gewaltsame,
gewaltsam,
f. ,
ganz vereinzelt auch als masc. nachgewiesen, substantivbildung zu dem eben behandelten adjectiv, vgl. gewaltsame bei Lexer 1, 974,
nachtrag 207.
über das geschichtliche verhältnis zwischen beiden nominibus s. u. —
das substantiv gehört von seinem ersten auftreten ab (1214)
durchaus der rechts- und geschäftsprache an, in der es die bedeutung von potestas mit den verschiedenen an gewalt (
s. d.)
oben belegten privatrechtlichen verzweigungen des begriffes zur geltung bringt. seit dem ende des 15.
jahrh. wird auch die vorstellung der violentia an unserem substantiv entwickelt, das in dieser prägung in die allgemeinere litteratur überdringt, vgl. die beispiele aus Hutten, Fischart, Kirchhof
und den chroniken. vom 17.
jahrh. ab sterben beide verwendungen rasch wieder ab, sie werden nur in wörterbüchern, vor allem in den sammlungen zur rechtsprache, vorübergehend wieder aufgefrischt. der wechsel zwischen apokopierten und vollen formen, den Lexer
a. a. o. mit dem gegensatz im genusgebrauch identificiert, ist an diese unterschiede nicht gebunden. ausgesprochenes masc. ist überhaupt nur selten belegt: si stunden solichs jres gewaltsams ab.
monumenta Boica 25, 491,
vgl. Schmeller 2
2, 909; darauff sich dann ... der hertzog
etc. etlicher derselben haab und güter auch zu seinem gewaltsamb unterzogen.
urkunde kaiser Friedrichs III. (1465)
bei Haltaus 697; da sie sich hinfuro solches aigenthätlichen gewaltsams und furnemens gegen den unsern enthalten.
der Frankfurter rat (1561)
bei Haltaus 698.
die apokopierten formen sind auch am ausgesprochenen femininum belegt, sie wiegen in den österreichischen weisthümern und entsprechenden urkunden, vor allen in den jüngeren rechtsquellen vor. auf österreichischem gebiet ist diese apokope mit der entwicklung eines labialen verschluszlautes verknüpft (
vgl.gewaltsamb
österr. weisth. 6, 474. 476. 5, 206. 3, 18. 1, 238,
vgl. Haltaus 697. Mayr
epitome 321
b),
der beim oberschwäbischen schreiber des truchsessen von Waldburg auch vor dem auslautenden vocal erscheint (gewaltsambe
bei Baumann 558).
für die volle form hat der auslautende vocal seine qualität in der schreibung lange festgehalten, vgl. gewaltsami
Werdenberger urkunden von 1214,
österr. weisth. 1, 192. 223;
Balinger urk. v. 1403;
urk. kaiser Maximilians, vgl. die belege aus Schöpflin, Gallus Oheim
und den monum. Boica. die schwächung des vocals ist in den monum. Zollerana, in den acten zum bauernkriege und der Schweizer chronik für gewaltsame =
potestas belegt, ebenso in den meisten beispielen für gewaltsame =
violentia (
bei Hutten
und Th. Zweifel gewaltsamm,
gewaltsam).
in der form gewaltsame
buchen sodann die sämtlichen wörterbücher dasjenige, was sie von dem absterbenden worte noch wissen, so Henisch, Wehner, Besold, Sattler, Stieler, Bayer, Frisch,
nur Estor
bedient sich der apokopierten form. der charakter des abstractums bringt es mit sich, dasz das substantiv an und für sich dem pluralgebrauch widerstrebt: die vorgeschriben dörffer allü mit allen iren rehten gewaltsami nutzen und zugehörden.
