verschreiben,
verb. , verschreyben,
perscribere, conscribere. Maaler 430
a;
dän. forskrive;
schwed. förskrifva:
nld. verschrijven;
ags. forscrîfan.
im nd. wie im hochd. gebräuchlich. Dähnert 526
a. Schambach 266
a. Woeste 295
a. Bauer-Collitz 31
b.
die bedeutung, dasz die thätigkeit des schreibens in verfehlter weise vor sich geht, tritt im gebrauch der älteren sprache zurück; merkwürdig und gewisz durch lat. proscribere veranlaszt ist die altbezeugte, im nhd. fehlende anwendung im sinne von '
durch schriftliche aufzeichnung verdammen, der verfolgung anheimgeben'.
die in der älteren deutschen sprache gewöhnliche anwendung ist: '
durch aufschreiben festlegen, bestimmen'
; besonders bezieht sich das wort deshalb auf rechtlich bindendes aufzeichnen, dann überhaupt auf niederschrift, aufzeichnung, die in irgend einem sinne wichtig, bedeutsam ist; die besondere nuancierung des compositums kann auch ganz verschwinden. 11)
schriftlich festlegen, feststellen, verzeichnen, beschreiben, urkundlich aufsetzen, amtlich durch schrift verordnen; absolut oder mit sächlichem object; vgl. mhd. wb. 2, 2, 208
a; verschriben und versigelten daʒ mit ir selbes henden.
d. chron. 2, 1, 351, 24; item verschreib alle samstag herein, waʒ eʒ die wochen gekost hab umb prot und gemüʒ.
d. städtechron. 1, 184, 35; hilt man sich, als auf dem rathaus verschriben ist. 2, 324, 13; item der fursten, herrn und ritterschaft stett, slosz, closter, dorffer
etc. verschreiben. 331,
anm. 2; als derselbig aid verschriben ist in dem puchlein, das do in der loszungstuben ist. 3, 410, 5; als sy hievor mit worten verschriben und gemachet sint. 4, 131, 12; alleʒ daʒ daʒ
oben an dem brief von wortt ze wortt begriffen und verschriben ist. 180, 4; wie das sü es wol verschriben hettent. 9, 663, 15; (
rechtssatzungen) wurdent ouch also verschriben von meister Johans capplan des vorgen probsts, als hie nach geschriben stat.
weisth. 1, 5; uff ettlichen güttern, die in des gotzhus zinsbüchern oder rödeln verschriben stand. 80; hie sind verschriben meiner gnedigen frawen der abtessin auf dem Nunberg ze Salzburg und ires gotshauss daselben stiftrecht.
Salzburger taidinge 110; als vor verschriben ist. 197, 7; als vor gemelt und verschriben ist.
Tirol. weisth. 1, 86, 9; mit gnuegsamer verschribner urphechd. 4, 2, 682, 7; des er denn alles gestanden wie es verschrieben war. Luther 3, 416
b; so bestettiget er (
sein bergwerk), und lesset es jhm ins bergbuch verschreiben. Mathesius
Sar. (1571) 64
a;
vgl. verschreibegeld, -tag; welches dann alles in bester form verschrieben wart.
Simpl. 2, 157, 24
Kurz; verschribene antwort.
quelle bei Schmeller 2, 595; verschriebene klage.
quelle bei Scherz-Oberlin 1771; it. ein verschriben gewalt (
eine urkundliche zusicherung) von dem von Heydek nemen.
d. städtechron. 2, 293,
anm. 3; verschreiben,
in ein gerichtliches document eintragen. Sallmann
lex. beiträge aus Liv- und Estland 72
b; daʒ wart verschriben mit eiden vesteclîche.
