zierlich,
adj. und adv. ,
gehört als jüngere adjektivableitung zur weitverzweigten sippe zier;
im ahd. unbelegt, dort erscheint nur das simplex ziari;
erst im mhd. tritt zierlich
neben das einfache zier,
mit sich erweiternder bedeutung überflügelt es dieses im gebrauch und unterdrückt es schlieszlich. in die umgangssprache und die mundarten dringt es nur wenig ein. im anord. entspricht ótírligr
unberühmt, einfach. das mhd. wort findet bei den nachbarsprachen aufnahme: mndl. nndl. sierlijk,
schwed. dän. norw. sirlig.
im as. begegnet ein adv. tîrlîco
in ehrenvoller weise: thar he afôdit uuas, tîrlîco atogan
Heliand 1137.
die bedeutung leitet sich vom simplex zier
her und erfaszt zunächst das strahlende, den glanz und die pracht, daneben tritt die vorstellung der ehre und des ruhmes hervor, wie diese sich besonders am subst. zier
neben jener zeigt. II.
strahlend, glänzend. I@11)
zunächst ganz sinnlich zier habend d. i. strahlend, herrlich, schön, leuchtend von den erscheinungen der natur: ju haia hai, zierlicher mai Oswald v. Wolkenstein 75, 41
Schatz; schau an die plüemlin klar, wolgevar, zierlich ir gepflänze
ders. 35, 39; die sonne ... die im mittel desz firmaments gantz herrlich unnd zierlich allda stehet L. Ercker
beschr. all. miner. ertzt (1580)
vorr. 3
a; was braucht es, jene Alpen mein zu heissen? oder jene zierlich prangenden obstbäume? Bräker
s. schr. (1789) 1, 279.
so auch in der anwendung auf menschen mit der vorstellung einer leuchtenden schönheit: sin antlizze was zirlich. mit volliclichin ougin ne mohtin si in nicht gescouwin
Rolandslied 692
Wesle; nu was ein lieht von himel her in wunderlicher clarheit der godes megde ummeleit, daz dise clare frouwe in wunneclicher schouwe, in zierlicher wunne erschein alsam ein sunne
d. leben d. heil. Elisabeth 2835
Rieger; ... ist sie darumb der sunnen tochter gehaiszen worden, daz sie wonderbarer schöny zierlich erluchtet Steinhöwel
de claris mulieribus 129
lit. ver.; der selben Helene schöny ... was so zierlich und über schynbar
ebda 123.
in abstraktem gebrauch: das geheysz desz herrn ist zierlich (
vox domini in magnificentia; Luther die stimme des herrn gehet herrlich)
Zürcher bibel (1531)
ps. 28, 4. I@22)
diese bedeutung schon frühzeitig abgeschwächt zu allgemein schön: ez hât betruebet mir den sin, daz manik zierlîchez wîp sô reht wol hât ein zieren lîp
gesamtabenteuer 2, 234; es sehen aber die menschen nicht alleine die sachen gerne, welche an sich selber eine ergetzung haben, als schöne wiesen ..., ziehrlich weibes volck und dergleichen Opitz
dt. poeterei 14
ndr.; seine groszmütigkeit, sein unbeflektes leben und seine überaus zierliche gestalt Chr. Weise
grünend. jugend 211
ndr.; vater Bacchus, wersang lieber nicht dich, zierliche Venus, dich? Herder 26, 236
S.; auch hoffe ich mit zuversicht, dasz du nicht von dem gedanken angesteckt seyst, welcher so mancher zierlichen frau eine geheime scheu vor wissenschaften ... einflösst Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 2, 2; nun hat doch kain vogel sölichen schyn der federn als du hast, kain zierlicher vogel möchte erfunden werden; wann du nun ain stimm hettest, dyner schöny gelyche; aber dyne stimm izt ze grob Steinhöwel
Äsop 98
lit. ver.; ist ein zierliche lustige statt Stumpf
Schweizerchron. (1606) 7
b; einen zierlichen grosen ... marct
die reisen d. Samuel Kiechel (1563) 137
Hassler. I@33) zierlich
durch schmuck und kleinodien kostbar oder durch verzierung prächtig; in dieser bedeutung bes. mhd.: mit marmor her umb mûrde eine sinwelle stat, als man in hiez unde bat. ez was vile zierlîch. jaspîn was der esterîch zweinzich fûz wît innen. dâ lach in vier sinnen vier steine wol gehouwen Heinrich v. Veldeke
Eneide 252, 15
Ettmüller; wâ Grêgôrjus wære, der lebende marterære: einen harte schœnen man, dem vil lützel iender an hunger oder frost schein oder armuot dehein, von zierlîchem geræte an lîbe und an der wæte, daz niemen deheine von edelem gesteine von sîden und von golde bezzer haben solde Hartmann v. Aue
Gregorius 3383
Leitzm.; id hadde uof sime hovede eyne crone, dat bilde mynnencliche, ich wene so chierlich noch so scone, so costelich noch so ryche in gheynen lande nie wart gesien van golde noch van gesteyne
mhd. minnereden 23, 27
Thiele; mit dem zirlichen zafe da wir den lib hir ziren mite Heinrich v. Hesler 7126
Helm; wir solden zuo der reisehaben zierlich gewant
Nibelungenlied 345, 4
A; sye thet Ecken nit fast klagen, zierlich wat ward dar getragen die er da tragen solte. so edel und guot ward nye keyn man. er truog sye wol mit ehren an ein gürtel reich von golde. die rincke was ein rubin guot, köstlich senckel und gespenge
Eckenlied str. 257
Schade; und fret sie mit ieren sünen gen Rom, gebunden mit guldin ketten umb den hals, hend und fsz, mit guldiner kron uff ierem hǒpt, küniglichen claidern mit berlun und gestain beschwAeret an ierem lyb, so vil daz sie etwann under der schwAerin der zierlichen claider geruowen muoste Steinhöwel
de claris mulier. 302
lit. ver.; zu morgens bereyteten sie sich auffs aller kOestlichst mit kleydern und kleynot, so kOestlich und zierlich
buch d. liebe (1587) 84
a; (
sie) nahm ... ihr prunk-lAedichen, welches von fohrenholz, und gahr zihrlich mit golde beschlagen war Zesen
adriat. Rosem. 24
ndr.; dein grab sol ... ... mit den schOensten rosenkrAentzen vor andern grAebern zierlich glAentzen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 329; wer do kumpt gen Straszburg gan und sehent das zierlich münster an, der spricht: das hont frum lüt gethan Murner
badenfahrt 147, 21
Michels; und vermeint alda ein merckhlichen zierlichen palast und gewaltig grosz schlosz ze finden Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 17.
in der bedeutung prächtig, mit viel aufwand: wie herrlich, zierlich und mit was groszem pomp und bracht sollichs ist zugangen, mag ein ieder selbs wol ermessen Adelphus
Barbarossa (1535) B 6
b; also hat keiser Otto der ander seines vatern leichnam zierlich verhllen lassen, und gen Magdeburg gefret Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 147
b; ich wölte, dass alle meine feynd so zierlich begraben weren Stumpf
Schweizerchron. (1606) 333
b; ein man sol sich nicht zierlicher kleidung, sondern guten sitten befleissigen Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) l 2
b; wie gewaltig, zierlich und reich diese statt vorzeiten gewesen seie, geben die prechtige ruinen der alten gebew gnugsam zeugnusz Quad
teutscher nation herrlichk. (1609) 224.
durch besondere ausstattung, schmuck zugerüstet: er kam zer vesperîe gedrabet ûf daz grüene velt, dâ manic kostb rlich gezelt zierlîche und statelîche stuont Konrad v. Würzburg
Engelhard 2479
Gereke; da man entlich die feinde angreiffen solte, da war des Abradatae wagen auffs zierlichste zugerüst Barth
weiberspiegel (1565) H 3
a; deszgleichen das vorder und hinder hauss oder schlosz am schiff mag allenthalben auff das zierlichst mit fahnen oder panier, ... so auch mit des herren wappen und farben gemalt ... werden Fronsperger
kriegsb. (1578) 1, d 4
b;
phaleratus zierlich zugerüstet Orsaeus
nomencl. method. (1623) 200. IIII.