Balinger urkunde von 1403
bei Reyscher
altwürt. statutarrechte 154.
andererseits wird aber aus solchen wendungen, die das substantiv in die verbindung mit dem plural von synonymen bringen, der pluralgebrauch auch am collectiv entwickelt s. u. 11)
die bedeutung von potestas. 1@aa)
die bedeutungsgemeinschaft mit gewahrsam (
s. d.)
springt bei den ältesten belegen in die augen und musz zur erklärung unserer wortform selbst herangezogen werden. sie führt uns auf verbindungen die auch am substantiv gewalt,
wenn dieses der bedeutungsverengerung durch die kennzeichnung eines bestimmten trägers unterliegt (
vgl. sp. 4922),
in reichlichen maasze belegt sind, vgl. sp. 5044
ff. 5047.
zu diesen verbindungen bilden die ältesten gebrauchsformen in der gewaltsame eines andern sein, under die gewaltsame eines andern bringen
eine parallele. in betracht zu ziehen ist daneben noch das adjectiv waltsam,
das freilich nur einmal belegt ist (aller gût ain waltsam fas.
meister Altwert 155, 11,
vgl. Lexer 3, 663),
das aber ebendort unabhängig vom adjectiv gewaltsam
auf das verbum walten
zurückführt. 1@a@aα) wir sollen och alle diu güter diu in unser gewaltsami gelegen sind, diu unserm herren dem bischof, oder sim gotzhus, dem capitel, den dienstlüten oder lüten, von des kriegswegen abgedrungen sind und innehabend, widerlassen, als verr als man das bewiset mit dem rechten, und mit guter kundschaft fürbringen mag, und wir des unterweiset werden an alle gewerd.
Werdenberger urkunde von 1214
bei Mohr
urkunden zur gesch. Rätiens; denselben stokch allen mit sampt der kapellen und mit dem garten, der hintten an den benanten stokch leit, denselben stokch mit aller seiner zugehorung von dem dach uncz auf di erden haben si in zu irem und irs goczhaus notdurften vorbehalten in solher mainung, das der benant stokch mit obgemeldter seiner zugehorung in irer gewaltsam und mit versperrung beleiben und sein soll.
urkunde des klosters Goldenkron (1441),
rer. austriac. fontes 2, 37, 439; darumb, lieber in gott sun, abbt, so haben wir uns diner gepürlichen pitten gnädigelich genaigt und das münster Owe, das dann fuorwar under gewaltsami und grechtigkait sant Peters gehört, das du ietz mit gunst gottes verwist, ... uffgenomen und empfangen. Gallus Oheim
chronik von Reichenau 134; von kinden die in gewaltsam irer eltern oder vormunde sein einich schulde hinter jnen nit zemachen.
Nürnberger reformation (1479) 11
a; und noch in seiner gewaltsam hat.
statutenbuch 1564
bl. 26
a. 1@a@bβ) dadurch wär uns unser romzug gesperrt, und die kai. chron mit sampt gantzem Italia in sein gewaltsamj und regierung komen und gevallen. Maximilian
an die reichsstände in Lindau (1496)
bei Klüpfel 1, 211; all ir gnaden und freihaiten .. so die zu kaiserlicher gewaltsam kumen wirdet, die abermals confirmieren.
urk. zur gesch. Max. nr. 305
Chmel; dem heiligen reich zu entziehen und under sein gewaltsam zu bringen.
kaiserbrief (
Augsburg 1474)
bei Diefenbach-Wülcker 619,
vgl. in ir gewaltsamb bringen. Mayr
epitome (1604) 321
b; da auf irer fürstlichen gnaden urbar ain maleficzische person betretten wurde, so mag ir fürstl. gn. urbarrichter, da er an der hand, nach demselbigen greifen und solches alsobald den landspfleger erindern, damit er komb und dieselbig von dem urbar gefenklich wie sie mit gürtl umbfangen zu seiner gewaltsam bring.
landrecht von Wartenfels (1585),
österr. weisth. 1, 159; so sol und mag er ainen oder mer seiner nachbern zu im erfordern, nach demselben greifen und in der herrschaft zu Müllstath gewaltsamb bringen.
banntaiding zu Millstatt (16.
u. 17.
jahrh.),
ebenda 6, 476; und wägert sich des zu meiner händen oder gewaltsam zu überantworten.
