing 8, 509. 55)
zuweilen bedeutet schmeidig
überhaupt '
glatt, weich, schlüpfrig',
so mundartlich von aufgeweichtem boden Schambach
a. a. o, von gutem branntwein, der schön hinuntergleitet Dähnert
a. a. o. 66)
in der älteren sprache bedeutet schmeidig
auch vereinzelt '
klein, gering',
vgl. geschmeidig 3,
a: nachdem sie aber fast ein halbes jar hefftigklich getrauwret, fieng an die kümmernisz etlicher maszen schmeidiger zuo werden. Kirchhof
wendunm. 1, 389
Österley (1, 348); diser, in klein schmeidige format kurtzgefaszter geistlicher spigel. J. Mestwert
flugspigel (1674)
vorr.