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knicken

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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19 in 16 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

knicken

Bd. 11, Sp. 1417
knicken , ähnlich dem knacken, zu dem es in ablautsverhältnis steht, wie klicken zu klacken; alles übrige unter knacken (I, c). hochd. wbb. nennen es erst spät, der Schweizer Denzler noch im jahre 1716 nicht. 11) von einem gewissen kurzen scharfen tone, bes. wie er durch ein brechen, bersten erzeugt wird, der vollere tiefere ton der art heiszt knacken, dumpfer nd. knucken. 1@aa) eine glasscheibe knickt, wenn man an sie drückt, ein trinkglas, das anstöszt und einen risz bekommt, ein dünner stock den man bricht; so gibt das brem. wb. an, von hochd. zuerst Steinbach 1, 886. ebenso engl. knick (auch knirren, knirschen), n. knekke, schwed. knäcka. 1@bb) natürlich auch vom bruche selbst: de sne wart so swar, dat he grote strevebome ummetoch unde (sie) twei reten, spleten unde knickeden. Leibnitz script. brunsv. 3, 423, so nl. knikken geradezu vom einsturz; hd. nennt es als intrans. zuerst M. Kramer (1719): als ich mich auf den zaun setzen wollte, knickte er zusammen; binsen mögen vom athem knicken, eichen wollen den sturm. Schiller 155a (Fiesco 2, 5); das überreife korn ... knickte fast unter der bürde seiner ähren. Immermann Münchh. 3, 63 (116). 22) trans., knickend brechen, zerdrücken u. dgl. 2@aa) z. b. läuse knicken Stieler 991, Steinbach, Frisch, ganz wie oberd. klicken bei Fischart, der aber auch schon knicken braucht (vgl. knickel 2), er erzählt im flöhhatz die wirkungen eines flohheeres in einer kirche: nichts sah ich als ein rucken, zucken, ain schmucken, bucken und ain trucken, ain zwicken, stricken und ain knicken und vil zerriben gar zu stücken. kloster 10, 808; das flöhknicken. das. 792; oder den kopf sie uns abknicken. 790; wir knicken und ersticken doch gleich wenn einer sticht. Göthe 12, 111. fläm. eene vlooi knekken Schuermans 262. 2@bb) nüsse aufknicken Frisch, Steinbach, wie oberdeutsch aufklicken: eines abends zog ich mich in der stube aus, gieng in die kammer und legte mich zu bette. da kömmt mirs über die haselnüsse, hebet an und knicket eine nach der andern an die balken. Luther von seinem aufenthalt auf der Wartburg (Beckers weltg. 1837. 7, 197). eierschalen einknicken, hanfkörner, gesäme knicken, zerknicken (schwedisch knikkje Rietz 341a); das glas ist geknickt, hat einen knick, knicks. ruten, stengel, gräser u. dgl. knicken. 2@cc) es ist aber da nur ein einbrechen, nicht entzweibrechen gemeint, und dieser begriff des halben brechens ist selbst der hauptbegriff geworden (doch auch abknicken, zerknicken), auch tritt dabei der urspr. begriff des klangs zurück: ich bitt euch! ihr (der hauptmann) seid noch der knoten von diesem bündel haselruthen (reichssoldaten). löst ihn auf, so knickt er sie euch einzeln wie rietgras. Göthe 42, 124; der zweig hängt geknickt herunter; ein frevler hat die bäumchen geknickt, umgeknickt; seiner kriegerischen rosse hufe stampfen, knicken unsre frühlingssaat. Schubart (1825) 3, 7; henker, kannst du keine lilje knicken? Schiller 5b; im fallen habe ich eine junge eiche zusammengeknickt. Auerbach schatzk. d. gev. 26; einem eine rippe knicken hiesz einen zum schweigen bringen. Lichtenberg 5, 268. 2@dd) ähnlich steifes papier, wachstuch, eine karte knicken, genauer einknicken, eine falte hinein machen die einen bruch, knick hinterläszt, nd. inknicken in falten biegen brem. wb. 2, 824 (auch intr. brüche bekommen Schambach 91b). s. auch verknicken. 33) dasselbe übertragen und bildlich. 3@aa) das alter knickt den mann, macht ihn gebückt dasz er wie geknickt aussieht, knickt ihn zusammen: die von jahren geknickte geliebte. J. Paul jubels. 16 (1797 s. 29); wenn das alter ihn hinter den ofen knickt, wird ihm das husten und schwachheit vertreiben. Göthe 42, 129, kürzend für geknickt hinsitzen macht. vom knie eines greises: das geknickte knie (Götzens v. Berl. auf einer zeichnung Tischbeins) ist nicht das eines alten reiters. Karl August in Mercks briefs. 1, 339. 3@bb) eine linie ist geknickt, die einen bruch, ein knie hat, vgl. unter 4, a. 3@cc) rein bildlich: die gesetze knicken oder umstoszen. Claudius 8, 213, wie beugen, biegen; man hat sie (die menschliche natur) bisher durch alfanz und aberglauben wiederrechtlich gedrückt und geknickt. 