statutenbuch 1564
bl. 25
a u. a.; wurden schedliche leit in dem landgericht gefangen und in des landrichters gewaltsamb bracht, es seie ain oder mehr, ist ain ancleger vorhanden, der soll damit gefahren mit vergwissung und rechtfertigung als recht und von alters herkommen ist.
landrecht im Lungau (
handschrift 1673),
österr. weisth. 1, 238; wer solliches iberfüer und damit betreten wurde, soll von iedem stamb, er sei klain oder grosz, zwai phunt perner puesz zue geben verfallen sein, und darzue solliches verpotenes holz zue der gemain hant und gewaltsamb genomen werden.
ehehaft der nachbarschaft zu Inzing (1616),
ebenda 3, 18. 1@bb)
die bedeutung '
gerechtsame, zustehendes recht, befugnis',
die an gewalt
verhältnismäszig spärlich entwickelt ist (
vgl. sp. 4935. 4959
ff.),
hat unserer substantivbildung in der älteren sprache verbreitung und geltung gesichert; sie entspringt aus dem absoluten gebrauche des wortes. 1@b@aα) ich Jacob von Scharenstetten beküne und vergich offenlichen mit disem brieff .. daz ich .. minen hof ze Fynningen gelegen .. mit allen den rechten ehefftin gewonhaiten diensten nutzen und gülten und der vorgenant hoff mit den vier felden und ieglichs besunder giltet oder gilten mag an clainem an grossen mit besetzzen und entsetzzen und mit aller ehefftin gemainsemin zwangstlin gewaltsenin (
verkaufe) alz ich den merengiu jare bis her uff disen hiutigen tag bracht inn gehebt und genossen han. (1384)
monumenta Boica 23, 250; gabend ... die vorgeschriben dörffer allü mit allen iren rehten gewaltsami nutzen und zugehörden, es sige an lüten, an guten an zinsen ... und mit allen andren iren rechten gewaltsami nutzen und zugehörden im hümenhin ierme ze haben.
kaufbrief für die feste Schalzburg (
Balingen 1403)
bei Reyscher 154; die obgenanten dörffer und willer allú mit lúten, mit guoten, mit zinsen, mit gelten, mit holtz, mit feld, mit wasser, wunne und waid, und besunderlich mit allen iren rehten, ehaften, gewaltsamen, nútzen und zuogehörden was daran, darin oder darzuo gehöret, als das unser lieber herre und vatter von reht gewaltsami oder gewonhait inne, herbrauht, gehept und genossen hat, es sigend kilchengesätz, zenhenden, nútz, dienst, zins, väll oder gelt, klains und grösz, nútzit usgenomen.
brüderliche erbteilung zwischen des grafen Fritz des älteren von Hohenz. söhnen (22.
sept. 1402),
monumenta Zollerana 1, 470; wir ... habent ... zu nuzen und zu niessende versetzt unser und der vorgenannten unser stifft zwei dörffer mit namen Bergholtz mit dem flösslein daselbs und Celle, mit lüten, ... mit gewerffen, banwin, wunnen, weiden ... mit aller herlickeit und gewaltsamen, nutzen, vellen und rechten. (
Murbach 1456)
bei Schöpflin
Alsat. diplom. 2, 389;
villam et pagum Steinheimb mit luten, gült, gütern, zöllen, vogteien und gerichten, und mit aller gewaltsame und herrlichkeiten, freveln und fällen.
urkunde Krafts von Hohenlohe aus 1457
bei Haltaus 698; item des ersten, das der vorgenant junckher Rudolff Giel sin erben und nachkomen in dero hand und gewalt Burgow iemer kompt daselbs zu burger und uff der mülleregg vogt und herren sind, und sigen an den enden iro gericht zwing und penn und alle herlicheit mit aller gewaltsami, uszgelauszen die hochen gericht. Grimm
weisthümer 1, 192 (
öfnung zu Burgau 1469); item des ersten, sind gericht, zwing und bänn unnd alle herlichait im gericht zuo Tablatt ains herren unnd gotzhus zuo sant
Gallen, mit aller gewaltsami unnd gerechttigkait. 1, 223 (
öfnung zu Tablatt 1471,
St. Gallen); so ist dawider auch, das ain abbt von Kempten die zinser mit steuren, diensten und aller gewaltsame innegehabt und dabei pleiben solle.