nicht minder alt, aber viel ausgebreiteter ist zierlich
als bezeichnung des gesellschaftlichen auftretens, der form entsprechend. II@11)
als anerkennung des sich auszeichnenden, vornehmen mannes stattlich, ehrenhaft, und zwar auf grund der äuszeren haltung in körperbau und kleidung und in der gerühmten lebensführung, bei bedeutungsverwandtschaft zu as. ags. tīr,
an. tírr
ruhm, ehre; nur mhd.: die helede wâren lanch gewahsen, alse herliche gescaffen, si waren also zierlich: iz newart nie nehain kunic so rîch
kaiserchronik 6748
Schr.; des antwurt ime dô Gunther,der vil zierlîche degen
Nibelungenlied 153, 4
A; er wând in mugen twingenmit sînen starken slegen: daz kunde wol beschermender vil zierlîche degen
ebda 1977, 4
A; Gunther und Prünhilt,der dinc vil zierlîche (h chlîche
B) stât
ebda 689, 4
A; die in so bluender jugent also zierlich anzusehen waren (1371-75)
leben d. heil. Hieronymus 170
Benedict; daz Salomon der riche, ein kunec hoher ere, ein meister wiser lere, in aller eren hochfart so zierlich nie gesehen wart
heil. Elisabeth 2740
Rieger; in anlehnung an die mhd. ausdrucksweise und bedeutung bei Stifter: die alten lobebaren recken sind da, ..., und es sind die jungen zierlichen degen da Stifter
s. w. 10 (1930) 260; von dem zierlichen degen, dem kaiser Friedrich mit dem rothen barthe
ebda 11 (1932) 312. II@22)
auch späterhin noch in der bedeutung zur ehre gereichend, jedoch ehre in abstrakterem, dem nhd. sich näherndem sinne: di dritten uben tugent dar umme daz si wole stellen di siten, und den lûmunt des menschen zirlîch machen und wole stellen Hermann v. Fritzlar in:
dt. mystiker 1, 114
Pfeiffer; ich zoch dich zerliche in alle wiz, dochter libe, nu irbarme dich. ich beginc uberhur und was unkusche, dez muz ich ewencliche pine liden
d. hl. regel d. vollk. lebens 38, 27
Priebsch; aines mǎles, als die Hyppo von den mer rǒbern gefangen und hinweg gefret was, merket sie, wie die rǒber anschluogen, sie ze bekrenken an den eren, wann sie was über schö
n. da aber die zierlich kúschait kainen weg von inen ze entrinnen finden mocht, daz sie ieren schantlichen gewalt für kAeme, sprang sie in das wttend meer und mit verlust dess lebens behielt sie ir küschait Steinhöwel
de claris mulier. 186
lit. ver.; er soll sich auch zierlichen halten gegen im selber ..., also das alles sein leben zierlich sei, daz heiszt ein rechter zammengesetzter mensch Keisersberg
brösaml. 2, 46
a; dann alle zierhait ist erbar; und das, das erbar ist, das ist auch zierlich J. v. Schwarzenberg
von gebüre u. billicheit (1533) 23
b; wie dann einem fürsten nichts zierlicheres anstehet, als er auch kein grösser und thewrer kleinot haben kan, als die einige weiszheit
lalebuch 13;
speciose ingredi prachtlich, zierlich, stolzlich, achtbarlich eynhin trätten Frisius
dict. (1556) 1230
a; solche (
bücher), in welchen erfunden wirdt alles, das allezeit, in frieden und in kriegen, zum guten regiment zierlich, bequemlich und nötig Lorichius
paedag. principum (1595) 20; die sanfftmhtigkeit ist zwar aller menschen natur gemAesz, jedoch allermeist den regenten ziehrlich Lehman
floril. pol. (1662) 4, 239; wie euer liebe bey unserm herren, dem keyser, zirlich empfangen
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 96. II@33)
der mhd. ehrbegriff ist noch weiter eingeengt zu ehrbar, würdig: uff eine zeit war ein alter junger gesell ... derwegen er freyet eine zierliche betagte köchin A. Tabeus
Maynhincklers sack (1612) H (i) a; du weist, dasz ich mit der reichen zierlichen Alton vermAehlt bin S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 198; desselbigen gleichen die weiber, dasz sie in zierlichem kleide, mit scham und zucht sich schmücken, nicht mit zOepffen oder gold, oder perlen, oder köstlichem gewand Luther
1. Tim. 2, 9; ich wil, das sich die weiber in zierlichem kleide mit scham und zucht schmücken Heyden
Plinius (1565) 379; in des cammergerichts ordnung jeden beysitzern gebotten, lange zierliche ehrlige kleyder ... in rath, gericht und sonst zu tragen Lehman
floril. pol. (1662) 1, 460.
zuspitzung der bedeutung zu edel, erhaben: welcher sagt, das menschliche natur zierlich und adelich sey, der irret Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 167
ndr.; bücket euch (
distichen), wie sichs geziemt, vor der zierlichen jungfrau in Weimar Göthe 5, 216
W. II@44)
der anfänglich vom prächtigen und kostbaren bestimmte gehalt (
s. unter I)
zielt mit beginnendem nhd., wahrscheinlich unter christlich beeinflusztem geschmackswandel, auf das wohlanstehende, schlichte: darumb, daz er sy adelichen und zierlich widerumb beklaiden müg Tauler
sermones (1508) 154; wie ein kleyd, dasz zu lang auffm boden schleift, beschwerlich und nicht zierlich ist Lehman
floril. pol. (1662) 2, 706; zierlich und einfach ist dein ehrengewand und klar, J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 45; sie haben angefangen ... zierlicher und senffter sich zu bekleiden S. Münster
cosm. vorr. 4; kleid und unterkleid, gurt und mantel, bis zum schwunge jeder falte ist alles wohlangelegt und zierlich Herder 22, 135
S. auch übertragen für das, was wohl ansteht und sich ziemt: betracht ain ieder mensch genau, wie zierlich ist ain stät vernunft durch man und frau, darauff so pau löblichen hoch gepreiset Oswald v. Wolkenstein 122, 59
Sch.; decorus hüpsch, schön, zierlich Frisius
dict. (1556) 369
b; weil ich so ziemlich gut an jedem ort augenblicklich den für dasselbe schicklichen ton zu treffen wuszte, und mir, ..., alles zierlich nett anstuhnd U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 240. II@55)
indem zierlich
auf die form des verhaltens angewandt wird, verstärkt sich das gesellschaftliche moment zu dem begriff gesittet: vil grosser freud,zierleicher geud,wellend ich kum, ward mir bekant,der ich da vantain michel drum durch mangen trit Oswald v. Wolkenstein 100, 13
Sch.; sie uns ... in guoten sitten und zierlichem wandel ... schaden zuofgen mOegen Ryff
spiegel d. gesundh. (1544) 6
a; das die knaben zierlich unde gebertig vor dem pult stehn (1585)
quelle bei Fischer
schwäb. 6, 1, 1191; allertugendtlichster ritter! dein zierlicher wandel, weisz und berd nit zuo volloben ist Wickram
w. 1, 71
lit. ver.; diesz war ein junger kandidat, der mit zierlichem anstande eine erbauliche rede ... beynahe zu ende gebracht hatte Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 31; (
sie) befleiszigen sich zierlicher sitten Stifter
s. w. 10 (1930) 243; wegen ihrer feinen gestalt und ihres zierlichen anstandes J. J. Engel
schr. (1801) 2, 75; ja ich zweifle, ob comtessen jemals zierlicher gegessen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 131. II@66)
der ehrbegriff verblaszt; zierlich