6, 78; seine kraft, gesundheit ist geknickt, hat einen knick erhalten, wie ein geknickter stengel der nun hinsiechen musz; ihr beugt oder knickt die junge seele. J. Paul 38, 16; geknickter muth, geknickte hoffnungen; es ist derselbe sänger, der auch die Hermansschlacht sang, eh vom neuen dränger geknickt ward Deutschlands macht. Rückert 168 (3, 279); und manchem freundesherde wend ich den rücken zu, und knicke todt im herzen den wunsch nach wiederkehr. Lenau neuere ged 54; wenn nicht die machtentwicklung dieses merkwürdigen erobernden priesterstaates durch innere spaltungen im keime geknickt worden wäre. Th. Mommsen m. gesch. 3, 126. schon bei Stieler 1347 knicken, erniedrigen, dejicere de gradu dignitatis, geknicket werden cadere, amittere honorem, deprimi. 44) ebenso intrans. wie brechen, vergl. 1. 4@aa) von einer bewegten linie: neu war uns das steigen und fallen der feuerkugeln (vor Mainz 1793), denn wenn sie erst mit einem flachen cirkelbogen das firmament zu erreichen drohten, so knickten sie in einer gewissen höhe parabolisch zusammen. Göthe 30, 296. 4@bb) von menschen, vor schwäche zusammen knicken: ich habe .. bemerkt, dasz der schauspieler bei solchen stellen .. gleichsam zusammenknickt und aus der fassung kommt. Göthe an Schiller nr. 978 ausg. v. 1856. besonders vom brechen der knie: immer .. mit den knieen geknickt, als wenn ihr kein mark in den knochen hättet! Göthe 14, 14; mir knickten die knie vor müdigkeit; wie müde knickt er (der alte bettler) den berg herunter. J. Paul biogr. bel. 1, 180, geht knickend; der junge kerl fängt schon an zu knicken, genua deserunt cursorem. Stieler 991, knicken, in den knien wanken 1347, er leitet es wie andere von knie ab, und wirklich, während knicken oberd. fehlt, heiszt es doch bair. kniekeln, kniegeln, kneikeln Schm. 2, 367, schweiz. knieken hinken Stalder 2, 114, nd. knikeln Schambach 106a, selbst schwed. kneka, knika, knega Rietz 336a, vgl. knickbein, knickgang. ostpreusz. bildlich er knickt schon, es neigt sich mit ihm zum ende, von einem alten manne. Hennig preusz. wb. 329. 4@cc) knicken als verbeugung, einen knicks machen, 'als im tanzen, oder als die weibsbilder aus höflichkeit' Frisch 1, 528a, bei Schottel 1347 refl. sich knicken oder beugen: denn er zu erst gar wol geschickt die ohren hengt, mit beinen knickt, und wie ein Judas fein behend in aller demuth küst die händ. Ringwald laut. w. (1621) 335, von falscher demütiger höflichkeit; stunden diese schon auf und mit höflich wunder-nötlichem bücken und knicken nötigten ihn dasz er bei sie sitzen muste. Philander ges. (1650) 2, 209. 4@dd) es mag sich auch vom beugen des kopfes finden, vgl. knick 2, knicker 2, knicklauch; das gniegen im Eulensp. s. 49 Lapp. wird eben das sein, vermengt mit neigen. nl. knikken heiszt nicken, vgl. dazu knappen und knippen in gleicher bed., auch knauken. 55) wie an knie, erfuhr es auch eine anlehnung an knick für genick in 'einen hasen knicken' lepori cervicem frangere Stieler 991, ihm das genick abstoszen, wobei man doch sicher zugleich an knicken brechen dachte; ein hase klagt: sie stellen uns nach frü und spat, zu fahen uns, darnach zu knicken, abziehen, einpaiszen und spicken. H. Sachs 1, 503a.c (1590 377a.c), 503a.c steht dafür das genick abstoszen; wann man den hasen gefangen und geknickt hat. Sebiz 596. hierher wol auch folg.: dann solchs ist gleich als wann ein aff vor lieb sein kind erstickt: o äffelein, wie ein süsze straf! dich knickt, was mich erquickt. Fischart Garg. 276a (Sch. 522). daher als drohung: so must du sterben wie ein maus und will dich wie ein hasen knicken. J. Ayrer fastn. 69b (2685, 29). auch vögel knicken, abknicken, das genick eindrücken. Adelung. daher bildlich von einem mädchen, wol vom umhalsen ausgehend: neulich da dich unser schreiber wie eine taube knickte, warst du nicht so widerspenstig. v. Birken Sylvia 28. 66) knicken, geizen, knausern. Stieler 1347, abzwacken, geizig handeln. Frisch 1, 528a: er knicket schon über eine stunde um ein buch vor 8 gr., handelt gar zu genau. Rädlein 550a; er knickt auf einen heller hinauf. 550b; die meisten gelehrten knicken sehr. das.; es spricht wol auch das frauenzimmer: die junggesellen sind genau, sie knicken wie der guckguck immer und quälen eine junge frau. Picander 3, 354; sich ein vermögen zusammen knicken. Adelung. verstärkt in Nürnberg kneckeln Schm. 2, 371 (doch s. sp. 1401), am Mittelrhein knicksen, knecksen Kehrein 235. schon im Simpl. so abgnicken (oben 1, 62), eig. wol abbrechen, abkneipen, abzwacken, vgl. kneipen 3 a. e.; s. weiter knicker, knickig, knickern.
8833 Zeichen · 188 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    knickensw. V.