Lohengrin 3500; der verrichtung si ein ende gâben, sô daʒ man eʒ verschreip. Ottokar
reimchron. 17849; dô diu ebenung wart verschriben, niht lenger dâ beliben die phaffen, die dar wâren komen. 19612; do hieʒen siʒ ze lesten verschrîben und verhantvesten. 35889; doch sag' ich auch dabei: was ich in meinem land' an kirchensachen noch ändern will — da hat kein rot- und schwarzrock sich drein zu mengen — das verschreibt nur auch. Wernir
Martin Luther 4, 1.
die vorstellung des schreibens kann ganz zurücktreten: ich bit, du wolst mich nit mehr lawrn, und lassens bey dem urtheil bleiben, welchs uns wird diser hundt verschreiben. B. Waldis
Esop 4, 99, 226
Kurz; verschreiben mit blut,
mit blut aufzeichnen: ein sylbren herzly hangt dran, dar in ir namen dyn muosz stan, mit synem eygen bluot verschriben. Murner
gäuchmatt 8, 52
Uhl. mit persönlichem object oder einem object, das personen einschlieszt; eintragen in ein verzeichnis, urkundlich aufnehmen, registrieren: in demselben register die leut mit namen verschriben sind, die da weck zugen.
d. städtechron. 3, 410, 6; (
die) seine verschriebene und angetraute gattin war. Alexis
Isegrimm 559; wer dan der kinde vogt gemacht wurt, der sol verschrieben werden.
quelle bei Scherz-Oberlin 1771;
vgl. mhd. wb. 2, 2, 207
b; verschrieben,
immatrikuliert: der was an der zal verschribener studenden 32 tausent.
d. chron. 2, 1, 361, 41;
geistlich: wir sind warlich verschriben ewige burger der selbigen statt. Geiler v. Keisersberg
schiff der pen. (1512) 2
b; herr du hast mich verschriben das ich ewigklich sol hye wonen. 2
c; Augustus grosz von macht hat
unter die gewalt Judeen auch gebracht, der diese gantze welt das erste mal verschrieben, der fromme Joseph kam zugleich mit seiner lieben, gab seinen namen auch, als wie es sic gebührt. Opitz (1690) 3, 231.
frei in besonderer wendung: diese zwei. disz treue paar, das die höchsten häupter lieben und an ein solch werk verschrieben (
für diese gesandtschaft bestimmten). Fleming 1. 358
Lappenberg. beurkunden, bezeugen in einer schrift litterarischen charakters: das ist verschriben in den vier evangelisten und epistlen der heiligen apostlen. Th. Platter 42
Boos verblaszt; vollständig beschreiben, abschlieszend schildern, darstellen: wer dienet werden wîben, den kan nieman gelêren baʒ, denne ich wil verschrîben.
minnes. 3, 433
a Hagen; nun hab ich, fraw, verschriben, alz ferr mich mein synn triben, was lieb sey und wie manigvalt. Cl. Hätzlerin 2, 68, 215. 22)
schriftlich mittheilen, vgl. mhd. wb. 2, 2, 207
b. Lexer
mhd. handwb. 3, 219. Schiller-Lübben 5, 437
b: die sache alle siben wurden in dô verschriben. Ottokar
reimchron. 84160; wie es ymm lannd ze Behem stee, das ist mir nun verschriben. Cl. Hätzlerin 1, 132, 100; nun wölln wir aber singen und wöllends heben an von dem keiser Maximilian ... dasz er dem frewlin ausz Britania heimlich verschriben hat. sie tet das brieflin lesen dieselbig junkfraw zart. Uhland
volkslieder nr. 173, 1; darumb so deuch mich sein das best, das man köng Porsenna verschrieb den grund. H. Sachs 8, 199, 13
Keller-Götze; ich wil auch hie zu hoff bleiben, dem könig doch all sach verschreiben. 13, 43, 31; nu verscraib der hochmaister dem künig und beseczet in darumb zu red.
d. chron. 2, 1, 362, 25; in der selben zeit do het eyner .. dem pischoff verschriben, si heten lutzel kost mer in der stat.