bezeichnet schlieszlich das formvollendete wesen im sinne von vornehm, gesellschaftlich fein, zugleich elegant, geschickt: nachdem aber zuo jeder zeit der imbisz volbracht, wurden kOestliche und zeirliche dentz gehalten Wickram
w. 2, 425
lit. ver.; ... weil er keinen hut auf hatte, solchen vor ihnen abzuziehen und gewöhnliche zierliche baslesmanes zu machen Grimmelshausen
Simplic. 2, 335
Keller; die zierliche sünderin (
Philine) Göthe 21, 304
W.; die schwerfAellige eitelkeit der anempfinderin kontrastiert artig genug gegen die leichtigkeit der zierlichen sünderin Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 2, 154; er rannte mitunter in der zierlichsten gesellschaft nach heimlich-raschem zwiegespräch in die ecke, wo sein hut und degen sich befand Immermann
w. 5, 81
Hempel; herren und frauen spazierten da in zierlicher fröhlichkeit ... prächtig durcheinander Eichendorff
s. w. (1864) 2, 323; dazu wünschen sie nagelneue tischlieder und haben sich deshalb nach Weimar mit zierlichen und ziemlichen bitten gewendet Göthe IV 38, 73
W.; der arme und blöde landjunge erschien im schlechtesten aufzuge unter vielen zum theil zierlichen und nach ihrer weise vornehmen jünglingen der ersten familien Arndt
s. w. (1892) 1, 51; der arme, aber zierliche mann griff nicht ungeschickt in das wäldchen hinein und gosz, als er sah, dasz der wirt etwas rotwein in seinen champagner that, einige tropfen tokaier in den seinigen Keller
ges. w. (1889) 5, 20. II@6@aa)
von der erfüllung gesellschaftlicher formen galant, artig: Thusnelde begegnete Ingviomern mit ... zierlichem glückwuntsche zu einer so wichtigen reise Lohenstein
Arminius (1689) 1, 197
a; wie schwer musz es leuten von dieser wohlgesitteten, zierlichen und modischen nation ankommen, sich in die gewohnheiten anderer arten geschOepfe ... zu richten Bodmer
abhandl. v. d. wunderb. (1740) 12; und wenn der geist charmant die knie ihm zierlich beugt, so mache, dasz sein haupt sich gleichfalls artig neigt Zachariae
poet. schr. (1763) 1, 74; als wir vom tisch aufstanden, zupfte der lieutenant K. mich zierlich beim ermel Fr. Bouterweck
graf Donamar 1, 51; neben ihr zeigte sich Theodor als wohlerzogen und zierlich Holtei
erz. schr. 10, 105; er brachte mir, auf die zierlichste weise, das schönste präsent, wofür ich noch herzlichst danke Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 6, 164; wie man sich in der salonwelt und im weltsalon immer auslachen lassen musz, bis man die zierlichen und ungezwungenen passus erlernt S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 291; als ich ihm dies mit einer zierlichen reverenz bejahe Gaudy
s. w. (1844) 2, 92. II@6@bb)
schon früh bezogen auf die sprache zur abgrenzung der umgangssprache gegen die sprache vornehmer kreise: zum ersten von der kunst rethoric, gemeins und zierlichs redens Riederer
rhetoric (1493) a 2
b; sintemal sie lieber haben mennliche thaten wollen auszrichten, denn entweder zierlich reden, oder künstlich schreiben B. Faber
Saxonia (1563) 8
a; die plebeia lingua latina ist von der zierlichen allezeit unterschieden gewesen Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 67; bedeutet, dasz das wort im zierlichen reden, oder in der gelehrten deutschen schreibart keine statt habe J. B. v. Antesperg
auszug a. d. dt. schul- u. canzeleywb. (1738) 1, A 7
b; regierende fürsten und grafen, ritter und edle von jedem range sahen es als eine ehre an, sie (
die provenzalische sprache) an ihren höfen ... zierlich zu sprechen Herder 18, 34
S.; jetzo sprechen sie den alten bestehenden wust zierlicher aus: die hure heiszt jetzt freudenmädchen Körte
sprichw. (1837) 224. II@6@cc)
noch galant, aber nicht mehr nur ein beherrschen der formen, sondern zur bezeichnung eines überlegenen spieles mit der gesellschaftlichen form, geschickt, beredt, teilweise sogar raffiniert: lepide i. facunde zyerlichen
gemma gemm. (1508) o 4
b; woltent sy ye liegen, soltent sy das selbig zierlich und mit ansichtigem scheyn weyt über das feld gethon und gesagt haben Philadelphus Regius
v. lutherischen wunderzeychen (1524) A 3
b;
facunde mit zierlicher feiner red Calepinus (1598) 542
a; er weis die falschheit nicht so zierlich vorzulügen Gottsched
dt. schaubühne (1748) 4, 385; es war kein zweifel, sie muszte sich bis dahin zierlich durchgelogen haben Storm
s. w. (1898) 5, 269; der dichter soll wenigstens nicht vergessen, worauf der weltmann so zierlich anspielt Klinger
w. (1809) 9, 111; das element der lüsternheit, in dem er sich so zierlich und sinnig benimmt, würde vielen andern zum verderben gereichen Göthe 42, 2, 204
W.; wie es hinter dem mieder beschaffen und unter dem röckchen, lehret, wiszt ihr es nicht, zierlich der reisende freund Schiller 11, 155
G.; wie wiszt ihr doch das ding so zierlich zu verstecken, und witzig den priap bald auf bald zuzudecken Lenz
ged. 96
Weinhold. II@6@dd)
bei kleidung; nicht auf das kostbare zielend, sondern modisch, elegant: eleganter zierlich, hüpschlich, seuberlich Frisius
dict. (1556) 468
a; kragen, kleider, und was mehr steht mir ala modo zierlich Voigtländer
oden u. lieder (1642) 65, 5; Sylvie ... hatte einen cavallier an der hand, welcher an seinen zierlichen kleidern ... appetitlich war Chr. Weise
d. drey klügsten leut (1675) 15; seitdem ich auf befehl der Venus dich bewache, die bildung angenehm, den anputz zierlich mache Dusch
verm. w. (1754) 127; unter dem essen trat ein junger mensch von feinem ansehen und zierlich gekleidet auf Wieland
Agathon (1766) 1. 317; es hat schon einmahl gegeben die periode, wo ein ächter stutzer nach zierlicher mode aus allen theilen der welt — schlau und klug — seinen unnatürlichen anzug zusammentrug Meisl
theatr. quodlibet (1820) 1, 233; mit einem zierlichen manschettenhemde bekleidet G. Keller
ges. w. (1889) 1, 20; man rügt es, dasz Franz ... die zierliche, saubere mode der hemdaufschlitze in den ärmeln aufgebracht H. Laube
ges. schr. (1875) 4, 81. II@77)
hier mit der besonderen färbung übertrieben vornehm; teilweise mit tadelnder nebenbedeutung unnatürlich, geziert: er förchtet sich, weisz nicht, wie er sich gnug bücken, reverentz machen, ... zierlich geberden soll Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 102; Segesthes solte ... unterscheiden: dasz man ... von höflichkeit nicht lebte; denn sie wäre ein zierlicher betrug Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1282
b; aber wahrhaftig, ein süszlicher, zierlicher pedant ist der ärgste, der eckelhafteste von allen Herder 5, 306
S.; sie werden ... den elegant vom guten ton in seiner ganzen zierlichen lächerlichkeit ... klar vor augen sehn Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 3, 127; bald zupfte er sich mit zierlichem finger den hemdstrich zurecht Mörike
w. 3, 11
Göschen; Moses ... küszte zierlich die fingerspitzen gegen Hans (
um sich zu verabschieden) W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 94.
