pferd,
n. equus. II.
Formen und herkunft. I@11)
ahd. parafrid, parevrit, parefret, parfrit
und (
seit dem 10.
jahrh.)
verschoben pherfrit, pferfrit (Graff 3, 347);
mhd. phert, pfert
mit älteren nebenformen pferift, pferft, pferht, pfærit, pferit, pferet (Lexer 2, 242. Schm.
2 1, 441. Pfeiffer
das ross im altd. 1, 2
ff.);
nhd. pferd (
in oberd. mundarten dafür lieber ross
oder gaul),
im 15.
jahrh. auch noch pfärid
teuf. netz 12838. 45. 51, pferrit
schweiz. geschichtsfr. 21, 173. 22, 83;
ohne umlaut pfard Dief. 207
a. Stoppe
ged. 2, 149;
oberpf. pfard
und apokopiert pfar Schm.
2 1, 442; pfer (: her) Schmelzl
verl. sohn 21
b, (: wer) Ayrer 2343, 12. Schm.
a. a. o. Spiesz
henneb. idiot. 181;
md. nd. perit, pert, perd. I@22)
das wort ist wahrscheinlich im 8.
jahrh. entlehnt aus dem frühmlat. mischworte paraveredus, parafredus, parafridus (
zusammengesetzt aus griech. παρά neben und mlat. veredus
pferd, das sich im cymr. gorwydd
wieder findet, welches einheimisch aber auch ein frühes lehnwort sein kann, s. Thurneysen
keltoroman. 70);
auf die mlat. nebenformen palafredus, palafridus
und (
umgedeutet auf frenum) palafrenus (Du Cange 3, 1, 96
f.)
gehen zurück die romanischen formen portug. palafrei, franz. palefroi, span. palafren, ital. palafreno, der zelter Diez
4 232. IIII.
Bedeutung und gebrauch. das mlat. (
von der sprache des römischen kaiserrechtes neben dem älteren veredus
aufgebrachte) paraveredus
scheint ursprünglich ein postpferd zu bezeichnen, das nur auf den nebenstraszen diente. '
mit dem beginne des mittelalters liesz man das einfache veredus
fallen, und von Cassiodor an bis in die Karolingerzeit hiesz jedes pferd, das dem landesherrn für reisedienste zu liefern war, paraveredus,
wie bereits entstellt paravredus, parafredus.
aus den capitularien aber und den gesetzbüchern trat das wort in den allgemeineren gebrauch und zugleich mit erweitertem begriffe in die sprache des volkes ein: ohne rücksicht auf den öffentlichen dienst und nur im gegensatz zum streitross nannte man jetzt so alle pferde, die man auf reisen, zum spazieren, bei feierlichen anlässen, kurz auszerhalb des kampfes ritt.' Wackernagel
voc. opt. s. 7.
das nhd. pferd
hat dann jede eingrenzung des sinnes abgeworfen und ist zum gattungsnamen (6,
a)
geworden. vergl. gaul, mähre, ross. II@11)
das pferd
im allgemeinen: nur wenige völkerschaften würdigen das pferd, wie es gewürdigt zu werden verdient. unter ihnen stehen die Araber, Türken und Perser obenan; dann folgen die Engländer und Spanier, hernach erst die Deutschen, Franzosen, Italiener, Portugiesen und Dänen. Brehm
thierl. 2, 345; an einem pferdt soll man fürnemlich auf vier stück merken, auf die form oder gestalt, art, gemt und die farbe. Heyden
Plin. 205; ein pferd kaufen, verkaufen, ausleihen, mit pferden umgehn, pferde kennen
u. s. w. Pauli 82
ff. Öst. Colerus 2, 334
b. 335
b. 348
a. II@1@aa)
unterschieden nach art, rasse und geschlecht: das nackte pferd,
equus nudus Brehm 2, 352, das leichte pferd,
equus velox 353, das schwere pferd,
equus robustus ebenda; man brachte dem Salomo pferde ausz Egypten.
