trockne,
f. ,
trockenheit, trockene stelle. dem ahd. adjectivabstractum truckni (Graff 5, 512)
entsprechende umlautsformen mit ü
finden sich nur in obdt. dialekten, z. b. bayr. trückene Schmeller-Fr. 1, 646
oder entrundet schwäb. drĭgene, trikne Fischer 2, 417.
sonst trat meist angleichung an den stammvokal des grundadjectivs ein, doch ist bei formen wie truckene (
z. b. Sperander 5
b)
auch mit umlautshinderung durch geminiertes k
zu rechnen. wurde (
in md. oder alem. mundarten)
schon frühzeitig der stammvocal o
in die ableitung übernommen (
vgl. trohkini
ahd. gl. 1, 165, 27
keron. gl.),
so konnte dieser noch umlaut erfahren, so z. b. tröckne Maaler 409
a, tröchni Seiler
Basler ma. 85,
sonst entstand trockne,
das in der älteren schriftsprache die überwiegende form ist. in md. dialekten finden sich formen ohne n: druck Follmamm
lothr. 107
a,
henneberg. trücke, tröcke
neben trockene Spiess 260,
thür. tröcke Hertel 248,
so vielleicht schon die trucke
passional 1
a Hahn, die truck
erste dt. bibel 7, 400
lit. ver., ohne dasz aus solchen formen ein schlusz auf eine ursprünglich (
germanisch) -n-
lose bildung berechtigt wäre. im obdt., bes. im bairischen, hat sich bisweilen die alte nebenform auf -în
erhalten, z. b. ariditas die dürrin, trücknin Megiser
thes. polygl. (1603) 1, 120
c;
auch ein tirol. trik
χnə
musz auf trucknîn
zurückgeführt werden (Schatz
ma. v. Imst § 116).
seit dem anfang des 18.
jhs. wird trockne
schriftsprachlich allmählich durch trockenheit (
s. d.),
das schon für Steinbach (1734) 2, 860
als gebräuchlicher gilt, abgelöst, findet sich aber noch häufiger bei Göthe,
s. Fischer
wortschatz 631
a;
spätere schriftsprachliche belege bleiben vereinzelt, z. b. trockene Karmarsch-Heeren 10, 8,
doch bleibt tröckne
im schweizerdeutschen bis zur gegenwart lebendig: in halbjähriger tröckne J. v. Müller
sämtl. w. 14, 61; bei der tröckene
der bund (
Bern) 6.
august 1904. 11)
begriffen wie nässe, feuchtigkeit entgegengesetzt: du zuscheides ... die trocken von der vuchten, die werme von der kelden Hesler
apokalypsc v. 90
Helm; von der trüchen wirt ein iegelich dinch smal oder dunne
Bartholomäus 128
Pfeiffer i. d. Wiener sitz.-ber. 42; wo ein füer ist, do ist ouch ein durre und truckene Geiler v. Keisersberg
bilgerschafft (1512) 15
b; der conflict zwischen trockne und feuchtigkeit (
scheint) dieses phänomen hervorzubringen Göthe II 1, 220
W.; vom menschlichen körper: das drit zaichen (
der pest) ist groszer durst, truckne des mundes Steinhöwel
regimen pest. 395
Ehrle; dasz sich das kind an der geburt verhindern oder seumen wolte ... von wegen der trückne und enge des fordern leibs oder geburtglieds Ruoff
hebammenbuch 55; in der heisere und trückne des hals Tabernämontanus
kräuterbuch (1687) 623
b; nun habe ich schon, solange der winter dauert, eine trockne in den augen, doch ganz ohne verdunkelung Annette v. Droste
br. 24
Cardauns; bildlich: durch deinen gnadentau mein drückne zu befeuchten Weckherlin 2, 140
lit. ver.; von der trockenheit des erdbodens: das ärdrich spalt auf oder zerkleckt von tröchne oder dürre Frisius 430
a;
ähnlich, nach trocken A 5: truckne sol komen uber ire wasser, das sie versiegen
Jeremias 50, 38;
im sinne von trockner, fester zustand: zur trockne verdampft heiszt er (
der gelee) leim Liebig
hdb. d. chemie 172;
beachte auch nach trocken C 1 c
α: tröchni ... des imbisses
ohne flüssige beigabe Friedli
Bärndütsch 6, 72. 22)
in speciellerer verwendung. 2@aa)
von klimatischer trockenheit, niederschlagsarmer witterung, synonym etwa mit dürre: got hête in gesendet ein truchenne uber allez daz lant
diu vrône botschaft 827
Priebsch; sover (
wenn) ain trickne einfiel, dasz die gemain genötiget wurde, ... zu wässern anzuverordnen
tirol. weist. 3, 124; entstuond grosze teure ... wegen der groszen tröchne diss jars Stumpf
Schweizerchron. (1606) 112
b; wenn derselbe (
boden) lange nicht beregnet worden, oder wenn eben eine grosze tröckne eingefallen ist C. v. Heppe
aufr. lehrprinz 26; regenwetter nach langer trockne Göthe III 4, 30
W.; dasz bei der tröckene der graswuchs mitten im schönsten triebe zu wachsen aufgehört hat
d. bund (
Bern) 6.