    Köbler Mhd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    knicken , sw. V. nhd. knappen, hinken E.: Herkunft ungeklärt? W.: nhd. knicken, V., knicken, DW 11, 1417 L.: Lexer 111b …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    knickensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    knicken , sw. V. nhd. knicken, halb brechen, einen Knick machen, umknicken, abknicken, spreizen (Bedeutung örtlich besch…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knicken

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Knicken , verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. Denjenige…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    knicken

    Goethe-Wörterbuch

    knicken a nach älterem Sprachgebrauch: etw (Glas) zum Zerbersten bringen [ Götz: ] Sie schießen den ganzen Tag .. und k.…

  5. modern
    Dialekt
    knicken

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    knicke n [knekə Dü. Barr Zinsw. ; knìkə Bf. Str. ] 1. knicken, halb abbrechen; zerdrücken: Lüsk. ( s. auch klicke n ); S…

  6. Spezial
    knicken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    kni|cken I vb.tr. 1 (brechen) rumpí (rump) 2 (falten) lobrí (lobrësc), fá adöm II vb.refl. sich knicken se lobrí, se sto…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knicken

11 Bildungen · 1 Erstglied · 6 Zweitglied · 4 Ableitungen

knicken‑ als Erstglied (1 von 1)

knicken II

RhWB

knicken II je nach Bed. in verschiedenen Geb. schw.: ein helles, knackendes Geräusch von sich geben, verursachen, u. zwar 1. intrans. a. -i-…

knicken als Zweitglied (6 von 6)

abknicken

DWB

abknicken , defringere, vom halm, stengel, zweig herunter knicken. die blume, den ast abknicken; der geiz gnicket und drücket seinem nächste…

beknicken

MNWB

bek·nicken

beknicken , swv. , 1. (Feldstücke) mit einem Knick (Heckenwerk) besetzen, umziehen. 2. die Wege verknicken, mit Baumstämmen versperren.

einknicken

DWB

ein·knicken

einknicken , inflectere, infringere: eine blume, einen halm einknicken; eingeknickte eierschalen.

vörknicken

KöblerMnd

vörknicken , sw. V. nhd. „verknicken“, durch Verknickung von Bäumen sperren, mit einem Knick versehen (V.) oder dazu machen E.: s. vör, knic…

zerknicken

DWB

zer·knicken

zerknicken , verb. , ein verstärktes knicken ( th. 5, 1417), 1) trans., a) knickend zerbrechen, zerdrücken, zertreten; z. b. läuse: Eyering …

Ableitungen von knicken (4 von 4)

beknicken

MNWB

beknicken , swv. , 1. (Feldstücke) mit einem Knick (Heckenwerk) besetzen, umziehen. 2. die Wege verknicken, mit Baumstämmen versperren.

erknicken

DWB

erknicken , was erknacken: das glas erknickt. tr. eine blume erknicken, knicken, zerknicken.

verknicken

DWB

verknicken , verb. durch knicken beschädigen, heute geläufiger zerknicken. reflexiv sich verknicken, einen knick bekommen und dadurch verder…

zerknicken

DWB

zerknicken , verb. , ein verstärktes knicken ( th. 5, 1417), 1) trans., a) knickend zerbrechen, zerdrücken, zertreten; z. b. läuse: Eyering …