antwort des fürstabts von Kempten auf die beschwerde der gotteshausleute bei Baumann
acten 58. 1@b@bβ) dieweil aber ir und eure mitbrüder euch daneben mercken und vernemmen last, keinem herrn ainiche gehorsame mer, wie von alters hero, zue thuen, noch zue beweisen, noch euch in eur verainigung understanden, eurn herrn ir gestalt und gewaltsambe mit gebot und verboten zue entziehen, auch durch euch selbs eurs gefallens neu gewalt und obrigkaiten zue setzen.
der schreiber des truchsessen Georg von Waldburg, bei Baumann
quellen zur geschichte des bauernkrieges in Oberschwaben 558; es haben aber dennocht die bischoff, vom ersten einsatz
s. Othmars bisz auff Gotzbertum hinausz zurechnen, die gewaltsame uber
s. Gallen Cell bei 60 jaren in ihren handen gehabt. Stumpf
Schweitzer chronik 357
b (1606). 1@cc)
die bedeutung '
vollmacht',
die bei gewalt
eine auszerordentliche verbreitung gefunden hatte (
vgl. sp. 4933
ff. 4961
ff.),
tritt dem gegenüber an unserer substantivbildung sehr zurück, sie entfaltet aber immerhin die ganze mannigfaltigkeit der dort belegten verzweigungen. 1@c@aα) noch dehainerlei gewaltsam noch rechts darüber haben sollen ze gebieten weder von vogti noch dehainerlai zwanksali.
urkunde von 1407
bei Haltaus 698; in dem allem sollen die zwen gewaltsam haben, in hernach beschribner masz das alles nach dem nuzestn zu bedenken und ze handln.
bürgerordnung von Mittersill, österr. weisth. 1, 298; ist aber ain ort oder mehr im gericht, das er nicht selbs versorgen mocht, doselben hat er vollen gewalt ze sezen ainen andern prabst, doch daran ain richter und die geswornen ain benügen und gevallen haben, und im an seiner statt gewaltsam zu emphelhen, und der gesazt prabst sol auch alle die gewaltsam und gerechtichait haben zu volfüren, so geschriben stet.
lantsprach des gerichts Glurns (15.
jahrh.),
ebenda 4, 8. 1@c@bβ) und sunderlich wan das egenant gottshaus in solcher mas gefreiet ist, das es ... nur allain seins abbts und seins kastvogts underthanikeit solt gehorsam sein; als auch den nu mit erbschaft und rechter gewaltsam an uns und die herrschaft von Osterrich gevallen ist, das wir des gottshaus kastvogt sein, und seine leüt und güeter ze versprechen haben.
urkunde herzog Friedrichs v. Österreich (1406)
bei Herrgott
geneal. Habsburgica 3, 806; vermerkt ain gemain fürnemen und betrachtung in eelich täding am suntag vor Fabian und Sebastian des vierundachtzigisten jars durch richter und geschworn die zeit und die ganz gemain des gerichts Wangen in beiwesen Sigmundt Zwickhauer, burger zu Bozen, als pfleger im Ried, an stat und mit gewaltsamb des edlen und vesten Adam von Weinegk, als gerichtsherrn daselbs, fürgenomen und betracht.
rechte des gerichtes Wangen (1491),
österr. weisth. 5, 206. 1@c@gγ) es sol auch ain ieklicher der herrschaft pfleger mit voller gewaltsamb auf Naudersperg mit seinem selbs leib heuslich sitzen.
