Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)
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gewaffnet, participiales adj. zu waffnen (s. dieses). in den verwendungen, die mehr das verbum als das nomen in den vordergrund stellen, ist das particip neuerdings durch bewaffnet verdrängt worden, ebenso wie waffnen durch bewaffnen. die darstellung in theil 1, 1762 hat dem aufkommen dieses compositums keine beachtung geschenkt, die ersten belege verzeichnet Diefenbach nov. gloss. 34b. für die isolierten functionen des adjectivs ist der form gewaffnet in der nebenform gewappnet (s. dort) ein ersatz erstanden, der neuerdings die neigung zeigt, das wenige, was der entwicklungsgang von bewaffnet noch übrig läszt, für sich in beschlag zu nehmen. die althochdeutschen denkmäler sind von unserer form noch beherrscht, vgl. gewâfanit Graff 1, 788. in die mittelhochdeutsche dichtung dringt erst mit Wolfram gewâpent ein (vgl. mhd. wb. 3, 457b. Lexer 3, 830), anscheinend als niederdeutsche nebenform. lose und feste verbindungen gestatten der neueren form in gleicher weise eingang; es lassen sich noch bis heute unter den verwendungen von gewaffnet kaum solche aufzeigen, an denen nicht auch gewappnet theil hätte. dieses selbst aber hat einige gebrauchsformen (übertragungen) entwickelt, in die die ältere form nicht mehr eindringen konnte. 11) vorleben. neben der verbalform der alt- und mittelhochdeutschen zeit tauchen im übergang zur neuhochdeutschen periode umgelautete formen auf, die jedoch in die schriftsprache nicht überdringen. für den attributiven gebrauch und die substantivierung liegen ältere belege vor als für die prädicative verwendung. 1@aa) das particip als prädicat. 1@a@aα) an iro griscramonten zenen wâren siê gewâfenet also leonen. Notker zu psalm 56, 5; 'sô wil ich selbe rîten',sprach Sîfrit der degen, 'unde wil der wartegên den vînden pflegen, unz ich rehte ervindewâ die recken sint'. dô wart gewâfent schiereder schœnen Siglinden kint. Nibelungen 178, 4 Lachmann; si wârn gewâfent sêre sô daʒ an in niht mêre blôʒes wan daʒ houbet schein, und die arme unt tiu bein. Hartmann v. Aue Iwein 6679. 1@a@bβ) unde gewâfendêr mit cnuttele. dans er cerberum fone hello (cerberum traxit). Notker Boethius 210b, Hattemer 3; dô sâgen si under luften volc bit (mit) grôzer krefte rîden wol gewâfenôt. könig Rother 3536 v. Bahder; dô kâmen si niht über lanc in dem forste an ein gras, dâ ein ritter gelegen was. gewâfent si in funden, tôt, sêre wunden. Tristan als mönch 759 Paul; swer in der stat ze Colmer dekein geweffene treit frevenlich und ubelich und obe ein geschelle wurde daz er zu sinen fründen also geweffent kome der had unser hulde nit. Kolmarer stadtrecht (1293), Schöpflin Alsatia diplomatica 2, 58; ein salig mennisge .. also gevazôter unde alsô gewâphiniter mit unsers hêrrin mennesgheite wider den tiuvel. sermo in navititate domini (Wackernagel altd. lesebuch 191, 7). 1@a@gγ) dô daz chint nâh rîterlîchen site wol gewêfent was und geriten, dô was er ein scône jungelinc. Lamprecht Alex. 431 (Straszburger handschr.; Vorauer handschr. 3668: wol gewâfen); 'swie rûch ich ein gebûre sî, wær ich rîterschefte bî, wær ich gewâfent unde geriten ich kund nâch rîterlíchen siten alsô wol gebâren als die rîter wâren'. Hartmann v. Aue Iwein 3559. 1@bb) attributive verbindungen. 1@b@aα) sie sliumo thes sar zilotun,thaz grab gizeinotun sar io in theru fristimit mihileru festi, io sar then gangonmit giwafniten mannon, thaz man nan ni firstalimit meginu ouh ni nami. Otfrid 4, 36, 19; tîe ubermûoten chuninga. dîe dû nû sihest sizzen an hohemo stûole in iro purpurun glîzende. mit kewâfendên chnehten umbehabete, septos tristibus armis. Notker Boethius 174a, 16, Hattemer 3; dô kom aber dar nâch gevarn manec gewæffenter man, die fuorten ringes gespan, helme mit den schilten: die bestuonten den milten in eime buocholze. Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 1407. 