1 kön. 10, 28; die Araber untersuchten sogar die berühmten geschlechter ihrer pferde. Lohenstein
Armin. 2, 177
a; ein türkisch, spanisch, teutsch
u. s. w. pferd. Stieler 1439. Colerus 2, 334; ein edles (Opitz
lob des kriegsgottes 495), halbedles
oder ein vollblut-, halbblutpferd
u. s. w., ein gemeines pferd;
von beiden geschlechtern: gaul
oder pfärdt,
equus Maaler 158
b;
das unverschnittene männliche pferd heiszt hengst, ganzer, beschäler,
das verschnittene (Heyden
Plin. 209. Forer
Gesners thierb. 134
a)
[] wallach, mönch (
th. 6, 2490),
das weibliche stute, mutterpferd, pferdmutter. II@1@bb)
das alter: jung pferd,
equulus (
s.fohlen, füllen), alt pferd,
vetulus Stieler 1439; die pfärdt werdent graw so sy alt, als wie der mensch. Forer
Gesners thierb. 132
b; etliche pferdt leben bisz an die fünfzig jar. Heyden
Plin. 204; das pferd kann ein alter von vierzig jaren erreichen, wird aber meist so schlecht behandelt, dasz es oft schon mit zwanzig greisenhaft ist. Brehm
thierl. 2, 354; er handelte mit alten pferden. Auerbach
ges. schriften 1, 191. II@1@cc)
gestalt und farbe: schœne ros und schœne pfert. H. v. Freiberg
Trist. 1527; das guot recht geschickt pfärid sol haben ainen starken dicken leibe, und die höhe daran sol gleichmäszig sein der dicke und der sterke. Mynsinger 59; ein gewaltig pferd.
Amadis 348
Keller; ein hohes (Schade
sat. 1, 32, 197. Uhland 2, 182), groszes (Thümmel
reise 5, 163), kleines pferd (Göthe 30, 126); klein pferd, kleine last Stieler 1440; an den haimischen pferden vindt man swartz, weisz, rott und ander manigerlai vermyst varben. Mynsinger 60; daʒ pfert was blanc alsam ein swan .. daʒ winster ôre und sîn man diu wâren rôt zinobervar. daʒ zeswe ôre was im gar swarz alsam ein kol. ein swarziu strieme teilte eʒ wol nâch dem rucke hin zetal unz ûf den zagel: der was im val.
Wigalois 68, 39
ff.; ein valbes pfert.
fastn. sp. 321; weiszes, rotes, schwartzes, falhes pferd.
offenb. 6, 2—8; rote, braune, weisze pferde.
Zach. 1, 8; ein braunes, fales, apfelgraues, schwarzes pferd. Stieler 1439; ein liechtbraunes pferd. Widmann
Faust 269; weisze pferde, die das licht (
des mondes) kräftig wiedergaben. Göthe 30, 99. II@1@dd) ein wildes, ungezähmtes
oder ein gezähmtes, zahmes, gebändigtes, abgerichtetes pferd. Stieler 1439: mutwillig wie ein wild pferd.
Sir. 30, 8; die ungeduld gleicht sich den ungezähmten pferden, vor derer toller wuth ein schwach gebisz zerbricht. Kottwitz 68; du weiszt dein schönstes pferd am besten abzurichten. Günther 573; das wilde pferd. Brockes 7, 407
überschrift; im walde läuft ein wildes pferd, hat nie den zaum gelitten. Uhland 2, 223; nicht einmal .. über den erdtheil, in welchem man die ersten pferde zähmte, ist man im reinen. Brehm
thierl. 2, 335; leute welche die pferde (
mustangs) bändigen und zureiten. 340. II@1@ee)
gute oder schlechte eigenschaften: an dem pfärd prüeft man an den ôren sein siten, wan rescheu pfärt habent kurzeu ôrn, aber trægeu pfärt habent langeu ôrn. Megenberg 136, 33; von ainem ieglichen land und gegent empfahent die pferd sunderliche art und aigenschaft. Mynsinger 61; das pfärdt ist ein mächtig, stoltz, hochprachtig, mannlich und dapfer thier. Forer
Gesners thierb. 136
b; die pfert waren sehr frisch und muetig. Kiechel
reise 136; ein wacker frewdig pferd. Zinkgref
apophth. 1, 302; lieb im krieg ein wackres pferd. Herder
stimmen der völker 115; ein willig pferd soll man nicht zuviel reiten. Stieler 1440; da stehet er wie .. ein stetig pferd. Luther 5, 70
b; ein mutwilliges pferd. Albertinus
zeitkürzer 33
b; ein hartmäuliges pferd Zinkgref 1, 94; scheues, beiszendes, abwerfendes
u. s. w. pferd. Stieler 1439. II@1@ff) das pferd wiehert, läuft, rennt, bäumt sich, scheut
u. s. w. (
s. 2,
a): der pfärdten stimm wirdt wichlen genennt. Forer
Gesners thierb. 133
b; die einzige wahre lust des pferdes ist zu rennen. Scheitlin
bei Brehm 2, 356; wann die pferde auf der weide gehen. Heyden
Plin. 208; zwischen zweien linden geht ein pferd und grast. Herder
stimmen der völker 188. II@1@gg)
krankheiten Mynsinger 61
ff. Colerus 2, 358
ff.: die pferdt werden mit viel gefahrlichen presten geplagt wie auch die menschen, als nehmlich mit husten, keichen, kaltwehe, hauptsuche, grimmen, griesz und dergleichen schweren zufällen. Heyden
Plin. 207; keichende, hertzschlächtige pfärdt. Forer
Gesners thierb. 136
a; so ein pfärdt lauter stallet.