deutlich knüpft zierlich
an sich zieren
sich sperren, sich spreizen an: hör, fräulein Zierlich du (
mistress minion you), nichts da gedankt von dank, stolzirt von stolz
Shakespeare 1, 120 (
Romeo III 5); zierlich tun
sich zieren G. Weitzenböck
mda. d. Innviertels 18. II@88)
in aller form, förmlich, feierlich: und hat solches ir mt. selbst mündtlich aber mit merern worten zierlichen fürbracht (
Augsburg)
chr. dt. st. 32, 350; alles übrige, es sei uns wissende oder unwissende, es sei allbereits ... zu befahren, aufs zierlichste, förmlichste ... geschehen kann
acta publica d. schl. fürst. u. stände 5, 168
Palm; daneben wirdt got gelestert, die heiling veracht, die sacrament verworffen, aller zierlicher gotsdinst und stifftung zerstoert Berthold von Chiemsee
theologey 92
R.; bewundern sie die glatten buchenwände, der bäume banges zeremoniell, die starr und steif, und zierlich wie sein hof, in trauriger parade um mich gähnen Schiller 5, 33
G. ehemals sehr häufig in der rechtssprache, den vorgeschriebenen formalitäten gemäsz: zierlicher prozess, wo man ordentlich procedirt, nichts abkürzt, sondern dilation und frist gibt. ohne zierlichen prozesz, heiszt summarie, ohne einigen förmlichen prozess
clevische rechtsordnung p. 2
bei Frisch (1741) 2, 477
a; (
dasz) dennoch diese seine kriegsverfassung wieder keinen stand des rOemischen reichs, als mit welchen er in ungutem nichts zu thun hette, und davon protestando hiemit zierlich wolte bedungen haben, gemeinet were v. Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 38; auch soll die von denen eltern geschehene bevormundung oder pflege-verordnung der kinder allerdings gltig seyn, ob solche gleich nicht in einem zierlichen testament verzeichnet (
seien)
preusz. vormundschaftsordn. von 1718 Mylius
corp. const. Marchic. 2, 2, 61; solches gehet nicht so wol die fOermlichen und zierlichen testamenten an Harprecht
rast der fuhrleute (1718) 54; da auch dieser mein letzter wille ... nicht als ein zierlich testament gehalten oder bestehen solte, so will ich doch ... Menantes
neue br. (1723) 770; mit vorgeding und zierlicher protestation Criste ihesu billicher zuo glauben den dem babst Murner
kl. schr. 1, 32
Pfeiffer-Belli; darvon wir zierlich und offentlich protestiert haben wellen (
Augsburg)
chr. d. dt. st. 32, 325; vor allen dingen protestiere und betzeuge ich mich hiemit zierlich und in bester form, dasz alles und jedes ...
ebda 32, 286; ain ider verpflicht sich mit zierlichem aidt, alle menschliche anligen hinweg zu legen Kilian
res publica Venetum (1557) H 4
b; erstens haben erneut paid prautpersonen ... das sacrament der heilligen ehe ... mit allen darzue gehörigen zierlichen worten mit mund und handen einander angelobt (1591) O. Stolz
deutscht. i. Südtirol 2 (1928) 105; ich hätte einen zierlichen antrag gestellt A. Stifter
s. w. 9 (1930) 271. IIIIII. zierlich
entfernt sich in neuerer sprache von der anfänglichen vorstellung des prächtigen und kostbaren; der gehalt der sinnenfreude beschränkt sich auf formschönheit und bezeichnet das, was sich in seiner form oder anordnung vom allgemeinen als wohlgefällig abhebt. III@11)
was durch natürlichen schmuck (zier) zierlich
ist: die vergngung der welt ist gleich einer kertze, welche wol zierlich, weil sie noch brennet, aber schmutzig, wann sie verloschen ist Winckler 2000
gutte gedancken (1685) B 5
a; doch schied vor allen sich von der gemeinen mAenge ein hyacintenkiel mit zierlichem geprAenge Drollinger
ged. (1743) 67; die tauben ... unterscheiden sich durch einen zierlichen federschopf auf dem kopfe J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 195. III@22)
was schönheit der form durch eine besondere, wohlgefällige ordnung besitzt: concinne zierlich, fein, komlich und wol Calepinus (1598) 293
a; wie küng Fridrich mit einem zierlichen wolgerusten zug ... gen Rom komen, ward er von bapst Honorio ... krönt J. v. Watt
dt. hist. schr. (1875) 1, 266; die unsern hatten sich in eine zierliche ordnung gesetzet und suchten jenen den vortel des windes zu nehmen Bucholtz
Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 647; auf ihr swester, last uns gehen, lasset süsze worte wehen, last die ordnung zierlich seyn, kunst und gunst wohl stimmen ein Schottel
friedenssieg 72
ndr.; ein kluger feldherr musz seine völcker nicht allezeit in regelmäszige haufen und zierliche ordnung stellen Bodmer
crit. poet. schr. (1741) 1, 59; an ... beyden seiten hängen und stehen meine trinkgefäsze, grosz und klein in zierlicher ordnung Sal. Gessner
schr. (1777) 1, 101; alles sollte ... anständig und zierlich aufgestellt werden Göthe IV 28, 39
W.; blank ein tischlein wohlgeordnet, zierlich ist da aufgedecket für vier fröhliche personen Brentano
ges. schr. (1852) 3, 215; ein lustig städtlein, bey dem es schöne gärten hatte, so wol zum lust als zum nutz gar zierlich aufgepflantzet Grimmelshausen
Simplic. 2, 399
Keller; finge er gleich ein gespräche an von dem zierlichen anbau dieses gartens Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 5; die künstlichst angelegten gärten, welchen die kunst die vollkommenste und zierlichste ordnung mit getheilet hat Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 270; das mit einem zierlichen gärtchen umfriedigte häuschen des chausseegeldeinnehmers Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 35; ein garten im geschmack des vorigen jahrhunderts ... alles von moos und verschiedenem wintergrün zierlich zusammengestellt Storm
s. w. (1898) 1, 190; von je an sind die männer geachtet worden, die ihre zeit und arbeit darauf verwandten, begebenheiten zu sammeln, um sie dem verstande des lesers in einer zierlichen und klugen ordnung vorzuführen Tieck
schr. (1828) 9, 3. III@33)
vom körperbau im sinne von wohlproportioniert: dasz er (
der brautsucher) auch auf die zierliche leibesgestalt sehe Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 77
a; schOene harnische legt er zuerst um die zierlichen schenkel Bürger
s. w. 1, 210
Bohtz; band die schönen solen sich unter die zierlichen füsze J. H. Voss
Odyssee 64
Bernays; eine stirn, die unharmonisch ist, entstellt ein ganzes, noch so zierliches antlitz Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 4, 8. III@44)
in älterer zeit mit abgeschwächter bedeutung als reiner qualitätsbegriff ausgezeichnet, nützlich, erprobt: ist ihr erste flucht ettwas zierlich und nutz gewesen Xylander
Polybius (1574) 202; contra paralysin ein zierlich arcanum Paracelsus
opera (1616) 2, 547
Huser; das ist ein zierlich prob mit wenig kosten
ebda 2, 548; einer lernet den Simplicium ausz neid wahrsagen, ja noch wol ein andre zierliche kunst Grimmelshausen
Simplicissimus 7
Scholte. III@55)
allgemein ansprechend, wohlgefällig in der geschmacklichen wirkung. III@5@aa)
in dinglichem gebrauch: die ein und andre (
jungfrau) war auszbündig schön und zart, sehr ziehrlich auch gekleidt auff fremd und seltzam art D. v.