1@b@bβ) kiwaffantiu sarfem chlawon wizzinara unheilara henti. (armata saevis ungulis tortoris insani manus) interlinearübersetzung deutscher hymnen 22, 4 J. Grimm; swer in der stat ze Colmer mit gewaffenther hant den andern anloufet, ist das, daz er in sleht, so hat unser hulde niht, ist aber daz er in niht ersleht so hat er einen frevel verschuldet. Kolmarer stadtrecht (1293), Schöpflin Alsatia diplomatica 2, 58; die heimsuochung ist da wer mit gewaffneter handt in eines mannes hauss laufet. Schwabenspiegel 301 Laszberg; wir haizzen gewaffent hant blozzeu swert in der hant oder schedleicheu mezzer und ander gewaffen. spiegel deutscher leute 99 Ficker; nu soll man wizzen was gewauffentiu hant ist, daz ist ain swert, ain mezzer, ain aixt, ain sper, ain helinbart und alliu geschozz, vgl. Haltaus 694. vgl. mit wapender hant in der Braunschweiger chronik 21. 368. 516 (d. städtechron. 16), ebenso in der Magdeburger chronik 159. 174 (d. städtechron. 7); mit gewâfender und mit ungewâfender hant. Züricher richtebuch 21. 1@cc) substantivierung: armatos gawafanten glossen zu Gregors homilien, Steinmeyer-Sievers 2, 283. 1@dd) das deutlichste zeugnis für die frühe überführung des particips in die classe der adjectiva bildet ungewâfent. mhd. wb. 3, 457b. 22) neuhochdeutsche periode: gewaffent mit der wer oder waffen, part. rumpheatus, gladiatus. vocab. incip. teut. 1a; gewaaffnet, armatus Maaler 178a; armatus gewaffnet, gerüstet Frisius (1568) 120a; armatus, gewaffnet, gerüstet Richelius L 4b (1590); wappenicht und waffenicht, adject. poet., pro quo communiter dicitur gewaffnet et bewaffnet, armatus, cataphractus. Stieler 2435; ungewaffnet, nudus, sine armis, inermis ... halbgewaffnet, semermis. ebendort, vgl. Steinbach 916; gewaffnet, armis instructus Spies nov. lex. univ. (1700) 2, 150b; gewafnet, armé, fourni d'armes, armatus. dictionaire dü voyageur (1704) 144b; gewaffnet, gewapnet, armé Rondeau-Buxtorff 253b. 2@aa) das prädicat: do die burgere ir als wenig do sohent, do wondent sü, sü soltent inen angesigen, und zogetent gewefent gegen inen herus. Closener chronik von Straszburg, d. städtechron. 8, 49, ebenso 8; der bischof streit uf den selben tag gewefent mit sin selbes hant als ein frummer ritter, und wurdent zwei ros under ime erstochen. 8, 84, ebendort 320; in jr gemein kamen sie gewäffend. Münster cosmogr. (Frankfurt 1537) 134b; diese traten alsobald, jeder in vollem plancken küris, von der scheitel bisz auff die fuszsolen gewaffnet .. hinter einer tapezerei herfür. Grimmelshausen Simplic. (4, 5) 302 neudruck; Orosius meldet, dasz ... 800000 gewaffneter männer wider die Gallier gewesen seien. Stumpf 163a; gehen wir gewaffnet auf den edelhof, mit flinten und pistolen. Göthe (bürgergeneral) 14, 279; die gefahr ist noch nicht vorbei, aber ich fühle mich ihr gewaffnet. Auerbach neues leben 3, 129 (vgl.gewachsen oben sp. 4734 ff.). 2@bb) attributive verbindungen. 2@b@aα) der kunig Albreht was ein starker unerschrockenre man und reit aller meist in stete und über lant unbehuot und ane gewefente lute, do von er ouch den lip jemerlich verlore ze Windische an eim waszer heiszet die Rüse. Closener chronik von Straszburg, d. städtechroniken 8, 64; do lag der hertzoge von Brobant zuo velde vor Kolle und vor Oche mit groszer maht gewefetes lutes. 102; wer dann wöll seine schaaren in ziffer schlieszen ein, nit wenig der erfahren müsz in der kreiden sein, der müsz die sternen zählen, das gelb gewaffnet heer, der kreiden auch befehlen den sand am wilden meer. Spee trutznachtigall 146 Balke; ein hauffe gewaffneter leute, un troupe des gens armés Rondeau-Buxtorff 253b; gewaffnete leute, armed men Ebers (1802) 644; ach, den frieden uns doch schenke, o du not gewaffnet held! ach, in deinem blut versenke sünd und laster aller welt. Spee trutznachtigalt 184 Balke. 2@b@bβ) das kleid, so man über den gewaffneten leib anlegte. Frisch 2, 414a. 2@b@gγ) ein gewaffnetes rosz, cheval bardé Rondeau-Buxtorff 253b; ein gewaffnetes pferd, a saddled horse Ebers 644. 