d. städtechron. 1, 58, 12; lieben frewnde, als ir uns verschriben und gebetten habt, ewch wissen ze lassen. 3, 345, 17; als ir uns verschriben habet von wegen des aller durchl. fürsten und herren hern Sigmund. 346, 7; daʒ ir uns das bey disem botten oder zu stund bey ewerm botten auf unser kost verschreiben wellet. 347, 11; item man schickt auch ain potschaft zum künig mit ainem brief und verschreib im alle stuck und articul, warumb der Nenninger die stat Augspurg geladen hett gen Würtzburg. 5, 85, 13; (
dass er) mit ew gerett habe, obe ir uns ichtes verschreyben wöltet; do sprächent ir, ewch wär zu disen ziten nichtes kuondig uns ze schreyben. 354, 27; das man ew sollichs zu ainer warnunge zu stunde verschreiben sollte. 360, 3; wan es was gewonheit zuo den ziten, in welem lande wunderliche ding geschohent, die verschreip der künig oder herre des landes den Römern. 8, 339, 22; verschriebent ime die welunge (
dasz er gewählt sei), do dankete er in unde verschreib in herwiderumb: er wolte sich des riches nütschet underwinden. 478, 15; da verschrib mein herr dem kunig und klagt jm aber, wie jm der sach kain end mocht werden. 15, 493, 11; der hett im verschriben und potschafft gethann. Schiltberger 39, 6; wie die hertzogin Galmien, dem ritter, die bestimpt zeit des stechens verschreibt. Wickram
werke 1, 54
Bolte-Scheel; wie Reinhart seiner liebsten Rosamuunda das fürnemmen seines gesellen verschreibet.
buch d. liebe 247
c. verschrieben,
brieflich: das lassen uns aigenlichen widerumbe verschriben wissen.
d. städtechron. 5, 358, 36; das verschreiben,
brief (
vgl. schreiben in gleichem sinn): als nun Galmy der edel ritter sich gäntzlich nach der hertzogin verschreiben gerüstet hatte.
buch d. liebe 58
a.
das schreiben vermittelt eine einladung, eine aufforderung, einen befehl; angeknüpft mit dasz: dirre Constantinus buwete vil kirchen und verschreip allen fürsten, das sü soltent cristen glouben halten. 8, 368, 5; dahin het mein fraw verschriben, daʒ man niembt einlies. 15, 494, 12. 33)
die vorstellung, dasz durch das schreiben etwas oder jemand herbei geschafft werden soll, tritt mehr hervor; hier knüpft eine im entwickelten nhd. gewöhnliche gebrauchsweise an, s. unten 9.
die ältere sprache bildet wendungen, die in der neueren unmöglich sind, einem verschreiben um etwas,
ihn schriftlich um etwas ersuchen: der nam daz creuz an sich und verschraib künigen und fursten, graven, freien, rittern und knechten umb hilf.
d. chron. 2, 1, 359, 16;
die vorstellung des forderns, herbeiwünschens bewirkt, dasz statt des dativs des adressaten eine verbindung mit von
gewagt wird: die von Strauszburg verschriben von all stött umb puchsenschutzen.
d. städtechron. 4, 239, 20.
der inhalt der bitte, des befehls, dasz der adressat kommen soll, ist zu ergänzen: der künig verscraib dem Thellfin, des künigs sun von Frankreich, und dem herzogen von Purgoni. die chomen wol mit achczig tausent mannen.
d. chron. 2, 1, 371, 26; ich hab verschriben meinem sun (
nämlich, dasz er zu mir komme). S. Wildt
com. (1566) Eee 1
b.