d. Werder
hist. v. ras. Roland (1636) 1, 68; ein zierlich kleid und ein schöner volliger mensch reimen sich wol zusammen Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) 2, H 4
a; kutscher und bediente sind als frauen ..., wenn es wohlgebildete leute sind, zierlich und reizend gekleidet Göthe 47, 270
W.; er fand sie in zierlichster morgenkleidung
ders. 24, 293; festtag wars und die kirchen gefüllt und die schlanken gestalten weisz, in zierlicher tracht, lockten den sünder hinein Mich. Beer
s. w. (1835) 893; (
die tapete) ist ein überhang einer wand, womit sie zierlich bekleidet wird Gottsched
beob. (1758) 292; ein fläschchen in zierlichem brasilienholz mit rosenöl Bettine
Günderode (1840) 1, 321; die ... porzellanscherben und glaskorallenschnüre leuchteten zierlich aus dem grün hervor Storm
s. w. (1898) 1, 316; der tod, der in des tigers rachen glüht, der zierlich in der giftgen pflanze blüht Lenau
s. w. 55
Barthel; in lauter grüne seyden, gar zierlich auszgebreit, dasz erdreich sich thut kleiden zur werthen sommerzeit Spee
trutznachtigall 111
ndr.; hingegen spatzierten wir ... auf einen gewissen bhel, wo wir ein weite zierliche aussicht ... hatten U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 148; wie sich die Thur mitten durch zierliche matten still hinabwindet
ebda 2, 233; reseda, farbloss, ohne gestalt, stilles und zierliches kraut Schiller 11, 162
G. III@5@bb)
sehr häufig zur bezeichnung des wohlklangs: weil mans am athem nicht wol haben kan, mehr syllaben auff einmahl ausz zu singen, so auch ein zierliche blum im reimen sol gehOert werden Puschmann
meisterges. 9
ndr.; sie (
die schreibart des herrn Triller) ist zwar nicht erhaben, doch auch nicht kriechend, sondern zierlich, deutlich und rein Bodmer
crit. poet. schr. (1741) 2, 62; eine sprachkunst ist eine gegrndete anweisung, wie man die sprache eines volkes ... richtig und zierlich sowohl reden als schreiben solle Gottsched
dt. sprachk. (1748) 1; wenn diss in unser deutschen sprachen unser frOesch nicht so zierlich machen, so bitt ich, habt mit ihn gedult Rollenhagen
froschmeuseler (1595) A 4
b; befleissiget ech ... mit zierlicher stimme zur ehre gottes ... zu singen Moscherosch
insomnis cura parentum 65
ndr.; werden auch meine cadenzen zierlich klingen? Gottsched
dt. schaub. (1741) 1, 81; von der kunst zierlich zu singen und zu spielen Mattheson
vollk. capellm. (1739) 109; (
ihr) solltet ... ihn ... gar manches lied zierlich und gefühlvoll vortragen hören Göthe 25, 6
W. III@5@cc)
unter betonung des angenehmen, das sich mit dem wohlgefälligen verbindet; so besonders beim wohnen: ich bin in die erste etage herunter gezogen, wo ich so zierlich und bequem wohne wie vorm jahr Göthe IV 36, 84
W.; behalte mich lieb und lasz mich das hausswesen recht ordentlich und zierlich finden IV 10, 102; die ... auf das bequeme und zierliche in leben und kunst gerichtete behaglichkeit Arndt
s. w. (1892) 1, 66; tiefer gebeugt betrachtet die ihm izt drohenden mauren seiner einst zierlichen wohnung der bürger Lenz
ged. 28
Weinhold; ein heller lieblicher strahl aus seinem zierlichen jungen heimwesen glänzte in die unbehagliche verstörtheit der stunde W. Raabe
Horacker (1876) 91. IVIV. zierlich
in der bedeutung prächtig, durch schmuck kostbar erscheint schon mhd. für kunstvoll bearbeitete dinge und erfährt von da aus eine eigene bedeutungsentwicklung. IV@11)
in älterer, besonders mhd. zeit durch kunst prächtig und kostbar: und ob dem brunne stêt ein harte zierlîcher stein, undersatzt mit vieren marmelînen tieren: der ist gelöchert vaste Hartmann v. Aue
Iwein 582; ein geworke, daz sich breite al umbe in allen sîten enlenge unde enwîten ze iegelîchem steine gûter spannen eine. der meister mâzetez alsô. ez wart vierzich fûze hô und zweinzich wît enbinnen. ez wart geworht mit sinnen unde was vil zierlîch Heinrich v. Veldeke
Eneide 253, 13
Ettmüller; der grabær ainer hiez Beseleel und der ander Ooliab, die waren sunderleichen gelert von dem hailigen gaist auf all kunst, diu zuo edelm gestain gehœret ze graben und ze polieren oder zierleich beraiten Konrad v. Megenberg
buch d. natur 431
Pfeiffer; mit sOelchem balg werdend zierlich die kleider der weybern und mannen verbrembt Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 129
a. IV@22)
im hinblick auf die art der darstellung oder ausführung kunstvoll verziert, nicht glatt und einfach: und ob man in dise grOesz der stangen etwas zirlichs will einreiszen, das find man Albrecht Dürer
underweys. d. messung (1525) D 2
a; hielt und achtete ers für den zierlichsten und vollkommesten thurnierhelm Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 20; desto gröszer, feyerlicher, und wenn man will zierlicher machte man auch die buchstaben Adelung
umst. lehrg. d. dt. spr. (1782) 2, 637; noch viel schrifften vorhanden ..., die er sehr zierlich mit güldenen buchstaben geschrieben Albertinus
hirnschleiffer (1664) 12; es war auch darauf (
auf den grabstein) gehauen zimlich gros und zierlich schön
Reinicke fuchs (1650) 51; soll er (
der titel des buches) recht zierlich seyn, so musz er aussehen wie die grabschrift eines reichen müsziggängers Rabener
s. schr. (1777) 1, 156; endlich gaben die poeten ... jeder zeile ihrer gedichte oder jedem verse einen gröszern und zierlichern anfangsbuchstaben Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 57; oben im zenith der uhr ... stand mit römischen, zierlich gemalten buchstaben geschrieben Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 138; die grauen und schwarzen streifen des rückens ... bildeten auf der stirne die zierlichste hieroglyphenschrift E. Th. A. Hoffmann
s. w. 10, 29
Griseb. von kunstvoller wortwahl der sprache: darauff (
auf tugend) vil mer dann zierlich wort ist mein gedicht gegründet fort J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 150
b; man solle nicht zierlich, sondern nützlich zu reden sich befleiszigen Gretter
erkl. d. ep. S. Pauli a. d. Römer (1566) 750; ich will dem herren alle stund fleiszig dancken mit meinem mund und sein lob unter vilen rhümen, mit hertzen hoch und zierlich blümen Hans Sachs 18, 428
lit. ver.; denn du schreibst zwar ordentlich, ernst, einfältig, gutmüthig, wie dein karakter ist; aber für die welt nicht geblümt und zierlich genug Schubart
br. 2, 80
Strausz; nicht reden aus zierlich erlesenen worten gefällig zusammengeschmückt, ... sondern ganz schlicht werdet ihr mich reden hören in ungewählten worten Schleiermacher
Platons w. (1804) 2, 190; und sagte, wie ein wort von herzen zum herzen geredet ihm lieber sei als die zierlichste rede Görres
ges. br. (1858) 3, 105; erwarten sie keine gewählten ausdrücke, keine zierlichen wendungen Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 420; sie haben da einen so langen, zierlichen namen, der gar nicht in meinen kopf will Klinger
w. (1809) 1, 139. IV@33)
in besonderen bedeutungsschattierungen zur bewertung künstlerischer, vor allem literarischer werke: zierlich bedeutet hier nicht das, was sich durch zierrathen auszeichnet, sondern was durch eine gute, geschmakvolle wahl des einzelnen, das zu der sache gehört, sich in einer schönen und angenehmeren gestalt zeiget Sulzer
theorie d. schön. künste2 (1792) 4, 758. IV@3@aa) zierlich
durch künstlerische darstellung, in gefälligem, gewähltem stil: er sagt, daz ain yetklich tütsch, daz usz guotem zierlichen und wol gesatzten latine gezogen und recht und wol getranferyeret wer, ouch guot zierlich tütsche und lobes wirdig haiszen und sin müste Niclas v. Wyle
translat. 9
Keller; die ... der hochgelert poeta ... in zierlichem latine tett beschriben
ebda 13; in gegenwertiger form und zierlicher teutscher sprach ... auffs new zugericht und in truck geben
buch d. liebe (1587)
titelblatt; sintemal er ... es alles nicht wie Agricola in schlechter prosa, besondern in zierliche deutsche reimen verfasset Eyering
proverb. copia (1601) 1,
vorr. 7
b;
pronunciatio zierliche auszrede, zierliche vortragung der rede Orsaeus
nomencl. meth. (1623) 19; sintemahl nichts mehr das gemüthe und den verstand ergetzet und auszieret als ein schöner zeug mit einer ungezwungenen und zierlichen schreibart ausgemachet Christian v. Ryssel
v. d. seelenfried. (1685) 278; mit Saxone Dano hat es gliche gestalt, der mit sinem zierlichen latin sinem gedicht vil ansehens gemacht Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 158; wie reimet sich solch eine zerstümmelung der wörter mit dem ruhme einer reinen und zierlichen mundart, welchen dieser ort auswärtig hat Gottsched
d. vernünft. tadl. (1725) 2, 43; dieser theil giebt denen vorigen bänden ... an zierlichem latein nichts nach
allg. dt. bibl. (1765) 1, 1, 280; so zierliches und geschmackvolles latein Bode
Mich. Montaignes ged. u. meinung. (1793) 2, 200; sei es mir vergönnt, die eigenen worte jener heiligen büszerin herzusetzen, obwohl sie nicht zierlich gewendet sind Schopenhauer
w. 1, 501
Gr.; im zierlichen Pope kommt das wort whore vielleicht öfter vor als im vielbändigen Shakespeare Jean Paul
w. 40/41, 13
Hempel; das lob ..., ... tiefe ... betrachtungen durch eine ... zierliche schreibart deutlich und rührend vorgetragen zu haben Kästner
verm. schr. 1 (1755) 2; ihm gegenüber setzte und wählte sie jedes wort so zierlich und sorgsam wie möglich Holtei
erz. schr. (1861) 18, 58.