landsprache und ehehaft von Nauders (1436),
österr. weisth. 3, 318; inmassen sie dann ihre allhero abgeordnete rähte und botschafft mit hierzu nohtwendigen und dienstlichen instructionen und gewaltsam versehen und abgefertigt haben. (1603)
bei Londorp 1, 77
a; in dem begern euer kon. gn. mit volmächtiger gewaltsam gen Lynntz geschickt werden.
urk. zur gesch. Max. nr. 2
Chmel; das ir .. Johannsen schulmaister statschreiber fur unser landhofmaister gen Insprugg mit voller gewaltsam sendet. 182,
vgl.gewaltsam ist die macht, welche ein mandatarius auszuüben hat. Estor 3, 1314. 1@c@dδ) item von gewaltsam zu versigln, was man ainem richter davon geben sol.
stadrecht von Brunek (15.
jahrh.),
österr. weisth. 5, 487. 1@c@eε) auf solichen des gotshausz grünten und herrligkaiten sol niemant ze greifen noch zu richten haben dan die herrschaft hie zu Müllestath oder in allen hernach geschribnen stucken und articln ier anwalt oder gesezt gewaltsamb.
banntaiding von Millstatt (16.
u. 17.
jahrh.),
österr. weisth. 6, 474. 22)
die bedeutung von violentia. 2@aa)
in der rechts- und geschäftsprache: 2@a@aα) von dem kauffer (
ist) sein selbs schaden zetragen so er sein verkaufte habe verliesse, oder der abstünde in zeit der weerschaft, oder so er sölichen schaden ausz seiner verschuldung empfangen hat, oder im auszerhalb rechtens mit gewaltsam gefügt werde.
Nürnberger reformation (1479) 20
b; solche gepursch haben sie zu nachtail und merglichem verlust mertails irer genachpurten auch uf die hochen gericht dermaszen erstreckt, das ire purger ires gefallens und aigens gewalts den nachgesesznen in die vischwasser geen, darin vischen und angln, auch in diesem bezirk alle maleficia sich zu strafen anmasen, damit dann biszher dem reich, dem haus Österreich, auch andern oberkaiten groszer ingriff beschehen; haben iedoch das mit irer grosen importunitet und gewaltsame, auch ainstails user liderlichkait der genachpurten bisz anhere erhalten.
Zimmersche chronik 3, 353
Barack; bed inner und ewsser räte sein daruff uber die sach gesessen, haben solichen furschlag des ausschusz fur ganz beschwerlich und dabei bewegen und ermessen, sollten sie ichtzit gegen der versamelten bawrschaft in diser uffrur und betrangter not begeben und nachlassen, so beschehe sölichs aus ainer gewaltsam, und were niemand sölichs schuldig zu halten. Thomas Zweifel
bei Baumann
quellen zur geschichte des bauernkriegs aus Rotenburg 79. 2@a@bβ) ob der kauffer sich eussert seiner erkaufften habe oder guts, und helt das pro derelicto in zeit der werschaft, und deszhalb einich gerichtshenndel oder urtail wider in ergiengen, oder ausz sein selbs verschulden einichen schaden daran lidte, oder aber einich gewaltsame ausserhalb rechtens im beschehe, so ist im in disen vällen der verkauffer darumb nichts schuldig.