ebd.; so ein pferd rotzig ist. Tabernaemont. 645
b; dämpfiges,
[] krempfiges, milzsüchtiges, starblindes, spätiges
u. s. w. pferd. Stieler 1439. II@1@hh)
pflege und wartung: pferde warten,
curare equos Stieler 1439; wartung der pferde Colerus 2, 341
a; ein nit wol gehalten pfärdt, ein wol gesetzt pfärdt. Maaler 316
c; ein pferd füttern, tränken, putzen, striegeln, beschlagen (behufen Herder
stimm. d. v. 151)
u. s. w.; den pferdten das fueter geben.
Zimm. chron.2 3, 395, 16; die pferde fleiszig warten, speisen und tranken. Krüger
Hans Clawert 46
neudruck; man soll den pferden ihre behörliche notturft zu essen und zu trinken geben. Weidner
apophth. 200; hütung und weidung der pferde. Colerus 2, 345
b; als er (
der könig) sein pferd selber striegelte. Zinkgref 1, 302; wenn wir die pferde striegeln.
d. j. Göthe 2, 49; pferde ins wasser reiten. Colerus 2, 336
a; pferde, die aus der schwemme (
s.pferdeschwemme) nicht zurückkehrten. Göthe 30, 52. II@22) pferd
zum reiten (
s. reitpferd, rennpferd, kriegs-, schlacht-, turnier-, jagdpferd): reisige pferd (
reitpferde) Mynsinger 60. Heyden
Plin. 202. Forer
Gesners thierb. 137
a; der staub von der menge seiner (
kriegs-) pferden wird dich bedecken.
Hesek. 26, 10; gieb mir .. rüstung und pferd.
d. j. Göthe 2, 253; hundert ritterliche pferde mit den decken und geschirr (
als geschenk). Herder
Cid 53; (
der bischof) versilbert alles, steckts in pferd und rüstung. Schiller 15, 2, 469. II@2@aa) pferd
als subject, es geht, trabt, läuft, rennt, bäumt sich, stolpert, scheut, schlägt aus, fällt, stürzt
u. s. w.; ûf den wegen gie mit klingenden zoumenmanic pferit wol getâ
n. Nibel. 1245, 3; daʒ pfert vil harte sanfte truoc.
Iwein 3461; ein barfuoʒ (
unbeschlagenes) pfäret daʒ muose tragen eine frowen.
Parzival 256, 14; ein pfert den hôchgemuoten truoc, daʒ was starc, vil sanft eʒ gie. Lichtenstein 249, 3; ir pfert hat einen senften ganc. H. v. Freiberg
Trist. 4471; Isalden pferde trat in ein tieffen schlag, da wasser innen was.
Tristrant 132
Pfaff; das pferd erschrack und fuor aus dem weg. 161; also jageten sie so lang, bisz in die pferd .. erlagen. 192; dann lieszen sie ihre pferd lauffen (
gegen einander rennen).