durch eine leichte wendung wird der adressat selbst das object: einen verschreiben,
entbieten, einladen; mit und ohne zusatz. das nhd. hat diesen gebrauch erhalten, aber eingeschränkt, s. unten 9. den 22 dito haben IFG. abermal eine reise mit dem frauenzimmer nach der Oelsen vorgenommen und mich, mitzureiten, verschrieben. H. v. Schweinichen 51
Österley; se vorschreven alle ere ridderschop to daghe; hebben wy unse manschop by uns to kamende vorschreven unde vorbodet. dat ick den wederdoper van Munster verschreven (
brieflich eingeladen).
belege bei Schiller-Lübben 5, 437
a; man speiset in derselben hochzeit zwai und zwainzig tausent verschribener (
eingeladener) menschen.
d. chron. 2, 1, 382, 24. 44) einen verschreiben
kann in prägnanter wendung in älterer sprache bedeuten '
einen brieflich in gute erinnerung bringen, sich für ihn verwenden, ihn empfehlen, ihn durch schreiben schützen'.
vgl. Schiller-Lübben 5, 437
b. Haltaus 1888: graff Ernst von Mansfelt ... hat itzt einen priester ... Heinrich Schmidt an uns verschriben.
brief von 1525
im Weimar. archiv; der kurfürst zu Sachsen
etc. hab jn an viel ehrliche leute verschrieben. Luther 1, 109
a; es hat mich der schosser zu Beltitz gebeten, diesen briefeszeiger, er Stephan Gretz, zu verschreiben, dass er die verledigte pfarr zu Schwanbeck erlangen mochte.
briefe 3, 210; es hat E. K.
F. G. vormals diesen er Simon Mannewitz verschrieben, welcher von dem bischof von Meissen beschweret und seines väterlichen erbes beraubt ist. 247; nu kömpt er zu mir, und bittet durch viel guter leute furbitte, ich solle ihn gegen E.
F. G. verschreiben. 5, 1; dasz E. K.
F. G. wollten sie gnädiglich an herzog Heinrich verschreiben. 290;
anders gewendet, ohne object: für den gefangenen zu bitten und zu verschreiben.
schriften 3, 416
a. 55)
in entgegengesetztem sinne wie unter 4
unter dem einflusse von proscribere '
schriftlich anklagen, verdammen, ächten'
; die vorstellung des schreibens kann dabei ganz zurücktreten, so schon in folgender stelle, wo das mit dem dativ construiert ist: siððan him scyppendforscrifen häfde.
Beowulf 105;
dagegen tritt der ursprüngliche sinn in einigen unten folgenden belegen deutlich hervor: dy vorschreben sint in unser stat und ouch vorschreben und vorêcht sint in andirn stetin.
quelle im mhd. wb. 2, 2, 208
c; averst se hebben en nicht konden finden. so heft en ein radt vorschreven an heren und forsten und stede, so de en averkomen konde, wolde en anholden up ein recht; hir hore gy, wu dusse gefangen vor apenbare seerovers uthgeropen und vorschreven werden.
belege aus Schiller-Lübben 5, 437
ab; ich bin geächtet und verschriben von dem küng Antiocho.
Apollonius 97, 33
Schröder; jedem sol man ein aug auszstechen, darnach all beyd von Rom verschreiben, mit weib und kind ins ellend treyben. H. Sachs 2, 18, 16
Keller-Götze; als er verschrieben war von Rom und gehn Salerno flüchtig khom. 303 12; gar leichte ursach er oft fundt, das er ein verschrieb ins elendt. 8, 414, 18 sonst folg' ich ohne zwang, wohin ihr reitz mich treibet, und lach', obgleich aus Rom Augustus mich verschreibet. Wernike (1704) 152.
proscribere, vorschribin Diefenbach
gloss. 467
a;
vgl. Haltaus 1887;
in Kärnten ist verschrieben
so viel wie protestantisch, s. Frommanns
zeitschr. 5, 251, 19: das diendl is kathoulisch und i bin varschriebn. verschrieben sein,
verloren sein. Schöpf 647;
diese anwendung geht wol aus von dem begriff ächten, denn auch verlesen (
vom verlesen des urtheils her)
wird für verloren, verdammt gebraucht (Schöpf 387);
möglich ist, dasz verschrieben,
protestantisch heiszen soll: der hölle, dem teufel verschrieben, also im sinne von 6
oder 7.