Nürnberger reformation (1479)
titel 28,
gesetz 13; damit nun sölicher misztraw abgeschnitten, und ain ieder zu seiner arbait und gewerb unverhindert gelassen ward, sehe der ausschusz fur not und gut an, dasz sich der ausschusz von iren und der gemaind wegen zu aim innern burgermaister und rat und herwiderumb inner burgermaister und rate zu dem ausschusz verpunden, globten und pflicht teten, das sie ober ainander trawen und glauben halten, kain tail von dem andern ainicher gewaltsam, far oder sorg gewarten sollten, oder wollten. Th. Zweifel
bei Baumann
quellen zur gesch. des bauernkrieges aus Rotenburg 35; am freitag nach jubilate hat der inner rat alspald allen handwerken sagen lassen, dieweil sich die pawrn diser gewaltsam understanden hetten, die orden und ander hewser hie in der statt Rotenburg zu besuchen und zu plundern. 339; sich solchs aigenthätlichen gewaltsams und furnemens ... enthalten. (1561)
bei Haltaus 698
s. o. 2@a@gγ) also machten die Rhömer mit den Persiern fried, und solt der flusz Tigris ihre landschafft teilen, und scheiden, die andern schreiben anders, nemlich Heraclius hab das volck in nahe gelegnen landen, und das im sein vatter ausz Aphrica zuoschicket, angericht wider Coszdram den künig Persarum zuo beschützung der römischen gegne, wider des selben künigs hochmuot und gewaltsame. S. Franck
chron. (1531) 162
a; und ist dieser process (
der einspruch der grafen gegen die rechtswidrige besitznahme ihrer güter) angefengt worden durch bischof Marxen von Preneste, als aber derselbig bischof, ehe und zuvor die rechtvertigung zu ende geloffen, mit todt abgangen, hat bemelter bapst Innocentius, dem dise deutsche gewaltsame hoch angelegen, sollich geschäft magister Felino de Sandes, seim caplon und auditori palatii bevolchen.
Zimmersche chronik 1, 549
Barack. 2@bb)
in der allgemeinen litteratur: entschützt mich ... gegen ein auszlendigen macht, als landsleut, als die, umb deren willen ich etwas gethon hab, wider einen ungebürlichen, unformlichen muotwillen und gewaltsamm. Hutten (
klagschrift an alle stände) 1, 413
Böcking; aber ubersah er jm die ersten tag, inn betrachtung, dasz die natur die plötzliche änderungen wegen der gewaltsame, on verdrüszlichkeit nicht wol uberstehet und auszhart. Fischart
Gargantua 271
neudruck; es ist eine gleiche gewaltsame, wann der man übel seiner herschaft gepraucht, und wann ein unverstendig weib widerstrebet. (
ehezuchtbüchlein) 3, 187
Hauffen;
vim vi repellere licet, das ist gewaltsame mag man mit gewalt schwächen und hindern. Kirchhoff
militaris disciplina 5. 33)
in den aufzeichnungen der wörterbücher zeigt sich die bedeutung potestas durch die von violentia überflügelt. 3@aa)
die bedeutung potestas wird allein gebucht: gewaltsame,
f. (
plur. inus.),
de onderdaanigheit, gehoorzamheid, of, het regt van de hooge overheid. Weidenbach 436
b. 3@bb)
beide bedeutungen werden neben einander aufgeführt: gewaltsamme, herrschaft,
dominium. Henisch 1591; alle gewaltsamme abstellen,
omni violentia abstinere. ebenda; gewaltsame,
antiquum verbum est olim valde usitatum pro eo quod hodie dicimus obrigkeit. Wehner
observat. (1624) 225.
ebenso Besoldus
thesaurus (1641) 352,
vgl. auch Diether-Frisch (1679) 237; gewaltsame,
pro vi et violentia, welches am kaiserlichen hofgericht zu Rotweil ein ehehafft ist. Wehner
ad reform. Rotw. 2, 1, § 25,
vgl. Diether-Frisch (1679) 237; gewaltsame, die,
in jure dicitur jurisdictio, coerctio, et violentia. Stieler 2426; gewaltsame, bottmässigkeit. Bayer 290; gewaltsame, gewaltthätigkeit,
violentia, vis. ebenda; gewaltsame,
subst., vis, violentia, it. obrigkeitliche gewalt. Frisch 1, 420
b; gewaltsam,
potestas. Haltaus 697;
jus potestativum 698;
potestas illicita et usurpata, vis violenta. ebenda. 3@cc)
einschränkung auf den begriff der violentia: vis, violentia, gewaltsame. Meder (
Ulm 1612) 260; gewaltsame,
f. la violence, la force, vis. nouveau dictionaire du voyageur (
Genf 1703) 145.