2@b@dδ) mit gewaffner hand, armata manu Steinbach 2, 916, ebenso Frisch 2, 414a; einen mit gewaffneter hand überfallen, attaquer qu. à main armée Rondeau-Buxtorff 253b; gewaffnete hand, manus militaris Wachter 655; mit gewaffneter hand, with sword in hand Ebers 644; vgl. mit gwerter hand (gewehrter hand) theil 4, 2, 337; am 24. januar schrieb er (lord Jon Russell) auf's neue nach Paris, begehrte gemeinsames handeln aller mächte gegen die Augustenburger candidatur, wenn nöthig mit gewaffneter hand. Sybel begründung 3, 219; dann wird die rache mit gewaffneter faust anklopfen an die burgen und mit pechkränzen hineinleuchten. Auerbach neues leben 2, 243. 2@b@eε) weniger glänzend, aber weit gründlicher waren die vortheile, welche er von einem persönlichen einfall in die ligistischen länder zu erwarten hatte. entscheidend war hier seine gewaffnete ankunft. Schiller (gesch. des 30 jähr. krieges II) 8, 195. 2@b@zζ) bein facklen und laternen ein roth, gewaffnet ganz, wo waffen gab von fernen gar breiten eisenglanz. Spee trutznachtigall 32 Balke; gewaffneter friede überschrift eines epigramms bei Logau (160); der name: gewaffnete vorreden, war zwar damals völlig abgekommen, aber, der sache nach, lieszen sie in den ihrigen die waffen recht gut blinken. Klopstock (gelehrtenrepublik) 12, 81 (Carlsruhe 1821). vgl. unter gewappnet. 2@cc) substantivierung: auch kam ein grove von Affrica genant Heraclianus mit drü tusent geweffeten und 700 schiffern und wolte Rome gewinnen. Königshofen chronik von Straszburg, d. städtechroniken 8, 382; aber er wird die stimme seines gewissens nicht immer ersticken, er wird dem schrecken des herrn nicht immer entgehen können; es wird ihn überfallen, wie ein gewaffneter, und ihr werdet ihn sehen zittern und zagen, wie einen gefangenen, dem der tod droht. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. § 39; der grosze sultan Puh halte nun darauf durch seine richter und die schwerter seiner gewaffneten. es ist recht gut, dasz dieses hilft, und sich die vielen vor den verstümmelten richtern und den gewaffneten fürchten. Klinger (reisen vor der sündfluth) 6, 91; erhellet ist der kön'gin schlafgemach! gewaffnete erblick ich durch die scheiben. Grillparzer Blanka von Kastilien 5, 8; besonders verbreitet ist das substantivierte particip in bühnenanweisungen, so schon im Egmont: die gewaffneten, die im zimmer sind, folgen ihm. Göthe 8, 263, ebenso bei Grillparzer, der jedoch fast ebenso häufig die form gewappnete (s. d.) einsetzt: gewaffnete bringen Seyfried von Merenberg gefangen. könig Ottokars glück 2, 1; erst später hinter ihnen gewaffnete mit fackeln. ein treuer diener seines herrn 4 (ebendort herzog Ottos gefolg dringt bewaffnet herein); rechts im hintergrunde tritt, von einigen gewaffneten geleitet, ein zug schwarz gekleideter frauen auf. ebendort act 5; gewaffnete aus der begleitung Burellos sehen nach, ob das thor gehörig verschlossen. R. Wagner entwurf zur szarazenin (nachgelassene schriften 22).
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15.–20. Jh.
Neuhochdeutschgewaffnetparticipiales adj.
Grimm (DWB, 1854–1961)
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Ableitungen von gewaffnet (1 von 1)
ungewaffnet
DWB
ungewaffnet , -wappnet , part.-adj. , s. gewaffnet , -wappnet, waffnen, auch übertragen von ungefirmten christen (ungewapten) B. v. Chiemsee…
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Cotta, M. (2026). „gewaffnet". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewaffnet/dwb
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Cotta, Marcel. „gewaffnet". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewaffnet/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gewaffnet". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewaffnet/dwb.
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