ebenso von der geschmackvollen darstellung im bereiche der bildenden künste: das rauchbild ... von Ockert in München ... ist sehr nett und in zierlichen farben dargestellt Stifter
s. w. 14 (1901) 231; neuerdings thut auch Büsching dem armen Heinrich einen solchen schimpf an, unerachtet er ihn mit zierlichen bildern in Zürich drucken läszt Grimm
br. an Benecke (1889) 17
Müller; eine ... girlande ... zierlich und aus einzelnen blättern zusammengenäht Fontane (1905) I 1, 429; die zierliche ineinanderfügung von balken und steinen Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 217; mein Raymund das lass uns beschawen, ein flecken, darauff man thu bawen uns ein zierlich und vestes schloss! Hans Sachs 12, 537
lit. ver.; ein wol erpaute zierliche stat A. Dürer
etl. underr. z. befest. d. stett (1527) F 1
b; das (
unser münster) wir zu lob dinss heiligen namen so zierlich hont gesetzt zuosamen, des glich nit ist in cristenheit Murner
badenfahrt 147, 14
Michels; gott bawet künstlich, reinlich, zierlich, artig und feste Herberger
magnalia dei (1607) 113; unter den gütigen kaysern (
haben) ... die christen hin und wieder feine zierliche kirchen erbauet Schupp
schr. (1663) 70; dadurch ist das gantze städtlein zierlich gebauet worden
ebda 57; sonsten pranget sie ... mit dem zierlichen rathhaus Birken
verm. Donaustrand (1684) 29; man musz sich dabey (
bei der baukunst) sonderlich angelegen seyn lassen, die gebäude zierlich, bequem und dauerhafft zu erbauen Fleming
vollk. teutsch. soldat (1726) 32; ich ... wartete dem herrn landgrafen von Darmstadt auf, dessen lager besonders zierlich mit kiefernen lauben ausgeputzt war Göthe 33, 276
W.; auch erker springen aus der mauer vor nach dem stadtgraben, sie sind zum theil heizbar, zierlich gedeckt und mit metallenen kugeln geschmückt Freytag
ges. w. 18 (1888) 121. IV@3@bb) zierlich
nicht nur im hinblick auf die darstellung, sondern zugleich übertragen auf den inhalt des werkes, in gehalt und ausdruck geschmackvoll: es wAere wonderbar ze sagen, daz ain frawen bild so hohe vernunft haben sOelte, daz sie usz allen cristenlichen bchern sOelliche aigne bcher von dem leben Cristi so ordenlich, so zierlich, on alles fAelen der gesaczten vers an silben und worten machen sOelte Steinhöwel
de claris mul. 292
lit. ver.; danne daz sy oft und vil lese in geschriften gter und zierlicher gedichten und sich darinne emsenklich übte und lesung grober und unzierlicher gedichten vermitte Niclas von Wyle
transl. 8
Keller; der (
Konradius Heresbachius) in vier büchern die wirthschafftsgeschäffte zierlich und wol beschrieben hat Hohberg
georg. cur. (1682) 1,
vorr. a 4; guter stoff, wolbewährte gründe und auffrichtiges vorhaben. wo sich diese drey dinge dabey finden, wird man so viel zierlicher in seiner rede seyn, ie einfältiger und verständlicher man drinnen ist v. Ryssel
seelenfried. (1685) 626; was ... laster ... er getriben, ist nit zierlich darvon zu schreiben
quelle bei Fischer
schwäb. 6, 1, 1191; was er des tages rühmlich gethan, hätte er das nachts zierlich geschrieben v. Lohenstein
Arminius (1689) 1, 135
a; schreib, groszer Leibnitz, schreib den zierlichsten roman Triller
poet. betr. (1750) 4, 7; warum wandte ich mich nicht auf die mittelstrasze des Phädrus und erzehlte in der zierlichen kürze des Römers, aber noch in versen? Lessing 7, 472
L.-M.; von Schleiermachers Platon habe ich einen band gelesen, worinnen der berühmte Phädros, ein geistvolles, zierliches, anmuthiges werk Wilhelm
an Jacob Grimm
briefw. (1881) 144; allenthalben sind zierliche beschreibungen ... die unübertroffene kunst dieser kleinen nachtigal (
Pope) Herder
w. 23, 192
S.; das neue stück, welches ich hier zurücksende, ist sehr zierlich und geistreich Göthe IV 30, 62
W.; die sammlung von Bruns enthält eine kurze erzählung von Flore und Blanscheflur, deren zierliche niederländische bearbeitung wir schon früher erwähnten Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 71. zierliche belesenheit
und zierliche gelehrsamkeit
als übersetzung des franz. belles lettres
s. t. 14, 2, 794. IV@3@cc)
schon im 16.
jh. erscheint zierlich
für das überladene und das aufdringlich gezierte in literarischen werken, gekünstelt: man find ietz meister, die dich leren, wie du deyn worter umb solt keren, schliffen glatt und glitzendt gerben und uff der zungen zierlich ferben, das sy so glat mir fallendt eyn, alss wer es nt den siesser weyn Murner
schelmenzunft 37
ndr.; die dichtkunst ehret dich, als ihren besten freund, du kennest, was sie schmckt, und was nur zierlich scheint Gottsched
ged. (1751) 1, 406; dein lied ist ... viel zu gekünstelt, viel zu zierlich; es ist nichts wenger, als natürlich Ramler
fabellese (1783) 2, 291; ohne die zierlichen umschweife anderer mahler Wackenroder
herzenserg. (1797) 125; sein (
Engels) dankbarer sohn (1770) (
ist) ein höchst elendes ding und sein vielgeliebter edelknabe (1772) eine zierliche süsze kleinigkeit ohne salz und schmalz. an diesem stücke lobte man die eleganz und klassische schreibart, aber schon Schröder verwarf dies gekünstelte wesen Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 497; zierliche, oft geschniegelte darstellung eines übereinkünftlichen lebens v. Gentz
schr. 4, 332
Schlesier. IV@3@dd) zierlich
als ansprechend in darstellung oder stil, zugleich aber inhaltsarm: du solt nicht allein bletter und einen zierlichen schein von auszen führen, sondern auch löbliche früchte der guten werke für den leuten sehen lassen Herberger
trawrlieder (1614) 3, 502; sie (
die bösen engel), die ... teufel für gottheiten anbeteten, die sie mit zierlichen religionen voll bunten gepränges ausschmücketen Bodmer
crit. poet. schr. (1741) 1, 24; aber es soll niemand die einfältige meinung geistlicher reden, ob sie schon nit fast wol geordnet, oder zierlich scheinet, mit der überflssigen sorgfAeltigkeit deren so dem himmel spitzfindiger weiss nachgriblen, vergleichen wOellen Schweickhart graf v. Helfenstein
Basilius Magnus (1591) 26; es ist aber billig zu beklagen, dasz ... so viele unzüchtige und unflätige (
gedichte), wie wohl in den zierlichsten versen, darinnen zum ärgerniss, fürkommen Triller
poet. betr. (1750) 4, 104; wers in meisterwerken so wenig ausspäht, worauf es ankomt, und sich mit gesellenarbeit (alle, auch die zierlichsten schwAezer sind gesellen) noch dergestalt gtlich thut, dasz er ... Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 85; eine feierliche rede ist gründlich und zugleich zierlich, aber ohne geist Kant 5, 313
akad.; alles unnütze ..., wäre es ... noch so zierlich, werden wir als einen fehler betrachten Göthe 48, 8
W.; wenn unsere lesewelt sich an seinen eben so zierlichen als schauderhaften mährchen ergötzte Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 170; seit einiger zeit ist die achtung für einen zierlichen styl so übertrieben und so sehr gemiszbraucht worden, dasz sich einige schriftsteller lediglich auf die leichtigkeit und flüssigkeit ihrer sprache verlassen J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 10. IV@44)
ebenfalls im 16.