Amadis 77
Keller; und sprengten ihn ... so rauch an, dasz sein pferd auf die knie fallen muszt. 368; gedingt pferd macht kurze meilen. Stieler 1440; mit keuchen stolperte der pferde müder trab. Zachariä (1767) 1, 17; sein (
des reiters) pferd ging ziemlich langsam fort.
d. j. Göthe 1, 263; das pferd scheute wies ans thor kam. 2, 90. 285; das pferd sieht scheu. Klinger
theater 1, 217; ein pferd ohne reuter jagt scheu herein. 216; unsers herrn pferd läuft ledig (
ohne reiter). 217; hin flog das ledge pferd. Uhland 3, 53; sein pferd .. bäumt sich wüthend, schleudert weit den reiter ab. Schiller 12, 353 (
Wallensteins tod 4, 10); geräusch galoppirender pferde. 2, 175 (
räuber, schausp. 5, 1); ihm fiel sein pferd, und doch ficht er zu fusz. Schlegel
Richard III. 5, 4. II@2@bb) pferd
als object, es führen, zäumen, satteln, besteigen, reiten, tummeln, lenken, antreiben, spornen, bändigen
u. s. w.: sî vuorte ein pfert an der hant.
Iwein 3602; daʒ phert mit dem zoumezucken sie began.
Nib. 1251, 3; swî er daʒ pfert rûrte (
spornte). Sibot
frauenzucht 312; er liesz ihm ein starkes pferdt herführen.
Amadis 289
Keller; er hiesz die pferd satlen und wolt hinweg reiten. Pauli 176
Öst.; ein pferd beschreiten. Fischart
Garg. 21
a, on stegreif besitzen. 176
b; der frauen schent, der ist wol wert, das er überschreit nimer kain pfert.
fastn. sp. 706, 2; die andern ritten sicilisch pferd. Murner
En. Q 1
b; die betler reiten hohe pferd daher. Schade
sat. 1, 32, 197; wer das pferd sins libs (
leibpferd) zuo vil reitet und übermüdet. Keisersberg
bilg. 157
d; und reut ich dieses pfert 3 meil. Kiechel
reise 128; indem er also das pferd dummelet.
Amadis 290
Keller; (
sie sahen) dasz er noch stets sein pferd tribe und nötigt. 366; ein pferd im reiten recht regieren ist ein kunst. Colerus 2, 352
b; die thumleten ire pferd gar geschwind. Rauwolff
reise 250; also hat er ... sein pferd angestochen (
gespornt) und aufs eilends sich hinweg gemachet. Spangenberg
jagteufel R 1
a;
[] im halben rock kam er geritten und führt ein ledig pferd mit sich.
ganskönig H 2
a; sattelt pferde! sitzt auf! Klinger
theater 1, 217; sie sollen sich rüsten, und ihre pferde satteln.
d. j. Göthe 2, 49; auch bin ich, ein pferd zu spornen, manns genug. Herder
Cid 41; er ritt im wald zur stund und probt alda sein pferd und hund.
stimmen der völker 454; der blick hing .. an der stolzen männlichen gestalt (
des reiters), die das lebhafte pferd ohne mühe bändigte. P. Heyse
ges. werke 4, 34.
elliptisch: mein pferd!
d. j. Göthe 2, 359; ein pferd! Klinger
theater 1, 217; ein pferd! ein pferd! mein königreich für'n pferd! Schlegel
Richard III. 5, 4. II@2@cc)
präpositionale fügungen. II@2@c@aα)
auf mit acc., auf ein pferd sitzen, schreiten, steigen, springen, sich schwingen, werfen
u. s. w., einen aufs pferd setzen, heben: sî saʒ in guoter kündekeit ûf ir pferit unde reit.
Iwein 3600; sie giengent von dem schiff und saszent auf ire pferd.
Tristrant 5
Pfaff; er ... sprang bald wider auf sein pferde. 193; er sasz behend uff ein pferd und ylet im nach. Pauli 274
Öst.; dieser .. steig wieder uff das pferd. 319; (
sie) erkühnte sich nechsthin zu schreiten auf ein pferd. Hofmannswaldau 2, 15; dasz sie als ein mann verkappt frisch auf das pferd geschritten. Mühlpforth
beglückwünschungsged. 11; (
ich sollte) ungeruht mich aufs pferd werfen und dem ... printzen folgen. Zigler
Banise 100, 27
Bobert.; man setzte auf sein gutes pferd .. grad und vest den todten herrn. Herder
Cid 66; sie hob ihn bleichend auf sein pferd.
stimmen der völker 453; seine reuter huben ihn aufs pferd.
d. j. Göthe 2, 315; er eilte die treppe hinab und schwang sich aufs pferd.
werke 17, 171; wir hatten eben nur noch zeit, uns schnell aufs pferd zu werfen. Schiller 12, 352 (
Wallensteins tod 4, 10).
elliptisch: du kannst nicht aufs pferd.
d. j. Göthe 2, 322; wohl auf, kameraden, aufs pferd, auf pferd! Schiller 12, 57 (
Wallensteins lager 11). II@2@c@bβ)
auf mit dativ, auf dem pferde sitzen, reiten
u. s. w.: er möhte vil lieber ein armer sîn, denne daʒ er rite ûf hôhen pferden.