aug. 1904. 2@bb)
in der älteren naturlehre (
vgl.trocken E): der êrste ist Sâturnus gnant, an dem ist kelde und trücken erkant Thomasin v. Zirclaria
wälsche gast 2364
Rückert; daz uns verjehent astrôlogî ... ir (
der gestirne) kelde, ir hitze, ir trucken, ir naz Heinrich v. Freiberg
Tristan 231
Bernt; iedoch ist daz kraut haiz und trucken, aber sein hitz ist klainer wan sein trücken Konrad v. Megenberg
buch d. natur 394
Pfeiffer; die magerheit ist von starker hitz und trückne Dryander
arzenei (1542) 26
a; die weisen überkamen miteinander von seiner (
des essigs) trückne
M. Herr
schachtafelen (1533) c 3
a; kalte und trockne leiber brauchen wegen ihrer kälte einiger übungen, wegen ihrer trockne aber sollen solche übungen weder zu geschwind geschehen W. H. v. Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 109
a. 33)
concret als bezeichnung für trockne oder zum trocknen gebräuchliche orte. 3@aa)
als der von feuchtigkeit, regen oder flut unbenetzte ort, specieller als ufer, continent oder sandbank im gegensatz zum meer: aber Israhelis sune durchkiengen uz in druccheni (
per siccum) Notker 2, 619
Piper; (
inaquoso) in dem unwazzervollen, daz ist, da des wazzeres nih ne was, in der truchene, in der durre
Windberger ps. 361
Graff; grôz was diu herzensêre, dô man die tôten sach tragen an die trucken ûz dem bluote
heldenbuch 2, 300
b (
Rabenschlacht);
hierher auch (
vgl. die trocknete 3): einen teil (
der oblate) leit er (
der priester) in den kelch in das bluot ..., den andern teil leit er an die trüchni (
aufs trockne) uf die batenun (
geweihte hostienschale)
altdt. predigten u. gebete 74
Wackernagel; noch ein cleinis, so wil ich bewegen den himel und di erde, daz mer und di trochkene Claus Cranc
propheten 357
Ziesemer; zuo zeiten sol er (
der walfisch) auf das gestad häraus gon und ... zuo zeiten gar nach auf die tröckne häraus lassen, sich bei der sonnen zuo wermen Forer
Gesner fischbuch (1575) 98
b;
als sandbank (
vgl. trockenhaftig): von der gefärlichen truckne im munde der Wolgen P. Fleming 483
lit. ver.; (
da der könig) auf einer trocknen sandbank sasze und sonder zweifel gar geblieben wäre, wann nicht die ... vorsehung gottes das schiff ... von der trockene abgezwungen ... hätte
M. Krämer
leben u. tapffere thaten 160;
im wortspiel: an der trückne kann er (
der krebs) nicht leben. die natur hat der lanzknecht eben, das er frü und spat foll musz sein, sich stets füllen mit bier und wein Hans Sachs 9, 243
K.-G.; bildhaft: es schlegt mancher an der trückne aus, des er im regen und nässe nimmer mehr mag erlangen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 152
b;
nach trocken A 3 d: er ist uf der tröcheni '
in geldnot, gleichsam wie ein auf den sand geworfener fisch' Friedli
Bärndütsch 1, 36. 3@bb)
als ort oder vorrichtung zum trocknen von wäsche und dergl. mundartlich weit verbreitet, z. b. thür. tröcke '
gang hinterm hause zum wäschetrocknen' Hertel 247;
steir. trückne, trücken '
platz zum trocknen' Unger-Khull 176
b;
lothr. durck '
vorrichtung zum wäschetrocknen' Follmann 107
a.