jh. beginnt zierlich
auf die schmucke, reine, säuberliche form zunächst einer künstlerischen gestaltung, später auch gefälliger gegenstände zu zielen: dieweil ich sie ... zierlicher hab trucken lassen, dann sie vormals aussgangen
theatr. diab. (1569)
vorr. 5; hierauf kam der zwar zierlich geschriebene, aber sehr armselig abgefaszte text selbst Gottsched
d. vern. tadl. (1725) 1, 398; ein werck, das zierlich gedruckt ist Ramler
einl. i. d. schön. wiss. (1758) 4, 227; eine reinliche und zierliche abschrift seiner werke Göthe 21, 320
W.; bey mir sieht es nicht so zierlich aus als in dem kleinen billett, das ich mit danck zurückschicke
ders. IV 17, 237
W.; mir (
Göthe) hatte vor sechs bis acht wochen ein mit unserer literatur sich beschäftigender Engländer eine übersetzung meines 'Faust' in zierlicher reinschrift ... zugesendet
ders. gespr. (1889) 7, 154
Biedermann; die sechs ... arien (
Mozarts) sind ... zierlich auf feinem papier von kleinem format ... geschrieben O. Jahn
Mozart (1856) 1, 417; welche, gebrauch nach, in ein gar zierlich serviette, oder handtuch eingeschlagen waren Riemer
d. polit. maulaffe (1679) 83; mit welcher (
kleinlichen art) man von uns verlangte, dasz wir unsere sachen blank und zierlich erhielten Alexis
erinnerungen (1900) 170; den ... morgen erschien ich zierlich und wohlgemut E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 17. VV.
schon mehrfach fand sich bei zierlich
für die feine, aber verzierte form und die sorgfältige künstlerische gestaltung die bedeutungsrichtung zum feinen und kleinen angedeutet. dieser gebrauch setzt im frühen nhd. vereinzelt ein und wird in moderner sprache vorherrschend. die anfänge dieser entwicklung liegen V@11) V@1@aa)
beim übergang von zierlich
in der bedeutung schön (
vgl. I 2; 3)
von leuchtender schönheit zu anmutiger schönheit, hübsch: diese war zierlich hübsch, und ich, vermuthlich darum, eine zeitlang sterblich verliebt in sie U. Bräker
s. schr. (1789) 1, 104; der gärtner, des zierlichen ... kindes sich freuend Fontane I 1, 92; der freie zierlich geschnittene mund Arnim
s. w. (1853) 15, 146; die feine zierlich geschwungene nase der schönen Bella
ebda 1, 165. V@1@bb)
daraus modern weitverbreitet für lieblich, anmutig, graziös: man hört in der ferne den heitern gesang einer mädchenstimme; es ist die liebe, die sich in gestalt einer zierlichen nymphe nähert Göthe 41, 1, 41
W.; ich bringe das portrait von so einem geschöpfe (
mädchen) mit, man kann nichts zierlicheres sehn
ders. IV 8, 170
W.; endlich da ich leis die kammer öffne, find ich sie gar zierlich eingeschlafen, angekleidet, auf dem sopha liegen
ders. I 2, 101
W.; sie (
Juliette) hat so artige empfindungen, ein so zierliches zartes wesen, und ist so sanft wie mondschein Klinger
w. (1809) 1, 103; sie nimmt ihn wie ein schamhaftes kind, mit erröthenden wangen, gesenkten augen, zierlichem neigen Scherer
literaturgesch.7 207; zeigten sich bald die zierlichen gestalten der gemsen Herm. v. Barth
aus d. nördl. Kalkalpen (1874) 113; sie leckte das löffelchen schnell und zierlich ab Keller
ges. w. (1889) 2, 260; die tanzmelodie ergeht sich in lieblichen, zierlichen läufen Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 127; die aufgabe eines leichten, zierlichen und graziösen spielens wird sehr anmuthig gelöst O. Jahn
Mozart (1856) 4, 12; diese weichlich spielenden worte sind von Mozart ... mit einer zierlichen anmuth behandelt
ebda 1, 296; ein gedicht ..., dessen inhalt ... durch zierliche gleichnisse und anmuthige wendung sich auszeichnet Göthe 24, 338
W.; wein flosz über den tisch, und sie, mit zierlichem finger, zog auf dem hölzernen blatt kreise der feuchtigkeit hin
ders. 1, 253
W.; der knab sich zierlich beugt Arnim
s. w. (1853) 13, 13; ein kleiner harlekin ... machte die zierlichsten sprünge Brentano
ges. schr. (1852) 5, 15; eine lange kette von mädchen und rittern in bunter reihe folgten einem vortänzer, und in zierlichen tanzschritten vorwärts schreitend, machten sie allerhand windungen Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 33; den (
saltarello) habt ihr noch niemals gesehn, und werdet ihn auch wohl schwerlich wieder so zierlich getanzt zu schauen bekommen Gaudy
s. w. (1844) 2, 106; in harmonischen beugungen und zierlichen kecken labyrinthischen tänzen Bettine
frühlingskr. (1844) 111; das hauptpaar tanzte eine allemande, dasz man nichts zierlichers sehen kann Göthe III 1, 216
W. V@22)
beim übergang der bedeutung kostbar als bezeichnung ornamentaler pracht (I 3)
zur bezeichnung einer sorgfältig und kunstvoll verzierten ornamentik: so nun, die selen gemacht ... alsdann mach etwas zirlichs von gewindt darein A. Dürer
underweysg. d. mess. (1525) G 3
b; figuren und laubwerk waren sehr zierlich und wohlgezeichnet Göthe 43, 22
W. V@33)
in der verwendung des wortes für geschickt (
vgl. II 6 c): in dem ballspiel wird dess einen fehler, der den ball nicht wohl zugeschlagen, von dem andern, der ihn zierlich annehmt, verbessert
quelle bei Fischer
schwäb. 6, 1, 1191; weil dieser verlauffene mOench ... die gebeerden darnach so zierlich zu stellen wuste, hat er seinen herren diss gedichte zu glauben beweget Olearius
pers. reisebeschr. (1696) 117
a; o ich hab sie so zierlich auf das tischchen practiciert, das neben mamsell Jeannettchens bette steht, just unter ihre nachtmütze Gotter
Jeannette 2.
aufz. 2.