Renner 2529; der auf ein Thracier pferde reit. Murner
En. E 1
b; so ritt er ins gefild auf einem hohen pferde mit schwert und mit schild. Uhland 2, 182.
elliptisch: wehe, sie nahn auf gerüsteten pferden. Arnim
schaub. 1, 218. II@2@c@gγ)
zu pferde sich schwingen, setzen: er schwingt sich zu pferde, jagt von dannen. Zachariä (1767) 1, 258;
bildlich: eine anekdote darf nie zu fusze gehen, sie musz sich zu pferde setzen und im galoppe davon reiten. Börne 4, 350;
elliptisch, reuter zu pferde blasen (
das signal zum aufsitzen geben). Stieler 1440; der kaiser liesz zu pferde blasen und wolte weiter fort. Schuppius 76; fort, geschwind zu pferde!
d. j. Göthe 2, 46; zu pferde! 119. 314; wohlauf, zu pferd, zu pferd! A. Grün
ges. werke 3, 84. zu pferd sein (
equo vehi Stieler 1440), sitzen: sie meinte, wenn euch nur kein unglück zugestoszen sei, da ihr zu pferde gewesen. P. Heyse
ges. werke 4, 85; dasz kein junge noch je so gut zu pferde gesessen. Zachariä 1, 237.
elliptisch: stets war er fertig zu pferd und zu fusz sich mit riesen und zwergen zu schlagen. Wieland
der neue Amadis 1, 15; zu pferd ankommen,
equo advehi Aler 1525
b; als er zu pferd vom jahrmarkt kam. Pfeffel 2, 233
Hauff; da sah er ungefähr zwanzig männer zu pferd. Stilling
jug. (1780) 97;
knecht. ich sehe Georgen!
Selbitz. zu pferd?
knecht. hoch zu pferd!
d. j. Göthe 2, 321; wie wollt ich dienen dem herzog hoch zu pferd! Uhland 2, 182; zu pferde schlaf' ich. 3, 121.
[] II@2@c@dδ)
vom pferde sitzen (absitzen), steigen (absteigen), springen, gleiten, fallen: und war alrêrst der werde geseʒʒen von dem pferde. H. v. Freiberg
Trist. 3614; dieweil er sich in gefehrligkeit desz todes befand, ... sasz er vom pferd.
Amadis 290
Keller; wolan sitzen vom pferd ab und kompt zu fusz zu diesem thurn. 273; dieser stieg ab von dem pferd. Pauli 319
Öst.; sie stiegen ab von iren pferden. Murner
En. (1559) n 5
a; dorten stieg vom pferd der könig. H. Heine 18, 68; (
da) sprang er schnell von seinem pferde. Herder
Cid 31; der herr fiel von dem pferd herab. Pauli 274
Öst.; förchtet sich der ein so heftig, dasz er von seinem pferd herab fiel.
Amadis 286
Keller; wenn ein dragoner vom pferd fällt.
Simpl. 1, 422, 23; und wenn der sattel glitt, gleit ich nicht mit vom pferde. Rückert
Hamasa 1, 30.
elliptisch: seit dem blinden lärm ist mirs in die gedärme gefahren, dasz ich alle augenblicke vom pferd musz.
der junge Göthe 2, 314; sie ermorden unsern herrn. er liegt vom pferde. 140. — einen vom pferde werfen, stürzen, reiszen, stechen, rennen
u. s. w.: solche kerle, deren namen schon manchen vom pferde geworfen.
polit. stockf. 246; er reiszt ihn .. vom pferde, strecket ihn zu boden. Herder
stimmen d. völker 157; (
hätte) mein arm die stärke, einen feind vom pferd zu stechen!
d. j. Göthe 2, 52; dafür rannt ich ihn vom pferde. 117; unterst zu oberst stürzt ihn mein herr vom pferde. 120. 315. II@2@c@eε)
mit, z. b.: er soll mit dritthalben pferdten (
zwei pferden und einem maulthier) hinauf reiten.
Zimm. chron.2 3, 395, 10; er drange mit seinem pferde für.