in besonderer anwendung im ags.: bill forscrîfan (
Sal. u. Sat. 162),
die waffe durch eingeritzte zeichen verhexen, ihr die kraft nehmen. 66)
durch aufzeichnung, beurkundung übertragen, zuweisen, zusichern, abtreten, z. b. eine sache, ein recht. im entwickelten sprachgebrauch des nhd. ist die anwendung des wortes gewöhnlich insofern eingeengt, als der übergang des rechtes, der sache an einen andern nicht sofort erfolgt, sondern nur für den eintritt bestimmter umstände zugesichert wird (
z. b. tod des ausstellers der urkunde)
; das gleiche gilt, wenn etwas als pfand '
verschrieben'
wird; so oft in älterer sprache, die im übrigen den gebrauch nicht so einschränkt, das wort also auch anwendet, wenn von einfacher schriftlicher überweisung, abtretung die rede ist. s. unter verschreibung 1: ich wil dir mein hausz verschreiben (
en gage); verschreiben, zu underpfandt setzen. Hulsius
dict. (1616) 354
b; einem etwas im testament verschreîben, einem ein legat verschreiben; einem eine schuld verschreiben. Kramer (1702) 2, 661
a; jemandem sein gut, sein vermögen verschreiben (
als unterpfand). Adelung; vorsetten und vorschriven; vorsegeln und vorschriven.
belege bei Schiller-Lübben 5, 437
b; die sloʒ, die der genädigen frauen Margareten .... verschriben warn für ir morgengab, haimsteur und widerlegung.
d. chron. 2, 1, 376, 12; dar umb, daʒ er in niht verschreiben wolt alle di recht, di si von pischoff Lewpolt von Hohenlochen her gehabt heten.
d. städtechron. 1, 32, 19; daʒ wir nymmermer von dem reiche hingeben, versetzt noch verschriben süllen werden. 194, 25; und uber das verhies er jm auch sonst zu verschreiben hundert und funffzîg centner, wenn man jm zulassen wolt, das er spielheuser da anrichten möchte. 2
Macc. 4, 9; muest in jerlichen gült verschreiben. Aventinus
bair. chron. 1, 842, 30; präch in ab ir verschriben leipgeding. 843, 1; welcher (
frau Cyrilla) hergegen statt leibgedinges herr Sempronius ein fuhrwerck (
l. vorwerk) an der ostseiten der neustadt .. gelegen hiermit kräfftiglich verschreibet. Gryphius
Horribilicribrifax 86
neudruck; dem und seinem weib verschrieb ich meinen hof vor eigenthum.
Simpl. 2, 94, 7
Kurz; er verschreibt dem teufel seine seele; der söldner verschreibt dem kriegsherrn sein blut; der uns an seinem letzten endt gemachet hat ein testament, darinn er uns sein hab verschreibt. H. Sachs 3, 46, 9
Keller-Götze; es thet im gleich wol oder wehe, must er ir all sein gütr verschreiben. 8, 82, 8; mein geld ist dein, so gut, als wär' es dir verschrieben. Göthe
die mitschuldigen 3, 8 (9, 99
Weim. ausg.); auch will er gerne dreifach den betrag von dem, was ihm geliehen wird, verschreiben. Uhland
ged. 1, 359
Schmidt-Hartmann; von höheren gütern: die ... ihr hertz mit blut und fluch verschreiben. Günther
bei Steinbach 2, 512;
geistlich gewendet: disz (
das himmelreich) ist unser stat, die unsz verhaissen ist und berait, dar tz verschriben. Geiler v. Keisersberg
schriff d. pen. (1512) 2
b;
die verpflichtung ist durch einen satz mit dass
ausgedrückt: doch das er sein wer nach seim todt, das verschrieb er mit seim blut rot. H. Sachs 8, 644, 20
Keller-Götze; sie wöllen jm gewis verschreiben, das jre gute werck jm bleiben. Fischart 1, 160, 1061
Kurz; mit dem infinitiv: widerhohle ślüslich meine unverbrichliche dinstgeflissenheit, und verśreibe hirmit treu zu leben, und beständig zu sterben, meines geehrten hn dinst-treu ergebener NN. Butschky
hochd. kanzelley (1659) 52; das verschreiben: allein dasz du mir die promission unnd zusagung deines verschreibens leistest.
