wracken,
vb. ,
aussondern, verwerfen, prüfen. mnl., nl., mnd. wraken,
nd. wracken (
entlehnt dän. vrage,
schwed. vraka)
sind denominativa nach der ō-
klasse (
*wrakon)
vom adj. wrack '
beschädigt, untauglich, schlecht',
wie anord. rækja '
verwerfen, ausschlieszen, abschaffen, vertreiben, verabscheuen'
nach der j-
klasse (
*wrēkjan)
zu rækr '
abscheulich, verwerflich' (
im kompositum auch '
vertrieben, als untauglich verworfen'),
s.wrack,
adj. in der form wracken
ist das vb. nur auf nd. gebiete bezeugt, wo es auch eingang in die schriftliche handels- und kaufmannsspr. gefunden hat (
s. u. 1,
und vgl. die belege bei Schiller-Lübben 5, 776
a und bei Schirmer
wb. d. dt. kaufmannsspr. [1911] 212).
das hd. bracken (
s. auch teil 2,
sp. 290;
zum anlaut s. oben wr-)
ist auf wenige —
meist nur lexikalisch verzeichnete —
feste anwendungsbereiche beschränkt; der literarische und freiere gebrauch bei W. Scherffer
bleibt vereinzelt. das erste zeugnis in einem wb. d. hochsprache liefert Ludwig,
der folgende spezielle anwendung kennt: bracken
to tell pipestaves (
piepenstäbe, eichene faszdauben)
and tax the cracked ones t.-engl. (1716) 349.
danach bei Steinbach: ich bracke
lego dt. wb. (1734) 1, 178.
spätere führen das wort in seiner nd. lautform: wraken
rejicere tanquam inutile Frisch
t.-lat. (1741) 2, 458
a (
neben braken
die waaren durchsehen und die verdorbenen wegwerffen, examinare merces et corruptas rejicere 1, 124
b); wracken
den wrack, das untaugliche aussondern, ausmerzen Campe 5 (1811) 781
a (
neben bracken
aussondern, vom untauglichen befreien 1, 599
b,
so auch Adelung 1, 1031); wracken
das gute vom schlechten sondern Voigt
hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 570. 11)
dinge minderer qualität, das schlechte, untaugliche aussondern, ausmerzen: vortmer so sint wy des begherene, alse vnser is ghedelet dicke vnde vele, dat nement van ammeten in vsen cram ga vnde beze vnse guot vnde wrake dat, na deme dat wy in vnsen crame also wol olderlude hebbet, alse ander lude in eren ammete hebbet (14.
jh.)
urk.-buch d. st. Lübeck 3, 840; 4 scot das holz von der wesen zu furen und wraken (1401)
Marienburger tresslerb. 117
Joachim; item tenetur ½ D ..., dy gap Johannes Huxer czu Danczk vor in us das howlczs czu bracken, das her uns gebrocht hatte (1402/04)
handelsrechn. d. dt. ordens 234
Sattler; item von there, peche, delen, wagenschosse
etc. von allirley gutte, das czur wrake gebort, das sal man wraken und iczlichem wrake sin czeichen geben (1420)
acten d. ständetage Preuszens 1,
[] 368
Toeppen; item alle die ghenne, die hir off der lastadien schiffe bauwen adir bauwen laessen wellen, die sullen sie bauwen laessen van guttem gewraketem holtcze (1455)
seerecht v. Danzig art. 1
bei Pardessus
coll. de lois marit. (1834) 3, 463; e. e. rath will ook, dat alle provere guet beer utproven un dat quade wraken
qu. a. d. j. 1529
bei Schütze
Holstein 4, 376; geschworen leute solten gesetzet werden, die alle zu vnd eingefürete wahren ehe dan sie auszgeschiffet, aus jhren eid probieren vnd wraken solten Schütz
hist. rer. Pruss. (1592)
buch III, S 5
a; die so genannte heringpackers in denen seestädten haben von den (!) hering umpacken, selbigen auszusuchen, zu wracken Marperger
kauffmannsmagazin (1708) 122; man wachte daher sorgfältig über die bierprobe, und misrathenes wurde gewraket,
d. h. obrigkeitlich weggeschüttet K. J. Weber
Deutschland (1828) 3, 684; wraken
verwerfen, untauglich erklären Richey
id. Hamburg. (1743) 346;
brem.-ns. wb. 5 (1771) 292; Dähnert
plattdt. (1781) 558; (Mensing
schlesw.-holst. 5, 699
erklärt das wort in seinem ma.-bereich für ausgestorben); wraken
heiszt eine waare absondern und nach ihrer güte bestimmen Hupel
Lief- u. Ehstland (1795) 268; wraken Sallmann
dt. ma. in Estland 43; braken Hennig
pr. wb. 37; bracken
nach der qualität auslesen, das gute vom schlechten sondern; minderwertige oder abgelegene äcker losschlagen, um bessere dafür zu kaufen Fischer
schwäb. 1, 1339; wraken
oder braaken
von der heerde ausmustern (
schles.) Klein
provinzialwb. (1792) 2, 237; bracken
aussuchen, ausmerzen, fische aus dem netze, schafe aus der herde wählen, um sie auszustoszen Weinhold
beitr. z. e. schl. wb. 11
b; bracken
bei den schafen die schlechten von den guten ausscheiden und für das nächste jahr zurückstellen, ein gebracktes schaf Crecelius
oberhess. 195; bracken
die guten und geringen schafe aussondern, um die letztern zu verkaufen Fischer
schwäb. 1, 1339.
in freierer verwendung, '
absondern, aussuchen': so kanstu nicht allein mit krebsen dich besacken, du magst, was dir beliebt, auch sonst von speisen bracken Wencel Scherffer
grobianer (1640) 209; und aus den wörsten auch, die etwas artlich knakken, wenn man frisch in sie beisst, wollst du die besten brakken
ders., geist- u. weltl. ged. (1652) 490. 22)
zu 1wrack;
dasselbe wie abwracken,
d. h. das auseinanderschlagen oder bei eisernen schiffen auseinanderbrennen alter, reparaturunwürdiger schiffe Eichler
vom bug z. heck (1938) 493; '
trümmern, niederreiszen, vernichten' Campe 5 (1811) 781
a; wraken, abwraken ... (
schiffe),
to wreck, démolir Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 1, 858.