Amadis 368
Keller; sie stieszen mit leib und pferden mit solcher ungestimigkeit zusammen. 290; wann sie mit den pferden sehr gejagt oder geritten hatten. Colerus 2, 356
a. II@33)
scherzhaft: das pferd oder auf dem pferde der apostel reiten,
zu fusz gehen (
vergl.schusters rappen): er rîtet der zwelfboten pfert! H. v. Freiberg
Trist. 12195; darnach macht er sich von dem ort mit sein apostelpferden fort auf Rom. Fischart
Dominic. H 4
a; (
ich kam) up mine apostel peerde gereden. Lauremberg 4, 141. II@44)
das gerüstete kriegspferd mit dem reiter, der berittene krieger, cavallerist: drei geschwader pferd sie hetten gmacht, drei hauptleut inen da erdacht. Murner
En. (1559) E 1
a; da schickt der pfaltzgrave die leichten pferd (
die leichte reiterei) voran. Baumann
quellen 1, 791; vierhundert pferd die verbrenten und blünderten Weihensteffen. Aventin. 5, 482, 29; in das closter ... er leget sibenhundert pferd.
ebenda 23; das reich verordnet 400 pferd wider mich. Götz v. Berl. 52
neudruck; ich hett damahlen nit über 32 pferd bei mir. 67
u. o.; dardurch der könig benotdrängt ward, ... zwei oder treihundert pferd heimlich auszzuschicken, die den papst .. bei nacht fiengen. Fischart
bienenk. (1580) 129
b; wann gleich der kurfürst tausend pferd (
vorher gerüstete pferd) beisammen hatte. Zinkgref 1, 114; die nationalmacht der Niederländer, die .. aus dreitausend pferden bestehen sollte, .. wurde in vierzehn escadronen vertheilt. Schiller 7, 94; die armee des herzogs war .. bisz auf zehntausend mann fuszvolk und sibenzehnhundert pferde geschmolzen. 9, 31; mehr pferde ausgesandt — das land durchstreift! Tieck
Macbeth 5, 3.
soldat überhaupt: da verordnet der marggraf etliche pferd .. gegen der obern Pfalz zu ross und zu fusz, und zog er mit seinen andern reutern und knechten ... gegen Ingolstadt. Götz v. Berl. 30
neudruck. II@55) pferd
zum säumen, s. last-, pack-, saumpferd: pferde, die .. leste zu tragen gut sind. Mynsinger 60. II@66) pferd
zum ziehen, s. acker-, karren-, kutsch-, post-, wagen-, zugpferd; ein pferd anschirren, an-, vor-, ausspannen, unterlegen, lenken, antreiben, anhalten, mit pferden fahren
u. s. w.: die pferde anspannen. Krüger
Hans Clawert 46
neudruck; aldo wir noch zwei pfert zu den unsern vorspanneten. Kiechel
reise 140; pferde, damit man fähret, die man in fuhr- und kutschwagen spannet. Colerus 2, 333
b; manches pferd zeucht so sehr, dasz es blind wird. 359
b;
[] vielleicht kömmts (
das glück) mit unterlegten pferden und hohlt mich im triumph zur burg der ehren ein. Kottwitz 80; fuhrmannsknecht, der seine pferde hotte (
links) lenket. Stoppe
ged. 1, 183; (
der kutscher) sasz majestätisch auf dem bock und lenkte stolz die pferde. Hölty 22
Halm; spannt eure pferde aus.
d. j. Göthe 2, 45; armes volk! wie pferd und farrn bleibt es angespannt am karrn. H. Heine 18, 61; die pfert ... werfen die gutschen in ein gräblin. Kiechel
reise 139; arbeit ich gleich als wie ein pferd. Stoppe
ged. 1, 164; man hörte der stampfenden pferde fernes getöse sich nahn, man hörte den rollenden wagen. Göthe 40, 249; die vier kleinen pferde konnten meine halbchaise kaum erziehen. 30, 107; ein fuhrwerk, das mit vier kleinen pferden vor uns herzog. 126; ein pferd vor einem rüstwagen. 134; am posthaus fuhr ich mit requirirten pferden vorbei. 152; ha! wie die pferde ausgreifen! Klinger
theater 1, 166; der kutscher trieb die pferde schon wieder
an. P. Heyse
ges. werke 4, 227; während der kutscher einen augenblick die pferde anhielt. 45.