Faustbuch 23
neudruck. 77) sich verschreiben,
sich schriftlich verpflichten: alse unse rad sik vorscreven unde vorboden heft.
quelle bei Schiller-Lübben 5, 437
b; da sie sich dan verpflichten und verschriben, nymmer wider in zu sein.
d. städtechron. 3, 278, 23; er schickt auch einen brieff, darinnen er sich verschraib, solliche clennet, so er die zu seiner cronung gebrauchte, .... alszbald widderumb zu iren handen zu antwurten. 376, 27; so wir nun miteinander zusammen mit eiden verstrickt und verschriben sein. Spittendorff 24, 7
v. u.; verschreibt man sich, so hengt man ein siegel daran, das die zusagunge und verschreibung stet und fest gehalten werden. Luther 2, 26
b; hat versigelt solche hantvest, sich verschriben am ersten, er wöll vom pabst, vom kaiser bestetung über sölch freihait zuwegen bringen. Aventinus
bair. chron. 2, 424, 27; so will ich mich auch wohl gar mit meinem blute verschreiben, dasz ich die unschätzbare wohlthaten mit einem immerwährenden und unsterblichen gehorsam danckbarlich zu erwidern werde beflissen seyn. Weise
comödienprobe 236; hat sich verschrieben und versprochen, mich zu bezahlen in vier wochen. Ayrer 2, 922, 36
Keller. die person, der die zusicherung gegeben wird, ist mit gegen angefügt: es was ain prunnenmaister, der hett sich verschriben gen der stat, die prunnen auff ze richten.
d. städtechron. 4, 318, 12; si verschriben sich gen ainander mit aim vermessen streit (
sie verabredeten sich zu einem kampfe).
d. chron. 2, 1, 362, 27; wie keiszer Karle sich gein pfalzgrave Ruprechten verschrieben hatt.
reichstagsakten 1, 42, 18 (
ä. r.); verschriben sich die von Österreich gegen kaiser Ludwign. Aventinus
bair. chron. 2, 469, 8; zum andern, dasz er solches zu mehrer bekräfftigung, mit seinem eygen blut wölle bezeugen, und sich darmit also gegen jm verschreiben.
Faustbuch 18
neudr.; sich gegen jemand verschrieben haben. Kramer (1702) 2, 661
a;
mit zu: wie sich der bischof von Aystet ainigung halben zu im verschriben hat.
d. städtechron. 10, 254, 10; als ir und wir daʒ auch underein und zu andern fursten uns verschriben und verbunden han.
Frankfurts reichskorresp. 1, 506
Janssen; mit dem dativ: der sich doch im verschrieben hat, das er im järlich alle jar in Dennmarck schickt ein tribut dar. H. Sachs 8, 515, 34
Keller-Götze; er hat sich mir verschrieben,
sich mir gegenüber schriftlich verpflichtet. Kramer
dict. (1702) 2, 661
a; sich einem verschreiben,
litteris cavere alicui. Frisch 2, 225
b;
part. verschrieben,
der sich schriftlich verpflichtet hat: ein verschriebener schuldner. Kramer
a. a. o.; er waʒ sein verschribner diener.