auftr. als ausdruck der gauner- und diebessprache: zierlich
in aller stille, langsam, leise, vorsichtig v. Train
Chochemer loschen 136
b; zierlich
still, ohne geräusch, langsam, geheim; zierlicher massematte
ein diebstahl ohne geräusch und ohne gewalt an menschen Grolman 76
a; zierlich, zirlich
ist also vollendet, gelungen: zierlicher massematten
der ungestört verübte und vollkommen gelungene diebstahl; zierlicher schränker
der einbrecher, der keinen anlasz gefunden hat, gewalt gegen personen anzuwenden, da er den diebstahl ungestört vollführt hat Avé-Lallemant
gaunerthum 4, 624. V@44)
die vorstellungen des anmutigen und der sorgfältigen ausführung verbinden sich in zierlich
zur bezeichnung des feinen und kleinen. V@4@aa)
für klare, sorgfältige künstlerische arbeit in detaillierter und darum wohlgefälliger ausführung: schöne kupfferstich, ... gar zierlich gestochen Guarinonius
grewel d. verw. (1610) 185; ich ... (
habe) ... dises nicht wol und zierlich beschrieben Aitinger
jagd- u. weidb. (1681)
vorr. 1
b; sondern forderte von den brüdern eine deutlichere und zierlichere erklärung vom abendmahl D. Cranz
brüderhistorie (1771) 57; im vorigen jahrhundert war die beschAefftigung der gelehrten, die materialien abzusondern, und jede art in zierliche schichten bereinander zu setzen Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 124; diese briefe ... sind ... ein daguerreotyp dreier fiebernder jahre, hier zierlich das kleinste treffend, dort alles ... verwischend Gutzkow
ges. w. (1872) 12, 357; ... Wilhelm hat eben wieder ein paar kleine stücke fertig gekriegt, die er ihnen sicher sendet; er geht nicht gern an weitläuftige sachen, arbeitet dafür desto zierlicher aus Jacob Grimm
an Dahlmann 1, 492
Ippel; von der universität wollte er ihr einen zierlichen goldring senden Arnim
s. w. (1853) 7, 57; eine zierliche goldene kette
archäol. ztg. 1, 84
Gerhard; so fand die Stuart expedition ... einen kindersarg von zierlicher arbeit Ratzel
völkerk. (1885) 2, 76; bei ihnen ist treffliche viehzucht, ackerbau, die kunst, das eisen, kupfer und elfenbein sehr zierlich zu verarbeiten Ritter
erdkunde (1822) 1, 102; am feste schmückt dieses (
das volk) eben so seine eignen wohnungen und bekleidungen sowie seine verrichtungen mit zierlichem geräthe Hegel
w. (1832) 2, 540.
in sorgfältiger kleinarbeit geschmackvoll verziert: (
den bernstein) durch andere instrumenten zierlich ... machen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle (1711) 2, 6; und dreizehn stühle sah er an den wänden umher geordnet, wie im frommen chor, gar zierlich ausgeschnitzt von klugen händen Göthe 16, 181
W.; brachten das zuckergeschirr von violigem glase, mit silber zierlich gefaszt J. H. Voss
ged. (1802) 1, 56; auf seinem schreibtisch lag ein kleiner revolver, zierlich und mit elfenbeingriff Fontane I 5, 103; lehnstuhl, den er selbst ... kunstreich geflochten, voll zierlicher figuren und kreuze Grimm
dt. sagen (1891) 1, 55; die ... glocken hingen in öffnungen, deren ränder ein zierlich geschweiftes steinernes blätterwerk schmückte Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 13; eine wendeltreppe ..., das zierlich durchbrochene geländer von nuszbaumholz Fontane I 1, 188; jetzt aber schlug das letzte viertel auf dem turm von Sankt Alban, der seine leichte, zierlich durchbrochene pyramide in das klarste nachtblau streckte Mörike
w. 3, 43
Göschen; die zierlichen schnörkel der abbreviaturen Justi
Winckelmann (1866) 1, 43; alles mit einer sauberkeit, mit einem zierlichen fleisz ausgeführt Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 129; über dem tisch in der mitte des raumes lag eine decke, welche zierlich mit der nadel gestickt war G. Freytag
ges. w. (1886) 9, 33. V@4@bb) zierlich
als bezeichnung für das kleine mit gefälligem, schmuckem aussehen nimmt quantitative bedeutung an, nicht plump und massig: dann kommt die interessante kirche zu Wremen, mitten im dorfe liegend ... ihre verhältnisse sind zierlicher, schlanker als die der übrigen, was wohl dem material, aus dem sie errichtet, zuzuschreiben ist Allmers
marschenb. (
31900) 322; zierliche gondeln hüpfen über seine wellen Börne
ges. schr. (1829) 5, 135; dabei trug sie mit anstand ein zierliches körbchen Arnim
s. w. (1853) 10, 205; zierlich ist des vogels tritt im schnee, wenn er wandelt auf des berges höh: zierlicher schreibt liebchens liebe hand, schreibt ein brieflein mir in ferne land Mörike
w. 1, 23
Maync; den vielen zierlichen thürmchen Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 4; mochten die Germanen die keimende saatspitze, ..., als ein lebendiges wesen feiern, so hatte doch der mythische ausdruck dieser zierlichen naturbeobachtung kaum einen anderen sinn als den eines bildes, das im stillen doch wieder von dem bezeichneten unterschieden wird Lotze
mirkrokosmus (1856) 1, 8; mein (
des mäuschens) leib ist zierlich und gewandt Brentano
ges. schr. (1852) 5, 43; über halbschuhen ... konnte man durch violette seidenstrümpfe die zierlichsten fuszgelenke erkennen Carossa
d. schicks. dr. Bürgers (1930) 15; die vorderbeine sind auffallend klein und zierlich Nehring
tundren u. steppen (1890) 72; so ist es ein eigenthümlicher zug der thierfabel, die königswürde entweder dem gröszten und mächtigsten oder umgekehrt dem kleinsten und zierlichsten geschöpf einer gattung zu übertragen J. Grimm
Reinhart fuchs (1834)
vorr. xliv; ein zierlicher, goldgrüner käfer purzelte ihr gerade auf den hals Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 26; ein blumenkranz mit den zierlichsten insekten durchsprenkelt Annette v. Droste-Hülshoff
br. an Levin Schücking (1893) 158; da kam ein groszer plumper kerl ... die terrasse im eilschritt herab auf die zierliche frau zu Kerner
bilderb. (1849) 288. V@4@cc)
in form und gestalt klein und wohlgefällig: dieses allerliebste, blasse, zierlich gewundene müschelchen Mörike
ges. schr. 3, 72
Gösch.; sie ... legte gleich darauf zwei zierliche papierdüten auf den unter dem tassenregal stehenden tisch Storm
s. w. (1898) 4, 210; liesz ich einige paar schuhe und das zierlichste paar pantöffelchen zusammenpacken, und nahm sie gleich selbst mit mir Schreyvogel
ges. schr. (1829) 1, 42; jeder zierliche nachttopf vor einem groszen breiten fenster machte mich vor ihrer schlafstube zittern Brentano
Godwi (1801) 1, 86; sie verschieszen das gift wie spielend mit kleinen zierlichen pfeilen Fr. L. Jahn
w. (1884) 2, 521. V@4@dd)
zur bezeichnung des leichten und zarten: aber die nymfe (
Kalypso) zog ihr silberfarbnes gewand an, fein und zierlichgewebt J. H. Voss
Odyssee 92
Bernays; wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben, schwebt, Seraph gleich, aus ernster wolken chor, als glich es ihr, am blauen äther droben, ein schlank gebild aus lichtem duft empor Göthe 3, 22
W.; oder die so zierlich sc webet, birke, säuselnd geisterhaft? Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 246; V@55)
häufig in übertragener bedeutung zart, innig: von allem zärtlich zierlichen der hebräischen poesie sollte dies büchlein eine vorstellung geben Herder 12, 414
S.; mit Opitz, Logau, Gryphius und Günther beeiferte sich das ganze gebildete Schlesien, zierlich zu empfinden und heroische verse zu machen G. Freytag
ges. w. 18 (1888) 178; zwischen beiden erfolgt ein zierliches liebesgespräch Grimm
dt. heldensage (1867) 59; manch zierliches liebeswort schallte da leise durch die laue luft v. Eichendorff
s. w. (1864) 3, 133; so zierlich, leicht und schwebend war der kuss Ricarda Huch
in meisternov. dt. frauen (1897) 176, 2.