mythologisch, die den sonnenwagen ziehenden pferde,
s. sonnenpferd: wan Phöbus seine pferd hat in den niedergang belaitet. Weckherlin 404; (
wenn die sonne) hinab mit ihren pferden geht. Opitz (1644) 2, 51; die sonne sprengt die pferde frisch in die frühlingsbahn. S. Dach 280
Öst. II@77)
das pferd,
namentlich reit- und zugpferd spielt eine grosze rolle in redensarten und sprichwörtern s. Wander 3, 1279—1320. Simrock 424
ff. z. b.: ein gut pferdt ist seines futters werth. Lehmann 74, 47; kleine pferd kurze tagreisz. 427, 8; wer ein pferd hat am barren stan, zu fusz darf er nicht gan. Fischart
Garg. 50
b; die pferd stallen gern wo es vor nasz ist. Frank 2, 129
a; es vertritt sich wol ein pferd, das vier füsze hat. Faber
epitome Gesneri 16; es stolpert oft ein pferd, das vier fsz hat. Eyering 2, 588; ein pferd schabt das ander. 104; er sieht dem geschenkten pferd ins maul. 429; er zaumpt das pferdt beim hintern auf und sitzt rücklichen oben drauf. 247; manche zäumen das pferd (so zu reden) von hinten auf und nehmen allerlei mit der jugend für, auszer keine gottesfurcht.
commentar zum Simplic. 1, 76; die pferde hintern wagen spannen,
negotia praepostere gerere Stieler 1440; das pferd wegreiten Agricola
nr. 14,
s. zu Brant 69, 24; ich fürchte, .. das ir die seiten zu hart spannen und das willig pferd zu sehr reiten werdet. Luther 5, 77
b; er setzt sich vom pferde auf den esel. Stieler
a. a. o.; das pferdt das am besten zeucht, bekombt die meisten streich. Lehmann 812, 30; wann faule pferde erst ziehen ..., so ist kein aufhören. Schottel 1120
b; er war mit vier pferden nicht vom ofen zu bringen.
Jucundiss. 191; ein furchtsamer mann, der sich aber auf sein groszes pferd setzen kann, wenn ihm ein anderer den zaum hält. Thümmel
reise 5 (1794), 163; es ist nichts natürlicher als die natur, die immer da liegt wo wir hinsehen, man sucht das pferd worauf man reitet. Zelter
an Göthe 299 (2, 413); auf hohem pferde sitzen,
wie auf hohem rosse sitzen
theil 4
2, 1592. II@88)
eine figur von holz u. s. w., die ein pferd darstellt (trojanisches pferd, kinder-, schaukel-, wiegen-, steckenpferd): in der Achiver langem weiberkriege half letzlich noch ein höltznes pferd zum siege. Logau 1, 7, 82; wenn ich kindisch mich im spiel vertiefte, und bunte pferde von geschnitztem holz in meinem marstall an die krippe band. Freytag
ges. werke 2, 110. das hölzerne pferd,
ein holzgestelle mit scharfkantigem rücken, worauf die delinquenten reiten muszten: ich wolt dich setzen lahn aufs newe holtzern pferd. Lauremberg 3, 339.
nachbildung von pferden durch die bildende kunst, marmorpferd
u. s. w., vergl. pferdefigur: die pferde vor der Markuskirche. Heinse
Ardingh. 1, 12. II@99)
verallgemeinert und übertragen. II@9@aa)
die gattung der einhufer, equidae Oken 7, 1220. Brehm
thierl. 2, 334; unsers herrgotts pferdt (
der esel). H. Sachs 4, 3, 12
a.
[] II@9@bb)
ein mehr oder weniger pferdeähnliches thier, s. flusz-, meer-, see-, wasserpferd, heu-, himmelspferd
u. a. II@9@cc) das kleine pferd,
ein nördliches aus vier sternen vierter grösze bestehendes sternbild. mathem. lex. 1, 1006. II@9@dd) grosze pferde,
die pferdebinse Nemnich 3, 435. II@9@ee)
nautisch (
nach holl. de paarden)
die unter den rahen befindlichen taue, auf welchen die matrosen mit den füszen stehen, wenn sie die segel fest machen u. s. w. Bobrik 519
a. II@1010)
zusammensetzungen, eigentlich mit pferd-,
uneigentlich mit dem gen. plur. pferde- (
der gewöhnliche fall)
oder mit dem gen. sing. pferds-.
vgl. auch die zusammensetzungen mit ross-.