erzählungen aus altd. handsehriften 201, 10
Keller. gegenstand und inhalt der verpflichtung im gen.: hielt er nit wes er sich verschriebn het. Aventinus
bair. chron. 2, 469, 33; also ergaben sie sich, und verschriben sich desz mit irem eigen bluot. Kirchhof
wendunmut 1, 497
Österley; anknüpfung durch präpositionen: sich verschrîben umbe ein dinc,
s. Lexer
mhd. handwb. 3, 219
a; mit streit,
s. oben die stelle d. chron. 2, 1, 362, 27; sich vor einen verschreiben, bürg vor einen werden. Hulsius
dict. (1616) 354
b.
im entwickelten nhd. wird sich verschreiben
in der allgemeinen bedeutung von sich verpflichten gewöhnlich nicht mehr gebraucht; man sagt vielmehr im sinne von 6: sich einem verschreiben,
die verfügung über die eigne person einem andern übertragen; mehr noch im sinne der allgemeinen anwendung: wir setzen eine formel auf, worin wir uns dem herzog insgesammt verschreiben, sein zu seyn mit leib und leben. Schiller
Piccolomini 3, 1;
besonders haftet die redewendung an den teufelspakten, wobei die vorstellung des schreibens mehr und mehr zurücktritt: sich lebendig dem teufel verschreiben. Steinbach 2, 512; als ob man durch die benutzung derselben in gefahr gerathe, sich dem satan zu verschreiben. Freytag
ges. werke 4, 126; sogar die feder liegt noch hier, mit welcher Faust dem teufel sich verschrieben. Göthe
Faust II, 2.
ebenso sich der hölle verschreiben: als ich dich begann zu lieben, hab' der höll' ich mich verschrieben. Müllner
schuld 2, 4.
frei zur bezeichnung völliger hingabe; das im dativ stehende substantiv braucht keine person zu sein: er hat sich ganz, mit leib und seele dem sport verschrieben
u. ä.; in einem freundlichen grusz oder händedruck verschrieb sich sein überwallendes herz jedem bürger. Schiller 7, 86; der theil (
der menschen) der den acker baute, sich der erde verschrieb. Göthe 26, 213 (
Weim. ausg. dicht. u. wahrh. 1, 4). 88)
von der bedeutung 6
aus (
schriftlich zuweisen)
ist zu erklären die wendung einem etwas verschreiben,
ihm als arznei verordnen, chinin verschreiben,
oder auch: eine bestimmte diät, bäder verschreiben.
scherzhaft in moderner sprache: der gefällige arzt hat ihr vier wochen Ostende verschrieben.
daneben freier: ein rezept verschreiben. der artzt hat ihm etwas verschrieben. Kramer
dict. (1702) 2, 661
a; in die apotheke verschreiben.
ebenda; letztere wendung (
s. unten die stelle aus Weise),
die auch bei Adelung
verzeichnet ist, wird von Campe
getadelt, da sie in anderm sinne (
unten 9)
verstanden werden müsse; auch will er statt einem kranken ein recept verschreiben
sagen: ihm, für ihn ein recept schreiben, für ihn die nöthige arzenei aus dem arzeneiladen verschreiben. in dessen verschrieben die andern brav in die apothecken. Weise
erznarren 177
neudruck; der doctor hat mir schon etwas verschrieben, das gleich aus der apotheke kommen wird. Gellert
die kranke frau 11.
frei: lässet sich gegen diese nervenschwindsucht hundert hoffeste verschreiben. J. Paul
Hesperus 1, 129; so wolle nun mein fürst den mördern gifft verschreiben, das sie auff uns gekocht. Lohenstein
Agrippina 1, 552. 99) etwas, einen verschreiben,
brieflich bestellen, sich durch briefliche bestellung verschaffen (
vgl. oben unter 3
zu anfang); verschriven,
von andern orten her durch briefe etwas verlangen. Dähnert 526
a; einen prediger, einen lehrmeister verschreiben. Kramer
dict. (1702) 2, 661
a. einen berühmten wundartzt verschreiben, er verschreibt viel fremde kräuter. Steinbach 2, 512; wahren verschreiben; die wahre ist schon verschrieben; einen bedienten, einen hofmeister verschreiben. Adelung: sich künstler aus Frankreich, bilder aus Italien verschreiben
u. ä. dieses ist aus Rom verschrieben worden, und kömmt mich ein iedweder bogen auf einen halben reichsthaler zu stehen. Weise
erzn. 28
neudruck; ja ja bettel kerlen, die den halsz bey uns wollen ernehren, kriegen wir genung daheim. wir dürffen sie nicht von fremdes her verschreiben.
comödienprobe 310; ein messer hab ich verschrieben, bleibt aber aus Göthe
briefe 3, 169
Weim. ausg.; ein kahn war angekommen, den Eduard mit ansehnlichen kosten aus der ferne verschrieben hatte.
wahlverw. 1, 12 (20, 134
Weim. ausg.); was die herrschaft voriges jahr zu verschreiben angefangen. 2, 9 (20, 305);
freier, mehr im sinne von einladen (
s. oben unter 3): der sagte mir dasz ein gewisser Jacob Sansuino, bei dem er in der lehre gestanden, ihn verschrieben habe.
Benvenuto Cellini 1, 2, 4 (43, 217);
in besonderer wendung: unerzogen ist das seelchen blieben, bis du ihm zum meister wardst verschrieben. Rückert
ges. ged. 1, 254 (1840). 1010) etwas verschreiben,
es falsch schreiben, irrend etwas falsches dafür schreiben; sich verschreiben,
sich beim schreiben irren, etwas dabei verfehlen. verschreiben, jrre schreiben. Hulsius
dict (1616) 354
b; es verschreibt sich wol der beste schreiber. Kramer
dict. (1702) 2, 660
c; es ist verschrieben worden,
scripturae error commissus est. Steinbach 2, 512; die zahl, das wort ist verschrieben. Adelung: sich in den preisen verschreiben. dächte ich doch, wir lieszen den Plinius sich lieber verschrieben haben. Lessing
3 10, 324. 1111)
schreibend verbrauchen: ich hab all mein papier, alle meine federn, alle meine dinte verschrieben. Kramer
dict. (1702) 2, 661
a. 1212)
von zeitabschnitten, sie mit schreiben hinbringen, ausfüllen; oft in bedauerndem miszbilligendem sinne; verlebte, verschrieb und verlas er ganze tage, und später halbe im freien, auf den bergen. J. Paul
herbstbl. 3, 195 (
bd. 48); Minervens aftersohn (
die in einen gelehrten pedanten verwandelte eule), der in die welt itzt eilte, blieb immer, was er war, als er das thal durchheulte, weil er, als mensch, den tag in stuben itzt verschrieb, wie er den tag hindurch, als eul', im neste blieb. J. A. Schlegel
fabeln 262. 1313) die üble laune verschreiben,
sie durch schreiben beseitigen, vernichten; sich den groll verschreiben. fing Boquairol gemäszigt an, weil seine wallungen halb vertropft und verschrieben waren. J. Paul
Titan 3, 180 (
bd. 23). 1414)
besonderes aus älterer sprache; etwas verschreiben,
auf etwas verzichten, ihm entsagen: so müeʒet ir verschrîben alliu wip iemer mê. Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 930; einen eines dinges verschreiben,
ihn des dinges berauben: (
die ihr) ir gûdes gar verschriben (
habt).
Elisabeth 6142;
reflexiv in entsprechender anwendung: er wolte sich verschriben der wereltlîchen êre.
erlösung 3857.
vgl. Germ. 7, 26.
mhd. wb. 2, 2, 208
a. Lexer
mhd. handwb. 3, 219.